Holidays in Kampodia Kap. IV – Teil 1 GEWITTER   290

Romane/Serien · Romantisches

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 15. April 2010
Bei Webstories eingestellt: 15. April 2010
Anzahl gesehen: 4136
Seiten: 9

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Es geschah nicht oft, dass Dad Archibald seine Tochter schockte, aber diesmal schaffte er es. Und das kam so:

Archibald war sauer auf Andy, die mal wieder jemanden wegen der Gerechtigkeit verprügelt hatte. Leider hatten ihm die Eltern des Verprügelten eine Schadensersatzklage angedroht. Gut, durch Zahlung einer großzügigen Summe konnte er die verhindern, aber Andy wurde allmählich zu teuer. Musste sie jedem Idioten gleich die Nase einschlagen?

Archie war kein Heuchler wie gewisse andere Väter, die ihre fast erwachsenen Söhne in einen Puff schicken, damit sie dort die ‚Liebe’ kennen lernen, während sie andererseits ihren fast erwachsenen Töchtern einen Keuschheitsgürtel anlegen wollen. Nein, so einer war er nicht. Er meinte allen Ernstes, wenn Andy mal so richtig guten Sex hätte, dann wären ihre Gelüste auf eingeschlagene Nasen vielleicht nicht mehr ganz so groß. Und diese Meinung teilte er seiner Tochter auch ganz unverblümt mit.

„Das hat doch gar nichts miteinander zu tun“, sagte Andromeda empört. „Also wirklich Dad, du mit deinem zwanghaften Denken an Sex, das ist nicht ganz normal!“

„Zwanghaft? So ein Quatsch!“, konterte Archie. „Ich halte Sex nur für etwas vollkommen Normales, im Gegensatz zu dir anscheinend...“

„Das muss ich mir nicht anhören! Ich geh’ jetzt zu Max, der würde mir nie so einen Scheiß erzählen!“

„Geh’ ruhig zu Max.“ Archibald war in diesem Moment tatsächlich etwas eifersüchtig auf Max und verspürte deshalb das Bedürfnis, seine Tochter ein bisschen zu ärgern. „Meinst du, dein Max bleibt ewig hier? Neeiiin, bestimmt nicht! Irgendwann wird er heiraten, Kinder kriegen – und woanders seinen eigenen Betrieb aufmachen.“

Andromeda war geschockt. Max gehörte so zu ihrem Leben, dass alleine die Vorstellung, er könne eines Tages nicht mehr da sein, vollkommen absurd war. Vollkommen unvorstellbar war.

„Quatsch!“, giftete sie. „Max und heiraten! Er ist doch überhaupt nicht der Typ dazu!“

„Andromeda, ich bitte dich!“ Archie machte eine sehr effektvolle Pause, bevor er weitersprach: „Ist er schwul? Oder ist er etwa impotent?“

Andromeda erinnerte sich sofort an einen gewissen Abend vor ein paar Jahren und musste sich selber zähneknirschend beide Fragen verneinen.
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Automatisch schob sich das Bild vor ihre Augen, als er mit dieser fremden Frau in seinem Schlafzimmer DAS getan hatte. Aus ihr völlig unbekannten Gründen hatte sich dieses Bild in ihr Gehirn eingeätzt.

Sie schüttelte den Kopf, teils, um die Frage ihres Vaters nach Max’, oh Gott, Potenz zu verneinen und teils, um das Bild zu verscheuchen. „Aber was soll er denn woanders?“ fragte sie schließlich, kleinlaut und nachdenklich geworden.

„Du bist wirklich naiv, mein Kind. Meinst du, Kampodia ist der Nabel der Welt?“ Die Stimme ihres Vaters klang ein wenig sarkastisch.

„Max wird nie von hier weggehen“, sagte Andromeda verzweifelt. Ihr Vater hatte etwas in ihr aufgeweckt, das sie gar nicht wissen wollte. Natürlich war das Verwalterhäuschen viel zu klein für eine Familie. Familie? Nein! Das war unvorstellbar. Max mit einer Frau, die immer um ihn herum wäre und eventuell mit Kindern? Er hätte dann bestimmt keine Zeit und kein Interesse mehr für sie.



