Wölfin der Taiga - 8. Kapitel   89

Fantastisches · Romane/Serien

Von:    Summer Peach      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 12. Mai 2015
Bei Webstories eingestellt: 12. Mai 2015
Anzahl gesehen: 1010
Seiten: 4

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Jade zog die Augenbraue hoch und sah Nathan an: „Da rein?“

Nathan nickte.

„Nein!“ Jade schnaubte. „Weiß Gott, was da drinnen alles rumkrabbelt. Wirklich nicht!“

Nathan verzog die Lippen zu einem schiefen Grinsen. „Du folgst einem Mann, den du gar nicht kennst und der alles sein könnte – und Deine größte Sorge sind die Krabbeltiere in dieser Hütte?“

Jade schnaubte abermals. „Letztlich bin ich eben doch nur ein Mädchen…“, grummelte sie, folgte Nathan dennoch in das Dunkel der Hütte. Die Tür, die gerade noch so von einem Scharnier gehalten wurde, quietschte lautstark als er sie öffnete.

Der kleine Raum war nur spärlich beleuchtet. D¬as einzige Licht fiel durch ein kleines, verschmutztes Fenster, doch das reichte kaum aus, um den Raum in seiner Gänze zu erfassen. Jade blieb in der Tür stehen.

„Was machen wir hier?“ Ihre Augen gewöhnten sich nur langsam an die Dunkelheit, Nathan konnte sie nicht mehr sehen.

„Ich will Dir meinen ‚billigen Zaubertrick‘ erklären, da Du ihn ja sowieso schon gesehen hast…“ Nathans Stimme schien aus dem hinteren Teil des Raumes zu kommen. Jade kniff die Augen zusammen, dennoch konnte sie ihn nicht ausmachen.

Mit einem Mal ging ein leichtes Surren durch den Raum, der Boden vibrierte einen Moment und plötzlich war der Raum in ein gleißendes, kaltes Licht getaucht. Geblendet von der plötzlichen Helligkeit schloss Jade schnell die Augen. Als sie sie wieder öffnete, war sie sich nicht sicher, ob sie ihnen trauen konnte. Die Wände waren von oben bis unten in strahlendes Silber gehüllt, das das wenige Licht, das von draußen hereinfiel, auffing und reflektierte.

Nathan stand in einer Ecke der Hütte. Jade konnte ihn nur schemenhaft erkennen, musste sie doch ihre Augen gegen das gleißende Licht schützen. Im Raum selbst konnte sie keine Lichtquelle ausmachen. Woher kam nur diese unglaubliche Helligkeit?

Jade konnte keinen klaren Gedanken fassen. Sie stolperte rückwärts und tastete nach der Wand, an der sie sich schließlich zu Boden gleiten ließ. Das Silber in ihrem Rücken war eisig, doch es störte sie nicht. Ihre Gedanken drehten sich im Kreis. Sie wusste all das, was hier gerade geschah, nicht im Geringsten einzuordnen. Sie hob den Kopf. Nathan hatte seinen Blick weiter unverwandt auf sie gerichtet, doch bewegte sich nicht von der Stelle.

Mit einem Mal schlang sich etwas hart um Jades Handgelenke und ihr Rücken wurde an die Wand gepresst.
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Ihr Brustkorb wurde beinahe zugeschnürt. Jade schnappte nach Luft. Sie konnte sich nicht bewegen. Nathan hatte die Hand gehoben und wie zuvor reagierte das Silber auf seine Bewegungen. Das Silber hatte sich von der Wand gelöst und hielt Jade gefangen.

Ihre Augen weiteten sich, als Nathan langsam auf sie zukam und sich vor ihr aufbaute, seine Hand immer noch vor sich gestreckt, um das kalte, flüssige Silber in Schach zu halten, das immer mehr von Jades Körper bedeckte.

Nathan ging in die Knie und betrachtete Jade eingehend. Schließlich ließ er die Hand sinken und das Silber schloss sich nicht weiter um ihren Körper. Sein Blick hielt sie jedoch weiter gefangen. Jade schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter. Schwäche zeigen war das letzte, was sie in dieser Situation wollte. Tapfer hielt sie Nathans Blick stand.

„Was bist Du?“, wisperte Jade mit brüchiger Stimme. Sie hatte keine Ahnung, wie lange sie sich schweigend angestarrt hatten, doch es kam ihr wie eine Ewigkeit vor. Die gelöste Stimmung, die zuvor noch zwischen ihnen geherrscht hatte, war wie weggeblasen.

Nathan starrte sie weiter unverwandt an. Er erhob sich. Mit einem Mal schien seine Selbstsicherheit einer unerklärlichen Angst zu weichen. Er wich einige Schritte zurück, ohne Jade aus den Augen zu lassen. „Das möchte ich auch gerne von dir wissen.“ Seine Stimme war weiter fest, doch sein Blick verschleierte sich. „Ich habe das Gefühl, wenn Du nicht wärst, wäre mein Leben noch das, was es bis vor einigen Wochen war.“ Nathan ließ sich in der Mitte des Raumes auf den Boden sinken.

Jade seufzte. Da saß nun also dieser starke Mann, den sie verletzt im Wald zurück gelassen hatte, völlig in sich zusammen gesunken und schien genauso zerrissen zu sein, wie sie selbst.

