TOPP, die Wette – Der Anfang...22   66

Romane/Serien · Amüsantes/Satirisches

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 15. Februar 2010
Bei Webstories eingestellt: 15. Februar 2010
Anzahl gesehen: 1417
Seiten: 5

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


WARTEN AUF WAS???



Verdammte Kusine, verdammter blöder Chris! Irma findet aus ihrer mörderischen Stimmung nicht mehr heraus, dauernd muss sie dran denken, wie dieser Siggy mit ein paar Worten alles wieder zerstörte.

Das Wochenende in der Oper war doch fast schon vergessen, die Phantome der Oper nur eingebildet, und selbst die Kusine zu einem Schatten verblasst. Ja sicher, Verdrängung ist gut, gelle?

Und dann träumt Chris einen schlechten Traum, und sie lässt sich von seiner Hilflosigkeit einlullen? Wie bescheuert!

Aber Siggy hat alles wieder ins rechte Lot gerückt. Hahaha, boah, was ist deine Kusine hübsch, du Glücklicher! Hast es ihr hoffentlich ordentlich gegeben... Das sind die Tatsachen und nicht ihre sentimentalen Vorstellungen. Alles kommt wieder in ihr hoch, obwohl sie es doch so genial verdrängt hat. Chris mit einer anderen Frau... Allein die Vorstellung daran tut Irma weh, und das ist nicht in Ordnung, daran will sie nicht denken. Sie muss die Gedanken daran vertreiben, die gehören nicht zu dem Programm mit Chris. Chris ist Sex ohne Gefühle, Chris sieht gut aus, Chris ist ohne Verpflichtungen, Chris ist einmalig, aber er ist nicht für sie bestimmt. Und hoffentlich auch für keine andere Frau. denn keine von denen hat ihn verdient.

Huch, was zum Teufel denkst du da, Irma? Chris ist Chris, und so toll ist er nun auch wieder nicht. Abgesehen von seinem Aussehen, seinen Kenntnissen im Bett, seiner Intelligenz, seinem Witz...

Scheiße, der Mistkerl ist gut, es gibt keinen Vergleichbaren. Aber es gibt auch keinen, der so unverschämt, so arrogant und vor allem so unfähig ist, sich zu verlieben. Hmmm, oder war er etwa schon in andere Frauen verliebt? Wen juckt’s, Irma prustet zornig vor sich hin. Sie will weg von ihm, dieser Mist bringt ihr doch gar nichts!



Okay, da ist diese Einladung von Harald.

Vielleicht wird die alles ändern. Sie will doch einfach nur geliebt werden, sie will selber lieben, und sie will respektiert werden, denn es haben schon viele Männer versucht, ihr Wesen umzukrempeln. Sie will natürlich keinen Hampelmann, der sich alles gefallen lässt, aber wenn jemand sie als das annimmt, was sie ist, dann würde sie alles für ihn tun. Hmmm, natürlich nur, wenn sie ihn lieben würde...

Irma grübelt weiter.
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Aber bis jetzt hat es nie geklappt. Der Ex hat sie schamlos betrogen, und sofort nach der Trennung von ihm hat sie sich ohne Plan hysterisch in die Suche nach einem neuen Kerl gestürzt. Und wieder klappte es nicht. Hans-Peter oder Klaus-Peter – wie auch immer der hieß – wollte, dass sie Röcke trug, wollte sie auf der Stelle heiraten, wollte in ihre Wohnung einziehen, wollte ein Kind mit ihr, wollte mit ihr angeben. Irma fühlte sich schwer unter Druck gesetzt und zog sich zurück.

...Und landete in der nächsten Katastrophe, und zwar mit Bernie, der sie gar nicht wollte. Von einem Extrem ins andere...

Dann kam ein One-Night-Stand, denn so einen musste man ja unbedingt als Frau haben. Ihre Freundinnen waren Spezialistinnen darin, die legten sich einfach hin – und dann Orgasmus... Aber für Irma war dieser One-Night-Stand so enttäuschend, dass sie an sich selber zweifelte und es nicht noch einmal versuchen wollte. Doch was tat sie Monate später? Landete mit dem dunklen Felipe-Gott im Bett. Irma schüttelt den Kopf und lacht auf, denn diesen Stand, der so verheißungsvoll begann, hat sie nicht einmal gestanden. Was ist sie nur für eine Pfeife! Aber vielleicht lag es ja an Chris.

Denn in der Zwischenzeit hatte sie Chris kennen gelernt. Chris, den Supermann. Aber die Fronten wurden schon am ersten Abend geklärt, er wollte nur mit ihr schlafen. Na ja, immerhin...