Andy ist verunsichert. Alles war für sie so selbstverständlich: Max wird nie heiraten, und eigene Kinder will er auch nicht. Er hat zwar mit vielen Frauen rumgemacht, so kommt es ihr jedenfalls vor, aber er ist vorsichtig. Wieder erscheint das Bild von damals vor ihren Augen, wie er sich das Kondom... Sie stöhnt auf, und wieder schüttelt sie den Kopf, um das Bild zu vertreiben.

Die Frauen waren alle nicht lange da. Aber vielleicht trifft er ja mal eine, die ihn sich schnappt... Irgendeine Schlampe! Trotzdem wird er auf jeden Fall für immer in Kampodia bleiben, alles andere ist absolut erschreckend. Das fühlt sie auf einmal so deutlich, dass sie nach Luft ringt. Sie muss mit ihm sprechen, ihn fragen, was er vorhat.



Und sie schämt sich, weil sie noch nie daran gedacht hat, dass er vielleicht irgendwann heiraten wird und Kinder haben will. Sie schämt sich, und außer der Scham ist da noch ein anderes Gefühl, sie kann es nicht benennen. Der Gedanke an eine zukünftige Frau Lakosta verstört sie und tut gleichzeitig auf seltsame unbekannte Art weh.

Sie verabschiedet sich nicht von ihrem Vater, der ihr verwundert nachschaut, stürmt die Treppe hinunter und läuft über den Hof zu Max' Haus.



Die Lakostas, Nachfahren ungarischer, tschechischer und polnischer Einwanderer, lebten traditionell in den ärmlichen kleinen Häusern des Unteren Dorfes.
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Max war der uneheliche Sohn eines Frühsaisonarbeiters, es handelte sich um einen italienischstämmigen, gut aussehenden Schurken, er hatte sich am Ende der Saison im wahrsten Sinne des Wortes vom Acker gemacht und nie erfahren, dass ein Sohn von ihm in Kampodia lebte.

Der kleine Max wuchs also vaterlos auf, erzogen wurde er von seinen älteren Vettern, er war wegen seiner körperlichen Stärke auch für die größeren Jungs ein gefährlicher Gegner. Er trieb sich herum, bis er mit fünfzehn Jahren den Dreh kriegte und alles änderte, er besuchte wieder regelmäßig die Schule und fing an, seine Mutter finanziell zu unterstützen. Sie hatte nämlich große Opfer gebracht, damit er aufs Gymnasium gehen konnte.

Archibald von Kampe fand Gefallen an Max und ließ ihn auf dem Gut arbeiten, er ermutigte ihn auch, Agronomie zu studieren und bot ihm Unterstützung an, die Max jedoch ablehnte.

Er musste nebenbei jobben, um sein Studium zu finanzieren. Am Anfang fuhr er Pizza aus, und irgendwann verschaffte ihm seine ruhige gelassene Art dann den Job im Jedermann.

Im Winter spielte er Eishockey (wer das Schlittschuhfahren auf dem rauen Eis der Kampodia-Teiche erlernt, der ist darin unschlagbar), man war sehr interessiert an ihm, aber er wollte kein Berufssportler werden. Er machte einen ausgezeichneten Abschluss an der Uni und erhielt mehrere Arbeitsangebote von ländlichen Betrieben, die er im Laufe seines Praktikums kennen gelernt hatte. Er entschied sich für Archie zu arbeiten, und der überließ ihm die volle Verantwortung für das Gut. Max verwandelte das Gut in einen Reiterhof, züchtete robuste Pferde, die bei Reitern sehr beliebt waren, verwandelte totes Land in lebendigen Boden, ließ die Gäste arbeiten – sie arbeiteten mit dem gleichen Eifer, mit dem Tom Sawyers Freunde einen Zaun anstrichen, den Tom eigentlich selbst hatte anstreichen sollen – und durch gutes Marketing verkaufte Max die ökologisch angebauten pflanzlichen Produkte mit enormen Gewinn, denn die so genannte Bio-Kost erfreute sich immer größerer Beliebtheit.

Natürlich war auch Andromeda ein Grund für Max, im Alter von fünfundzwanzig Jahren nach Kampodia zurückzukehren, denn er fühlte sich für dieses Kind verantwortlich.
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Seine erste sexuelle Erfahrung machte der damals vierzehnjährige Max übrigens auf dem Heuboden in den Ställen des Kampeschen Gutshofes, bevor ein Reiterstübchen daraus wurde, und zwar mit einem sechzehnjährigen Küchenmädchen. Das war ein Jahr, bevor seine sechs Jahre ältere Kusine Zirza auf ihn aufmerksam wurde. Damals war sie frisch mit Archie verheiratet.



