Holidays in Kampodia Kap.VII – Teil 3 MYSTERIUM   103

Romane/Serien · Romantisches

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 22. Oktober 2010
Bei Webstories eingestellt: 22. Oktober 2010
Anzahl gesehen: 1905
Seiten: 10

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Die grimmige Kälte hielt immer noch an.

Als das Verkehrschaos nach den ersten heftigen Schneefällen überwunden war, begann die Bevölkerung die Kälte zu lieben.

Sowohl frisch verliebte als auch lang verheiratete Pärchen machten spätabends romantische Wanderungen durch den knirschenden weißen Schnee. Der zugefrorene See zog massenhaft Spaziergänger an. Mehrere Buden tauchten auf, in denen Glühwein verkaufte wurde. Die Leute fingen an, auf dem See Schlittschuh zu laufen. Und nachdem die Behörden den See zum Wintersport freigegeben hatten, stürzte sich fast die ganze Bevölkerung der Stadt und auch die der umliegenden Orte in das winterliche Vergnügen. Mittlerweile gab es am See sogar Scheinwerfer, damit der zugefrorene See auch gut beleuchtet war. Und man konnte tatsächlich Schlittschuhe ausleihen, in fast jeder Größe und Ausführung.



Andromeda leiht sich Eishockey-Schlittschuhe aus.

Morgaine darf noch nicht Schlittschuhfahren, Daniel hat Angst, dass sie sich weh tun könnte. Stattdessen hat er einen Schlitten gekauft und zieht ihn hinter sich her. Morgaine liegt mit dem Bauch auf dem Schlitten und treibt Daniel an wie einen Schlittenhund. Rebekka geht neben ihnen. Auch sie darf nicht Schlittschuhfahren, Daniel hat es verboten, und sie muss drüber lachen. Sie ist doch nicht aus Zucker, und eine Schwangerschaft ist die normalste Sache der Welt, sie lässt sich von ihm doch nicht in Watte packen!

Doch als sie an sich herunterblickt, muss sie erkennen: Ich BIN in Watte gepackt und sehe aus wie ein Michelinmännchen! Wie konnte das passieren? Hmm, sie ist doch selbstständig und kann alleine für sich sorgen, genau! Im Gegensatz zu seinen blöden Exfreundinnen! Aber anbeten tut sie ihn trotzdem, und deswegen hat sie sich auch keine Schlittschuhe ausgeliehen...



Jede Menge Eishockeyspieler toben auf dem Eis herum. Es handelt sich um die B-Mannschaft der Stadt, die hier auf dem harten und rubbeligen Natureis trainiert, weil ihr Couch das so will. Denn auf Kunsteis in der Halle kann jeder trainieren, aber hier auf dem See kommt es wirklich nur aufs fahrerische Können an.

Andy fischt den Puck auf, den ein Eishockeyspieler aus Versehen in ihre Richtung gespielt hat, und sie schiebt den Puck so spielerisch leicht und elegant mit dem Schlittschuh zurück, dass die Cracks auf sie aufmerksam werden.
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Man gibt ihr einen Schläger und lädt sie ein mitzuspielen. Natürlich hoffen alle, dass sich das Mädel blamiert, denn Eishockey ist nun mal ein Männersport.

Doch nicht in diesem Fall, Andy fährt mit den Jungs im wahrsten Sinne des Wortes Schlittschuh. Sie beherrscht das Rückwärtsfahren genauso wie das schnelle Vorwärtsstürmen. Sie beherrscht das Stoppen aus vollem Lauf ebenso, und sie führt den Puck so sicher, dass die Jungs mit offenem Mund dastehen und sie anglotzen. So ein hübsches Ding! Und kann so fantastisch gut laufen!

Sie beherrscht auch sämtliche Tricks: Das Hakeln und das unauffällige Weghauen feindlicher Beine. Leider gibt es hier keine Bande, sonst würde sie ihre Gegner dort festnageln.

