Crysella und der Schwarze Mond/ Kapitel 10   65

Romane/Serien · Erotisches

Von:    rosmarin      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 10. Februar 2010
Bei Webstories eingestellt: 10. Februar 2010
Anzahl gesehen: 1586
Seiten: 8

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Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


10. Kapitel

______________

Wieder war Vollmond. Und wieder verspürte Crysella diese unerklärliche Unruhe.

Das war sogar ihren Kolleginnen in der Bibliothek aufgefallen.

„Was ist los mit dir?“ Ruth hatte sie vorwurfsvoll angeschaut. „Du nimmst hier ein Buch nach dem anderen aus den Regalen und legst es irgendwo ab. Nur nicht da, wo es hin gehört.“

„So?“

„Ja. So. Suchst du etwas Bestimmtes?“

„Nein.“

„Hast du was? Kann ich dir helfen. Du bist so seltsam in letzter Zeit.“

„Nein“, hatte sie gemurmelt. „Ich habe nichts. Nur, das ES hat mich wieder.“

„Na, komm. Wir trinken einen Kaffee. Dann verschwindet dein ES.“ Ruth hatte versöhnlich gelacht. „Manchmal bist du schon recht seltsam.“



Ja, Crysella war seltsam. Das ES, wie sie es nannte, nahm immer mehr Besitz von ihr. Heute trieb es sie hinaus in die dunklen, nur spärlich beleuchteten Straßen der Riesenstadt. Wie eine streunende Katze durchstöberte sie jeden Winkel, als gäbe es dort irgendein unerhörtes Geheimnis zu entdecken. So gelangte sie in eine Gegend, in die sie sich nicht einmal am Tage gewagt hätte.

Finstere, ärmlich gekleidete Gestalten huschten, die Köpfe in verschlissenen Mantelkrägen verborgen, sich scheu an halb verfallene Häuserwände drängend, deren Putz unaufhörlich abbröckelte wie alter Schorf, wie flüchtige Schatten vorüber.

Keiner nahm die Anwesenheit des anderen wahr. Es schien, als käme jeder von einem anderen Planeten.

Sie fröstelte. Wie allein doch der Mensch ist. Sie wickelte ihren weiten, schwarzen Mantel enger um ihren schlanken Körper, lief weiter, eine unendlich lange Straße entlang.

Die Häuserschluchten hatte sie längst hinter sich gelassen, aber sie lief immer weiter, folgte einer diffusen Eingebung, blieb erst stehen, als sie einen großen, freien Platz erreicht hatte. Sie war am Ziel. Das wusste sie. Das sagte ihr ihr Gefühl.

Wie befreit schaute sie auf zum Himmel. Schwarzgraue Wolken häuften sich zu riesigen Bergen. Echt gruselig. Aber auch unwahrscheinlich faszinierend. Ihr war, als müsste jetzt, hier auf der Stelle, etwas passieren. Etwas überaus Schreckliches oder aber etwas Wunderschönes.
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All ihre Sinne waren gespannt bis zum Äußersten. Ihr Hirn schien sich zu weiten, um all das aufnehmen zu können, was sogleich geschehen würde.

‚Jetzt‘ ‚ dachte sie, ‚jetzt‘.

In diesem Augenblick erschien ein Teil des Mondes zwischen den Wolkenbergen, schob sich vor sie und erstrahlte wenige Augenblicke später in all seiner Pracht. Groß, rund, silbern, tauchte er die Welt unter sich in sein kaltes Licht.

Sie stand wie erstarrt.

Schatten wurden Gedanken. Gedanken Realität. Und die alten Bäume, knorrig und krumm, am Ende der kotigen Straße, begannen zu leben. Hoben langsam, wie greise Männer, ihre dünnen Armäste. Kamen näher und näher. Blieben stehen, als sie sie fast erreicht hatten. Gekrümmt. In versunkener Einsamkeit. Die Arme in den Himmel gereckt.

Frost klirrte durch die kahlen Zweige. Leise und zärtlich. Anschwellend dann. Lauter und lauter. Dann Stille. Gespenstische Stille. Dann wieder diese unvergleichlich mysteriöse Musik.