Max ist nicht im Häuschen. Aber er kommt gerade aus dem Stall und führt sein Pferd, den riesigen Mustang Zagato am Halfter. Zagato ist nicht gesattelt, und er trägt auch keine Kandare. Max bevorzugt die Kandare, er vertritt die Meinung, die Trense wäre nicht gut für die Pferde, weil unerfahrene Reiter zu hart damit umgehen würden.

Sie geht zögernd zu ihm hin. Er kommt ihr anders vor als sonst, er sieht so groß aus, und dann auf einmal dämmert es ihr: Er ist ein Mann, ein überaus erwachsener Mann, und sie hat ihn bisher wie einen Spielkameraden behandelt. Außerdem sieht er gut aus, die blaue Latzhose unterstreicht seine Männlichkeit und das graue T-Shirt auch. Sogar die derben Arbeitsstiefel wirken anziehend bei ihm, machen ihn noch attraktiver. Von sich selber sagt er immer, er wäre nur ein simpler Bauer.. Ha, von wegen simpler Bauer, er ist ein intelligenter, ein cleverer, und vor allem ein blendend aussehender Bauer... Wieso hat sie nie bemerkt, wie gut er aussieht?

„Ich schicke ihn in den Urlaub. Er hat ihn sich verdient, der alte Knabe“, sagt Max, als sie bei ihm angekommen ist. Max meint die Pferdeweide mitten im Wald, wo sie im Sommer nach und nach die Pferde hinbringen, damit sie sich dort austoben können. Es gibt dort eine Art offenen Stall, damit die Tiere bei Unwettern Unterschlupf finden können, ab und zu bringt jemand vom Gutshof den Tieren Heu und Stroh. Für Wasser ist gesorgt. Ein kleiner Bachlauf befindet sich am Rand der Weide, es ist derselbe Bachlauf, der die Strulle im Dorf speist, also hat er hervorragendes Wasser.

Zagato trägt keinen Sattel, weil Max den Sattel sonst den ganzen Weg zurückschleppen müsste.



„Ich muss mit dir sprechen“, sagt Andromeda und spürt einige Schweißperlen auf ihrer Stirn. Ist es heute wirklich so heiß oder schwitzt sie nur, weil sie sich so seltsam vorkommt? Alles an ihr fühlt sich feucht an, ihr entblößter Bauch zwischen dem Top und den Bermudas, ihr Nacken, obwohl sie ihr üppiges Haar zu einem Pferdschwanz hochgebunden hat, und sogar ihre Knie scheinen feucht zu sein.
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„Dann komm’ mit. Wir laufen hin.“ Max lässt den Mustang los, und der trottet wie ein Hund hinter ihnen her.

Schweigend schlagen sie den Weg an der Kirche ein, der in den Wald führt und sonst nirgendwohin, denn hinter dem Wald bauen sich die Berge auf. Man erkennt die Gipfel der fünf Berge, die oben kahles Gestein zeigen und von denen der eine auf seiner rechten Seite so aussieht wie das Profil des Expräsidenten Richard Nixon.

„Wieso heißt der nicht Nixon, wenn er schon so aussieht?“ sagt Max endlich, um das Schweigen zu brechen. „Nein, stattdessen heißt er Eberstein, ein wirklich nichtssagender Name für einen Berg...“

„Jaaa... Obwohl Eberstein auch recht hübsch ist...“, Andy ist nicht ganz bei der Sache, sie fühlt sich seltsam befangen. Sie weiß nicht, wie sie anfangen soll und denkt dann, ach was soll’s, ich frag ihn jetzt einfach.

„Max, sag’ mal, willst du eigentlich Kinder haben?“

„Also wirklich, Andy“, Max muss lachen. „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.“

„Ehrlich nicht? Aber du willst doch bestimmt irgendwann einmal heiraten?“ Andromeda spürt, wie ihr wieder der Schweiß ausbricht, es ist fürchterlich heiß heute, es geht kein Windhauch. Sie gehen über einen schmalen ausgewaschenen Waldweg, und die hohen Fichten reichen bis an ihn heran. Der dichte Nadelteppich im Wald dämpft alle Geräusche, und man hört auch keinen einzigen Vogel singen. Klar, denkt Andy, im Fichtenwald gibt es keine Vögel. Und hoffentlich auch keine wilden Eber...

