Romane/Serien · Spannendes

Von:    Conva      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 4. September 2004
Bei Webstories eingestellt: 4. September 2004
Anzahl gesehen: 1256
Seiten: 5

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


~Hofleben~



Erst mit Beginn der Nacht erreichten sie den Hof. Obwohl sich Cára fast die Augen aus dem Kopf guckte, konnte sie in der Dunkelheit unter den Regenschwaden nicht viel erkennen. Doch immerhin erkante sie, dass das Haus nur einstöckig und relativ einfach gehalten war. Schnell liefen sie zur Tür, während der Kutscher zum angrenzenden Stall fuhr. Die zweite Kutsche mit dem Gepäck folgte ihm.

„Corin, sei so gut und mach die Lampen an. Zeig Cáron dabei, wo wir das Öl und die Zündhölzer aufbewahren.“ wies Ryann sie an. Sie selbst ging in die Küche und entzündete dort das Herdfeuer.

Die zwei Kutscher erschienen in der Eingangstür, beladen mit den Taschen und Koffern der Kata und Corins.

„Die restlichen Taschen können wir morgen holen. Sie beide können sich im Stall ein Lager machen, ich hoffe das ist in Ordnung? Wir haben leider nicht viele Schlafräume.“ entschuldigte sich die Kata. Die Männer nickten. „Nun, dann wollen wir mal schauen, was wir noch in der Speisekammer haben um etwas in den Magen zu bekommen, bevor wir schlafen.“ meinte sie dann.

Cáras Magen knurrte erwartungsvoll, und alle lachten, auch Corin verzog sein Gesicht zu einem Lächeln. Ihm war es viel näher gegangen, als er erwartet hatte, das Haus ohne seinen Vater zu sehen. Darum war er sehr dankbar über die Ablenkung des neuen Jungen.

„Corin, ich denke, es ist am Besten, wenn Cáron erst einmal im Gästezimmer schläft. Zeige ihm doch bitte den Weg, dann könnt ihr euch beide noch die Hände waschen und kommt dann wieder, damit wir besprechen können, was wir morgen tun wollen.“

Das Gästezimmer war schlicht aber gemütlich mit einem großen Bett, einem bunten Teppich auf den blanken Dielen und einem Gemälde an der Wand. Das Bild zeigte einen großen Hof inmitten blühender Bäume.

„So sieht es bei uns im Frühling aus.“ sagte Corin nicht ohne Stolz, als Cára das Bild betrachtete.

„Es wirkt sehr friedlich.“ erwiderte sie.

Corin nickte. „Ja aber im Frühling gibt es auch viel Arbeit, wart’s nur ab!“

Sie grinste. „Vor Arbeit fürchte ich mich nicht, aber vor meiner Unwissenheit. Ich fürchte, ich werde am Anfang schrecklich viele Fehler machen.
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„Na, es kann nicht jeder das Glück haben, auf einem Hof geboren zu werden und dort aufzuwachsen.“ meinte Corin gönnerhaft. „Aber deshalb bist du ja als Lehrling hier.“

Seine Miene verriet, wie merkwürdig er es fand, dass jemand die Dinge, die er praktisch mit der Muttermilch aufgesogen hatte, erst mühsam lernen musste. Doch der Lehrling war ihm äußerst sympathisch und so freute er sich über dessen Gesellschaft.

Das Abendessen war eine lustige Angelegenheit. Diz Berns te Marak, der Knecht, war über den Lärm aufgewacht und von seiner kleinen Hütte herübergekommen, um sich ebenfalls am Essen zu beteiligen. Auch wenn er auf den ersten Blick etwas finster aussah mit seiner kräftigen Gestalt, und mit den Narben im Gesicht (Spuren einer Wirtshausprügelei vor vielen Jahren), war er doch ein sehr umgänglicher Gesell, der den Lehrling schnell in sein Herz schloss. Die beiden Kutscher erzählten Anekdoten von ihren Reisen und Ryann revanchierte sich mit einem fantastischen Essen und gab einige eigene Geschichten zum Besten.

Cára staunte darüber, wie wenig Standesdünkel sie besaß



Noch nie in ihrem Leben war Cára so glücklich gewesen.

