Projekt Terra Nova - Inhaltsangabe   54

Prolog





Es ist schon eine ganze Weile her, und ich muss tief in meiner Erinnerung kramen, um diese Geschichte, die ich euch erzählen will, hervorzuholen.

Ich weiß noch, es war schon spät, und ich kam gerade aus einem Meeting bei der Flottenakademie, das sich sehr zu meinem Unwillen länger hingezogen hatte, als ich plötzlich beschloss, noch einen Drink im Regulus zu nehmen.

Der Lärmpegel war geräuschvoll wie immer, das diffuse Licht erhellte nur notdürftig das Etablissement, und es war, wie nicht anders zu erwarten war, voll besetzt.

Trotzdem war da noch ein Tisch hinten ganz links, kurz vor der Tür zum Hof.

Ein alter grauhaariger Mann hockte dort, vor sich ein halb leeres Glas mit einer grünlich fluoreszierenden Flüssigkeit, offensichtlich Biquiri, der Trank des Vergessens, wie er poetisch genannt wurde, der Extrakt einer immergrünen Pflanze von Regulus VII, die symbiotisch mit einem Pilz zusammenlebte.

Sein Kopf war herabgesunken, er rührte sich nicht, als ich fragte, ob ich mich setzen dürfte. Ich zuckte meine Schultern, ließ mich schwer in einen Stuhl gleiten und winkte der Bedienung.

„Was darf ich dir bringen?“ hörte ich plötzlich eine mir nur allzu vertraute Stimme. Überrascht hob ich meinen Kopf. Silva stand vor mir, Silva, die ich hier nun gar nicht erwartet hatte. Wir hatten vor etwa vier, fünf Jahren eine längere Affäre miteinander. Leider mussten wir uns damals beinahe über Nacht trennen, da ich überraschend das Kommando über eine Einheit der Raumpatrouille im Sektor Dorcas II übertragen bekam.

„Ich habe gehört, dass du wieder da bist“ lächelte sie mich an.

Wortlos musterte ich Silva von oben bis unten. Sie hatte sich nicht verändert, immer noch meine schöne Silva. Doch vielleicht etwas voller geworden um die Hüften, weicher im Gesicht, aber immer noch eine wunderschöne Frau.

„Ich muss ein wenig abschalten“ entgegnete ich müde, „ich habe eine harte Woche hinter mir. Es tut gut ein liebes Gesicht wieder zusehen.“

„Aber was tust du hier, das ist doch für Aktive verboten?“

„Ich bin nicht mehr aktiv, habe jetzt einen Schreibtischjob. Setz dich zu mir, lass uns plaudern. Du glaubst nicht, wie sehr ich mich freue, wieder etwas Zeit mit dir verbringen zu können.
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Ich rückte ihr einen Stuhl zurecht.

„Was machst Du denn am Schreibtisch. Ich kann mir das nicht vorstellen, du bist doch gar nicht der Typ dafür. Kannst du den überhaupt solange stillsitzen“ frotzelte sie mich liebevoll an, während ihre Hand sich auf meinen Oberschenkel schob.

„Ich koordiniere unsere Aktivitäten hier im Sektor. Man, das heißt der Vereinigte Rat, in Person von Großrätin Ludmilla Kaczinsky, hat mir die Leitung des Gatorquadranten übertragen. Heute Vormittag war die feierliche Ernennung, und gerade vor einer Stunde habe ich die Delegation verabschiedet. Sie sind schon wieder auf dem Weg zu Terra.“

Erstaunt und mit großen Augen schaute Silva mich an „Du bist Administrator geworden? Ich kann es kaum glauben. Man hat zwar einiges von dir gehört, deine Erfolge haben ganz schön Wirbel gemacht, aber das du in die Politik gehst hätte ich nie vermutet.“

„Ich weiß es auch erst seit gestern, du bist die erste, die es erfährt. Hast du Lust mit mir zu feiern? Komm mit, ich wohne im Andromeda.“

Etwas traurig schaute mich Silva an und drückte fest meine Hand „Ich bin nicht mehr allein. Melvac und ich haben einen unbegrenzten Vertrag geschlossen. Es geht nicht. Du hast dich nie gemeldet. Ich habe lange gehofft, von dir zu hören.“

„Ich konnte mich doch nicht melden. Wir waren die letzten vier Jahre ständig in Bewegung. Strikte Kommunikationssperre, weißt du. Und heute, ist der erste Tag mal aus der Mühle herauszukommen. Ich habe schon an dich gedacht, aber wie sollte ich dich erreichen? Du warst fort. Ich habe deinen Anschluss angerufen, aber niemand wusste, wo du geblieben warst. Und jetzt sehe ich dich hier. Lass dir irgendetwas einfallen, ich brauche dich, deine Nähe. Weißt Du, es wäre kein Problem deinen Vertrag mit Melvac zu lösen, der Administrator darf das.“

Ich lächelte Silva traurig an.

