Erotisches · Romane/Serien

Von:    rosmarin      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 15. März 2013
Bei Webstories eingestellt: 15. März 2013
Anzahl gesehen: 1686
Seiten: 8

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


24. Kapitel

_________________

Zwei Tage später rief Matthias an.

„Es tut mir so leid Crysella“, sagte er, „dass wir uns nicht mehr sehen. Ich habe solche Sehnsucht.“

„Ich auch“, sagte ich und dachte an die Liebesnacht mit Will. „Ich habe mir so oft vorgestellt, wie es wäre, wenn wir es wieder täten.“

„Crysella“, stöhnte Matthias, „sag mir nicht solche Sachen. Du weißt, ich kann mich dann nicht mehr beherrschen.“

Aha. Matthias war wieder sehr erregt. Wie immer, wenn wir telefonierten. Allerdings müsste er jetzt im Krankenhaus sein. Bestimmt hatte er gerade Pause und telefonierte aus dem Ärztezimmer. Vielleicht auch vom Frauenruheraum aus. Bei dieser Vorstellung musste ich lachen. Nach Matthias‘ Information war der Frauenruheraum meistens unbesetzt.

Ich stellte mir Matthias auf der Liege vor. Mit geöffneter Hose. Den Hörer in einer Hand, in der anderen seinen immer größer werdenden Penis.

„Sag was, Crysella“, stöhnte Matthias heftiger, „ich mag deine Stimme.“

„Machst du es dir?“

„Das weißt du doch.“

„Ich würde dir ja gern die Arbeit abnehmen.“

„Dann tu es.“

„Aber gern. Immer zu Diensten.“

„Sprich weiter! Bitte! Sag was Geiles. Was Obszönes!“

„Fick dich.“

„Mach ich doch.“

„Fick mich.“

„Oh, oh, oooohhh … liebend gern. Weiter.“

„Schit.“ Ich hatte genug von dem Geplänkel und Gestöhne am Telefon und sagte: „Das ist mir echt zu blöd, Matthias. Entweder richtig oder gar nicht. So ein Gestümpere mag ich nicht. Du weißt, wie ich es will.“

„Gut“, stimmte Matthias bereitwillig zu und hatte wieder eine ganz normale Stimme. „Ich lass mir was einfallen. Wir müssen zueinander kommen. So geht das nicht weiter. Ich bin kein Mensch mehr. Ich will dich spüren. Und zwar von innen.“

„Liebend gern Herr Doktor“, lachte ich, „melden Sie sich wieder, wenn Sie ein Mensch sind und einen Plan haben.“

Irgendwie ging mir die ganze Matthiasbrigittchensache auf die Nerven. Ich hatte keinen Bock mehr auf diese Mätzchen. Schon gar nicht, nachdem ich wieder mit Will geschlafen hatte.
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Hätte mich Matthias davor angerufen, hätte ich es ganz gern mal wieder mit ihm getrieben. Zumal der Sex mit ihm ja ganz anders war als der mit Will. Heftiger. Extremer. Und es war Schmerz dabei. Schmerz, der mich meine Grenzen spüren ließ. Wie bei Manfred und Luzifer. Außerdem hatte ich mich mit Rudi verabredet. Und Vollmond war auch. Da könnte es gefährlich für ihn werden. Für mich allerdings auch. Denn schon verspürte ich die Lilithenergien und das erotische Kribbeln in meinem Unterleib sich verstärken.

„Ich lass mir was einfallen”, wiederholte sich Matthias.

Es machte Klick. Matthias war weg.



*



Am Abend stand ich nach langer Zeit wieder in Rudis kleinem Flur. Dann im Wohnzimmer. Und hier dominierte wie eh und je das breite Bett mit dem rot karierten Bettzeug. Und die farblich undefinierbaren Vorhänge verbargen wie immer die zwei wohl noch nie geputzten Fenster.

Rudi folgte meinem vorwurfsvollen Blick.

