Erotisches · Romane/Serien

Von:    rosmarin      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 24. Februar 2013
Bei Webstories eingestellt: 24. Februar 2013
Anzahl gesehen: 1383
Seiten: 9

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


14. Kapitel

_________________

„Was war denn los mit dir?“, fragte Matthias am Telefon. „Warum bist du denn so Hals über Kopf davon gestürzt. Es war doch so schön aufregend.“



Schön aufregend. Stimmt. Aber ich konnte ihm doch nicht sagen, dass Lilith gerade im Begriff gewesen war, wieder verrückt zu spielen. Dass der Vollmond bald der Vollmond sein und er dann vielleicht der dunkeln Mutter zum Fraß hingeworfen werden würde. Er hätte mich doch für wahnsinnig gehalten und schleunigst das Weite gesucht. Und das wollte ich auf keinen Fall riskieren. Dazu war der Sex mit ihm tatsächlich zu aufregend und zu schön gewesen.



„Ach nichts“, erwiderte ich, „ich war nur müde. Es war halt zu aufregend mit dir.“

„Zu?“

„Zu.“

„Wart‘s nur ab“, sagte Matthias, „das war erst der Anfang. Was meinst du, was ich für Fantasien habe.“

„Fantasien?“, provozierte ich.

„Ja. Und alle betreffen dich und mich. Mann, bin ich verrückt nach dir.“

„Kleiner Spinner!“

„Großer Spinner“, lachte Matthias, „ich könnte mir in jeder freien Minute einen runterholen, wenn ich an dich denke.“

„Hebe es lieber für mich auf“, schlug ich vor.



Wir schwatzten noch eine Weile dummes Zeugs, lachten und verabredeten uns dann für den Abend in der Fischerkneipe an der Jannowitzbrücke.



Matthias verdrückte ein Putenschnitzel, ich aß eine Fischpfanne. Ich trank süßen Wein. Er bitteres Weizenbier.

„Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie es in mir kribbelt“, sagte Mattias, während seine blauen Augen mich fast durchbohrten, „alles in mir ist in Aufruhr. Ich kann mich auf nichts mehr konzentrieren, jeder Gedanke gilt nur dir.“

Matthias rückte ganz nah an mich heran. Seine Hand fuhr in meinen Slip. Ich schloss erregt die Augen. Nicht denken. Fühlen. Die Hand war so vertraut. So zärtlich. So fordernd.

„Geil“, flüsterte Matthias, „würdest du mir einen Gefallen tun?“

„Jeden“, flüsterte ich und presste meine Schenkel fest zusammen.

„Zieh deinen Slip aus“, sagte Matthias im Machoton, der so gar nicht zu ihm passte und mich köstlich amüsierte.
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„Nein!“, lachte ich und hielt seine Hand mit meinen Muskeln fest.

„Bitte Crysella.“

„Nein“, sagte ich, „wenn hier was geschieht, geschieht es, weil ich es will. Also mach so weiter.“



Wir saßen in einer lauschigen Ecke, die durch Blumenranken vor neugierigen Blicken geschützt war. Zwei Kellner an der Theke unterhielten sich angeregt. Wenn sie wollten, konnten sie uns sehen. Doch das störte uns nicht.

Aus den Boxen an den mit Fischerbildern und Fischerutensilien geschmückten Wänden drang leise Musik. Matthias gehorchte und machte so weiter. Ich schloss wieder meine Augen und genoss freudig Matthias‘ virtuoses Fingerspiel. Er spielte wie auf einer Geige, einer Stradivari, verspielte sich ab und zu, rutschte etwas tiefer und begann von Neuem.



„Ricardo“, stöhnte ich, „Ricardo…“

„Crysella?“

„Verschwinde“, zischte ich böse.

„Warum denn? Gefällt es dir nicht?“



Erschrocken öffnete ich die Augen.

