Romane/Serien · Schauriges

Von:    gedanke.in.ketten      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 7. Juli 2009
Bei Webstories eingestellt: 7. Juli 2009
Anzahl gesehen: 2019
Seiten: 9

(Dieser Text sollte von Personen unter 18 Jahren nicht gelesen werden)



Francis stand vor seiner Hütte, die Arme in die Hüften gestemmt, und atmete tief durch. Die trockene Luft roch nach Sand, Endzeit und Tot.

Eine Sinfonie des Schreckens, die mit den Jahren aber zur Gewohnheit wurde und so mehr und mehr abflachte. Zur Gewohnheit wurde.

Er hatte schon immer in der Wüste gelebt, unweit der Krankenkolonie. Von hier aus konnte er die Mauern gut sehen und jeder, der hin zum Lager wollte, kam hier vorbei.

Francis lebte allein, seit vor fünfzehn Jahren seine Frau und sein Sohn gegangen waren.

Sie waren in die Kolonie gegangen.

Weil sie krank waren.

Die Fäule.

Sie waren freiwillig gegangen.

Damals.

Es war schon solang her, das er sich kaum noch deutlich daran erinnern konnte. Die Sonne und die Einsamkeit hatten seinen Verstand weich gemacht. Er vergaß viel.

Mehr als ihm lieb war.

Aber das war nicht so schlimm, die Einsamkeit war schlimmer. Deshalb lud er viele der Kranken, oder auch Gesunden, die auf den Weg in die Kolonie waren zu sich ein.

Auf einen letzten Plausch vor der Gefangenschaft.

Auf ein Wasser.

Oder ein letztes Spiel.

Die meisten waren nett und wenn doch einmal einer Ärger machte, wusste er sich zu helfen. Schließlich war er hoch gewachsen, brachte einiges auf die Waage und hinten im Schuppen hatte er eine Heugabel und gewetzte Sensen. Aber die meisten seiner Besucher waren abgemagert und schwach von ihrem langen Marsch und hätten ihm ohnehin nichts antun können.

Besonders mochte Francis junge Mädchen.

Er spielte gern mit ihnen.

Sie kamen selten, aber dann und wann hatte er Glück.

Dann nahm er diese armen Dinger bei sich auf und redete mit ihnen und gab ihnen Wasser. Sie taten ihm so leid. Meistens waren sie krank und freiwillig unterwegs, doch einige Wenige waren auch von ihren Familien trotz Gesundheit gezwungen worden, in die Kolonie zu gehen.

Des Geldes wegen.

Es waren schlimme Zeiten und es waren die Letzten.

Das wusste er, so wie es alle Anderen auch wussten.

Die Welt lag in Trümmern und in diesen schlimmen Zeiten war Geld rar geworden.

Genauso wie Liebe und Mitgefühl.
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Er selbst konnte das auch spüren. Wusste, wie sehr er sich verändert hatte, seit dem er allein war. Manchmal zweifelte er an seinem Tun, doch dann überkam ihm wieder die Gier.

Die Gier und der Hunger.

Er tat einen letzten befreienden Atemzug.

Atmete Wüste, hörte ihren betörenden Gesang.

Denn ging er zurück in seine Hütte.



Alicia war schon sehr lange unterwegs. Es waren Tage gewesen, vielleicht sogar Wochen.

Ihre Schritte wurden unsicherer, mit jedem Meter den sie ging. Diese Wüste und der letzte Gang hatten ihr alles abgefordert.

Ihre Kraft.

Ihren Willen.

Und vielleicht sogar ihren Verstand.

Das war das Schlimmste. Sie wagte es kaum darüber nachzudenken, dass sie nicht mehr Herr ihrer Sinne war.

Sie war sich nicht einmal mehr sicher, ob ihr Denken überhaupt noch einen Sinn ergab.

Gezwungen, die Sicherheit der Stadt zu verlassen, um ihren Eltern und Verwandten das Leben dort zu ermöglichen. Auf dem Weg in die Kolonie hatte Alicia über viele Dinge nachgedacht.

Über Liebe.

Das Leben.

Und den Sinn hinter Allem. Und sie war zu der traurigen Erkenntnis gekommen, dass es Keinen gab.

Keinen Sinn.

Zumindest nicht mehr.

Nicht in dieser Zeit.

