Schwarze Schwäne - Weiße Schwäne, Teil 8 - SCHWARZE LÖCHER IM MAI   394

Romane/Serien · Nachdenkliches

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 26. Mai 2021
Bei Webstories eingestellt: 26. Mai 2021
Anzahl gesehen: 1728
Seiten: 8

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit: Die Verfügbarkeit ist eine Angabe die nur im Prologteil der Reihe zur Verfügung steht.

Diese Story wurde zwar als Teil einer Reihe definiert, eine entsprechende Prologangabe fehlt allerdings noch.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Endlich Polterabend! Ich setze ja große Hoffnungen auf den. Erstens wird Parker ohne neue Frau kommen und zweitens könnte Bruce dabei sein.

Rupert und Betty holen mich freundlicherweise ab, zuerst geht es zu Sybille und Alex, vor deren Haus sich schon etliche Leute eingefunden haben, um die ganze Straße mit ihrem Porzellan vollzumüllen. Also Teller, Tassen, ausrangierte Klos und so weiter. Ich liefere die Geschenke beim Brautpaar ab und sehe Robert kommen – wir begrüßen uns kurz, dann wende ich mich wieder meinen Freunden zu und fahre mit ihnen in Richtung Süden, denn der eigentliche Polterabend findet im Vereinshaus einer Schrebergartenkolonie statt. Sieht nett aus, ländlich, einsam - und das Haus hat eine richtige Theke, einen großen Raum mit Tischen und sogar eine Tanzfläche.

Man kommt sich vor wie bei einem Schützenfest, ich kenne Schützenfeste aus der Kindheit, da habe ich immer die Ferien in meinem Heimatdorf verbracht. Ach ja, Erinnerungen kommen auf, aber die haben hier nichts zu suchen.

Der Raum ist mäßig gefüllt. Rupert, Betty und ich setzen uns an einen der Tische. Kurz darauf erscheint das Brautpaar mit einer riesigen zugedeckten Platte. Als die Platte feierlich enthüllt wird, stellt sich raus, dass belegte Brötchen darauf sind. Alles bricht in Begeisterungsrufe aus, aber beim Essen hält man sich stark zurück. Gut, dass ich gut und vor allem spät gefrühstückt habe.

Wann kommt Parker eigentlich?

Da kommt er ja! Mich trifft der erste Schlag an diesem Abend. Cornelia ist neben ihm, es ist Cornelia, das weiß ich, und im Schlepptau hat er außerdem seine ganze Clique. Alle Paradiesvögel sind dabei, alle new wavemäßig aufgemacht.

Ist das eigentlich normal, dass man zu einem Polterabend zehn Bekannte oder noch mehr mitbringt? Ich würde das nicht wagen. Außerdem hätte ich zur Zeit Probleme, zehn Bekannte zusammenzukriegen.

Aber das Schlimmste an der Sache ist: Bruce ist nicht dabei! Ich bin schwer enttäuscht. Übrigens das erste Mal, dass ich Parkers neue Frau sehe. Sie ist dunkelhaarig, wirklich hübsch, kleiner als ich, und ich weiß mittlerweile, dass sie geschieden ist und einen Sohn hat. Sie ist vier Jahre älter als ich und gut aufgemacht, geschminkt und gekleidet.

Ich habe mich immer dagegen gesträubt, mich trendmäßig zu frisieren oder anzuziehen, weil ich nie auffallen wollte.
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Parker hat mir das übelgenommen, denn er selber liebt es, aufzufallen wie ein bunter Hund und will natürlich auch eine entsprechend bunte Hündin an seiner Seite haben. Jetzt hat er sie ja bekommen. Ob sie wohl weiß, dass ich mit ihm geschlafen habe? Ich denke mal ja. Oh Gott, hoffentlich hat er ihr nichts über die letzten Wochen erzählt, denn einmal schlafen mit der Ex geht vielleicht, aber über Wochen hinaus? Ach wen juckt's! Tja, das war es wohl mit Parker, er ist jetzt Legende, aber eine schlechte. Außerdem bin ich heilfroh, dass ich selber ein Geschenk für Alex und Sybille besorgt habe mit der Aussage: „Ach übrigens, der Übertopf mit dem Ficus ist von Parker!“. Die haben sich schwer drüber gewundert, dass ich für Parker das Geschenk besorgt habe. Mein Kochbuch kam aber ganz gut an - und die Pfanne sowieso.