„Du weißt doch“, sagte er, „ich kann halt kein Sonnenlicht im Zimmer vertragen.“

„Ich weiß“, sagte ich, „ich habe ja gar nichts gesagt. Und die Sonne auf der Straße meidest du auch. Akzeptierst sie nur am Meer. Wenn überhaupt.“

„Wie wahr.“

Neben dem Bett standen vor dem alten kleinen runden Tisch der alte Stuhl und der alte Stuhlsessel mit dem zerschlissenen samtroten Bezug. In der Ecke rechts an der Wand neben der Tür protzte der kalte gelblichweiße Kachelofen. Auf der Kommode daneben stapelten sich Rudis Heiligtümer: Geschichten, Gedichte, Songtexte, Fotos, Briefe. Geheimnisse. Das ganze Zimmer schien ein einziges Geheimnis.

Über die Drogenparty verlor Rudi kein Wort. Erkundigte sich nicht einmal nach meinem Ergehen. Dieser Egomane.

Gebannt starrte ich in Rudis wasserblaue Augen. Das Geheimnis zwischen uns war auch ein Geheimnis. Das hoffte ich zumindest. Er würde bestimmt niemandem erzählt haben, dass ich nicht erpicht war auf seinen schönen weißen Schwanz. Und ich hatte auch ein Geheimnis. Das Lilithgeheimnis. Und das würde Rudi nie erfahren.



Ich musste plötzlich an Georg MacDonald denken, diesen großen englischen Schriftsteller der viktorianischen Zeit. Er gilt als der Begründer des fantastischen Romans.
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Im Jahre 1895 veröffentlichte er seinen letzten Roman. Lilith. Sie gelangt durch einen Spiegel in ein mystisches Reich voller Geister und grotesker Erwachsener. Genau wie ich. Und ich, Crysella, bin dieser Lilith begegnet. Und zwar, bevor ich durch den Spiegel getreten bin. Sie ist zu mir gekommen. Diese Dämonin. Diese Schwarze Mutter. Diese Frau, die mich gelehrt hatte, mich nicht von den Männern abhängig zu machen, sondern ich selbst zu sein. Eigenständig in meinem Denken und Handeln. Lilith, die geheimnisvolle dunkle Mondgöttin. Symbol für die verborgenen Aspekte des menschlichen Daseins. Unser Schatten, den wir uns bewusst machen müssen, um zur Ganzheit zu gelangen. Lilith. Das Namenlose. Das nicht mit rationalen Begriffen Fassbare. Ein Etwas, das tief in der menschlichen Seele schlummert und das weibliche Prinzip verkörpert. Eine Rachegöttin, wenn wir das Weibliche in uns unterdrücken. Das zumindest hatte mich Seth gelehrt. Wenn wir nicht die zerstörerischen weiblichen Urkräfte des Unbewussten heraufbeschwören wollen, müssen wir unseren Gefühlen den Raum in unserem Leben zugestehen, der ihnen gebührt. Um das zu begreifen, musste ich all dem Dämonischen begegnen, dem ich begegnet war.



„Tritt hindurch“, erinnerte ich mich Liliths' Worte. „Die Wahrheit liegt hinter dem Licht.“



Mutig war ich hindurch getreten. Hatte den Spiegel zertrümmert, mit dem Fuß dagegen gestoßen, Lilith sich auflösen sehen im Kaleidoskop der tausend Scherben im flimmernden Licht des Mondes. Und das, was ich seitdem erlebt hatte, war keine Ausgeburt meiner Fantasie. Kein Traum. Es war die Realität. Mit Hilfe des Spiegels war ich in ein mystisch mythisches Reich gelangt. Göttern und Teufeln begegnet. Seth, meinem Nachtgemahl. Horus, dem Vampir, der mich zur Vollmondvampirin gemacht und Luzifer, der schöne Sohn Gottes, der in echt ja der Frontmann von der Band Luzifer war, mit dem ich eine wilde Fesselnacht verbracht und am nächsten Tag meinen Schwur geleistet hatte.



*



In jeder Vollmondnacht werde ich die Lust und die Qual, die Luzifer mir bereitet hat, weitergeben. Verdammt mich nicht. Ich werde den Männern ungeahnte Lust bereiten. Ihre Retterin werde ich sein. Ihre Göttin einer Nacht und sie entschweben lassen auf dem Gipfel ihrer Ekstase in himmlische Sphären, um sie dann in die Hölle zu stoßen.
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*



