Kurzgeschichten · Nachdenkliches

Von:    Martin Guido Becker      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 10. Juni 2026
Bei Webstories eingestellt: 10. Juni 2026
Anzahl gesehen: 559
Seiten: 8

„Menschsein heißt Künstlichsein, es bedeutet ein Herausgefallensein aus dem organischen Zusammenhang der Schöpfung. Der Mensch ist das „künstliche Tier“ in Gottes Zoo. Und dieses künstliche Tier ist zugleich die einzige Kreatur, die an sich selbst nicht Genüge finden kann. Sie strebt und schöpft daher beständig über sich hinaus. Pygmalion, Golem, Homunculus, Android oder auch Frankenstein heißen die künstlichen Abbilder, die der Mensch in Mythen, Kunst, Magie, Alchemie oder moderner Wissenschaft zu kreieren versuchte.“

Soweit der Kulturkritiker Norbert Borrmann in seinem Vorwort zu „Frankenstein und die Zukunft des künstlichen Menschen.



In der Gestalt des Dr. Frankenstein und in den mit ihr verwandten Mythen offenbart sich das Dilemma der menschlichen Hybridexistenz zwischen Natur und Künstlichkeit. Von Natur aus ist der homo sapiens eher stiefmütterlich ausgestattet und den meisten anderen Lebewesen in freier Wildbahn auf sich gestellt, hoffnungslos unterlegen. Eigentlich hätte die Evolution, frei nach Darwin, ihn längst schon ausmerzen müssen, da er, was seine natürliche Ausstattung betrifft, nur wenig Überlebenschancen hatte. So stellte sich zu allen Zeiten für den Menschen die Frage, wie er seine biologischen Defizite kompensieren könnte, der Mensch ist das einzige Tier, das in der Lage ist, mit sich selbst zu hadern. Allzu gerne wäre der Mensch ein Anderer, ein Wesen, das seiner Mangelhaftigkeit enthoben ist. Ein Evolutionssprung, mag man es Übermensch nennen oder sich dafür andere, weniger belastete Bezeichnungen ausdenken, Tatsache ist, dass der Mensch sich mit der ihm offensichtlich feindseligen Natur nicht abfinden mag und stets auf Wege sinnt, die Natur im Außen zu besiegen, sowie auch seiner eigenen Natur Herr zu werden.



Die Kultur ist den tradierten Menschen lange schon losgeworden, hatte die Kunstwelt sich nicht unlängst von den sorgfältig ausgeführten Bildwelten eines Ingres oder Cabanel losgesagt, diese als süßlichen Kitsch abgetan und stattdessen eine Sicht auf den Menschen gefördert, die nicht grobschlächtig genug ausgeführt, den Menschen wie eine Kreatur Frankensteins oder wie den Golem eines Rabbi Löw aussehen ließ. Nur das Hässliche kann wahr sein, so die Devise, oder, man entledigte sich besser noch gleich des Menschlichen und ersetze sie durch die Kegelfiguren eines Oskar Schlemmer oder die roboterhaften Gestalten eines Fernand Legers.
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Der Mann ohne Eigenschaften, der Titel eines Romans ist Programm, und entindividualisiert wie die zu Piktogrammen degradierten Figuren eines Malewitsch, der Mensch ohne Physiognomie, eine leere Maske, eine auf geometrische Formen reduzierte Figurine. Am Ende der Entwicklung das Quadrat, mal schwarz, mal weiß und in jedem Fall sündhaft teuer, die Vollendung des kulturellen Fortschritts in der wohl langweiligsten aller Formen, in der alles und nichts enthalten zu sein scheint und die Spielraum gibt für endlose autistische Diskurse.

Schließlich symbolisiert das Quadrat, die gesichtslose Figurine den neuen Menschen, der in den kollektivistischen Phantasien von Gesellschaftsplanern den neuen, den perfekten, den perfekt funktionierenden Menschen verkünden soll.



