Gone with the death? – Teil 10 SCHWARZE LÖCHER und EREIGNISHORIZONTE   118

Romane/Serien · Erotisches · Fan-Fiction/Rollenspiele

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 5. August 2011
Bei Webstories eingestellt: 5. August 2011
Anzahl gesehen: 1853
Seiten: 11

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


„Ich war ein Nichts, weder Fisch noch Fleisch, weder richtiger Vampir noch Mensch“, fuhr Spike mit seiner Erzählung fort. „Am meisten bei der Sache empörte mich meine totale Bedeutungslosigkeit. Noch am selben Abend verließ ich die Stadt, ich wollte nach Afrika zu einem anderen Big Bad. Zu einem anderen?“ Spike lachte bitter auf.

„Das war der reinste Hohn, ich selber hatte mich immer als ‚Big Bad’ bezeichnet, aber ich war nur noch ein Abklatsch meines früheren Ichs. Ein Besessener, ein Idiot, ich wollte Buffy töten und mit ihr alle ihre Freunde. Außer Dawn vielleicht. Ich wollte den Chip, der mich so lange geknechtet hatte, loswerden, um sie alle töten zu können. Oder vielleicht leben zu lassen... Und vor allem wollte ich diese beschissenen Gefühle loswerden, die mich an Buffy fesselten. Ich war so stinksauer! Wollte Buffy das geben, was sie verdiente! Und das war nichts Gutes, so dachte ich jedenfalls.“ Spike musste grinsen. „Leider verstand der afrikanische Dämon das anders, vielleicht las er in meinem Unterbewusstsein, dass ich ihr nichts antun wollte, denn er entfernte nicht den Chip, sondern gab mir meine Seele zurück.“

„Was denn...“

„Es war meine eigene Seele, im Gegensatz zu der einer anderen Person, die mit Sicherheit nicht ihre eigene Seele zurückbekommen hat, sondern eine idealisierte...“

„Du meinst doch bestimmt Angel?“

„Und wenn schon, ist doch egal. Weiter: Was bedeutet das, eine Seele zu haben? Ich kann’s dir sagen: Es bedeutet Pein und Schmerzen, ich wurde heimgesucht von Erinnerungen und Alpträumen, die alle mit meinen Opfern zu tun hatten. Und das waren nicht wenige. Ich kehrte nach Sunnydale zurück, tatsächlich weiß ich nicht, wie ich die Reise überlebt habe in diesem Zustand. Aber ich war zurück.“

„Was sagte Buffy?“

„Sie war nicht begeistert, eher schockiert. Ich bedeutete Komplikationen für sie. Sie musste sich jetzt um mich kümmern, denn ich war kein seelenloses Wesen mehr.“

„WIE hat sie sich um dich gekümmert?“

„Sie brachte mich bei Xander unter, vorher hauste ich im Keller der Schule. Ein schrecklicher Ort, nahe am Höllenschlund gelegen, das Urböse hielt mich dort fest im Griff, es erschien mir in verschiedenen Gestalten, mal als Drusilla, mal als Buffy – aber alle hackten auf mir herum, bis ich schließlich verrückt wurde.
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Lilah schaute ihn mitleidig an, aber er bemerkte es gar nicht.

„Dazu kam noch eine seltsame Melodie, die mich zum Ausrasten brachte. Ich tötete mehrere Leute...“

„Oh!“ Und nach kurzer Pause: „Was tat Buffy?“

„Sie versuchte Beweise zu finden, dass ich es nicht mit Absicht getan hätte.“

„Das ist ja wohl ein Hammer“, wunderte Lilah sich.