„Sorry, ich meine nicht dich“, sagte ich und legte Matthias‘ Hand wieder auf die frisch gestimmte und geölte Geige.

„Ist hier noch jemand?“ Matthias sah sich suchend um. „Vielleicht der da hinten? Oder der mit dem Bauch?“

Wir lachten und küssten uns.

„Ich mache, was du verlangst“, sagte ich, „aber du musst mir helfen.“



Matthias verstand sofort. Er nahm das Messer von seinem Teller, ließ es fallen, kroch unter den Tisch.

Ich zog das Tischtuch etwas weiter zum Boden, sodass Matthias vollständig verdeckt war.

Langsam zog er mir den Slip aus. Ich spürte seine Finger an meiner Öffnung und gleich darauf meinen Kitzler in seinem Mund. Ich rutschte etwas tiefer in meinen Stuhl, sodass Matthias mehr Spielraum hatte und intensiver saugen konnte. Mit Gewalt unterdrückte ich mein Stöhnen, bemühte mich bewegungslos auf meinem Stuhl sitzen zu bleiben. Mit Blick zur Theke. Die beiden Kellner schauten unverwandt zu mir und lächelten. Bestimmt wussten sie, was da unter dem Tisch geschah. Ich lächelte frech zurück. Matthias schmatzte und stöhnte leise. Gekonnt leckte und saugte er mich bis zum Orgasmus.
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Als er merkte, dass ich es nicht mehr aushielt, drückte er meine Beine zusammen und wartete, bis ich mich etwas beruhigt hatte. Ich setzte mich wieder gerade auf den Stuhl und ließ entspannt die Nachwellen durch meinen Körper sausen.

„Wahnsinn“, sagte Matthias aufgeregt, „darf ich den Slip behalten?“

„Aber gern.“

Matthias verstaute meinen feuchten Slip in seiner Handgelenktasche. „So trage ich deinen Duft immer bei mir“, sagte er und küsste mich wieder. „Zahlen!“, rief er den Kellner.

Matthias zahlte. Der Kellner legte seine Visitenkarte schnell unter meinen Teller. Matthias hatte es nicht bemerkt. Ich lächelte den Kellner hungrig an.



*



Wenig später standen wir wieder auf der Jannowitzbrücke. Diesmal auf der anderen Seite. Hand in Hand schauten wir in das Wasser. Ein Dampfer legte gerade an. Eine Unmenge Menschen strömten aus dem Luxusding. Sehnsüchtig sahen wir dem Treiben zu.

„Ein andermal fahren wir mit.“

„Versprochen?“

„Versprochen.“

„Es laufen Schauer über meinen Rücken“, sagte Matthias, „ich muss aufpassen. Sonst bekomme ich Probleme.“

„Was für Probleme?“

„Ich habe Angst, mich in dich zu verlieben.“ Matthias nahm mein Gesicht in seine Hände, küsste mich lange und zärtlich. „Oh, Mann“, stöhnte er, „das ist der reinste Wahnsinn.“



Ich erwiderte Matthias‘ Küsse nicht. Ich hatte mich in der Gewalt. Wollte mich ja zurückhalten.

Der Spiegel muss randvoll sein.

Er war es nicht. Noch war Ricardo in mir. Auch wenn ich mich den fleischlichen Lüsten mit Seth und Luzifer hingegeben, mit ihnen in Wonne geschwelgt hatte. Und besonders mit Matthias. Die Visitenkarte des Kellners fiel mir ein. Ob ich auch mit ihm? Schon bei diesem Gedanken fuhr das erotische Kribbeln durch meinen Körper. Ich seufzte und drückte meine Unterleibsmuskeln fest zusammen.



„Denkst du an vorhin?“ Matthias legte eine Hand fest auf meine Brust. „Noch jetzt habe ich den Geschmack in meinem Mund. Den Duft in meiner Nase.“

Matthias zwirbelte fest meine Brustwarze. Küsste mich wieder. Das Ziehen in meinem Unterleib wurde unerträglich.
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Am liebsten hätte ich es auf der Stelle getrieben. Hier auf der Brücke. Vor allen Menschen.

