Der Hüter des Drachen - Kapitel 11 (letztes Kapitel)   381

Romane/Serien · Fantastisches

Von:    Robin van Lindenbergh      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 23. November 2009
Bei Webstories eingestellt: 23. November 2009
Anzahl gesehen: 2058
Seiten: 9

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Der Tod kam nicht. Gerade als der Drache zustoßen wollte, wurde er von etwas erfasst. Ich verspürte einen Ruck, der den Körper der Echse von mir schleuderte. Verwundert riss ich die Augen auf und erwartete meinen Bruder zu sehen, aber ein gänzlich anderer, ein hellgrüner Drache stand in wenigen Metern über dem Silbernen und kämpfte verbissen.

Allerdings hatte ich keine Zeit mich mit ihm zu beschäftigen, denn nun zog Kyrill seine Diamantklinge und stieß auf mich herab.

„Verdammt! Stirb endlich!“

Seine Wut verlieh ihm ungeahnte Kräfte, aber mir gelang es dieses Mal schneller zu reagieren. Mit einem Satz stand ich wieder auf den Füßen und schleuderte ihn mit einem Streich meines Schwanzes an die Palastmauer neben seinen Drachen. Auch Kyrill blieb dort liegen.

„Eure Herrschaft ist vorbei!“ brüllte ich und spie den anderen beiden eine Feuerwand entgegen, bevor sie auch noch auf dumme Ideen kamen. Prokons Gewand ging in Flammen auf, sein Haar schwelte und rauchte noch bevor er es schaffte, sich die Robe abzustreifen.

Sie kümmerten mich nicht mehr.

Der hellgrüne Drache war noch immer im Kampf mit dem Silbernen, aber der andere machte nur noch halbherzige Versuche sich zu wehren. Zwei riesige Wunden klafften an seinem Hals und an seinem Rücken. Er war geschlagen und ohne Prokons Zutun würde er auch erst einmal vom Kampf ablassen. Aber das schien dem Grünen nicht zu reichen, denn er schlug wieder und wieder auf seinen Gegner ein.

„Lass ihn!“ rief ich.

Der Kopf des Grünen fuhr hoch, so als würde er mich erst jetzt bemerken.

„Dann töte ich eben zuerst dich“, sagte er entschlossen.

Diese Aussage machte mir klar, dass er ebenfalls unter dem Befehl des Kaisers stand, aber ich wunderte mich, dass er dennoch zum Sprechen fähig war, hatten die anderen doch nur noch das Wort Töten grunzen können.

Lange konnte ich mich nicht wundern, denn schon hatte er sich auf mich gestürzt und mich genau wie den Silbernen zuvor von den Füßen gerissen. Seine Krallen und Zähne schienen überall zu sein und er versetzte auch mir einige schmerzhafte Verletzungen.

Mir blieb nur, mich richtig zu verteidigen, anstatt seine Angriffe nur abzublocken. Besser er würde verletzt als ich getötet.
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Mit einem gewaltigen Schwanzschlag fegte ich meinen Gegner von den Füßen und setzte einen Krallenhieb nach. Zwei lange Striemen blieben auf der Flanke des Grünen zurück. Ich stockte, denn aus der Verletzung quoll rotes und nicht goldenes Blut hervor.

„Nein, Mian, tu ihm nichts!“ hörte ich plötzlich eine Stimme hinter uns rufen.

Der Grüne erstarrte mitten in seinem nächsten Angriff. Sein Blick war starr auf den Mann gerichtet, der mit eiligen Schritten auf uns zukam. Sein Atem ging stoßweise und keuchend und er rang nach Luft.

„Du darfst ihm nichts tun“, stieß er noch einmal hervor.

„Ich muss ihn töten“, sagte der Drache.

„Nein, du darfst ihn nicht töten. Was würde deine Mutter dazu sagen?“

Endlich erkannte ich den Mann. Es war Orin. Sein Gesicht war gerötet und voller Sorge blickte er auf den Drachen und ließ ihn dabei nicht aus den Augen.

„Orin, was tust du hier?“ wunderte ich mich.

„Wenigstens bist du anscheinend noch normal, mein Freund. Sie weiß nicht, was sie tut.“

„Es ist der Befehl des Kaisers“, erklärte ich. „Er muss sich ihm widersetzen.“ Ich fragte mich, warum Orin den Drachen als weiblich ansah, denn bei Drachen wurde das Geschlecht erst bei der Paarung festgelegt. Es sei denn, sie vereinten sich mit einem männlichen Menschen.

