Sommer/Urlaub/Reise · Erinnerungen · Romane/Serien

Von:    axel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 18. August 2017
Bei Webstories eingestellt: 18. August 2017
Anzahl gesehen: 162
Kapitel: 1, Seiten: 8

Diese Story ist die Beschreibung und Inhaltsverzeichnis einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

Immer wenn es nur ging, sahen sich von nun an die Beiden und sie liebten sich heiß und innig. Die Mutter duldete all dies. War sie nicht auch einmal jung gewesen? Doch es bereitete ihr Kummer, wenn sie ihre Tochter heimlich kleine Jäckchen und Babyschuhe stricken sah.

Immer wieder malte sich Johanna aus, wie es denn wäre, wenn sie mit langem weißen Schleier, an der Seite ihres schicken Reserveoffziers aus dem dritten Ulanregiment vor dem Traualtar stehen würde. Alle würden sie beneiden, dass gerade sie, die Ausgestoßene einen solch „stattlichen“ Kerl zum Manne bekommen hatte.

Da Julius stets verhütete, wenn sie zusammen waren, machte sie das schließlich doch etwas mißtrauisch. „Willst du denn kein Kind von mir?“ , fauchte sie ihn eines Tages tief enttäuscht an und als wäre das nicht genug gewesen, fügte sie noch hinzu: „ Oder machst du es deshalb, weil du mich erst heiraten willst, damit unser Kind später keine Probleme hat?“

Zumindest hatte sie dabei rote Ohren bekommen, denn sie forderte ihn damit zu einem ernsten Gespräch heraus. Er hatte sie gerade zärtlich geküsst, sie hockten halbnackt und verschwitzt auf dem Bett, als er sich ganz spontan aus ihrer Umarmung löste. „Was sagst du da?“ , keuchte er überrascht und erzürnt zugleich.

„Du hast es gehört!“, beharrte sie, zornig mit den Zähnen knirschend.

Er wich vor ihr zurück, so als wäre sie plötzlich eine gefährliche Giftschlange geworden. „So dankst du mir also meine Vorsicht!“, entfuhr es ihm, käseweiß im Gesicht, denn die ganze Sache regte ihn zutiefst auf. „Hast du denn kein Hirn? Was sollen wir schon jetzt mit einem Kind? Du bist arm und ich bin ein ehemaliger Bauernjunge, ohne Hof und Gut, der nur mit Mühe seine vielen Uniformen bezahlen kann, die er immer wieder zu Ehren des Kaisers tragen muss. Was sollen wir da noch mit Kindern? Ich kann dich nicht heiraten, denn wovon sollen wir leben? Freue dich doch …“ und er legte wieder zärtlich seine Arme um sie, „dass wir einander haben. Genießen wir zum Beispiel diesen Augenblick.“ Da konnte sie nicht anders, als seine Küsse zu erwiedern, auch wenn ihr die Tränen dabei kamen.

In Wahrheit aber liebte Julius Johanna. Jedoch korrekt wie er war, wollte er ihr lieber keine Hoffnungen machen.
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Insgeheim überlegte er hin und her, wie er am besten zu Geld kommen konnte, um zu verhindern, dass Johanna nicht mehr weiter ihrer Mutter half, die mit ihrer Arbeit als Marketenderin, nicht gerade den besten „Ruf „ wie man das damals nannte, hatte. Marketenderinnen wurden oft mit Prostituierten gleichgestellt, weil sie nicht selten auch sexuelle Dienste leisteten, wenn es in der Kasse mal knapp aussah. Sie standen deshalb am untersten Rang der Hierarchie.

Aus diesem Grunde sah Julius auch zu, dass er sich, möglichst ungesehen von seinen Kameraden, mit Johanna weiter traf. Zwar konnten die Obersten der Heeresleitung nicht öffentlich verbieten wohin ihre Gefreiten abends gingen und mit wem sie sich trafen und die „Dirnen“ wie man die Prostitierten damals nannte, hatten bestimmte Lokale, wo man sie antreffen konnte. Doch Julius war Offizier von dem man einen vorbildlichen“ Lebenswandel“ erwartete.