In der Letzten.

In vielen der eisigkalten Nächte hatte sie gedacht, sie würde am nächsten Morgen nicht mehr aufwachen. Manchmal hatte sie es sich sogar gewünscht.

Doch die unerträgliche Hitze des Tages hatte sie immer wieder geweckt.

Es war Mittag, als sie die Hütte des Wüstenmenschens sah. Die Hütte warf keinen Schatten, genau wie sie selbst keinen warf.

Die Sonne stand in ihrem Zenit.

Brannte Tot auf die vergiftete Erde.

Brannte Angst.

Brannte Hoffnungslosigkeit.

Als das Mädchen an ihrem Körper hinunter sah, erkannte sie, wie kaputt und farblos ihre Kleidung geworden war. Das Blau ihrer Jeans war zu einem dreckigen Weißton geworden, genau wie ihre einst rote Bluse. Sie selbst war gefährlich dünn geworden. Der beschwerliche Gang durch die Wüste hatte sie auch ihren Körper gekostet.

Ihre Schönheit.
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Aber das zählte nicht mehr, es war einfach egal geworden.

Tote mussten nicht schön sein. Nur anwesend. Um Geld zu bringen.

Wohlstand für ihre Familie.

Verderben für sie selbst.

Hinter der kleinen Hütte erstreckte sich weiß und endlos die Wüste und dahinter erkannte sie schemenhaft die Mauern der Kolonie.

Ihr Ziel.

Der letzte Punkt ihres Daseins.

Dort hinten war es. Unwirklich und doch so schmerzlich real, dass es ihr die Tränen in die Augen trieb. Alicia wollte nicht weinen, sich nicht ihren Gefühlen ergeben, doch als sie die Sandmauern des Endlagers sah, da brachen all die Schmerzen und das Leid unter brennenden Tränen aus ihr heraus.

Das sechzehn jährige Mädchen sank zitternd auf die Knie und weinte.

Verlust von wertvollem Wasser.

Und der Verlust der letzten Hoffnungen.

Sie wusste nicht, wie lange sie dort im heißen Sand kniete und beinahe schien es egal zu sein, da die Zeit schon lange keine Konstante mehr war.

Vielleicht noch in den Städten, unter den schützenden Kuppeln.

Vielleicht gab es in der Zivilisation noch einen Hauch von Logik und Klarheit.

Doch hier nicht. Zeit ließ sich strecken, aber auch stauchen.

Allein die Suchenden wussten das, konnten die Zeit sogar beeinflussen. Doch diese Leute waren nicht mehr als eine Legende, ein im Fieberwahn gesponnener Hoffnungsschimmer für die Menschen. Selbst diese sagenumwobenen Telepathen aus den Bergen konnten ihr jetzt nicht mehr helfen. Selbst dann nicht, wenn sie real wären…

„Hey Mädl!“

Eine tiefe derbe Stimme riss sie schneidend aus ihren Gedanken und Tränen. Erschrocken sah Alicia auf, konnte zuerst jedoch niemanden sehen. Dann sah sie hin zu Hütte und erkannte im Fenster das Gesicht seines Mannes, welcher ihr freundlich zuwinkte.



Als Francis in die angenehme Kühle der Hütte zurück gekehrt war, hatte er sich Wasser gekocht und einen Tee gemacht. Mit Whisky natürlich.

Alkohol war wichtig geworden.

Wichtiger als Geld und wichtiger als Mitgefühl.

Dann hatte er sich ans Fenster gelehnt und hinaus ins Nichts der ewigen Wüste geschaut.

Die Wüste hatte begonnen zu singen.
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Der Sand änderte sich.

Täglich. Und er veränderte nicht nur das Erscheinungsbild der Wüste sondern auch sein Gefühl für sie.

Mal war es Hass.

Mal Mitleid oder Trauer.

Und manchmal sogar Liebe.

So, wie in diesem Augenblick, als er das Mädchen sah.

Er winkte ihr zu und schenkte ihr ein paar freundliche Worte. Und ein Lächeln.

Das war alles was nötig war.

Und dieses junge blonde Ding bildete das keine Ausnahme.