Sie könne jederzeit bei ihnen mitspielen, falls es mit dem Reglement vereinbar wäre, sagt der Trainer. Aber Andromeda geht nicht näher darauf ein. Sie wirkt geistesabwesend.



Nachdem sie sich bei den Cracks ausgetobt hat, legt sie sich mitten aufs Eis und betrachtet erschöpft den Sternenhimmel.

Es ist mittlerweile vollkommen dunkel. Der Mond am sternenklaren Himmel zeigt sich als breite zunehmende Sichel – er wird erst in ein paar Tagen zum Vollmond werden. Das Licht der Scheinwerfer ist zwar ein wenig lästig, aber es kann nicht verhindern, dass man an diesem wolkenlosen Abend alles am Firmament erkennen kann.

Weit über ihr glitzern die Sternbilder des späten Herbstes. Und dabei handelt es sich hauptsächlich um die Kassiopeia, die Andromeda mit dem geflügelten Pferd Pegasus – und natürlich um den Perseus.

Andromedas Blick saugt sich an einem bestimmten Sternbild fest, und natürlich ist es der Perseus. Ein Sternbild, das große Ähnlichkeit mit einer Giraffe hat.

Bei genauerer Betrachtung ahnt man, dass die Giraffe etwas in der Hand hält, es soll das abgeschlagene Haupt der Medusa darstellen, und man erkennt sogar ihr gefährlich blinkendes Auge. In Wirklichkeit ist das bedrohlich blinkende Auge nur der Stern Algol, ein sogenannter Bedeckungsveränderlicher. Aber wer weiß schon, was und wie die Wirklichkeit wirklich ist...

Andromedas Blick ist jedoch vom Sternbild Perseus gefesselt, leise flüstert sie vor sich hin: Die Haare der Medusa sind lebende Schlangen, und ihr Blick kann jeden zu Stein verwandeln.
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Doch Perseus hat sie schließlich bezwungen...



Er hat sie schließlich doch bezwungen. Das wird Andromeda in diesem Augenblick zum ersten Mal klar. Er hat sie bezwungen, die Medusa! Für sie bezwungen. Oh mein Gott! Max hat das getan. Er hat es für sie getan!



Die letzten Monate voller Verzweiflung, voller Isolation, ausgefüllt mit furchtbarer Einsamkeit, sie waren vollkommen unnötig, sinnlos, überflüssig, aber sie hatten ein Gutes, sie weiß nun die Wahrheit.

Und Andromeda kann endlich weinen. Sie liegt mit dem Rücken auf dem Eis, Arme und Beine weit ausgestreckt, und sie weint. Sie weint aus Freude, weil sie es endlich verstanden hat. Oder aus Trauer, weil sie es solange nicht verstanden hat. Jedenfalls weint sie, und das Weinen nimmt die Last von ihrer Seele, alles fügt sich zum Rechten, die Wahrheit ist in Wirklichkeit erleichternd und wundervoll. Und sie weiß nun, was sie tun wird.

„Wo zum Geier hast du so gut Schlittschuhlaufen gelernt?“, Daniel ist nähergekommen und schaut sie neugierig an.

„Ich hatte den besten Lehrmeister der Welt.“ Andromeda lächelt und richtet sich langsam auf. Im Licht des halben Mondes kann Daniel deutlich die Tränen auf ihren Wangen sehen.



~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~**~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~



Daniel tappte im Dunkeln, er kriegte einfach nicht heraus, was für eine Rolle Zirza in diesem miesen Spiel verkörperte. Falls Zirza mit einer Organisation zu tun hatte, die seltene Geistesphänomene untersuchte, dann geschah das inoffiziell. Auch Archie wusste nichts darüber. Manchmal fühlte sich Daniel, als würde er über dünnes Eis wandeln, immer in dem Bewusstsein, dass es brechen und ihn und seine Familie verschlingen könnte.

