Vom Vogel, der ein Mensch sein wollte - Teil 7   39

Nachdenkliches · Romane/Serien

Von:    Homo Faber      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 30. August 2013
Bei Webstories eingestellt: 30. August 2013
Anzahl gesehen: 969
Seiten: 3

Sie betraten das Haus.

„Hier im Wohnzimmer hinter dem Bücherregal ist der Tresor“, erzählte Mark.

„Ich merke, du kannst dir deine Geschichte wirklich unmöglich ausgedacht haben, so leichtsinnig wie du bist", merkte Tim an. "Du zeigst mir, wo der Tresor ist, während der Zettel mit dem Zahlencode direkt davor liegt. Ich könnte jederzeit, wenn ich merke, dass du nicht zu Hause bist, bei dir einbrechen und dein Geld klauen. Du hast Glück, dass ich so etwas nicht mache, aber es hätte trotzdem sein können. Also: Erzähle niemand, wo der Tresor ist! Auch deiner Verabredung nicht! Und lass den Zettel mit dem Code verschwinden, merke ihn dir einfach. Gerade wenn es um Geld geht, darfst du keinem Mensch trauen.“

„Ja, okay, ich werde es mir zu Herzen nehmen. Ich bin heute übrigens schon bestohlen worden. Meine Brieftasche wurde mir von zwei Männern geklaut.“

„Das fing ja schon gut an. Trotzdem hast du offensichtlich nichts daraus gelernt.“

„Dir kann man vertrauen, denke ich.“

„Ja, kannst du, aber es hätte auch anders kommen können.“

„Ich verstehe, ich weiß, ich muss noch viel lernen.“

„Keine Sorge, das wirst du schon noch. Lasst uns mal mit dem Unterricht beginnen. Dort steht ein Fernseher. Weißt du, wie er funktioniert?“

„Ich glaube schon, ich habe es vorhin mal ausprobiert.“

„Gut, das ist ja schon mal was. Wollen wir uns den Computer mal ansehen?“

Sie gingen nach oben in das Zimmer, in dem sich der PC befand. Tim schaltete ihn ein. Schritt für Schritt erläuterte er Mark die wichtigsten Funktionen. So zeigte er ihm, wo welche Programme zu finden waren und was man damit machen konnte. Er erklärte ihm, wie man mit Word einen Brief schreibt, verschiedene Schrifttypen auswählt und die sonstigen Einstellungen. Mark war sehr fasziniert und konnte alles problemlos nachvollziehen. Er probierte das Programm selbst auf und stellte erfreut fest, dass er nicht nur lesen, sondern auch problemlos schreiben konnte. Er brauchte zwar etwas, bis er die Buchstaben auf der Tastatur fand, wodurch das Tippen länger dauerte, aber Hauptsache, es klappte.

Danach stellte Tim ihm das Internet vor. Mark war erstaunt, was man alles mit dem Internet machen konnte und dass man nahezu jede Information dort bekam.
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„Wir sollten für dich vielleicht eine Emailadresse einrichten“, schlug Tim vor. „Weißt du eigentlich, wie du mit Nachnamen heißt?“

„Leider nicht, ich weiß noch nicht einmal, ob ich überhaupt einen habe. Den Namen „Mark“ habe ich mir auch selbst gegeben.“

„Hast du keinen Ausweis bekommen?“

„Was ist das?“

„Das ist ein Papier, wo drin steht, wie du heißt, wo du wohnst und so weiter.“

„Das weiß ich nicht. Vielleicht hatte ich so etwas in meiner Brieftasche, aber die ist ja gestohlen worden.“

„Na ja, nicht dass du deiner Verabredung einen falschen Namen gesagt hast“, lachte Tim. „Na gut, dann müssen wir uns einen Namen für dich ausdenken. Normalerweise sollte man für eine seriöse Emailadresse seinen richtigen Namen nehmen. Aber wenn man sie nur für Freunde verwendet, kann man auch einen Spitznamen wählen. Wir könnten ja den Namen Birdy nehmen, Birdy@web.de.“

„Was bedeutet Birdy?“

„Bird ist die englische Bezeichnung für Vogel.“

„Ok, das gefällt mir.“

Tim prüfte, ob dieser Name für eine Emailadresse verfügbar war, was auch der Fall war und richtete für Mark eine Emailadresse ein. Danach erklärte er ihm, wie er sich dort anzumelden habe und eine Email schreiben konnte.

„Vielen Dank“, bedankte sich Mark erfreut.

„Dann brauche ich noch einen Rat, was ich heute Abend anziehen muss. Ich habe eine große Auswahl in meinem Schrank.“

Beeindruckt begutachtete Tim alles und stellte Mark anschließend die verschiedenen Kleidungsstile mit Namen vor und erläuterte ihm auch, was man zu welcher Angelegenheit zu tragen hatte.

„Also heute Abend kannst du zwar einen Anzug mit Krawatte tragen, musst du aber nicht. Das musst du erst in einem Nobelrestaurant ab vier Sternen. Eigentlich kannst du das anlassen, was du gerade trägst, es sieht ordentlich aus. Aber wenn du etwas eleganter aussehen möchtest, ziehe dieses schwarze Jackett und ein schwarzes T-Shirt darunter an. Das wäre genau passend. Wie alt ist deine Verabredung eigentlich?“

„Ich weiß es gar nicht, ich habe von so etwas gar keine Ahnung.“

„Weißt du denn, wie alt du bist?“

„Nein.
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„Also, ich würde dich auf Anfang 30 schätzen. 32 ungefähr. Ich bin 42, damit du einen Vergleich hast.“

„Und wie groß bin ich ungefähr?“

„Wir sind beide ungefähr gleich groß, ich bin 1,82 m, dann müsstest du auch ungefähr so groß sein. Das entspricht dem Mittelmaß bei Männern. Bei Frauen ist der Durchschnitt etwa 1,70.“

Mark fühlte sich schon viel sicherer und hatte in der kurzen Zeit sehr viel gelernt.

„Vielen Dank, du hast mir sehr geholfen. Jetzt möchte ich dir aber dafür Geld geben. Du hast ja nun schließlich geholfen und das ist doch auch Arbeit.“

„Nein, ich habe ja nicht viel gemacht und außerdem hatte ich mal Abwechslung“, lehnte Tim ab.

„Dann mache ich dir einen Vorschlag. Ich muss ja trotzdem noch viel lernen, ich mache dich zu meinem Berater und bezahle dich dafür.“

„Ich kann dir helfen, aber ich nehme kein Geld dafür.“

„Dann zieh doch einfach hier ein. Das Haus ist groß genug.“

„Nein, du kennst mich nicht. Regel Nr. 3: Nehme niemals einen Menschen auf, den du gerade erst kennen gelernt hast. Genieße das Allein leben.“

„Aber irgendwie möchte ich mich erkenntlich zeigen.“

„Na gut. Vielleicht kannst du mich ja alle paar Tage mal bei dir duschen lassen und mich vielleicht hin und wieder mal meine Kleidung waschen lassen.“

„Ja, aber natürlich, das ist kein Problem“, antwortete Mark. Er war richtig glücklich, einen neuen Freund gefunden zu haben.
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Punktestand der Geschichte:   39
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Kommentare zur Story:

  Hin und wieder begegnet man doch mal einem
netten Menschen.  
   Homo Faber  -  04.09.13 14:03

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  wie schön: der tim ist ja ein richtig netter, obwohl er ein mensch ist. ;-)
ich mag deine story!  
   Ingrid Alias I  -  31.08.13 16:45

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