Lächelnd kam sie auf seine Hütte zu, winkte ihm zurück. Ein gezwungenes Lächeln, der Hitze und der Trauer verschuldet, so war es bei fast allen, die er in sein kleines beschauliches Heim einlud. Aber Francis würde schon dafür sorgen, dass es ihr bald besser ging.

So ein junges hübsches Ding sollte doch nicht weinen.

Sie sollte…

Sollte…



Bevor Alicia an die morsche Holztür klopfen konnte, wurde diese auch schon bereitwillig geöffnet. Vor ihr stand ein Hüne von sicher zwei Meter Größe, wenn seine Ausmaße nicht noch enormer waren. Er trug eine ausgewaschene Jeans, die von Hosenträgern gehalten wurde. Sein Oberkörper war unbekleidet und ein wahrliches Fell bedeckte seine Brust. Sein von Warzen übersätes dümmliches Gesicht mit den blond gelockten Haaren blickte sie freudig und einladend an.

„Komm rein ins Kühle Mädl und trink ein Wasser.“, sagte er und machte ihr Platz, damit sie durch die Tür treten konnte.

Alicia nickte dem Wüstenbewohner freundlich zu. „Danke.“, sagte sie und trat ein.

Die Luft in der Hütte war schlecht, aber angenehm kühl.

„Setz dich ruhig.“, sagte der Wüstenmann grinsend und Alicia nahm das Angebot gern an. Sie nahm auf dem Holzstuhl platz und lehnte sich erleichtert schnaufend auf den morschen Tisch.

„Ich bin Francis.“, sagte der Wüstenmann und schenkte sich ein übergroßes Glas Whiskey ein. „Wasser oder…“, er zeigte noch breiter grinsend auf sein gefülltes Glas und trank einen großen Schluck.

Alicia lächelte erfreut zurück. Seit sie die Hütte betreten hatte, hatte sich ihre Stimmung deutlich gebessert.
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Francis war ein netter Kerl und die ganzen Horrorgeschichten, die man sich in der Stadt erzählt hatte, schienen nichts weiter als von Unwissen verschuldete Ammenmärchen zu sein. Man durfte eben niemanden nach seinem Äußeren oder der Herkunft beurteilen.

„Gib mir ruhig was von dem Whiskey.“, antwortete das Mädchen. „Warum nicht noch etwas Spaß haben, bevor es mit mir zu Ende geht. Mit mir und mit der Welt. Ich bin übrigens Alicia.“

Francis schenkte ihr ebenfalls ein großes Glas Alkohol ein und reichte es ihr. Der Wüstenmann hatte wirklich extrem große Hände, stellte das Mädchen fest, als er ihr das Glas hinhielt.

Dann setzte sich Francis ihr gegenüber an den Tisch. „Ja genau, warum nicht noch ein bisschen Spaß haben.“

Der Whiskey wirkte schnell und brannte in der Kehle wie Feuer, trotzdem war es das Beste, was Alicia jemals getrunken hatte. Vielleicht war es keine gute Idee, Alkohol in einer wasserleeren Umgebung zu trinken, aber was hatte sie schon zu verlieren?

Bis zur Kolonie würden es nicht mehr als zwei Stunden sein und mit Sicherheit war die Situation mit reichlich Alkohol im Blut besser zu ertragen.

„Wo hast du das Zeug her?“, wollte Alicia Wissen und hielt sich ihr Glas demonstrativ vors Gesicht.

„Die Wachen der Krankenkolonie haben‘s mir gebracht.“, antwortete der hünenhafte Mann. „Seit meine Frau und mein Sohn in die Kolonie gegangen sind, bringen sie öfters Essen und Alk zu mir.“ Er lachte bitter auf. „Und ich sag nich nein.“

Alicia lächelte matt zurück. „Tut mir leid Francis, das mit deiner Familie.“ Jetzt sah sie auch die Bilder auf der Kommode stehen. „Sie waren sehr schön.“

Francis winkte wie beiläufig ab. „Ach, mach dir kein Kopp, Mädel. Es is schon so lange her, ich bin drüber weg.“

Er trank einen weiteren Schluck Whisky und hielt Alicia auffordernd das leere Glas vors Gesicht. Alicia stieß an und trank auch ihr Glas leer.

„Gut Mädl!“, schrie Francis erfreut auf und stellte sein Glas so heftig auf den Tisch, dass es einen Sprung bekam. Doch das bekam Alicia kaum noch mit.