„Verlieben ist nicht drin“, sagte ich ironisch und nahm Matthias‘ Hand von meiner Brust. „Das wäre schlimm. Ein Problem. Das darf nicht sein.“

„Nein, das darf nicht sein.“

„Eben.“



Mir war klar, dass sich Matthias in mich verliebt hatte. Mir gefiel er auch. Doch verliebt war ich nicht. Es war das ganz natürliches Verlangen, begehrt und geliebt werden zu wollen. Mein Körper forderte sein Recht. Verlangte nach der Fleischeslust. Mein Nachtgemahl Seth und Luzifer hatten mich auf den Geschmack gebracht. Den Geschmack der obszönen fleischlichen Lust. Wenn ich daran dachte, brannte mein Körper in Erinnerung und meine Sinne, zügellos aufgepeitscht, gerieten chaotisch durcheinander. Und doch war ich mir bei Seth und Luzifer nicht sicher, ob sie nur in meinen Träumen existierten oder ein Spiegelbild verzerrter Fantasien waren.

Matthias war jedenfalls kein Traum. Er stand leibhaftig vor mir und kämpfte gegen seine ungeplanten Gefühle. Ich wusste, dass er den Kampf verlieren würde. Es lag nur an mir. Allerdings musste ich cool bleiben und durfte mich niemals in einer Vollmondnacht mit ihm treffen. Ich musste ihn vor Lilith, diesem Männer mordenden Vampir, schützen.



*



Zwischen Matthias und mir bahnte sich allmählich eine tiefere Beziehung an. Wir trafen uns oft. Gingen essen und ins Kino. Meistens ins Cubix am Alex. An die Filme konnte ich mich nicht erinnern. Wohl aber an das aufregende Gefühl, Mattias‘ heiße Hände zu spüren, die Wonneschauer, die mich durchrieselten.



„Ich liebe Brigittchen“, sagte Matthias trotzig.

„Wie schön für dich“, erwiderte ich spöttisch.



„Er ist ein Mann des Todes“, sagte Lilith.



Irgendwann würde sie aus einem dunklen Winkel stürzen. Macht über mein Denken, Fühlen, Handeln erzwingen. Mich einsam und klein zurücklassen. Lilith. Mein zweites Ich. Die Frau im Spiegel.

„Ich bin du.“

Ich wollte ihr Matthias nicht zum Fraß hinwerfen. Es gab genug andere.

Am besten wäre, wir sähen uns nicht mehr.
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Sollte Matthias Brigittchen lieben, seine Gefühle für mich verleugnen.



Unsinn, verwarf ich diese blöden Gedanken. Was ging mich Brigittchen an? Ich wollte Matthias. Den Sex mit ihm. Alles in uns, an uns, sprach begierig:

„Ich will dich.“



Vielleicht riechen sich ja die sexuell Unzufriedenen, wie die Hexen, die sich gegenseitig riechen und finden. Und sei der Weg auch noch so weit. Und bestimmt hinterlassen auch sie ihre Duftstoffe. Wie die Tiere. Vielleicht ist ja Matthias der streunende Kater. Und ich die rollige Katze.



Verträumt sah ich in Matthias blaue Augen.

Wir saßen in einem kleinen idyllischen Kaffee in einer Ecke.

„Ich habe erwogen, mich nicht mehr mit dir zu treffen“, sagte Matthias plötzlich.