„Es hatte nichts mit mir persönlich zu tun, es handelte sich einzig und allein um meine Seele. Sie steht nun mal auf Seelen...“

„Du bist ein Idiot, sie stand auf DICH!“

„Nein“, Spike lächelte milde, „das siehst du falsch. Sie hätte nie jemanden wie mich lieben können, jemanden, der so viele Leute getötet hat. Niemals! Das war mir endlich klargeworden. Und ich brauchte es auch nicht mehr.“

„Was?“

„Dass sie mich liebte!“

Was meinte er nun damit? Lilah dachte angestrengt nach, bis sie auf die Lösung kam. Er liebte Buffy trotzdem, egal ob er nun auf ihre Gegenliebe traf oder nicht. Diese seine, wie es schien endgültige Aussage machte Lilah so wütend, dass sie aus Verzweiflung den Computer einschaltete, Casios uraltes DOS-Spiel ‚Simcity 2000’ startete und anfing, mit dem Bagger-Werkzeug ein paar Häuser und danach ganze Straßenzüge platt zu machen.

PROSCH RATTTATTA... PLÄDDEL PLÄDDEL... Ein fleißiger Bagger war das! „Und dann hast du dich geopfert“, sagte sie zornig, während sie mit Bagger ein paar Wolkenkratzer einstürzen ließ.

„Ja, dann habe ich mich geopfert“, sagte Spike.

„Hat es sich denn gelohnt?“, fragte Lilah nach. PROSCH RATTTATTA... PLÄDDEL PLÄDDEL... Alles ging in Staub auf.

„Sie hat mir gesagt, dass sie mich liebt.“

Na super! PROSCH RATTTATTA... PLÄDDEL PLÄDDEL... Lilah blickte verkniffen auf den Monitor, da kam gerade eine winzig kleine Feuerwehr mit Tattütatta an und versuchte, den Schaden zu begrenzen. „Aber du hast ihr nicht geglaubt, oder?“

„Nö, hab’ ich nicht. Was machst du da überhaupt?“ Spike näherte sich dem PC, angelockt durch die heftigen PROSCH RATTTATTA und PLÄDDEL PLÄDDEL-Geräusche.
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„Hat es sich denn nun gelohnt?“, Lilah gab nicht auf, sie wollte es wissen.

„Ich glaub’ schon“, Spike grinste wieder. „Denn jetzt bin ich hier und außerdem ziemlich lebendig. Hey, das ist ja geil! So ein niedlicher kleiner Bagger! Komm’, lass uns was einreißen!“

PROSCH RATTTATTA... PLÄDDEL PLÄDDEL...



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Die CD war bestens gelungen. Quer über ihre Frontseite erstreckte sich in einer runenartigen Schrift der Name der Band, nämlich: THE BIG BAD THING. Darunter erschien das Bild von den Jungs, in schwarzweiß natürlich. Dieses Meisterwerk stammte aus Lilahs Digitalkamera. Eigentlich hatte sie auch mit draufkommen sollen, aber sie wollte das nicht, irgendwie scheute sie das Licht der Veröffentlichung, denn als Extote, das wäre einfach zu exotisch oder gar zu extotisch - und dann noch als Anwältin... Sie musste lachen. Nein, besser nicht auf dem Cover erscheinen!



Als Spike bei einer seiner Einkaufsfahrten den ersten Song im Autoradio hörte, rastete er fast aus. Es war das Stück ‚Nowhere girl’, eigentlich sein Lieblingsstück, obwohl da nicht viel zu singen war, weil das Stück fast nur aus einem langen Vorspiel bestand. Aber Vorspiele sind das Salz in Suppe nicht nur des Lebens.

Er machte eine kurze Pause im E-body, traf zwei von den Jungs, die genauso euphorisch drauf waren wie er selber – und kam einen Tag später von einer ziemlich ausgedehnten Pokerpartie, die in einer Flüsterkneipe stattgefunden hatte, ziemlich angetrunken nach Hause.

Lilah hatte jede Menge Stunden auf ihn gewartet und sich große Sorgen um ihn gemacht, kurz war der Gedanke an W&H in ihr aufgeflackert. Hatten DIE ihm etwas angetan? Aber was konnten die schon groß von ihm wollen?

Als er dann endlich kam, war sie so erleichtert, dass sie auf ihn zuging, ihn umarmte und sich an ihn schmiegte. Sie konnte nicht anders, sie hatte so auf ihn gewartet.