„Was ist los mit dir, Andy?“ Max lacht wieder. „Übers Heiraten hab’ ich mir auch noch keine Gedanken gemacht. Du weißt doch, wem mein Herz gehört...“

Das ist ein uralter Scherz zwischen ihnen. Andy hat als Kind einmal gesagt, sie wolle ihn heiraten, wenn sie groß wäre, und Max hat daraufhin gesagt, dass er zu dieser Zeit ganz bestimmt schon ein alter Sack wäre, aber dass er sie trotzdem lieb hätte.
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Hat er sie immer noch lieb, oder hat er das mit dem Liebhaben nur gesagt, um die damals achtjährige Andy ruhig zu stellen? Andromeda fühlt sich unbehaglich, sie fängt an, auf dem holprigen Waldweg zu stolpern und meint, ein fernes Knurren zu hören. Sie hofft, es ist ihr Magen, der da knurrt.

„Was ist denn?“, fragt Max besorgt und greift nach ihr, um sie am Stolpern zu hindern.

Andromeda hält sich zögernd an seiner Hand fest, Mist, was ist los, sie hat ihn doch schon tausendmal berührt, aber heute kommt ihr alles anders vor. Es muss an der dicken Luft liegen, sie ist verunsichert, sie meint, eine Veränderung im Wetter festzustellen, oh nein, nicht das! Bitte kein Gewitter!

In ihren Augen steht Panik. Ein Gewitter ist das Allerletzte, was sie jetzt erleben will. Beim letzten Gewitter ist sie dermaßen außer Kontrolle geraten, dass sie wie ein hilfloses Bündel Mensch in ihrem Bett lag, mit über den Kopf gezogener Bettdecke. Und trotzdem war es schlimm, sie fühlte sich so hilflos, so verlassen...

„Wir sind bald an der Weide, da können wir uns unterstellen“, sagt Max gelassen, denn er will Andromeda nicht noch mehr beunruhigen. Mittlerweile ist es ihm klar, dass da ein Unwetter im Anzug ist, und zwar keins von schlechten Eltern. Sie haben das Wetterleuchten nicht gesehen, es kam von hinten, jetzt sitzt es vor den hohen Bergen fest, und mittlerweile zuckt und blitzt es am Himmel, dass es wie ein gefährliches Feuerwerk aussieht.

Sie hören Zagato wiehern, der Mustang bäumt sich auf, macht eine Kehrtwendung und galoppiert davon in Richtung Gutshof. Max lässt ihn laufen, Zagato wird den Weg nach Hause von alleine finden.

Ein erster kräftiger Donnerschlag ertönt, endlos rollend und laut. Und er ist nur die Vorhut von weiteren...



<<< Und sie hört das Laute, das fürchterlich knallt und vor dem sie fürchterliche Angst hat. Und sie sieht die grellen Lichter, die nach dem Lauten kommen. Immer abwechselnd geschieht das, ein grelles Licht, so dass sie vor Angst die Augen zukneift und kurz darauf ein gewaltiges Krachen, gegen das sie nichts machen kann, denn sie ist ja noch ein Baby, das zwar ein bisschen laufen oder vielmehr stolpern kann, aber dass man sich die Ohren zuhalten kann – was sind Ohren – davon weiß sie nichts.
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>>>



Andromeda stürmt nach links in den dichten Fichtenwald, sie will sich irgendwo verkriechen, will dem dröhnenden Donner entfliehen und die grellen Blitze nicht mehr sehen.

„Verdammt noch mal, Andy. Wo willst du denn hin?“ Max läuft ihr hinterher und hält sie fest, aber sie reißt sich los.

Es fängt urplötzlich an zu regnen, als ob der Himmel alle Schleusen geöffnet hätte. Es ist ein fürchterliches Chaos von Blitzen und von Donnerschlägen - begleitet von einem sintflutartigen Niederschlag, der erbarmungslos vom Himmel herunter prasselt.



