Erotisches · Romane/Serien

Von:    rosmarin      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 10. Februar 2013
Bei Webstories eingestellt: 10. Februar 2013
Anzahl gesehen: 2203
Seiten: 4

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Neufassung von - Crysella und der Schwarze Mond -



*



Wer in die Tiefe seines eigenen Ichs hinabsteigt, entdeckt dort nur das Nichts. Wenn er sich und die Welt vergessen will, muss er sich der Liebe hingeben, deren Priesterinnen leichter ihren Körper als ihr Herz verschenken und das Symbol des Verderbens sind.



Ich weiß, was ich glaube.



*



1. Kapitel

__________

Schnell glitten meine Finger über die Tastatur.



Das Werk des Dichters Baudelaire steht unter dem Einfluss des Schwarzen Mondes, schrieb ich. Er besang die Zerstörung. In seinen Versen wechseln sich Gut und Böse, Leben und Tod, Zurückweisung und Hingabe ab. Die einzige und höchste Wollust der Liebe läge in der Gewissheit, das Böse zu tun, schrieb er. Und Mann und Weib wüssten von Geburt an, dass das Böse alle Wollust enthalte.



Ich stand auf. Lauschte. Ricardo eilte die Treppe zum Schlafzimmer hinauf. Ich hörte, wie er hastig zwei Stufen übersprang, dann im Schlafzimmer verschwand.

Ich verschwand in der Küche. „Beeil dich Ricardo“, rief ich, „wir frühstücken gleich.“

Doch noch bevor ich den Kaffeeautomat in Betrieb nehmen konnte, stand Ricardo vor mir, in jeder Hand einen Koffer.

„Bin schon da.“ Er küsste mich leicht auf die Wange. „Bis dann Liebste.“

„Aber das Frühstück Ricardo.“

„Brauche ich heute nicht.“

Weg war er.

Ich rannte in den Garten. Das Tor stand weit offen. Das Auto war weg. Ricardo war weg.

Ich setzte mich auf die weiße Bank im Garten. Gestern Abend hatte ich mit Ricardo hier gesessen. Hand in Hand. Und den Sternenhimmel beobachtet. Und die weißen Blüten des Kirschbaumes waren auf uns herabgefallen.

Plötzlich schien mir, als habe sich die Welt verändert. Alles war so unwirklich. So traumhaft. So nebulös. Am Abend saß ich noch immer auf der weißen Bank. Die Dämmerung hüllte mich in ein Gefühl zwischen Traum und Wachen. Die laue Frühlingsluft war erfüllt von dem geheimnisvoll süßen Duft, den die Natur wie jedes Jahr zu dieser Jahreszeit großzügig verströmte.
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Die blühenden Bäume erglänzten matt im Schein der untergehenden Sonne. Letzte Bienen schwirrten leise summend umher. Die Vögel sangen ihr Abendlied, wiegten sich im dichten Blütenmeer des Kirschbaumes. Langsam fiel die Nacht vom Himmel. Sinnend schaute ich in das silbrige Licht des Mondes.



Verdammt, wo blieb nur Ricardo. Er müsste längst hier sein. Warum rief er nicht an? Mich fror plötzlich. Warum hatte er die beiden Koffer bei sich? Er hatte nichts von einer Dienstreise gesagt.



Es war empfindlich kühl geworden. Und stockdunkel. Der Mond war verschwunden. Ich konnte nicht ewig auf der Bank sitzen und auf Ricardo warten.

Entschlossen stand ich auf, ging ins Haus. Schlich wie eine Diebin leise durch die Zimmer. Alles erschien mir fremd. Und doch vertraut. Mir war, als würde ich dieses Haus zum ersten Mal betreten. Ein Geisterhaus, in dem es aus allen Ecken zu wispern und zu flüstern schien. Schaudernd knipste ich das Licht an. Das seltsame Gefühl verschwand nicht. Verstärkte sich eher. Vorsichtig schaute ich in alle Zimmer. Alles in Ordnung. Schnell einen Blick ins Bad. Leise öffnete ich die Tür und erstarrte.



Auf dem Frisiertischchen blinkte ein Messer. Ich wusste mit Sicherheit, dass es heute früh nicht dort gelegen hatte. Verwundert blieb ich stehen. Trat langsam näher. Nahm das Messer vorsichtig in die Hand, betrachtete es von allen Seiten, strich über die scharfe Klinge.



„Ein Buschmesser“, vernahm ich Ricardos Stimme, „ ein selten schönes Exemplar.“



Ricardo hatte es von einer seiner vielen Afrikareisen mitgebracht. Bestimmt hatte er es aus Versehen heute hier liegen lassen. Sollte es da bleiben, bis er zurückkäme, war mein erster Gedanke. Ich wollte ins Wohnzimmer nach unten, etwas lesen oder Musik hören. Vielleicht würde Ricardo ja noch anrufen. Aber da war ja noch der Brief. Crysella stand drauf. Er roch so gut nach Ricardo. Bestimmt hatte er mir einen Liebesbrief geschrieben. Vorsichtig öffnete ich ihn mit dem Buschmesser.



*



Liebste Crysella, meine Goldblume,

wir hatten viele schöne gemeinsame Jahre. Doch jetzt ist die Zeit für mich gekommen, zu gehen. Bitte such nicht nach mir. Das Haus und mein Konto steht Dir zur Verfügung.
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Vielleicht sehen wir uns ja eines Tages wieder.

In Liebe Ricardo.



