Trilogie - Kommende Sommer - Elegie - Was der Mensch braucht   314

Nachdenkliches · Poetisches · Sommer/Urlaub/Reise

Von:    Renate Neff      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 21. Februar 2012
Bei Webstories eingestellt: 21. Februar 2012
Anzahl gesehen: 1458
Seiten: 2

Hier wieder etwas schwerere Kost. Bin gespannt, was Ihr dazu sagt. Zu pathetisch?







Kommende Sommer



Hitze flirrt

Lastet

bleischwer

über den Feldern



Die Lungen pfeifen

Und Grillen zirpen im Gras

Tief im Erdreich verkriecht sich der Wurm.



Staubig die Städte

Die Menschen im Schweiß

Lechzen nach Naß

Standhalten der Hitze – mühsam



Der bunte Vogel pfeift nicht mehr



Die Jungen – wenn möglich – fliehen

Den Stränden entgegen

beten an Helios mit sonnengeölter Haut.

Lichthungrig und heiter achten sie nicht

Seiner Pfeile und spielen im Bad.



Manch einen wird bitten zum Tanz Melanom



Im Äther melden sie Dürre

Vertrocknende Ernten und riesige Brände

Hast du gesehen das Kind

Die sterbende Fliegenweide?



Im Orkan

Verschüttet

Ertrunken

Erschlagen

Verweht

Menschen und Tier



Dieses Jahr wieder: Seit Menschengedenken

Der heißeste Sommer

Und wieder der kommende wird ihn übertreffen.



Kassandra, wer hört dich?









Elegie



... und schrieb und schrieb an weißer Wand

Buchstaben von Feuer

und schrieb und schwand... (aus „Belsazar“ von Heinrich Heine)





Oh, hilflos singe ich dir

Und voll Trauer

den Gesang deines Untergangs

Ebenbild Gottes, der Schöpfung Stolz

Begnadetstes Wesen der Evolution:

Zerbrichst an dir selbst



Brüder seid ihr euch nicht mehr

seit Kain den Abel erschlug.

Feindlich gesonnen einer dem andern

Zerstört jeder für sich, was allen gehört.
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Dein Schicksal, Übermütiger,

herrisch nahmst du es selbst in die Hand.

Übermensch willst du sein, gottesgleich?

Eingreifen DU in den Schöpfungsplan?

Nein, klein bist du, missgünstig und zänkisch.

Von Herzwand zu Herzwand reicht eines nur:

Dein selbstsüchtiges Ich.



Geldgierig, gefräßig und unersättlich

Um des eigenen kurzen Vorteils willen –

Verschuldest du Kriege und Katastrophen.

Dein Tanz um das goldene Kalb,

direkt in den Abgrund führt er dich.

Sterben wirst du

du Krankheit des blauen Planeten,

du Irrtum der Evolution.



... und erstarken kann die Erde von neuem.



Doch wer singt dann?









Was der Mensch braucht



Gutes Essen braucht der Mensch

Und Kleidung, die muss auch schmücken.

Und ein Dach über dem Kopf

Mit Tisch und Bett und Schrank

Und an der Wand ein Bild



Arbeit und Sinn und Freiheit

Bücher und Schönheit und Kunst

Liebe vor allem und Nähe,

ach ja, Geben und Nehmen,

Kühle und Frische und Regen

friedlichen Streit und Verstehen



Den Kindern Äpfel, Kakao und Ravioli

oder Reis und Fisch und Maniok

Eine Katze zum Streicheln

Im Sommer ein Haus zum Verstecken

zum Füttern der Vögel im Winter eins

Und Lehrer und feste, geduldige Eltern

Die Antwort wissen auf alle Fragen

Spielzeug und Lob, eine streichelnde Hand



Verständige Ärzte braucht der Mensch

Und Impfstoff gegen die Geißeln der Welt

Einen menschlichen Papst, keinen göttlichen

Und Konzerne, die Arzneien verschenken an Arme

Sauberes Wasser, einen schattigen Baum

Und Blumen im Garten — überall.



Hände und Worte und Schultern zum Trösten

Gute Freunde, die zu dir stehen,

Und dich beweinen, wenn du gestorben bist

Und Kraft und Zuversicht und Vertrauen

Staunen, Demut und Ehrfurcht und Wissen



Feste, Tanz und Musik auch und Lachen,

auch Wein und Bier und freundliche Nachbarn

Und elektrischen Strom von der Sonne



Wissenschaft zum Wohle der Menschen,

Und ehrlichen Handel zwischen Reichen und Armen

Kräftige Arme und Hirne,

gemeinsam sorgend und Wohlstand schaffend für alle.
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Demokratie und Gleichheit und Brüderlichkeit

Und jedem sein eigener, freundlicher Gott

Ein gerechtes Recht ohne Todesstrafe und Folter

Mut, dem Bösen entgegenzutreten

Klugheit und den weiten Blick

zu unterscheiden, was sinnvoll, was nicht.

Und Mut für Versöhnung, Erinnern und Frieden



Im Orient und Okzident, im Süden und Norden:

Stolze Bauern, die nicht hungern,

den eigenen Boden bebauen

Mit Tee, Kaffee, Getreide und Reis

nicht mit Cannabis, Coka und Mohn.

Und im Stall zehn Kühe für Milch und Käse und Fleisch.



Und dass der Gastfreund dem Gast Zuflucht gewährt

die Starken die Schwachen stützen

Nistende Schwalben und die Meere voll Fisch



Und über alle Grenzen:

Dass alle Völker mit EINER Stimme

behutsam

in Freiheit

gemeinsam

gestalten

alles Leben auf Erden.



Das brauchen die Menschen.



ALLE
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Kommentare zur Story:

  Klingt sehr schön. Jedes deiner ungereimten Gedichte ist stimmig, steht für sich und bildet doch gemeinsam mit den anderen ein großes Ganzes und das sagt auch der Inhalt deines langen Gedichtegedichts für mich aus. Schöne Idee gut umgesetzt. Pathetisch finde ich hier nichts, es lag dir am Herzen.  
   doska  -  22.02.12 12:10

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Interessante Kommentare

Kommentar von "weltuntergang" zu "Abschied nehmen"

Schweres und schönes Gedicht. Gefällt mir sehr total. Ganz liebe Grüße

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