Der Hüter des Drachen - Kapitel 8   383

Romane/Serien · Fantastisches

Von:    Robin van Lindenbergh      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 16. November 2009
Bei Webstories eingestellt: 16. November 2009
Anzahl gesehen: 1637
Seiten: 8

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


„Das werde ich nicht, mein Prinz“, sagte ich schließlich.

„Was? Du weißt noch, wer ich bin?“ wunderte sich Treban mit erstickter Stimme.

„Ich bin wieder ich, aber ich habe nichts vergessen. Der Schwarze wollte dich töten und ich hätte gegen ihn keine Chance gehabt. Also musste ich ihn davon überzeugen, dass ich mich deiner annehme. Er konnte meine Gedanken lesen, deshalb dürfte er nur meinen Hass auf deine Familie spüren.“

„Also hasst du mich?“

„Nein, dich nicht, aber deinen Vater.“

„Das verstehe ich“, sagte er tonlos. „Ich glaube, ich würde ihn auch hassen, wenn ich du wäre. Ich würde sogar mich hassen.“

„Du warst immer freundlich zu mir und als du mir befohlen hast den Trank nicht zu nehmen, hast du mich befreit. Du bist mir wie ein kleiner Bruder und ich habe geschworen dich zu beschützen.“

„Aber wo fliegst du jetzt mit mir hin? Ich will mich ja nicht beschweren, aber das hier ist nicht gerade die angenehmste Art zu reisen.“

„Wir sind gleich da.“

Wie ein Leuchtfeuer hatte mich das Licht des Lebens geführt und nun erreichte ich ein tiefer gelegenes Felsplateau, wo es grell pulsierte. Da hier die Schatten der Berge nicht so hoch waren, trafen die letzten Sonnenstrahlen noch das Plateau, in dessen Mitte mit scharfen Krallen eine Mulde gekratzt worden, in der ein pulsierendes Ei lag.

Behutsam setzte ich Treban daneben ab, bevor ich landete und mich noch einmal kurz für den Tag zurückverwandelte, denn ich musste zugeben, dass ich mich tags als Drache genauso unwohl fühlte wie nachts als Mensch.

Er betrachtete mich skeptisch. „Was bist du denn nun?“

„Ein Drache und ein Mensch, wie dein Vater. Nur, dass ich meine beiden Seiten akzeptiere.“

„Es tut mir alles so leid, D… Hast du wirklich keinen Namen?“

„Drachen haben keine Namen, als Mensch heiße ich Okuon. Dein Vater hat mir auch das genommen“, erklärte ich.

Verschämt sah er weg und es machte mich froh, dass er so auf die Gräueltaten seines Vaters reagierte. Mein Entschluss war richtig.

In diesem Moment fiel sein Blick auf das Ei, neben dem wir gelandet waren. „Was ist das, Okuon?“ fragte er neugierig.

„Das Ei eines farbigen Drachen, er wird bald schlüpfen.
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Fasziniert betrachtete er es und sah wie ich die schillernden Farben. Aber nur ich nahm die langsam erwachenden Gedanken des jungen Drachen wahr.

„Es ist wunderschön, viel schöner als ich es mir vorgestellt hatte.“

„Nimm es, damit er dich kennen lernt“, forderte ich Treban auf.

Unsicher sah der Junge mich an und alles Blut sackte aus seinem Gesicht. „Warum?“

„Dein Vater wollte, dass du dich mit einem Drachen vereinigst und du kannst nicht zurückkehren ohne es getan zu haben.“

„Dann kehre ich nicht zu ihm zurück. Wir beide fliehen gemeinsam, weit weg von ihm.“

„Nein, denn du musst statt ihm Kaiser werden. Er versklavt Menschen und Drachen und du bist klug genug um das zu beenden.“

„Beende du es, du bist ein mächtiges Wesen.“

„Anscheinend nicht mächtig genug.“

Wieder standen Tränen in seinen Augen und in seiner Stimme klang Verzweifelung. Es war gut, dass ich für ihn einen kurzen Moment noch ein Mensch sein konnte, damit er mir vertraute.