Seth. Er musste hier sein. Hier. In ihrer Nähe.

Immer machtvoller erklang die Musik, magischer. Flutete unendlich süß durch ihren Körper. Ergriff Besitz von ihrem Ich. Sie musste einfach tanzen. Sie musste. Keine Macht der Welt würde sie aufhalten können.



*



Crysella tanzte zu der ungewöhnlich geheimnisvollen Musik. Ihr Körper schien sich ohne ihr Zutun zu bewegen, zu verschmelzen im Rhythmus dieser lieblichen Töne. Immer machtvoller erklang die Musik, mysteriöser, magischer. Wie von selbst glitten ihre Hände über ihren Körper. Berührten ihre Brüste. Verharrten an den sich immer mehr erigierenden rosigen Warzen. Streichelten langsam über ihren Bauch. Verharrten zwischen den leicht geöffneten Schenkeln. Streiften ihr kurzes rotes Hemd herunter, griffen wieder in ihr volles, braunes Haar. Berührten sanft ihr Ohr. Anmutig neigte sie ihren Kopf und tanzte einen imaginären Schleiertanz. Immer schneller drehte sie sich im Kreis. Schneller. Wilder. Sehnsüchtiger. Bald hatte sie alles um sich herum vergessen, ergab sich willig der Musik. Zärtlich und leidenschaftlich. Und ihr Körper, dessen Bewegungen mit den lieblichen Tönen zu verschmelzen schienen, wand sich schlangengleich.
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Ihr schien, als tanze sie zu den im Nebel der Zeit verborgenen Inseln des Glücks und ein süßes Ziehen erfasste all ihre Sinne.



*



Doch plötzlich erstarrte sie in der Bewegung.

“Genug.” Liliths Stimme.



Nur langsam fand Crysella zurück in die Realität. Sie hob ihren schwarzen Mantel auf, der zu ihren Füßen geglitten war, wickelte sich darin ein, schaute sich suchend um.

Die alten Baummänner waren verschwunden, standen wieder am Ende der kotigen Straße.

Aber was war denn das? Wo kam plötzlich dieses alte, graue Gebäude her. Dieses Gemäuer. Neugierig ging sie darauf zu.

„Sieht aus wie eine uralte Ruine.“

Wieso hatte sie das Ding vorhin nicht gesehen, sie hatte sich doch nach allen Seiten orientiert. Doch weit und breit war nichts zu sehen gewesen. Seltsam.

Das Gemäuer bestand aus groben Feldsteinen und war ohne Dach. Ganz oben, auf dem letzten Stein, leuchtete ein schwarzes Kreuz, das jetzt vom Vollmond hell bestrahlt wurde. Ein umgedrehtes, schwarzes Kreuz.



Crysella begann, am ganzen Körper zu zittern. Nur schnell weg hier. Bestimmt würde auch der verdammte Hohepriester in der Nähe sein. Vielleicht spukt es hier und sie findet sich im nächsten Augenblick auf dem Friedhof wieder. Auf dem umgedrehten schwarzen Kreuz. Nur schnell weg von diesem düsteren Ort.

Da entdeckte sie ein schweres schmiedeeisernes Tor, genau in der Mitte des Gemäuers. Der rechte Türflügel stand offen. Auf dem linken klebte ein blaues Plakat.

LUZIFER stand darauf in grellgelber Farbe.

Etwas Unerklärliches befahl ihr, durch das Tor zu gehen. So sehr sie sich auch sträubte, sie musste. Das Licht des Mondes wies ihr den Weg. Lief wie ein Schatten vor ihr her.

Über einen riesig großen Hof, unregelmäßig gepflastert mit alten Kopfsteinen, gelangte sie in einen Keller. Längliche Räume und Räumchen wechselten einander ab. Dämmerlicht verbreitete anheimelnde Nähe. Längs der Steinwände saßen an langen Holztischen erlebnishungrige, junge Menschen. Gut so. Also war hier Leben. Echtes Leben.