Er erstarrte, schob sie weg und blickte an die Wand neben ihr.

„Ich will nicht noch einmal, dass eine Frau über mich bestimmt“, sagte er dann und lächelte sie entschuldigend an.

Lilah war das ganze unsagbar peinlich, sie hätte es wissen müssen: Immer wenn sie die Initiative ergriff, ging es in die Hose.
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Oder besser gesagt, aus der Hose heraus. Warum also tat sie immer wieder? Ach Mist – jetzt hatte sie alles verpatzt!

„Das hat gar nichts zu bedeuten“, verkündete sie lahm, während sie mit herabhängenden Armen dastand und sich ziemlich verlassen vorkam.

Seltsamerweise fühlte Spike sich auch sehr unsicher, und er bereute seine Worte schon. Er trat auf sie zu und nahm sie leicht in den Arm. „Lilah, ich mag dich. Wirklich. Du bist so wunderschön und auch so klug. Aber diesmal will ICH bestimmen, ob und wann es losgeht. Wenn es denn losgeht. Ich möchte kein Objekt mehr sein.“ Seine Stimme wurde leiser, und er schob Lilah sanft von sich weg.

Sie nickte, sie glaubte sogar, es verstanden zu haben. Und außerdem war es besser als gar nichts...

Sie lächelten sich unsicher an – Lilah hoffnungsvoll, Spike bittend – und gingen zu Bett, getrennt natürlich, und am nächsten Morgen wurde über die Sache nicht mehr geredet. Sie waren schließlich nur Freunde...



~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~-~



Ein paar Tage später entschloss sich Spike, eine Party zu feiern. Erstens wegen der Veröffentlichung der CD – und zweitens, weil schon jede Menge davon verkauft worden waren. Andauernd wurden die Songs im Radio gespielt. Kein Wunder, sie waren nun mal verdammt gut! Oder hatten W&H die Radiosender so fest im Griff? Egal – sie waren gut! So gut, dass die Plattenfirma, bei der sie unter Vertrag waren, anfing, diverse Geldbeträge auf Spikes Konto zu überweisen.

Er war nicht mehr von W&H abhängig. Bis auf das Haus natürlich, aber das wollte er noch nicht aufgeben, weil es ihm gefiel. Aus Gründen, die er nicht richtig einschätzen konnte, mochte er es, dort mit Lilah zu wohnen.

Spike besorgte die Getränke, und Lilah besorgte den Partyservice, der das kalte Büffet aufbaute.

Der Abend war warm, vermutlich der letzte richtig warme Abend in diesem Jahr, und Lilah trug ein dünnes Jeanshemd, Shorts und Stoffturnschuhe.

Die Gästeliste war überschaubar, die Jungs natürlich, der Wirt Karel und seine schwedische Frau Maja, mit der sich Lilah angefreundet und von der sie gelernt hatte, Zöpfe zu flechten, ferner zwei Typen aus dem E-body und die 5-Minuten-Frau von Porterhouse, eine körperlich recht anziehende Person, jedenfalls nach der Meinung der meisten Männer, dunkelhaarig, knabenhaft und recht hübsch, aber nach einer Stunde schon reichlich besoffen und Porterhouse hinterher hechelnd, der sich wie immer einen Dreck um sie kümmerte.
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Lilah fühlte sich seltsam, sie passte doch eigentlich gar nicht zu diesen Leuten, sie mit ihrer Vergangenheit... Und was war mit Spike, sie tappte bei ihm im Dunklen, was empfand er für sie? Hilfesuchend blickte sie sich um, aber keiner scherte sich um sie. Warum auch, sie hatte so gar keinen Bezug zu ihnen, außer zu Maja, die war wirklich nett.

Die Jungs verschwanden nach und nach im Keller, um sich ihre CD – als hätten sie die noch nicht oft genug gehört – noch einmal anzuhören. Die 5-Minuten-Frau, die durch einen irren Zufall auch noch Trine hieß, was Lilah unter anderen Umständen zum Lachen gebracht hätte – die fünf-Minuten-Terrine – ging ohne zu zögern auch in den Keller. Klar doch, zu den Männern, die Schlampe!

