Erotisches · Romane/Serien

Von:    rosmarin      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 11. Februar 2013
Bei Webstories eingestellt: 11. Februar 2013
Anzahl gesehen: 1438
Seiten: 5

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


2. Kapitel

______________

Ich lag in einem fremden Zimmer. Alles war weiß. Das Bett. Die Wände. Die Decke. Alles.

Ein Mann in Weiß betrat das Zimmer, nahm meine Hand, fühlte den Puls.

Also war ich im Krankenhaus. Wo sonst wird einem der Puls gefühlt? Wo sonst ist alles weiß? Ekelhaft.Weiße Wände konnte ich noch nie leiden. Stumm starrte ich an die Zimmerdecke.

„Alles in Ordnung“, sagte der Doktor, „das kriegen wir schon wieder hin.“ Beruhigend legte er seine Hände auf meine. „Wir brauchen nur etwas Ruhe.“

„Gott sei Dank“, sagte Helli und setzte sich auf die Kante des Bettes, “du lebst.“

„Mensch Helli. Natürlich lebe ich“, wunderte ich mich, “vielleicht kannst du mir mal bitte verraten, wie ich in dieses Zimmer gekommen bin?“

„Ich wollte dich besuchen”, sagte Helli, “hab geklingelt und geklingelt. Aber niemand hat geöffnet. Und weil überall das Licht brannte und ich so ein mulmiges Gefühl hatte, bin ich um das Haus herum gegangen und habe gesehen, dass ein Kellerfenster offenstand.“

„Und da bist du durch?“

„Ja. Was meinst du, was ich für einen Schreck bekommen habe als ich dich im Bad liegen sah?” Helli schüttelte sich heftig. “Ich dachte, du bist vielleicht tot und habe gleich die Feuerwehr gerufen.“

„Du spinnst doch“, sagte ich sauer. „Jetzt liege ich hier und kann nicht weg.“

„Es wird schon wieder“, versuchte Helli mich zu beruhigen.



Es wird schon wieder. Nichts würde wieder. Meine letzte Erinnerung war Lilith. Die schöne Frau im Spiegel. Allerdings konnte das nur ein Traum gewesen sein. Der Spiegel kann nur das eigene Bild wiedergeben. Mein Gott war das kurios.

Verwirrt schloss ich die Augen. Dämmerte vor mich hin. Vielleicht träumte ich nur. Und kann nicht erwachen. Ein Traum im Traum. Das soll es ja geben. Helli war auch verschwunden. Einfach so. Ohne sich zu verabschieden. Kommt und geht. Wie ein Spuk. Also doch ein Traum.

Erschöpft schlief ich ein.



*



„Sie können gehen.“ Der Doktor lächelte freundlich zum Abschied. „Aber ich rate Ihnen“, riet er mir, “sich in psychiatrische Behandlung zu begeben, damit Sie das Trauma Verlassenwerden verarbeiten können.
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Verlassenwerden? Hatte der Scheißkerl Ricardo mich also doch verlassen. Einfach so? Und war nicht auf Dienstreise?

Wenn schon. Es geschieht doch tagtäglich, dass jemand jemanden verlässt. Davon stirbt man nicht. Gebrochene Herzen gehören in Seifenopern.



Belustigt und doch erschrocken über meine unangebrachte Gefühlskälte beschloss ich, mit diesem Judas Ricardo nichts mehr im Sinn haben zu wollen. Aus und vorbei. Die Liebe kommt. Die Liebe geht. Nichts bleibt. Nichts besteht. Und einen Seelendoktor würde ich bestimmt nicht brauchen. Ich war ja wohl nicht geisteskrank. Obwohl… .

In dem Haus würde ich nicht bleiben können. Es war viel zu groß. Erinnerte auch zu sehr an Ricardo. Diesen Verräter.



Nach einigem Suchen fand ich eine Wohnung im Zentrum der Stadt. Zwei Zimmer. Küche. Bad. Das musste reichen. Der Garten würde mir fehlen. Der Kirschbaum. Die weiße Bank. Doch jetzt pulsierte das Leben. Das neue Leben. Kino. Bars. Einkaufsstraßen. Neonlicht. Theater. Kaffees. Ein kleiner Park an der Ecke als Ersatz für den Garten.



