Die Frauen von Kampodia/Kapitel 2 – KARL   98

Nachdenkliches · Romane/Serien

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 2. Mai 2013
Bei Webstories eingestellt: 2. Mai 2013
Anzahl gesehen: 1188
Seiten: 6

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


(Karl ist einzige Kerl, dem in diesem

Roman ein Profil gewährt wird)



Er wurde wach – und fasste sich sofort stöhnend an den Kopf. Dieser pochte höllisch, und das Pochen hörte einfach nicht auf.

Erinnerungen wurden geweckt, Gedanken formten sich mühsam, hämmerten qualvoll auf ihn ein, und diese hatten allesamt nichts mit diesem Kopfschmerz zu tun, sondern nur mit einer bestimmten Person.

Bis er sich schließlich zusammenriss und krampfhaft versuchte, den dummen Kopf ein wenig zu bewegen.

Wieder stöhnte er auf. Es war einfach zu schlimm, und er hasste sich dafür. Warum tat er seinem Kopf so etwas an? Er wusste es natürlich, aber er wollte im Moment nicht darüber nachdenken, denn das hätte sein Elend noch vergrößert.

Das Saufen war schlimm, aber die Realität zu ertragen war noch viel schlimmer, da nahm er das bisschen Kopfweh doch gerne in Kauf.

Er blickte sich um und erkannte, verflucht, sogar seine Augen taten ihm weh, dass er in seiner Werkstatt lag, und zwar mitten in einem Wust von Beilen, Sägen, Holzstücken und Sägemehl. Alles schmiegte sich unangenehm an seinen Körper, und das Sägemehl verursachte einen heftigen Niesreiz bei ihm, den er mit letzter Kraft und mit tränenden Augen unterdrücken konnte. Außerdem bemerkte er eine Wunde an seiner Hand, und sein Hemdsärmel hatte dunkelrote Flecken. Von Blut? Wahrscheinlich ein Überbleibsel seiner Raufereien, die in letzter Zeit sehr zugenommen hatten.

Völlig apathisch lag er in dem Sammelsurium von Geräten, das Beil rammte sich hart in seinen Rücken, und das Sägemehl reizte weiter seine Nase... Warum zum Teufel hatte der Lehrling die Werkstatt so hinterlassen, so unaufgeräumt, voll mit Sägespänen und anderem Unrat? Und wo zum Donnerwetter noch mal trieben sich die Gesellen herum?

Schlagartig und schmerzhaft kam ihm die Antwort in den Sinn, nein in den Kopf, oh tat der weh! Wieder stöhnte er auf, dennoch riss er sich zusammen, der Lehrling also, warum hatte er die Werkstatt nicht gefegt? Und warum ließ sich keiner der Gesellen blicken?

Weil der Meister kein gutes Vorbild war. Weil der Meister seit Wochen nur noch herum soff. Weil der Meister seine Arbeit vernachlässigte. Weil der Meister an einer Frau hing, die fast seine Mutter sein könnte.
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..

Aber sie war nicht seine Mutter. Er hatte sie als Kind schon schön gefunden und bewundert, und er konnte sich noch deutlich an den Tag erinnern, als der Baron sie hergebracht hatte als seine neue Frau. Sie stammte aus England, dort wo sie den gleichen König hatten wie hier.

Alle Dorfkinder folgten natürlich der Kutsche, er natürlich auch mit seinen sieben Jahren, alle liefen johlend neben der Kutsche her, aus der die neue Herrin von Kampodia herabblickte auf sie. Es war ein guter Blick, sie schien freundlich zu sein und gütig. Und sie sah so schön und sanft aus.... Obwohl er damals noch ein Kind gewesen war, setzte sich in ihm sofort der Gedanke fest: Meine Mutter ist sicherlich so wie die Baronin gewesen, so sanft, so gütig, so schön...