Offensichtlich hatte sie sich überschätzt. Der Whisky wirkte verheerend auf ihren ausgezehrten Körper, ihr wurde schrecklich schwindlig und schlecht.
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Sie sah zu Francis auf und versuchte ihn anzulächeln.

Ein vergeblicher Versuch.

Als sich das Mädchen aufrichten wollte, konnte sie sich kaum auf den Beinen halten und fiel dem riesigen Wüstenmann schwankend in die Arme.

„Was ist mit mir?“, lallte Alicia noch bevor sie sich übergab. Sie sah ihre Kotze auf dem Boden liegen und hörte Francis Worte nur noch von weit her.

„Nichts, is alles in Ordnung… Es sind eben schlimme Zeiten.“

Dann wurde alles schwarz.



Bestimmt wäre es für das Mädchen besser gewesen, wenn sie nicht wieder erwacht wäre.

Schwarz ist gut.

Schwarz ist so friedlich und still.

Und so schmerzfrei.

Doch das Schicksal ist eine Hure und so wachte Alicia mit bitterem Geschmack im Mund auf und öffnete stöhnend die schweren Augen.

Sie befand sich in einer Art Schuppen, wahrscheinlich im hinteren Teil der Behausung. Jede Menge Spaten, Mistgabeln und verrostete Sensen standen wild herum, viele der Gerätschaften waren übersät mit Spinnweben und Staub. Es war heiß hier drinnen, sehr heiß und die Luft war verdammt schlecht. Sie hatte Mühe zu atmen. Erst als sie an sich herabsah, stelle Alicia erschrocken fest, das sie nackt war.

Und gefesselt.

Eine Schlinge des Seils lag ihr um den Hals und einen andere war um ihren Unterleib gelegt worden. Beide Seile waren durch Haken in der Wand gelegt und fest verzurrt. Außerdem waren ihre Hände mit einem etwas dünneren Strick festgebunden, sodass sie sich unmöglich hätte irgendwie befreien können.

Panik stieg in ihr hoch, als sie sich ausmahlte, was dieser Perverse alles würde mit ihr anstellen können.

Oder schon hatte…

Das Atmen fiel ihr plötzlich noch erheblich schwerer als gerade eben und sie überlegte sich, ob sie um Hilfe schreien sollte.

Aber wen? Außer diesem Wüstenmann war Niemand da, der ihr hätte helfen können. Und selbst wenn andere Menschen hier gewesen wären, hätte das noch lange nicht geheißen, dass sie ihr auch geholfen hätten.

Es waren schlimme Zeiten…

Als plötzlich aus dem wabernden Schatten der hintersten Ecke die wuchtig abstrakte Gestalt des Wüstenmannes auftauchte, da stieß Alicia einen stummen Schrei aus.
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Irre grinsend stand er vor ihr, entblößte eine schiefe Reihe gelber Zähne und hielt in einer Hand die Kleidung des Mädchens.

„Ich hoffe der Whisky tat dir gut, Mädl!“, raunte er und kam ihr gefährlich nahe. „Suchst du etwa das hier?“

Mit diesen Worten warf er ihre Hose und den Rest ihrer Sachen hinter sich über eine der Mistgabeln.

„Das wirst du erst mal nich mehr brauchen.“

Alicia schluckte, als Francis immer näher an sie herankam. Sie konnte die dicken Schweißperlen auf seiner Stirn sehen und den sauren Geruch seines Körpers riechen. Dann pressten sich seine Lippen auf ihre und seine Zunge grub sich gewaltsam in ihren Mund. Das Mädchen musste mehrere Male würgen und schließlich übergab sie sich ein weiteres Mal. Weil Francis den bizarren Kuss aber noch nicht beendet hatte und er nun grob in seinem Tun unterbrochen wurde fuhr er erschrocken hoch. Angewidert und zornig stand er nun vor dem wimmernden Mädchen und wischte sich die Reste ihrer Kotze aus dem Gesicht. Dann spucke er dem Mädchen ins Gesicht, schnellte auf sie zu und umklammerte fest ihre Kehle.

„Zeit zu spielen.“, hauchte er und würgte sie noch mehr, sodass Alicia jetzt überhaupt keine Luft mehr bekam.