Ich richtete meine erste eigene Wohnung ein. Und zwar nach meinem Geschmack. Bisher hatte ich mich doch sehr von dem Geschmack meiner beiden Männer beeinflussen lassen. Erst von Wills. Danach von Ricardos. Und beide Male war es schiefgelaufen. Jetzt war ich bereit, mein Leben zu leben.

Zu diesem Leben gehörte Rudi. Mein langjähriger Freund. Schriftsteller von Beruf. Allerdings kein sehr erfolgreicher. Aber was hieß das schon. Erfolg hat derjenige, der tut, was er sich vorgenommen hat, hatte ich mal gelesen. Ein richtiger Künstler schert sich die Bohne ums Geld.

Rudi hatte sich und mir den ersten Computer gekauft.

„Du bist Bibliothekarin“, hatte er gesagt. „Und damit kompetenter als ich. Was Literatur anbelangt. Also wirst du meine Arbeiten korrigieren.“



Ich griff zum Telefon. „Ricardo ist verschwunden“, sagte ich.

„Wie verschwunden?“

„Verschwunden eben. Er hat seine Koffer mitgenommen.“

„Vielleicht ist er zu einer anderen Frau gezogen?“, lachte Rudi unverschämt, „man kann ja nie wissen.
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„Schöner Freund“, schmollte ich, legte auf und rief Will an.

„Ist das eine Überraschung“, freute sich Will, „wann können wir uns sehen?“

Die Erinnerung war da. Das Leben mit Will. Seine Freundlichkeit und Zärtlichkeit und seine etwas zu väterliche Liebe.



*



Mein Herz klopfte wie verrückt, als Will mir mit einem bunten Blumenstrauß entgegenkam. Die Sonne schien noch sommerlich warm. Die freundliche Kellnerin führte uns zu dem lauschigen Platz. Alles war wie früher. Der weiße Kunststofftisch. Zwei weiße Kunststoffstühle. Der große Sonnenschirm mit seinen gelben Sonnenblumen unter dem Kastanienbaum. Es war, als sei die Zeit stehengeblieben.

Auch Will hatte sich nicht verändert. In all den Jahren. Jedenfalls nicht äußerlich. Die dunklen Haare trug er noch immer zu einem Zopf geflochten. Und die leicht ergrauten Schläfen gaben ihm wie ehedem etwas von einem modernen Don Juan. Er bestellte unseren Lieblingswein mit dem fernöstlichen Duft. Seltsam. Ich trank ihn seit Ewigkeiten nicht mehr. Ricardo verabscheute süßen Wein. Lachend stießen wir auf unser Wiedersehen an.



Gut sah Will aus. Sehr gut. Warum hatte ich ihn nur verlassen?

Als hätte Will meine Gedanken erraten, nahm er meine Hände.

„Warum haben wir uns eigentlich getrennt?“, fragte er.

„Schicksal. Deine Hobbys. Deine Arbeit.“

Ich lächelte in Erinnerung unserer sinnlosen Streitereien.

„Ich habe dich geliebt.“

„Und ich dich.“

„Und dann kam Ricardo.“

„Und nun ist er weg.“

„Ich bin immer für dich da Crysella. Ein Wort und ich eile.“

„Meine Männergeschichten waren rein platonisch.“

„Ich weiß.“



Will wusste immer alles. Vielleicht war das mir auf die Nerven gegangen.

Von nun an trafen wir uns oft, telefonierten fast täglich und die alte Vertrautheit stellte sich schnell wieder ein.

Mein Leben schien noch einmal eine glückliche Wendung genommen zu haben. Ich dachte kaum noch an Ricardo. Doch dann träumte ich eines Nachts von ihm. Und mit diesem Traum sollte sich mein ruhiges Leben auf dramatische Weise verändern.
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*



Es war ein wunderschöner Tag und noch früher Morgen. Grüne Wiesen leuchteten feucht vom Tau der Nacht. Vögel zwitscherten in den erwachenden Tag. Glutrot hob sich die Sonne aus dem Osten. Hand in Hand schlenderte ich mit Ricardo durch den erwachenden Tag. Wir gelangten zu einer Quelle, aus der kristallklares Wasser in ein Bächlein sprudelte. Lachend schöpften wir das Wasser mit unseren gehöhlten Händen, tranken, bespritzten uns, kullerten ins hohe Gras.



