TOPP, die Wette – Der Anfang...18   72

Romane/Serien · Romantisches

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 17. Januar 2010
Bei Webstories eingestellt: 17. Januar 2010
Anzahl gesehen: 1680
Seiten: 5

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


DAS FÜNFTE ELEMENT



Der Preis für die teuren Logenplätze hat sich gelohnt, Irma fühlt sich wie auf einem Balkon in luftiger Höhe, und auch die Aufführung ist wunderschön, noch schöner als erwartet. Was heißt erwartet, sie hatte ja keine Ahnung, wie es sein würde, doch das hier übertrifft all ihre Vorstellungen, sie ist begeistert. Begeistert? Nein, so kann man’s nicht nennen, sie ist hin und weg!

Das Orchester befindet sich tatsächlich in einem Graben vor der Bühne, heißt es deswegen Orchestergraben? So wird es wohl sein – Irma muss lachen – nur den Dirigenten erkennt man ab und zu, wenn er die Arme hochhebt, um ein Instrument zum Einsatz zu bringen. Die Bühne selber ist spartanisch dekoriert, alles konzentriert sich auf die Musik, und jetzt kann es nicht mehr lange dauern, bis sie endlich kommt, ihre Lieblingsarie...

Neben ihr sitzt Ralf, er trägt einen dunklen Anzug, und er sieht wirklich nicht übel aus. Seltsam, er ist so nett und so lieb, aber mit ihm könnte sie nie das tun, was sie mit Chris tut. Irma wird ein wenig rot und verdrängt sofort den Gedanken an Chris, der hat hier nichts zu suchen...

Und klar, Jessi hat kurzfristig abgesagt, war ja vorauszusehen, Jessi geht lieber mit einem Kerl aus, statt mal ganz was anderes zu tun. Warum zum Geier lassen Frauen immer alles stehen und liegen, wenn ihr Macker sie zu einem bescheuerten Fußballspiel mitnimmt? Würde sie auch so reagieren? Vorausgesetzt natürlich, sie hätte den einen einzigen getroffen, Mister Big, oder wie der genannt wird? Quatsch, der ominöse Mister Big ist genauso eine Erfindung wie der G-Punkt, aber trotzdem möchte man manchmal dran glauben.

Irma stöhnt leise vor sich hin, und es ist nicht wegen des ominösen G-Punkts, sie fühlt sich körperlich immer noch nicht gut, gestern hat sie den ganzen Tag über furchtbare Krämpfe gehabt, wahrscheinlich wegen der verflixten Spirale, aber jetzt sind die Schmerzen abgeflaut, kein Wunder bei den zwei Hammertabletten...

Natürlich konnte sie in diesem desolaten Zustand nicht bei Chris erscheinen. Es ging einfach nicht. Was hätte sie denn sagen sollen? Etwas in der Art wie: Och wie schade, aber ich kann heute leider nicht, ich hab’ wahnsinnige Bauchschmerzen, und außerdem blute ich wie ein abgestochenes Schwein.
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..

Nein, um Himmels Willen nein! Am Telefon hörte er sich zwar etwas enttäuscht an, aber er hat mit Sicherheit jemanden gefunden, mit dem er... Doch das will sie sich nicht vorstellen. Nicht jetzt, nein danke! Jetzt ist sie in der Oper, und sie hofft, dass dieses elende und vor allem chrislose Wochenende wenigstens durch Lucia di Lammermoor ein bisschen aufgewertet wird.

Chrislos? Was für ein blödes Wort, es hört sich öde an, vermisst sie Chris etwa? Quatsch! Wenn überhaupt, dann vermisst sie sein Bett. Oder seine Art. Eventuell auch seinen Körper. Und was sein Körper mit ihrem Körper so anstellt... Irma seufzt auf, was soll dieser Chrismist!

Gott sei Dank erklingen gerade die sanften Töne einer Oboe, sie hören sich an, als ob ein Vogel angelockt wird. Und das bedeutet, die Wahnsinnsarie beginnt endlich. Irma vergisst atemlos ihr Denken und starrt gespannt auf die Bühne...



<<< Wäre schön, wenn man’s parallel zur Story hören könnte:

http://www.youtube.com/watch?v=c6Bm2lwnW-0&feature=related

vielleicht geht’s mit Bild minimieren? >>>



Lucia ist auf die Bühne gekommen, sie trägt ein weißes Nachthemd mit großen blutroten Flecken, sie kommt von ihrer Hochzeitsnacht, sie hat den Mann getötet, mit dem ihr schurkischer Bruder sie verheiratet hat. Jetzt ist sie dem Wahnsinn verfallen, und sie singt für ihren verloren geglaubten Geliebten. Il Dolce Suono. Der süße Klang...