<<< Dann kommt das Nasse von oben und saugt sich in ihren Sachen fest, und dann kommt das Kalte, das sie zum Zittern bringt. >>>



Andromeda wirft sich auf den weichen Waldboden und versucht, sich in den dichten Nadelteppich einzugraben.



<<< Sie findet schließlich in einem Haufen Laub Zuflucht, das Laub erinnert sie wohl an die Decke, die sie zu Hause in ihrem Kinderbett hat, und sie gräbt sich instinktiv darin ein. Das Kalte und das Nasse verdrängen ein wenig die Schmerzen in ihren Wunden, die von dem Tier und von dem starren borstigen Unterholz stammen, in das sie gekrochen ist, um instinktiv Schutz zu suchen.

Es dauert Ewigkeiten, das Kalte, das Nasse, die Schmerzen, bis sie schließlich nur noch leise vor sich hinwimmert und auf irgend jemanden wartet, der sie von diesen Sachen erlösen wird. Aber es kommt niemand.

Dann auf einmal gibt es eine Änderung.

Jemand berührt sie, und wieder hat sie Angst, es wäre das große Tier, das ihr schon einmal Schmerzen zugefügt hat.

Aber es ist nicht das große Tier. >>>



Es ist Max, er ist warm und sicher, und sie schlingt ihre Arme um ihn, weil er so warm und sicher ist.

Schlagartig hört sie den Donner nur noch gedämpft, und auch die Blitze haben ihren gleißenden Schrecken verloren.

Sie legt ihren Kopf an Max’ Brust, und Max hält sie in seinen Armen. Sie ist getröstet. Der prasselnde Regen verwandelt sich wie durch ein Wunder in eine erfrischende Dusche nach einem heißen Tag.

Und alles ist gut.



Das Gefühl der Beruhigung hält allerdings nicht lange vor und macht auf einmal einem anderen völlig unerwarteten Gefühl Platz.
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Einem erregenden Gefühl, einem aufwühlenden Gefühl.

Sie schlingt ihre Arme um Max’ Hals, drückt ungestüm ihre Lippen auf seinen Mund – und fängt an, ihn wild zu küssen.

Max ist zuerst verwirrt, dann jedoch kann er ihr nicht widerstehen, er liebt sie schließlich, und das Gefühl, sie so eng in seinen Armen zu halten, überwältigt ihn, obwohl er weiß, dass daraus nicht Gutes entstehen kann.

Sie küssen sich hungrig wie Besessene, und das sind sie wohl auch, sie erforschen sich mit ihren Zungen, mit ihren Händen, liebkosen sich wie von Sinnen.

Sie liegen eine Ewigkeit auf dem Nadelteppich unter den Tannen, küssen sich und spüren einander. Sie versuchen, so nahe wie möglich beieinander zu sein. Sie schauen sich an, als hätten sie sich noch nie gesehen, berühren sich fassungslos, küssen sich immer wieder... Es ist wie ein endloser Reigen von ungeschickten innigen Zärtlichkeiten.



Das Gewitter hat mittlerweile seinen Schrecken verloren, und der Regen ist wirklich nur noch eine erfrischende Dusche nach einem heißen Tag.

Max ist nach diesen ewigen Minuten derjenige, der sich als erster zurückzieht.

„Max?“ Andromeda verspürt einen schmerzlichen Verlust. Warum zieht er sich zurück? Warum? Sie kann es kaum ertragen, ihn nicht mehr zu spüren. Gerade ist sie dabei gewesen, sich ihm hinzugeben, ohne nach irgendetwas zu fragen und dann... Was zum Teufel ist los mit ihm? Warum steht er auf und lässt sie allein?

„Ich hätte das nicht tun dürfen“, Max sieht verlegen auf sie herab.

„Warum nicht?“ Andromeda erhebt sich langsam.

„Es ist nicht gut für dich. Du bist noch zu jung.“ Max’ Antwort auf ihre Frage klingt schal und beschissen wie die Antwort von Erwachsenen auf die Fragen von Kindern.

„Warum nicht?“ Andromeda lässt nicht locker. Sie hat etwas in ihm gespürt, das er mit seinen dämlichen Erwachsenenphrasen nicht verleugnen kann. Also, warum zum Teufel will er das verleugnen, was gerade passiert ist?