Ricardo nahm mein Gesicht in seine Hände, küsste mich leidenschaftlich auf den Mund.

„Das ist der letzte Kuss“, sagte er, als würde er sagen - vergiss die Zigaretten nicht und das Bier - , “ich verlasse dich. Du bist meiner nicht wert. Dich werden immer alle verlassen.“

Ich wollte etwas erwidern, doch Ricardo lachte höhnisch. „Und jetzt liebe ich dich”, schrie er, “nein! Jetzt ficke ich dich ein letztes Mal.“

Ricardo zog an meinen langen Haaren, zerriss mit einem Ratsch mein kurzes weißes Kleid, unter dem ich nackt war, und drückte mich mit einer Hand gewaltsam auf die feuchte Erde, während er mit der anderen die Knöpfe seiner Jeans öffnete und ich sein Glied an meinem Mund spürte.

„Nein!”, sträubte ich mich, “ich will nicht!“

„Dann in das andere Löchlein“, lachte Ricardo höhnisch, “her damit. Du prüdes Ding. Ich werde ich jetzt mal so richtig durchrammeln.“



Ich wollte schreien. Doch kein Laut kam über meine Lippen. Ich wollte mich wehren. Doch ich war wie erstarrt. Es war, als hätte ich eine Droge genommen, die alle Muskeln lähmt, aber die Sinne übersensibilisiert, und war nicht in der Lage, irgendetwas zu tun. Ich musste stillhalten, mich willenlos ergeben.

Und plötzlich entstand aus dem Entsetzen über Ricardos ungewohnte Grobheit zu meinem Entsetzen Lust und mit der Lust wich die Starre. Ich wünschte, Ricardo wäre ewig so in mir. Wild. Brutal. Ungestüm. Ich entspannte mich. Kam Ricardo entgegen. Umschlang seinen Körper mit meinen Beinen. Schrie sinnlose Worte. Steigerte mich von einer Ekstase in die nächste, wand mich unter Ricardos Händen, den immer hektischer werdenden Stößen, drehte mich auf den Bauch, verging in nie gekannter Lust.
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„Liebe mich“, bettelte ich“, “liebe mich.“

„Aber sicher doch.“ Ricardo krallte seine Finger in meine Haare, zog meinen Kopf nach hinten. „Du geiles Weib. So gefällst du mir!”, schrie er, rollte mit einem Aufschrei zur Seite und sagte kalt: „Schade, dass du nicht so geil warst, als wir noch zusammen waren.“

Ricardo lachte dröhnend und lief mit großen Schritten über die Wiese dem angrenzenden Wäldchen zu.



Wie betäubt hockte ich vor dem Bächlein im grünen Gras. Meine Arme um die Knie geschlungen, zitterte ich am ganzen Körper. Um mich herum war Dunkelheit. Undurchdringliche Schwärze. Unbarmherzig fiel sie tiefer und tiefer, überschwemmte mich mit Leere. Grauen. Stummheit.

Das eben Erlebte konnte nur ein Traum gewesen sein, dachte ich im Traum. Ein schrecklicher Albtraum, aus dem ich sofort erwachen musste, ehe dieser Albtraum Realität würde.



Ich erwachte. Der Albtraum war ein Albtraum.





***





Fortsetzung folgt
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Punktestand der Geschichte:   79
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Kommentare zur Story:

  Oh oh, die Arme, sie wird doch hoffentlich nicht geisteskrank sein? Unter einem Trauma leidet sie auf alle Fälle. Was mag wohl der Grund dafür gewesen sein? Ricardo ist es anscheinend nicht oder doch und sie hat vieles so sehr verdrängt, dass sie es nicht mehr davon weiß?  
   Else08  -  11.02.13 15:21

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Interessante Kommentare

Kommentar von "Sabine Müller" zu "finn"

Schön, echt wunderschön. Wundert mich, dass noch Niemand einen Kommentar abgegeben hat.

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