Mondlicht im Weltwinterwald    51

Romane/Serien · Winter/Weihnachten/Silvester · Fantastisches

Von:    Tis-Anariel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 16. Dezember 2012
Bei Webstories eingestellt: 16. Dezember 2012
Anzahl gesehen: 1222
Seiten: 5

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


So beginnt unsere Reise







Sind wir unbedarft und ein wenig leichtsinnig dem Wispern in den Bäumen gefolgt und neugierig den Stimmen nachgegangen, finden wir uns manches Mal an seltsamen Orten wieder.

Nun, heute sind wir dem singen des Windes in den Winterwald gefolgt und haben die Zeit vergessen. Die Sonne ist untergegangen und wir haben uns an einem Ort verlaufen, an dem wir uns eigentlich nicht verlaufen sollten. Schließlich kennen wir unseren Wald viel zu gut um uns darin zu verlaufen, egal zu welcher Jahreszeit!

Aber jetzt, wo es dunkel wird und mit dem Mondlicht, das so seltsame Schatten wirft, scheint sich dieser Ort völlig zu verändern. Und vielleicht ist genau das geschehen.

Wir sind zwar dem Wispern in unseren Wald hineingefolgt, aber nun ist es eben nicht mehr der Wald, den wir kennen. Plötzlich befinden wir uns an einem Ort, den wir so noch nie gesehen haben. Wir haben, mit der beginnenden Nacht und dem Mondlicht und ein wenig Nordwindmagie unseren Wald verlassen. Wir sind in den Weltwinterwald geraten!



Nun gut sehen wir uns einmal um.

Kalt ist es hier im Weltwinterwald und der Frost hat seltsame, ja stellenweise bizarre Kunstwerke in den Zweigen und den Gräsern geschaffen. Er hat auch einen nahen Quellbach und dem dazugehörigen Teich mit seltsamen Eisgebilden verziert. Der fahle Mond spiegelt sich nun im dunklem Wasser und verleiht der Quelle eine ungeahnte Tiefe.

Womöglich ist sie nun tatsächlich so tief, wie sie aussieht. Dann sollten wir aber nicht ganz so nahe an den Rand treten, denn dann lebt sicher ein Wasserwesen, vielleicht eine Nixe darin und die wollen wir ja nicht verärgern. Sie könnte uns in die Tiefe ziehen und wir müssten hilflos dort unten gefangen bleiben, vielleicht würden wir auch ganz einfach ertrinken. Ich stelle mir beides nicht angenehm vor, also bleiben wir, solange wir uns im Weltwinterwald befinden lieber von tiefen, ruhigen Gewässern fern. Nicht alle Wesen dieser Welt sind freundlich. Und Nixen, auch wenn sie alle nicht böse sind, so sind sie doch manchmal unbedacht. Sie begreifen vermutlich nicht, wie zerbrechlich wir Menschen sind und dass wir durchaus erfrieren und ertrinken können.



Aber auch hier gibt es freundliche Wesen, die uns gut verstehen und es uns oft auch wirklich gut meinen.
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Da seht doch, schon zeigt sich uns eines. Am Stamme, zwischen den Wurzeln eines mächtigen Baumes ist eine kleine, braunhaarige Wurzelfrau erschienen. Sie lächelt uns zu.

Kommt lasst uns hinübergehen und sie freundlich grüßen.

Ah sie erwidert unsren Gruß.

Bevor wir jedoch unsre Stimme erheben können, hält uns ihre erhobenen hand auf. Sie scheint zu lauschen und wir tun es ihr gleich. Hört ihr das auch? Was ist das für ein seltsamer Klang? Er scheint von hoch über uns zu kommen und lässt zumindest mich an Schneegestöber und blaues Gletschereis denken.



Jetzt beginnt unsere neue Freundin zu sprechen.





“Oh horcht, hoch droben, hört ihr es, da in den schwarzen Wipfeln der Tannen und Fichten, da flüstert er, der Nordwind. Eiskalt und frostig fängt er sich im Geäst der alten Eiche, schenkt dem gigantischen, knorrigem Baum ein weißes Kleid aus Eiskristallen. Er kommt aus dem Land des ewigen Schnees, der Nordwind und kennt daher die kalten, blauen Geheimnisse, die er dort gesehen hat. Und er kennst natürlich auch viele Geschichten, dieser Wind. Aber ihm zuzuhören ist schwierig. Zu leicht erfriert man in seinem Atem. Darum flüstert er auch meist.

Aber manchmal, da packt es ihn, dann heult er lauter als hundert Hunde und pfeift laut lachend und wild zwischen den Stämmen und über die weiten weißen Hänge dahin und wirbelt den Schnee zu seltsamen Mustern auf. Und manchmal, da wird er auch schaurig, der Nordwind. Da erinnert er sich an die dunklen Geheimnisse seiner Heimat und dann fegte er heulend und wimmend um jedes Haus und jedes Heim. Zu diesen Zeiten ist es dann besser drinnen zu bleiben, wo man es warm hat und sich ein heißes Getränkt zu gönnen und vor allem ein Kerzchen anzuzünden.