„Nathan…“ In Jade wuchs das Bedürfnis ihn zu berühren, das Gefühl, als würde sie ihn schon Jahre kennen und doch wusste sie gar nichts über ihn. Geschweige denn über das, was er zu sein schien. Sie versuchte sich von der Wand zu lösen und als sie merkte, dass das Silber sie nicht länger gefangen hielt, ging sie behutsam auf Nathan zu. Nur wenige Zentimeter von Nathan entfernt, ließ sie sich ebenfalls zu Boden sinken.

„Also gut…“ Jade seufzte. „Ich hab ja selbst keine Ahnung, was ich bin.
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Aber ich möchte dir erzählen, was ich glaube zu wissen.“ Sie senkte leicht den Kopf und starrte auf den Boden, der ebenfalls von Silber überzogen war. Leicht ließ sie die Finger darüber gleiten. Als sie wieder nach oben sah, verhakte sich ihr Blick mit dem Nathans. Sie merkte, dass er voll und ganz auf sie fixiert war und sie seine vollste Aufmerksamkeit hatte. Plötzlich fiel es Jade wie Schuppen von den Augen. Er war genauso auf der Suche nach Antworten wie sie selbst!

Nathan holte deutlich hörbar Luft und richtete sich auf, schien bereit zu sein für, das was Jade ihm zu berichten hatte.

„Ok…“ Jade schluckte. Sie war nervöser als sie dachte. Wie verrückt würde es wohl klingen, wenn man von sich behauptete ein Wolf zu sein? Andererseits… Sie sah Nathan an. Ihr saß jemand gegenüber, der Gewalt über ein chemisches Element hatte. „Halt mich bitte nicht für verrückt…“ Nathan schnaubte. Scheinbar hatte er den gleichen Gedanken gehabt wie sie. „…ich weiß ja selbst nicht, wie ich in all das hinein geraten bin.“ Sie stockte. „Naja… vielleicht weiß ich es doch…“ Nathan sah sie weiterhin unverwandt an, auf seltsame Art und Weise schien eine Verbindung zwischen ihnen zu bestehen, was Jade den Mut gab, weiter zu sprechen. „Meine Familie stammt vom hiesigen Indianerstamm ab, zu dem ich aber keinen Kontakt habe. Und doch… das Blut dieser Familie scheint in meinen Adern zu fließen…“ Sie hielt einen Moment inne und ihre Gedanken schweiften ab. Auch in diesem Moment schien ihr einfach alle zu surreal. „Mein Großvater war… oder ist das, was man früher wohl als den Häuptling des Stammes bezeichnet hat. Joes Geschichten nach haben alle Nachkommen dieser Linie irgendein besonderes Gen – so eine Art Anführer-Gen…“ Sie schüttelte sich. Sie zuckte einen Moment zusammen, als sie Nathans Hand auf ihrer spürte. Als wollte er sie beruhigen… „Ich unternehme Spaziergänge, ohne dass ich mich danach daran erinnern kann. Ich wache morgens im Wald auf. Nackt.“ Ihre Wangen wurden rot. „Und weiß nicht, wie ich dort hingekommen bin. Überall habe ich Verletzungen, die schneller heilen, als ich sie zählen kann. Scheinbar…“ Sie holte tief Luft. „… bin ich ein Wolf.“ Es war seltsam, diese Worte laut auszusprechen, sich etwa einzugestehen, was fast zu verrückt war, um wahr sein zu können.

Nathan zog seine Hand zurück, als Jade geendet hatte. Eine Weile herrschte Schweigen, ihre Blicke lösten sich dennoch nicht voneinander.
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Die Luft zwischen ihnen schien unter Spannung zu stehen. Nur das leise Singen der Vögel drang schwach von draußen herein.

„Warum?“ Nathan unterbrach die Stille.

Jade sah auf. „Warum?“, wiederholte sie. Sie zuckte mit den Schultern. „Dafür kann es tausend Gründe geben und keinen…“ Wieder griff Nathan nach ihrer Hand und legte seine Handfläche auf ihre. Jade beobachtete das Spiel ihrer Hände. „Joe meinte, immer, wenn die Wölfe auftauchen, gibt es eine Bedrohung für den Stamm…“ Nathan hob ihre Hände zwischen sie, die Handflächen immer noch aneinander gelegt. Jade sah ihn wieder an. „Aber bis jetzt konnte ich nicht herausfinden, was den Stamm bedrohen könnte. Außer Dir… Euch.“

Nathan löste seinen Blick von ihrer beider Hände, ohne jedoch seine Hand wegzubewegen. Da saßen sie nun, im Schneidersitz auf dem Boden in einem silbernen Zimmer, irgendwo mitten im Wald. Kannten ihr gegenüber kaum, und doch hatte Jade Nathan soeben ihr Innerstes offenbart, und es kam ihr richtiger und wichtiger vor, als alles, was sie je zuvor getan hatte.

„Wir sind keine Bedrohung für euren Stamm, Jade.“, raunte Nathan in die Stille. „Wir sind nicht der Grund für das Erscheinen der Wölfe.“ Seine Handfläche an ihrer schien eiskalt zu werden. „Wir existieren wegen der Wölfe und schützen die Menschen. Die Wölfe stören das Leben der Menschen.“ Er kreuzte seine Finger mit ihren. „Wir töten die Wölfe!“
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Punktestand der Geschichte:   89
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Interessante Kommentare

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jaa... sehr schön und dass nicht deutlich wird, was du sagen willst, find ich gar nicht - da muss man wohl selbst die situation kennen oder gedacht und gefühlt haben, was du schreibst, um di ...

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