Doch das war nur tagsüber, nachts steigerte sich Daniels Angst und Verzweiflung manchmal zu einem ohnmächtigen Crescendo, er lag dann da wie erstarrt, in seinem Kopf hörte er schreckliche Vögel kreischen, die neues Unheil ankündigten.



Bis irgendwann Morgaine eingriff. „Papa, du musst dir keine Sorgen machen, ich kann das schon.“

„Aber du bist doch noch so klein“, sagte Daniel hilflos.
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„Nöö, so klein bin ich nicht mehr.“ Morgy kicherte. „Und die alte Morgan hilft mir doch, und David ist auch bald da.“

„David?“

„Na, mein kleiner Bruder, der ist gut, er macht, dass alle gute Gedanken haben.“

Daraufhin machte sich Daniel auch Gedanken, allerdings mehr zwiespältige Gedanken. Er bekam wohl einen Sohn, und dieser Sohn war etwas Besonderes, natürlich war er das, als Kind von ihm und Rebekka, aber dieses Besonderssein konnte eine neue Bedrohung darstellen. Warum zum Geier konnte er keine normalen Kinder haben, solche, die nicht irgendwelchen Angriffen ausgesetzt waren?

Nach langem Hin- und Hergrübeln sagte sich Daniel schließlich, dass er Morgaine vertrauen sollte, halbherzig sagte er sich das. Aber er hatte keine andere Wahl, wenn er nicht vollkommen durchdrehen wollte. Denn auch Max wusste nichts genaues. Daniel stand in regelmäßigem Kontakt mit ihm. Max fragte ihn manchmal wie es Andromeda ginge, und Daniel sagte ihm, dass sie zum Beispiel abgelehnt hatte, ihren Geburtstag zu feiern.

„Oh Gott!“ Max’ Stimme hatte total verzweifelt geklungen, und Daniel erkannte, wie hoffnungslos der Freund in seiner Situation war und wie die Scham sein Leben bestimmte. Max hatte Angst davor, Andromeda jemals wieder zu sehen.



~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~**~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~



Nachdem Andromeda eine halbe Stunde genervt, getobt, geweint und gebettelt hatte, war Daniel so zermürbt, dass er ihr sagte, wo Max sich aufhielt. Nämlich in einem kleinen Kaff, gar nicht weit weg von hier.

Und genau dort stöberte sie ihn auf, doch leider war er im Moment nicht da. Sie nahm sich ein Zimmer im selben kleinen Hotel und wartete auf ihn. Die Zeit nutzte sie, um noch einmal über Max und sie nachzudenken.

Die Quintessenz war: Sie kannte Max fast so lange sie lebte, und sie wusste, wozu er fähig war oder besser gesagt, nicht fähig war. Der Max, den sie kannte, hatte ganz selten getötet. Nur wenn es nicht anders ging, um ein Tier von seinen Leiden zu befreien. Der Max, den sie kannte, hatte Schlachtfeste gehasst, er wollte sich immer davor drücken. Max war zwar Landwirt, aber er wollte nie Tiere züchten, es hätte ihm das Herz gebrochen, sie schlachten zu lassen. Deshalb hatte er sich auf den Pflanzenanbau verlegt.
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Ach Max... Er hatte sich immer um sie gekümmert, am Anfang vielleicht, weil er ein schlechtes Gewissen hatte, aber dann...

Andromeda schwelgte in ihren Erinnerungen, und sie harrte fast zwei Tage lang geduldig in ihrem Hotelzimmer aus, bis der Portier sie über Max’ Rückkehr informierte.



Seine Tür war nicht von innen abgeschlossen, und es befand sich niemand im Zimmer, aber Andromeda hörte eine Dusche rauschen.

Sie setzte sich auf das Bett und wartete.

Als er schließlich aus dem Badezimmer kam, musste sie lächeln, denn er hatte nichts an außer einem Handtuch um seine schlanken Hüften, und er blieb wie erstarrt stehen, als er sie auf seinem Bett sitzen sah.

