Nachdenkliches · Experimentelles

Von:    Josephine      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 17. November 2002
Bei Webstories eingestellt: 17. November 2002
Anzahl gesehen: 1294
Seiten: 2

hatte in den letzten wochen die gelegenheit in neue welten hineinzuschauen – durfte endlich erfahren, was die neue generation, zu der eigentlich auch ich gehöre, ausmacht. nach der trennung von meinem ex-freund löste ich mich ein wenig von meinem ganzen bisherigen leben. ich versuchte mich von meinen alten freunden abzugrenzen, mich von all den menschen zu distanzieren, die ein fest geprägtes bild von mir haben. suchte die möglichkeit mich neu zu verwirklichen, einen neuen lebensstil zu finden. was ich fand waren in meinen augen drogenexzesse (für andere war es etwas alltägliches), sex und eine lebensart, die mich einfach nur faszinierte. ich liebe die menschen, die sich diesem leben hingeben können, aber ich habe gemerkt, dass ich nicht zu diesen menschen gehöre, was jedoch meine freundschaft zu ihnen in keinster weise beeinträchtigt. ich finde es schön, wenn man das leben auf eine solche art und weise genießen kann und ich habe es in den letzten wochen so sehr genossen wie noch nie zuvor.

mein drogenkonsum, damit meine ich eigentlich nur kiffen, hat in den letzten wochen stark zugenommen. ich kiffe schon seit zwei jahren gelegentlich, zwei mal im monat, manchmal jedes wochenende und wenn mir danach ist auch mal unter der woche. in den letzten drei wochen habe ich jeden tag gekifft. ich habe in der schule gekifft. früher erschien mir all dies immer als verwerfenswert, als verachtungswürdig. ich fand es scheiße, wenn sich jemand zugedröhnt in den unterricht setzt, fand es scheiße, wenn jemand jeden tag kifft. jetzt weiß ich, dass es keinen unterschied macht. ich werde es nicht dabei belassen soviel zu kiffen, das weiß ich. es ist nicht mein ding, aber ich habe nun endlich begriffen, dass es nicht schlimm ist. die leute, die es tun, unterscheiden sich im grunde genommen nicht von mir. sie haben nur eine andere mentalität, verwirklichen sich auf eine andere art und weise. mir hat es spaß gemacht so zu sein. es hat einen hauch von gleichgültigkeit, dieses unmoralische, unethische. meine alten freunde konnten nicht nachvollziehen, was ich tue, als ich ihnen davon erzählte. sie fanden diesen unmoralischen hauch abstoßend, ich fand ihn äußerst anziehend und faszinierend. sie konnten dafür kein verständnis aufbringen. ich habe es genossen, was in den letzten drei wochen passiert ist. habe es genossen jemand anderes zu sein, mich selbst auf eine völlig andere art und weise kennenzulernen.
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man kann nicht etwas sein, das man nicht vorher schon ist, in dem sinne war ich keine andere person, ich habe einfach nur seiten stärker hervorgehoben, die ich vorher fast vollständig unterdrückt habe. ich habe mich stärker mit politik beschäftigt, mit meiner politischen einstellung, mit drogenkonsum, mit dem leben und was man daran genießen kann, mit sex und one-night-stands, damit, was in meinen augen moralisch vertretbar ist und was nicht. ich habe viel über mich gelernt, bin in eine andere welt eingetaucht, habe alles mit anderen augen gesehen. ich weiß, dass ich vieles davon beibehalten werde, aber nicht alles. mein körper ist dieses leben nicht gewöhnt und auch meine psychische stabilität hat stark darunter gelitten. ich habe es genossen, auch wenn es mir teilweise geschadet hat. ich liebe die menschen, die dieses leben führen, und ich liebe dieses leben und ich wünschte, dass auch ich dieses leben führen könnte. einfach schlafen mit wem ich will, wenn ich gerade lust darauf hab, je nach bedarf einfach morgens noch mal mit der person zu ficken, die neben einem liegt oder sich die bong zu schnappen und noch vor dem frühstück einen zu rauchen. ein wirklich beneidenswert einfaches leben. aber nicht mein leben, denn zu meinem leben gehören emotionen und schmerz, die man auf solch intensive weise nicht in dieser lebensart finden kann. diese menschen haben verständnis für alles, trösten, hören zu und muntern auf. aber sie sind nicht so wie ich. sie sind glücklich mit ihrer oberflächlichkeit an dinge heranzugehen, zu diskutieren, zu bewerten, aber nicht zu ändern. sie sind nicht abgestumpft oder desinteressiert, sie beschäftigen sich sehr intensiv mit ihrer umwelt, aber sie halten sich daraus. es ist doch nur die UMwelt, nicht ihre welt.
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Punktestand der Geschichte:   20
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Kommentare zur Story:

  ich bewerte nicht nur nach inhalt
die form ist wohl deine form
ansonsten:
deine gedanken, deine meinung
interessant
keine bewertung  
jaana  -  09.12.04 18:31

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  Wenn ich die Geschichte mal so betrachte, ist sie eigentlich keine. Was dann? Eine Feststellung oder eher eine Momentaufnahme einer Entwicklungsphase? Ist interessant, finde ich, weil
es Erinnerungen weckt. An die Zeit in der Mann mit
gerechtfertigtem Zorn dachte "Warum bremst mich eigentlich niemand?,....oder,....irgendjemand muss doch auch ähnliche Interessen wie ich haben, oder in die gleiche RIchtung wollen?" Also als zeitgeschichtliches Dokument auch gut. Ich finde übrigens deine Sprachgebrauch sehr präzise. Man gut nachvollziehen, was gemeint ist.  
Oliver  -  19.11.02 13:42

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  ich erwarte keine unterstüzung in meinen ansichten. ich wollte einfach nur versuchen das lebensgefühl zu beschreiben. es geht nich um irgendwelche starken suchtmittel, die den menschen sehr beeinlussen, mir geht es nur ums kiffen und darum, welche lebenseinstellung manche menschen haben. sie haben eine andere art und weise das leben zu genießen und darum beneide ich sie. es ist nich meine art, aber es is sicher eine art und weise, die man au nich einfach verurteilen sollte. es is nich mein lebensstil, das habe ich durch dieses "experiment" gelernt. aber ich habe mich besser kennengelernt und das ist mir wichtig.  
Josephine  -  18.11.02 15:05

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  Ich lese aus deinen Worten heraus, das das Leben der letzten drei Wochen Dir sehr viel bedeutet hat. Im Grunde möchtest Du so weitermachen, weißt aber das es nicht das ist womit man unbedingt weiter Kommt. Klar dieses "Leck mich am Arsch Gefühl" ist was herrliches, solang man mit irgendeinem Suchtmittel zu gedröhnt ist. Der Wunsch nur noch oder ziemlich oft dieses Gefühl, mit Gleichgesinnten zu erleben wird immer stärker.
Das worauf Du mit Deinem Schrieb spekulierst ist, das einer sagt "Tu es und werde glücklich damit". Denn wenn was schief geht kannst Du immer sagen: "Meine Schuld ist es nicht, man hat mir da zu geraten". Du möchtest die Verantwortung auf Andere abwälzen. Entscheiden mußt Du aber ganz alleine. Ich denke es ist noch nicht zu spät um abzuspringen.
Von mir gibt es keine Zustimmung für das ach so scheinbar FREIE Leben.  
Wolzenburg  -  18.11.02 11:33

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