„Dann folgst du immer noch seinen Befehlen?“

„Nein, denn sein Befehl war, dass du dich mit einem Schwarzen vereinigst, weil sie mächtiger sind als meine Art. Aber die Schwarzen sind auch grausam und haben Spaß am Töten. Die Vereinigung mit einem Schwarzen würde dich zu einer machtgierigen Bestie machen, wie es dein Vater ist. Der farbige Drache wird dir helfen stark und weise zu werden.“

„So stark und weise wie du?“

Ich musste lächeln. „Ich hoffe noch stärker und weiser.“

„Bin ich danach noch ich?“

„Ja und nein. Du bleibst du selbst, aber du wirst auch der Drache sein. Deine Gedanken und seine werden eins sein. Er wird von deinen Erfahrungen lernen und du von seinem Verstand, seiner Logik und seinem uralten Wissen.“ Ich spürte, dass es Zeit wurde, denn der Drache würde schlüpfen, wenn ich mich wieder verwandelte. „Beeil dich. Geh und nimm das Ei.“

Endlich wischte Treban seine Tränen weg, nickte und nahm das Ei.

„Es fühlt sich seltsam an“, erklärte er.

„Sprich mit ihm, wenn du unsicher bist und biete ihm dann etwas Blut an. Nimm seines, wenn er es dir bietet, aber dräng ihn nicht.
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Wieder nickte er, starrte aber nur wie gebannt auf das Ei. Die Sonne versank und sandte ihren letzten Strahl auf die schimmernde Schale. Ich spürte kaum, wie sich mein Körper wandelte, denn auch ich genoss den Anblick des Lebens als das Ei begann aufzubrechen. Grell schossen Lichtstrahlen aus den Rissen der Schale hervor und Treban war so klug das Ei wieder auf dem Boden zu betten bevor sie endgültig explodierte. So wurde er nicht wie ich damals durch den Druck von den Füßen gerissen.

Er stolperte nur einen Schritt zurück und betrachtete das kleine Wesen, das vor ihm seine Gliedmaßen sortierte und sich geräuschvoll streckte. Kaum hatte es sich schwankend auf seine Beine gestellt, wuchs es auch schon auf die Größe eines Pferdes an und jetzt konnte ich erkennen, dass es ein blauer Drache war, ein elegantes Wesen mit goldblauen Flügeln und einem dornenlosen Schwanz.

Treban hielt sich an das, was sein Vater ihm gesagt hatte. Mit seinem Dolch verletzte er seinen Arm und machte sich kampfbereit.

„Lass den Dolch sinken, er wird dir nichts tun“, befahl ich.

Gehorsam legte er die Waffe nieder, ließ aber den Drachen nicht aus den Augen. Er roch immer noch nach Angst, aber das Blut sollte das überlagern. Schnuppernd sog der blaue Drache die Luft ein und kam mit immer sicheren Schritten auf den jungen Prinzen zu.

„Ist dein Blut für mich“, fragte er neugierig schnuppernd.

„Wenn du es willst“, erklärte Treban. „Aber du solltest wissen, dass wir uns dadurch zu einem Wesen vereinen werden.“

„Woher weißt du das?“ fragte der Drache.

„Mein… Bruder hat es mir gesagt. Er ist auch ein Mensch und ein Drache.“

Ich war stolz auf ihn, dass er so reagierte und glücklich, dass er mich seinen Bruder genannt hatte.