„Komm’ her, Max und setz’ dich neben mich“, sagte sie freundlich. Er stand wie gelähmt da und schaute sie nur an. „Na komm’ schon“, sie klopfte auffordernd auf das Bett.

Er setzte sich vorsichtig einen Meter von ihr entfernt auf die Kante des Bettes, und er sah aus, als wolle er sich am liebsten unter der Bettdecke verkriechen.



„Du bist so ein Kindskopf, Lakosta“, Andromeda sah ihn voll an, während er ihrem Blick auswich. „Einfach so wegzulaufen... Wer ist denn nun der Vernünftigere von uns beiden? ICH vermutlich, auch wenn DU älter bist.“

Regungslos starrte Max vor sich hin, und Andromeda konnte aus seinem verständnislosen Gesichtsausdruck erkennen, dass er nicht kapierte, was sie ihm sagen wollte. Sie lächelte vor sich hin.

„Übrigens bin ich nicht gekommen, um dir zu verzeihen“, sagte sie nach einer kleinen Weile.

„Wie könntest du auch...“, murmelte Max.

Andromeda lächelte wieder. „Ich bin gekommen, damit du MIR verzeihst...“

„Was?“ Unglaube spiegelte sich in Max’ Augen.

„Ach bitte Max! Ich kenne dich nun schon mein ganzes Leben lang. Na gut, fast mein ganzes Leben lang. Ich weiß, wozu du fähig bist, und ich weiß, wozu du nicht fähig bist. Der Max, den ich kenne, der liebt mich und wäre nicht fähig, mir irgend etwas anzutun.“

Bei diesen Worten erhob sich Andromeda vom Bett, trat langsam an Max heran, beugte sich über ihn und fing an, zärtlich seine Brust zu streicheln, was ihn ganz schön durcheinander brachte.
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„Hör’ auf, Andy“, sagte er schließlich stockend und versuchte, ihre Hände wegzuschieben.

„Ich habe folgende Bedingung“, sie ließ sich nicht durch seine Abwehr beirren. Weiterhin streichelte sie mit einer Hand seine Brust, und ihre andere wanderte hinunter zu dem Handtuch, das seine Männlichkeit mehr oder weniger verbarg. Er war nicht so beherrscht und kontrolliert, wie er sich normalerweise gab, das war gut so. Sie würde dafür sorgen, dass er in dieser Nacht jegliche Kontrolle und Beherrschung über sich aufgab und nur ihr gehorchen würde. Ihr, der Liebe und der Lust.

„Aber was ist...“, stammelte er.

„Pssst... Leg’ dich einfach hin und entspann’ dich. Das ist nämlich die Bedingung. Ich weiß ja schließlich, wie du aussiehst.“ Wieder musste Andy lächeln, denn sie erinnerte sich noch gut an den Abend, als sie ihn beim Sex mit dieser Frau beobachtet hatte. Schon damals hatte sie seltsame Gefühle verspürt, aber wer hätte ahnen können, dass sie Max eines Tages so wahnsinnig begehren würde...

Max ließ sich vorsichtig nach hinten auf das Bett sinken, er schaute sie dabei hilflos an.

Und sie erkannte, dass er Angst hatte. Er hatte noch nie mit einer Frau geschlafen, die er wahrhaftig liebte. Max, oh Max, sie würde in dieser Nacht alle Erinnerungen an alle anderen Frauen auslöschen. Halleluja und Amen. So würde es sein.

„Ich konnte es dir nie sagen, weil ich solche Angst hatte... Aber ich habe dich immer geliebt.“ Max wollte sich wieder aufrichten

„Das sagt man doch nicht, Max.“ Andromeda zwang ihn mit sanfter Hand zurück.

„Warum nicht, Andy?“ Max’ Stimme war so leise, dass sie ihn kaum hören konnte.

„Man soll das nicht sagen, sondern tun.“

Andromeda beugte sich über ihren Geliebten, küsste ihn auf seine Lippen, küsste dann seine Brust – und löste langsam das Handtuch von seinen Hüften.



