Spannendes · Fan-Fiction/Rollenspiele

Von:    Aves      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 7. Februar 2005
Bei Webstories eingestellt: 7. Februar 2005
Anzahl gesehen: 1551
Seiten: 11

Eine Nation wird geboren



In San Felipe liefen die Vorbereitungen für die Armeezusammenstellung auf Hochtouren. Sam Houston stand vor einer neuen Karte, die an der Wand aufgehängt war.

Er zeigte auf die Stadt Goliad und sagte: „Ich habe Colonel Fannin Befehl erteilt, sich mit 400 Männern aus Goliad zurück zu ziehen. John Forbes mustert mehr Männer in Texas an und kommt mit ihnen nach Gonzales. Ich erwarte, dass 1500 Männer dort sind wenn ich komme.“

Er zeigte wieder auf die Karte, wo Alamo und die mexikanische Armee eingezeichnet waren: „Wir setzen uns in Marsch, umgehen Santa Annas Armee und befreien Fort Alamo von Westen. Danach ziehen wir uns nach Osten zum Colorado zurück und bauen dort eine Front auf. Südwestlich von Weezen’s Crossing bis nach unten, nach Brazoria.“

Die Männer murmelten aufgeregt. Endlich würde etwas geschehen! Lange genug waren sie untätig herumgesessen.

„Sie kommandieren nur die reguläre Armee.“, sagte Burnet laut „Die Milizen haben ihren eigenen Befehlshaber!“

Houston starrte ihn an.

„Nein.“, sagte er dann bestimmt „Ich kommandiere alle oder keinen.“

Burnet seufzte, senkte den Kopf und nickte dann.

Sofort ging Houston zur hastig verfassten Unabhängigkeitserklärung des Staates Texas und setzte seine Unterschrift darunter.

„Sie tun, was Sie können und tue, was ich kann.“, sagte er dann zu Burnet „Ich werde eine Armee führen. Und Sie werden eine Nation errichten.“

Er drehte sich um, wo gerade der Stern auf die texanische Flagge genäht wurde.

„Gentlemen!“, sagte Houston laut „Auf Texas!“

„Auf Texas!“



Mittlerweile waren sieben Tage vergangen, seit Santa Anna in San Antonio einmarschiert war. Ausser beständigem Artilleriefeuer hatte es noch keine Auseinandersetzungen gegeben.

Leutnant Colonel William Travis hatte mittlerweile das absolute Kommando über die Eingeschlossenen, da James Bowie mit hohem Fieber im Bett lag.

Ursula de Veramendis Schwester, Maria, kümmerte sich zusammen mit Sam um ihn, doch sein Zustand verschlechterte sich von Tag zu Tag.

Obwohl jede Nacht der Degüello erklang, schossen die Texaner beinahe nie zurück.
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Die Munition war einfach zu knapp und falls die Mexikaner angreifen würden, bräuchte man sie dann.

Tag für Tag hofften die Eingeschlossenen auf Rettung durch Colonel Fannin oder General Houston.

Schliesslich tauchten in einem kleinen Wäldchen nahe der Stadt Männer auf. Doch es waren weder Houston noch Fannin oder sonst eine Verstärkung.

Zwei Kompanien mexikanische Füsiliere rannten in Reih und Glied heran. Die wenigen Männer der Vorhut schwärmten aus, duckten sich hinter Zäune oder die Häuser von La Villita, des kleinen Bauernhofes vor Alamo.

„Da kommen sie!“, brüllte Bonham, der sie als erste gesehen hatte „Da hinten kommen sie!“

Sofort entstand helle Aufregung auf den Mauern.

Crockett, Autry und Fauntleroy schnappten sich ihre Musketen und rannten auf die Mauer, dicht gefolgt von Travis.

Almeron Dickinson liess die Achtzehnpfünder ausrichten und die Männer legten ihre Gewehre an.