Sie wünschte sich, er würde sie so lange würgen, bis sie nie mehr aufwachen müsste.

Betete sogar dafür.

Aber Gott war schon längst aus dieser Welt gewichen, hatte sich andere Ebenen zum regieren gesucht, und so ließ Francis schließlich von ihrer Kehle ab.

Keuchend und hustend rang das Mädchen nach Luft. Atmete jenes trockene und nach Tot schmeckende etwas ein, das diese einst grüne Welt ihr übrig gelassen hatte.

„Warum tust du das?“, fragte Alicia schließlich, als sie die Kraft dazu gefunden hatte.

Ihr Blick nach oben zu dem Mann war anklagend.

Bittend.

Aber letzten Endes hoffnungslos.

Francis beugte sich zu ihr hinunter und tätschelte zufrieden ihr Gesicht. Er sah sie an, wie ein Erwachsener ein schwachsinniges Kind anschaut, wenn es eine dumme Frage gestellt hat.

„Aber weißt du das denn nicht, Mädl?“, stellte er kichernd eine Gegenfrage.
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„Weil diese gottverfluchte Wüste einen irre macht! Kannst du den Sand denn nicht singen hören?“

Als Alicia den Kopf schüttelte, begann er laut zu lachen, was sich bald in ein wildes Schreien verwandelte. Immer wieder schlug er auf sein Opfer ein und kratzte mit seinen langen Fingernägeln ihre Haut auf.

Alicia versuchte die Schmerzen still zu ertragen, zuckte nur dann und wann zusammen, wenn der Geisteskranke empfindliche Stellen ihres Körpers traf.

Sie traute sich nicht zu schreien, aus Angst, er würde noch mehr in Wut geraten und ihr noch schlimmere Dinge antun, welche nicht nur ihren Körper malträtieren würden, sondern auch ihre Seele.

„Weil dieser Vorhof zur Hölle mir alles genommen hat, was ich jemals hatte!“, brüllte der auf sie eindreschende Francis sie an.

Das Mädchen wimmerte als Antwort nur unverständliche Laute und wünschte sich flehende in die nächste Ebene.

Weg von hier.

Nur weg von all diesem Falschen.

„Bald.“, schluchzte sie leise und sah stur auf den Boden.

Der Boden war bedeckt von frischem Blut.

Es war das ihre.

„Hoffentlich bald.“

Francis hörte sie nicht, sondern steigerte sich immer weiter in seine Hysterie hinein.

Schließlich hörten die Schläge abrupt auf und er beugte sich zu seinem Opfer hinunter.

„Sie mich an.“, sagte er leise, aber seine Stimme war immer noch voller Zorn und Hass.

Alicia gehorchte ihm und blickte direkt in seine blauen Augen.

Sie schienen zu pulsieren.

Geisteskrankheit und Wut, das war alles, was sie in seinem Blick lesen konnte. Und diese Erkenntnis ließ sie erstarren und auch der letzte Funken Hoffnung, welcher vielleicht noch bis zu diesem Punkt gebrannt hatte, erlosch.

Für immer.

„Du willst wissen, warum?“, flüsterte Francis noch einmal und Alicia nickte Ihr Körper zitterte, vor Angst und vor Schmerzen. „Weil mich diese Wüste meine Familie gekostet hat.“

Dann griff der riesenhafte Peiniger hinter sich und holte ein blutverkrustetes Fleischermesser hervor. „Diese Wüste hat dir das Leben gegeben und nun werde ich es dir nehmen. Weil der Sand es mir befohlen hat. Kannst du ihn singen hören?“

Diese Worte waren die letzten, die Alicia jemals hören würde.
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Innerhalb weniger Augenblicke brannten sie sich in ihren Kopf ein und begleiteten sie bis zu ihrem Ende.

Und das kam ziemlich schnell.

Wie schön es doch gewesen wäre, wenn in diesem Moment einer der mysteriösen Suchenden gekommen wäre und das arme Mädchen gerettet hätte.

Aber niemand tauchte auf.

Nur die Wüste sang unbeeindruckt weiter ihr Lied.

Es waren schlimme Zeiten.

So erschreckend real und gar nicht zauberhaft.

Und so schnitt Francis wutentbrannt in ihre Kehle. Erst nur ganz sachte, so das es brannte, doch dann drückte er zu und das Blut floss in Strömen.

