Nachdenkliches · Experimentelles

Von:    Robert Zobel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 15. Mai 2009
Bei Webstories eingestellt: 15. Mai 2009
Anzahl gesehen: 1802
Seiten: 2

Nein, ich habe keine Torschlusspanik. Ich hab nur Körperabsackpanik und diese Panik kann ich gleich wieder einstellen, weil es ja ein natürlicher Vorgang ist, dass einem der Leib um die Seele herum weit vor dem Tod schon dröge, träge, faltig und mauschelig wird.

Mauschelig ist so der Übergangszustand. Ich hab zum Beispiel jetzt langsam eine Wampe. Also so ein kleiner Hügelbauch, der sich über meine Jeans wölbt und einfach unschick nicht mehr sportlich aussieht. Meine Frau meint, sie mag ihn oder das oder meinen Zustand, aber es gibt einen gefährlichen Wampenmechanismus. Die (Die Wampe und nicht die Frau) muss ja irgendwo herkommen und ich esse das erste Mal in meinem Leben mehr und mit Genuss. Dies wiederum dehnt meinen Magensack in mir ganz schön aus und um diese Leierung, sprich Hunger, wieder zu füllen esse ich wieder mehr. Also im Grunde sehe ich in einer meiner möglichen Zukunften schon, mich selbst liegend in einem Bett, hundert Mahlzeiten fressend und einen Kran der mich am Ende aus dem Fenster zum Friedhof bugsiert. Ob sie mich dann noch liebt ist eine andere Frage.

Ich könnte zum Sport gehen, ich hab sogar eine Mitgliedschaft in so einem teuren Exclusivclub von vor meiner Wampe, aber ich hab zu viele Ausreden und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich das wieder wegbekomme. Vielleicht sollte ich positiver in meine möglichen Zukunften schauen und mich damit motivieren.

Wenn es nur der Bauchansatz wäre, wäre es ja auch gar nicht so schlimm, aber es spielen auch meine Haare eine Rolle, meine Haut, die Zähne und die inneren Organe. Zu letzterem sei nur kurz bemerkt, dass ich einen Duft verpuppse der nicht mehr feierlich ist und mehr Fäulnisgase darin zu erschnüffeln sind als einem lieb ist.

Ich vergehe und nicht langsam, sondern sehr abrupt. So, als würde das Leben sagen, „So jetzt genug der Schönheit gefrönt, denn das ist nicht alles“.

Meine Mutter, eigentlich eine hübsche Frau, hat mir Gesichtsknoten vererbt. Das sind so kleine Griesdinger die einfach so wachsen und bleiben. Die kann man nicht ausdrücken, sondern muss sie entfernen lassen. Ich hab genau welche oberhalb des Augenlides und bräuchte eigentlich nur zur Kosmetikerin um diese entfernen zu lassen. Die benutzt aber eine Rasierklinge um diese Dinger aufzuschneiden und dann auszudrücken. So nah am Auge hab ich da so meine Ängste und Bedenken.
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Warte ich aber zu lange, werden diese Griesdinger sich vergrößern und da ich sowieso schon Schlupflieder habe kann ich damit rechnen dann nur noch die Hälfte zu sehen, weil mein Lid dann voller Gries ist und nach unten hängt. Nützt also alles nichts und irgendwann kann man nicht mehr entfernen sondern muss das Lid mitwegamputieren und darauf hab ich wenig bis gar keine Lust.

Impotenz hab ich Gott sei Dank noch nicht, aber auch darauf sollte man sich schon seelisch vorbereiten. Das Leben macht es eigentlich total clever. Es entzieht dem Menschen jetzt schon alle schönen Sachen des Lebens damit der Wert des Lebens minimiert wird und man lieber stirbt. Leider wird das Leben am Ende ja noch unnötig verlängert und man siecht dahin. Auch Quatsch, dass es am Ende verlängert wird und man nicht schon damit im jugendlichen Alter anfängt. Irgendwas läuft da schief. Na ja, ich will mir meine letzten Gehirnzellen auch nicht bis in die Demenz grübeln.

Ändern kann ich eh nichts an der Verödung meiner schönsten Körperstellen und so warte ich einfach bis zu meinem Tod die ganze Sachlage ab.
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Kommentare zur Story:

  Philosphische Gedanken humorvoll verpackt. Gefällt mir echt gut.  
   Petra  -  17.05.09 12:25

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Es ist schon toll, wie du mit deinen eigenwilligen Sätzen und komischen Wortverdrehungen, es immer wieder schaffst, mich zum Schmunzeln zu bringen. Dabei steht in Wahrheit soviel Ernstes dahinter. Du hast ja mit diesem Text so recht. Hat mir sehr gefallen.  
   Jochen  -  16.05.09 21:46

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