Der Wirt Karel und seine Frau Maja gingen ebenfalls in den Keller. Ach Maja, bleib’ doch da...

Lilah blieb allein zurück im Wohnzimmer, nein, allein wäre untertrieben, auch die beiden Typen aus dem E-body blieben dort, und der eine starrte begehrlich auf ihre nackten perfekten Beine. Was wollte der Kerl, sie etwa anmachen?

Lilah war nicht gerade guter Laune, denn irgendwie hatte sie das Gefühl, alles zu verpassen.

Dennoch entwickelte sich ein recht interessantes Gespräch. Es ging um Astralerscheinungen, weiß der Teufel, wie sie drauf kamen, allerdings war Lilah aus Langeweile schon ein bisschen betrunken, sie hatte sich ein paar heftige Drinks gemixt, zum Beispiel viel Brandy mit wenig Orangensaft.

„Du glaubst also wirklich, dass die Leute aus dem Jenseits sich die Mühe machen, dich zu treffen?“, Lilah guckte den Typen provozierend an.

„Ja, ich glaube fest daran. Seit mir letztes Jahr meine Großmutter bei einer Science erschienen ist...“

„Science?“, unterbrach ihn Lilah wütend. „Großmutter? Grundgütiger, WIE zum Teufel ist sie dir denn erschienen?“

„Sie sah genauso aus, wie ich sie in Erinnerung hatte“, sagte der Typ versonnen.

„HA!“, Lilahs Stimme troff nur so vor Hohn.
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„Wieso sollte dein Großmütterchen als alte Frau vor dir erscheinen. Warum nicht als junge Frau, warum nicht in ihrem Idealzustand? Nein, sie muss als Tattergreisin vor dir erscheinen! Und soll ich dir sagen warum? Weil du sie beschworen hast, du kanntest sie ja nicht anders. Es ist alles nur in deinem Kopf passiert!“

„Das ist nicht wahr!“, plärrte der Typ.

Der andere Typ wollte sich wohl für seinen Kumpel entschuldigen, er rückte näher an Lilah heran und machte doch tatsächlich Anstalten, seinen Arm um ihre Schulter zu legen.

Lilah schüttelte ihn mit einer einzigen Bewegung ab und hackte weiter auf seinem Freund herum: „Wenn du sie als junge Frau gesehen hättest, sozusagen im Optimalzustand, dann hättest du sie gar nicht erkannt, was? Gib es doch zu, deine Erscheinung war rein subjektiv!“

Der Typ war so dämlich, dass er gar nicht verstand, was Lilah meinte, und Lilah wiederum verstand nicht, warum sie so heftig reagierte.

Sie hatte die Nase voll von sich selber. Und auch von diesen beiden, sie wandte sich von ihnen ab, saß noch eine Weile wie gelähmt auf dem Sofa, dann stand sie langsam auf, um die anderen zu suchen.

Also ging sie in den Keller.



Was sie allerdings dort zu sehen bekam, versetzte ihr einen Schock, und sie bereute innig, in den Keller gegangen zu sein.

Sie bereute es, überhaupt in diesem Hause zu sein. Sie war hier ja nur ein Fremdkörper, der geduldet wurde. Und sie war von Spike abgewiesen worden. Das sagte doch alles!

Sie sah Spike, der gerade die 5-Minuten-Terrine von Porterhouse tröstete, die heulte sich nämlich bei ihm aus. Er lehnte mit dem Rücken an der Bar, hatte seine Hände um ihre Oberarme gelegt und streichelte diese.

Die 5-Minuten-Terrine hatte keine schönen Oberarme, sie wirkten schwammig. Außerdem sah sie mit ihren verheulten Augen nicht besonders hübsch aus. Sie war, Lilah musste es sich eingestehen, eine Leidensgenossin von ihr. Aber sie hasste sie trotzdem!

