Und wir vergessen, weil wir müssen, nicht weil wir wollen.   43

Nachdenkliches · Kurzgeschichten

Von:    Josephine      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 18. November 2002
Bei Webstories eingestellt: 18. November 2002
Anzahl gesehen: 1078
Seiten: < 1

Erst jetzt verstehe ich die wirkliche Aussage dieses Ausspruches. Es ist seltsam, aber ausgerechnet am Beispiel von Raina erscheint es mir so glasklar, obwohl es mir vorher bereits so viele Male passiert ist. Ich habe es nur nie gesehen. Anfangs habe ich sie doch sehr vermisst und vielen Momenten überkam mich eine unglaubliche Sehnsucht, weil mir jemand zum Reden, zum richtigen, vertrauten Reden gefehlt hat. Sicher fehlt sie mir immer noch, aber nicht auf die Art und Weise wie sie mir anfangs fehlte. Das Komische ist, dass es am schmerzhaftesten war, als sie noch gar nicht weg war. Ich habe sie nicht vergessen, ich habe nur vergessen, wie sehr ich sie vermissen sollte und wie wichtig sie einmal für mich war. Ich habe vergessen, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass ich überzeugt war nicht ohne sie überleben zu können. Es tut mir weh, dass ich sie so schnell überwunden habe. Sie ist erst etwas über einen Monat weg und ich habe den Kreis bereits geschlossen, die Lücken gefüllt, stümperhaft und manchmal spüre ich auch die leicht porösen Stellen, doch ausreichend. Mein neues Leben ohne sie ist geschaffen, war schon geschaffen, bevor sie abreiste. Alles reiner Selbstschutz. Darin bin ich wirklich gut. Ich komme mir so kalt und gefühllos vor, wenn ich darüber nachdenke. Wie kann man die Bedeutung eines Menschen in seinem eigenen Leben so schnell reduzieren? Ich habe eine Leere erzeugt, dadurch dass ich ihre Abwesenheit verdrängt habe.

Ist das unsere Art und Weise mit dem Fehlen eines Menschen fertig zu werden, den man durch plötzlich auftretende Distanz oder einen Streit verliert? Ja, eindeutig. Wir versuchen zu verdrängen, versuchen Lücken zu füllen, versuchen es wegzudenken, wegzuträumen und irgendwann haben wir Erfolg, stehen da mit diesem Loch in uns und müssen damit fertig werden, dass wir es geschafft haben einen uns vorher sehr wichtigen Menschen zu verdrängen und zu vergessen.
Punktestand der Geschichte:   43
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Kommentare zur Story:

  Ich denke dieses Flickwerk der Seele dient nur als vorübergehender Schutz, der so lange besteht, bis die Wunde halbwegs verheilt ist und man mit der vollen Tragweite der Situation umgehen kann. Verdrängen ist nicht dasselbe wie vergessen. So leicht läßt sich die Erinnerung an einen Menschen nicht löschen. Irgendwann blickt man zurück und sieht, daß da noch immer eine Narbe ist, aber dann tut sie nicht mehr weh.  
Tom  -  21.03.04 10:42

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  aber manchmal machen wir es uns verdammt leicht. zu leicht.  
Josephine  -  20.11.02 18:33

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  Du selbst hast es geschrieben =SELBSTSCHUTZ=
Ohne diese, wenn auch nicht immer schöne, Fähigkeit, würde ein Hochintelligentes Wesen (Sprich Mensch) zu einem Seelischen und Geistigen Krüppel degradieren.  
Maxson  -  20.11.02 05:10

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Interessante Kommentare

Kommentar von "Aya" zu "Der kleine Vogel"

finde ich auch echt gut.

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