„Sie wollen testen, wie stark wir sind…“, murmelte Travis, als Forsythe ihn auf die geringe Anzahl Mexikaner aufmerksam machte.

Die beiden Kompanien hielten sich noch im Hintergrund, nur die Vorhut ging in Stellung.

Dann eröffnete diese das Feuer und auftreffende Schüsse liessen Mauerstückchen und Staub durch die Luft wirbeln.

„Feuer frei, Gentlemen!“, rief Travis. Er hatte den Vorteil, eine Muskete mit zwei Rohren zu besitzen, so dass er erst nach dem zweiten Schuss nachladen musste.

Die Texaner schossen zurück, doch wie die Mexikaner trafen auch sie nicht.

Crockett hielt Fauntleroy und Autry zurück, erst sollten die Kompanien in bessere Schussweite kommen.

Diese setzten sich dann auch in Bewegung, kamen hinter den Häusern hervor und stellten sich auf.

„A punte… fuego!“, liess einer der Teniente hören und die vierzig Mexikaner feuerten.

Wieder traf keiner, doch Crockett und einige andere duckten sich rasch hinter die Brustwehr.

Ward war der erste, der mit einem gezielten Schuss einen der Füsiliere erledigte. Travis und Crockett erschossen die nächsten zwei.

Dann war auch die zweite Kompanie heran, die erste hatte ihre Musketen wieder geladen und diesmal wurden gut achtzig Schüsse abgefeuert.
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Wieder gingen fast alle Schüsse ins Leere, doch einer der Texaner wurde durch einen Brustschuss niedergestreckt und Wards Gewehrlauf von einer verirrten Kugel zertrümmert.

„Captain Dickinson!“, rief Travis über das Knallen der Musketen hinweg.

„Achtung!“, rief dieser „Und Feuer!“

Die schwere Achtzehnpfünder knallte und dann explodierte eine der Hütten vor dem Fort.

Die ganze Vorhut und die Hälfte der ersten Kompanie wurden durch die Druckwelle umgeblasen wie Strohhalme.

Etwa die Hälfte von ihnen standen nicht mehr auf. Laute Schreie und unterdrücktes Stöhnen mischten sich unter die Schüsse der Texaner.

Rasch zogen sich die Mexikaner zurück, verfolgt von den Schüssen der Amerikaner.

Einige Verwundete wurden hastig unter den Armen gefasst und mitgeschleift, anderen war nicht mehr zu helfen und sie wurden liegengelassen.

Die Texaner jubelten und klopften sich gegenseitig auf die Schultern. Ausser dem Tod eines Mannes und eines zertrümmerten Gewehrlaufes hatten sie nichts verloren.

Fauntleroy traf einen der Nachzügler in den Rücken, doch sonst gingen alle weiteren Schüsse ins Leere.

„Ja, lauft!“, schrie Autry triumphierend „Ihr Angsthasen!“

Langsam wich das Adrenalin aus den Körpern der Texaner. Der Angriff war überstanden…

Crockett sah Travis an und sagte: „Ihre Hütten da drüben bieten ihnen sehr gute Deckung. Ich würde mir gerne ein wenig die Füsse vertreten…“

Travis nickte.

„Freiwillige vor.“, meinte Crockett zu den anderen „Wir gehen brandstiften.“



Zehn Minuten später öffneten sich die Tore Alamos und Crockett, Autry, Bonham und drei weitere Männer traten hinaus. In ihren Händen hielten sie grosse Fackeln.

Vorsichtig gingen sie auf die Hütten zu, die Waffen im Anschlag.

Ihre Nerven waren zum Zerreissen gespannt, denn niemand wusste, ob sich nicht doch einige Mexikaner in den Hütten verschanzt hatten.

„Steckt diese als erste an.“, befahl Crockett und zeigte auf eine Holzhütte, die dem Fort am nahesten stand.

Autry scherte aus und ging zur Hütte. Kraftvoll trat er die Tür ein und hielt die Pistole in die Öffnung.
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Als niemand herauskam, setzte er erleichtert das Strohdach der Hütte in Brand.

