Schauriges · Kurzgeschichten

Von:    Wolfgang scrittore      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 3. April 2010
Bei Webstories eingestellt: 3. April 2010
Anzahl gesehen: 2155
Seiten: 3

Mit rhythmisch gleitenden Bewegungen zog er seinen graugrünen, stachelig behaarten Körper die Rampe hinauf und schob sich durch die offene Tür. Das Ladenschild hatte ihn hierher gelockt und natürlich sein nie versiegender Appetit.



Orionburger - feine fetttriefende leckere Burger, heute zum Kennenlernpreis -



Er faltete seinen Leib zusammen und glitt in die Nische. Dann drückte er mit seinen Tentakeln den Serviceknopf. Er tippte die Bestellnummer ein, kreuzte XXL Mac an und lehnte sich zufrieden zurück. Speichelfäden der Vorfreude quollen aus seiner vorderen Körperöffnung, die unter anderem der Nahrungszufuhr diente.







Paul war heute schlecht drauf. Seine Freundin hatte ihn verlassen, sein Magen knurrte, und er fühlte sich schlapp und schlaff.

Sein Blick wurde von einem Schild angezogen.



Galactic Sun Studios Inc. - Warum davonfliegen, um sich von der Sonne braten zu lassen?

Kommen Sie zu uns. Ein einmaliges Erlebnis für Sie.



Wie hatte ihn Britta, bis gestern noch seine Freundin, bezeichnet, bevor sie Türen schmetternd sein Appartement auf Nimmerwiedersehen verlassen hatte?



"Mir ekelt vor dir. Du frisst und säufst und siehst aus wie eine Made, eine weiße, fette Made."



Dagegen musste er etwas tun, das Sonnenstudio war gerade richtig, und anschließend würde er den Besuch eines Fitness - Studios in Erwägung ziehen, beschloss Paul.



Die Flügel der Glastür glitten vor ihm zurück und Paul befand sich in einem futuristisch gestylten Empfangsraum. Er bewegte sich auf eine geschwungene Glastheke zu. Dahinter tippte ein seltsam aussehender Mann etwas in ein Terminal ein. Er schaute kurz hoch, musterte Paul dann mit erwachendem Interesse und merkwürdig intensiven Blicken.

Paul hatte das seltsame Gefühl, das das Gesicht des Mannes irgendwie unscharf war, kurzzeitig verschwamm, seltsam pulsierte.

Ich muss mal zum Augenarzt gehen, dachte er.



"Ihre Bestellung wird sofort bearbeitet" murmelte der Mann hinter der Theke in sein Mikrofon, während er keinen Blick von Paul ließ.



"Ich hätte ein ganz besonderes Angebot für sie.
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Sie brauchen eine Intensivbehandlung. Unser Power Sunbräuner ist gerade richtig für Sie" Er lächelte Paul gewinnend an.

Auch die Stimme des Mannes klang wie bei einem schlecht eingestellten Radiosender.

Dann eilte er um die Theke herum, fasste Paul am Arm und schob ihn hinter einen Vorhang.





Aus den Augenwinkeln bemerkte Paul noch, wie zwei Männer in schwarzen Anzügen und dunklen Sonnenbrillen in das Studio stürmten und sich suchend umsahen.

Komisch, die sehen aus wie die "Men in Black", dachte er.



Dann verbarg der Vorhang das Geschehen draußen. Der Mann öffnete mit öligem Grinsen eine schwere Tür und betrat mit Paul den Raum. Ein kleiner Raum, in der Mitte eine große Sonnenliege, ein Stuhl zur Kleiderablage, ein etwas verstaubter Spiegel, sonst befand sich nichts darinnen.



Paul fragte zaghaft nach dem Preis. Der Mann krächzte nur: "Zur Einführung für Sie gratis. Sie werden sich nicht wieder erkennen so rundum gebräunt, genau die richtige Anlage für einen Mann, wie Sie." Er tätschelte Paul die Schulter.



Dann verließ er beinahe fluchtartig den Raum. Die Tür fiel mit einem satten Plopp ins Schloss.



