kunstwerk mensch - erziehung?!   31

Nachdenkliches · Kurzgeschichten

Von:    Josephine      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 1. Dezember 2002
Bei Webstories eingestellt: 1. Dezember 2002
Anzahl gesehen: 1484
Seiten: 2

Wenn ein Mensch ein Kind bekommt, sollte er sich darüber klar sein, dass er ein Leben erschafft. Dass er einen Menschen kreiert, einen Charakter formt, dass er Macht über einen Menschen hat, ihn bilden, formen und zerbrechen kann. Die Eltern haben eine unglaubliche große Macht über Kinder und ich glaube, dass viele Eltern sich dieser Macht nicht bewusst sind. Eltern erziehen die Kinder nach ihren Maßstäben und verlieren darüber hinaus aus den Augen, dass sie einen neuen Menschen erschafft haben. Für mich ist der Mensch an sich ein künstlerisches Objekt, gebildet durch Umgebung, Eltern und Freunde. Er ist ein Mosaik, das sich aus tausend verschiedenen Kleinigkeiten zusammensetzt und wir alle können einen Teil zu diesem Mosaik beitragen. Ich selbst bin solch ein Kunstwerk, geformt von meinen Eltern, meiner Ungebung, meinen Freunden, geformt von tausend kleinen Situationen, tausend verschiedenen Entscheidungen, die alle ein Teil von mir sind. All das hat mich zu dem gemacht, was ich bin.

Ich denke, dass die Erziehung einen Menschen macht. Du wirst geboren. Deine Eltern bestimmen, wo du aufwächst, wie du aufwächst, deine Eltern wählen den Kindergarten, geben dir deine ersten Charakterzüge, sie können dich in der Freundschaftswahl beeinflussen, sie können alles mit dir tun. Alles, was später folgt, sei es Rebellion oder friedliches Zusammenleben, sei es Kriminalität, Drogenabhängigkeit oder Sektenzugehörigkeiten, seien es Schulprobleme, Beziehungsstress oder starke psychische Probleme, all diese Dinge basieren auf der Erziehung. Die Erziehung ist der Grundpfeiler eines jeden Menschen. Das heißt, dass wir nicht so wären, wie wir sind, ohne unsere Eltern. Unser Charakter, unsere Entscheidungen, unsere Kenntnisse, all das beruht auf Erziehung. Und unsere Eltern haben diese Art der Erziehung aufgrund der Erziehung ihrer eigenen Eltern gewählt. All das ist ein wahres Kunstwerk, ein Stamm mit tausend Ästen, die sich immer wieder aufspalten, manchmal auch abbrechen. Es ist eigentlich Wahnsinn, denn dann sind wir ja nicht wir selbst, dann können wir eigentlich nichts wirklich selbst beeinflussen, nichts wirklich selbst entscheiden. Wenn all unsere Entscheidungen auf der Erziehung unserer Eltern beruhen, dann gibt es nicht ein einziges freies Wesen auf dieser Welt. Dann ist Freiheit nicht existent. Denn wir leben in einem Käfig, dessen Stäbe wir nicht sehen, und aus dem wir uns nie befreien können.
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Wir sind Gefangene und merken es nicht mal.
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Punktestand der Geschichte:   31
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Kommentare zur Story:

  auch ein käfig kann manchmal angenehm sein und sicherheit geben.  
Unbekannt  -  28.10.03 20:11

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  hallo josephine...
den wunsch auslösen, ob du deine software veränderst oder nicht?...quatsch, das würde ja bedeuten, sie haben deine ganzen gedanken vorbestimmt....so verschwörungsmäßig ists nun auch nicht...alles beeinflusst dich....jede sache die du siehst, riechst, hörst fühlst, auch ohne deine eltern...und sicher auch einige deiner gedanken...aber ich deine art zu denken....die dein ich ausmacht...der grund, aus dem du den text hier geschrieben hast z.b. ...das was dich dazu verleitet über das alles nachzudenken, das bist du....  
Ironic  -  13.05.03 00:06

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  es ist total schwer mitzuteilen, was ich eigentlich denke.
das soziale umfeld können deine eltern bestimmen, deine eltern werden auch in dir den wunsch auslösen, dass du deine "sotfware" veränderst oder auch nicht. deine eltern sind einfach die grundlage, die basis. ich bin mir selbst noch sehr unsicher auf diesem gebiet. ich will einerseits nicht glauben, dass es so ist, dass ich nicht für mich selbst und für meine persönlichkeit verantwortlich bin, ich will nicht glauben, dass es keine eigenständige persönlichkeit gibt, ich will das alles selbst nicht glauben, aber andererseits fällt es mir schwer eine andere erklärung zu finden. es ist unglaublich schwer das alles in worte zu fassen.
auf die sache mit den geschwistern wollte ich noch einmal eingehen: eltern behandeln ihre kinder nie gleich, nie. egal, ob beides mädchen sind, ob es eineiige zwillinge sind oder sonst was, sie wird die kinder immer auf verschiedene arten und weisen behandeln, deswegen werden sich die kinder auch oft in verschiedene richtungen entwickeln. und dadurch, dass sie beschlossen haben, dass du ein geschwisterchen bekommst, haben deine eltern wieder eine entscheidung getroffen, die dich und deine entwicklung sehr stark beeinflusst.
zu dem punkt mit den genetischen einflüssen auf die persönlichkeit: keine ahnung, was ich davon halten soll. im grunde genommen glaube ich nicht daran, dass genetische grundlagen meine persönlichkeit besonders stark beeinflussen. es gibt sicherlich die hormonellen einflüsse, das gebe ich zu, daran habe ich nicht gedacht, aber ich glaube nicht an genetische einflüsse.  
Josephine  -  05.12.02 17:07