Davy Crockett ging zu der am weitesten entfernten Hütte. Vorsichtig steckte er das Dach an zwei Orten an.

Langsam drehte sich der Colonel um und betrachtete die anderen. Bonham hatte die Hütte neben ihm angesteckt, die anderen die zwei die restlichen. Autrys Hütte brannte bereits lichterloh.

Als Crockett sich anschickte wegzugehen, stürmte hinter ihm ein Mexikaner mit geladener Muskete aus der Hütte.

Ein Schuss knallte, nur um gleich darauf von einem steinernen Backofen vor der Hütte abzuprallen.

Rasch warf der Mexikaner sein Gewehr weg und wollte den Säbel ziehen, doch Crockett war schneller und erschoss ihn aus der Hüfte heraus.

Bevor Crockett sich jedoch wieder entspannen konnte, rannte auch schon der nächste Mexikaner aus der Hütte.

Als er abdrückte, explodierte das Pulver am Hahn und eine grellgelbe Funkenexplosion versengte dem Mann das Gesicht.

Schreiend warf er das Gewehr weg, schwor sich, beim nächsten Mal weniger Pulver zu nehmen, und zog den Säbel.

Crockett riss sein Messer aus der Scheide und hielt mit der anderen Hand sein Gewehr wie einen Schild vor sich.

Brüllend rannte der Mexikaner heran, den Säbel zum Schlag erhoben.

Crockett ging in Abwehrstellung, als er neben sich etwas Heisses durchfliegen spürte. Der Mexikaner wurde von einer Kugel in die Brust getroffen und der Aufprall schleuderte ihn gut einen Meter zurück.

Überrascht blickte Crockett zum Fort zurück, dass sich gut vierzig Meter hinter ihm erhob. William Travis gab Joe das Gewehr zurück und nickte Crockett zu, während Forsythe ihn bewundernd ansah.

Crocketts klopfendes Herz beruhigte sich nur langsam. Er hatte gerade zweimal riesiges Glück gehabt und dem Tod ein Schnippchen geschlagen.

Langsam machte er sich auf den Rückweg, vorsichtig nach allen Seiten spähend. Von unliebsamen Überraschungen hatte er erstmals die Nase voll.

Dann entdeckte er am Boden einen mexikanischen Soldaten, der schwer verwundet war. Ein Bauchdurchschuss schien eine seiner Lungen getroffen zu haben und der Mann versuchte weg zu kriechen.

Keuchend und stöhnend schleppte er sich Zentimeter für Zentimeter vorwärts – in die falsche Richtung.
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Langsam ging Crockett näher. Der Mexikaner spürte die Anwesenheit des anderen und drehte sich auf den Rücken. Grosse braune Augen sahen Davy Crockett eher vorwurfsvoll als ängstlich an. Blut lief dem jungen Soldaten aus dem Mundwinkel. Crockett schätzte sein Alter auf kaum Achtzehn.

Vorsichtig kniete der Mann aus Kentucky sich nieder und sah dem Mexikaner in die Augen. Der junge Mann keuchte laut und stossweise lief noch mehr Blut aus seinem Mund.

Eindeutig durchschossene Lunge, dachte Crockett. Dann fiel ihm ein, dass er vor gut einer Viertelstunde auch einen Soldaten mit einem Bauchschuss niedergestreckt hatte. Vielleicht war das sogar der Selbe…

„Wie heisst du, mein Junge?“, fragte er freundlich.

Der Mexikaner gab keine Antwort mehr. Das stossweise Auslaufen des Blutes hatte aufgehört und die Augen des jungen Soldaten waren starr geworden.



Lauter Jubel empfing die sechs Freiwilligen, als sie nach Alamo zurückkehrten.

Männer klopften ihnen auf die Schultern, sprachen ihnen ihre Anerkennung aus und freuten sich im Allgemeinen über diesen Sieg.