Alicia öffnete mit schmerzverzerrtem Gesicht den Mund. Zuerst brachte sie keinen Ton heraus, doch dann schrie sie auf voller Kehle.

Es war mehr als nur ein Schrei.

Es war ein Kreischen.

Und zuletzt ein blutendes Gurgeln.

Tränen schossen aus ihren Augen und das Mädchen rang heulend um Luft.

Versuchte zu atmen.

Einfach nur atmen.

Ein und aus.

Ein und aus.

Ein und…

Doch es gelang nicht.

Sie verlor jede Gesichtsfarbe.

Sackte bleich und leblos in sich zusammen.

Und dann wurde alles schwarz.

Und schwarz war gut weil es so ruhig war.

So friedlich und endgültig.

Alicia war auf dem Weg in die nächste Ebene.

Endlich.

Es waren schlimme Zeiten und es waren die Letzten.



Francis stand noch lange im stinkenden Schuppen und betrachtete das tote gefesselte Mädchen. So viele Spielchen hatte er noch vorgehabt, soviel Spaß war ihm entgangen.

Er war einfach zu voreilig gewesen, hatte sich gehen lassen. Das nächste Mal würde ihm das nicht passieren. Mit diesem guten Vorsatz ging er zurück in seine Hütte und sah wartend aus dem Fenster.

Francis stand da und wartete auf Besuch…

Und Wüste spielte weiter ihre grausame Ballade.

So traurig.

Und so endgültig.

Wüstenballade.



("Wüstenballade" ist der erste Teil einer längeren Geschichte.
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Teil 2: Javen

Teil 3: Endgänger)
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Punktestand der Geschichte:   294
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Kommentare zur Story:

  @Fan-Tasia: Ich glaube mit dem Verweis auf die anderen Teile haste recht.
Danke für den Tipp.
LG  
   gedanke.in.ketten  -  12.07.09 23:15

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Muß auch hier nochmal erwähnen. Ich habe jetzt alle drei Teile gelesen und jeder, der das hier zu krass findet sollte auch mal die anderen Teile dazu lesen. Mir hats gefallen und es ist spannend geschrieben, auch die Idee in der Wüste gefällt mir sehr gut.

Aber die Teile müssen jeder einen Verweis auf alle anderen Teile haben, damit jeder es zusammenhängend lesen kann.  
   Profil gelöscht  -  12.07.09 22:05

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Sehr harte Geschichte, die ich eher unter "Psycho" oder so einordnen würde. ;)

Schön beschrieben hast du die unzusammenhängenden Gedanken und einige Sätze sind sehr einprägsam.
"Zeit ließ sich strecken, aber auch stauchen." finde ich zum Beispiel sehr schön.
Durch die hart beschriebene Gewalt, so finde ich, verliehrt dieses schöne aber ein bißchen an seinem Charme.
Aber ich finde es eine mutige Geschichte.  
   Barbara Saskat  -  12.07.09 20:54

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  @Fan-Tasia: Ich glaube, du hast recht und ich hab die entsprechende Stelle rausgenommen. Folgende Geschichten kann man als zusammenhängend sehen.
Wüstenballade
Javen
Endgänger
Und das genau in dieser Reihenfolge.

LG  
   gedanke.in.ketten  -  09.07.09 10:20

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Tlonk, ich weiß, daß Du mich gemeint hast ;-)
Das mit den Kindern kriegt keiner geregelt, ob mit oder ohne Hinweis.

Gedanke in Ketten ich hätte da noch einen Vorschlag. Hab das Ende nochmals gelesen und ich finde Du könntest folgendes ganz herausnehmen: "Er wusste, dass etwas mit ihm nicht stimmte, dass er ein sehr kranker Mann war. Manchmal machte ihm das Sorgen, aber meistens war es ihm egal."

Das würde an der Geschichte nichts ändern und vor allem glaub ich, daß ein Kranker auch nie weiß, daß er so krank ist. Da hat Doska schon bißchen recht, das wäre krank.
Das würde das Ende insgesamt etwas stimmiger und auch nachdenklicher machen oder?