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  Ich schließe mich Maxson voll und ganz an. Ein Mensch seine... Persönlichkeit, Seele, Selbst, nenn' es wie Du willst - wird von so vielen Dingen beeinflusst. Genetischer und hormoneller Vorprägung, psychischer Anlage, gesellschaftlichem Status, Geschlecht, sozialem Umfeld...
Außerdem verändert sich ein Mensch fortlaufend. Von mir selbst ausgehend kann ich nicht behaupten, dass sich mein Verhalten und meine Sicht der Dinge nicht mehr verändert haben, seit ich zwanzig war. Man verändert sich andauernd, das ist das breite Feld der Psychologie und der Verhaltensforschung.
Richtig ist, dass die erste Konditionierung im Kindesalter stattfindet. Doch ist das, wie beim Computer, nur das "Betriebssystem", das da installiert wird, und drei, vier der ersten, notwendigen Programme. Sobald ein Mensch aber ausgewachsen ist und sich seine Sicht der Dinge durch einen veränderten Standpunkt mitverändert, tauscht er auch Software aus, löscht und verändert Dateien und installiert bisweilen ein völlig neues Betriebssystem.
Jeder Mensch ist aufgefordert, an sich zu arbeiten. So wie Du es siehst, kommt es mir aber auch ein wenig wie Schuldzuweisung vor: Wie ich bin und was ich tue, mag es gut sein oder nicht, liegt nicht in meiner Verantwortung, denn schließlich haben mich meine Eltern so erzogen. Das ist m.E. aber ein bisschen ZU einfach, und, wie Maxson schon sagte, zu pauschal.
Ansonsten: Schönes Essay, wenn auch nicht eigentlich eine Kurzgeschichte. 4 Pts.  
Gwenhwyfar  -  03.12.02 07:53

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  Im Grunde hast Du recht, aber so ganz kann ich nicht zustimmen. Was ist mit Geschwistern die einen unterschiedlichen Charakter haben, bei gleicher Erziehung? Ein Bruder wird Polizist, der andere sitz im Knast.
Deine Gedanken sind gut gedacht, aber Dein Ergebnis ist zu einfach und pauschal.  
Maxson  -  03.12.02 04:57

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  Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.
Talmud


ich sehe mein liebster sam ist mir schon zuvor gekommen *smile*... ich habe mir darüber auch schon gedanken gemacht, aber ich glaube es gibt eben gewisse charakterzüge an einem menschen die schon "in ihm drinne" sind, ein mixmax aus den vorgenerationen - doch es liegt an den eltern zu fördern und zu mindern! eltern bestimmen nicht alleine den ganzen charakter, höchstens das ausmaß der einzelnden züge.
ich habe aber letztens auch schon darüber nachgedacht (ui das wird ein langer comment) als ich mich mit einer mitschülerin unterhalten habe. sie ist moslem. es ist ihre religion und ihr leben, sie empfindet es nicht als "zwang" wie ich es tun würde. ich könnte nicht so leben wie sie, wenn ich ehrlich bin. da meinte eine andere freundin dazu "wenn du so erzogen worden wärst, wäre es auch DEIN leben... und dann könntest du so leben... weil du es nicht anders kennst..." wäre ich anders erzogen, hätte ich andere eltern - wäre ich dann ein anderer mensch? mh.
ist erziehung alles? ich glaube nicht. nicht ganz. sei wie du sein möchtest, von nix kommt nix.

übrigens kannst du dir ja mal die verschieden erziehungsstile der letzten paar jahrunderte reinziehn. ich hab darüber mal ein referat gemacht und ich kann dir sagen: er hat sich geändert.

puh, das reicht erstmal, für die mail hab ich erst die nächsten tage zeit...
Lieben Gruß  
*Becci*  -  01.12.02 20:15

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  hm. aber vielleicht eröffnet ja gerade die erkenntnis dieses zustands die möglichkeit, doch etwas zu ändern... sobald du in der lage bist, zusammenhänge zu erkennen, bist du ein stück weit unabhängiger von deiner eigenen situation geworden... und zwar deswegen, weil du ein teil des komplexen puzzles durchschaut hast. solange du nichts von den stäben deines käfigs siehst, wirst du vielleicht nie das bedürfnis verspüren daraus auszubrechen...

übrigens ist sicher nicht alles prägung, was einen menschen ausmacht. es gibt (jedenfalls aus wissenschaftlicher sicht) doch einiges was von vornerein festgelegt ist, im menschen veranlagt ist. das macht die eltern natürlich nicht frei von ihrer verantwortung... ich finde es gut dass du das thema so ansprichst. manchmal frage ich mich, wenn ich mir bei meinen eigenen maßstäben nicht sicher bin, wie kann ich dann damit überhaupt andere menschen belasten? oder wenn ich mir sicher bin darin, woher nehme ich mir diese sicherheit? denn irgendwann werde ich es vor meinem kind rechtfertigen müssen...  
sam  -  01.12.02 19:28

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