Etwas beruhigt, schlenderte sie weiter, schlängelte sich durch die vielen Menschen, stand endlich vor einer kleinen, schwarzen Bühne.
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Ein junger Mann hielt eine Lyra in seinen schlanken Händen, zärtlich wie eine Geliebte. Weltvergessen spielte er eine Melodie, die ihr bekannt vorkam.

Wie ein Magier stand er da. So ganz allein. Auf der Bühne. In einem Gewand, das in allen Regenbogenfarben flirrte und flimmerte.

Bestimmt hatte er sie erwartet.

Ein irres Glücksgefühl erfasste ihren Körper. Tränen der Rührung liefen über ihr Gesicht. Sie war nicht fähig, sich zu bewegen. Vor ihr stand ER. Luzifer. Sie kannten sich seit Ewigkeiten. Ein Gedicht fiel ihr ein. Aus den - Offenbarungen der Dunklen Mutter - Ganz bekam sie es nicht mehr zusammen. Aber fast.



Lilith und Luzifer



Oh Ritter mit Seraphinschwingen

Schwarz gewandet wie der Himmel

Den du mir schenktest

Dein Herz ist wie der Stern nach dem du heißt

Deine Augen sind wie Wellen im Lichte

Des Sonnenuntergangs

Ruf mich aus der Finsternis

Vergieß dein Blut

Um meinen Durst zu stillen

Und nimm meines

Als Gabe für deinen Hunger.

Ahi hay Lucifii

Jage uns in die ungestalten Lande

Lass uns fallen

In den Abgrund Gottes

Einen eigenen Garten legen wir uns an

Bevölkern ihn mit Gottheiten

Dornen und Ranken und Stechpalmen

Oh Engel der Dämmerung

Lass ihn uns wässern mit Silber

Und von seiner Fülle trinken

Wenn die Früchte meiner Liebe

Zu dir Blüten treiben

Seltsame wilde Blüten

Oh Luzifer

Schweigsamer du

Lass deine Klinge fallen

In den Sand und versinken

Hingeworfen wie einen Knochen

Der Eitelkeit

Des Einen droben

Umschließe mich mit deinen Schwingen

Finde Frieden

Ahi hay Lucifii

Finde Frieden



*



Misstönendes Beifallklatschen riss Crysella aus der Verzauberung.

Luzifer verbeugte sich nach allen Seiten.
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Lässig und stolz bedankte er sich.

Sie konnte die Augen nicht von ihm wenden.



Er kommt auf sie zu. Tupft ihr mit einem Seidentüchlein die Tränen vom Gesicht. Nimmt zärtlich ihre Hände. Führt sie zur Bar. Das ist ein Märchen. Ein Traum. Er soll nie vergehen.



„Warte hier auf mich“, sagte da Luzifer mit irdischer Stimme. „Bin gleich zurück.“



Der Keller war wieder erfüllt vom Stimmengewirr unzähliger Menschen. Den Ausdünstungen verschwitzter Körper. Dem schalen Geruch verbrauchten Zigarettenatems. Der animalischen Trunkenheit einer modernen Disco.



„Gehen wir.“ Wie selbstverständlich nahm Luzifer Crysellas Hand. „Ich habe lange auf dich warten müssen. Sehr lange.“



Luzifer sah jetzt so anders aus, so normal. Mit Jeans und schwarzem Hemd. Wohin war das Schillernde, Prickelnde, Geheimnisvolle.

Enttäuscht wollte sich Crysella abwenden und gehen. Da entdeckte sie auf den Kragenenden des schwarzen Hemdes eine mit Goldfäden gestickte Schlange, die sich um einen grünenden Stamm wand. Den Baum des Lebens. Die Schlange aus dem Paradies. Die Schlange – das Symbol des Bösen.

Plötzlich schauderte es sie. Eine Gänsehaut nach der anderen kroch langsam über ihren Körper. Wie kriechendes Getier. Schlangen. Würmer. Das Prinzip des Bösen. Die verschlingende Mutter wird auch oft durch eine Schlange dargestellt.