Ich war Isis auf dem schwarzen Kreuzstein begegnet. Und Lilith, die sich geopfert hatte. Den Satansanbetern. Dem Hohepriester. Der Hexe Vanessa, deren Ring ich noch immer trug. Den grotesken Männern Otto und Manfred, die ich getötet und deren Penisse abgesäbelt hatte. Übriggeblieben waren Matthias und Will und Rudi. Und natürlich Ricardo, dieser Saukerl, der spurlos verschwunden war. Wo steckte der nur? Ach, ja. Der hing ja am Himmel. Wie Thoth. Und da war noch Helli. Mit dem Kind im Bauch. Wieder glaubte ich, meine Hand in Hellis warmes gewölbtes Fleisch krallen zu müssen hin zu dem ungeborenen Kind. Ich würde es schützen müssen mit dem Amulett der drei Engel. Mein Gott! Warum glaubte mir Helli nicht? Warum stempelte sie mich als Spinnerin ab? Als arme Irre? Rudi würde mir auch nicht glauben. Also würde ich dieses schrecklich aufregende Geheimnis für immer in mir selbst bewahren müssen. Dieses Lilithgeheimnis.



Diese Bürde erschien mir auf einmal riesengroß. Zu groß. Ich wusste, dass ich daran zerbrechen könnte und seufzte tief auf.

„Ist was Crysella?“, riss mich Rudi aus meinen unguten Gedanken.

„Nein, was soll sein?“, beruhigte ich Rudi.

Von den weißgrauen Wänden lächelten die mir bekannten Fotos. Daphne, Daphne und Rudi. Rudi und sein Sohn. Der Sohn allein als kleiner Junge. Rudi, Daphne und der Sohn. Plakate von den Stones und Bob Dylan. Rudis großer Liebe.

„Schwärmst du noch immer von ihm?“ Ich legte mein Gesicht auf Bob Dylans. "Dem großen Meister?“

„Ja“, schwärmte Rudi, „niemals werde ich das Konzert vergessen, auf dem ich ihm begegnet bin. Von Angesicht zu Angesicht. Stell dir das mal vor.“

„Und er nichts von dir wissen wollte“, erinnerte ich. „Nichts war mit großer Liebe.“

„Das ist mir egal.“ In Rudis Augen vereinigten sich Trauer und Schmerz. „Meiner Liebe zu ihm tut das jedenfalls keinen Abbruch“, sagte er leise. „Sie ist unendlich. Und währet ewiglich. Und ich werde ihm noch mehr Texte widmen.“

„Und nach seiner Musik singen und spielen“, lachte ich.
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„Ja, mach das, wenn es dich erleichtert und ihm näher bringt.“



Über Rudis Bett hing die alte Trommel. In der Ecke dem Bett gegenüber ruhte in einem großen hölzernen Kasten seine teure geliebte Gitarre wie in einem Sarg.

Nichts hatte sich verändert. Nichts. Und ich war verkorkst.

„Ich hoffe, du hast mir meinen kleinen Ausrutscher von damals verziehen“, sagte Rudi, als könne er Gedanken lesen. „Es hatte mich übermannt.“

„Übermannt.“

Also hatte er es nicht vergessen. Übermannt. Ich lachte. Rudi würde noch sein blaues Wunder erleben. Es könnte ja sein, dass es mich überfraute. Überlilithte.

„Wie sinnig“, sagte ich, „klar habe ich dir verziehen. Und meine kleine Weigerung wird deinem schönen weißen Schwanz ja wohl nicht die Standfestigkeit geraubt haben?“

„Das nicht“, sagte Rudi, „aber eine Erfahrung wert wäre es doch wohl gewesen? Derer kann man ja nicht genug machen in seinem kurzen Leben.“

„Das stimmt“, stimmte ich zu, „aber damals war ich noch nicht soweit.“

„Und jetzt?“ Rudi sah mich begehrlich an. „Ich hätte schon Lust.“

„Mal sehen“, sagte ich, „aber erst die Arbeit. Dann das Vergnügen. Ich sollte doch deine Sachen noch mal durchsehen.“



Ich setzte mich auf den alten Stuhlsessel. Vielleicht würde ich es ja wissen wollen. Ich war ja nicht mehr das dumme naive Ding. Ich war Lilith. CrysellaLilith. Und ich bestimmte, was, wann und wo geschehen sollte.

Lasziv schlug ich meine Beine mit den schwarzen Netzstrümpfen und den roten High Heels übereinander und genoss Rudis schmachtende Blicke.