Im Laufe der Zeit hat es viele Versuche gegeben, der eigenen Natur in ihrer Unvollkommenheit zu begegnen und sie zu überwinden, und so manches neuentdeckte Wissensgebiet wurde sogleich in seiner Wirkung überschätzt. Kaum war die Erziehung des Nachwuchses ein Gegenstand, der der Erwähnung wert war, so sollte die veränderte Erziehung der Kinder eine bessere Gesellschaft erzeugen, die Erfindung der Psychoanalyse sollte die Welt ins goldene Zeitalter führen, heute ist es die Genetik, die den Königsweg zu einem besseren Menschen und damit einer besseren Welt darstellen soll, morgen werden es implantierte künstliche Intelligenzen sein, die den Menschen jederzeit mit dem Weltnetz verbunden sein lassen.

Doch was unterscheidet die heutige, wissenschaftlich begründete Vision des Neuen Menschen von den alchimistischen Versuchen, die in dem Aberglauben verhafteten Zeiten verhaftet blieben? Man könnte auch ketzerisch die Frage stellen, ob auch in unseren rationalistischen Weltbildern nicht auch genügend Elemente eschatologischer Wunschträume, Erlösungsphantasien und vor allem eine gewisse Hybris vorhanden sind. Zumindest dann, wenn man zu beginnen glaubt, die Vernunft würde uns alle erlösen. Die Religion verspricht ihren Gläubigen Unsterblichkeit, und hin und wieder versucht sich der eine oder andere Wissenschaftler, in die Fußstapfen der Religion zu treten, wie auch in die der Magier, Alchimisten und Kabbalisten vergangener Zeiten, die auf Rezepturen sannen, um Unsterblichkeit und übernatürliche Fähigkeiten zu erlangen. Heute sind wir, glaubt man den großmundigen Versprechungen so mancher populärwissenschaftlicher Artikel, nur noch einen kleinen Schritt vom Übermenschen entfernt, wir können uns einfrieren lassen, um in naher oder ferner Zukunft wieder zum Leben zu erwachen, wir können uns klonen lassen, um als Kopie weiterzuexistieren, wir können die Inhalte unseres Gehirnes auf elektronische Speichermedien überspielen lassen, um bis in alle Ewigkeit von der Gebrechlichkeit unseres Körpers losgelöst weiterzuleben.
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Man wird möglicherweise eines Tages Ersatzteile wie Nieren, Herzen oder Lebern in Reagenzgläsern züchten und bei Bedarf implantieren, man wird die Intelligenz des Menschen durch Hirnschrittmacher ins Unendliche zu steigern versuchen, man wird den Körper durch genetische Eingriffe vervollkommnen und einen Evolutionssprung zu dem ersehnten Übermenschen vollziehen.



Und - dies ist die erste kalte Dusche, in dem Moment, in dem es den Übermenschen gibt, sind wir, die gewöhnlichen Menschen, nicht mehr aktuell, sind wir der neuen Konkurrenz nicht mehr gewachsen. Allenfalls wird unsereins ein Dasein beschieden sein, wie es heute die Indianer Nordamerikas in ihren Reservaten beschieden ist, die von Sozialhilfe am Leben gehalten und mit Alkohol betäubt, ihr Dasein fristen.

Auf die erste kalte Dusche folgt die zweite: Das Verständnis der Naturgesetze und der Zusammenhänge ist ein lückenhaftes. Was im ersten Moment wie ein Erfolg aussehen mag, das kann wenige Augenblicke später sich als Missgriff entpuppen. Niemand weiß, wie sich geklonte Wesen über längere Zeiträume verhalten, wie sich genetisch veränderte Organismen auf lange Sicht, über viele Generationen hin bewähren. Auch weiß niemand, welche Folgen Abhängigkeiten von Technologien auf lange Sicht haben werden, ob der kurzfristige Gewinn nicht langfristig Niederlage bedeutet. Wer von Kind an sich an an den Gebrauch des Taschenrechners gewöhnt ist, der lernt wahrscheinlich niemals Kopfrechnen und ist völlig hilflos, wenn ihm die elektronische Krücke entzogen wird. Wird also das, was den Menschen von seiner biologischen Mangelhaftigkeit befreien soll, womöglich langfristig zu seinem Niedergang führen?