Und tatsächlich erwies sich die junge Frau des alten Barons, er war wirklich alt im Vergleich zu ihr, als sehr freundlich. Sie grüßte jeden, wenn sie durch das Dorf ging oder ritt, sie kannte fast alle beim Namen und fragte sie nach ihren Sorgen. Sie half wo sie konnte, und obschon manche sie eine Hexe nannten, weil sie manchmal ungewöhnliche Heilmittel bei Krankheiten einsetzte, so hielt sie doch der Großteil der Dorfbewohner für einen Segen.

Und für ihn war sie ein Leitstern, der hoch am Himmel stand, unerreichbar für ihn, aber dennoch tröstlich, weil dieser Stern einfach nur da war.



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(WARNUNG: Diese Geschichte ist von mir, Ingrid Grote. Zu finden auf: http://ingridgrote.de und in diversen Foren.

Falls sie auf einer Pornoseite namens nookiestar.com auftaucht, dann ist sie GEKLAUT. Übrigens sind alle meine Romane dort vertreten einfach nur den Titel suchen... ALLES GEKLAUT!!! Unter anderem "Gone With The Death?", Holidays in Kampodia, Topp, die Wette - und die Kurzgeschichte LOVE GAMES. Und wenn ich DIESEN Roman dort finde, dann gehe ich zum Anwalt - die deutsche Rechtsprechung ist nämlich sehr streng in Bezug auf geklaute Sachen, gelle?)

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Und dann an diesem bestimmten Tag, als er sie im Wald getroffen hatte und sie so furchtbar unglücklich aussah, da fand er sie wieder so wunderschön....

Wieder griff er sich an den Kopf, und stöhnte auf vor Schmerz, natürlich ging es nicht, sie stand so weit über ihm.
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Er war ein Wurm dagegen, dennoch war sie so schön, ihr Körper so wunderbar, so hingebungsvoll und dennoch so verlangend, unersättlich...

Und trotzdem, die Begegnung im Wald, sie erschien ihm nicht billig, sie war mehr gewesen als nur bloßes körperliches Verlangen. Etwas war zwischen ihnen, es war nicht nur pure Lust. Oder bildete er sich das nur ein?

Was empfand sie wohl für ihn? Er richtete sich auf, mühsam versucht, seinen Kopf ja nicht zu bewegen, während er nachgrübelte.

Liebe... Handelte es sich etwa um Liebe? Bei ihm bestimmt, denn er hatte noch nie etwas Ähnliches erlebt. Seine Erfahrungen mit Frauen waren natürlich nicht sehr zahlreich gewesen, nie verspürte er den Drang, sich mit Huren zu vergnügen, die Franzosenkrankheit fand er zu abschreckend, und auch kaum einer seiner Freunde wollte riskieren, für einen Augenblick der Lust – die man außer mit hart verdientem Geld vielleicht auch noch mit der Krankheit bezahlen musste – am Körper dahin zu siechen und später elendig zu verrecken.

Fast alle jungen Maulhelden im Dorf waren noch unberührt, fast musste der Karl lächeln, aber dafür ging’s ihm zu schlecht. Gut, da waren zwei Erlebnisse mit Mägden, keine davon blieb fest in seiner Erinnerung. Doch nun hatte er wohl seine Lektion gelernt...

Und wieder roch er den Duft der Tannennadeln, hörte das Rascheln ihrer Kleider, fühlte die Zartheit ihrer Haut, sah ihre Nacktheit, küsste jeden Zoll davon, bis er schließlich hinweggerissen wurde von seiner Leidenschaft – und sie beide sich auf dem weichen Wiesenboden herumwälzten, begierig mehr voneinander zu erfahren, begierig sich zu vereinen.

Karl schüttelte den Kopf. Aua! Nein besser nicht schütteln... Er musste sie sprechen. Er musste erfahren, was sie für ihn empfand. Andererseits wollte er es gar nicht wissen, schreckte vor der Wahrheit zurück, wollte die Illusion solange als möglich bewahren. Blödsinn! Die ganze Sache war vollkommen absurd, und sie war schon zu Ende, bevor sie wirklich angefangen hatte.