Lilah wurde es urplötzlich eiskalt, sie konnte diesen Anblick nicht ertragen. Sie drehte sich langsam und hoffentlich unauffällig um und ging wieder die Kellertreppe hinauf.

Das hier war nicht ihre Welt. Aber was zum Teufel war ihre Welt? Es gab keine Welt für sie, denn in Wirklichkeit war sie ja tot.
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Die beiden Idioten saßen immer noch auf dem Sofa und glotzten sie begehrlich an, aber Lilah ignorierte sie und stieg weiter die Treppe hoch, sie wollte in ihr Schlafzimmer, und sie wusste nur, dass sie unendlich enttäuscht war.

Vielleicht handelte es sich ja nur um eine postmortale Depression? Im Gegensatz zu einer pränatalen? Haha – gute Idee. Sie verzog den Mund. Normalerweise würde sie über diesen Gedankenblitz lachen, aber jetzt nicht, jetzt befand sich ihre Seele ganz woanders, vielleicht in einer Art Vorhölle...



Sie packte ihre wenigen Kleidungsstücke in die Reisetasche, öffnete das Fenster und sah hinaus in die Dunkelheit. Sie fühlte sich gefangen wie in einem schwarzen Loch. Die Zeit stand absolut still. Ihr Geist und ihre Glieder waren wie gelähmt.

Schließlich riss sie sich zusammen, durchbrach die endlos stillstehende Zeit – und warf die Reisetasche weit aus dem Fenster hinaus. Mit einem dumpfen Bums schlug sie auf den Kieselsteinen auf. Dann nahm sie den Aktenkoffer und warf ihn der Reisetasche hinterher. Der Aufprall war fast genauso so laut. Hatte sie alles? Ja.

Sie ging wieder die Treppe hinunter.

„Wo willst du denn hin? Bleib doch bei uns!“, irgendeiner quatschte sie von hinten an.

Sie blickte zurück, lächelte starr und sagte: „Ich muss mal frische Luft schnappen.“ Sie wollte unauffällig gehen, es würde sie sowieso keiner vermissen. Irgendwas riefen sie ihr nach, aber sie reagierte nicht darauf, sondern marschierte zur Haustür hinaus.

Die kühle Nachtluft ließ sie noch mehr frösteln. Sie schaute sich um und entdeckte ihre Reisetasche und ihren Aktenkoffer, beide hatten den Sturz unbeschadet überstanden. Mit zitternden Händen schloss sie die Garage auf und bemühte sich, das leise zu tun. Hirnrissig war das, es interessierte doch keinen!

Sie stieg in ihren Porsche und fuhr mit ihm davon. Nach Hause... Tränen stiegen ihr in die Augen, und sie konnte die Straße kaum erkennen. Nach Hause... Wo zum Teufel war ihr Zuhause?



Sie hatte Glück im Unglück, keine Polizeistreife erwischte sie bei ihrer wilden Fahrt.

Sie schminkte sich im Badezimmer ab und fing schon vor dem Spiegel an zu heulen.
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Sie sah furchtbar aus mit den tränenverschmierten Augen. Fast so schlimm wie 5-Minuten-Terrine. Sie konnte den Blick nicht von sich abwenden.

Bis sie schließlich ins Bett ging, dort weiterschluchzte und irgendwann vor Erschöpfung einschlief.



Sie träumte. Seltsam und konfus. Da war ein Kind, das sie fast umgebracht hatte, aber nur fast, denn sie konnte es doch noch retten, und sie musste darüber weinen. Im Traum hörte sie ein Telefon läuten. Es läutete penetrant.

Sie wachte auf und stellte fest: Es läutete wirklich, und es handelte sich um das Haustelefon. Draußen wurde es schon hell. Ein neuer toller Tag in L.A. begann...

Ziemlich sauer stieg sie aus dem Bett und kommunizierte mit dem Nachtportier, der das Apartmenthaus bewachte, ähnlich wie ein gewisser Zerberus den Hades. „Was ist los?“, fragte sie unwirsch.