Die Arbeit auf der Farm war hart, doch sie bereitete ihr viel Freude. Es erinnerte sie daran, wie gerne sie im Waisenhaus im Garten gearbeitet hatte. Damals hatte sie nur geglaubt, dies läge daran, dass man dort leicht an etwas essbares kam. Doch sie entdeckte, dass es ihr Spaß machte, den Pflanzen und Jungtieren beim Wachsen zuzusehen.

Die Farm hatte einige Rinder und Schafe, sowie Arbeitspferde, die auf großen Weiden lebten. In einem großen Auslauf lebten Hühner und einige Ziegen lieferten Milch für den würzigen Vioya. Hinter der Farm erstreckten sich die Felder für Getreide und Mais. In einem kleinen Garten wurde Gemüse angebaut und um das Haus herum standen Obstbäume.

„Fleisch, Obst und Gemüse behalten wir für uns selbst, für die langen Winter. Aber das Getreide verkaufen wir entweder an Händler in Nadín oder der Umgebung, oder wir tauschen es bei Griingas gegen Stoffe und andere Dinge, die diese dabei haben.“ erklärte Ryann, als sie Cára in ihre neuen Pflichten einwies und dies mit einer Führung über das Grundstück begann.
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Eine ihrer ersten Aufgaben war es, mit einem Karren voll Tuch zu dem Nachbarn zu fahren, der sich während der Abwesenheit der Kata um die Tiere auf dem Hof gekümmert hatte, da Berns dies allein nicht mehr schaffte. Hocherfreut nahmen er und seine Frau die Stoffe und den überlieferten Dank entgegen.

Sie lernte auch, zu reiten, was Corin einige Heiterkeitsausbrüche bescherte, da er es jedes mal wieder komisch fand, wenn sie in hohem Bogen in den Dreck flog.

„Na warte!“ drohte Cára eines Tages spielerisch. Doch er lachte nur umso lauter und schließlich musste sie in sein ansteckendes Gelächter einstimmen.

Ryann hörte dies und musste ebenfalls in das Gelächter einstimmen. Auch wenn Corin noch von Zeit zu Zeit in seinen grüblerischen Stimmungen versank, so war er doch dank der Gesellschaft des Lehrlings die meiste Zeit fast wieder so fröhlich wie vor dem Tod seines Vaters. Nur der Gedanke daran, das Schwerthandwerk zu erlernen, war nach wie vor fester Bestandteil seiner Wünsche und fast täglich fragte er seine Mutter, wann er endlich mit dem Unterricht beginnen könne. Doch stets antwortete Ryann, erst müsse der Lehrling genügend angelehrt sein, bevor Corin seine eigenen Aufgaben vernachlässigen könne.

Glücklicherweise lernte Cára schnell, wenn auch nicht immer ohne Schmerz, wie beim Reiten festgestellt werden konnte.

Für ihre diversen Prellungen und blauen Flecke bekam sie von Ryann eine schmerzlindernde Salbe, dennoch konnte sie sich einige Zeit nur mühsam und mit steifen Muskeln fortbewegen.



Überrascht stellte sie nach einiger Zeit fest, dass seit ihrer Ankunft bereits ein Monat vergangen waren. Auf dem Hof te Miu fühlte sie sich inzwischen so heimisch, wie noch nie irgendwo zuvor. Sie hatte ihr eigenes kleines Zimmer unter dem Dach bekommen, dass gemütlich mit einem großen Bett, einem Tisch und zwei bequemen Sesseln eingerichtet war. Auf dem Boden lag ein flauschiger, handgewebter Teppich und die Fenster zierten bunte Gardinen. Die Kata war streng aber gerecht zu ihr und Cára konnte bei ihrer Behandlung keinen Unterschied zu der Behandlung Corins mehr feststellen.

Letzterer fragte inzwischen mehrmals täglich, ob er nicht endlich anfangen dürfe, den Schwertkampf zu erlernen, da doch Cáron schon so weit sei, doch Ryann erwiderte jedes Mal, er solle sich wenigstens noch bis zu seinem Geburtstag gedulden.
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Und bevor dieser war, sollte Lucan nach Hause kommen. Corin redete die Tage vor dessen Ankunft nur noch über seinen großen Bruder. Lucan war bereits fünfzehn und mehr an Büchern als am Farmerleben interessiert. So hatten seine Eltern ihn schweren Herzens für drei Jahre in eine Schule gegeben. Trotz der Möglichkeit, einander Briefe zu schreiben, war die Trennung hart. Vor allem aber traf es sie, dass Lucan nicht die Möglichkeit erhielt, der Beerdigung seines Vaters beizuwohnen. Doch die Schule lag einfach zu weit entfernt, so dass er nicht rechtzeitig hätte kommen können. Doch nun war seine dreijährige Schulzeit um und er hatte sich entschieden, nicht wie geplant eine weiterführende Schule oder ein Kloster zu besuchen, sondern seine Mutter auf dem Hof zu unterstützen.