Julius plante aus diesem Grunde, vielleicht eines Tages gemeinsam mit seiner Johanna auszuwandern und er dachte auch daran seinen treuen Wallach Tario zu kaufen. Denn er konnte auch ohne dieses Pferd nicht mehr leben. Doch das waren nur Träume, denn es kam alles ganz anders, als er es sich so gedacht hatte.

Eines Tages trat ein hochrangiger Adeliger von hinten an ihn heran, als Julius gerade sein Pferd aus der Box führen wollte. Dieser war mit einem der Söhne Kaiser Wilhelms bekannt und dessen Stimme klang ziemlich hochnäsig war, als er meinte :„Das brauchen Sie künftig nicht mehr zu tun, denn ICH habe nun diesen Gaul gekauft.“

Jilius stand verdattert vor dem Adeligen stramm. „ Jawoll, Herr Oberoffzier“, zischte er zwischen zusammen gepressten Zähnen hervor. „Das habe ich nicht gewusst.“

„Nun wissen sie es!“ , fügte der Adelige schnöselig hinzu und er hatte ein kleines Grinsen auf den Lippen, weil er sehr wohl bemerkt hatte, wie Julius mit den Tränen kämpfte.

Mein Großvater verlor leider sein edeles, intelligentes Tier an jemanden, der nur wenig Ahnung von Pferden hatte und den dieses Thema eigentlich auch nie so richtig interessiert hatte. Jener hatte nur Vieles über die Reitkünste meines Großvaters gehört und wollte ebenso fantastisch auf diesem Pferd aussehen, reiten wie der Teufel, genauso angeklebt im Sattel sitzen, wie der.

Leider würde er später feststellen, dass es nicht allein am Pferd liegt, eine solche Einheit zwischen Pferd und Reiter zu bilden.
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Es war zu befürchten, dass Tario schließlich gemeinsam mit den vielen anderen Pferden, die dieser Adelinge bereits besaß, nur im Stall herum stehen würde oder – dass es noch schlimmer kommen konnte - dass dieser Adelige aus Wut und Enttäuschung darüber, keine Chance zu haben, jemals so gut zu sein wie mein Großvater, das Tier bald zu Tode reiten würde.

Freilich bekam Julius einen anderen Gaul für weitere Arbeiten zu Pferde zugeführt, aber die Beziehung zu diesem Fuchs war lange nicht so gut. Der Wallach dachte nicht mit, lernte schwer auf Befehle zu achten und er war ungeschickt, wenn es galt über Hindernisse im Wald zu hechten. Vielleicht spürte er ja auch, dass Julius seinem treuen Tario hinterher trauerte.

Selbst Johanna konnte eines Abends nicht mehr an sich halten und fauchte genervt: „Meine Güte, so hab`dich doch nicht so. Es ist doch nur ein Pferd.“

„Aber Hannchen ( So nannte mein Großvater sie stets zärtlich), Tario wiehert mir hinterher, sobald ich an seinem Stall vorbei gehe und er frisst nichts mehr, haben mit die Knechte gesagt!“

„Ja und? Du meine Güte! Dann stirbt dieser blöde Tario halt!“

Und wieder einmal rückte Julius von ihr fort, so als hätte er sich an ihr verbrannt. Für einen Moment starrte er Johanna nur stumm an, denn ihm fehlten einfach die Worte. Wie konnte sie nur so etwas einem Ulan aus einem Reiterheer, jemandem der so leidenschaftlich Tiere lieben konnte wie er, derartiges an den Kopf werfen? War Johanna, denn wirklich die Richtige für ihn?

Zu allem Übel stürzte Julius später beim Springen über einen umgestürzten Baum schwer. Der Fuchs hatte die Hufe nicht hoch genug gezogen, um hinüber zu kommen, obwohl ihm Julius die passenden Zeichen hierfür gegeben, ihm sogar leise den Befehl dazu ins Ohr geflüstert hatte. Julius hatte einen Bruch im Schienbein, der Fuchs war so schwer verletzt, dass er erschossen werden musste.

