Romane/Serien · Spannendes

Von:    Conva      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 5. September 2004
Bei Webstories eingestellt: 5. September 2004
Anzahl gesehen: 1423
Seiten: 6

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


~Unterricht im Kampf~



Zwei Wochen nach Lucans Ankunft war endlich Corins elfter Geburtstag. Aus diesem Anlass wurden die Nachbarn eingeladen, und Ryann hatte alle Hände voll zu tun mit der Vorbereitung der Feier. Wieder einmal war sie froh über ihren Lehrling, der ohne zu Murren jeglichen Pflichten und Aufgaben nachkam, die sie ihm auftrug.

Cára war schon gespannt, wie viele Gäste kommen würden. Seit sie auf dem Hof lebte waren ihr schon einige der von der Kata erwähnten Gerüchte zu Ohr gekommen, wenn sie mit ihrem Karren zum Marktplatz fuhr. Dennoch ließe sich wohl niemand das Festessen nehmen, dessen war sie sicher.

Und tatsächlich war schon bald das Stimmengewirr vieler Menschen zu vernehmen und lautes Gelächter erschallte. Sie eilte mit Tabletts voller Brote und frischgegrilltem Fleisch hin und her, dann half sie beim Ausschank der Getränke.

In einer Ecke des Gartens sah sie Lucan umringt von einer Schar schnatternder Mädchen. Corin hingegen war nicht von seinem Schwert zu trennen, das er als Geburtstagsgeschenk bekommen hatte.

Ein großer Mann mit schneeweißen Haaren trat nun auf den Junge zu. Da sie ganz in der Nähe des Tisches standen, an dem Cára Getränke verteilte, konnte sie ihr Gespräch mitanhören.

„Nun mein Junge. Du willst also ein großer Schwertkämpfer werden?“ fragte der Alte.

„Ohja, Kta. Das wünsche ich mir. Meine Mutter sagte, sie würden mich unterrichten?“

„Ja, das werde ich. Aber ich werde nur solange bleiben wie ich sehen, dass du dich ernsthaft bemühst.“

„Das werde ich, ganz bestimmt:“ versprach Corin aufgeregt.

Der Alte lächelte. „Dann können wir morgen schon anfangen, wenn du möchtest.

„Aber natürlich möchte ich!“

Cára lächelte über den Eifer in der Stimme des Jungen.



Als sie am nächsten Morgen in den Hof trat, sah sie Corin bereits trainieren. Sein Schwert durfte er noch nicht benutzen, stattdessen hatte er einen Stock in der Hand und bemühte sich, die Schrittfolgen nachzuahmen, die Kta di Senchun zeigte. Sie sah den beiden eine Weile zu, dann ging sie wieder an ihre Arbeit. Sie sollte heute eines der großen Felder pflügen, dass bislang brachgelegen hatte.
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Also schirrte sie Gini und Ginte, zwei der kräftigen Arbeitspferde, an und machte sich auf den Weg. Das Pflügen war trotz der Hilfe der zwei Pferde anstrengend, doch immer wieder ertappte sie sich dabei, wie ihre Gedanken zurück zu Corin und dem alten Krieger wanderten.

Er war ein Kta, ein Offizier des Heeres von Witaialár und hatte bestimmt viel Erfahrung damit, junge Leute auszubilden. Witaialár war das Land, in dem sie lebte. Es unterteilte sich in drei beinahe autonome Gebiete, nämlich Thetsa, Edaín und Diazín. Obwohl sich Witaialár schon seit langer Zeit in keinem offiziellen Krieg mehr befunden hatte, war das Militär dringend notwendig, um die Krotu abzuwehren.

Diese lebten in den Bergen und trieben Handel mit den seltenen Schmucksteinen und Gold, dass unter Tage abgebaut wurde. Doch immer wieder griffen sie auch Siedlungen an und töteten oder verschleppten die Bewohner. Keiner der Verschleppten wurde je wieder gesehen, doch es hieß, sie würden dazu gezwungen, in den Bergen für die Krotu zu arbeiten, so dass sie allmählich zu den Fahlen würden. Was an diesen Geschichten dran war, wusste wohl niemand außer den Krotu selbst.

Die Bewohner der umliegenden Höfe und Siedlungen lebten in ständiger Angst vor einem Überfall der Gesetzlosen, denn diese konnten sich durch den undurchdringlichen Wald von Kudur fast unbemerkt nähern.

Cára schoss es durch den Kopf, das dies wohl der Grund war, dass Corin unbedingt kämpfen lernen wollte. Er glaubte wohl nicht, dass sein Vater aus Rache über krumme Geschäfte von den Krotu umgebracht worden war, aber er dachte ganz sicher, der Vater sei einem Überfall zum Opfer geworden.