Am Tag der Ankunft waren alle schon früh wach und während Berns den Hof aufräumte und den gepflasterten Bereich im Garten kehrte, half Cára Ryann in der Küche bei der Vorbereitung eines wahren Festessens. Schon kurz nach ihrer Ankunft hatte sie erklärt, dass sie in der Schenke auch so „unmännliche“ Tätigkeiten wie Gemüse putzen und Abwaschen hatte verrichten müssen und Ryann war dankbar für die Hilfe, die ihr Lehrling für sei bedeutete.

Als die Stunde, zu der man Lucan vernünftigerweise erwarten konnte, näherrückte, wurden Corin und seine Mutter immer nervöser. Immerhin hatten sie ihn drei Jahre nicht gesehen.

Drei Jahre waren eine lange Zeit, vor allem in diesem wichtigen Entwicklungsabschnitt vom Jungen zum Mann hin. Dem Gesetz nach war Lucan nun der Hofherr und Vormund seines Bruders. Als Cára dies erfuhr, konnte sie über die Unsinnigkeit der Gesetze nur den Kopf schütteln. Wieso war ein fünfzehnjähriger Junge wohl besser imstande, sich um seinen Bruder zu kümmern, als seine Mutter, die ihm doch an Alter und Lebensweisheit so weit voraus war?

Als sie auf der Straße in der Ferne eine Staubwolke erkannte, rief sie sogleich die Kata. Diese stürmte herbei und starrte mit weit aufgerissenen Augen auf den Horizont. Die Staubwolke kam langsam näher und sie riefen Corin herbei.
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Dann standen alle drei an der Straße und warteten auf Lucan.



Cára mochte Lucan vom ersten Moment an. Er war wesentlich ernster als sein jüngerer Bruder und seine Figur war nicht so kräftig. Die blasse Gesichtshaut zeigte, dass er mehr Zeit in den Studierzimmern als an der freien Luft verbracht hatte. Cára bewunderte ihn sehr für seine Gelehrsamkeit. Stundenlang konnte er sich in Büchern vergraben und über ein Problem grübeln.

Von Anfang an war er freundlich zu Cára und behandelte sie wie einen Bruder. Dazu gehörte auch, dass er sie gelegentlich aufzog, wenn sie in ihrer Unwissenheit der Farmgebräuche wieder einmal etwas dummes tat oder sagte.

Bald ergab sich jedoch Gelegenheit, es ihm mit gleicher Münze, also gutmütigem Spott, heimzuzahlen. Als sich in der Nachbarschaft herumsprach, dass er wieder da wäre, kamen einige Familien mit ihren Kindern zu Besuch vorbei. Und vor allem die Mädchen waren begeistert, denn Lucan war „ein Kata, unglaublich gebildet und dazu auch noch äußerst gutaussehend“, wie Cára ein Mädchen seiner Freundin zuflüstern hörte. Sie selbst war auch sehr stolz auf ihren neuen Bruder, doch das alberne Getue einiger Farmertöchter fand sie doch zu komisch. Was für ein Glück, dass sie nun ein Junge war, und sich nicht derart lächerlich benehmen musste!

Während Ryann und Lucan höflich mit ihren Gästen Tee oder sogar eine Tasse Jizin tranken versorgte sie mit Corin die Tiere und kümmerte sich um den Garten und die Felder.

Vor allem gefiel ihr aber die Arbeit mit Pferden und beim Reiten machte sie inzwischen große Fortschritte. So war es kein Wunder, dass sich ihre Freundschaft zu Corin noch vertiefte, denn sie beide teilten die Liebe zu diesen Tieren.
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Kommentar von "Meerschweinchen" zu "endstation der träume [textfetzen]"

total cool. Gefällt mir gut. Du hast stil. 5 Punkte! ;) mehr geht ja LEIDER nicht

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