Aber heute ist das nicht nötig. Der Mond scheint milchfahl an einem klarem Himmel. Zu solchen Zeiten ist der Nordwind zwar eiskalt, aber nicht düster und auch nicht schaurig. Seht nur, welch wundersames Flechtwerk der Mond mit seinem sanften Licht zwischen die mächtigen Stämme des Weltwinterwaldes malt. Welch seltsame Schattengebilde und Lichtgestalten dieses Spiel zwischen Licht und Schatten hervorrufen will! Ist es nicht wundersam anzusehen?”



Wir nicken.
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“Und dort, auf der nahen Lichtung, der verwilderten, dort wo der kleine Bach einem sprudelndem Quell entspringt, da tanzen heute Nacht sogar feine Nebelschleier. Nächtlich düstere Waldgeister haben sich dort versammelt und singen und tanzen. Sie feiern ein Winterfest!”



Den Ort kennen wir schon, da sind wir eben schon gewesen. Erinnert ihr euch an den Quell in dem ich eine Nixe vermutet habe? Seht hin, genau den meint unserer neue Freundin. Nun ist da nicht nur eine Nixe, sondern auch allerlei andres, seltsames Volk. Ein wenig düster wirken sie und unheimlich. Nur gut, dass wir dort nicht verweilten. Womöglich hätte uns diese Gesellschaft in eines ihrer seltsamen Spiele verwickelt. Ich weiß nicht ob uns das bekommen wäre. Nun aber, starrt nicht zu lange dorthin, sonst fühlen sie sich noch beobachtet und Beobachter mögen sie nicht. Lasst uns lieber weiter mit der Wurzelfrau reden.

Hui, der Wind erlaubt sich einen Spaß und ist uns unter die Kleidung gefahren. Ein heftiges erschaudern sucht uns heim und erinnert uns daran, wie kalt es doch im Weltwinterwald ist. Aber das Wurzelweiblein hat das auch gesehen.



“Oh, was plaudere ich hier nur und rede, wo ihr werte Leser schon beinahe festgefroren seit und vor Kälte schon ganz blaue, taube Lippen habt? Wo habe ich nur meinen kleinen Kopf? Der Weltwinterwald, besonders in mondhellen Nächten, wenn der Nordwind zaubert sind für euch Menschenwesen ganz besonders kalt. Kommt herein, meine Lieben! Hier in meiner Höhle, tief unter dem Wurzelwerk ist es warm und gemütlich. Ich mach uns heißen Tee und Gebäck habe ich auch noch. Nur keine Scheu, kommt doch herein! “



Tja, ihr Lieben, wollen wir das wagen? Also ich weiß, dass Wurzelleute freundlich sind und niemanden etwas böses wollen. Außer natürlich jenen, die ihren Bäumen ein Leid tun. Diesen Menschen sind sie natürlich nicht sehr wohl gesonnen. Nun, das wärt ihr ja auch nicht, nicht wahr?

Ihr fragt euch jetzt wie wir großen Menschen jetzt durch diesen kleinen Eingang und in ihre kleinen Wohnhöhle unter den Wurzeln passen sollen?

Hört hin, sie erklärt es uns.



“Was ist denn? Zu groß seid ihr, meint ihr?

Ach das ist nicht schlimm.
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Größe ist doch wandelbar. Keine Sorge!

Tretet nur über diese Schwelle, da direkt vor euch wölbt sie sich und sieht aus wie eine schmale Wurzel. Doch tretet ihr darauf und habe ich euch eingeladen, was ich ja gerade getan habe, dann wirkt der Zauber darin und dann ist euch der Zutritt zu meinem Heim gestattet und körperliche Größe ist dann kein Thema mehr.

Na kommt schon! Traut euch!

Oder wollt ihr da draußen womöglich festfrieren? Da wärt ihr nicht die ersten!

Wollte ich euch etwas zu Leide tun, dann hätte ich es längst getan, also vertraut mir ruhig.

Hier in meiner Höhlenwohnung unter dem Wurzelwerk ist es zumindest warm und gemütlich. Ich servier euch Tee und Gebäck und ich kann euch so manche Geschichte erzählen.”



Nun denn, frisch gewagt würde ich da sagen. Und ein heißer Tee wär jetzt gerade Recht. Los kommt, lasst es uns ausprobieren.



“Na also, es geht doch!

Seht ihr, so schlimm war es doch nicht und nun stehen wir uns Angesicht zu Angesicht gegenüber.

Nun aber, kommt herein, es ist eiskalt! Ihr Armen, ihr seht ganz verfroren aus.

Na dann herein mit euch!”