Als sie die dunkle Linie des Waldes betrachtete, der am Horizont gerade sichtbar war, kam es ihr vor, als griffe eine unbekannte und eiskalte Macht nach ihrem Herzen. Ein Schauer fuhr ihr den Rücken herunter, doch sie zwang sich, die Augen wieder abzuwenden. Es war wohl nur ihre lebhafte Phantasie, die ihr einen Streich gespielt hatte, versuchte sie sich zu beruhigen.

Doch von diesem Moment an wünschte sie sich, sich ebenfalls verteidigen zu können.



In den nächsten Tagen sorgte sie dafür, dass sie immer irgendeine Aufgabe im Hof nahe des Platzes, wo Corin und der Kta übten zu erledigen hatte.
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Sie merkte sich die Bewegungen und hörte gespannt auf die Erklärungen des Diazínja. Abends, wenn sie in ihren Zimmer war, übte sie für sich die Bewegungen mit einem Stock, den sie sich extra für diesen Zweck zurecht geschnitzt hatte. Sie dachte daran, wie sie vor langer langer Zeit versucht hatte, die Annäherungsversuche eines Min abzuwehren. Dieser hatte gelacht, da ihr die Kraft und das Wissen fehlten und wenn sie nun mit ihrem Stock übte sah sie sein Gesicht oder dass der Vorsteherin im Waisenhaus oder der Wirtsleute in Tium vor sich. Sie wünschte sich, nie wieder so hilflos zu sein.

Dieser Wunsch sollte sich schneller erfüllen, als sie jemals gewagt hätte zu träumen. Eines Tages rief Kta di Senchun sie zu sich.

„Ich habe dich gesehen, wie du uns beobachtest. Würdest du auch gerne das Kämpfen lernen?“ fragte er.

„Ja, das würde ich gerne. Aber ich bin nur ein einfacher Lehrling, es würde sich nicht gehören.“

„Nun, ich habe mit Kata te Miu gesprochen. Corin braucht einen Partner, mit dem er üben kann. Wenn du Lust hast, darfst du gerne morgen an dem Training teilnehmen.“

„Wirklich? Das ist ja toll! Vielen Dank Kta di Senchun!“ rief Cára aus.

Der Alte blinzelte ihr zu. „Ich habe das Gefühl, du wirst dies später gebrauchen können.“ Dann ging er ins Haus in das Gästezimmer, das er bewohnte.

Cára blieb verwirrt zurück. Was hatte er mit seinen letzen Worten gemeint? Doch lange dachte sie nicht darüber nach, dazu war sie zu freudig erregt. Sie lief ebenfalls ins Haus und suchte Ryann. Sie fand sie in der Küche und stammelte ihren Dank dafür, dass sie ebenfalls Unterricht im Schwertkampf bekommen sollte.

„Schon recht. Das ist ja auch für mich ein Vorteil, wenn mich gleich zwei Männer verteidigen können!“ grinste diese. Und in der Tat war sie froh darüber, denn es gab Gerüchte, die Krotu seien gesehen worden und würden sich für einen großen Raubzug vorbereiten. Lucan wäre ihr in einer solchen Situation kaum von Hilfe. Er arbeitete zwar bereitwillig auf dem Hof mit, doch konnte ihn nichts dazu bewegen, eine Waffe anzufassen. Als ihr daher das Interesse des Lehrlings an Corins Unterricht auffiel und dann auch Kta di Senchun sie fragte, ob der Lehrling entgegen der üblichen Gepflogenheiten nicht auch Unterricht bekommen könne, war sie nur zu breit, dies zu erlauben.
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Außerdem hatte Cáron ihrer Ansicht nach eine Belohnung verdient, denn er arbeitete wirklich hart und war stets bemüht, alles richtig zu machen.

So kam es, dass Cára die Grundlagen des Umgangs mit einem Schwert erlernte. Bald darauf begannen sie auch, den Umgang mit dem Bogen zu erlernen. Zu aller Überraschung stellte sie sich dabei viel ungeschickter als beim Schwertkampf an denn dort war sie bald deutlich besser als Corin. Auch der Kta war voll des Lobes und überreichte ihr eines Tages nach dem Training eine feingeschmiedete Waffe.

„Sie mag etwas groß erscheinen, aber ihr Metall ist leicht. Ich habe das Gefühl, sie ist wie für dich geschaffen.“ sagte er.

Cára betrachtete staunend das Schwert. Es hatte eine blankpolierte Klinge. Der Griff war mit feinen Motiven verziert, die eine sich windende Schlange symbolisierten. Wie der Kta gesagt hatte, war die Waffe trotz ihrer Größe erstaunlich leicht und sie war gut ausbalanciert. Cára merkte sofort, das dieses Schwert sehr kostbar war.

„Warum geben Sie mir dies? Das ist doch viel zu wertvoll für einen einfachen Lehrling wie mich“ stammelte sie daher.

