Nachdenkliches · Kurzgeschichten

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 8. Juni 2011
Bei Webstories eingestellt: 8. Juni 2011
Anzahl gesehen: 1650
Seiten: 2

Gestern bin ich ihm wieder über den Weg gelaufen. Mist, warum habe ich nicht aufgepasst!



Der Typ ist ja völlig durchgeknallt, und alle paar Jahre, wenn wir uns begegnen, läuft es nach dem gleichen Schema ab. Natürlich war es auch diesmal so.



Kaum hatte er mich erblickt, da blinkte hinter seinen kugelrunden Brillengläsern ein vages Erkennen auf.

„Viola“, stammelte er vor sich hin, während sein Blick sich auf seine Füße richtete. „Hast du Viola gesehen?“

„Nein“, sagte ich unwirsch. „Ich hab’ sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen!“

Er glotzte mich an und versuchte wohl, den Sinn meiner Worte zu erfassen. Anscheinend schaffte er es, und sein Blick richtete sich wieder enttäuscht auf seine Füße. Prompt hatte er mich abgeschrieben, denn ich wusste nichts von Viola.





Himmel, der Typ ist verrückt, und er war bestimmt schon verrückt, bevor er sich durch alle möglichen Drogen das Gehirn ausbrannte, bis nur noch ein einziger Gedanke darin übrig blieb, nämlich der Gedanke an Viola.



Viola, ich hatte sie vor dreißig Jahren kennen gelernt, sie gehörte zu einer Clique von jungen Gymnasiasten, die kurz vorm Abitur standen. Sie war ein hübsches Ding, sehr süß, sehr eigenwillig, sehr leidenschaftlich. Ihre dunklen Augen standen asiatisch schräg, und ihre braunen Haare trug sie wie Prinz Eisenherz. Ich stutzte, imitierte der Typ etwa ihre Frisur? Wollte er ihr damit näher sein oder sich gar in sie verwandeln? Wäre ihm zuzutrauen...



Aber zurück zu Viola: Sie hatte sich dann verknallt, und zwar in einen gutaussehenden, intelligenten und vor allem arroganten Typen. Aber der ließ sie fallen, und sie rannte ihm vergebens hinterher.



Komisch, das bringt mich jetzt zu meinem eigenen Leben. Ich sehe mich als erfolgreichen Mann, gut situiert, gut aussehend und mit der richtigen Portion Arroganz. Ich kriege alle Frauen, die ich will. Aber dennoch ist da eine Leere in mir, die ich einfach nicht ausfüllen kann. Diese Leere lässt mich an mir selber zweifeln. Was will ich? Warum bin ich nicht so glücklich, wie ich eigentlich sein müsste? Was stimmt nicht mit mir? Nein, das ist Quatsch, mit mir stimmt alles, alles ist bestens.
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Und dennoch...



Ob ich diesen Irren noch mal wiedersehe? Ich hoffe nicht. Falls aber doch, dann werde ich unauffällig auf die andere Straßenseite gehen, nicht weil er mir leid tut oder weil er mir lästig ist, nein, ich beneide diesen Bastard irgendwie, er hat geliebt, und er liebt immer noch, und auch am Ende wird er nur dieses eine Wort sagen: Viola.



Viola, die Frau, die ich einst verschmähte...
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Punktestand der Geschichte:   77
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Kommentare zur Story:

  danke michael! tja, es gibt leute, die alles haben und dennoch neidisch sind auf die ärmsten... ;-)  
   Ingrid Alias I  -  15.06.11 13:39

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  Deine Geschichte ist der Spiegel des realen Lebens. Auch so ein Macho muss mal richtiges Fett abbekommen. Viel zu oft gewinnen diese Typen im alltäglichen Leben die Oberhand.
LG. Michael  
   Michael Brushwood  -  15.06.11 05:12

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  @ petra
jo, er ist schon ziemlich eingebildet, aber auch er kann nicht alles haben...
@ jochen
nur die frisur... ;-) der rest bezieht sich auf die standhaftigkeit der liebe von dem... ach, was erzähl' ich denn da? ;-)
lieben gruß an euch!  
   Ingrid Alias I  -  11.06.11 12:01

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  Hm, eine Frau wie Prinz Eisenherz, weiß nicht, hätt`ich die genommen? Mal scharf nachdenken. Ne, die hatte ja nur so eine Frisur. Schöne witzige Story mit einer gelungenen Pointe.  
   Jochen  -  10.06.11 22:27

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  So hat der olle Angeber auch sein Fett abgekriegt. Hat mir Spaß gemacht.  
   Petra  -  10.06.11 22:07

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  danke dieter! ;-)
das problem ist, dass man die eigenen storys meistens nicht beurteilen kann. aber wenn man glück hat, dann kriegt man den dreh irgendwann. vielleicht...
lieben gruß an dich  
   Ingrid Alias I  -  10.06.11 15:06

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  Gefiel auch mir. So können manchmal durch Zufall interessante kleine Geschichten entstehen.  
   Dieter Halle  -  09.06.11 17:18

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  ich danke allen fürs lesen, kommentieren und bewerten, ist seltsam mit dieser story: sie liegt schon seit ewigkeiten in der schublade, okay auf'm pc, und gestern kam ich dann auf die idee, sie in der erzählrolle mit einem mann zu besetzen. alles andere ergab sich dann auf einmal... ;-)
lieben gruß an euch  
   Ingrid Alias I  -  09.06.11 13:54

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  So kann das manchmal sein. Humorvoll und treffend geschildert.  
   Gerald W.  -  08.06.11 22:09

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  Verrückte verzwickte Welt!

Da beneidet einer den Anderen, der die haben wollte aber nicht haben konnte, die er selbst haben konnte, aber nicht haben wollte.

Schöner Text!  
   Geminus  -  08.06.11 21:21

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  Eine kleine Episode aus dem alltäglichen Leben, die einen schmunzeln lässt. Sehr gelungen.  
   doska  -  08.06.11 20:16

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  schöne, hintergründige situationskomik. so kann es gehen.
liebe grüße von  
   rosmarin  -  08.06.11 19:22

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Kommentar von "Sabine Müller" zu "finn"

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