Aua, Robert kommt gerade herein. Eine Frau folgt ihm. Es handelt sich um Sybilles Freundin, die auch Silvester da war und über die Alex und er sich am Ostermontag so nett ausgelassen haben, nämlich: ‚Alleinstehende Frauen werden Nutten’.

Robert setzt sich mit der ‚Nutte’ an die Theke und amüsiert sich köstlich mit ihr. Mir schenkt er keinen Blick. Ich hasse diesen verdammten Heuchler!

Parker und seine Clique belegen einen ganzen Tisch. Dieser Wurm von Robert guckt durch mich hindurch, als wäre ich überhaupt nicht vorhanden. Eine Unverschämtheit! Ja, ich weiß, ich habe ihn nicht gut behandelt, aber muss er mich jetzt so ignorieren?

Irgendwie riecht es verbrannt. Auf dem Tisch stehen Kerzen, aber die riechen nicht so. Oh, der Geruch kommt aus dem Ärmel meines neuen teuren Jäckchens, das ich wohl über die Kerze gehalten haben muss. Mist! Unauffällig lösche ich das Flämmchen, das aus dem viel zu teuren Ärmel hervorqualmt. Zwischen den gelöschten Rändern bleibt ein verkokeltes Loch zurück. Hmm ... Das hat nicht lange gehalten. Vielleicht kann ich's ja stopfen. Betty guckt mich mitleidig an, sagt aber nichts, und ich tu so, als wäre ich noch glücklich mit dem verkokelten Ärmel.

Scheint heute nicht mein Tag zu sein. Ich sehe es einfach symbolisch: Alles geht in Flammen auf und nichts bleibt übrig.
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Also krempele ich beide Ärmel hoch. Das sieht nach Fleiß und Arbeit aus - und nach unverkokelten Ärmeln.

An unserem Tisch sitzen zwei weitere Bekannte. Die fangen an, zwischen Parkers Tisch und unserem hin und her zu pendeln. Ist wahrscheinlich nicht interessant genug bei uns, oder besser gesagt bei mir.

Allmählich überkommt mich eine Lähmung. Ich weiß genau, wenn ich jetzt nicht aufstehe und irgendwas mache, erstarre ich zur Salzsäule wie Lots Frau in der Bibel. Außerdem ist die Schwerkraft heute Abend entsetzlich, sie drückt mich so danieder, dass ich keinen Fuß bewegen kann. Das ist noch schlimmer als die Salzsäule.

Also Schwerkraft ... Ich reiße mich mit Mühe vom Boden los - meine Beine gehorchen mir kaum, aber ich schaffe es und stelle mich an die Theke. Ich unterhalte mich mit Leuten, die ich gar nicht kenne.

Ich bin schon ziemlich betrunken. Immerhin gibt es hier genug zum Saufen. Wollen die damit von ihrem schlechten Essen ablenken? Klappt vorzüglich!

Aus den Augenwinkeln heraus sehe ich, dass Rupert und Betty sich an Parkers Tisch gesetzt haben. Parker, der Mörder meiner Jugend!

Die Perle von dem Typ, mit dem ich mich hauptsächlich unterhalte, beäugt mich schon böse, aber ich kann nicht aufhören. Es muss heraus! Bitter, gallig, fürchterlich ... Die Newtonsche Schwerkraft fesselt mich nun an die Theke, aber irgendwann muss ich aufs Klo – als Folge des reichlichen Biergenusses – und den ganzen Raum durchqueren. Ich versuche nicht allzu taumelig zu gehen, hoffe, dass es klappt.

Auf dem Klo treffe ich Parkers neue Freundin. Ich erzähle ihr, dass ich ziemlich sauer auf Robert bin, aber das wäre ja sowieso ein Blödmann. Auf wen ich sonst noch sauer bin, erzähle ich ihr natürlich nicht. Wie verhalte ich mich in dieser Sache? Einerseits bin ich Cornelia dankbar, dass sie mir Parker abgenommen hat, andererseits weiß ich nicht, ob ich ihr das mitteilen soll.

‚Du bist die erste, die ihn wirklich behalten wollte.’ Das kann ich ihr schlecht sagen.

‚Die anderen Weiber haben alle einen Rückzieher gemacht, und ich musste seinen Frust ausbaden, weil ich nur Theater gemacht und auch nicht richtig um ihn gekämpft habe.’ Auch das kann ich Cornelia nicht sagen. Sie würde es mir auch nicht glauben.
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Sie würde mich für bescheuert halten oder für rachsüchtig. Also labere ich nur dummes Zeug. Hauptsächlich über Robert, was Cornelia wohl kaum interessiert, weil sie ihn gar nicht kennt.