Der Drache schien nachzudenken. „Werde ich dann noch ich sein?“

Treban lächelte tatsächlich als der Drache die Frage aussprach, die er selbst wenige Sekunden zuvor gestellt hatte. „Ja und nein. Du bleibst du selbst, aber du wirst auch ich sein. Deine Gedanken und meine werden eins sein. Du wirst von meinen Erfahrungen lernen und ich von deinem Verstand, deiner Logik und deinem uralten Wissen.“

„Das klingt verlockend“, sagte der Drache. „Außerdem kann ich spüren, dass du ein gutes Wesen bist.
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Ich glaube, sich mit dir zu vereinigen wäre nicht falsch.“ Ein logischer Drachengedanke, der ausreichte, dass der Drache seine lange, gespaltene Zunge hervor schießen ließ und dem Prinzen zärtlich das Blut vom Arm leckte.

„Dann schulde ich dir nun mein Blut“, sagte er anschließend und wie ich damals zog er seine Daumenkralle über sein Bein und hielt es Treban auffordernd vor.

Ich erinnerte mich an das unwiderstehliche Gefühl, was Treban nun empfinden würde und schon senkte er seinen Mund auf das Bein des Drachen um dessen goldenes Blut zu schmecken.

Schwankend taumelten beide zurück.

„Okuon, hilf mir. Ich fühle mich so merkwürdig“, sagte Treban panisch.

„Es brennt in mir“, sagte der Drache und sprach damit die Gedanken des Prinzen aus.

Es hatte begonnen und war nun nicht mehr aufzuhalten. Gebannt sah ich zu, wie die Körper der beiden durchscheinend wurden und sich langsam erhoben. Wie im Tanz schwebten sie aufeinander zu und drehten sich dabei umeinander. Sie verschwammen und bald konnte man nicht mehr erkennen, wo Treban anfing und der Drache aufhörte. Sie waren ein seltsames Mischwesen geworden, das nun zitternd zu Boden fiel. Immer wieder wechselte er zwischen seinen Körpern hin und her, stöhnte und schluchzte.

Ich konnte nicht viel für ihn tun, außer ihn zu beschützen und dafür zu sorgen, dass er sich an den scharfkantigen Felsen nicht verletzte.

Gegen Morgen blieb er in seinem menschlichen Körper, aber ich wusste nur zu gut, dass die Vereinigung noch lange nicht abgeschlossen war. Derzeit waren es noch zwei Wesen in einem Körper, unwissend und durcheinander.

„Wo sind wir?“ fragten sie verwirrt, als sie wach wurden.

Auch ich war wieder in meinem menschlichen Körper und nahm sie in den Arm. „Ihr seid in Sicherheit. Bald wird euch alles klar werden.“

„Alles verwirrend. Körper so klein.“ Ich wusste, wie schwer es ihnen fallen musste ihre Empfindungen in Worte zu fassen.

„Schlaft. Alles wird gut werden“, beruhigte ich sie.

„Danke, Okuon.“

Damit schliefen sie wieder erschöpft ein. Während ich ihren Schlaf bewachte, dachte ich darüber nach, was nun in dem Körper in meinem Schoß geschah.
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Treban und der Drache würden zu einem Geist werden. Ihre Gedanken, Gefühle und Erfahrungen verschmolzen in diesem Moment zu einem untrennbaren Ganzen, das mehr sein würde als die Summe ihrer Teile. Ich hoffte, dass der Junge dabei seine Freundlichkeit nicht verlieren, sondern die Stärke des Drachen gewinnen würde. Nur mit dem Drachen hatte der Prinz eine Chance mir gegen seinen Vater zu helfen.



Der Abend kam. Er war nur wenige Male erwacht und ich hatte ihm Wasser gegeben. Nahrung hätte er noch nicht vertragen, weil er sich erst entscheiden musste, ob er menschliche oder Drachennahrung bevorzugte. Aber nun war er zu sich gekommen und starrte mit leeren Augen in Richtung der Sonne.

Ich spürte bereits, dass meine Verwandlung einsetzte und so würde es auch bei ihm sein.

„Jetzt sind wir wahrhaft Brüder“, sagte er.