Nun, jetzt sind wir also über diese Schwelle getreten und damit haben wir tatsächlich einen großen Schritt aus unserer bekannten Welt heraus gemacht und einen kleinen Schritt in diese Welt hinein, in der das Wurzelweiblein, mit dem wir uns gerade unterhalten, schon immer lebt. Der Schritt über diese Schwelle hat uns frierende, uns in den Weltwinterwald hineingeratene, verirrte Wanderer, ganz in diese für uns etwas fremde Welt hinübergebracht.

Außerdem sind wir soeben auf Größe einer Maus geschrumpft und darum stehen wir nun tatsächlich unser neuen Freundin Angesicht zu Angesicht gegenüber. Von daher ist es natürlich nun auch kein Problem mehr für uns, ihr hinab in ihr Höhlenheim unter den Baumwurzeln zu folgen.

Wollen wir es wagen?

Es ist schon wirklich sehr kalt im Weltwinterwald, besonders in so mondhellen Nächten.

Ich denke wir tun gut daran der Wurzelfrau zu folgen! Sie wirkt ja auch sehr nett und freundlich.

Aber, stopp! Bevor wir ihre Gastfreundschaft annehmen muss ich euch doch noch warnen!

Auch Wurzelleute gehören zum Feenreich!

Egal wie freundlich und nett unsere Gastgeberin nun ist, auf keinen, auf gar keinen Fall dürft ihr etwas versprechen! Und ihr dürft schon gar nicht einen HANDEL eingehen, und ihr dürft auf gar keinen Fall eine Gefälligkeit für etwas versprechen!

Seid bestimmt, sagt keinem Handel zu, aber bleibt höfflich.
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Und wenn ihr nicht weiter wisst, dann wendet euch an mich!



Aber nun kommt, sonst frieren wir womöglich wirklich noch fest!



Wir folgen nun also der Wurzelfrau, erst durch eine Tür, die wie ein Astloch aussieht, dann eine lange, vielfach gewundene Treppe hinab ,die sich durch lebendiges Holz windet. Sie endet im Erdreich und an einem Eingang zu einem rundem Tunnel, der tiefer hinab in die Erde führt, an den Wurzeln entlang. Und wir, wir folgen unserer neuen Freundin dort hinab. An den Wänden leuchten fluoreszierende Schimmelpilze und beleuchten uns den weiteren Weg in einem seltsamen, geisterhaften Licht. Am Ende landen wir tief unten im Wurzelwerk. Sie hat nicht gelogen. Die Wohnhöhlen der Wurzelfrau bestehen zum Teil aus lebendigen Wurzelholz und zum Teil aus Erde und Stein. Auf seine eigene rustikale Weise ist ihr Heim gemütlich und warm ist es auch. Anstatt eines loderndem Kaminfeuers brennt ein Kerzenstumpen, aber in unserer derzeitigen Größe ist das etwa gleichwertig. Heißt, die Kerzenflamme wärmt uns ebenso, als wäre sie ein loderndes Kaminfeuer.

Sie hat uns geradewegs in ihre Wohnküche geführt und nun lassen wir uns vorsichtig an ihrem großen Esstisch mit der gemütlichen, kleinen Eckbank nieder. Nur wenig später steht ein Teller mit Gebäck auf dem Tisch und wir haben eine Tasse süßen, dampfenden Tees vor der Nase.



Die Wurzelfrau lächelt uns zu.

Ich glaube sie ist in Erzähllaune.

Lasst uns doch nach einer Geschichte fragen.

Sie wird uns sicher gerne eine erzählen.











©Anariel 13.12.2012
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Punktestand der Geschichte:   51
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Kommentare zur Story:

  Hallo Marco Polo,

freut mich, dass es dir gefällt.
Und ja ich bin schon fleißig am schreiben und noch vor Weihnachten wird uns das nette Wurzelweiblein noch eine Geschichte erzählen. Und da es ja keine reine Weihnachtsgeschichte ist, werden wir bestimmt noch einige mehr Geschichten erzählt bekommen.  
   Tis-Anariel  -  18.12.12 01:45

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Eine niedliche kleine Weihnachtsstory mit märchenhaften Wesen. Die Wurzelfrau hat wohl auch mich eingeladen, denn ich fand plötzlich alles sehr gemütlich um mich herum. Würde mich freuen, wenn sie noch etwas erzählen könnte.  
   Marco Polo  -  17.12.12 14:20

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Interessante Kommentare

Kommentar von "Aya" zu "Zirkuslöwenleben"

Erinnert mich sehr an das berühmte Gedicht über den Panther, wirklich auch sehr schön geschrieben.

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Kommentar von "Marco Polo" zu "Das Licht der Hajeps Band 2 Guerillas - Kapitel 13"

immer noch sehr schön flüssig und spannend geschrieben. Ich bleibe dran.

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