„Und?“, fragte ich, „gefällt dir, was du siehst?“

Rudi wurde puterrot, ging schnell in die Küche, kam mit einer Flasche süßen Wein für mich und einigen Flaschen Bier für sich zurück und setzte sich auf den alten wackligen Stuhl vor dem kleinen runden braunen Tisch mir gegenüber.

„Weißt du was Crysella?“

„Nein. Du?“

„Nein.“

Wir tranken und lachten übermütig

„Also, dann wollen wir mal. Wo hast du deinen Lappi versteckt?“, fragte ich nach einiger Zeit, „getrunken haben wir ja nun genug.
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“ Ich erhob mich kichernd. „Obwohl ich ja nichts vertrage. Ich habe jetzt schon einen Schwips. Und das nach der Drogennacht voriger Woche. Wenn das Will wüsste.“

„Will?“

„Ja. Will. Ich bin jetzt wieder mit Will zusammen.“

„Wenn das mal gut geht.“

„Geht es. Und ich habe ihm versprechen müssen, keine Drogen mehr zu konsumieren.“

„Wir konsumieren hier keine Drogen.“

„Aber Alkohol. Und das sind auch Drogen“, lachte ich anzüglich. „Und du, mein lieber Freund Rudi, stehst dauernd unter Drogen.“

„Und du quasselst dummes Zeugs“, sagte Rudi ungehalten.

„Und ich will lesen, was du Neues fabriziert hast“, lallte ich. "Deshalb bin ich ja hier.“

„Ich habe mir was anderes überlegt.“ Rudi stand ebenfalls auf. „Etwas viel Besseres.“

„Was denn?“

„Ich brauche jetzt Zigaretten und neues Bier.“



*



In Rudis Lieblingskneipe gleich um die Ecke setzten wir uns an die Theke auf hohe Hocker.

Rudi trank Bier. Ich Kirschlikör. Und je mehr wir tranken, desto mehr redeten wir. Und wie es immer war in solchen Situationen, waren wir auch jetzt wieder bei unserem Reizthema angelangt. Die entschwundene DDR.

„Ein Land des verlorenen Lächelns sind wir jetzt.“ Ich schaute Rudi herausfordernd an. Doch der schwieg verbockt. „Sieh dich doch mal um“, provozierte ich, „die Menschen haben tatsächlich das Lächeln verloren.“ Ich stupste Rudi derb in die Seite. „Sitz doch nicht so stupide hier rum. Wo ist es. Sag mir, wo ist es hin?“ Wütend sprang ich von meinem Hocker. „Alle mal her hören!“, schrie ich. „Ich sing euch ein Lied!“

Die wenigen Leute an den Tischen und die zwei Kellner am Tresen schauten erstaunt zu uns. Ich stellte mich in Positur.

„Los Rudi, begleite mich“, forderte ich, „hau in die Seiten!“

Verdutzt stimmte Rudi seine Gitarre, die er noch schnell von ihrem Sarg befreit hatte. Ohne sie ging er nie aus dem Haus.

„Was willst du denn singen?“

„Sag mir, wo die Blumen sind.“

Kaum, dass Rudi angestimmt hatte, fiel ich ein:



Sag mir wo die Blumen sind

Wo sind sie geblieben

Sag mir wo die Blumen sind

Was ist gescheh‘n

Sag mir wo die Blumen sind

Mädchen pflückten sie geschwind

Wann wird man je versteh‘n

Wann wird man je versteh‘n



„Weiter!“, grölten die Leute.
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„Die zweite Strophe!“



Sag mir wo das Lächeln ist

Wo ist es geblieben

Sag mir wo das Lächeln ist

Wo ist es hin

Sag mir wo das Lächeln ist

Hast du es aufgeschrieben

Was ist gescheh‘n

Wann wird man je versteh‘n



„Crysella, hör auf!“, unterbrach mich Rudi ungehalten. „Schrei doch hier nicht so rum. Wir sind doch nicht alleine hier.“

„Ja, ja“, ließ ich mich nicht beirren, „alle sitzen stumm und vergrämt auf ihren Bänken. In der Bahn, meine ich.“

„Weiter! Weiter!“, riefen die Gäste und klatschten wie verrückt.