Paul dachte sich noch, soviel Glück muss der Mensch haben, dann entkleidete er sich sorgsam, faltete alles penibel auf dem Stuhl zusammen. Er legte seine goldene Halskette ab und seine Armbanduhr und musterte sich noch kurz angewidert im Spiegel. Dann ließ er sich schwerfällig auf der Sonnenbank nieder.



So wie er da lag, hatte er wirklich etwas von einer fetten, weißen Made an sich. Die kurzen Arme und Beine und der schwere massige Körper, man konnte seine Freundin verstehen.



Kaum lag er da, als der obere Teil der Sonnenbank herab glitt und erst wenige Zentimeter über seinem Bauch anhielt. Paul tippte mit seinem kurzen wurstförmigen Zeigefinger auf den roten Knopf. Einen Moment passierte nichts. Ein dumpfes fernes Geräusch beschäftigte ihn. Es hörte sich an, als ob jemand an die schwere Tür hämmerte.



Dann überschlugen sich die Ereignisse. Das Oberteil der Sonnenbank verband sich mit einem schmatzenden Geräusch mit dem Unterteil.
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Eine Lichteruption zwang ihn reflexartig die Augen zu schließen. Und es wurde warm, nein warm wäre nicht richtig, es wurde heiß, richtig heiß um genau zu sein. Paul fühlte Panik in sich emporsteigen. Das gleißende Licht machte einem dunkelroten Glühen Platz. Es wurde immer heißer, der Schweiß lief in Bächen über seinen Körper.



Es wurde unerträglich, seine Haut brannte wie Feuer. Eine Glutwelle überschwemmte seinen Körper, er meinte auf glühenden Kohlen zu liegen. Dann setzte der Schmerz ein, Paul keuchte und rang nach Luft. Das letzte was er vernahm, bevor ihm seine Sinne schwanden, war ein eigentümlicher immer stärker werdender Geruch nach gebratenem Fleisch.







"So mein Herr. Ihre Bestellung ist fertig, die Spezialität des Hauses, ein extra großer, saftiger, fetttriefender Orionburger."



Der graugrüne, stachelig behaarte Fremde nahm mit seinen Tentakeln den dampfenden XXL Mac und schob ihn in einem Stück in seine vordere Körperöffnung. Die Speichelfäden liefen nur so herunter, während seine Kauplatten den schmackhaften Bissen zermalmten.

Es schmeckte ausgezeichnet.



Wirklich, die Werbung hatte nicht gelogen.
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Kommentare zur Story:

  Die kleine Geschichte hat mir ein breites Grinsen entlockt. Ich weiß schon, warum ich diese Sonnenbänke meide.-lacht-
Und dieses Bild!
Danke dir für den Lacher.  
   Tis-Anariel  -  06.04.10 15:05

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  Du hast wenigstens ein Herz für die Außerirdischen. Denn die könnten ja vielleicht eines Tages verhungern- ohne unseren Körpereinsatz.  
   Jochen  -  05.04.10 12:43

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Mann, was für ein Foto, denn was sehe ich da in diesem riesigen Burger...oh,oh? Geht ja fast immer ziemlich kannibalisch in deinen Geschichten zu, aber diesmal passt es. Außerdem warum soll nicht mal jemand aus einer anderen Welt...! Jaja, die lieben Sonderangebote. wer nutzt sie nicht?  
   doska  -  04.04.10 17:40

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  Doch, doch,doch, du vermiest einem schon mit deinem kleinen Bericht diese guten, schönen Sonnenstudios. Denn wer weiß WER dahinter steckt? Werde mich demnächst genauer umschauen, denn vielleicht entdecke ich ja zusammengefaltet etwas grünes Längliches :))  
   Petra  -  04.04.10 11:45

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  Irgendwie war es zu einer Störung im Raum Zeit Gefüge gekommen.

Oder war es gar kein Zufall, dass Paul und der Fremde sich über den Weg liefen?

Ich hoffe, ich habe niemandem den Spaß, sich im Sonnenstudio zu bräunen verdorben?
Die Geschichte fiel mir sinnigerweise auf der Sonnenbank ein. ;-)))  
   Wolfgang scrittore  -  04.04.10 09:52

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