Chris gibt ihrem Körper, was er braucht. Trotzdem ist sie frei und kann in aller Ruhe nach dem suchen, der für sie bestimmt ist. Eigentlich sollte alles bestens sein. Doch trotzdem grummelt da etwas im Hintergrund und versaut ihr alles.



~~~~~~~~~~~



Auch der Abend mit Harald wird dadurch versaut. Aber warum? Harald hat doch so eine beruhigende Wirkung auf sie, man könnte ihn, wenn man böse wäre, fast schon als Schlaftablette bezeichnen.

Es fängt schon an, als sie mit ihm in der S-Bahn sitzt. Sie ist zwar gespannt darauf, in was für eine Behausung er sie führen wird, aber gleichzeitig fühlt sie sich fremd. Harald ist ihr fremd, auch wenn er noch so nett ist. Und eigentlich gehört sie nicht hier hin, sie sollte besser... Nein, um Himmels Willen, jetzt nach der blöden Sache mit dieser Scheiß Kusine hat sie keine andere Wahl, sie will nicht die Idiotin sein, über die man lacht, weil sie einem Kerl treu ist, der es mit anderen Weibern treibt.
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Irma schaut zum Fenster hinaus, aber sie sieht kaum etwas von der vorbeifliegenden Landschaft. Ihre Mundwinkel zittern, aber dann reißt sie sich zusammen und unterhält sich zerstreut mit Harald.



Als das Ziel erreicht ist, vergisst sie kurzfristig ihren Frust. Mal wirklich was anderes! Haralds Bekannter, ein arbeitsloser Architekt wohnt auf dem Grundstück einer nie fertig gebauten Neubauruine, deren Betonwände ohne Fenster immerhin schon ein Dach und ein paar angedeutete Zimmer haben. Der Architekt – Irma und er können sich übrigens auf Anhieb nicht ausstehen – haust in einem Wohnwagen am Rande des Grundstücks. Für die körperlichen Ergüsse steht ein Pixi-Klo zur Verfügung. Es erinnert Irma irgendwie an die Plumpsklos in ihrem Heimatdorf, und vorsichtshalber checkt sie die üppigen Büsche ab, welche das Grundstück umgeben, denn vielleicht kann man dort besser seine Notdurft verrichten.

Sie muss das unbedingt Chris erzählen, der liebt so interessante Örtlichkeiten. Sie wird natürlich nicht erwähnen, dass sie mit einem Kerl hier war. Madame, genau, sie wird Madame vorschieben. Die passt gut hier hin!

Oh Mist! Sie will ihn doch gar nicht wiedersehen, aber trotzdem ist er da, irgendwie hat er sich in ihrem Gehirn eingenistet.

Irma spricht dem ausgezeichneten Rotwein des Gastgebers zu, und allmählich erlebt sie den Abend wie in kurzen bewegten Bildern, manchmal mit Ton hinterlegt und manchmal auch im Stil einer Schwarzweiß-Stummfilm-Groteske.



SZENE 1: Harald klimpert auf seiner Gitarre herum, Irma mag das, sie bewundert Leute, die ein Instrument spielen können, sie selber kann das nicht, sie kann nur Geschichten schreiben. Irma streichelt ihm über sein schwarzes langes Haar. Harald schaut sie verträumt an, er hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Keanu Reeves.

Zwei junge Typen - sie sehen aus wie Theologiestudenten oder wie Jesuitenzöglinge – unterhalten sich angeregt. Sie hängen aufeinander wie Kletten, und der Gastgeber mag sie anscheinend sehr.



SZENE 2: Ein Diplom-Ingenieur, Irma weiß das, weil er es immer wieder erwähnt, erscheint mit seiner Frau.
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Die Gattin ist Diplom-Psychologin, auch das wird immer wieder erwähnt. Sie haben ihre Kinder mitgebracht, ein Mädchen und einen Jungen. Der Junge ist älter als das Mädchen. Beide verhalten sich total schüchtern und toben nicht in den Ecken der Neubauruine herum, wie Kinder es tun sollten. Komische Kinder, denkt Irma.



SZENE 3: Michael, der Gastgeber lässt sich über seine Kindheit aus. Er ist wohl in einem sehr gutbürgerlichen Hause aufgewachsen.

„Ach ja, wie war das früher schön“, schwärmt er. „Meine Eltern besaßen ein Musikzimmer mit einem Klavier, und es wurde immer Hausmusik gemacht. Ja, das war noch Kultur!“ Er spricht Kultur so genüsslich aus, als ob man sie essen könnte, mit einem langen uuu und einem rollenden rrr. Kultuuurrr... Hört sich irgendwie zum Anbeißen an.



SZENE 4: Das gegrillte Zeugs ist unheimlich lecker und der Rotwein auch. Es wird dunkel, es wird kälter, und es fängt langsam an zu nieseln. Es nieselt sich in einen penetranten Regen hinein. Alle Anwesenden ziehen sich in die Neubauruine zurück, die immerhin schon ein Dach hat, und man unterhält sich über Kultuuurrr...

Irma geht ab und zu aufs Pixi-Klo, um sich auszulachen. Das ist der einzige Ort, wo man sich auslachen kann.