„Andy, du weißt doch, du bist mein Mädchen. Aber du bist noch viel zu jung dafür.
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Also lass uns das vergessen.“

„Dein Mädchen bin ich also? Warum erzählst du dann so einen Mist?“ Sie ergreift seine Hand und streichelte sie.

„Wir sollten jetzt nach Hause gehen“, sagt er streng, lässt aber zu, dass sie weiter seine Hand streichelt und dann wie früher, als sie noch ein kleines Mädchen war, ihre Handfläche unter seine schiebt. Als Zeichen des Vertrauens, instinktiv weiß sie, dass ihm das gefällt.

Er spürt ihre Handfläche unter seiner Hand, und ihre Berührung fühlt sich so ... so ergeben an, dass ihm die Augen feucht werden.

Oh Gott, er liebt sie. Es darf nicht sein, aber was soll er dagegen machen. Dieser endlose Kuss hat Wünsche in ihm aufgeweckt, die er bisher verleugnet hat, und wenn sie auch nur ahnen würde, was sie ihm bedeutet... Nein, sie darf es nicht ahnen.



Die Blitze und der Donner hatten sich entfernt, und es regnete nicht mehr, als sie den Waldweg in Richtung Gut zurückgingen. Sie hatten sich bei den Händen gefasst, sie sahen beide aus, als hätten sie sich zuerst im Dreck und dann im Schlamm gewälzt, sie sahen aus, als hätten sie eine hitzige Liebesnacht miteinander verbracht, aber sie hatten sich doch nur geküsst, und für Andromeda hatte sich auch nur ihr Leben verändert.

Max, er war es! Nur Max konnte ihre Ängste besänftigen, nur Max war es, der ihre Erregung anfeuern konnte, nur Max war es. Nur er...



Als sie nach einer Viertelstunde die Kirche und kurz darauf den Gutshof erreichten, hielten sie sich immer noch an den Händen.

„Ich komm’ nachher bei dir vorbei“, sagte Andromeda zu Max, sie löste ihre Hand aus seiner, gab ihm einen kurzen Kuss und ging beschwingt in Richtung Herrenhaus.

Max sah ihr sehnsüchtig nach. Jetzt war es passiert, der Anfang vom Ende, aber es war schön, es war so verdammt schön. Sie war so schön, so gut... Was zum Teufel sollte er nur tun?



Fortsetzung mal gugge. ;)
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Punktestand der Geschichte:   290
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Kommentare zur Story:

  danke schön! ich mag diesen teil auch sehr, und vor allem hoffe ich, dass ich dieses niveau einigermaßen halten kann, natürlich wird es nicht immer so schön, so dramatisch, so erotisch und auch nicht so brutal sein (eingeschlagene nasen). ;)) ist halt nur ein roman und keine kurzgeschichte. aber für kritik bin ich immer offen. ;))
lieben gruß an alle, die das lesen.  
   Ingrid Alias I  -  18.04.10 16:22

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Auch mir hat dieser Teil ganz besonders gut gefallen, denn er hat alles, was ein toller Roman haben sollte. Humor, Romantik, Atmosphäre, Charakter, Spannung und Erotik. Außerdem sind mir Max und Andy hochsympathisch, aber das nur nebenbei. (Auch wenn Andy Nasen einschlägt) Wirklich eine super Story.  
   Petra  -  16.04.10 20:27

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  Donnerwetter, dass Andy Nasen einschlägt, das hätte ich nun nicht von ihr gedacht. Ist ja direkt gefährlich die Frau. Da muss man sich ja hüten ihr nicht im Dunkeln zu begegnen. Auf der anderen Seite fürchtet sie sich vorm Gewitter. Hinzu kommen diese Küsse - da soll sich Max noch mit ihr auskennen, der arme Kerl.
Ich sag`s ja immer Männer werden stets überfordert von den Frauen.
Jetzt mal im Ernst, das hier ist eines der schönsten Kapitel dieses Romans. Habe es mit Genuss gelesen.  
   Jochen  -  16.04.10 19:35

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  Einfach toll geschrieben vom Anfang bis zum Ende. Bezaubernd Andromedas Gespräche mit dem Vater und aufwühlend das aufziehende Gewitter mit Andromedas parallel dazu verlaufender Gefühlswelt. Ein wilder erotischer Schluss. Sehr gelungen.  
   doska  -  15.04.10 22:36

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

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