*



Fassungslos schaute ich mich um. Das konnte und durfte nicht wahr sein! Ricardo würde mich nie verlassen. Nie! Und schon gar nicht auf so eine fiese hinterhältige Art. Schnell nach unten ins Wohnzimmer. Dort lag mein Handy. Ich musste Ricardo unbedingt anrufen!



Als ich die Tür schließen wollte, fiel mein Blick zufällig in den Spiegel.

Vor Schreck stockte mir der Atem. Mein Herz schien stillstehen zu wollen. Das Blut gefror in meinen Adern. So beschrieben in Gruselgeschichten. Ähnliches geschah jetzt mir. Instinktiv wich ich einen Schritt zurück. Trat näher. Wich zurück. Trat näher. Das konnte nur ein Trugbild sein. Ein Trugbild meiner überreizten Sinne.



Der Spiegel zeigte eine fremde Frau. Eine wunderschöne Frau. Die Augen groß und hell. Die Brüste voll und rund. Die Haut weiß wie Marmor. Und Haar, das an züngelnde Flammen erinnerte, fiel in gleichmäßigen Wellen bis zur Taille.

Wie hypnotisiert versank ich in den grünen Augen dieser wunderschönen Frau.

Ein Mondstrahl irrte durch das Fenster, tanzte golden auf dem Haar der fremden Frau, ließ es erschimmern in kupferroter Pracht und verschwand.



„Wer bist du?“ Mit meinen Fingern zeichnete ich das Oval dieses ungewöhnlich schönen Gesichts der wunderschönen Frau nach. „Sag mir, wer bist du?“

Die Frau lächelte geheimnisvoll, spitzte ihre vollen roten Lippen zu einem Kuss und sagte mit einer Stimme, die wie zärtliche Musik erklang:

„Lilith ist mein Name.“

„Lilith?“

„Lilith. Dein Schatten.“

„Aber…“

Noch bevor ich weitersprechen konnte, fuhr die Frau wie in einem Beschwörungssprechgesang fort:



Schwarze Träume wecken in dir die Glut

Des Verlangens

Glühen schmerzvoll in wilder Sehnsucht

Die du nicht stillen kannst

Zu schwach sind deine melancholischen Visionen

Doch höre

Kraft meiner Zaubermacht entflamme ich in dir

Düsterste Begierden

Unendliche Lüsternheit

Liebe

Trauer

Peinvolles Leid

Und so wie diese wachsen

Wächst deine Abhängigkeit

Mein Geist umschlingt einer Schlange gleich

Deinen Körper

Verbrennt deine Wünsche

Zwischen meinen Händen werden deine Träume zerfließen Schreien nach den gottlosesten Sünden

Und Todesschmerz wird eiskalt dein Herz umhüllen

Und deine Seele den Weg alles Sterblichen gehen

Komm

Press deinen Mund auf meinen Mund

Ich trinke deine bittersüße Schuld

Komm

Nimm ihn hin den Kuss des Todes

Die Sünden der Schöpfung sind köstlich

Die Dämonen unersättlich.
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Erschrocken wich ich zurück. Narrte mich ein Traum? Ein Trug? Eine Vision? Das konnte es nicht geben!



Lilith krümmte ihren rechten Zeigefinger, so als wolle sie mich auffordern, näher zu treten.



Ihr Haar ist lang und rot wie eine Rose, ihre Wangen sind weiß und rot, an den Ohren hängen sechs  Schmuckstücke. Ihr Mund ist wie eine schmale Tür gesetzt, angenehm in seiner Zier, ihre Zunge scharf wie ein Schwert, ihre Worte glatt wie Öl, ihre Lippen sind rot wie eine Rose und süß von aller Süße dieser Welt.-



Wo hatte ich das nur gelesen. Ah, ja. (Sohar 1 148a... )



Neugierig betrachtete ich Liliths Ohren. Sie waren klein und rosig. Doch schmucklos. Der Schmuck funkelte an Liliths Zeigefinger, an dem sie einen schwarzer Ring trug. Einen Hämatit, zur Hälfte verziert mit einer goldenen Schlange, die sich verführerisch um einen grünenden Zweig schlang und auf deren Spitze ein winziges schwarzes Kreuz mit einem Diamanten steckte.



„Komm, nimm ihn hin, den Kuss des Todes“, wiederholte Lilith und spitzte nochmals auffordernd ihre vollen Lippen.

Wie in Trance drückte ich meine Lippen auf Liliths im Spiegel.



Asche zu Asche

Vom Leben zum Tode

Dir gehört der erbarmungswürdige Leib

Mir aber gehört die Seele.



Leises Lachen erfüllte das Bad.
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Lilith verschwand wie ein Spuk.

Der Spiegel war ein Spiegel.





***



Fortsetzung folgt
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Punktestand der Geschichte:   100
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Kommentare zur Story:

  hallo else und Francis Dille, danke für eure kommentare. ich glaube, meine texte sind alle etwas poetisch. das liegt wohl in meiner natur.
habt einen schönen abend.
gruß von  
   rosmarin  -  10.02.13 17:35

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Sehr spannend, möchte am liebsten gleich das nächste Kapitel haben, denn ich frage mich, weshalb sieht deine Heldin diese Gestalt? Sie triff wie ein Geisterwesen in ein anscheinend bisher ganz normales Leben. Aber war es vorher denn so normal? Eben deshalb brauche ich die Fortsetzung.  
   Else08  -  10.02.13 14:49

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Ein spannender Auftakt eines vielversprechenden Romans. Nur für meinen Geschmack etwas zu viel Poesie. Aber anderen mag es vielleicht gefallen.
LGF  
   Francis Dille  -  10.02.13 12:45

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

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