Gone with the death? – Teil 6 FRAUENSACHEN – MÄNNERSACHEN…   75

Romane/Serien · Amüsantes/Satirisches · Fan-Fiction/Rollenspiele

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 5. Juli 2011
Bei Webstories eingestellt: 5. Juli 2011
Anzahl gesehen: 2008
Seiten: 9

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Sie fuhren los, hielten noch an einem Supermarkt an, kauften auf die Schnelle alles ein, was man so zum Leben brauchte, nämlich jede Menge gefrorene Steaks, Barbecuesoßen, Zwiebeln, Fertigsalate- und Soßen, jede Menge Käse, Brot zum Aufbacken, Diätmargarine, Dosenbier und Cola, Kaffee, Popcorn für die Mikrowelle, jede Menge Chips – und mehrere Fernsehzeitschriften.



„Wie findest du es?“, fragte Spike, als sie von der Hauptstraße auf den langen Privatweg abgebogen waren und das Steinhaus langsam in Sicht kam.

„Sieht interessant aus. Wie bist du drangekommen?“

„Deine Firma hat’s mir quasi an den Hals geworfen“, meinte Spike nachdenklich. „Ich frage mich, welchen Wert ich für die haben könnte.“

„Es ist nicht mehr meine Firma. Aber es stimmt, von denen kriegt man nichts umsonst. Aber ich habe nicht die geringste Ahnung, was sie von dir wollen. Es sei denn, es hätte wirklich mit dem Amulett zu tun... Weißt du etwas darüber?“

„Nicht die Bohne!“ Spike warf ihr einen forschenden Blick zu und erwartete eigentlich weitere Fragen, aber sie schwieg.



Sie waren vor dem Haus angekommen, und Spike parkte das Auto auf dem unter den Reifen des Autos knirschenden Kies, der sich vor der Haustür erstreckte.

„Hier passen schon ein paar Autos hin“, er wies lässig auf das große Kiesrund.

„Wirst du denn viel Besuch bekommen?“

„Weiß ich noch nicht, ich denk’ mal, die Jungs haben keine Autos...“

„Aber ICH habe ein Auto, es steht in einer Garage in der Nähe meiner Wohnung.“

„Wir sollten es herholen! Ist zwar nicht wirklich weit bis LA, aber ihr Amerikaner geht doch keinen Meter zu Fuß“, spottete Spike. „Ich könnte dich dann irgendwohin fahren, und vielleicht kannst du bald wieder selber fahren. Du wärst dann einfach unabhängiger von mir.“

„Moment mal, meine Großeltern waren auch Engländer, und die sind viel gelaufen, soweit ich mich erinnern konnte“, Lilah war irgendwie sauer auf Spike. Was sollte das Gequatsche über die Unabhängigkeit, das hörte sich ja fast so an, als wolle er sie wieder loswerden. Gut, wenn er das wollte, kein Problem!

„Oh bitte Lilah“, sagte Spike mit seiner wunderbar rauen Stimme, „meine süße kleine Engländerin, zumindest in der dritten Generation, du kannst ja gerne laufen, wenn du willst, ist ja nur, schätze ich mal, eine volle Stunde bis LA, aber bitte beschwer’ dich dann nicht bei mir, wenn ich gerade was anderes zu tun habe.
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„Ja, wir sollten es holen.“ Beschämt senkte Lilah ihren Kopf, doch sie richtete ihn schnell wieder empor und fragte: „Fährst du gern oben ohne?“

„Was denn, ohne T-Shirt?“

„Nein!“ Lilah musste lachen. „Ich meine ohne Verdeck. Es ist nämlich ein Cabrio. 911er Porsche...“

„Aber hallo! Du sprichst ja wie der Typ aus den Bond-Filmen.“ Vor Spikes geistigem Auge erschienen wilde Fahrten mit im Fahrtwind flatternden Haaren, total gedemütigt aussehenden anderen Verkehrsteilnehmern und dann plötzlich eine sich vollkommen echt anhörende gellende Polizeisirene. Diese allerdings erschien nicht vor seinem geistigen Auge, sondern in seinem geistigen Ohr.