„Das Gleiche geht mir auch gerade durch den Kopf“, stimmte ich lächelnd zu und dachte: Idiot. Blöder. Was bildest du dir ein? Laut sagte ich: „Du hast recht. Es geht nicht. Brigittchen könnte durch einen dummen Zufall dahinter kommen.“

„So ist es. Bei Brigittchens Mann ist es auch so gewesen. Und der hat sofort die Scheidung eingereicht.“

„So. So.“

„Und dann war es natürlich meine Pflicht gewesen, zu ihr zu stehen.“

„Wie ehrenhaft.“

„Und wenn dich dein Mann verlässt, kann ich nicht zu dir stehen. Ich habe ja Brigittchen.“

„Mein Mann merkt gar nichts“, sagte ich wütend, „weil ich nämlich keinen habe. Will ist mein Ex. Und Ricardo ist verschwunden. Also bin ich solo.“

„Klar“, sagte Matthias und starrte mich irr an.

„Und einen Ex und einen Verschwundenen interessiert es bestimmt nicht, was ich mache. Und auch wenn es nicht so wäre, könnte ich tun und lassen, was ich will.“

„So?“

„Ja. So. Ich bin nur mir selbst Rechenschaft schuldig.“

„Und mir.“

„Wieso dir?“, staunte ich nun aber doch, „wir haben doch wohl nichts miteinander zu schaffen. Du weißt doch gar nichts von mir. Du bist doch nur eine Zufallsbekanntschaft. Also, stell hier keine Ansprüche. Noch dazu, wo du mich gerade verlassen wolltest. Klar?“

„Und dein Ex?"

„Der auch nicht. Habe ich doch eben gesagt.
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Wir sind schon lange getrennt. Ich habe mich verändert. Er weiß nichts mehr von mir. Von meinem jetzigen Leben, meine ich. Nur von meinen Freunden weiß er.“

„Auch von mir?“

„Natürlich nicht. Du warst ja noch ganz frisch. Und jetzt bist du gar nichts mehr.“

„Schade", sagte Matthias, „ich weiß und kenne alles von Brigitte. Und sie von mir.“

„Wie schön für euch. Weiß sie auch von mir?“

„Nein.“

„Na bitte."



Dieser Quatschkopf. Nun war ich echt sauer. Er nahm mich nicht ernst.



„Ich kenne von Brigittchen so an die zwanzig Liebhaber“, prahlte Matthias, „sie hat während ihrer Ehe wild durch die Gegend gebumst. Zehn Jahre ist sie fremd gegangen. Sie wollte ausbrechen aus dieser Ehe, in der sie nichts durfte. Nicht mal arbeiten. Sie hatte die zwei Kinder, ein Auto, ihre Clubs. Ihr Mann sah es als seine Pflicht und sein Recht, die Familie allein zu ernähren.“

„Und warum erzählst du mir diese Indiskretheiten?“

„Ich will dir damit sagen, warum ich Brigittchen nicht verlassen kann.“

„Habe ich das jemals verlangt?“

„Nein. Könntest du aber.“

„Nein. Du hast mir doch gleich in der ersten halben Stunde dein Anliegen klar gemacht. Sex pur. Und nun? Nichts mit Sex pur. Stattdessen Kinderspielchen und dummes Gelabere.“

„Aber Brigittchen …“

„Westfrau.“ Ich lachte verächtlich.

„Natürlich sind die Westfrauen anders als die Ostfrauen“, sagte Matthias. „Ist doch logisch. Sie wollten einen möglichst wohlhabenden Mann heiraten und sich dann um den Haushalt, die Kinder und ihre Clubs kümmern. Was ist daran schlecht?“

„Die Clubkaffeekränzchen und die Liebhaber“, spottete ich, „weil die arbeitsgeilen Ehemänner ja keine Zeit für die armen Weibchen haben.“

„Stimmt genau. Aber in den letzten Jahren hat sich viel getan. Es ist nicht mehr wie früher. Die Frauen wollen selbständig sein.“

„Wird ja auch Zeit“, grollte ich. „Und die Männer sollten es auch. Und sich nicht hinter einem Rockzipfel verstecken.“

„Ich habe ein Geschenk für dich“, sagte Matthias, meine Anspielung ignorierend, „eine CD.
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Gregorianische Klänge. Zur Entspannung.“



Zur Entspannung. Nach diesem Gespräch. Der Kerl ist doch noch verrückter als ich. Und total unmoralisch.