Welche Geschichten von Dir gehören denn zusammen bzw. in welcher Reihenfolge muß man bei Dir was lesen?  
   Profil gelöscht  -  08.07.09 22:33

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  @Tlonk: ja, da magst du recht haben. Womit wir aber wieder beim Thema wären, dass KINDER eigentlich allein nichts im www verloren haben.
Is jetz wirklich nich bös gemeint, aber würde das Thema Zensur oder vorzeitige Warnung für bestimmte Kategorien nicht besser ins Forum oder so passen. Würde mich wirklich freuen, wenn die folgenden Kommentare sich um meine Story drehen würden... (auch wenns nicht gefällt)  
   gedanke.in.ketten  -  08.07.09 22:23

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Uff, mein Kommentar galt Fan-tasias Vorschlag.@G.d.K.(Entschuldige, dass ich dich auf die Schnelle abkürze, dein Name ist so lang) Ich glaube nicht, dass gerade Kinder aufhören können zu lesen, wenn sie erstmal mittendrin sind.  
   Tlonk  -  08.07.09 22:12

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  Da könnte man drüber nachdenken.  
   Tlonk  -  08.07.09 22:07

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  Hi nochmal.
@Tlonk: Das ihr die Stories nur überfliegt, wusste ich nich. Okay, dann ist es absolut in Ordnung, wenn du deine Meinung erst hier als Kommentar schreibst.
@Fan-Tasia: Danke für deine Kommentare. Im Übrigen kann ja jeder, dem die Geschichte zu brutal wird, ganz einfach aufhören zu lesen.
LG an alle  
   gedanke.in.ketten  -  08.07.09 22:06

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  Ich finde die Verantwortung für die Kinder sollte doch bei den Eltern liegen und nicht Sache der Autoren sein. Da müssen die Eltern sich drum kümmern, inwiefern sie Zugriff aufs Internet und welche Seiten erlauben, auch wenn sie es nicht immer kontrollieren können. Ich denke das muss ihnen auch bewusst sein. Außerdem ist das in erster Linie eine Seite für Erwachsene und nicht für Kinder. Und von wegen sexuelle Dinge zu verharmlosen, das steht nämlich im engen Kontakt mit grausamen und kranken Geschichten, wie sie ja hier auch so empfunden wird. Dann müsste die Rubrik Erotisch/Sinnlich wirklich genauso behandelt werden. Tlonk vielleicht könnt ihr ja auch automatisch einen Hinweis erscheinen lassen, sobald man eine der beiden Rubriken öffnet, wenns denn unbedingt sein muss.  
   Profil gelöscht  -  08.07.09 21:58

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  Es ist gut, wenn ich mal eure Meinung dazu höre. Nein, ich will hier nichts zensieren. Wenn man meinen ersten Kommentar dazu liest, wird man erkennen, dass ich G.i.K. lediglich bat, die Grausamkeiten etwas zu reduzieren. @Fan-Tasia, ich weiß nicht, ob die Seitenbetreiber mit einem Steven King einverstanden wären. Aber wenn doch, gewarnt sein, sollten Kinder davor.  
   Tlonk  -  08.07.09 21:19

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  Für eine schaurige Geschichte, die zensiert wird, brauche ich keine Rubrik "Schauriges". Wenn Steven King mit seinen Geschichten oder noch ganz andere Autoren, die weitaus schlimmere und grausamere Geschichten schreiben so erfolgreich und nicht verurteilt werden, versteh ich nicht, was es sich hierüber so aufzuregen gibt. Übrigens, wenn mir was zu schaurig ist, dann kann ich es nicht als schlecht bewerten oder krank bezeichnen. Denn dann darf man nämlich grundsätzlich solche Geschichten überhaupt nicht lesen und erst recht nicht beurteilen und bewerten. Es braucht sich jetzt keiner angegriffen zu fühlen, ich spreche hier an die Allgemeinheit :-) Die Welt ist nun mal viel kranker, da ist die Geschichte noch harmlos. Ich find sie jedenfalls gut und spannend geschrieben.  
   Profil gelöscht  -  08.07.09 21:02