„Bist ein reiches Mädchen, was?“ Das konnte er sich nicht verkneifen.

„Reich und böse“, behauptete Lilah verwegen, griff sich als erstes ihre Reisetasche, dann wollte sie auch noch nach dem Aktenkoffer greifen, hatte aber ihren eingegipsten Arm vergessen, sie ließ den Koffer stehen und marschierte schon mal zur Haustür.

„Hast du nicht noch was vergessen?“, fragte Spike.

Sie drehte sich um und sah ihn verunsichert an. Erwartete er von ihr, dass sie den Aktenkoffer mit ihrem gebrochen Arm trug?

„Schön... Schön bist du auch.“ Grinsend nahm Spike den Aktenkoffer an sich. Ein kleines Kompliment konnte manchmal nicht schaden...



Lilah entdeckte sofort Dinge im Haus, die Spike bei seinem ersten Besuch offenbar entgangen waren:

Den Schreibtisch mit dem Computer in einer Seitennische des großen Wohnraums. Noch einen Computer im Kellergeschoss. Den kleinen Fitness-Raum im Kellergeschoss und die kleine Bar im Zimmer nebenan. Allerdings war die Bar Spike NICHT entgangen.

„Das ist echt hübsch“, meinte Lilah nach der Besichtigungstour.

„Ja, echt hübsch“, stimmte Spike ihr zu, „und vor allem kann man sich hier aus dem Weg gehen, wenn man will.“

Sie hatte noch keine Nacht hier geschlafen, und schon sprach er übers aus dem Weg gehen? Leicht gekränkt sagte sie: „Ich werde dir bestimmt nicht auf die Nerven fallen.
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„Nein, das meinte ich nicht. Aber in den nächsten Wochen wird es hier ganz schön rundgehen. Mit der Band. Und du brauchst doch Ruhe wegen der Gehirnerschütterung“, Spikes Stimme duldete keinen Widerspruch.

„Wenn du meinst..“, Lilah fügte sich bereitwillig und genoss das für sie seltsame und vollkommen ungewohnte Gefühl, sich von einem Mann herumkommandieren zu lassen. Es verschaffte einem so ein hilfloses Gefühl in den Beinen. Oder auch zwischen den Beinen...

Sie klärten die Wahl des Schlafzimmers. Lilahs Wahl fiel auf das mit der lavendelblauen Tapete und den dunkelblauen Vorhängen. Außerdem gab es einen geräumigen wandbreiten Mahagoni-Kleiderschrank, einen kleinen runden, möglicherweise antiken Mahagoni-Tisch mit zwei passenden Stühlen, die Sitze bezogen mit lavendelfarbigem Stoff. Außergewöhnlich geschmackvoll, musste Lilah denken, und vor allem passte es so gut zu ihren Augen.

Spike musste sich wohl oder übel das andere Schlafzimmer nehmen, aber er war nicht sehr enttäuscht darüber. Dieses Zimmer hatte nämlich dunkelrote Tapeten und Vorhänge, und das, was in Lilahs Schlafzimmer aus Mahagoni war, war in seinem Zimmer aus Kiefernholz. Spike musste lachen, weil ihn die Kiefernmöbel stark an IKEA erinnerten, das er noch von Europa her kannte.



Sie saßen noch ein bisschen auf dem Sofa vor dem Fernseher, ohne viel auf das Programm zu achten, aßen ohne großen Hunger alles mögliche aus Chipstüten, ohne sich irgendwie zu berühren – und gingen früh zu Bett.

Lilah war trotz ihrer Müdigkeit ziemlich aufgekratzt und hatte ein seltsam flirrendes Gefühl im Magen. Aber es gefiel ihr, sie lag ruhig da, sie fühlte sich außerordentlich zufrieden und wollte dieses Gefühl auskosten. Denn es konnte sich bestimmt schnell wieder ändern.