„Weißt du, ich bin ein alter Mann. Ich habe in meinem Leben schon so manches gesehen. Einiges war schlecht, anderes war gut. Man könnte sagen, ich habe mir in all den Jahren viel Lebensweisheit aneignen können. Dies versetzt mich in die Lage, Menschen und Situationen besser beurteilen zu können, als junge Leute. Diese Klinge hier wurde einstmals extra für meinen Bruder angefertigt. Er war ein guter und ausdauernder Kämpfer, doch aufgrund einer Krankheit war sein Arm schwach und nicht in der Lage, schwerere Schwerter zu führen. Als er starb übergab er mir das Schwert, damit ich einen würdigen Nachfolger finden würde. Und ich glaube, in dir habe ich ihn gefunden.“

Als Cára etwas erwidern wollte, winkte er ab.

„Lass nur. Es ist mein Geschenk an dich. Es geht keinerlei Verpflichtung damit einher außer der, dass du es stets sauber hältst und fleißig übst. Und jetzt geh wieder an die Arbeit und lass mich einen kleinen Mittagsschlaf halten, denn meine alten Knochen sind müde.
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Damit ging er ins Haus.

Sie betrachtete das Schwert in ihrer Hand und machte versuchsweise einige Kampffiguren damit. Es war tatsächlich wie für sie geschaffen! Noch mochte es zwar etwas groß sein, doch sie würde auch noch wachsen und dann wäre das Schwert nicht nur gut sondern perfekt! Doch warum hatte der Alte ihr so etwas kostbares geschenkt? Inwiefern war sie ein würdiger Nachfolger seines Bruders? Ihr fiel auch wieder seine geheimnisvolle Bemerkung ein, die er gemacht hatte, als er sie gefragt hatte, ob sie auch Kämpfen lernen wolle: Ich habe das Gefühl, du wirst dies später gebrauchen können. Doch da all ihre Überlegungen zu nichts führten, beschloss sie vor Corin etwas mit ihrem Schwert anzugeben.

„Schau mal, was ich hier habe!“ rief sie.

„Was? Oh, das ist ja ein schönes Schwert! Wo hast du das her?“

„Ich habe es geschenkt bekommen. Keine Ahnung, warum.“

„Geschenkt bekommen? Von wem denn?“

„Vom Kta. Komisch, gell? Aber ich freue mich so. Das Schwert ist echt perfekt!“ Sie lachte. „In der nächsten Übungsstunde wirst du keine Chance gegen mich haben.“

„Die habe ich auch jetzt schon nicht mehr. Du bist echt verdammt gut geworden und hast dir das Schwert ehrlich verdient.“ gab Corin neidlos zu.

„Naja, dafür kannst du besser mit dem Bogen umgehen. Ich bin dafür einfach zu ungeduldig.“

„Immer schön ruhig atmen und das Ziel anvisieren.“ amte Corin ihren Lehrer nach. „Cáron, du musst erst zielen, dann den Pfeil fliegen lassen!“

Beide brachen in Lachen aus, dann blickte Cára noch einmal ihr Schwert an und meinte seufzend: „Nun, dann muss ich mich wohl besser wieder an die Arbeit machen.“ Sie schnitt eine Grimasse. „Ställe misten.“

„Na dann los, los! Das Vieh will schließlich sauber liegen, wenn es Nachwuchs bekommt.“

„Jaja, nur weil die dumme Kuh ihre Kälber nicht alleine bekommen kann wie jede andere auch.“ knurrte Cára.

„Dafür hat sie aber auch immer sehr guten Nachwuchs. Wenn es ein Bulle wird, können wir ihn bestimmt wieder zu einem guten Preis verkaufen.“ belehrte Corin sie.

„Und darum werde ich jetzt eine schöne Strohmatratze machen. Wir sehen uns spätestens beim Abendessen.
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“ Sie nahm ihr Schwert mit in den Stall und stellte es so hin, dass sie es stets bewundern konnte. Auch den Rest des Tages vermochte sie sich nicht davon zu trennen, weshalb sie etwas langsamer als sonst arbeitete. Als sie abends endlich in die Küche kam, saßen die anderen schon beim Essen.

„Tut mir leid, dass ich so spät bin.“ entschuldigte sie sich und ließ sich auf ihren Stuhl fallen.

„Zum Hände waschen reicht die Zeit aber ganz sicher noch.“ sagte Ryann mit leichtem Tadel in der Stimme.

Errötend sprang Cára auf und goss aus einem Krug etwas Wasser über ihre Hände. Dann setzte sie sich wieder und schlang die köstliche Suppe in sich hinein, die von der Kata gekocht worden war. Diese hatte es längst aufgegeben, ihrem Lehrling vorzupredigen, er solle doch langsamer essen. Für einen Jungen waren Tischmanieren ja auch nicht so wichtig.
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Kommentare zur Story:

  Deine Geschichte gefällt mir sehr!
Wirklich spannend und lebensecht geschrieben.
Liebe Grüße von Mücke  
Unbekannt  -  06.09.04 20:42

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