„Ja, das sind wir. Für immer.“

Fast gleichzeitig begann unsere sichtbare Verwandlung, obwohl sich sein menschlicher Körper erst daran gewöhnen musste, was mit ihm nun jeden Abend geschehen musste. Er stöhnte, ächzte und wimmerte als seine Glieder sich zu verformen begannen und sich Schwingen und Schwanz ausbildeten. Obwohl seine Schuppen blau glänzten, sah er mir sogar etwas ähnlich. Er war noch etwas kleiner als ich, seine Schwingen zarter, aber im Gegensatz zu mir hatte er scharfe Dornen an seinen Ellenbögen und Kniegelenken.

„Wie geht es dir, kleiner Bruder?“ fragte ich als seine Transformation abgeschlossen war.

Einen Moment brauchte er noch, um sich zu Recht zu finden. „Ich bin. Und ich will fliegen.“

„Nun, dann flieg.“

Mit einem Satz schwang ich mich von dem Felsplateau und brauchte mich nicht umzusehen, um zu wissen, dass der blaue Drache mir folgte.



Wir blieben ein paar Tage in den Bergen. Obwohl mich alles in die Hauptstadt zog, wollte ich wieder zu vollen Kräften kommen und auch meinem kleinen Bruder die Gelegenheit geben, dass zu werden, was er nun war. Beinahe beneidete ich den Jungen, denn ich hatte damals niemanden gehabt, der mir meine Fragen beantwortet hätte. Und er hatte viele Fragen. Doch es machte mir nichts aus, ich genoss es sogar mit ihm über Dinge nachzudenken, die mir immer natürlich vorgekommen waren.

„Können wir für immer hier in den Bergen leben?“ fragte der blaue Drache eines Morgens kurz vor Sonnenaufgang.
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Es entsprach unserer Natur, dass dies unser natürlicher Lebensraum war. Hier hatten wir alles, was Drachen brauchten und doch fehlte meiner menschlichen Hälfte hier etwas. Ich verbot mir selber darüber nachzudenken, die Zeit würde kommen. Ich wartete bis wir unsere Transformation abgeschlossen hatten und wieder Menschen geworden waren.

„Nein, Treban, wir müssen zurück. Es gibt viel zu tun.“

„Du willst meinen Vater töten?“ Die dracheneigene Logik musste ihm das klar gemacht haben.

„Ja“, es gab keinen Sinn es zu leugnen. „Er ist machtbesessen und durch den Schwarzen zu gefährlich geworden.“

„Ich glaube, dass ich ihn töten sollte, er ist mein Vater.“

„Wir werden sehen.“

Er hatte schon bemerkt, dass ich schon seit Tagen etwas Unangenehmes vor mir her schob. „Nun sag mir endlich, womit du mich die ganze Zeit verschonen willst?“

„Dein Vater erwartet, dass du dich mit einem Drachen vereinigt hast.“

„Was ich habe, wenn auch nicht so, wie er es wollte.“

„Richtig, aber er erwartet auch, dass du den Drachen in deinen Menschenkörper gesperrt hast. Und das wird er prüfen.“

„Was willst du damit sagen, Okuon?“

Nachdenklich zog ich aus meiner Tasche die beiden Fläschchen mit dem Trank des Kaisers. Die eine war meine, die andere hatte er mir für seinen Sohn mitgegeben, zusammen mit der Anweisung ihn notfalls dazu zu zwingen ihn nach seiner Vereinigung zu nehmen.

Entrüstet sprang Treban auf. „Nein, ganz bestimmt nicht. Nach all dem, was er dir angetan hat, willst du den Trank wieder nehmen?“

„Beruhige dich. Ich wurde zu einem Sklaven, weil er mich zuerst in meinen Drachenkörper gesperrt hat bis ich eine wilde Bestie wurde und meinen Verstand verloren hatte, erst dann machte er mich zu seinem Geschöpf. Wir müssten die Drachen einsperren, für wenige Tage.“

„Nein, ich will das nicht.“

Ich ließ ihn eine Weile darüber nachdenken bis er einsehen würde, dass es nur logisch war, was ich ihm vorschlug. Es dauerte nur wenige Minuten.