„Würmer erinnern an Tod und Verwesung.“



Lilith!



„Ihr Menschen überlasst ihnen euren Körper, wenn ihr ihn der Erde zurückgebt. Die Paradiesschlange brachte den Menschen das Wissen um den Tod. Wovor fürchtest du dich?“



Entsetzt trat Crysella einen Schritt zurück, starrte immer noch auf die Stickerei auf dem Hemdkragen.



„Sie verspricht das Leben.“ Luzifer lachte diabolisch. „Und schon lauert der Tod.“ Mit einer schlangenartigen Bewegung zog er Crysella ganz nah an seinen Körper. „Die Schlange ist auch ein altes Phallussymbol“, flüsterte er in ihr Ohr. „Lass uns gehen.“



Widerstandslos ließ sich Crysella von Luzifer aus dem Keller ziehen.
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Hand in Hand liefen sie durch die dunklen Straßen. An einer Tankstelle kaufte Luzifer eine langstielige schwarze Rose und einige Flaschen roten Wein.

„Die ist für dich.“ Mit leichter Hand öffnete Luzifer Crysellas Mantel und legte die schwarze Rose zwischen ihre Brüste. „Als Symbol für unsere Nacht.“

Crysella spürte das leichte Pieken der Dornen auf ihrem Fleisch und erschauerte wohlig. Wollte Luzifer sie etwa kaufen? Brauchte er nicht. Sie wäre ihm auch so zu Willen gewesen. So muss Liebe sein, dachte sie. Was sonst bedeutet dieses Gefühl, das mit nichts zu vergleichen ist. Das man nicht beschreiben kann. Das man gefühlt haben muss. Dieses Gefühl, das einem Flügel wachsen lässt. Erheben in die Lüfte. Vor Glück. Mit dieser schwarzen Rose zwischen ihren Brüsten.

Zuhause zündete sie alle Kerzen an.

Luzifer entkorkte die Flaschen und goss den Wein in die Gläser. Dann zauberte er ein kleines Päckchen aus seinem Ärmel, schüttete das weiße Pulver in den Wein.

„Trink“, forderte er.

Nach einigen Gläschen war Crysella so beschwipst, dass sie nur noch lachen konnte. So frei und lustig hatte sie sich lange nicht mehr gefühlt. Es war, als sei alle Schwermut, aller Kummer, alle Unbill des Lebens von ihr abgefallen. Wie eine lästige Hülle.

Luzifer hatte sie erlöst. Er war der Zauberer aus dem Märchenland, hatte aus der Eisprinzessin eine Sonnenprinzessin gezaubert. Eine Sonnenprinzessin mit einem warmen, glücklichen Herzen. Und er trug die Sonnenprinzessin auf ihr Bett. Mit den goldenen Knöpfen und dem blauen Bettgestänge.

Luzifer war kein Mann, der große Umstände machte. Er war ein Macho.

„Mir liegen die Frauen zu Füßen“, sagte er siegessicher und drückte die schwarze Rose fester zwischen ihre weißen, entblößten Brüste. „Du bist schön. Wie ein Opal im Mondlicht.“ Er hielt plötzlich einen Schleier aus rotem Tüll in seinen Händen. „Ich hülle dich damit ein. Du Göttin der Hölle.“ Schnell warf er den roten Schleier über Crysellas Körper. "Rühr dich nicht", verlangte er herrisch.



Luzifer war kein so schöner Mann, wie er Crysella im Keller erschienen war, und auch nicht so jung.
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Doch er hatte zärtliche Hände, eine Haut wie Seide und wunderschöne braune Augen. Seine langen, schwarzen Haare umhüllten sie gleich einem wärmenden Mantel. Keinen Augenblick fühlte sie sich nackt und bloß. Seine Küsse waren leidenschaftlich und zärtlich und ließen ihren Körper erblühen wie eine Knospe im Frühling.



„Wo sind deine Strümpfe?“

Abrupt beendete Luzifer das Liebesspiel und sprang vom Bett.