Als im 19. Jahrhundert die Theorien Darwins sich etablierten, wurde der Wegfall des Ausleseprinzipes, also des Ausscheidens lebensunfähiger Organismen durch den Verdrängungswettkampf als Ursache eines möglichen Niederganges, einer Degeneration angesehen, und deshalb die gezielte Züchtung vermeintlich höherwertiger Menschen angestrebt, in dieser Zeit war die Eugenik in den industrialisierten Ländern ein allgemein anerkannter und nicht angezweifelter Wissenschaftszweig.
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Die moralischen Probleme, die damit verbunden waren, wurden erst mit dem Zusammenbruch des dritten Reiches überhaupt als relevant wahrgenommen. Heute ist die Verknüpfung eugenischer Theorien, die damals kaum angezweifelt wurden, unlösbar mit den Eichmännern und den Dr. Mengeles verbunden, wobei solcherlei Gestalten als gesichtslose Funktionäre mit jedem ideologischen Hintergrund ihr Unwesen treiben können. Den Frankensteins stehen jederzeit ihrer Eigenschaften entledigte Helfer zur Verfügung, das ursächlich Böse ist nur an der Spitze genial, an der Basis zumeist von erschreckender Banalität gekennzeichnet.



Allerdings werden moralischen Tabuzonen wahrscheinlich nur kurze Dauer beschieden sein, oder die Victor Frankensteins unserer Tage werden sich neue Spielwiesen mit neuen Verheißungen, neuen Ideologien, neuen Gedankengebäuden, neuen Gedankengefängnissen suchen, auf denen sie ihr Unwesen treiben können. Allzu verlockend sind die Früchte vom Baum der Erkenntnis und gäbe es nicht den Drang, von diesen Früchten zu naschen, so gäbe es auch uns nicht, denn wir hätten das Rüstzeug nicht, im harten Daseinskampf zu bestehen. Zumindest gäbe es uns nicht in dieser Zahl, und wir könnten uns auch nicht die Illusion leisten, es gäbe diesen Daseinskampf nicht.

Dass wir sind, dass die Menschheit bis heute überlebt hat, dass sie nicht nur als versprengte Höhlenbewohner, sondern mit Mittelklassewagen ausgestattet, dass der Mensch in unserem Teil der Welt anstatt mit Hunger mit Gewichtsproblemen zu kämpfen hat, das hat sie dem Verlangen, die Natur zu beherrschen und sie dienstbar zu machen, zu verdanken. Die Figur des Prometheus steht für das Heraustreten aus der Natur und für den Schöpfungsprozess einer künstlichen Welt.

Prometheus gab den Menschen das Feuer und lehrte sie den Umgang mit demselben und wie keine andere Figur steht Prometheus für das Bestreben, Neuland zu entdecken. Allerdings gibt es keinerlei Gewähr dafür, dass ein Neuland ein Paradies sein wird, zumeist ist es das nicht, oftmals entpuppen sie die ersehnten Paradiese als öde Gestade, in denen man sich hoffnungslos verloren fühlt.

Prometheus hatte den Menschen aus Lehm geformt und hatte ihm Leben eingehaucht und ihn dann noch gelehrt, sich die Natur untertan zu machen, (also die gleiche Methode wie der biblische Schöpfergott), und damit den Zorn der Götter erregt.
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Für diese Untat wurde er bestraft, und in seinem Katzenjammer bestraft sich der prometheische Mensch selber, wenn er sich wieder mal zu weit gegangen glaubt.



Der Mensch ist eine Doppelnatur, er schafft einerseits künstliche Umgebungen, die ihn seine Hilflosigkeit vergessen machen und, da die zeitweilige Abwesenheit des Daseinskampfes ihm seine ohnehin nicht besonders reichlich vorhandene Robustheit weitgehend abnehmen lässt, macht er sich mehr und mehr von der Künstlichkeit seiner Umgebung abhängig, so dass er ohne seine Steckdosen, ohne die Bewegungshilfen und seine Apparate ein Nichts wäre.

Andererseits, und dafür spricht die derzeitige Zunahme der Zivilisationskrankheiten, ist der Mensch doch wieder Teil der Natur, das die Künstlichkeit seiner Welt lediglich im begrenzten Maße vertritt.

Es bedarf eines hohen Aufwandes an Energie, diesen Widerspruch zwischen Natur und Künstlichkeit irgendwie zu bewältigen und möglicherweise wird irgendwann einmal die aufgewendete Energie den Nutzen übersteigen.