„Für dich als Arzt muss die Moral doch oberstes Gebot sein“, sagte ich wütend. „Du musstest doch den Hippokratischen Eid leisten und danach leben und handeln.“

„Musste ich nicht.“ Matthias lachte amüsiert, fast zynisch.

„Da bin ich wohl falsch informiert“, zweifelte ich, „ich weiß ganz genau, dass unsere Studenten schon bei der Immatrikulation diesen Eid leisten mussten.“

„Bei uns war es eben nicht so.“

„Kein Wunder, dass dann auch für die Ärzte nur das Geld zählt und nicht der Mensch, dass sie keine Moral haben und so viel gepfuscht wird“, empörte ich mich. „Und diese blöde CD ist das unmoralischste Geschenk, das ich je erhalten habe. Steck es dir sonst wohin!“

„Die einzige Moral ist die Bank“, sagte Matthias ungerührt. „Sie gibt Bares.“

„Und du richtest dich danach. Klar.“

„Klar. Muss ich ja.“

Matthias starrte mich an, als käme ich vom Mond.

„Du musst gar nichts“, zischte ich. „Außer sterben. Alles andere willst du. Weil es so schön bequem ist. Nur immer schön an sich selbst denken. Nur sich nicht den Kopf über andere zerbrechen. Hauptsache das Bare stimmt.“

„Warum bist du denn so wütend. Es geht dich doch gar nichts an.“

„Du hast recht. Es geht mich nichts an“, sagte ich, nun noch wütender, „wärst du Banker oder Politiker sähe die Sache schon anders aus.“



Frustriert starrte ich in mein Weinglas. Es war leer. Matthias goss aus der verschnörkelten Karaffe Wein nach. Ich rührte mich nicht. Fand Matthias' Einstellung zu seinem Beruf völlig menschenverachtend. Da konnte man ja froh sein, wenn die Herren Ärzte keinen Schaden anrichteten und nicht auch noch verlangen, die Menschen gesund zu machen. Und schuld daran war die Gier. Die Jagd nach dem schnöden Mammon. Zeichen der Zeit. Verhängnisvoll. Zerstörerisch.



Mist. Es könnte mir doch egal sein, welche Einstellung Matthias hatte. Ich wollte den Kerl ja nicht heiraten.
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Ich wollte doch nur Sex von ihm und brauchte mich gar nicht so aufzuspielen, denn das, was wir wollten und taten, war auch unmoralisch. Auch wenn es nichts mit Geld zu tun hatte. Wir verdrängten unsere warnenden Gedanken zugunsten unserer Lust. Unserer Geilheit. Ignorierten unser schlechtes Gewissen. Matthias war ein Scheißkerl. Nicht besser und nicht schlechter als jeder andere.



„Wir gehen.“ Matthias stand auf. „Ich muss Brigitte abholen und so tun, als wäre nichts.“

„Und ich muss nach Hause zu meinem Mann und so tun, als wäre nichts“, spottete ich.

„Tu das.“

Matthias küsste wie Ricardo und erregte mich wieder bis auf den Grund. Mir war klar. Wir hatten Angst vor unserer unsinnigen Liebe. Weil nichts mit Sex pur war. Alles schien aus dem Ruder zu laufen. Wir stellten uns selbst die Fallen, aus denen wir vielleicht nie mehr herausfinden würden.

„Ich ruf dich an“, sagte Matthias. „Ich weiß, dass ich nicht mehr ohne dich kann.“



Weil dann am Abend nichts Gescheites im Fernsehen kam, legte ich die CD von Matthias in den Payer und lauschte hingerissen diesen wunderbaren Chorgesängen.



*



Matthias hatte wohl vergessen, mich anzurufen. Frechheit das. Also rief ich ihn an.