„Sorry, Miss Morgan, aber hier ist ein Mister Castaway – und er möchte sie sehen.“

Lilah musste heftig nach Luft schnappen. Das war immer noch ein Traum, oder nicht?

„Dann lassen sie ihn in Gottes Namen herein“, sie fühlte sich hin- und hergerissen, sie wusste nicht genau, ob sie verärgert oder erleichtert darüber sein sollte, dass er gekommen war. Und was wollte er von ihr? Sie beschwatzen? Sie zurückholen, ohne dass sich etwas änderte?



Zwei Minuten später betrat Spike das Appartement.

„Was zum Teufel ist eigentlich los?“, seine Stimme klang aufgewühlt und noch heiserer als sonst.

„Ach leck’ mich doch!“, Lilah spuckte ihm die Worte förmlich ins Gesicht. „Hau bloß ab! Was willst du überhaupt hier?“

Spike ließ sich nicht von ihren giftigen Worten beirren. Er fasste sie um die Taille und sagte leise: „Ich habe mich zuviel um die, wie heißt sie noch – egal – gekümmert. Das war es?“

„Um wen du dich kümmerst oder nicht, das interessiert hier echt einen Toten. Und von mir aus kannst du rummachen, mit wem du willst!“

„Ich hab’ nicht mit ihr rumgemacht“, Spike sah sehr entschlossen aus und zog sie noch näher an sich heran. „Außerdem interessiert es mich. Ich bin zwar kein Toter mehr, aber...“

„Du willst nur keiner wehtun, oder?“ Lilah unterbrach ihn abrupt ihre Stimme klang, als würde sie gleich wieder anfangen zu weinen.
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„Ach Lilah, ich hätte das nicht tun sollen, aber sie tat mir irgendwie leid.“

„Ich will keiner wehtun“, Lilahs Stimme wurde ätzend, „das ist sooo ein dämlicher Spruch! Damit kann man sich immer rausreden. Ihr verdammten Scheißkerle wollt keiner wehtun, aber in Wirklichkeit tut ihr jeder weh!“

„Ich werde es nicht mehr tun, Lilah. Von jetzt an werde ich mich nur noch um dich kümmern.“ Spike meinte es ernst, es war ihm einiges klargeworden, nachdem er Lilah mehrere Stunden lang nicht mehr gesehen hatte, dann endlich in ihr Schlafzimmer ging und es leer vorfand. Ihre Sachen waren weg, und das ganze Haus wirkte plötzlich verlassen.

Er hatte ihr Signale gegeben und dann, als sie darauf ansprang, einen Rückzieher gemacht. Wie schwachsinnig! Er war ihr in einem Taxi hinterher gefahren, und dem Himmel sei Dank hatte er sie hier gefunden! Er wusste zwar noch nicht, wo das alles hinführen würde, aber er brauchte sie. Sie war seine Seelenverwandte, wie es schien. Und sie war die Frau, die ihn liebte.

Er zog sie fest in seine Arme. Sie wollte ihn wegstoßen, aber er hielt sie trotzdem fest.

„Bitte, Lilah“, murmelte er.

„Geh weg!“ Lilah weinte wieder.

Er küsste sanft ihre nassen Wangen, dann zärtlich ihre Lippen, und als sie sich nicht wehrte, küsste er sie ein bisschen fester. Sie wehrte sich immer noch nicht, sondern hing widerstandslos in seinen Armen. Sein Mund glitt zu ihrem Hals hinunter aus alter Gewohnheit, und er spürte, dass sie erschauerte. Es war das erste Mal seit vielen Jahren, dass er keine Begierde nach Blut hatte, ungewohnt aber wunderbar.



The world becomes a place

With no clear shapes,

with no clear sounds

Himmel, wie in Homecoming! Die Welt verschleierte sich, es gab nur noch sie und Spike. Homecoming... War sie jetzt etwa zu Hause? Sie spürte seine Lippen auf ihrem Hals. Nein, nicht beißen, du Exvampir! Oder doch? Sie hielt ihm ihren Hals hin und genoss seine Lippen. Mochten sie mit ihr tun, was sie wollten. Denn sie war zu Hause.