Während Autry, Bonham und die anderen das Lob aus vollen Zügen genossen, Worte mit den Männern wechselten und sich rühmen liessen, blieb Crockett merkwürdig still. Immer wieder sah der Bärentöter die Augen des Mexikaners vor sich, die ihn so vorwurfsvoll angestarrt hatten.

Er liess sich von der Menge mitschleifen und entfernte sich dann rasch von dem ganzen Trubel. Nur Travis schien zu bemerken, dass etwas nicht stimmte.



Der Vergeltungsschlag der Mexikaner folgte noch am selben Abend.

Gegen Zehn Uhr abends erklang der Degüello wieder. Hastig duckten sich die Männer hinter jede Deckung, die sich finden liess.

Langsam klang die Melodie des Degüello aus und ein kleiner Moment der Stille erklang.

Dann: „Fuego!“

Die erste Kugel sauste heran und riss eine Lücke in die Nordmauer.

Immer und immer wieder knallten die Kanonen der Mexikaner und schickten ihre todbringenden Grüsse von allen Seiten nach Alamo.

Doch gegen Mitternacht hörte der Beschuss plötzlich auf.
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Die Männer sahen sich fragend an. Normalerweise dauerte diese zermürbende Prozession bis in die Morgenstunden hinein.

„Ihnen geht die Munition aus.“, murmelte Travis leise.



James Bowie wurde vom Fieber durchgeschüttelt. Er lag in einem kleinen Bett in der ehemaligen Kapelle. Im ganzen Zimmer waren Kerzen aufgestellt, an die man Rosenkränze gehängt hatte.

Wenn Bowie bei Bewusstsein gewesen wäre, er hätte noch nie so viele Kreuze auf einem Haufen gesehen.

Maria, die Schwester seiner verstorbenen Ehefrau, umsorgte ihn seit er umgekippt war. Keinen Moment war sie von seiner Seite gewichen, auch wenn Sam ihr ständig klarzumachen versuchte, dass auch sie den Schlaf brauche.

„Er braucht meine Hilfe.“, pflegte sie nur zu erwidern.



Die nächsten zwei Tage vergingen mehr oder weniger ereignislos.

Sam Holloway, der Bewunderer Crocketts, ritzte mit seinem Messer jeden Tag eine Kerbe in einen weichen Kalkstein.

Neun waren es schon…

Die Stimmung im Fort war gedrückt. Das lange Nichtstun am Tage und der Beschuss in der Nacht raubten den Männern den Nerv.

„Kommt her!“, brüllte Holloway auf einmal „Was ist? Kommt her! Ihr Feiglinge! Wir warten!“

Niemand reagierte. Weder die Mexikaner, die des Englischen zum grössten Teil sowieso nicht mächtig waren, noch die Texaner.

Crockett konnte Holloway nur zu gut begreifen. Auch ihm ging die ewige Warterei auf die Nerven.

„David.“, rief Travis ihn dann auf die Mauer „Sehen Sie sich das an.“

Er reichte Crockett ein ausklappbares Fernglas und Crockett schaute hindurch. Entsetzt sah er, wie die mexikanischen Soldaten dicke Äste aufsammelten und diese zu Sturmleitern zusammenknüpften.

Sie hatten schon eine grosse Anzahl dieser Leitern gebaut und sie auf einen Haufen gelegt. Und es kamen immer noch mehr dazu.

Es schien, als würde Holloways Wunsch bald in Erfüllung gehen…



Sam und Joe hatten mittlerweile schon ein beeindruckendes Loch gegraben. Der Schweiss lief ihnen in Strömen über die Stirn und sie waren ziemlich schmutzig. Während einer kurzen Pause beugte sich Sam zu Joe hin und sagte leise: „Wenn die über diese Mauern kommen sollten, dann wirst du sofort die Hände heben und wirst schreien: Soy negro! No disparro!“

Joe sah ihn verständnislos an.
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„Und wieso?“

„Das mexikanische Gesetz sagt, dass es keine Sklaven gibt, verstanden?“, zischte Sam leise „Und trotz Vertrag sind wir das eigentlich.“

Er hob den Zeigfinger und stiess ihn Joe vor die Brust: „Wenn die Mexikaner deine Farbe sehen, ruf sofort ‚Nicht schiessen!’ und dir wird nichts geschehen!“

Joe schien verwirrt.