Spike wälzte sich zuerst ruhelos in seinem Bett herum. Es war so ungewohnt ruhig draußen, das Haus erschien ihm so fremd, aber das Gefühl der Vertrautheit kam schnell, vielleicht lag es ja daran, dass er nicht alleine war.



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Als Lilah am späten Vormittag aufstand – welch Luxus, so lange schlafen zu können – war Spike schon weg.
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Er hatte Kaffee gemacht, und irgendwie war sie froh darüber, alleine zu sein. Wenn man jemanden gerade kennen gelernt hatte, war es auf Dauer stressig, immer mit ihm zusammenzusein. Obwohl Spike ihr wohl nie auf die Nerven fallen würde. Aber es war besser, nicht alles gemeinsam zu tun. Immer aufeinander zu hängen war schlecht. Frauen hatten eben so Dinge, die sie ganz alleine erledigen wollten, sei es Fußnägel lackieren, Beine enthaaren, Reich und Schön gucken, oder einfach stundenlang in der Badewanne liegen.

Upps, gerade fiel ihr ein, dass sie sich noch nicht einmal die Haare waschen konnte. Der eingegipste Arm würde das verhindern. Konnte sie wenigstens duschen? Auch das erwies sich nach näherer Überlegung als ziemlich kritisch. Alles, was man nur mit einem Arm machen konnte, war kritisch, dann fiel ihr ein, dass es doch ging: Nämlich die Haare mit einer Hand einschäumen und dann den Kopf unter die Dusche halten.

Nein, es ging nicht. der Gips an ihrem Arm würde aufweichen. Also nicht duschen, keine Haare waschen und vielleicht Spike um Hilfe bitten. Gute Idee und sehr anregend. Aber jetzt musste sie erst einmal alleine klarkommen. Nach einiger Überlegung ließ sie Badewasser ein, aber nur so wenig, dass die Wanne zu einem Drittel gefüllt war. Das musste gehen, wenn man den rechten Arm über Wasser hielt. Es ging alles, wenn man nur wollte.

Bis aufs Haarewaschen und aufs Duschen. Sie musste Spike einfach um Hilfe bitten...

Sie hatte sich ein paar bequeme Jeanshemden und T-Shirts aus ihrem Appartment mitgenommen, zwei Röcke (nach Spikes Ermahnung von wegen Schwierigkeiten beim An- und Ausziehen) und ein paar sportlich geschnittene Hosen aus anschmiegsamen Stoff und mit schlank machenden Streifen an den Seiten. Nicht dass sie es nötig gehabt hätte, schlank machende Streifen zu tragen, aber diese Hosen standen ihr gut, das wusste sie. Und man konnte sie bequem mit einer Hand anziehen.

Die Hosen waren jetzt ein bisschen zu lang, aber das machte nichts, Hauptsache, sie konnte überhaupt noch etwas von ihrer Kleidung tragen. Sie würde sich neue Sachen kaufen, vielleicht weniger konservative als bisher. Vielleicht konnte sie Spike überreden, sie beim Einkaufen zu begleiten. Nein, besser nicht, Männer hassten es, mit Frauen einkaufen zu gehen.
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Sie goss sich eine Tasse Kaffee ein, taute ein Croissant in der Mikrowelle auf, es war ein bisschen zu heiß geworden, setzte sich mit dem Kaffee und dem dampfenden Croissant an den Schreibtisch im großen Wohnraum und schaltete den Computer ein. Wahrscheinlich hatten W&H schon Schnüffelprogramme installiert, das passte zu denen. Aber was konnten die schon groß ausspionieren...

Es war alles ziemlich mühsam mit nur einer Hand. Sie installierte die Provider-CD, die auf dem Schreibtisch lag, und richtete nach kurzer Sichtung der Telefonnummer den Internet-Zugang ein.

Passwort, was konnte man nehmen, vielleicht ‚Angel’? Sie musste lachen, um Himmels Willen! Nein, es musste Spike gefallen. Schließlich hatte sie eine Idee, und sie tippte ‚undead’ ein. Das würde er mögen.