Man denke sich für einen Augenblick, alle künstlichen Lebenshilfen, von den Stiftzähnen bis hin zu der Lesebrille, dem Hörgerät, selbst die Kleidung und die Schuhe, alles verschwände augenblicklich, und wir stünden nackt und bloß den Elementen ausgeliefert gegenüber, wie weit würden wir kommen? Gäbe es Prometheus nicht, dann wären wir längst verhungert oder erfroren, der Rückweg in die Natur, die uns so manches Mal wie ein verlorenes Paradies vorkommt, ist wohl für alle Zeit versperrt.



Doch was wäre ein Prometheus, wenn er sich nicht an den Früchten vom Baume der Erkenntnis berauschen würde, wenn er, in seinem Rausche nicht alles bisher Erreichte wieder und wieder aufs Spiel setzen würde, wenn er nicht mit immer höherem Einsatz pokernd weiter und weiter spielen und schließlich am nächsten oder am übernächsten Morgen übellaunig und verkatert in einer völlig verwüsteten Welt erwachen würde?



Anne Shelleys Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ könnte sinnbildlich stehen für das Verlangen des modernen Menschen, den Schöpfungsakt oder den Evolutionsprozess in die eigene Hand zu nehmen und die Künstlichkeit der künstlichen Welt insoweit zu steigern, dass auch der Mensch, sowie das Leben selbst, künstlich wird.
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In seinem rauschhaften Forscherdrang erschafft der Student Victor Frankenstein in einem nekrophil anmutendem Schöpfungsakt aus zusammengeflickten Leichenteilen einen künstlichen Menschen, erweckt diesen zum Leben und erschrickt darüber fast zu Tode, welch‘ schauderhafte Kreatur er da ins Leben gerufen hat. Nicht ganz zu Unrecht wurde Frankenstein auch als frühfeministische Kritik am männlichen Schöpfungswahn gesehen, der natürliche Zusammenhänge beiseiteschiebt und tradierte Ordnungen zerreißt und als schlussendliche Folge seines Wahns nichts als Tod und Verwüstung nach sich zieht.

Frankenstein ist ein zutiefst pessimistischer Roman, der sich, möglicherweise als „prophetisch“ erweisen könnte, denn der Frankensteins, manchmal auch der Frankensteinchen, laufen unzählige herum und arbeiten an ihren Schöpfungen, von denen sich wahrscheinlich die allermeisten als scheußlliche Monströsitäten entpuppen werden, vielleicht nicht sofort, aber mit einiger Sicherheit auf längere Sicht.

Das Tote, Unorganische, das Künstliche, lebendig machen, es ist eine Karikatur des Schöpfungsaktes, und die Folgen desselben sind wohl weniger die Übermenschen, von denen einstmals ein Nietzsche geschrieben hatte, sondern bedauernswerte Kreaturen oder gar bedrohliche Monster. Da man den Frankensteinismus nicht nur in die Zukunft projizieren kann, sondern auch ebensogut in die Vergangenheit, so entstanden in den letzten Jahrzehnten Mythenschreiber, deren bekanntester von Däniken heißt und dessen Kollege Zecharia Sitchin in seinen Büchern, gestützt auf sumerische Tontäfelchen, die These aufstellt, die Menschen seien vor einigen hundertausend Jahren von einer außerirdischen Zivilisation mit Mitteln der Gentechnik als Sklavenrasse ins Leben gerufen worden. Also wären, würde man die Dänikens und die Zitchins ernst nehmen, wir uns selbst in der Rolle des Monsters einen prähistorischen Frankensteins wiederfinden, es könnte vielleicht unser Fremdsein in dieser Welt ein wenig erklären können, allerdings scheinen diese neuen Mythen ebenso künstlich zu sein wie die Plastikwelten, in denen wir uns eingerichtet haben.

Und doch stehen diese Geschichten, auch wenn man sie als Sensationsschriftstellerei abtut, sinnbildlich für das Dilemma des Menschen, zur natürlichen Umgebung nicht wirklich dazuzugehören, sondern eher eine Art Fremdkörper mit den Verhaltensweisen von Mietnomaden, zu sein.
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Eine Sonderrolle nimmt der Mensch ein, und diese verleitet ihn hin und wieder zu riskanten und zerstörerischen Unternehmungen, wie die Kreatur Frankensteins, der, seinen Schöpfer aus tiefster Verbitterung heraus verfluchend, eine Spur von Verwüstung hinterließ.