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  @ Rap Unzel, toll, dass du bei uns soviel mitmachst. Nein, ich habe nicht geschrieben, dass ich hier etwas löschen will.
@ Gedanke. in. ketten, gute Idee das Problem mit diesem Text über deiner Geschichte zu lösen. Wenn dann die Kinder trotzdem lesen, sind sie irgendwie für ihre anschließenden Albträume selbst Schuld, finde ich.
Da stellt sich die Frage, ob man das künftig nicht bei allen "jugendgefährdenden" Geschichten tun sollte.
Nein, ich glaube nicht, dass sexuelle Dinge von Kindern als genauso schlimm empfunden werden wie grausame, aber das ist wohl Ansichtssache.
Wir lesen die Texte nicht, wir überfliegen sie nur, bevor wir sie freischalten.
Sollten hier noch viel grausamere Texte herumgeistern, macht mich darauf aufmerksam.  
   Tlonk  -  08.07.09 20:39

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  "Ich habe eine Warnung über den Text geschrieben, ich hoffe damit werden Kinder (die ohne Aufsicht eines Erwachsenen eh nicht ins www gehen sollten) einen Bogen um die Story machen."

Ich glaube, genau dadurch werden die neugierigen Kleinen erst angezogen ...


@ Tlonk: Wird dann auch die Rubrik Sinnliches/Erotisches wieder gelöscht? - die sehen die Kinder ja gleich auf der Eingangsseite ...

PS: Ich habe hier schon viel grausamere Texte gelesen.  
   Profil gelöscht  -  08.07.09 20:02

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  Oh, hab da noch was vergessen:
@Doska: Francis WIRD für seine Taten bestraft und zwar in "Javen".
LG  
   gedanke.in.ketten  -  08.07.09 19:04

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  Danke für die Kommentare und die Kritik.
Ich wollte mit dieser Geschichte keinesfalls das Verhalten eines Mörders oder Vergewaltigers rechtfertigen, wenn das so rüberkommt, dann tut es mir wirklich leid.
Eigentlich wollte ich mit der ganzen Szenerie nur die Bösartigkeit dieser Welt wiedergeben.
Diese Story steht außerdem nicht für sich allein, sondern ist gewissermaßen der dritte Teil zu "Endgänger" und "Javen", vielleicht hilft das einigen die vorkommenden Grausamkeiten in dieser "kranken" Zukunft zu verstehen.
Ich habe eine Warnung über den Text geschrieben, ich hoffe damit werden Kinder (die ohne Aufsicht eines Erwachsenen eh nicht ins www gehen sollten) einen Bogen um die Story machen.

@Tlonk: Warst du es nicht, der "Wüstenballade" ferigeschaltet hat? Ich dachte eigentlich ihr würdet alle Texte vorher lesen? Wenn dir die Geschichte zu grausam für Webstories ist, warum hast du sie dann erst freigeschaltet? (Falls du es nicht warst, dann vergiss meinen Kommentar einfach ;-) )

LG  
   gedanke.in.ketten  -  08.07.09 18:35

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  Hallo "Gedanke" würdest du bitte diese Grausamkeiten ein wenig reduzieren? Wir haben hier auch eine Rubrik für Kindergeschichten und da könnte es doch sein, dass mal so ein junger Mensch auch in anderen Sparten stöbert und vielleicht gerade deine Geschichte lesen will. Besonders du solltest doch Kinder verstehen. Die Welt ist voller Grausamkeiten, weshalb müssen Kinder immer noch mehr davon erfahren.  
   Tlonk  -  08.07.09 18:12

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  Ich empfinde diesen Text ebenfalls als sehr gut geschrieben. Leider wird dabei nicht mit Grausamkeiten gespart. Bis zuletzt erwartet man, dass das Mädchen doch noch gerettet wird. Was mir an diesem Text nicht gefällt, ist die Aussage, dass Menschen zu Verbrechern werden müssen, wenn sie sie zuviel Schlechtes erlebten. Damit kann man zwar das Verhalten eines Verbrechers erklären, jedoch nicht entschuldigen. Die Wüstenballade trägt in meinen keine Schuld am Sadismus dieses Mannes, sondern einzig allein er selbst und darum gehört er bestraft. Da dies nicht passiert und er sich sogar selbst noch so ein bisschen bedauert, dass er wohl krank ist, ärgert mich das dermaßen, dass ich keine Bewertung für diesen Text vergeben kann.  
   doska  -  08.07.09 16:45

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  Puuuh, furchtbar und ich mag doch keinen Horror, aber gekonnt geschrieben ist es. Darum grün von mir.  
   Petra  -  08.07.09 15:51

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