„Sie kann es nicht. Sie ist noch viel zu jung.“ Entschlossen stellte sich Orin zwischen mich und den Drachen. „Mian, vertrau deinem alten Onkel. Du darfst ihn nicht töten und das weißt du auch.“

„Wieso?“ fragte der Drache und es klang beinah wie ein bockiges Kind.

„Er ist dein Vater.“

Orins Worte trafen mich wie ein Blitz. Das kleine Mädchen in Jiannes Begleitung im Garten, sie war nicht Orins sondern meine Tochter gewesen. Meine Tochter. Meine Tochter mit Jianne. Die Folge der schönsten Zeit meines Lebens, die ich mit ihr geteilt hatte.

„Hört mich ihr Drachen“, vernahm ich plötzlich eine laute Stimme in mir. „Lasst ab vom Töten. Ihr seid von nun an frei. Hört nicht auf die, die ihr Hüter nennen müsst. Zerstört die Drachenflöten. Von nun an seid ihr wieder eure eigenen Herren.“

Treban hatte es offensichtlich geschafft.
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Sein Befehl würde ein neues Zeitalter einläuten und der letzte sein, dem alle Drachen folgen mussten.

„Mian!“ hörte ich eine besorgte Stimme aus dem Inneren des Palastes und kurz darauf fiel Jianne unserer Tochter um den Hals. Sie küsste sie und betrachtete besorgt ihre Verletzungen, die sich aber bereits wieder schlossen und verschwunden waren als ein paar Momente später die Sonne aufging und sie wie ich in ihren menschlichen Körper zurückkehrte. Zum ersten Mal sah ich die menschliche Seite meiner Tochter aus der Nähe. Sie war so schön wie ihre Mutter, hatte dichtes, braunes, lockiges Haar und war tatsächlich kaum fünf Jahre alt. Sie wirkte verwirrt und ängstlich und so zerbrechlich in ihrem kleinen Körper als sie sich hinter ihrer Mutter versteckte, weil sie noch nicht wusste, was sie von mir halten sollte.

Orin warf mir seine Jacke zu. „Mian, ich wette, du hast noch nie den Palast von hier drinnen gesehen“, sagte er plötzlich und ich bemerkte wie die Augen des Mädchens zu leuchten begannen.

Aufgeregt ließ sie sich von meinem Freund wegziehen, der sie in die Gärten wegführte. Zwischen Jianne und mir herrschte betretenes Schweigen.

„Ganz der Vater“, sagte sie nach einer Weile.

„Jianne, ich wusste nicht… wieso hast du es mir nicht gesagt?“

„Glaubst du, ich wollte, dass sie eines Tages als Sklavin des Kaisers endet? Du musstest ihn besiegen, für die Drachen, für dich und auch für sie.“

In diesem Moment hörte man Mian quietschend lachen. „Orin ist ihr ein guter Vater“, sagte ich, obwohl es wehtat.

„Orin war nie ihr Vater, sie hat einen anderen.“

„Aber du und Orin… das Baby?“

„Das Baby ist Orins Kind. Er war all die Jahre so gut zu uns, hat sich um uns gekümmert, uns Arbeit und ein Dach über dem Kopf gegeben.“

Meine Gedanken weigerten sich das zu verarbeiten, was ich hörte. „Du bist nicht Orins Frau?“

„Da wäre seine Frau Raffana doch sehr dagegen. Ich habe nie aufgehört auf dich zu warten, Okuon.“

Absolut überwältigt schloss ich Jianne endlich in die Arme. Ich wollte sie nie wieder loslassen. Gierig sog ich den Geruch ihres Haares und ihrer Haut in mich ein und merkte gar nicht, dass mir Tränen die Wangen herunter liefen.
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„Endlich kannst du bei mir sein, Okuon, …bei uns.“

„Ich verlasse euch nie wieder“, versprach ich.

„Ist der Kaiser nun fort?“ fragte sie nach einer ganzen Weile.