~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~**~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~



Auch Zirza befand sich zur gleichen Zeit in einem billigen Hotelzimmer. Archie, der Drecksack hatte sie gezwungen, auf ihren Vermögensanteil zu verzichten. Sie hasste ihn, genauso wie sie Max, Andy und die Tanten hasste. Und wenn sie Morgaine jemals in die Finger kriegen würde.
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.. Aber das Kind, verdammt noch mal, es würde all ihre Schritte voraussehen.

Zirza grübelte düster vor sich hin. Auch in der Firma behandelte man sie wie unerwünschten Dreck. Sie musste der Firma beweisen, dass sie das Kind beschaffen konnte. Dass sie immer noch die Königin der Furcht war, dass sie immer noch Unheil stiften konnte.

Dann auf einmal dämmerte ihr etwas. Sie selber war das größte Hindernis für die Firma, jedenfalls solange sie lebte. Sie wusste zuviel und war nicht mehr nützlich. Ein erschreckender Gedanke. Sie sollte so schnell wie möglich untertauchen, aber irgendwann, wenn Gras über die Sache gewachsen war, dann würde sie zurückkommen und sich an Archie und seiner ganzen Brut rächen.



~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~**~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~



„Was tun die wohl gerade?“ Rebekka lag in Daniels Armen und fühlte sich ausgesprochen wohl dort. Das künstliche Bärenfell vor dem Kamin war Klasse, es schmeichelte der Haut und wärmte sie, während das Feuer laut prasselte und sie alkoholfreien Sekt tranken. Wie schön, dass Daniel noch Holz geholt hatte, und der Bunker, wie Daniel das Haus nannte, war gar nicht hässlich, es war der schönste Ort der Welt. Musste an Daniel liegen...

„Mach’ dir keine Sorgen, die kommen schon klar“, er lächelte sie an. „Genauso wie wir beide. Ich weiß das!“

„Tja, wer hätte das gedacht!“ Rebekka schob sich noch näher an ihn heran und küsste ihn auf den Hals. „Du darfst mich nur nicht so verwöhnen, das mag ich nicht.“

„Meine Liebste, ich war damals nicht dabei, als du mit Morgaine schwanger warst. Du hast es bestimmt verdammt schwer gehabt, und ich hätte dir so gerne geholfen und es miterlebt...“

„Dass ich fett, hässlich und absolut unausstehlich war? Das können wir demnächst ja nachholen.“ Sie schmiegte sich noch enger an ihn, sie spürte seinen sehnigen Körper, der sich so vertraut und so gut anfühlte.

„Du weißt doch, für mich wirst du immer die Schönste sein, egal was passiert.“ Er schob sie ein wenig von sich, um sie anzuschauen, denn er konnte einfach nicht genug von ihrem Anblick bekommen.

„Was zu beweisen wäre.
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..“ Rebekka fing an zu lachen.

„Da ist aber noch etwas, das wir unbedingt tun müssen...“

„Und was?“ Rebekka sah ihn misstrauisch an.

„Wir werden unsere Hochzeit in Kampodia nachfeiern, am besten zu Weihnachten. Du wirst ein weißes Kleid tragen und weiße Blüten im Haar haben. Du wirst wunderschön aussehen... Und sag’ jetzt nicht nein, vertrau’ mir einfach!“

„Muss das sein?“

„Ja, das muss sein! Wir werden in der Kirche heiraten und danach in der Hochzeitssuite wohnen. Kampodia soll sehr schön im Winter sein. Meterhoch Schnee, zugefrorene Teiche, Schlittenfahrten mit Pferden und Glöckchen...“

„Hört sich nicht schlecht an!“ Rebekka hauchte ihm einen zarten Kuss auf die Wange und tauchte dann einfach unter die Decke ab.

„Suchst du was?“, grinste Daniel.

„Schon gefunden! Ich frag’ mich nur, was Archie so Dringendes mit mir zu besprechen hat“, tönte es gedämpft unter dem Bärenfell hervor.