Sie ging auf die Seite von W&H und gab ihr firmeneigenes Codewort ein.

„Access denied“, war die digitale Antwort auf ihre digitalen Bemühungen.

Sie versuchte es noch einmal – mit dem gleichen Misserfolg.

„Mist!“, fluchte Lilah laut vor sich hin. Es war wirklich passiert. Man hatte sie aus der Welt von W&H entfernt, und zwar unwiderruflich und endgültig.

Und das Komische an der ganzen Sache war: Es war ihr scheißegal! Wie man im Anwaltsjargon so sagte. Denn jetzt in ihrem zweiten Leben fühlte sie sich lebendiger als je zuvor.



Sie ging nach oben in ihr Zimmer und öffnete den Aktenkoffer. Sie nahm einige CDs heraus und ging wieder nach unten. Sie stellte die Cds fein säuberlich in das Regal auf dem Computerschreibtisch. Sie musste ein Lachen unterdrücken. Niemand, der noch alle Tassen im Schrank hatte, würde sich an einer CD vergreifen, auf der das Datenbank-Programm Access erklärt wurde. Vor allem nicht, wenn es so unauffällig auffällig präsentiert wurde.

Außer ihr wusste natürlich niemand, dass das CD-Cover zwar echt war, aber die CD selber und auch das Label grandios von ihr gefälscht worden waren. Und dass sich auf der CD zwar das Lernprogramm für Access befand, aber in einem Unterordner versteckten sich zusätzliche brisante und teilweise sogar explosive Daten, die allesamt mit W&H zu tun hatten.

Als sie das Kichern nicht mehr unterdrücken konnte, ging Lilah unauffällig zur Haustür hinaus, um dort, wo sie keine Kameras mehr vermutete, einen Lachanfall zu bekommen.
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Spike zur gleichen Zeit war ziemlich im Stress.

Nachdem er die meisten Mitglieder seiner zukünftigen Band in der Demon’s Bar aufgegabelt hatte, nur Bronson fehlte, der bestimmt irgendwo in Essig und Öl nach einer durchzechten Nacht lag, fuhr er die Resttruppe in ein Musikgeschäft, das Casio ihm empfohlen hatte. Wegen der Instrumente, Verstärker, Boxen, halt so Sachen, die sie brauchten,

Der größte Posten war natürlich das Schlagzeug. Spike schwebte da ein elektronisches Ding vor, so ein Präzisionselement, das gut zum Klang der ausgewählten Musikstücke passen würde. Snikkers stand zwar mehr auf traditionelle Drums, aber er ließ sich von Spike überzeugen, was anderes blieb ihm auch gar nicht übrig, er hatte nun mal im Moment keine Kohle. Und außerdem konnte man das Schlagzeug leasen. Spike atmete auf, denn ein Kauf wäre doch verdammt teuer geworden.

Er hatte sich fest vorgenommen, mit seinem Bargeld streng hauszuhalten und zahlte deswegen fast alles mit seinen Kreditkarten, die offenkundig gerne angenommen wurden. Das Bargeld würde irgendwann mal zur Neige gehen, und er brauchte vielleicht gewisse Reserven. Außerdem hatte der Van schon ein großes Loch in seine Geldbestände gefressen, genauer gesagt hatte er jetzt nur noch die Hälfte von dem Geld. Aber der Van war eine gute Geldanlage, denn immerhin gedachte Spike, sie mit diesen Van bei ihrer ersten Tournee durch die Lande zu kutschieren. Tournee, hahaha...

Nachdem jeder sich was passendes ausgesucht hatte, bis auf Casio, der alles, was er brauchte, schon selber besaß und bis auf Bronson, dem sie ob seiner Abwesenheit eine gute Bassgitarre besorgten, machten sie sich auf den Weg zu Spikes Haus.

Leider kam Spike nicht sofort dort an, sondern erst zwölf Stunden später.