Treban? Ich hatte vor lauter Freude meinen Bruder ganz vergessen. Da Mian immer noch mit Orin durch die Gärten strolchte, nahm ich Jianne bei der Hand und rannte in den Palast. Dass er den Gegenbefehl gegeben hatte, hieß, dass Treban gesiegt hatte. Aber wo war er?



Im Inneren des Palastes war es bedrückend still, besonders wenn man an den Trubel der letzten Tage dachte. Überall lagen Stühle herum, Wandteppiche waren heruntergerissen worden, Gläser und Nahrungsmittel auf dem Boden verteilt. Mehrere kleine Feuer brannten, einige von umgefallenen Kerzen oder Kohlebecken, andere als Folge des Drachenkampfes. Aber niemand war im Thronsaal. Die Gäste, Bediensteten und Wächter waren geflohen, einige mit dem einen oder anderen goldenen Becher oder Stück Gold.

Unsere Schritte hallten laut von den Wänden wieder und ich sträubte mich dagegen laut nach Treban zu rufen – aus Angst er würde nicht antworten.

Langsam durchquerten wir den Thronsaal, aber auch am Thronplatz gab es keine Spuren von Treban, seinem Vater oder auch nur dem Drachenschädel.

Jetzt fiel mir nur noch ein Ort ein, wo sie sein mussten.

Jianne beschwerte sich nicht von mir durch die langen Gänge des Palastes gezerrt zu werden, in denen ich mich so gut auskannte. Sicher hätte sie gerne hier und dort angehalten um sich die Reichtümer des Gebäudes genauer anzusehen, aber ich musste zu Treban.

Endlich erreichten wir die Räume des Kaisers. Die Tür war mit scharfen Krallen aufgerissen worden und lag in Trümmern. Übelkeit kam in mir hoch, denn von innen strömte ein Geruch aus Qualm und Tod hervor. Vorsichtig half ich Jianne über die Reste des Türrahmens und spähte als erstes in das kleine Labor des Kaisers. Dort, wo immer alles so ordentlich gewesen war, wenn er mir den Zaubertrank zubereitete, war nun alles zerstört. Keine einzige Flasche war mehr heile und breite, dunkle Brandspuren liefen über die weißen Wände. Die verschiedenen Zutaten der Tränke waren zu einer stinkenden, rauchenden Lache am Boden zusammen geflossen.
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Ob Treban oder sein Vater diesen Ort zerstört hatten, konnte ich nicht sagen.

Der Geruch nach Tod wurde stärker und so deutlich, dass sogar Jianne ihn nun wahrnahm. Alles in mir zog mich in das Privatgemach des Kaisers, obwohl ich fürchtete, was ich dort finden würde.

Ich stieß die schweren Bronzetüren auf und der süße Blutgeruch ließ mich würgen. Hier hatte ein schrecklicher Kampf getobt, kein einziges Möbelstück war verschont geblieben, die Wände drohten einzustürzen, Steine und Staub lagen herum und alle Scheiben waren zerborsten.

Inmitten dieses Schlachtfelds ruhte ein gewaltiger, schwarzer Körper. Sein schuppiger Laib war grotesk verformt und noch immer sickerte gold-rotes Blut aus zahllosen Wunden. Einer seiner Flügel war halb abgerissen worden und mehrere Krallen fehlten.

Das alles nahm ich mit grausamer Klarheit wahr. Es gab keinen Zweifel, dass vor mir der Drachenkörper des Kaisers lag, nun nicht mehr als Reste seines erhabenen Seins. Eine breite Krallenspur hatte ihm das Gesicht zerstört und ich musste daran denken, wie oft ich genau davon geträumt hatte. Es fühlte sich nicht so an, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. In diesem Moment wusste ich gar nicht, was ich fühlen sollte.

Endlich gelang es mir, meinen Blick von dem toten Schwarzen zu lösen und schnell fand ich Treban. Der Junge lag auf dem Boden hinter dem toten Laib seines Vaters. Auch er blutete aus Kratzern und Bissspuren und in seinem Rücken steckten die abgerissenen Krallen seines Vaters. Aber er war ein Mensch.

Schnell eilte ich zu ihm und drehte ihn vorsichtig zu mir. Beinah traute ich mich gar nicht ihn zu berühren, würde es mir doch möglicherweise den Beweis bringen, dass mein kleiner Bruder nicht mehr lebte.

Aber dann spürte ich schwach und kaum wahrnehmbar einen Puls. Er lebte.