„Aber Mister William gibt mir ne Waffe und –“, begann er, doch Sam unterbrach ihn wütend: „Ihre Scheisse putzt du weg, du fütterst die Pferde, machst denen das Essen und jetzt gräbst du sogar ein dämliches Loch! Du wirst doch nicht auch noch für sie sterben wollen, oder?“

Hastig setzte Sam seinen Hut wieder auf und schaufelte weiter, während Joe ihn etwas verständnislos ansah.





Gonzales, Texas, 3. März 1836



Das Heereslager der texanischen Armee wuchs beständig. Stündlich trafen neue Freiwillige ein und einige reiche Gutsbesitzer hatten Geld für den Waffenkauf gestiftet.

Zwei schwere Kanonen standen am Westende des Lagers.

In einem behelfsmässigen Kommandozelt sassen General Houston, Colonel Neill und weitere Vertreter des Armeekorps.

„Wo sind die anderen Männer?“, wollte Houston wissen. Gerade war eine Truppe von zwanzig Soldaten eingetroffen, viel weniger als Houston erwartet hatte.

„Aus Gonzales sind schon dreissig Männer unterwegs nach Alamo.“, antwortete ihm Neill. Houston seufzte. Wenn das so weiter ging, würden sie noch bis zum Sommer warten müssen…

In diesem Augenblick trabte ein Reiter ins Lager.

Houston war der Anblick unerwartet vertraut, und als der Reiter vollends hinter ein paar Bäumen hervorkam, erkannte er ihn auch: „Captain Seguin! Was machst du denn hier?“

Seguin sah unendlich erschöpft aus. Seine Kleidung war staubbedeckt und er schwitzte stark. Ein rötlicher Verband spannte sich um seinen linken Oberarm.

Seguin berichtete in aller Eile, wie die Situation in Alamo stand. Als die Kommandieren die Zahl Dreitausend hörten, wurden alle bleich.

„Da unten steht halb Mexiko…“, murmelte Houston und wandte sich dann an Neill und die anderen „Wir brauchen unbedingt mehr Männer.
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Wenn jeden Tag welche kommen werden wir bald genug haben. Jetzt aber warten wir erst einmal ab.“

Neill trat vor: „Sir, wenn wir nicht rennen können, gehen wir. Wenn wir nicht gehen können, kriechen wir. Aber wir müssen den Jungs helfen!“

Houston seufzte.

„Es ist unsere Pflicht!“, fuhr Neill fort „General, ich habe Travis im Fort gelassen…“

„Diese Warterei gefällt mir genauso wenig wie jedem von Ihnen.“, antwortete Houston „Aber ich werde Texas auf keinen Fall opfern!“

Er zeigte auf die versammelten Streitkräfte der texanischen Armee und sagte: „124 Mann können nichts machen gegen ein paar Tausend Feinde! Colonel Fannin hat sich mit 400 Mann von Goliad auf den Weg gemacht. Diese Leute müssen ausgebildet werden und damit beginnen sie am besten gleich jetzt!“

Dann setzte er seinen schwarzen Dreispitz auf und stapfte davon.

Juan Seguin ging neben ihm her und fragte: „Und was soll ich Travis sagen?“

„Gar nichts.“, antwortete Houston „Du bleibst hier.“ Es waren schon genug seiner Leute in Alamo, er wollte Seguin nicht auch noch da hin zurückschicken.

Entsetzt blieb Seguin stehen. „Nein, General. Sam! Ich habe mein Wort gegeben!“

„Das ist ein Befehl.“, schnauzte Houston und ging davon.