Und wer weiß, vielleicht hat es wirklich nur an mir gelegen, an meinem Mangel an Liebe und Zuneigung für Parker und an meiner gewollten Unfähigkeit, sich mit seinen jungen Paradiesvögeln anzufreunden.

Nein, nein, ich bereue nichts! Ihr könnt mich doch alle mal! Alle ihr Parkers, eure jungen Paradiesvögel und eure neuen Frauen!



https://www.youtube.com/watch?v=rj2CD5xgpNY -- (Colin Hay - einst Men At Work - Overkill) Link markieren, m. rechter Maustaste reinklicken und 'Link in neuem Fenster öffnen' wählen. Fenster minimieren und hier weiterlesen und hören in Dauerschleife ...

Ich werde immer sentimentaler, zuviel Alkohol ... Ach, es ist so traurig. Wie kann man als Paar nur so einsam sein? Die Männer halten sich zurück, man ist ja in ‚festen Händen’, und alle anderen Frauen betrachtet man als Konkurrentinnen. Es gab keinen, mit dem ich mich mal hätte aussprechen können. Okay, bis auf Sybille, als sie mir noch gewogen war.

Kurz nach Cornelia gehe ich zurück in den Saal und setze mich an Parkers Tisch neben Rupert und Betty, neben diese beiden Verräter. Ich bin ziemlich muffig. Was für ein blöder Abend! Den hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Bruce ist nicht da, aber ansonsten alle Idioten, die ich nicht ausstehen kann. Bruce erscheint mir im Augenblick als der Retter aus meiner Not, weiß auch nicht wieso.

Alles ist grauenhaft. Durch Parkers Nähe fühle ich mich gehemmt, und das Bier, das ich in mich hineinschütte, hat eine widerlich brütende Wirkung. Außerdem muss ich dauernd aufs Klo, vielleicht sollte ich besser Schnäpse trinken ...

Ich versinke in einem dumpfen Tümpel, der mit Selbstmitleid gefüllt ist. Keiner mag mich. Warum auch? Ich habe überhaupt nichts Liebenswertes an mir. Ich liebe ja auch keinen so richtig, außer meine Katzen.

Jetzt kommen mir meine Astronomiekenntnisse zur Hilfe: Das ist das Zentrum, das Zentrum des Schwarzen Lochs, in dem die Zeit vor dem sogenannten Ereignishorizont (wieso Ereignishorizont – es ereignet sich doch gar nichts und wenn, dann nur Mist) stillsteht.
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Schlimmer kann es nicht werden. Bevor die unendliche Schwerkraft mich nun an diesen Tisch fesselt, reiße ich mich mit Gewalt von ihm los und stelle mich wieder an die Theke. Dort versuche ich, Robert ein Gespräch aufzuzwingen. Oh Gott, was tue ich da? Ich kann es aber nicht steuern. Ich frage ihn, ob er und seine Begleiterin Lust hätten, mit ins Hawaii zu kommen. Irgendwie habe ich Lust, ins Hawaii zu gehen. Vor allem muss ich weg von hier! Das Schwein Robert beachtet mich kaum. Wenn er vorgehabt hat, mich zu demütigen, dann hat er es blendend geschafft. Gratuliere! Und dem wollte ich das Foto schenken, auf dem ich mit Sybille zu sehen bin? Das kann er vergessen!

Ich setze mich wieder zu Betty. Der ist die ganze Sache etwas peinlich. Sie tendiert eher zu mir so rechtsmäßig, während Rupert neutral ist. Rupert will auf Parkers Gesellschaft auch in Zukunft nicht verzichten, obwohl er Parker im Grunde nicht ausstehen kann, aber Parker ist amüsanter als ich, und Männer halten wohl immer zusammen. Rupert und Betty wirken schon recht müde und wollen nach Hause aufbrechen. Auf meine Frage, ob sie mich im Hawaii absetzen können, reagieren sie mit Entsetzen: „Wie kannst du nur da hingehen?“

Die haben gut reden! Ich muss jetzt dahin, sonst werde ich wahnsinnig! Sagen tu ich aber nur: „Ich habe mich hier ziemlich gelangweilt, ich brauche das jetzt!“ Ich bleibe stur – verstehen können sie mich sowieso nicht.