Es dauerte fast eine Woche bis Treban wieder richtig zu sich kam. Ohne seine Drachenkräfte hätte er die Verwundungen nicht überlebt, besonders da sich die kaiserlichen Laibärzte nicht zu ihm trauten. Orin brachte es schließlich fertig, dass einer seiner zahllosen Freunde, ein Arzt aus dem Viertel der Bürger, sich tagsüber den Wunden des Prinzen annahm.

Ich wich kaum von seiner Seite und auch Jianne und oft unsere kleine Mian saßen oft stundenlang an Trebans Bett.
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So hatten wir Zeit uns kennen zu lernen und uns unsere Geschichte zu erzählen.

Ich erfuhr, dass Jianne gemerkt hatte, dass sie schwanger war, kurz nachdem ich sie aus dem Kerker befreit hatte. Sie war bei Orin und seiner Frau geblieben und da ihr Vater sie stets wie eine Angestellte behandelt hatte, hatte sie ihm gut bei seinen Geschäften helfen können. Nach und nach war sie zu seiner Geschäftspartnerin und schließlich zur Vorsitzenden der Tuchhändlergilde geworden. In der Öffentlichkeit hatte sie allerdings einen anderen Namen getragen, sodass der Kaiser sie nicht fand.

Mian war als Mensch geboren worden, da sie eine Taggeburt war, aber schon von Beginn an, hatte sie sich nachts verwandelt. Ich wunderte mich, dass ich meine beiden Hälften an sie vererbt hatte, war doch Treban trotz seines Vaters bis zur Vereinigung ein Mensch gewesen, aber wahrscheinlich lag es daran, dass ich zu dieser Zeit keine meiner Hälften unterdrückt hatte. Ein großes Problem war Mians unterschiedliche Reife. Drachen brauchten zwar lange zum Erwachsenwerden, nicht einmal ich war als Drache ausgewachsen, aber sie waren von Geburt an bereits logisch und gebrauchten ihren Verstand. So war auch Mian überreif und Jianne musste sie ab und an daran erinnern, dass sie noch ein Kind war.

Ich liebte meine Tochter von der ersten Sekunde an und auch sie fasste schnell Vertrauen zu mir, spätestens als sie mit klarem Verstand das erste Mal sah, dass sie nicht der einzige Mensch war, der sich nachts in einen Drachen verwandelte. Sie hatte so viele Fragen und ich wollte sie ihr alle beantworten.

Sogar auf meinen kleinen Bruder dehnte sie nach ein paar Tagen ihre Zuneigung aus und überschüttete ihn mit ihrer kindlichen Fürsorge.

Darum verwunderte es auch niemanden, dass sie die erste war, die er wieder bewusst wahrnahm.

„Wer bist du denn?“ fragte er leise.

„Ich bin deine Nichte, Onkel Treban“, verkündete sie stolz.

Treban schloss noch einmal die Augen, öffnete sie dann aber wieder und schien ganz froh zu sein, dass er nun mich sah.

„Ich habe einiges verpasst, oder?“ Seine Stimme war kaum mehr als ein heiseres Kratzen.

Ich war so froh, dass er wieder wach war.
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Am liebsten hätte ich ihn an mich gedrückt.

„Nicht sehr viel“, erklärte ich und flößte ihm vorsichtig Wasser in kleinen Schlucken ein. Danach bestand er darauf, sich etwas auf seinem Lager aufzusetzen und ich musste ihm Jianne und vor allem Mian vorstellen.

„Dann habe ich ja doch noch eine Familie“, sagte er nach einer Weile, in der er nachdenklich geschwiegen hatte. Ich sah Trauer in seinen Augen.

Jianne verstand, dass er im Moment höchstens mit mir seine Gefühle teilen wollte und zog die protestierende Mian aus dem Zimmer.

„Was ist geschehen?“ fragte ich nachdem ich ihn eine Weile Nachdenken gelassen hatte.