Die Verteidiger Alamos waren wieder einmal daran, ihre Festung zu verstärken. Doch irgendwie waren die Befehle diesmal anders. Anstatt die Mauern weiter zu verstärken, mussten die Männer Schutzwälle aus Fässern und anderen entbehrlichen Dingen im Innern des Forts errichten.

Einige gruben in der langen Kaserne Gräben.

„Ja, weiter graben, Jungs.“, munterte sie Captain Harrison, ein stets munterer Mann Mitte Vierzig, auf „Immer schön weiter graben. Ihr werdet froh um jede Deckung sein. Es ist immer gut, wenn man sich irgendwohin zurückziehen kann.“

Einer der Soldaten stützte sich auf seine Schaufel und meinte: „Das hat die Grösse von nem Grab, Capt’n.“

Dieser brummte nur leise und verschwand dann so schnell wie möglich.

Dickinson und Esparza teilten derweil überschüssige Gewehre an die Männer aus, als Travis auf die Mauer kam.
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„Captain Dickinson.“, begann er „Ich überstelle Sie und den Gefreiten Esparza der Batterie an der Rückseite der Kirche. Da sind Sie in der Nähe Ihrer Familien. Und ich habe auch dafür gesorgt, dass Sie um Mitternacht nicht mehr auf Wache bleiben müssen.“

Dickinson und Esparza sahen den Leutnant Colonel überrascht an.

„Danke, Sir.“, sagte Dickinson dann. Esparza nickte zustimmend. Für einen Moment sahen sich die Männer auf der Mauer an. Keiner von ihnen hätte Travis diesen Grossmut zugetraut.

Am Abend des zehnten Tages schwiegen die Kanonen der Mexikaner zum ersten Mal.

Überrascht und erfreut zugleich gönnten sich die Texaner ein warmes Abendessen. Die Frauen kochten Tortillas und Kartoffeln in einer Suppe. Jeder bekam ein Schälchen. Es war das erste Mal seit Tagen dass sie etwas Anständiges zu essen bekamen.

„Gracias.“, sagte Crockett, als Maria ihm eine Schale gab.

Er wartete, bis sie ausser Sicht war und gab das Essen dann an einen jungen Soldaten weiter: „Hier, mein Junge.“

Dankend nickte dieser.

„Äh, Davy.“, fragte einer „War es während der Kämpfe gegen die Indianer jemals so schlimm wie hier?“

Crockett dachte kurz nach und nickte dann.

„Ja, einmal in meinem Leben sass ich genau so in der Klemme wie hier.“, antwortete er leise.

„Sie haben doch im Red Stick-Krieg gekämpft?“, fragte der junge Soldat dem Davy das Essen gegeben hatte.

Crockett nickte wieder und sagte dann: „Ja, das stimmt, ich war dabei. Da war ich dabei…“

Gespannt hörten die Männer um ihn herum seiner nun folgenden Erzählung zu: „Ich war damals etwa in deinem Alter, Junge, als der Krieg ausbrach. Die Creek-Indianer hatten in Fort Nims ungefähr vier, -fünfhundert Leute umzingelt. Und sie haben alle umgebracht.“

Crockett machte eine kleine Pause, um ein wenig Wasser zu trinken, und fuhr dann fort: „Das sprach sich schnell rum und ich hab mich sofort bei der Freiwilligenarmee gemeldet. Ich war manchmal als Späher unterwegs, aber hauptsächlich habe ich Wild für die Verpflegung rangeschafft oder so was.“

Er machte wieder eine Pause, als müsste er sich zuerst noch einmal alle Details in Erinnerung rufen.
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„Wir haben die Rothäute schliesslich erwischt.“, erzählte er weiter „In Taloosa Hatchee. Wir haben ihr Dorf umstellt und von allen Seiten angegriffen. Es war eigentlich gar kein richtiger Kampf. Wir haben sie abgeknallt wie die Hunde…Und dann haben sich die Indianer, die übrig waren, in so einer kleinen Hütte verkrochen. Sie wollten sich ergeben.“

