DER NOTFALL, Teil 1 von 3 - Unverhofft kommt oft    142

Kurzgeschichten · Nachdenkliches

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 20. März 2026
Bei Webstories eingestellt: 20. März 2026
Anzahl gesehen: 358
Seiten: 3

Ein Kontrolltermin beim Kardiologen steht an.



Leider habe ich schon bei der Busfahrt dorthin ein tolles Herzrasen. Und das hört nicht auf, auch während der Untersuchung nicht. Was kann das Herzelein schon groß haben? Vorhin bin ich nass geworden, hatte keinen Schirm dabei. Herz sorgt sich wohl ...

Und Mist: Könnte es sein, dass ich vor dem Kardiologen Angst habe? Ja, habe ich. Denn letztes Jahr hat er mich zum MRT geschickt. Und vor dem hatte ich eine Riesenangst. Nö, nicht wegen Platzangst, damit komme ich klar. Nein, es ging um Schleimbildung im Hals. Heißt: Postnasales-Drip-Syndrom. Dauernd muss man hüsteln und sich räuspern. Und schlucken muss man auch. Ich habe wochenlang im Liegen trainiert, wie ich das aushalte über eine halbe Stunde nicht zu husten, nicht zu räuspern und wenig zu schlucken. Es war schlimm, aber ich habe es mit Ach und Krach geschafft.

Der Witz an der Sache war: Beim MRT kam nix raus, was nicht schon bekannt gewesen wäre. Nämlich Herzrhythmusstörungen, Grad I bis Grad II. Also noch nicht beunruhigend.

Und jetzt will er mich in die Notaufnahme schicken? Hilfe nein! Mein nächtliches Herzrasen habe ich immer in den Griff gekriegt und schlecht fühle ich mich nicht. Ich zögere und zögere und nehme die Aufnahmepapiere schließlich widerstrebend an mich.

Frage noch, ob die auch für ein späteres Datum gültig wären.

"Ja, sie gelten, aber machen Sie es besser jetzt!"

Ich gehe hinaus, immer noch grübelnd. Das Krankenhaus ist drei Minuten entfernt und irgendwas zieht mich dort hin.

Die Notaufnahme ist voll, circa 25 Leute mit diversen Gebresten warten auf Behandlung. Ein Stuhl ist noch frei. Ich setze mich und warte. Will eigentlich wieder abhauen. Mit meiner Gesundheitsuhr messe ich meinen Puls. Der ist immer noch bei 145, aber leicht sinkend.

Quälend langsam wird jemand aufgerufen und verschwindet durch eine Tür. Wenn das so weitergeht, sitze ich noch um acht Uhr hier rum.

Aber anscheinend bin ich ein Notfall: Keine halbe Stunde später bin ich dran. Kurz EKG gemacht. Gefragt nach Beschwerden. Ich habe keine außer ein Schwirren in der Brust, aber das kommt sicher von meinem schnellen Herzschlag. Dieses dumme Herz hört einfach nicht auf zu rasen. 140 Schläge sind es immer noch. Man redet von Vorhofflimmern. Ich hab mal gelesen, dass man dann an die 300 Herzschläge hätte.
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Davon bin ich noch weit entfernt. Aber was weiß ICH schon ...

Ich muss hierbleiben und werde einquartiert. Zwei ältere Damen liegen schon im 3-Bettzimmer. Sonst wird nichts gemacht. Gibt es für sowas keine Medikamente? Eine nette Spritze oder so? Lassen die mich hier verrecken? Andererseits fühle ich mich gut, also trotz der miserablen Umstände.

Ich ziehe meine Winterjacke aus, die Schuhe auch und lege mich auf das Bett. Es ist ziemlich kurz. Den Schrank spare ich mir, weil ich natürlich auch kaum Geld und keine Karte bei mir habe.

Oh! Allmählich kommt's mir: Ich habe nichts, aber auch gar nichts dabei. Weder Unterwäsche, noch Handtuch und Seife. Keine Zahnbürste, keine Zahncreme, keinen Kamm, kein Shampoo, keine Hautcreme und auch kein Deo. Okay, das kann ich verkraften. Und das Handy liegt natürlich auch zu Hause. Klasse! Nur die blöde Gesundheitsarmbanduhr habe ich, aber bei der ist der Batteriestand auf 'low'. Vielleicht taugt sie ja noch für die Uhrzeit. Immerhin ...

Eine Stunde später kommt ein Arzt und erzählt mir was von einer seltsamen Behandlungsmethode:

Man muss einen dünnen Schlauch schlucken und kriegt dann eine leichte Narkose. Dann wird das Herz elektrogeschockt, und danach findet es wieder seinen normalen Rhythmus.

Hört sich nicht gut an: Schlauch schlucken? Ekelhaft und ätzend. Aber watt soll man machen?.

Ich frage einen Pfleger, ob es ein Telefon gibt. Er gibt mir eins aus dem Krankenhaus. Man muss nur die 0 vorher wählen. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten kann ich meinen Gatten erreichen und informieren.

"Du musst mich nicht besuchen, ich bin bestimmt morgen wieder zu Hause. Ist mal was anderes ..." In Wirklichkeit glaube ich nicht daran.

Man serviert mir ein Mittagessen. Gar nicht übel: Irgendwas mit Paprikaschoten und Reis. Ich esse alles auf.

Und lebe mich ein. Die anderen alten Mädels sind bestimmt schlimmer dran als ich. Die neben mir hat furchtbare Schmerzen, sie kommt aus Bosnien und lebt schon seit 40 Jahren hier. Sie hat einen großen Buckel und ist sehr klein. Machen die in Bosnien nichts gegen solche Buckel? Vermutlich nicht. Aber der Buckel tut wohl nicht weh, sondern was anderes. Sie greift sich immer an die hintere Hüfte, wo der Schmerz sitzt und geht zögerlich. Sie hat eine Herz-OP hinter sich und wird vielleicht morgen nach Dorsten verlegt. Dort soll es schöner sein als hier, sagt sie.
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Aber normal ist das nicht, mit diesen Schmerzen. Ich verstehe mich gut mit ihr, obwohl sie nur ein bisschen Deutsch spricht. Und das gefällt dem anderen Mädel nicht. Also dass sie kaum Deutsch spricht.

Das andere "Mädel" ist eine Zicke und Nervensäge - und sie bestimmt alles. Gnädigerweise überlässt sie mir die Bestimmung über die Fernbedienung. Aber im TV ist nix zu gucken außer Sport, und zwar Olympiade. Klar, Öffentlich Rechtliche. Bobfahren ist okay, Eiskunstlauf auch. Curling? Why not?

Jemand bringt das Abendessen. Es findet erstaunlicherweise nicht am Nachmittag statt. Es gibt Vollkornbrot, Kochschinken und Käse. Doch ja, gefällt mir. Nur der Tee ist undefinierbar, aber heiß.

Irgendwann schlafe ich ein. Der Fernseher ist noch an, als ich in der Nacht aufwache. Ich schalte ihn aus. Alles um mich herum schläft. Und ich hatte zum ersten mal seit Wochen kein Herzrasen in der Nacht. Liegt es an den neuen Medikamenten, die ich zu den alten schlucke? Und was schlucke ich da eigentlich?



Fortsetzung folgt
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Ich habe keine Probleme damit, den Text zu verstehen. Mir gefällt er gut, denn wenn man aufwacht, ist das immer etwas Positives. Gruß Lisa

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