Weil nämlich Porterhouse mit kundigen Auge während der Fahrt eine Kneipe erblickt hatte, die direkt hinter dem Supermarkt lag, und zwar ungefähr zwischen der dicht bevölkerten Stadt hinter ihnen und vor Spikes Haus im aufgelockerten Umfeld der Stadt, wo sie eigentlich hinwollten.
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..

Das 'EVERYBODY'!!!

Und dort blieben sie bis in den frühen Morgen.



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Also voilà: das 'Everybody'!!!

Das zukünftige Stammlokal der Gruppe, das 'Everybody' lag also auf halben Wege zwischen der Stadt und Spikes neuer Behausung, das wissen wir nun. Es lag, wenn man so will, strategisch sehr günstig.

Ehemals war es eine Hillbilly-Kneipe gewesen, und die Einrichtung zeugte noch vom früheren ländlichen Stil, dicke dunkle Balken an der Decke, Stühle und Tische mit gedrechselten Stuhl/Tischbeinen, üppige Lampen mit Plüschschirmen und Troddeln. Zwei kapitale brusthoch abgesägte Baumstämme agierten als Stehtische und waren meistens dicht umlagert von Leuten.

Musik gab es auch, und zwar fast immer von Roxy Music, weil der Wirt dafür schwärmte. Der Wirt schwärmte allerdings auch für Trini Lopez, und zwar bevorzugt für das Stück ‚If I had a hammer’, und das mehrmals hintereinander.

Es gab aber auch manchmal Musik von den Stones. Sogar hartgesottene Gäste verfluchten des öfteren den Musikgeschmack des Wirts und waren froh, wenn er mal nicht da war.

Aber das beste an diesem Laden war die lange Theke, an der sich die sogenannte Creme von L.A. auf Barhockern herumlümmelte. Noch weit begehrter als die Barhocker war allerdings die gepolsterte Bank, die wahrscheinlich aus einem Beichtstuhl stammte und die wie ein Wurmfortsatz die Reihe der Barhocker abschloss. Wer diesen Platz ergattert hatte, konnte sich glücklich schätzen.

Das Everybody, im Volksmund auch kurz E-body genannt, hatte sich in wenigen Jahren zum Treffpunkt für ALLE gemausert, seien es Studenten, seien es Anwälte, die in der Mittagspause vorbeikamen, seien es Trinker mit oder ohne Arbeit oder seien es Dämonen (auch Trinker mit oder ohne Arbeit). Sie alle wurden angezogen von dem einzigartigen Charme des Everybody, und vor allem von seiner einzigartigen Küche.

Man servierte drei sehr preiswerte Gerichte, und zwar die extrem billigen Spaghetti, die sogenannten Torties - und den sagenumwobenen Proletenteller. Allgemein wurde die zum Proletenteller gehörende Kräutersoße, die übrigens auch über die Torties gekippt wurde, von den Stammkunden als ‚die unendlich Verlängerte’ bezeichnet, weil Teile von ihr angeblich schon beim Unabhängigkeitskrieg dabei gewesen waren.
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.. Aber sie schmeckte.

Der Ruhm des Everybody hatte sich sogar bis in die japanischen Touristenkreise herumgesprochen, die ab und zu L.A. heimsuchten. Manchmal erschienen Delegationen von bis zu zwölf Japanern, und sie bestellten alle, na was wohl? Natürlich Spaghetti. Was die Küchencrew des Everybody (1–2 Studenten) manchmal ganz schön ins Schwitzen brachte.

Hier ein Auszug aus der Speisenkarte, quatsch, es ist natürlich kein Auszug, sondern die ganze Speisenkarte:



SIE HABEN SCHON BESSER GEGESSEN, ABER NICHT HIER...



Spaghetti mit fruchtiger Soße, Parmesankäse soviel sie wollen:

--------------------------------------- $ 1,50



FEINSCHMECKER ESSEN ANDERSWO...