„Ich verfolgte meinen Vater in seine Räume nachdem du mich weggeschickt hast“, begann er tonlos. „Als ich ihn fand, schluckte er gerade einen Neutralisationstrank. Ich glaube, es war der Rest von meinem. Ich war so dumm, ich habe ihn stehen gelassen.“ Er war absolut verzweifelt, aber er sprach weiter. „Aus Frust über meine Dummheit zerstörte ich das Labor, aber es war zu spät. Mein Vater wurde zu einem Schwarzen, aber der Körper war ihm nicht vertraut. Er hatte nie in ihm gelebt und so schaffte ich es, ihn ein paar Mal zu treffen. Aber der Schwarze war stärker als ich, er drängte mich zurück und war bereit mich zu töten.“ Einen Moment hielt er inne, erinnerte sich, dass er von seinem Vater sprach. „Er wollte mich töten, ohne jedes Zögern. Ich bin… ich war sein Sohn.“ Tränen rollten über seine Wangen.

„Schwarze Drachen verachten Gefühle“, erklärte ich. „Ihre Nachkommen sind ihnen unwichtig.“

„Aber er war mein Vater.“

„Dein Vater war vernichtet, als er sich mit dem Schwarzen vereinte.“

Treban nickte. Dann fuhr er fort. „Als ich schon dachte, er würde mich nun zerfleischen, wurde die Mauer von etwas erschüttert. Ein schweres Stück Decke stürzte hinab und fiel genau auf seinen Kopf. Er blieb reglos liegen.“

Ich verstand. Es war der Violette gewesen, den ich gegen die Mauer gelotst hatte. Seine Wucht hatte die Wände zum Wackeln gebracht. Eines Tages würde ich Treban davon erzählen, aber nicht jetzt.

„Du hast den Schädel genommen und den Befehl widerrufen.“

„Ja und ab da weiß ich nichts mehr.
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Egal, was der Arzt davon halten würde, ich wollte meinen kleinen Bruder in den Arm nehmen. Ich drückte ihn an mich und ließ ihn sich ausweinen bis er keine Tränen mehr hatte. Es würde eine lange Zeit brauchen bis Treban diese Wunden verheilen lassen konnte. Narben würden ihm in jedem Fall bleiben.



Eine Woche später konnte Treban wieder aufstehen und begann darüber nachzudenken, was nun aus ihm und dem Kaiserreich werden sollte. Er fürchtete sich, ob die Menschen einen Drachenkaiser akzeptieren konnten, der noch so jung war. Aber seltsamerweise hatte sich eine andere, beinah unglaubliche Geschichte durch die Stadt und von da aus durch das ganze Land verbreitet. Man glaubte allgemein der Kaiser wäre von einem bösen Dämon besessen gewesen. Der junge Prinz hatte sich diesem gestellt und ihn bezwungen auch wenn sein Vater dabei gestorben war. Er hatte sein Leben für seinen Sohn dem schwarzen Dämon in Drachengestalt geopfert. Daher hatte auch der Prinz sich mit seinen Zauberkräften in einen Drachen verwandelt, um den Dämon zu besiegen. Nur so war es ihm möglich gewesen die Drachen, die auch in der Stadt gewütet hatten, zu bezwingen. Niemand, auch nicht die, die dabei gewesen waren, glaubten die Wahrheit.

In dieser Nacht flogen er, Mian und ich eine Runde über die Stadt.

„Ich muss es den Menschen sagen“, erklärte der Blaue nach einer Weile.

„Tu es nicht, Treban.“ Obwohl Drachen keine Namen haben, ging ich immer mehr dazu über ihn auch in dieser Gestalt mit seinem anzusprechen. Mian war Mian ob Drache oder Mädchen. „Die Menschen verstehen es noch nicht. Sie wollen daran glauben, dass ihr Kaiser Zauberkräfte hat und von den Göttern gesandt wurde.“

„Können wir zaubern, Papa“, fragte Mian, die dem Gespräch gelauscht hatte.

„Wir nicht. Du kannst zaubern.“

„Ich?“

„Ja, immer wenn du mir ein Lächeln auf das Gesicht zauberst.“

Sie quietschte vor Freude, was in ihrer derzeitigen Gestalt aber eher wie ein Grollen klang, drehte ein paar Spiralen und machte sich an die Verfolgung einer Eule.

„Ich bin zu jung um Kaiser zu sein. Ich weiß gar nicht, wie das geht“, fuhr Treban fort.