Beim Rausgehen treffe ich Parker, der grinsend zu mir sagt: „Cornelia wollte sich den gleichen Hosenanzug kaufen. Jetzt ist sie froh, dass sie's nicht gemacht hat.“

„Ach jaa?“ Ich glaube, meine Stimme hört sich sehr unfreundlich an. „Gib mir die Wohnungsschlüssel, jetzt sofort, sonst mache ich hier ein Riesentheater!“ Er schaut mich verblüfft an, zieht aber einen Schlüsselbund aus der Hosentasche, nestelt daran herum - und gibt mir die Schlüssel. Endlich!

„Und jetzt die fünfzig Mark für den Blumentopf!“

Parker starrt mich fassungslos an. Doch dann bequemt er sich, seine Taxigeldbörse aus der anderen Hosentasche herauszuziehen - und überreicht mir zögernd einen Fünfzigmarkschein.

„Danke schön“, sage ich und halte mich nicht länger mit Parker auf. Der Mann ist für mich erledigt.
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Außerdem bin ich der festen Überzeugung, dass Cornelia für diesen Hosenanzug zu klein ist – mir steht er viel besser.

Und er hat meinen Karmann übern TÜV gebracht, also Parker und nicht der Hosenanzug, wir sind quitt! Ich bin fertig mit ihm.

Während der Fahrt zum Hawaii bin ich sehr schweigsam, Rupert und Betty ahnen bestimmt, dass mein Leben sich heute endgültig verändert hat, was sich bei ihnen in einer gewissen Verlegenheit äußert. Also raffe ich mich auf und mache auf lustig. Warum sollte ich meine wenigen Freunde auch noch vergraulen?

Sie schaffen mich zum Hawaii. Ich bedanke mich bei ihnen: „Ihr seid so lieb zu mir. Tut mir leid, dass ihr für mich diesen riesigen Umweg machen musstet.“

Sie fahren davon, sie wissen noch nichts von der Hölle der Zweisamkeit. Ich hoffe, sie werden sie nie erfahren. Aber die Einsamkeit alleine ist auch nicht toll, denn wie verzweifelt muss man sein, um freiwillig ins Hawaii zu gehen? Bei den beschissenen Toiletten und der beschissenen Musik!

- ** -- ** -

Das Hawaii nimmt mich zärtlich neutral in seine Arme. Es kümmert sich nicht um meine Vergangenheit und meine Probleme: Es ist eine warme Höhle, in der ich mich verkriechen und meine Wunden lecken kann, es ist so dunkel und so versteckt, dass niemand meine Verzweiflung sehen, riechen oder gar hören muss.

Aber warum bin ich so verzweifelt? Ich habe doch alles, was ich wollte, nämlich meine Freiheit von Parker. Aber die Freiheit ist kompliziert. Das Vögelchen ist gerade aus dem Käfig entflogen und weiß noch nicht, wohin der Flug geht. Und wenn schon, irgendwohin wird er schon gehen ...

Erleichtert lehne ich mich an die Theke, trinke mein Bier und überlege, ob ich tanzen soll. Jeder tanzt hier für sich allein und aus verschiedenen Gründen. Manche wollen sich einfach nur darstellen, andere tanzen aus reiner Freude an der Musik.

Ich schaue mich um. Nein, Susanne ist nicht da und auch sonst kein Bekannter.

Jemand tippt mich zart an, ich drehe mich zur Seite. Da steht ein großer bärenartiger Mann, er will mir ein Bier ausgeben. Ich nehme sein Angebot dankend an, und wir unterhalten uns ein bisschen. „Ich mag dich, du bist nett und hübsch“, sagt er.

Ich nett? Ich hübsch? Das wundert mich.
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Hätte ich nicht gedacht, dass mich jemand in diesem Zustand und mit dieser miesen Ausstrahlung überhaupt ansprechen könnte. Der Typ heißt Bernie - und im Gegensatz zu mir ist er wirklich nett - einer zu dem man sofort Vertrauen hat. Er schlägt vor, mit seinem Freund zusammen in dessen Wohnung zu gehen, um dort noch ein bisschen Heavymetal zu hören.

Auf Heavymetal steh ich zwar nicht besonders, aber er sagt, sie hätten noch Bier da. Und das brauche ich jetzt dringend. Brauche noch viel mehr Betäubung.