Torties, Röhrennudeln mit Schinken und Tomaten in würziger Kräutersoße mit Käse und reichlich Geschmacksverstärker überbacken:

--------------------------------------- $ 2,50



WER HIER ISST, IST SELBER SCHULD....



Proletenteller, ein saftiges Schweinesteak mit würziger Kräutersoße und Pommes und garantiert ohne Vitamine:

--------------------------------------- $ 4,00



DAS EVERYBODY, WO FRISCHE EIN FREMDWORT IST, WÜNSCHT IHNEN EINEN GUTEN APPETIT!



Der Wirt, ein etwa 45 Jahre alter ehemaliger Koch und Säufer hatte den Laden fest im Griff und manchmal im Würgegriff.

Als ehemaliger Alkoholiker hatte er natürlich nicht den Idealjob als Kneipenbesitzer inne, er war immer haarscharf am Rande des Rückfalls zum Saufen, und eine unbedachte Minute konnte ihn alles kosten. Er hatte es einmal fast erlebt. Das Everybody war damals fast pleite gegangen, nur weil Karel, so hieß er, für einen FREUND-IN-NOT Eigentumswohnungen gekauft hatte, um ihn aus finanzieller Misere zu retten, und dann natürlich auf den weit über Wert erworbenen Immobilien sitzen blieb, weil der FREUND-IN-NOT sich in der Zwischenzeit verflüchtigt hatte.

„Die guten Taten bereut man viel mehr als die schlechten“, war seitdem Karels Motto – jedenfalls solange er nüchtern blieb.
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..

Oder als Karel sich im Delirium entschloss, die Küche im Everybody zu schließen, denn zur Not würde er mit zwei Getränken, nämlich Bier und Cola die Leute anziehen können – was natürlich fürchterlich in die Hose ging. Die Leute kamen nicht mehr, weil sie Karels Konzept einfach nicht verstanden. Diese Ignoranten, wie Karel sagte.

Gott sei Dank kriegte Karel den Dreh noch mal, zog sich aus seinem Alkoholsumpf heraus und machte die Küche und die Bierfässer wieder auf. Uffff!



In dieses Etablissement also führte Porterhouse die Jungs. Der vermisste Bronson saß übrigens an der Theke, und keiner wunderte sich drüber.

Spike schaute sich neugierig um. Gründlich begutachtete er den großen Raum mit der langen Theke zur Rechten, die vielen Bilder hinter der Theke, die abgesägten Baumstämme in der Mitte und die auf einem Podest stehenden Tischgruppen zur Linken. Er musste lachen über die Troddeln an den Lampen, und alles zusammen erinnerte ihn irgendwie an einen irischen Pub.

Er hörte lautes Gepolter und sah, er traute seinen Augen kaum, einen Kicker-Automaten, der etwas versteckt in einer Nische rechts von der Eingangstür stand. Ein seltenes Stück, und er war natürlich besetzt von vier Typen, die sich die Bälle um die Ohren hauten. Spike hatte eine Vision, nämlich dass er hier viele kurzweilige und vor allem kickende Stunden verbringen würde.

„Pils?“ fragte der mittelgroße hagere Mann hinter der Theke, der sich an einer Zapfanlage zu schaffen machte.

„Ihr habt Pils?“ fragte Spike ungläubig zurück.

„Pilsener Urquell“, war die lakonische Antwort .

„Ich muss im Himmel sein.“ Spike war überwältigt, denn in so einem Laden hätte er höchstens Lagerbier aus der Plastikflasche erwartet, oder vielleicht noch Schlimmeres wie zum Beispiel biergefüllte Plastikbecher mit Deckeln zum Abreißen...

„Bitte ein Großes“, verlangte er nach Gerstensaft sabbernd.

„Wir haben nur Große!“

„Ausgezeichnet!“, meinte Spike äußerst zufrieden, während der Mann hinter der Theke in Windeseile fünf Gläser mit Bier voll zapfte. Und das ging recht flott, weil er schon einen Vorrat an viertelvoll gezapften Gläsern angelegt hatte.
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Und dieser Vorrat wurde sofort wieder ergänzt, denn der Dienst am Kunden, vor allem der schnelle Dienst am Kunden, war Karels erklärtes Motto.