„Gut, gib mir das Zeug. Aber ich werde es nur einmal nehmen.
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„Dann hoffen wir mal, dass wir schnell erfolgreich sein werden.“

Wie mit gutem Wein stießen wir am Abend mit den kleinen Flakons an, nachdem wir sie erhitzt hatten. Der süßliche Geruch erzeugte Übelkeit in mir, aber ich zwang mich die Flüssigkeit zu schlucken und merkte sofort, wie es mich innerlich verbrannte.

Mitten in der Nacht setzte die Wirkung ein. Ich hörte den blauen Drachen neben mir stöhnen, obwohl ich es auch selber sein konnte, denn ich fühlte mich als würde mich jemand zusammendrücken. Mein Körper schrumpfte in sich zusammen und war plötzlich verwundbar und viel zu klein. Irgendwie hatte ich mir vorgemacht, es würde nicht so schlimm werden, weil ich wusste, was mich erwartete. Aber das war nicht der Fall. Wahrscheinlich war es deshalb sogar noch schlimmer.

Treban neben mir wimmerte vor Schmerz und Angst. „Ich hoffe, du weißt wirklich was du tust, Bruder“, stöhnte er.

„Gewöhn dich lieber schnell daran, mich wieder Tumbai zu nennen.“

„Aber Okuon…“

Ich stemmte mich hoch und fand es erschreckend, wie schnell ich mich wieder an die Gefangenschaft gewöhnte. „Alles war umsonst, wenn wir deinen Vater nicht davon überzeugen, dass du mit einem mächtigen Schwarzen vereinigt wurdest und ich alles getan habe, um dir dabei zu helfen.“

„Dann muss ich lügen?“ Es war ihm zuwider, wie es allen Drachen war.

„Ja und du musst sogar deinen Charakter verleugnen. Die Vereinigung mit dem Schwarzen hätte dich wild und rücksichtslos werden lassen. Du musst Ungeduld und Jähzorn zeigen.“

„Mit einem Wort, ich soll werden wie mein Vater.“

„Versuch es.“

Jetzt erhob auch er sich, schwankte auf seine beiden Füße. „Wie kannst du es wagen, mir einen Befehl zu geben? Denke daran, mit wem du sprichst. Ich bin der Prinz, dein zukünftiger Herrscher und du nichts weiter als ein Sklave.“

Ich musste zugeben, dass er sehr überzeugend war. Kurz überlegte ich, ob der Trank seinen Geist verändert hatte. Aber dann sah ich ein schalkhaftes Glitzern in seinen Augen. Mein Bruder bluffte und das machte er sehr gut.

Gehorsam verneigte ich mich vor meinem Prinzen. „Verzeiht, Herr.“



Am folgenden Morgen machten wir uns an den Abstieg ins Tal, wo wir unsere Pferde gelassen hatten.
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Treban war es unangenehm, dass sein geliebtes Tier nun dieselbe Angst vor ihm zeigte, wie sie jedes potentielle Beutetier in Anwesenheit eines Drachen spürte.

Mit Mühe gelang es uns die Pferde wieder zu besteigen und die Reise zurück zur Hauptstadt anzutreten.

Immer wieder ermahnte ich den Prinzen, wenn er zu vertraulich mit mir sprach und als wir die Stadt erreichten, hatte er sich das Verhalten und Gebaren seines Vaters schon beinah zu perfekt angewöhnt. Wenigstens fiel es so auch mir leichter mich wieder in meine Sklavenrolle einzufühlen.