Irma kennt die Arie, aber eigentlich nicht aus dieser Oper, sondern aus einem Film, es war ‚Das fünfte Element’ von, wie hieß der noch? Jean-Luc Picard, nee, das war der Kapitän der Enterprise, Godard, Godot, Luc irgendwie, aber wie? Ist ja auch egal. In diesem Film sang jedenfalls eine Außerirdische mit einer überirdisch schönen Stimme diese Arie. Diese Arie, die von Verzweiflung und Wahnsinn handelt und die einem die Tränen in die Augen treibt.

Auch Irma kommen die Tränen, und sie schließt die Augen, um zu verhindern, dass die Tränen fließen.

Sie fühlt sich seltsam aufgelöst und spürt im Innersten, dass es gar nicht um die wunderschöne Musik geht, sondern um etwas anderes, etwas, das sie nicht in den Griff kriegt und deswegen verdrängt.
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Das fünfte Element... Es muss die Liebe sein, das kommt ihr urplötzlich in den Sinn. Feuer, Wasser, Luft und Erde, das alles reicht nicht aus, die Evolution wird überschätzt, nicht zur Intelligenz strebt alles, sondern zur Liebe letztendlich. Auch bei den Insekten wird es irgendwann so sein – nur bei der Spezies Mensch klappt es nicht, die entfernt sich immer weiter davon, richtet sich zu Grunde... Herrgott, was denkt sie da überhaupt, es ist alles so konfus, und sie selber spielt ja auch nicht mit im Konzert, war nie so richtig dabei. Bei der Liebe. Obwohl ein Teil von ihr unaufhaltsam danach strebt – und sich dieser wundervollen Musik hilflos hingibt…



Irma hält immer noch die Augen geschlossen, aber plötzlich merkt sie, dass da etwas ist, denn sie kann sich nicht mehr auf die Musik konzentrieren, weil sie sich beobachtet fühlt. Nein, sie fühlt sich nicht belästigt, nicht durch einen Stalker unangenehm verfolgt, sie fühlt nur, dass jemand sich auf sie konzentriert.

Sie spürt es auf ihrem ganzen Körper, es ist zudringlich und verhalten zugleich. Es ist entblößend, aber auch tröstlich. Es ist, oh verdammt, was ist es? Wer ist es?

Sie öffnet die Augen und sucht die gegenüber liegenden Logen ab, aber es ist einfach zu dunkel, sie kann nicht viel erkennen. Vielleicht, weil sie ein wenig nachtblind ist.

Und das Gefühl verstärkt sich noch, was Irma für einen endlosen Augenblick total verunsichert.

Was ist das? Wer ist das? Das kann nicht sein, sie will das nicht, und es ist bestimmt alles nur Einbildung. Sie schließt wieder die Augen, versucht, sich auf die Arie zu konzentrieren. Und es klappt.

Doch seltsamerweise klingt die Musik noch intensiver als zuvor, und sie fasst sich unauffällig an die Augen, um ihre Tränen zu verbergen, aber diesmal kann sie es nicht verhindern, dass etwas Nasses ihre Wangen herabfließt. Oh nein!