SZENE 5: Allmählich schaltet Irma geistig ab. Sie kriegt nur noch mit – während sie den vermutlich sehr teuren französischen Rotwein trinkt – dass die sooo emanzipierte Frau Diplompsychologin ihre verschüchterten Kinderchen nach Hause bringen muss, während ihr Gatte munter weitersäuft, als ob ihn diese Familiensache überhaupt nichts angeht.

Und wenig später versucht er tatsächlich, klein Irma anzumachen! Das ist absolut lächerlich! Klein Irma bekommt fast einen Schluckauf und geht wieder aufs Pixi-Klo.



SZENE 6: Die Neubauruine erinnert an ein Bühnenstück, da standen die Leute auch in irgendwelchen Ruinen herum und schienen auf irgendetwas zu warten.

Michael hat anscheinend die gleiche Idee. „Das kommt mir vor wie in diesem französischen Schauspiel“, bemerkt er. „Wie ‚Warten auf Godot’. Von wem ist das noch? Ich komm’ jetzt nicht drauf.“

„Samuel Beckett“, sagt Irma spontan. „Ich glaub’, der war Ire.
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..“

„Tatsächlich“, meint Michael daraufhin, „fallen einem manchmal die einfachsten Sachen nicht ein...“

Du Arsch, denkt Irma daraufhin und besucht wieder das Pixi-Klo. Sie und das Pixi-Klo sind mittlerweile gute Freunde...



SZENE 7: Man zieht sich in den Wohnwagen zurück, dort ist es richtig gemütlich und vor allem viel trockener. Irma spielt Skat mit Harald und den beiden Jesuitenzöglingen. Irma ist alles so egal, dass sie auf volles Risiko spielt, und sie gewinnt, sie gewinnt viel. Pech in der Liebe, Glück im Spiel...

Der Gastgeber sitzt nebenan mit drei Leuten und redet schlaues Zeug. „Skatspielen finde ich irgendwie proletenhaft“, meint er, hat wohl mitgekriegt, dass Irma, das aufsässige Proletenkind das Spiel angeregt hat. Haha, Irma findet das lustig. Mittlerweile ist die letzte S-Bahn weg, und sie gewinnt immer noch...



SZENE 8: Sie liegt neben Harald auf diesem komischen Klappbett, es fühlt sich fremd an. Auch Haralds Körper fühlt sich fremd an, und sie rutscht unwillkürlich ein Stück von ihm weg. Harald spürt anscheinend, dass sie ein wenig daneben ist, und er legt den Arm um sie. Irma macht sich ganz steif und schüttelt seinen Arm ab. Er hat nicht das Recht, sie zu trösten, er ist unwichtig, sein Trost ist unwichtig, und sie weiß überhaupt nicht, was sie hier tut.



SZENE 9: Bis zum Morgengrauen vergeht eine endlos lange quälende Zeit. Auch das Frühstück ist quälend. Michael erzählt total lächerliche Sachen, nämlich wie sie damals die Frauen penetriert haben.

Penetriert, was bedeutet das?

Sie sitzt neben Harald in der S-Bahn, und sie schweigen beide. Sie sehnt sich nach Chris’ Bett und vor allem nach seinem Körper, auch wenn dieser Körper vielleicht anderen Frauen Freude bereitet.

Aber nächste Woche wird sie nicht bei ihm andackeln, da muss er schon selber kommen.



Fortsetzung: BREAKING THE WALL (die Letzte)
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Punktestand der Geschichte:   66
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Kommentare zur Story:

  Och, die arme Irma. So allein auf diesem großen Fest und keiner der Anwesenden kann ihren heißgeliebten Chris ersetzen. Ja, du hast recht, mit manchen Menschen fühlt man sich fremd und bleibt mit ihnen fremd und manche - mit denen versteht man sich auf Anhieb, fühlt sich gleich vertraut. Ich glaube, das ist nicht erklärbar. Und so ist es auch mit der Liebe. Sie ist ebenso wenig erklärbar. Ich denke Chris leidet wie Irma unter der Einsamkeit. Dennoch war auch dieses Kapitel irgendwie witzig. Ich musste viel schmunzeln. Danke dafür.  
   Petra  -  16.02.10 21:22

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  irgendwie haben doch alle menschen etwas selbstzerstörerisches an sich, auch wenn das pixiklo lustig ist. na, ich denke, im nächsten oder übernächsten kapitel ist schluss mit dem theater und irma und chris bekennnen farbe.
grüß dich  
   rosmarin  -  16.02.10 08:41

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Einfach toll wie du diese fade Party beschreibst. Du schaust den Menschen in die Seele. Ich kann mich auch auf so manchen Feten nicht des seltsamen Gefühls erwehren, als würde dort nur auf irgendetwas gewartet. Da ist der Titel für dieses Kapitel wirklich ganz passend. Und dieses Vermissen eines geliebten Menschens - mitten im Gewühle - ist dann ganz besonders schmerzlich. Man kann Irma nur wünschen, dass sich Chris genauso nach ihr sehnt.  
   doska  -  15.02.10 22:03

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Interessante Kommentare

Kommentar von "Meerschweinchen" zu "endstation der träume [textfetzen]"

total cool. Gefällt mir gut. Du hast stil. 5 Punkte! ;) mehr geht ja LEIDER nicht

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