Also es treiben wie bisher: Saufen, bis man im Dreck lag, mit den Kumpeln über die Dörfer ziehen, Schützenfeste aufmischen, wüste Prügeleien anfangen, sich selber als den stärksten Kerl beweisen.
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Und sich danach bemitleiden...

Wieder stöhnte er auf. Er musste heraus aus diesem Teufelskreise, musste wieder anfangen, sein Leben zu leben. Musste wieder Freude an seinem Beruf bekommen. Die Tischlerei war doch wunderbar, das Gestalten von Holz, das Bauen von Möbeln, etwas zu erschaffen, das Holz in der Hand zu halten, es abzuwägen und zu prüfen, es zu erspüren – und ihm dann die Form zu geben, die es aus sich heraus verlangte. All diese Freude war ihm in der letzten Zeit abhanden gekommen, er vernachlässigte seine Werkstatt. Er unterrichtete den Lehrling nicht mehr. Seine Gesellen ließen sich anscheinend auch nicht mehr oft blicken. Kein Wunder, wenn der Meister nie da war. Früher hatte er sich viel drauf eingebildet, einer zu sein, der zwei Zünften angehörte, einmal als Tischler und dann noch als Böttcher, wobei das letztere sehr viel eintragreicher war, denn die Bierbrauerei hatte stark zugenommen, und dazu brauchte es Fässer. Auch für viele andere Dinge brauchte es nun Fässer.

Wenn er doch nur wieder Lust bekäme, diese Sachen zu verrichten... Es schien ihm, als wäre er in ein tiefes finsteres Loch gefallen, aus dem ihn niemand könnte befreien. Wenn er so weitermachte, würde sein Erbe, nämlich die Tischlerwerkstatt den Bach hinuntergehen. Er hatte sein Leben verloren, hatte dessen Freude und dessen Sinn verloren. Und das alles nur wegen ihr. Und dennoch gab er ihr nicht die Schuld dafür, er selber war es, er selber musste das wieder richten, musste sein Leben wieder in den Griff bekommen. Aber wie?

Ächzend machte er sich auf den Weg zur Tür, er wollte in sein Haus, das direkt neben der Tischlerei lag – wollte sich mal wieder bei seiner Grotmudder melden – und wurde prompt überfallen von seinem schlechten Gewissen. Die alte Frau führte ihm den Haushalt nach dem Tode seiner Eltern. Seine Mutter starb ja schon, als er ein kleiner Junge war, sie litt, so hatte der Bader ihm viel später gesagt, an der Schwindsucht.

Und ein paar Jahre später verließ ihn dann der Vater. Der Bader hatte keine Ahnung von seiner Krankheit, und deshalb machte er, Karl, sich auf zur Baronin, um deren Meinung darüber zu wissen. Die Baronin hatte sich bestimmt gewundert über den Halbwüchsigen, der heulend an ihrer Tür stand und sie um Hilfe bat.
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Doch sie ging mit ihm und schaute seinen Vater an. Ihr Gesicht wirkte entrückt, als sie die Hand des Kranken hielt, es schien, als würde sie in eine andere Welt sehen. Karl beobachtete sie dabei fasziniert, doch dann musste er erkennen, dass ihr Gesicht sich verzehrte und sie anfing zu stöhnen. Kein gutes Zeichen, dachte er bei sich. Und er hatte Recht, es war kein gutes Zeichen.

Die Baronin seufzte tief auf und löste sanft ihre Hand von der seines Vaters. Dann erklärte sie ihm behutsam, dass es keine Hoffnung mehr für seinen Vater gäbe. Einzig allein Schmerzmittel wie das Laudanum würden ihm die letzte Reise erträglich machen.

Und dann ging sie, nicht ohne ihn bedauernd anzuschauen, er meinte sogar, Tränen in ihren Augen gesehen zu haben.