„Wen juckt das? Wir werden es schon erfahren“, Daniel stöhnte auf, weil Rebekka sich gerade an Teilen von ihm zu schaffen machte.

„Mich juckt das!“

„Du weißt doch, immer wenn’s dich juckt, kannst du zu mir kommen...“

„Blödmann!“ Rebekka war unter dem Bärenfell hervorgetaucht, und sie sah etwas erhitzt aus. „Aber was soll’s... Lass’ es nicht jucken Kumpel!“



~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~**~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~



Andromeda erwachte, und ihr Blick fiel automatisch auf die Wände des Hotelzimmers. Sie waren in einer grässlich hellgrünen Farbe gestrichen, so wie Krankenhauskorridore, und die wenigen Möbel sahen geschmacklos und zusammengewürfelt aus. Man hatte außerdem Puzzles auf Pappe geklebt und an die Wände gehängt, um den Raum zu verschönern, aber diese Bemühungen verstärkten den Eindruck der Hässlichkeit noch.

Aber sie fühlte sich trotzdem wunderbar. Dieses Hotelzimmer hatte etwas Kostbares an sich.

Home is where my heart is... Dieser Spruch kam ihr in den Sinn, und sie änderte ihn automatisch um in: Home is where Max is.

Sie spürte Max’ Körper hinter sich. Max schlief fest und hatte sie auch im Schlaf noch umarmt.
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Andromeda lächelte. Endlich hatte er seine Zurückhaltung aufgegeben. Endlich hatte er die Kontrolle über sich verloren. Und das sogar mehrere Male.

Sie nahm seine Hand und küsste sie zärtlich. Er murmelte ihren Namen im Schlaf, wachte aber nicht auf. Er war in Wirklichkeit so verletzlich, der starke coole Max, aber sie würde dafür sorgen, dass er nie mehr verletzt werden würde, denn sie war die einzige, die ihn verletzen konnte.



Wie würde ihre Zukunft aussehen? Am liebsten hätte sie Max ja in Kampodia, aber sie wusste nicht, ob er dorthin zurück wollte.

Es war egal. Er sollte selber entscheiden. Sie waren so eng miteinander verbunden, vielleicht würde sie ihr Abitur machen, und wenn er etwas Eigenes kaufen wollte, dann sollte er das tun. Sie würde mit ihm gehen, wohin er auch wollte. Sie war nämlich jetzt nicht mehr sein Mädchen, sondern seine Frau. Und das war doch bedeutend besser!

Andromeda lächelte wieder. Sie küsste noch einmal die Innenfläche seiner Hand und legte sie dann zwischen ihre Brüste.

Nur wo Max war, da war auch Kampodia. Und es war doch ein Mysterium, das mit der Liebe!



~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~**~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~



~*~*~*~ Er träumt von einem blendend weißen Strand, er geht mit Rebekka dort entlang, und sie küssen sich...

Er träumt von der Geburt eines Kindes. Rebekka ist die Mutter, und sie sieht erschöpft aber glücklich aus. Er sitzt vollkommen aufgelöst an ihrem Bett und küsst ihre Hand...

Er träumt von dem kleinen Büro in seiner Firma. Rebekka besucht ihn dort, und sie treiben es auf seinem Schreibtisch...

Er träumt von einem Streit. Sie stehen sich erbittert gegenüber und schreien sich an. Danach versöhnen sie sich grandios. Im Bett...

Er träumt von Kampodia und von Max und Andromeda. Ihre Kinder spielen mit seinen Kindern...

Er träumt von einem Brand. Die Stallungen des Gutshofs sind es, die Flammen greifen auf das Herrenhaus über.

Er träumt von einem Krankenbett. Er selber liegt darin, und Rebekka beugt sich über ihn und flüstert: Du wirst nicht gehen! Ich lasse dich nicht gehen!

Er träumt von seinem Büro.
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Rebekka sitzt an seinem Schreibtisch und gibt Anweisungen. Wo ist er zu dieser Zeit?