„Ich kann dir nichts versprechen, aber ich versuche zu kommen. Wir müssen auf jeden Fall miteinander reden. Ich werde gegen 2.00 Uhr TST bei dir sein, eher geht es nicht.

Aber jetzt muss ich weiterarbeiten, Gunjac schaut schon sauer.“ dabei wies sie auf den Wirt, einen vierschrötigen, glatzköpfigen Kerl undefinierbaren Alters, der missmutig zu uns herüberschaute.
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Mit diesen Worten eilte Sylva wieder hinter die Theke, wo der Wirt sie schon mit einem Wortschwall erwartete.

Ich lächelte erleichtert und sah mit einem Male, das der Alte anscheinend aufgewacht war, hastig schlürfte er seinen Drink und murmelte fortwährend vor sich hin. Ich verstand nur Wortfetzen, hörte aber plötzlich deutlich wie er mehrfach - President Monroe - murmelte.

Ich wurde hellhörig. President Monroe, das war das Siedlerschiff, welches vor etwa 40 Jahren spurlos verschwunden war. Mein Bruder und seine Frau waren damals mit an Bord, und ich hatte sämtliche, wenn auch spärliche Informationen darüber im Laufe der Jahre gesammelt.

Ich rüttelte den Alten etwas grob an der Schulter und fragte mit belegter Stimme, „Was wissen sie von der President Monroe? So reden sie schon! Erzählen sie!“

Erschrocken und mit weinerlicher Stimme greinte der Alte „Erst brauche ich einen Drink.“

Dann hob er seinen Blick und murmelte „Ich muss sie schon mal irgendwo gesehen haben“ und schien zu grübeln.

„Los Mann, reden sie schon“ herrschte ich ihn an.

„Erst noch einen Drink, dann kann ich mich besser erinnern.“ Kicherte er plötzlich. „Wissen sie, ich war nämlich auf der President Monroe“ flüsterte er mit einem Mal mit rauer Stimme.

„Unsinn, das Schiff ist vor vierzig Jahren verschollen. Und da wollen sie auf der President Monroe gewesen sein. Reden sie, mein Bruder ist damals ums Leben gekommen. Reden sie endlich. Was wollen sie trinken?“

Ich winkte Silva zu „Bring uns noch was zu trinken. Für mich einen Dateliner und für ihn einen Biquiri“

Eifrig nickte der Alte und leckte seine Lippen voller Vorfreude.

„Wer sind sie eigentlich“ munterte ich ihn zum reden auf, als er endlich an seinem Drink genippt hatte.

„Ich“ murmelte er, „man nennt mich Charly Monroe. Als Halbwüchsiger war ich einer der Siedler, die in die Unendlichkeit aufgebrochen waren, neue Heimat zu finden. Es hat eine schwere Katastrophe gegeben. Ein Tank ist von einem Kleinmeteoriten getroffen worden, und kurze Zeit später ist das ganze Schiff in einem riesigen Feuerball explodiert. Wir hatten unverschämtes Glück, wir, das heißt vierzehn Menschen mit mir, waren gerade auf einem Routinetestflug mit einem Beiboot unterwegs als es passierte.
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Alle anderen müssen sofort tot gewesen sein, d.h. eine Gruppe muss auch auf Terra Nova gelandet sein, wir fanden ihr Beiboot, aber keine Spur von ihnen. Wahrscheinlich haben die Greys sie getötet und gefressen, oder die Katzen haben sie in die Finger bekommen, ich weiß nicht mehr.

Nach einiger Zeit sind wir mit unserem Boot auf Terra Nova gelandet, einem sehr erdähnlichen Planeten, irgendwo in den Tiefen des Alls, weitab von jeder bekannten Formation.“









Also das ist meine Geschichte, ich habe sie mehrfach abgehört, einiges dazugefügt aus meiner Sicht, aber nichts wesentliches verändert, und so hat es sich zugetragen:

Er reichte mir ein Armband mit eingefügtem Dime Würfel. Dime Würfel (kaum 2 Gigabyte Speicher) waren zu Zeit der Expedition der President Monroe zur Logbucherstellung in Gebrauch. Sind aber heute aufgrund ihrer geringen Speicherkapazität durch Volonringe (ca. 2 Terrabyte Kapazität) ersetzt.



(Logbuch: aufgezeichnet auf Dime Würfel von Wolf Galetzki, Expeditionsleiter und ehem. Sektionskommandanten auf der President Monroe)
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Punktestand der Geschichte:   54
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