„Guten Morgen“, sagte ich, „hier ist die andere Frau.“

„Du hast wohl auch nur dein Buch im Kopf“, lachte Matthias, „kennst du noch das wirkliche Leben?“

„Nein. Du?“

„Ich schon.“

„Und warum hast du mich dann nicht angerufen wie versprochen?“

„Sagte ich doch. Ich will so eine intensive Beziehung nicht“, murrte Matthias. „Ich muss mich sammeln. Alles kam so überraschend. Ich denke schon viel zu viel an dich. Du gehst mir nicht mehr aus dem Kopf. Aber ich habe doch keine Zeit für so was. Ich muss meine Doktorarbeit schreiben. Ach, Scheiß. Ich habe mich in dich verknallt.“

„Und warum liegst du dann noch im Bett? Es ist zehn Uhr vorbei. Könntest ja am Computer sitzen und deine Doktorarbeit schreiben. Stattdessen versinkst du in Selbstmitleid.“



Schwachkopf. Warum hatte ich den überhaupt angerufen?



„Crysella?“

„Ja?“

„Deine Stimme macht mich an.
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Wenn du hier wärst, könnte ich dir was zeigen.“

„Zeig es dir doch selbst“, wütete ich, „wozu hast du denn den großen Spiegel.“

„Bin schon dabei.“ In der Leitung verhaltenes Stöhnen. „Sprich weiter. Bitte.“

Matthias Atem röchelte heftiger durchs Telefon. Ich schwieg. Doch mein Körper reagierte. Ich wurde feucht. Meine Finger rutschten in meinen Slip. Verdammt.

Geräuschvolle Stille. Sekunden. Dann lautes Stöhnen am anderen Ende.

„Crysella. Komm her. Bitte. Ich will dich.“

„Vergiss es“, sagte ich. Die Finger noch immer in meinem Slip. „Ich will nichts von dir. Ich habe auch keine Zeit. Mach dir keine Sorgen. Ich habe dich schon vergessen.“

„So habe ich es doch nicht gemeint. Crysella.“

„Doch. Hast du. Feigling. Ruf mich nie mehr an.“



Voll Grimm knallte ich den Hörer auf die Gabel, mich auf die Couch. Die Chorgesänge konnten mich nicht trösten. Meine Finger auch nicht. Ich heulte und heulte und dachte: Sollte mich der miese Feigling jemals wieder anrufen, bringe ich ihn am nächsten Vollmond um. Soll er zur Hölle fahren. Dann ist ihn Brigittchen auch los.



Doch plötzlich hatte ich Mitleid mit Brigittchen. Matthias würde sowieso über kurz oder lang ausbrechen. Wenn ich nicht der Grund wäre, wäre es eine andere. Die Zeit schien reif zu sein. Doch wie würde sich Brigittchen fühlen, wenn sie erführe, dass ihr heiß geliebter Geliebter ein streunender Kater war? Immer auf der Suche nach unkompliziertem Sex. Ich wollte jedenfalls nicht der Grund sein. Mein Herz, das mir nach so vielen Schmerzen endlich wieder gehörte, sollte kein Mann mehr verletzen. Eigentlich wollte ich überhaupt keine neuen Bekanntschaften. Nichts Tieferes jedenfalls. Meine Seele sollte davon nicht berührt werden. Mein Körper schon. Wie gesagt.



Wo war der Erdenmann, der meine Sinne erfrischte. Den Geist aktivierte. Meine Fantasie beflügelte? Mich mich spüren ließ? Wo war er? Ich spürte mich nur beim Sex. Und Matthis wollte und wollte doch nicht. Sehr fatal.





***



Fortsetzung folgt
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Kommentare zur Story:

  Na, ob sie wirklich so zufrieden eingeschlafen ist? Sie scheint ja in Wahrheit mächtig Feuer für Matthias gefangen zu haben. War wieder hocherotisch.  
   Else08  -  26.02.13 16:06

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