Seufzend schloss Crockett kurz die Augen, bevor er den Rest erzählte: „Aber eine Squaw, die schoss einen Pfeil ab und tötete einen von uns. Wir haben sie erschossen und die Hütte in Brand gesteckt. Und wir haben gehört, wie sie da drinnen schrieen und ihre Götter anflehten. Wir rochen wie sie verbrannten.“

Ein ungemütliches Schweigen breitete sich aus. Irgendwie wollte das nicht so recht zu dem Bild des grossen, edlen Davy Crockett passen…

„Als wir am Morgen in der Asche der Hütte rumwühlten, fanden wir im Keller ein paar Kartoffeln.“, sagte Davy „Sie waren gar geworden. Und zwar im Fett, das aus den Körpern der Indianer gelaufen war. Wir hatten seit Oktober nichts gegessen, nur vertrockneten Mais. Also haben wir sie alle verschlungen. Und seit da“, er warf einen Blick auf die Schälchen mit den Tortillas und den Kartoffeln „nehme ich keine Kartoffeln mehr, wenn man sie mir anbietet…“

Den Männern war irgendwie der Hunger vergangen. Einige legten ihre angefangenen Schälchen langsam zur Seite, während andere so schnell wie möglich den Rest hinunterschlangen. Jedem stand dabei der Ekel ins Gesicht geschrieben.



Jim Bowie wurde immer noch von heftigen Fieberkrämpfen geplagt. Maria und Esparzas Frau, Juanna, versorgten ihn so gut es ging.

„Dreimal wurde er von Messerstichen erwischt.“, erklärte Maria Juanna „Einer ging in die Lunge. Niedergeschossen, zwei oder drei Mal. Cholera, Malaria… alle zwei Jahre.

Esparzas Frau fuhr langsam mit einem Ei über Bowies Stirn und malte dann ein Kreuz in die Luft. Danach zerdepperte sie die Schale des Eis am Rande eines Schnapsglases und liess den Inhalt hineinfallen. Der Eidotter sank sofort zum Boden des Glases.

Gespannt sah Maria zu.

Juanna schluckte leer und senkte den Kopf.

„Er ist schon tot…“, sagte sie leise „Dies ist der letzte Ort zu dem er geschickt wurde.
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Hastig bekreuzigte sie sich und ging hinaus.

Maria starrte den schweissüberströmten Bowie an. Dieser öffnete für einen Moment die Augen, doch es war nicht Maria, die er sah. Ihre tote Schwester, Ursula, sah ihn mit jenem unvergesslichen Lächeln an.

Zitternd streckte Bowie seine Hand aus und Ursula ergriff sie. Langsam beugte sie sich hinunter und gab ihm einen Kuss. Er schmeckte wunderbar süss…

Völlig erschöpft sank Bowie wieder aufs Kissen zurück und schlief gleich darauf ein.

Maria erhob sich und ging langsam hinaus.



„Reiter!“ Der Schrei zerriss die Dunkelheit „Da kommen Reiter!“

Sofort waren die Männer auf den Beinen und rannten auf die Mauern oder zum Tor.

Laute Jubelrufe erklangen, als die Texaner sahen, wer da von Osten angeritten kam.

Keine Mexikaner, sondern dreissig Amerikaner mit Pferden.

Sofort wurden die Tore geöffnet und die Reiter trabten hinein. Ein dicklicher Mann mit freundlichem Gesicht sprang als erster von seinem Tier.

„Claiborne!“, rief Holloway, der den Mann kannte „Männer, kommt her, Claiborne Wright ist hier!“

Wright nickte den Umstehenden zu und begrüsste dann Travis und Crockett.