Allmählich soff man sich so ein.

Karel, ein sehr aufmerksamer Wirt, stellte unaufgefordert jedem sofort ein neues volles Glas hin, wenn das alte nur noch ein Pfützchen (mehr oder weniger groß) beinhaltete, und seine Gäste sahen das nicht als Belästigung oder Geschäftemacherei an, sondern als EinsA Service.

Kurzum, es war fantastisch!

Als die Kickerspieler endlich verschwanden, machten Spike und Snikkers gegen Casio und Bronson ein Spielchen. Währenddessen machte ihr fünfter Mann, nämlich Porterhaus, eine schnelle Nummer mit einer Punklady, und zwar auf dem Parkplatz vor dem Laden.



Als sie um drei Uhr vom Wirt rausgeworfen wurden, hatte Spike den wohl lustigsten Saufabend seit langem verbracht, er ließ den Van stehen und machte sich zu Fuß auf den Weg nach Hause – er hatte nämlich vor, ein verantwortungsvoller Bürger zu werden. Echt!



Fortsetzung...
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Kommentare zur Story:

  danke michael! und wir werden ja sehen... ;)  
   Ingrid Alias I  -  13.07.11 14:08

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  Ich vermute auch, dass Liliah Spike in eine Falle locken möchte, da diese dubiose Firma ihre Hände im Spiel hat. Ansonsten schließe ich mich den anderen Meinungen an. Super hast du dieses verruchte "Everybody" beschrieben.
LG. Michael  
   Michael Brushwood  -  12.07.11 17:00

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  @ petra - ja, die sind schon süß, und mal schauen, ob was draus wird und ob lilah vertrauenswürdig ist...

@ dieter - jaaa, manchmal verhalten sich die so, auch die wirte... *g*

@ doska - momentan läuft es wirklich nur platonisch, obwohl lilah schooon will...

@ jingizu - yes, er will... echt! und den saftladen gab es mal. aber nur in der wirklichkeit. ;-)

@ jochen - wenn man weiß, dass ein haus verwanzt ist, dann kann man damit arbeiten ;-)

danke, ihr lieben fürs lesen, obwohl ja gar nicht viel passiert...  
   Ingrid Alias I  -  09.07.11 12:01

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  Ich finde die beiden, Spike und Lilah ja eigentlich süß, so zusammen. Aber ich traue Lilah nicht richtig über den Weg. Spike scheint völlig arglos. Er genießt so richtig sein neues Leben.  
   Petra  -  08.07.11 22:32

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  Das ist wirklich ganz menschlich unterschiedlich wie Spike und Menschline Lilah ihren Feierabend genießen. Sie in aller Stille, er mit seinen "Jungs" Zum schmunzeln, der verschrobene Wirt.  
   Dieter Halle  -  08.07.11 11:22

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  Ist ja niedlich wie Spike Lilah Komplimente macht. Aber etwas anderes als eine platonische Freundschaft scheint sich momentan nicht anzubahnen. Toll die Kneipenatmosphäre geschildert. Ich bin gespannt, was Lilah als nächstes tun wird.  
   doska  -  07.07.11 16:58

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  "... ein verantwortungsvoller Bürger zu werden. Echt!" Echt? ^^ Na das kann ja was werden.

Dieses "Everybody" ist mir ja ein herrlicher Saftladen - toll beschrieben!  
   Jingizu  -  07.07.11 06:36

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  Spike und Lilah vertragen sich eigentlich bisher ganz gut. Das Haus ist auch in Ordnung aber wohl verwanzt. Lilah scheint informiert zu sein. W&H haben bestimmt nichts gutes vor. Die Frage ist nur was? Jedenfalls genießt Spike sein neues Leben in vollen Zügen. Spannend und amüsant zu lesen.  
   Jochen  -  05.07.11 21:49

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