Rilak! Ein fantastischer Roman 1.Kapitel    118

Experimentelles · Für Kinder · Romane/Serien

Von:    Irmgard Blech      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 12. Mai 2018
Bei Webstories eingestellt: 12. Mai 2018
Anzahl gesehen: 238
Kapitel: 5, Seiten: 21

Diese Story ist die Beschreibung und Inhaltsverzeichnis einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

"Rilak war eine ungewöhnlich friedfertige Ratte. Weder kämpfte sie um ihr Revier, noch um das Futter. Einmal bewahrte sie sogar ihren größten Feind, nämlich Archibald einen alten Fuchs, vor dem sicheren Tod, mit Hilfe einer gut durchdachten List. Dafür wurde sie durch jene große Macht, die über uns allen liegt, in einer warmen Vollmondnacht mit einer ungewöhnlichen Fähigkeit belohnt. Worin aber diese erstaunliche Begabung lag und bis heute noch liegt, denn diese Ratte ist unsterblich, das weiß niemand so genau."



*****



Dass jene Geschichte wahr sei und sich wirklich so zugetragen haben soll, das jedenfalls behauptete immer wieder eine wunderliche Frau mit Namen Dolores. Leute denen die verwahrloste Alte bekannt war, meinten sogar, dass Dolores in der Nähe einer großen Müllhalde gemeinsam mit unzähligen Ratten ihr kümmerliches Dasein fristen würde.

Voraussetzung dafür, dass sie ihre merkwürdigen Geschichten über Rilak zum Besten gab, wäre, dass man ihr ein kleines Fläschchen Schnaps vorbeibringt. Das löst ihre Zunge, so hieß es, denn diese Alte, sollte mürrisch sein und eigentlich nicht besonders redselig.



*



Daniela, von ihren Klassenkameraden Skipper genannt, begegnete gelegentlich, zum Beispiel wenn sie eine Abkürzung von der Schule durch den Park wählte, dieser - stets in lange wallende Gewänder gekleideten Dolores - die dann meist in den Mülleimern nach Pfandflaschen suchte. Merkwürdiger Weise kamen sich die Beiden eines Tages auch ohne Schnapsfläschchen näher. Sie wechselten zwar im Vorübergehen nur einige Worte, aber es bestätigte sich, genau das, was schon immer über Dolores gesagt worden war, nämlich, dass diese Frau doch ganz stark an die Zauberkräfte jener Wunderratte glaubte.



„Warum zaubern Sie sich dann nicht mal selber etwas ganz Tolles mit Hilfe dieser großartigen Ratte herbei?“, platzte es dann doch an einem schönen Sommertag aus Skipper hinaus. Sie war total gereizt, denn sie hatte gerade eine wichtige Klassenarbeit vergeigt. „Arm genug sind Sie ja!“, setzte sie noch hinzu. „Da dürfte Ihnen doch eine Menge einfallen! Und wo ist eigentlich dieser sogenannte Relak, ihr großartiges Stinketier, wenn sie behaupten, er bewache Sie und folge Ihnen heimlich auf Schritt und Tritt!“ Fast taten Skipper schon die Worte leid, als sie in die großen traurigen Augen der Alten sah.
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„Du magst keine Ratten!“, krächzte Dolores tief enttäuscht. „Niemand mag sie. Sie werden gehasst, so wie ich. Dabei wurden sie doch auch nur in diese Welt hinein geboren, so wie du und ich. Sie haben es sich nicht ausgesucht Ratten zu sein und außerdem stinken sie nicht.“

„Okay, ich wollte Sie nicht kränken, Dolores!“

„Das hast du nicht. Ich bin über alles erhaben!“, erklärte Dolores trotzig und kringelte sich, mit einer lässigen Bewegung, eine ihrer langen grauen Locken hinter das Ohr. „Und …sieh mal, wie sich das Gras neben mir bewegt. Das ist ganz sicher Rilak, der auf mich aufpasst, damit mir kein Leid geschieht !“



„Ich sehe keine Ratte.“, hüstelte Skipper provokativ. „Es ist nämlich nur der Wind, der über das Gras streicht!“

„Na gut“, die Alte schien noch trauriger zu werden. „Dann ist er gewiss hinter diesem Gebüsch da!“

„Wieder nichts!“, irgendwie machte es Skipper doch einigen Spaß Dolores zu ärgern.

„Naja, Rilak trägt heute nicht seinen Heiligenschein. Das macht was aus!“, versuchte sich Dolores zu trösten.