Er träumt von Rebekka, wie sie von einem anderen Mann umarmt wird. Sie weint.

Er träumt von einem Haus. Es ist ein recht großes Haus, es zeugt von Wohlstand. Er sieht sich selber auf einem Sofa mehr liegen als sitzen. Er scheint älter zu sein, wie alt, kann er nicht einschätzen, aber er hat schon silbernes Haar. Sein rechtes Bein liegt wie ein Fremdkörper auf dem Sofa, auf dem Fußboden sieht er eine Krücke.

Jetzt dreht sich der Blickwinkel, ein aus Marmorsteinen gemauerter Kamin kommt ins Bild. Über dem Kamin hängt ein gerahmtes Foto, es stellt ein Hochzeitspaar dar. Der Mann ist er selber, die Frau ist Rebekka, sie sieht wunderschön aus in ihrem weißen Kleid, und in ihr Haar sind weiße Blüten eingeflochten...

Lässig angelehnt an den Kamin steht ein großer junger Mann mit dunklem Haar und blauen Augen. Er hat sehr viel Ähnlichkeit mit Daniel.

Sie wollen mich, sagt er fröhlich, aber ich weiß nicht, ob ich es machen soll...

Eine andere, jedoch helle Stimme sagt: Du bist der Richtige dafür, David. Jeder der nicht nach der Macht strebt, ist der Richtige dafür. Die helle Stimme gehört einer jungen Frau, die vor einem Klavier sitzt und jetzt einige Töne anspielt. Sie scheint überaus begabt zu sein. Sie ist klein, zierlich, und lockiges helles Haar steht um ihren Kopf wie ein Heiligenschein.

Morgaine, es muss Morgaine sein. Und das hat sie nicht von Rebekka geerbt, das Klavierspielen. Die Töne kommen ihm bekannt vor. Tatsächlich, Morgaine spielt Jimmy Somervilles Stück, nämlich das Klaviersolo aus ‚Ain't necessarily so’. Und sie spielt es unglaublich sensibel und gefühlvoll.

Er hört den älteren Daniel sagen: Mein Sohn, möge die Macht dann mit dir sein.

Woraufhin alle in Gelächter ausbrechen. ~*~*~*~



Ist das die Botschaft? Alles wird gut werden? Der Traum ist wie ein alter Bekannter. Er träumt ihn nun schon seit Jahren. Am Anfang unverständlich, vervollständigte er sich im Laufe der Zeit, und das Ende ist wunderschön. Er erinnert sich an Andys Worte: Man muss natürlich etwas dafür tun...

Er träumt, dass er Rebekka immer noch in seinen Armen hält.
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Aber diesmal ist kein Traum, sondern Wirklichkeit. Und er kann es immer noch nicht fassen. Sie sieht friedlich und schön aus, während die Morgendämmerung sich langsam in das Zimmer schleicht.

„Es ist nicht so wie damals“, murmelt sie, während ihre Körper eng aneinander liegen. Sie hat ein Bein leicht um ihn geschlungen, ihr Kopf liegt an seiner Brust, ihre Arme umklammern sanft seine Taille. „Es ist besser...“

„Und warum ist es jetzt besser?“

„Weil es jetzt richtig ist“, flüstert sie. „Und damals war es falsch.“ Rebekka öffnet kurz die Augen, sie leuchten kristallblau auf, angestrahlt von der aufgehenden Wintersonne. Geblendet legt sie ihren Kopf an seine Schulter „Hab’ ich dir eigentlich schon gesagt, dass ich dich liebe?“ Es fällt ihr überhaupt nicht schwer, diese Worte auszusprechen, und seltsamerweise ertönt dazu leise Klaviermusik, es klingt wie ‚Ain't necessarily so’...

„Hast du das auch gehört?“ Sie schaut Daniel fragend an.

„Was meinst du?“ Daniel fährt zart mit dem Finger die Konturen ihrer Lippen nach.