Ohne Aufsehen erreichten wir den Palast und schlüpfen durch ein schmales Seitentor, dessen Wachen über unser Eintreffen informiert waren. Um den Mythos seiner Göttlichkeit zu erhalten würde der Kaiser erst, wenn er mit der Transformation seines Sohnes einverstanden war, ihn endlich dem Volk präsentieren.

Alle Wachen hatten Befehl uns direkt zum Kaiser durchzulassen und so gingen wir völlig unbehelligt durch die Gänge des abendlichen Palastes bis wir vor der Tür der Gemächer von Trebans Vater standen.

Ich wollte sie ihm gerade öffnen, als er mich noch einmal am Arm fasste.

„Ich habe Angst“, sagte er.

„Ich bin bei dir, mein Bruder“, antwortete ich und nickte ihm noch einmal aufmunternd zu. Er durfte keine Zeit mehr haben sich Schreckenszenarien auszumalen. Eilig stieß ich die Tür auf und ging mit gesenktem Haupt auf den Kaiser zu.

„Mein Kaiser, Euer Sohn“, kündigte ich an, beugte die Knie und presste die Stirn auf den Boden.

Der Kaiser stand sogar auf und eilte zu seinem Sohn hin. Für eine scheinbare Ewigkeit musterte er Treban, starrte ihm in die Augen und betrachtete ausgiebig seinen Körper.

„Bist du das geworden, was ich dir befohlen habe.“

„Ja, Vater.“

„Dann zeige es mir!“

„Wieso muss ich dir erst beweisen, wie mächtig ich bin, Vater? Ich könnte es dir ganz leicht beweisen, indem ich mir deinen Thron nehme.“

Der Kaiser lächelte stolz. „Ja, nun bist du endlich mein Sohn. Tumbai, berichte mir.“

Es dauerte einen Moment bis ich realisierte, dass er mich angesprochen hatte. Scheinbar gehorsam erhob ich mich und merkte, wie sehr ich mich beherrschen musste, meinem Feind nicht die Kehle herauszureißen.
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„Herr, wir erreichten den Gipfel wie Ihr uns befohlen hattet und trafen dort auf einen jungen Schwarzen. Der Drache war gerade geschlüpft und Euer Sohn schaffte es, sein Blut mit ihm zu tauschen und sich mit ihm zu vereinen.“

Ich hatte nicht gelogen in dem, was ich gesagt hatte, nur wichtige Details ausgelassen. Treban hatte es gemerkt und warf mir einen kurzen Blick zu.

„Hast du den Drachen überwältigt, Sklave?“

„Euer Sohn brauchte keine Hilfe bei der Vereinigung, Herr.“

Der Kaiser war höchst zufrieden und betrachtete Treban mit neuen Augen. „Dann wird es Zeit, dass du lernst, wie du den Drachen unter Kontrolle hältst. Entferne dich, Tumbai.“

Ich wollte meinen kleinen Bruder nicht allein lassen, aber ich musste es und ihm vertrauen. Deswegen verbeugte ich mich vor dem Kaiser und verließ den Raum ohne Treban noch einmal anzusehen.
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Punktestand der Geschichte:   383
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Kommentare zur Story:

  Okuon und der Prinz sind sich in ihrem Denken sehr ähnlich, finde ich. Klar , dass sie auch als Drachen einander ähneln. Eigentlich sind es jetzt vier Freunde, wenn man die verwandelten Drachen dabei mitzählt:))  
   Petra  -  18.11.09 13:32

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  Ich bewundere dich immer wieder, wie authentisch du diese Verwandlungen darstellst. Und hier war es bestimmt besonders schwierig, zwei Wesen darzustellen, die sich zu einem vermischen. Das hast du mit Bravour gemeistert. Toll auch, wie Okuon das, was er einst am eigenen Körper erlebt hatte, noch einmal mit eigenen Augen sehen kann. Romantisch beschrieben, wie die beiden Freunde zu Brüdern werden.  
   Jochen  -  16.11.09 21:42

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