„Ich glaube, das sind alle gesunden Männer dies in Gonzales gibt, Sir.“, sagte er „Diese Soldados haben alle Wege hierher unter Kontrolle. Aber wenn man sich von den Strassen fernhält, findet man ein ganz kleines Schlupfloch.“

Die Männer grinsten sich an.

„Und Colonel Fannin wird bald hier sein?“, fragte Travis hoffnungsvoll. Das Lächeln Wrights erstarb.

„Ist er denn noch nicht hier?“, fragte er „Ich hab vor drei Tagen mit ihm in Goliad gesprochen. Der Huresohn sagte, er würde hier sein!“

Betretenes Schweigen machte sich breit.

„Wie viele Leute haben Sie?“, wollte Travis dann wissen. Wright lächelte wieder.

„Ich bringe Ihnen 32 fabelhafte Männer!“, sagte er stolz.

Viele der Männer vom Fort senkten die Köpfe. So wenige…

Travis sah Crockett an. Dieser lächelte und meinte zu Wright: „Ich habe noch nie so viele zauberhafte Texaner auf einem Haufen gesehen.
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Ein Hoch auf die Männer aus Gonzales, Jungs!“

Die Männer jubelten, zumindest die meisten. Travis, Crockett und Dickinson war nicht nach Jubeln zumute, genau so wenig wie Esparza oder Holloway.



General Antonio Lopez de Santa Anna schaute auf das entfernte Fort Alamo. Er hielt eine Tasse Kakao in der Hand.

„Ist Houston angekommen?“, fragte er lächelnd.

„Nein, nur ein paar Männer auf Pferden.“, antwortete Cós.

Santa Anna lachte leise. Er konnte seine Heiterkeit kaum zurückhalten.

„Ich lasse eine Gasse für ihn offen stehen.“, sagte er und ging um den grossen Tisch herum, an dem seine Offiziere sassen „Komm nur. Komm zu uns! Bring deine Armee mit. Das ist deine Chance, ein amerikanischer Held zu werden! Aber trotzdem kommt er nicht.“

Sein Lächeln verblasste.

„Was soll ich tun?“, fragte er. Er ging mit verschränkten Armen umher, dann schien ihm eine Idee gekommen zu sein. Er wandte sich an Cós: „Schicken Sie eine Nachricht: Wir garantieren allen Personen mexikanischer Abstammung freien Abzug.“

Castrillon nickte. „Sie werden gehen.“

„Und die, die zurückbleiben.“, sagte Santa Anna „Werden an Flucht denken. Und nicht kämpfen wie dem Tod geweihte Männer.“

„Genial.“, sagte Cós und lächelte. Er hob sein Glas und reichte ein weiteres an Santa Anna. Lächelnd prosteten sich die Führer der mexikanischen Armee zu.



Es war gegen Mitternacht, als der Degüello wieder erklang. Die schöne, doch so todbringende Melodie, hallte über die Mauern Alamos.

Captain Dickinson verliess seinen Posten. Langsam ging er zum Quartier seiner Familie. Susanna hatte ihre Tochter ängstlich an sich gedrückt, als Dickinson eintrat.

Er nahm den Hut ab und hockte sich neben sie.

Zärtlich nahm er sie in die Arme. Leise weinte sie an seiner Brust, als der Degüello aufhörte und die ersten Schüsse aus den Kanonen drangen.

Entgegen Travis’ Meinung, die Mexikaner hätten keine Munition mehr, feuerten ihre Kanonen beinahe bis zum Morgengrauen und forderten zahlreiche Menschenleben.
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  Schade, dass James Bowie an Schwindsucht erkrankt ist. Ich hatte das Rauhbein nämlich schon ziemlich ins Herz geschlossen. Hoffentlich stirbt er nicht. Aber etwas hat mich getröstet, nämlich, dass zumindest Seguin seinen gefährlichen Auftrag überlebt hat. Grässlich, dieser Santa Anna, man kriegt eine Heidenwut auf den. Werde gleich weiter lesen.  
doska  -  09.08.05 12:10

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