Mein Großvater fiel für einige Zeit bei millitärischen Übungen aus. Er wollte auch gar nicht mehr reiten. Nachdem er erfahren hatte, dass Tario wegen tückischem Verhaltens gegenüber seines neuen Herrn, eigenhändig von diesem getötet, mit einer Pistole erschossen worden war.
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Es fehlte Julius plötzlich jegliche Lust zu Pferd an den Manövern teilzunehmen. Da er früher oft, bevor er Offizier geworden war, als Bote geritten war, lag es nahe, dass er sich in die millitärische Nachrichtenübermittelung versetzen ließ.

So verdiente er auch mehr Geld und konnte vielleicht erreichen, dass Hannchen nicht mehr ihrer Mutter zur Hand gehen musste. Er würde sie auszahlen und dafür sorgen, dass sie eine Stelle in einer richtigen Schneiderei bekommen würde.

Er traf aus diesem Grunde eines Tages überraschend bei ihr ein und sah, dass sie sich von einem jungen Ungarn, der erst als Gemeiner im Heer diente und Gefreiter werden wollte, heiß und innig küssen ließ. Johanna saß dabei auf dem Bett und dieser dicht neben ihr. Sie hatte die Schultern entblößt und ihr Kleid war etwas tiefer gerutscht, sodaß man die Ansätze ihrer Brüste sehen konnte! Sie wisperte diesem Mann kichernd etwas ins Ohr, woraufhin dieser verstehend lachte und seine Augen aufblitzen ließ. Julius betrat vollends den Wohnwagen und brüllte: „Johanna, das nennst du also in Treue auf mich warten, ja ?“

Erschrocken und mit hochroten Köpfen fuhren die beiden auseinander. „Ddddu …kkkommst jetzt schon?“, keuchte sie verdutzt und zupfte sich dabei das Oberteil ihres Kleides höher.

Juius machte auf dem Absatz kehrt, aber sie stürmte, mit immer noch entblößten Schultern, ihm hinterher. Der Ungar stopfte sich noch schnell sein Hemd in die Hose und verließ ebenso schnell den Wohnwagen. Draußen lachten sich die Soldaten schief, als sie das sahen, und sie johlten schadenfroh, als die schluchzende Johanna, sich an Julius Arm hängte. „Bleib doch …ich …ich will dir noch alles erklären!“, wimmerte sie.

„Nein, das kannst du nicht!“, schrie Julius sie an und schüttelte seinen Arm, um sie los zu werden, und er versuchte so gut es ging, seine Tränen hinunter zu schlucken.

An diesem Tage verließ er sie, allein schon deswegen, weil Soldaten, die ihn kannten, ihn dabei beobachtet hatten. In dieser Nacht lag er lange wach und dachte wiedermal über sein zukünftiges Leben nach. Eigentlich war Johanna für ihn gestorben, aber wenn sie so gemein sein konnte, dann würde er sie eben ausnützen, so lange bis er die „Richtige“ gefunden hatte.
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Er konnte ja nicht ahnen, dass Johanna ihrerseits von diesem Moment an Besserung schwor. Er liebt mich DOCH…!“, dachte sie trotzig, „denn er hatte Tränen in den Augen, als er ging!“ Sie erkundigte sich bei einem Freund, der Julius näher kannte und dieser meinte. „ Der Julius hat vor, dich zu heiraten, Mädchen. Dauernd hat er mir erzählt, dass er zu Geld kommen will, dass du nicht mehr bei deiner Mutter arbeiten sollst und dass er mit dir auswandern möchte!“

Dieses gehört zu haben, machte Johanna sehr froh und zuversichtlich. ´Also wollte er mir nur keine unnötigen Hoffnungen machen. `, folgerte sie.

Was Julius nun jedoch verhängnisvoller Weise still für sich beschlossen hatte, davon erfuhr sie nicht und er ebenso nichts von ihren neuen Entscheidungen. Beide waren zu heißblütig und stolz, um einander etwas von ihren geheimen Gedanken zu verraten.

Sie trafen sich trotzdem wieder, ohne über das, was neulich zwischen ihnen geschehen war, zu sprechen. Das wurde von ihnen beiden verdrängt und so küssten sie und liebten sie sich immer wieder aufs Neue, bis eines Tages …. das große Verhängnis über diese glückliche Zweisamkeit doch herein brechen sollte.



Fortsetzung folgt: Doch da geht es dann wieder weiter mit meiner Großmutter Erna
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