„Dann lernst du es.“

„Und du? Was wirst du jetzt tun?“

Diese Frage schob ich schon seit Tagen vor mir her.
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Der Kaiser war tot und meine Aufgabe damit erfüllt. Ich wollte mit Jianne zusammen sein, sie endlich heiraten und noch viele kleine Drachenkinder wie Mian in die Welt setzen. Aber dafür brauchte man Geld und einen Platz zum Leben. Wir konnten nicht ewig Orins Großzügigkeit ausnutzen.

Jeder andere wäre nach einem solchen Abenteuer nach hause zurück gekehrt, aber ich hatte kein Zuhause. Der einzige Ort, den ich je so genannt hatte, war das Kloster gewesen, doch selbst wenn es nicht vollständig von den Drachen zerstört worden wäre, wäre ich dort nie wieder hingegangen. Treban hatte Prokon und den Abt verhaften und Kyrill und seine Familie in Ungnade fallen lassen. Dort in den weit entfernten Bergen gab es nichts mehr.

„Ich habe noch nicht darüber nachgedacht“, sagte ich um meine Unschlüssigkeit zu verbergen.

„Drachen sind schlechte Lügner, Bruder“, lachte Treban. „Ich möchte dir einen Vorschlag machen. Bleibt. Im Palast ist jede Menge Platz für dich, Jianne, Mian und von mir aus noch ein Dutzend Kinder. Es muss Leben in diese toten Mauern.“

„Das geht nicht.“

„Wieso? Ich mache dich zu meinem ersten Berater, dann bekommst du sogar ein Gehalt für deine guten Ratschläge. Bitte, ich brauche dich.“

Einen Moment zögerte ich noch. Es lag nicht an Treban, sondern daran, dass ich den Palast mit so viel Kummer und Leid verband.

In einem gewagten Manöver zog Mian an uns vorbei.

„Sie würde leben wie eine Prinzessin“, gab Treban zu bedenken.

„Biiiitttteee, Papa“, setzte nun auch Mian mir zu. Irgendwie kam es mir vor als hätten die beiden sich abgesprochen.

„Ich werde es mit Jianne besprechen“, schob ich die Entscheidung raus.

„Mit der zukünftigen Handelsministerin ist schon alles geklärt“, wandte Treban ein.

„Wozu fragt ihr mich dann überhaupt noch?“

„Aus alter Gewohnheit, Durai.“

Was hatte ich da noch entgegen zu setzen?
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Punktestand der Geschichte:   381
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Kommentare zur Story:

  Da sehe ich gerade, dass ich noch keinen weiteren Kommentar unter diese Geschichte geschrieben habe. Alle Kapitel waren spannend, voller Ideen und wunderschöner Bilder. Es war wirklich ein Genuss mich in dein Traumreich entführen zu lassen. Da kann man nur hoffen, dass du vielleicht eine Fortsetzung bringst oder uns noch mit einem neuen ebenso schönen Roman überraschst.  
   doska  -  27.12.09 23:39

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Das kann ich nur bestätigen. Danke für diese großartige Drachengeschichte. Diese tollen Viecher sind mir dabei richtig ans Herz gewachsen. Nee, mit solch einem Schluss hätte ich nicht gerechnet. Ich will hier nicht viel verraten, damit auch andere das Ende lesen, aber die Idee mit der kleinen Mian war einfach klasse. Aus deiner Geschichte könnte man wirklich einen Film drehen. Na, vielleicht wirst du ja mal entdeckt. Schön, dass wir seine Geschichte lesen durften. Noch schöner wäre es allerdings, wenn bald wieder etwas von dir käme, denn ich mag deine Art wie du schreibst sehr.  
   Petra  -  23.11.09 21:52

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  Hallo Robin. WIR haben uns zu bedanken. Das war wirklich ein zauberhafter Roman. Toll atmosphärisch vom Anfang bis zum Ende und dass Okuon diese Geschichte selbst erzählt ist ein guter Gedanke. Ein wunderschöner Schluss. Ich habe selten einen so guten fantastischen Roman gelesen und denke mal, dass er auch Kindern sehr gefallen dürfte. Schade, dass keine Fortsetzung mehr kommt. Mit wird was fehlen.  
   Jochen  -  23.11.09 21:07

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Ich hoffe, meine Geschichte hat allen Lesern gefallen. Ich habe mich sehr über die netten Kommentare gefreut. Danke schön!  
   Robin van Lindenbergh  -  23.11.09 19:03

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Interessante Kommentare

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