Skipper wollte nun erst recht gehässig loslachen, aber dann riss sie sich doch zusammen. „Okay, sagen wir, er hockt hinter diesem Baum da!“, machte sie jetzt einfach mit.

„Ach, du schmierst mich nur an!“, erklärte Dolores unerwartet skeptisch. „Du glaubst mir nicht! Besuche mich morgen in der Oranien Straße, direkt neben der großen Müllhalde und zwar abends, wenn es dunkel geworden ist, dann kann man Rilak auch mit seinem Heiligenschein sehen.“

„Oh, Gott!“

„Heißt das, dass du kommst?“

„Na schön, morgen ist Sonnabend. Da geh`ich ins Shirak. Das ist eine Disko, ich werde danach eine Runde drehen und auch zu Ihnen rüberkommen, Dolores!“

„Sag` ruhig DU!“

„Puh!“

„Nein, DU!“

„Okay!“, Aber insgeheim dachte Skipper, der werde ich was husten, von wegen! Wäre ja schrecklich, wenn mich die anderen Leute sehen, wie ich mich mit solch einem verkommenen Subjekt, wie diese Person, duze- na, soweit kommt`s noch!“

Doch dann verlief Sonnabendabend ganz anders als gedacht. Skipper hatte Kummer und zu viel getrunken wegen eines unbefriedigenden Diskoerlebnisses und aus einer Laune heraus hatte sie plötzlich das verrückte Bedürfnis der merkwürdigen Alten einen Besuch abzustatten.
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Vielleicht wollte sie auch nur weiter die alte Dame ärgern, oder ganz im Gegenteil sich irgendwie bei der aussprechen, weil die Eltern nie Zeit hatten und wieder nicht zu Hause waren. War es die Neugierde gemischt mit schlechter Laune? Jedenfalls drückte sie wenig später, nach kurzem Zögern die Klingel am Eingang des winzigen Laubengrundstücks. Das Gartentor war erstaunlich funktionstüchtig und öffnete sich sofort. Auch der kleine Garten wirkte sehr gepflegt. Das konnte Skipper trotz Dunkelheit sehen und vielleicht lag der gute Eindruck auch ein kleines bisschen daran, dass gerade wieder Vollmond war, und somit alles nicht so klar zu erkennen.

Knarrend öffnete sich schließlich die Tür der winzigen aber ebenfalls gepflegten Laube. Dolores erschien sofort im hellen Licht des einen Zimmers und hakte sich ohne zu fragen bei Skipper unter. „Komm“, sagt sie, fast im Befehlston. „Wir gehen sofort zur Müllhalde!“

Skipper war erstaunt, trotz dieser Nähe roch Dolores kein bisschen, nicht einmal nach Alkohol. Skipper ahnte, dass sie immer voreingenommen gewesen war, wegen der bösen Gerüchte, die die Leute über Dolores verbreiteten. Sie hatte darauf geachtet stets Abstand zu der Alten zu halten, allerdings sah die so merkwürdig aus, wie immer. Das Kleid war lang, kohlschwarz und wirkte im Dämmerlicht irgendwie mittelalterlich. Es war eine wirklich auffällige Kleidung, die Dolores immer über ihren rundlichen Leib trug. Zur Feier des Tages zierte allerdings eine rote Stoffrose ihre dichten grauen Haare, die zu einem straffen Knoten zurückgebunden worden waren. Skipper trug dagegen einen niedlichen Pony und einen Pferdeschwanz, sie war sehr schlank und hochaufgeschossen und überragte Dolores um mindestens einen Kopf.



Schon standen sie vor der Halde. Hier gab es insgesamt sieben Hügel mit unterschiedlichem Müll.

„Ah, da ist er ja!“, flüsterte die Alte hocherfreut.

Skippers Blick wanderte trotzdem ergebnislos von einem der Müllberge zum anderen. Unwahrscheinlich viele Ratten waren gerade unterwegs und auf Nahrungssuche und das sah ziemlich ekelig aus.

„Und welche von diesen Abertausenden grässlicher Viecher ist nun Rilac?“, entfuhr es Skipper ungehalten.

„Pst, wir müssen sehr leise sein, damit wir ihn nicht stören!“, gemahnte sie Dolores.
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„…denn er meditiert gerade! In solchen Momenten will er eine totale Einheit mit jener Macht sein, die uns allesamt hat entstehen lassen!“

„Echt jetzt?“, Skipper musste sich sehr große Mühe geben, um nicht schon wieder in ein hämisches Gelächter auszubrechen, das ihr tief im Halse saß.