Erschreckt wies Crysella auf das unterste Wäschefach. Luzifer fand die Strümpfe, breitete sie sorgfältig an dem Rand des Bettes aus. Jeden einzelnen.

„Das wird die schärfste Nacht deines Lebens“, knurrte er böse.

Angst kroch in Crysella hoch, doch Verlangen und Neugier waren stärker als alle Angst. Sie wollte es erleben. Sie musste. Alles in ihr drängte danach. Es würde unbeschreiblich sein. Dieses Unerhörte. Die Vereinigung mit Luzifer. Dem Teufel.



„Adam hat mich unterworfen.“ Liliths Stimme. „Gott mich verlassen. Verstoßen auf die unwirtliche Erde. Er tötete meine Kinder, ließ mich zum bösen Dämon werden. Doch Luzifer begehrte mich. Er. Gottes schöner Sohn. Und unerbittlichster Widersacher. So, wie er jetzt dich begehrt.“



Einst war Luzifer der Liebling des Allmächtigen, der Schönste der Engel, begabter als sie alle. Doch diese guten Gaben standen im Schatten seiner bösen, anmaßenden Natur. Er erhob sich gegen den Allmächtigen. Wollte ihm ebenbürtig sein. So wie Lilith Adam. Und auch sein Aufstand hatte fatale Konsequenzen. Der Allmächtige ließ seinen Günstling fallen. So wie Lilith.

Würde er auch sie, Crysella, verlassen, wenn sie sich mit dem gefallenen Engel einließe? Oder hatte er sie schon verlassen oder sie ihn, weil nun geschah, was geschah.

Doch Luzifer bedeutet auch Morgenstern. Und der Morgenstern ist die Venus. Was also ist so höllisch und finster an diesem funkelnden Stern, unserem Nachtplaneten. Nichts ist höllisch an diesem klaren hellen Licht. Dieser strahlenden Doppelsichel. Wunderschön ist er. Dieser Morgenstern. Schöner als alle übrigen Sterne. So gleicht er Luzifer. Gottes schönstem Sohn.
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Den er so liebte und schließlich doch verstoßen hat.

Crysella seufzte tief auf. Luzifer zwängte einen Strumpf zwischen ihre Zähne, verknotete ihn an ihrem Hinterkopf, fesselte ihre Hände und Beine an das Bettgestänge, wickelte sie fester in den Schleier aus rotem Tüll und sie stöhnte laut im Taumel ihrer Lust.

Doch plötzlich erstarrte Luzifers Gesicht zu einer Maske grausamer Perversion. Mit geschlitzten, schwarzen Augen blickte er auf Crysella herab. Aus seinen Händen war alle Zärtlichkeit geschwunden. Des Teufels Hände kennen keine Zärtlichkeit. Wie Schwerter spürte sie sie an ihren Brüsten. In ihrem Leib. Und jedes Mal, wenn sich ihr gefesselter Körper aufbäumte in wildem Lustschmerz, lachte er sein lautes Satanslachen.

Entsetzt spürte sie ein Messer schmerzende Kreuze in ihren Leib ritzen. Heißes Wachs auf ihrer Haut. Luzifers gespaltene Zunge in ihr. Und Schwefelgeruch erfüllte schwer das Zimmer.

Vergeblich versuchte sie, sich aus der verstrickten Gefangenschaft zu befreien, wünschte, wie die heilige Katharina von Siena, Christus hinge auf ihr wie am Kreuze. Gerne spürte sie die Dornenkrone. Das Blut von seinen mit rostigen Nägeln durchbohrten Händen würde sie trinken. Seine Wunden lecken. Damit er reinwasche ihr sündiges Blut. Vergebe ihre Schuld. Denn über ihr lag der Teufel.

Das große Tier. 666.

Lustvoll weidete es sich an ihrer Verzweiflung. Ergötzte sich an ihrem geschändeten Leib. Und ihre Schreie, verzweifelt und stumm, stachelten sein Begehren an. Mehr und mehr. Wieder und wieder.

