DER NOTFALL, Teil 3 von 3 - Traum und Wirklichkeit   343

Kurzgeschichten · Nachdenkliches

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 24. März 2026
Bei Webstories eingestellt: 24. März 2026
Anzahl gesehen: 1074
Seiten: 2

In der Nacht habe ich einen seltsamen Traum: Ich bin wieder zu Hause und gehe glücklich in mein Zimmer. Es sieht aber gar nicht aus wie mein Zimmer.

Zur Linken hängt ein großer Fernseher, der mir irgendwie bekannt vorkommt. Zur Rechten stehen drei Betten.

Oh nein! Ich bin wieder im Krankenhaus und weiß nicht, wie ich da weg komme. In den Arm kneifen bringt gar nichts! Also lege ich mich still in mein Bett und hoffe auf den nächsten Morgen. Und aufs Aufwachen, wo auch immer das geschieht.

Bisschen später wird die Tür aufgerissen. Ich glaube, zwei Gestalten kommen herein und schieben mit Brachialgewalt und viel Krach das jetzt leere Bett aus dem Zimmer. Was zum Teufel geht hier vor? Bin ich Teil einer Reality-Show? Oder fange ich an durchzudrehen?

Jetzt rollen sie lautstark ein anderes Bett herein und darin thront jemand im Sitzen, mit Schläuchen und Beuteln versehen. Der Jemand beschwert sich über die stickige Luft. Na gut, ich erhebe mich widerwillig und stelle das Fenster auf Kipp. Sofort strömt saukalte Luft ins Zimmer. Leider steht mein Bett direkt unter dem Fenster und die Kälte fällt direkt auf meine Füße. Zwei Stunden später sind diese Füße Eisklötze, die nicht mehr zu mir gehören. Ich schließe das Fenster, und wehe, jemand sagt was dagegen! Ich habe nämlich die Nase voll! Und es sagt auch keiner was.

Am Morgen stelle ich fest, dass der neue Jemand eine bildhübsche Frau ist. Wir kommen ins Gespräch. Sie ist ursprünglich aus Korea und lebt und arbeitet seit Urzeiten in Deutschland. Sie ist 63 Jahre alt, zierlich und blond. Gefärbt natürlich. Bei mir ist es umgekehrt: Ich bin immer noch blond trotz meiner 75 Jahre, aber ich färbe mich dunkel.

Wir haben einen gewissen Draht zueinander.

Sie hat 2 Stents bekommen. Hatte oft eine Art Muskelkater im Brustbereich. War aber kein Kater, sondern ein beginnender Herzinfarkt.

Leider wird sie abgeholt, um einen Katheter legen zu lassen. Und ich kriege endlich meine Unterlagen und kann meine mickrigen Zelte hier endlich abbauen - und abhauen. Alles was ich einpacke, passt in meine Handtasche. Sogar die Schnorrereien.

In der Zwischenzeit musste die alte Beißzange wegen einer Darmspiegelung dieses eklige Zeug trinken. Katastrophe! Beim ersten Trinken klappte es zuuu gut. Das winzige Bad war vollgeschissen bis an die Wände und an die Tür. Es war wie eine Explosion in die Kloschüssel.
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Scheiß die Wand an, wäre der passende Spruch dazu. Und sie versuchte es zu reinigen. Damit wurde es aber nur verschlimmbessert. Und ich weiß gar nicht, warum die sich so angestellt hat beim Trinken dieser abführenden Brühe. Denn mittlerweile soll das Zeug gut trinkbar sein. Nein, es reicht, ich will nicht mehr dran denken.

Jedenfalls gebe ich ihr meine restlichen Zuckerrationen, küsse einen großen Mann - vermutlich vom Wachpersonal - im Überschwang des Abschieds auf die Wange. Und er wehrt sich nicht, der arme Mann.

-*-*-*-*-*-

Fazit:

Es war eine Erfahrung, die ich nicht missen will. Also nicht die mit der Scheiße zuletzt, obwohl die auch dazu gehört. Die Putzfrau war übrigens stinksauer (stinksauer passt gut), weil sie nicht sofort gerufen wurde.



Und ich dache ja immer, ein Einzelbettzimmer wäre toll. Aber in so einem würde ich mich zu Tode langweilen. Ich möchte auch mal die anderen quälen mit meinem Postnasalen Husten und Räuspern. Ich möchte mich mit meinen Mitleidenden unterhalten, möchte es ihnen angenehm machen. Möchte mich vielleicht mit ihnen anfreunden. Leider war die Zeit dafür zu kurz. Schade drum!



Bin wieder zu Hause und jetzt mal gucken ... Es gibt zwei neue Medikamente, nämlich einen Blutverdünner. Und einen Beta-Blocker, morgens und abends zu nehmen... Der soll mein Herz beruhigen. Bin in bester Gesellschaft und kann jetzt mitreden, von wegen Blutverdünner nehmen.

Mal schauen, wie es läuft. Baustellen im Körper habe ich noch genug. Und mittlerweile hat das Krankenhaus seinen Schrecken verloren.
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Punktestand der Geschichte:   343
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Kommentare zur Story:

  Echt jetzt, liebe Evi, du auch mit einer ähnlichen Sache? Das gibt mir Hoffnung.
Die Ängste und die Befürchtungen sind natürlich da, aber durchs Schreiben kann man sie gut in Schach halten. Das ist meine Art, sie zu bändigen und klein zu halten.
Danke schön für deinen Kommentar. Habe mich sehr drüber gefreut.
Lieben Gruß an dich!  
   Ingrid Alias I  -  26.03.26 15:42

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  Nun habe ich deine kleine Geschichte zu Ende gelesen. Und ich muss sagen : Flüssig und humorvoll geschrieben. Da ich selber an fast der gleichen Sache erkrankt bin, konnte ich mich gut identifizieren. Alles war typisch. Genau so, wie ich es vor ein paar Jahren selbst erlebt habe. Beonders amüsiert hat mich am Schluss die Sache mit dem Fenster. Köstlich. Was du fast völlig verschweigst ist der große Bammel, den man dabei hat. Was werden die Ärzte mit mir alles anstellen? Das bringst du nur witzig unter. Und das ist auch gut so. Denn Anderes würde nicht zu dieser süßen kleinen Geschichte passen. Hat mit Spaß gemacht das zu lesen.  
   Evi Apfel  -  25.03.26 10:54

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Interessante Kommentare

Kommentar von "Nausicaä" zu "frühling z2"

einfach toll, dieses frühlingsgedicht. du findest in deinen gedichten häufig ganz eigene, besondere bilder. wunderschön, ohne kitschig zu sein.

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