Die Schmerzmittel, die er sich darauf von dem durchreisenden Juden Jonathan Strauss beschaffte, halfen zuerst kaum, doch mit zunehmender Dosierung hatten sie schließlich genug Gift in sich, um den Kranken genügend zu betäuben. Er starb friedlich...

Karl erwachte aus seinen Erinnerungen. Und außerdem sollte er sich für seine Grotmudder ein paar Entschuldigungen ausdenken. Die alte Frau kam kaum noch mit dem Haushalt zurecht, halbblind wie sie war. Außerdem musste sie sich noch um die Felder kümmern, nein nicht selber dort arbeiten natürlich, sondern sie musste Tagelöhner anheuern, welche die Felder beackerten. Er liebte seine Oma, sie hatte ihn schließlich großgezogen – und jetzt hatte sie so unter ihm zu leiden...

Karl seufzte auf: Eigentlich musste eine Frau ins Haus, die nach dem Rechten sah und die Großmutter entlastete. Aber welche?

Letztens hatte einer seiner jungen Freunde ihm erzählt, dass die Eve–Marie nicht abgeneigt wäre, ihn zu nehmen. Die Eve–Marie war natürlich reich, hatte wirklich was im Kasten als einzige Erbin der Maladessin, welche Wirtin war vom Wagenrad. Aber er wollte sie nicht. Irgendetwas an ihr stieß ihn ab.

Kein Wunder, jede andere Frau als SIE war ihm zuwider. Keine war so wie sie... Wie sollte er jemals eine Frau für sich finden? Und sie dann auch noch lieben, wie es sich gehörte? Es schien vollkommen unmöglich zu sein.

Ein lautes Klopfen an der Türe unterbrach seine Gedankengänge.
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Einer seiner Kumpane begehrte Einlass, und der Karl ließ ihn freudig hinein. Es lenkte ihn von seinen Gedanken ab, denn noch war er nicht bereit etwas zu ändern, er konnte es einfach nicht...

„Das ist ja unser Held“, sein junger Kumpan sah ihn bewundernd an, bevor er sich in lobenden Tiraden erging: „Haha, die haben wir aber aufgemischt, die eingebildeten Schnösel von Helligenthal. Da haben die aber blöd geguckt...“

Der Karl fühlte sich ein wenig gebauchpinselt ob dieser Lobreden. Also hinaus aus der verkommenen Werkstatt und hinein ins Vergnügen.

Bier her in großen Bechern, bis der Schmerz kleiner wurde und sich schließlich nur noch im Draufhauen auf fremde Köpfe kundtat. Was für ein verdammter Kreislauf, schon jetzt ekelte es ihn vor dem nächsten Tag, wenn er erwachen würde.

Es musste etwas geschehen, er musste sich, wie der berühmte Baron von Münchhausen, selber an seinem eigenen Schopfe aus dem eigenen Sumpf ziehen.

Nur wann – und vor allem wie?
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Kommentare zur Story:

  Auch mir ist der Karl sympathisch. Ich glaube mir gefällt, dass er so lieben kann. Aber vielleicht ist es ja auch nur Schwärmerei, da er ja schon als Kind die Baronin angehimmelt hatte.  
   doska  -  16.05.13 21:08

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  der karl ist wirklich kein schlechter, nur etwas durcheinander.
und es handelt sich um episoden, die nicht unbedingt direkt an einen anderen teil anschließen, deswegen die wundersame äääh... ja reise in die werkstatt. ;-)
lieben gruß an dich!  
   Ingrid Alias I  -  04.05.13 16:17

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  so, nun habe ich auch den karl kennengelernt, hm, er ist mir schon sympathisch, obwohl er ein solcher "schwachkopp" ist. wie ist er denn von der liebeswiese in die verkommene
werkstatt gekommen?
gruß  
   rosmarin  -  04.05.13 14:28

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