„Oh, süße Qual, Lust fleischlichen Genusses“, vernahm sie wie aus weiter Ferne Liliths süße Stimme,„decke deinen schwarzen Mantel über ihre reine Seele.“



*



Als Crysella erwachte, lag sie allein auf ihrem Bett. Die Strümpfe waren verschwunden. Luzifer war verschwunden. Die leeren Weinflaschen lagen auf dem Boden. Die Kerzen waren verloschen. Nur die schwarzen Blütenblätter der Rose leuchteten, gesprenkelt mit ihrem Blut, gespenstisch von dem hellen Teppich.



Wochenlang irrte sie durch die Straßen der Stadt, suchte das alte Gemäuer mit dem eisernen Tor, den Weinkeller, die Band LUZIFER.
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Doch nirgends entdeckte sie eine Spur von all dem. Da schwor sie im Angesicht des Vollmonds, bei Diana, der Königin des Mondes, und ihrem Gemahl Endymion:



„In jeder Vollmondnacht werde ich die Lust und die Qual, die Luzifer mir bereitet hat, weitergeben. Ich werde die Männer in ihrer Ekstase entschweben lassen in himmlische Sphären, um sie dann, auf dem Höhepunkt ihrer Ekstase, in die Hölle zu stoßen. Denn im Mond ist der Teufel zum Unheil bereit."



***



Fortsetzung folgt
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Punktestand der Geschichte:   65
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Kommentare zur Story:

  hallo, doska, im nächsten kapitel wird es wieder realistischer. es muss ja auch mit matthias weiter gehen. und gabi und will und rudi dürfen auch nicht vergessen werden. die tauchen aber später irgendwann wieder auf. nach matthias wird es dann total gruselig.
hier kommen schon jetzt gruselige grüße von  
   rosmarin  -  10.02.10 22:31

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  Und jetzt hat Crysella auch noch Luzifer vernascht oder er eher sie? Wie dem auch sei, sie begibt sich immer mehr in gefährliche Gefilde. Wie soll das nur enden? Wird Crysella überhaupt noch umkehren können oder ist sie inwendig wirklich zu einer echten Hexe geworden? Da kann man nur gespannt auf das nächste Kapitel warten.  
   doska  -  10.02.10 21:39

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  hallo, jochen und ingrid. danke euch.
@- jochen. stimmt, ich musste ja etwas finden, was zu der geschichte passt. doch, nach diesem erlebnis mit luzifer kann ja nur noch finsteres passieren, nach ihrem schwur. jedenfalls in den vollmondnächten. trifft sie jedoch einen mann außerhalb dieser zeit, ist er zwar gefährdet, aber nicht unbedingt dem untergang geweiht.
@ingrid - es ist so ähnlich wie mit irma und chris. die entscheidung, das bekennen, fällt schwer. crysella kämpft zwischen eva und lilith. und hat somit auch immer wieder schuldgefühle. habe ich in den vorherigen kapiteln alles beschrieben. die weissagung der hexe hat sich schon erfüllt. und nach diesem erlebnis mit luzifer bleibt ihr keine wahl. - „Oh, süße Qual, Lust fleischlichen Genusses“, vernahm sie wie aus weiter Ferne Liliths süße Stimme, „decke deinen schwarzen Mantel über ihre reine Seele.“ -
hier kommen ganz liebe grüße an euch von  
   rosmarin  -  10.02.10 16:39

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  luzifer und crysella? ich weiß nicht, zuerst scheinen sie gemeinsamkeiten zu haben, luzifer, der verstoßene engel und lilith, die verstoßene frau... aber dann ist es damit vorbei.
und wieso hüllt er sie mit dem roten schleier ein? symbolisch? und dieses seltsame schuldgefühl, von wegen teufel und fleischeslust...

hmmmm... kein wunder, dass sie auf rache sinnt, lilith natürlich nur. ;))
lieben gruß  
   Ingrid Alias I  -  10.02.10 16:08

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  *Arrgh* was hat sich Crysella denn da vorgenommen? Hoffentlich nicht allzu Finsteres? Man merkt, dass du gründlich recherchiert hast. Ein tolles Kapitel.  
   Jochen  -  10.02.10 14:15

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