Sie fühlte, dass er sie hochhob und irgendwohin trug. Es hätte ewig dauern können, sie in Spikes Armen, egal wohin.
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Schließlich spürte sie etwas Weiches unter sich, es war ihr Bett. Und er sah auf sie herab. Sein Gesichtsausdruck war undefinierbar, aber sie spürte, dass er vor Verlangen zitterte. Gerne hätte sie ihm dabei geholfen, aber es war noch nicht richtig, sie musste abwarten.

Sie trug immer noch ihr Jeanshemd und ihre Shorts. Er zog ihr beides langsam aus.

Als sie nackt war, legte sie ihre Arme nach hinten, die Handflächen nach oben wehrlos auf das Kissen neben ihrem Kopf, als wolle sie sich ergeben.

„Bitte“, sagte sie stockend. Sie zog ihre Beine an und ließ sie dann leicht auseinander fallen. Wenn er dieser Einladung nicht folgen würde...

Spike entkleidete sich langsam, und sie beobachtete es atemlos, dann beugte er sich über sie. Und sie spürte, obwohl sie es nicht sah, dass er voll erregt war.

„Bitte“, sagte sie wieder und hielt ihre Arme immer noch in dieser Hands-Up-Stellung, in dieser Stellung, die ihre Wehrlosigkeit verkörperte und ihm alleine die Initiative überließ.

Er hob ihre Hüften an und drang langsam in sie ein. Sie musste ihm nicht helfen wie irgendeinem anderen unerfahrenen oder angeblich erfahrenen Trottel, der sich nicht auskannte mit dem weiblichen Körper.

Er legte seine Handflächen auf die ihren, drückte sie in das Kissen, und sie genoss es, verdammt noch mal, einmal im Leben sich zu unterwerfen und sei es auch nur im Bett.

Er bewegte sich langsam in ihr, und es war ein so gutes oh Gott Gefühl. Dann hörte er auf, sich in ihr zu bewegen und sah sie nur an.

Sie hörte sich stöhnen und plötzlich spürte sie, wie sich alles Gefühl in einem einzigen Punkt ihres Körpers zusammenballte, ein sie vollkommen hilflos machendes Gefühl, das ihre Beine zum Zittern brachte. Das Gefühl verlangt eine Explosion wie der Urknall. Sie konnte nicht anders, sie musste...

Und plötzlich bewegte sie sich heftig an ihm, drückte ihre Hüften an ihn, rieb sich heftig an ihm, und driftete dann, immer noch die Arme von seinen Händen festgehalten und auf dem Kissen liegend, in eine Dimension, in der sie buchstäblich Sterne sah, ihr Körper zuckte unkontrolliert, es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, aus der sie Minuten oder waren es Stunden später keuchend wieder zurückkam

Sie sah, dass Spike sie anschaute und sein Gesicht sich verzerrte.
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Er hob eilig wieder ihre Hüften an und hielt sie fest, während auch er unaufhaltsam die Kontrolle über sich verlor. Er stieß heftig in sie hinein und ergoss sich nach drei Stößen in ihr.

Er hielt immer noch ihre Hüften umklammert und drehte sich mit ihr auf die Seite, eng aneinandergepresst lagen sie sich gegenüber, er war immer noch in ihr, und sie wollte auch nicht, dass er sie verließ, und so umschlungen und verbunden schliefen sie ein.



Lilah wachte als erste auf. Sie schaute versonnen auf den schlafenden Spike, befreite sich sanft von seinen Armen und stieg aus dem Bett.

Sie zog sich ihr Jeanshemd über, ging leise ins Badezimmer, putzte sich die Zähne und schüttete sich massenhaft kaltes erfrischendes Wasser übers Gesicht, bis sie sich wieder einigermaßen fühlte.