Ist der Umgang des Menschen mit seiner natürlichen Umgebung nicht auch eine Art Fluch gegen einen unbekannten Frankenstein, der wahlweise Evolution, Jehova oder meinetwegen auch kleine grüne Männchen bedeuten kann?



Die unzähligen Frankensteins von heute sitzen in den Forschungsabteilungen und in den Chefetagen von Konzernen wie Monsanto, im Silicon Valley, in den Regierungsgebäuden und den dazugehörigen Tintenburgen und sie vertreiben sich die Zeit damit, eine Art russisches Roulette zu spielen. Sie werden aus anorganischen Bestandteilen, also auf Siliziumbasis eine Art Leben zu schaffen versuchen und damit sich von der organischen Natur endgültig loszusagen versuchen. Nach und nach werden diese künstlichen Intelligenzen in den natürlich hergestellten Menschen implantiert werden und mehr und mehr von diesem Besitz ergreifen. Der Cyborg, die Menschmaschine genießt den Vorteil, permanent online zu sein, und er gibt fortwährend die Kontrolle über sein Dasein an die künstlichen Intelligenzen ab, bis er irgendwann nicht mehr Mensch, sondern nur noch Maschine sein wird, sein Körper schlussendlich nicht mehr aus diesen ekelerregenden Kohlenstoffmolekülketten besteht, sondern aus blankpoliertem Silizium und dieses sich nun endgültig die Erde untertan gemacht hat.

Man kann Frankenstein mit einiger Berechtigung verdammen, allerdings ist dies nur die eine Seite der Rechnung. Die andere, gäbe es diesen Menschentypus nicht, so wären wir noch immer in der Steinzeit verblieben, und würden ihr wohl für alle Zeiten verhaftet bleiben. Dem monströsen Erkenntnistrieb haben wir auch einiges zu verdanken, vor allem, wenn die Alternative zum riskanten Experiment die sichere Verelendung ist. Die konservativen Kräfte des Beharrens sind, als allein bestimmender Faktor, wahrscheinlich ebenso destruktiv wie eine nicht hinterfragte Fortschrittshybris. Doch selbst wenn wir uns dessen bewusst sind, so bleibt doch das Unbehagen angesichts der Irreversibilität so mancher Entwicklung.



Die Zukunft gehört, setzen die Frankensteins unserer Tage ihre Vorstellungen durch, den Untoten, den schattenhaften, den empfindungs- und empathielosen Wesen, die allzu perfekt an die Hamsterräder angepasst sein werden.
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Die Menschmaschine, die Verschmelzung des Menschen mit seinem Hamsterrad. Das Hamsterrad regiert und der Mensch hat diesem zu gehorchen, und da der Mensch Hamsterrad geworden und somit Herrscher und Sklave in einem, so besteht dann keinerlei Unterschied mehr zwischen Diener und Herrscher, zwischen Freiem und Sklaven, zwischen Maschine und Mensch. Die Menschmaschine ist die Erfüllung aller Utopien und die Entkarbonisierung des Lebens und deren Neuerschaffung auf USB Sticks, auf Speicherkarten und Festplatten beschert uns das ewige Leben im digitalen Nirwana.

Auf die Hybris folgt dann der Katzenjammer. Die Sehnsucht nach den verlorenen Paradiesen, als der Mensch noch Mensch war und noch nicht Maschine geworden ist und sich doch ein Dasein ohne die Maschinen um sich und ohne die Maschinen in sich nicht vorstellen kann. Sein Herz schlägt im Takt seiner Uhr, und gäbe es die Uhr nicht, so würde auch sein Herz aufhören, zu schlagen, denn auch, wenn der Mensch auch müde geworden ist unter dem Diktat des Sekundenzeigers, so ist er Maschine geworden und er wird wohl Maschine bleiben, ob er das will oder nicht.

Ja, man sei zu weit gegangen, so wird man feststellen, allerdings sagte man dies auch, als das Feuer erfunden wurde sowie auch bei der Erfindung des Rates, und die Menschmaschinen werden am digitalen Lagerfeuer zusammensitzen und ihren Hirnschrittmachern die neuesten Updates verpassen. Prometheus Frankenstein wird hinzutreten, er wird verlegen von einem Fuß auf den anderen treten und beginnen, Entschuldigungen zu stammeln: „Tut mir leid, es war nur so eine Idee von mir….“
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