Als ich mit den beiden in Richtung Ausgang gehe, sehe ich an der Theke Rüdiger und Tommy sitzen. Rüdiger, Bademeister und Skilehrer, und Tommy, Ehemann mit Problemen und eigener Kneipe (Haus Dobermann). Schon könnte ich mich wieder schwarz ärgern, dass ich den beiden anderen versprochen habe, mitzugehen. Mit Rüdiger und Tommy wäre es bestimmt amüsanter.

In Rüdigers Augen sehe ich einen Funken aufglühen, der nur eines bedeuten kann: Rüdiger ist ein männlicher Kuppler, der mich mit Tommy zusammenbringen will.

„Wo ist Susanne?“, frage ich, um ihm den Kupplerwind aus den Segeln zu nehmen.

„Gerade nach Hause gegangen“, sagt Rüdiger.

„Och, schade ...“

„Und wie war's auf dem Polterabend?“ Das mit dem Polterabend hat ihm bestimmt Susanne erzählt.

„Lass mich ja in Ruhe mit dem Scheißpolterabend!“

Rüdiger grinst mich vielsagend an. „Kann ja nicht so doll gewesen sein, wenn man danach ins Hawaii geht ...“

Treffer! Tommy, der bis jetzt geschwiegen hat, muss auch seinen Senf dazugeben: „Was willst du denn mit den komischen Typen?“

„Lass es gut sein“, sage ich. „Die sind unheimlich nett. Bis demnächst mal ...“ Ziemlich voreingenommen sind die. Wie können sie so schnell andere Männer beurteilen oder gar verurteilen?

Trotzdem schade, dass ich schon was anderes vorhabe, aber ich werde das jetzt durchziehen. Wir steigen draußen in eins von den auf Fahrgästen lauernden Taxis und fahren in die Wohnung von dem Freund des Bären.

Die beiden sind wirklich lieb, Balsam für meine im Augenblick gequälte Seele – nur diese Heavymetal-Musik geht mir ganz schön auf die Nerven.

Bernie, der Bär lädt mich zu einem Heavymetal-Konzert ein, aber das lehne ich ab.
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Dann besteht er darauf, mich nach Hause zu bringen. Damit bin ich einverstanden.

Wir gehen zu Fuß. Busse fahren noch nicht, wir laufen fast eine Stunde, und ich bin fast schon wieder nüchtern. Man könnte es auch ernüchtert nennen. Vielleicht sollte ich mit ihm schlafen, sozusagen als Krönung eines grässlichen Tages, aber das kann ich nicht. Ich will es weder mir noch ihm antun.

Er darf im Wohnzimmer übernachten. Er ist der Typ, der das ganz normal findet. Auch das tut mir leid.

Am nächsten Morgen habe ich einen grässlichen Kater und fühle mich auch sonst sauelend. Beim Kaffeetrinken will Bernie mich auf seinen Schoß ziehen. Ich lasse es zwar widerwillig zu, aber es fühlt sich gut an, so tröstlich, als ob ein Vater seine kleine Tochter im Arm hält. Doch das ist nur eine Illusion. Mich kann jetzt niemand trösten – ich möchte viel lieber allein sein.

„Du hältst es vielleicht für einen Witz“, meint er, „aber ich hab mich echt in dich verknallt.“

Ich halte das wirklich für einen Witz. Ich erfinde einen Spruch und leiere ihn herunter, nämlich dass ich im Moment noch nicht in der Lage wäre, mit einem Mann etwas anfangen zu können, ich hätte nichts, überhaupt nichts, was ich einbringen könnte und so weiter. Das würde noch 'ne Weile dauern. Wie lange, wüsste ich aber nicht.

Diese verdammt hohlen Sprüche und diese nicht einzuhaltenden Versprechungen! Ich hasse mich dafür, er ist so ehrlich und so nett. Also entferne ich mich sachte aus seinen Armen.

Er lässt sich damit abspeisen, will mich aber demnächst mal anrufen. Als er gegangen ist, fühle ich mich erleichtert. Ich kann mit solch lieben netten Typen im Moment nichts anfangen. Aber womit zum Teufel könnte ich überhaupt was anfangen? Keine Ahnung. Vielleicht was mit 'nem richtigen Schweinehund?

Auch unwahrscheinlich, den hatte ich ja schon.
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Interessante Kommentare

Kommentar von "Nathanahel Compte de Lampeé" zu "Manchesmal"

... welch ein wunderschöner text ! lg nathan

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