„Hier nimm das Fernrohr!“, wisperte Dolores aufgeregt. „Das habe ich neulich auf der Müllhalde gefunden.“

„Iiiihgitt!“, ist das nicht dreckig?“

„Habe es längst gereinigt!“

„WOMIT?“

„Es ist sauber. Nimm es einfach!“

„Okay! Puh!“

„Lenke nun deinen Blick zu dem allerhöchsten der Müllberge…“

„Mache ich…Ja, und da ganz oben liegt eine Taschenlampe!“

„Eine Taschenlampe? Nein, das ist Relak, der da so leuchtet! Er befindet sich ja auch in einer tiefen Verbindung mit überirdischen Wesen. Das da ist sein Lieblingsplatz, übrigens! “

„Hihi, höhö…er ist aber nur eine alte Taschenlampe, die da zufälliger Weise leuchtet, hähä…oh, puh, haha…huch?“

„Na bitte, das Licht ist aus.“, keuchte Dolores, „Die Verbindung ist unterbrochen. Hoffentlich ist er uns nicht böse, weil wir so laut gewesen sind. Da… er kommt runter! Er hat uns wohl gesehen, will höflich sein, uns begrüßen. Ja, der Kerl hat Benehmen, kommt direkt zu uns!“

Skipper wusste nicht, ob es der Alkohol war, den sie noch im Blut hatte, oder etwas anderes nicht Erklärbares, denn in dem Moment, wo diese eine Ratte - nein, es war tatsächlich keine Taschenlampe - gegen den Strom der anderen, direkt zu ihnen hinunterlief, entstand ein nahezu märchenhafte Bild vor ihren Augen. Sanfte Dunkelheit paarte sich plötzlich mit silbernem Mondlicht, ließ die vielen grauen Rattenrücken funkeln, wie edle Nerze und die hässlichen Abfälle seltsam bizarr zu einer atemberaubenden Landschaft werden.

Die Ratte stoppte direkt vor Dolores und Skippers Füßen, setzte sich auf die Hinterbeine und hob ihre spitze Nase schnüffelnd zu ihnen empor. „Relak“, meinte Dolores mit sanfter Stimme. „Das Mädchen neben mir heißt Skipper und mag keine Ratten. Würdest du sie bitte zum Gegenteil hin überzeugen?“

Ehe es sich Skipper versah, war Relak schon an ihrem Hosenbein hinaufgeklettert.
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Skipper ekelte sich derart vor Relak, dass sie hüpfend und laut kreischend versuchte die Ratte von sich abzuschütteln. Sie beruhigte sich erst, als sie merkte, dass Relak weder biss noch stank. Doch er hielt sich mit seinen kleinen rosa Pfoten an ihr fest, wie etwa ein Jockey auf einem bockenden Pferd.

Schließlich wagte Skipper es doch, einen Blick auf die Ratte zu werfen, die nun auf ihrem Unterarm hockte. Dabei vermied sie es auf den hässlichen kahlen Schwanz zu schauen und starrte nur in diese Augen. Sie funkelten wie zwei kostbare kleine Perlen in diesem Tiergesicht. Eigentlich sah Relak wie ein graues Meerschweinchen aus - nur etwas schlanker. Er hatte auch dasselbe entzückende Schnäuzchen und auch sehr ähnliche rosa Ohren. Skipper hatte sich eigentlich schon immer ein Tier zu besitzen gewünscht, aber ihre Eltern hatten ihr immer gesagt, dass ein Tier einfach nicht in so eine elegante Villa passen würde, so wie sie eine hätten.

Vorsichtig und nur mit einem Finger strich sie nun über das seidenweiche Fell des kleinen Tiers. Es fühlte sich wunderbar an. „Relak!“, sagte Skipper schließlich leise zu ihm. „Willst du mein Freund sein!“ Relak krabbelte etwas höher bis zu Skippers Schulter und dann stupste seine rosa Nase gegen Skippers Wange.

„Er hat ja gesagt!“, behauptete Dolores fast ehrfürchtig. Man merkte ihr an, dass sie nach wie vor unglaublich viel von Relak hielt. „Und ich denke, er hat noch so Einiges mit dir vor! Ich muss ihn dir überlassen, er hat mir sehr geholfen und ich nehme an, dass du ihn inzwischen mehr brauchst als ich. Aber was von nun auch immer geschehen wird, vergiss nie, dass er kein gewöhnliches Tier, sondern eine Zauberratte ist.“

Fortsetzung folgt:
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Punktestand der Geschichte:   118
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