„Hörst du, Rudi? Also spiel weiter.“



Rudi griff wieder in die Seiten. Ich grölte mehr als dass ich sang:



Sag mir wo die Blumen sind

Wo sind sie geblieben

Sag mir wo die Blumen sind

Was ist gescheh‘n

Sag mir wo die Blumen sind

Mädchen pflückten sie geschwind

Wann wird man je versteh‘n

Wann wird man je versteh‘n



„So, das reicht. Danke für den Applaus.“

Ich setzte mich wieder auf den Barhocker.

„Und Arbeitslose und HartzVierempfänger gab es auch nicht“, sagte ich trotzig zu Rudi.

„Ein verbrecherischer Nazistaat war es.“ Rudis blaue Augen schossen Blitze. „Was willst du nur? Du warst doch fast noch ein Kind.“

„Und wenn schon.“

„Und doch war deine DDR ein verbrecherischer Nazistaat“, blieb Rudi stur.

„Meine Kindheit. Mein Kloster. Und du bist abgehauen.“

„Und du bist ein unbelehrbarer Dickkopf.“

„Danke. Dito.“



Ich lachte boshaft. Immer wieder diese Dispute. Doch sie schmälerten nicht meine Freundschaft zu Rudi. Wenn er meinte, die DDR sei „mörderisch" gewesen, wird er seine Gründe dafür haben, dachte ich versöhnlich.
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Sollte er doch weiterhin darüber schreiben, wenn es ihn erleichterte, er sich seine für mich nicht nachvollziehbaren Aggressionen von der Seele schreien. Ich jedenfalls konnte so eine schwarzweiß Malerei nicht verstehen. Die DDR hatte auch ihre guten Seiten. Das System an sich hatte wohl nichts getaugt. Es hatte sich selbst aufgefressen, weil die Regierung die Kontrolle verloren hatte.



Und doch, wo ist die Alternative zum Kapitalismus, der ja auch nichts taugt, dachte ich, während ich mich in meinen schwarzen Mantel hüllte. Wie würde es wohl in hundert Jahren aussehen. Würden dann Sozialismus und Kommunismus noch einmal auferstehen? Unter anderen Voraussetzungen natürlich. Würde dann die Zeit reif sein? Oder sich der Kapitalismus gar mit dem Kommunismus vermählen? So wie ich mich mit Lilith durch den Schwesternkuss, den Kuss des Todes, vermählt hatte? Vielleicht würde das in einem vereinten Europa gar nicht mehr nötig sein. Wenn alle Gegensätze vermischt, ja, ausgeglichen sein werden?

‚Unsinn‘, widersprach ich mir selbst, ‘Gegensätze werden nie ausgeglichen werden. Sie werden sich eher noch verstärken. Der Mensch ist kein friedliches Wesen. So sehr er auch rhetorisch danach trachtet. Die Menschen zerstören in ihrer unbarmherzigen Selbstsucht und Machtgier den wunderschönen blauen Planeten. Die Erde. Und damit sich selbst.‘

Es war müßig, darüber nachzudenken. Und ein weites Feld. Wie Fontane sagte. Und der Grass. Aber Fontane hat es zuerst gesagt. In der Effi Briest.

Ach, weg damit. Gesellschaftsordnungen kommen. Gesellschaftsordnungen gehen. Und der Einzelne muss sie hinnehmen, ob es ihm nun passt oder nicht.

Ich musste mit dem Heute leben. Das Beste daraus machen. Ich war kein nostalgischer Mensch, jedenfalls nicht, was die Politik betraf.

„Auf unser Wohl Rudi“, sagte ich, „lassen wir die alten Geschichten. Das einzig Wahre ist die Liebe.“

„Der Sex“, sagte Rudi. „Ich muss mal wohin.“ Er stieg von seinem Hocker. „Und dann muss ich in meine Bude. Hab heute Nacht noch was vor.“

„Was denn?“

„Das erzähle ich dir später.“

„Dann komm ich noch mal mit zu dir.“

Rudi verschwand aufs Örtchen.
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Sein Bier wegbringen.

Ich bezahlte. Rudi war ja der arme Dichter, der immer ein Loch im Portmonee hatte.





***





Fortsetzung folgt
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  Irgendwie verstehen sich Rudi und Crysella doch recht gut, obwohl Crysella keine sexuelle Zuneigung für Rudi empfindet, versucht er doch sie rumzukriegen. Vielleicht gelingt ihm das in irgendeiner Weise, denn Crysella ist eine neugierige Natur.  
   Else08  -  16.03.13 20:33

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