„Da spielt doch jemand Klavier. Und so gut!“

„Das wird Morgaine sein“, sagt er vieldeutig, bevor er sich über sie beugt, um sie zu küssen.

Rebekka will noch etwas sagen, doch sie vergisst es, bevor sie es aussprechen kann.



Ende
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Kommentare zur Story:

  @ jingizu
gute gefühle sind... gut. vor allem beim lesen. ;)

@ jochen
geschmeichelt ich mich fühle, aber wegen fanfiktion ich noch schwanke. ;)

lieben gruß an euch und danke fürs lesen, kommentieren und bewerten.  
   Ingrid Alias I  -  28.10.10 22:28

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Auch ich habe stets mit großem interesse jedes Kapitel dieses lebendigen Romans verfolgt. Er las sich immer gut, nicht nur wegen des perfekten Schreibstils, auch weil du uns die Charaktere deiner Personen und deren Umgebung, in der sie leben sehr nahe bringen konntest. Spannend und in gewisser Weise auch mal romantisch hast du uns schön unterhalten und ich hoffe mal, dass es eine Fortsetzung gibt. Fanfiction von dir? Denke mal, dass das, so zwischendurch, ganz bestimmt nicht schlecht sein kann, auch wenn es ein paar Jährchen her ist. Also her
damit!  
   Jochen  -  27.10.10 10:29

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  Tja so geht es also zu Ende mit dieser doch recht turbulent dramatischen Geschichte. Ein schönes, heimeliches Ende, welches ein gutes Gefühl beim Leser hinterlässt.
Sehr schön zu lesen mal wieder.  
   Jingizu  -  26.10.10 19:30

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  auch dir ein dankeschön, petra. ;) deine kommentare haben mich immer aufgebaut.
mal gucken was als nächstes kommt, ich kämpfe ja noch mit mir, ob ich diese "spike-andere frau-buffy" sache veröffentlichen soll. das ist aber so ein elendes erstlingswerk von mir und sehr seltsam... *lach*
lieben gruß an dich  
   Ingrid Alias I  -  26.10.10 16:05

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  Wie sich die wilde Andromeda ihren Max einfach krallt, das hat mir sehr gefallen. Man kann sie glatt verstehen. Tja, aus ist`s für Zirza, aber wer weiß, ob für immer? Irgendwie schwebt sie immer noch als drohende Gefahr über allem. Aber Morgy passt wohl auf Rebekka und ihren Papa auf. War ein wunderschönes Kapitel, eines deiner besten, eine tolle Story und danke für den ganzen Lesespaß.  
   Petra  -  25.10.10 22:03

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  danke doska fürs lesen - und deine wundervollen kommentare,
denn dieser roman liegt mir sehr am herzen.
ob ihn jemals weiterschreiben werde? ich habe keine ahnung, andererseits könnte da noch einiges passieren, gutes wie schlimmes, aber das überlasse ich vorerst der fantasie der leser. ;) also ma kucken...  
   Ingrid Alias I  -  25.10.10 17:40

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  Oh, das ist aber ein Ende, das noch viele Fragen offen lässt. Da gibt es so einige Andeutungen über die Zukunft von denen Daniel träumt. Gefährliches und Trauriges aber auch Schönes scheint auf ihn zuzukommen. Aber immerhin haben Andy und Max endlich zueinander gefunden und vorläufig scheinen auch Rebekka und Daniel vollkommen glücklich zu sein- bis auf die Träume eben, die Daniel hat. Da wird man neugierig. Aber vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung? Ein wunderschönes Kapitel übrigens, voller Lebendigkeit, Erotik und Spannung. Auch insgesamt hat mir dieser Roman sehr gut gefallen und ich habe mich immer wieder gefreut, etwas neues über deine Helden aus Kampodia zu lesen.  
   doska  -  24.10.10 21:10

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total cool. Gefällt mir gut. Du hast stil. 5 Punkte! ;) mehr geht ja LEIDER nicht

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