Warum ist sie heute nur so empfindlich und so sentimental? Muss natürlich an ihrer Periode liegen, was sonst. Da ist man als Frau immer etwas daneben.



~~~~~~~~~~~



Chris, verborgen in der Dunkelheit seiner Loge, schaut sie wie gebannt an. Endlich hat er sie gefunden, sie sitzt genau auf der anderen Seite, und er kann seinen Blick nicht von ihr abwenden.
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Während er sie im Halbdunkel ansieht, bemerkt er, wie sie sich an die Augen greift. Herrgott, sie wird doch nicht etwa weinen? Warum sind die Weiber immer so sentimental? Aber Irma ist nicht sentimental, das glaubt er zumindest – und trotzdem heult sie hier. Vielleicht wegen der Musik? Es ist gute Musik, er kennt sie hauptsächlich aus diesem Film von Luc Besson, das fünfte Element. Starker Film – und mit Bruce Willis.

Es ist tröstlich zu wissen, dass sie überhaupt heulen kann. Sie hat eine Schwachstelle, sie ist nicht aus Stein, und vielleicht ist sie ja in Wirklichkeit nicht so hart, wie sie sich immer gibt.



Chris schaut kurz seine Begleiterin an. Sie ist recht hübsch, objektiv gesehen, aber auch ziemlich nervig. Natürlich ist sie auch jung, aber trotzdem schon abgebrüht, sie weiß, was sie will. Sie hat eine Härte, die Irma abgeht. Irma ist nicht so hart, das weiß er instinktiv oder hofft er es nur? Nein, Irma ist nicht so, Irma ist anders. Aber Irma macht sich bestimmt nichts aus ihm, im Gegensatz zu der jungen Kusine, die ihn schon massiv angebaggert hat. Es war nett und schmeichelhaft, mal wieder begehrt und angehimmelt zu werden, aber sie ist nicht Irma, und sie hat auch nicht die geringste Chance bei ihm. Wie alle anderen Frauen. Alle sind mittlerweile zu undeutlichen Schemen verblasst, alle sind uninteressant geworden.



Irma, einzig und allein Irma...

Plötzlich überkommt ihn das unwiderstehliche Verlangen, neben Irma zu sitzen. Warum? Sie macht ihn doch immer so zornig, vor allem, wenn sie nicht da ist. Warum macht sie ihn zornig? Weil sie ihn beschäftigt. Weil er immer an sie denken muss. Warum muss er an sie denken? Weil sie ihn zornig macht. Warum macht sie ihn zornig? Das ist eigentlich die beste Frage von allen, aber er kann sie nicht beantworten.

Er möchte einfach nur neben ihr sitzen, dieser Ralf passt dort nicht hin, er ist in sie verliebt, er ist gefährlich in seiner Nettigkeit, und Chris kann seinen Anblick kaum ertragen. Hoffentlich fällt Irma nicht auf Ralf herein, er kann ihr nicht das geben, was er, Chris, ihr geben könnte. Oder legt sie etwa Wert auf so einen romantischen Quatsch wie Liebe? Die meisten Frauen legen Wert darauf, aber Irma auch? Warum weiß er nicht, was sie will.
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Witz lass nach, sie hat es ihm ja nie gesagt... Aber egal, er wird ihr geben, was immer sie will, er will einfach nur, dass sie glücklich ist.

Und er weiß einfach nur, er möchte Irmas Hand nehmen und sie zärtlich mit dem Mund berühren. Er möchte den Arm um ihre Schulter legen. Er möchte, dass sie ihn liebevoll anschaut und sich vertrauensvoll an ihn lehnt. Er möchte ihr die Tränen von den Wangen küssen, möchte ihr dumme Dinge sagen, möchte dumme Dinge von ihr hören...



Chris spürt, wie sein Körper sich versteift.

Oh Gott! Scheiße!

‚Hat es dich endlich erwischt? Du bist doch nicht etwa verliebt? Nein, das glaube ich nicht!’ Schlagartig erinnert er sich an die Worte seiner älteren Schwester.

Chris stöhnt auf. Wieso wissen Frauen immer schon alles vorher?

Und wieso haben sie immer recht?



Fortsetzung: PAUSE...
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Punktestand der Geschichte:   72
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Kommentare zur Story:

  hab mich noch gar nicht für die lieben kommentare bedankt, aber ich tue es hiermit... ;))
ja die liebe, die kann wunderbar sein, doch auch sehr wehtun.
na gut, chris weiß es jetzt, und irma? ach ja, das dauert noch.
lieben gruß  
   Ingrid Alias I  -  25.01.10 14:22

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  Besonders in diesem Kapitel sieht man, wie sehr Chris in Wahrheit "seine" Irma vergöttert. Einfach süß, wie er sich gegen seine tiefen Empfindungen sträubt. Aber ich schätze mal, diesen Kampf wird er verlieren. Bin gespannt was Irma dazu sagen wird, wenn sie das hübsche junge Mädchen an Chris Seite entdeckt.  
   Petra  -  22.01.10 14:48

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  Wunderbar wie du die Liebe beschreibst. Ein ganz tolles mitreißendes Kapitel. Und Chris ist wie immer ganz entzückend in seiner Ahnungslosig- und auch Trotzigkeit.  
   doska  -  19.01.10 22:55

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  sag ich doch: im westen nix neues... ;))
und sogar das ist nix neues, das gab's auch schon mal in ähnlicher form und als buch.
ja die liebe, die hält alles zusammen, und ohne sie fällt alles auseinander.
lieben gruß an dich rosmarin!  
   Ingrid Alias I  -  18.01.10 16:11

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  ...die Evolution wird überschätzt, nicht zur Intelligenz strebt alles, sondern zur Liebe letztendlich. schöner satz, wenn inhaltlich auch nicht neu. aber neu formuliert. und wahr. nur der liebe wegen sind wir auf dieser welt. doch wir haben es vergessen. schön, wenn ab und zu noch jemand daran erinnert.
grüß dich  
   rosmarin  -  18.01.10 10:00

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Lustige Darstellung von Stereotypen. Das sind auch nur Menschen. ---------------------------------------------- Nein, dass sind Armleuchter !!!!!

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