Dann machte sie Kaffee.

Nachdem sie selber total durstig zwei Tassen davon getrunken hatte, ging sie zurück zu Spike.

Er war schon wach, hatte die Arme hinter seinem Kopf verschränkt und sah sie lächelnd an.

Sie lächelte auch und reichte ihm die Tasse Kaffee, die sie für ihn mitgebracht hatte. Er nahm sie dankbar an.

„Was meinst du? Wie wird das Haus aussehen?“, fragte Spike sie grinsend.

„Oh, ich hoffe, es steht noch“, sagte Lilah und fügte dann nachdenklich hinzu: „Vielleicht sollte ich schon mal meine Putzfrau anrufen...“

„Jetzt noch nicht. Komm’ erst mal her...“ Spike stellte die Tasse auf den Boden, griff nach Lilah, bemerkte sofort, dass sie unter ihrem Jeanshemd absolut nackt war, und zog sie gnadenlos ins Bett.

Diesmal war Lilah nicht so unterwürfig.



geht weiter -
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Kommentare zur Story:

  @ michael, gute spekulationen. aber die sogenannte wirklichkeit könnte vielleicht sogar schlimmer sein.
@ dieter, du hast recht, die frage ist: wie lange?
danke euch fürs lesen! ;-)  
   Ingrid Alias I  -  10.08.11 17:11

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  Diese prickelnde Erotik zwischen den beiden hat mir besonders gefallen. Die dubiose Firma W&H dürfte sicherlich noch eine gewichtige Rolle in deinen weiteren Teilen spielen. Die Tatsache, dass Spike aufgrund seines Erfolges nicht mehr voll von W&H abhängig ist, dürfte diesen Herrn bitter aufstoßen. Die wollen ja schließlich noch mehr Kohle machen.
Möglich, dass Liliah von der Firma genötigt wird, Spike in irgendeiner Form zu erpressen.
Aber das sind alles nur meine Spekulationen. Ich lasse mich einfach mal überraschen.
LG. Michael  
   Michael Brushwood  -  10.08.11 12:07

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  Ui, da ist ja ordentlich was los zwischen den Beiden. Da knistert die Erotik ja richtig. Fragt sich nur, wie lange sie dieses Glück genießen können. Schönes sinnliches Kapitel.  
   Dieter Halle  -  09.08.11 21:35

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  in der tat, lieber jochen, sieht es so aus, aber das wäre ja auf dauer laaangweilig. ;-)
danke fürs lesen!  
   Ingrid Alias I  -  09.08.11 13:35

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  Klingt wie ein romantisches happy end, aber was ist mit W&H ? Lassen die Lilah und Spike und diese Band einfach so links liegen?  
   Jochen  -  09.08.11 07:38

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  danke schön, doska und petra,
tja, wie wird es wohl weitergehen... ;-) ich bin mir noch gar nicht sicher, ob ich mir das antun soll, aber mal gucke!
lieben gruß an euch  
   Ingrid Alias I  -  07.08.11 16:29

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  Gut, dass Spike sich mal alles von der Seele redet. Und es war gar nicht mal so dumm von Lilah einfach das Haus zu verlassen. Interessieren würde mich allerdings, weshalb er das Mädchen trösten musste. Ganz toll ist natürlich die erotische Szene. Nun bin ich erst recht neugierig wie es weitergeht. *schmunzel*  
   Petra  -  06.08.11 21:37

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  Sehr schön sinnlich. Und auch alles, was vorher geschrieben ist, kommt überzeugend rüber. Man kann Lilah sehr verstehen und Spike aber auch. Tolles Kapitel.  
   doska  -  06.08.11 19:46

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  das war meine erste richtig große sache, bzw. roman ;-) und vielleicht noch ein bissel ungeschickt.... und deshalb danke danke rosmarin!  
   Ingrid Alias I  -  05.08.11 15:44

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  ich mag sie, deine vampirgeschichte, schön erotisch.
grüß dich  
   rosmarin  -  05.08.11 13:20

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