Der Hüter des Drachen - Kapitel 6   362

Romane/Serien · Fantastisches

Von:    Robin van Lindenbergh      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 2. November 2009
Bei Webstories eingestellt: 2. November 2009
Anzahl gesehen: 1769
Seiten: 8

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Die Reise auf der Drachenherz war eine interessante Erfahrung. Orin hatte das Schiff ausgewählt und als der Schiffsführer den Namen seines Seglers genannt hatte, herzlich gelacht. Wie er versprochen hatte, war es ein Handelsschiff, auf dem keine Passagiere gestattet waren. Aber ein Händler und sein Gehilfe waren willkommen an Bord, besonders nachdem der Kapitän bemerkt hatte, dass wir uns nicht vor der harten Arbeit scheuten, die anfiel. Schon nach wenigen Tagen kletterte ich mit den Seeleuten in der Takelage herum und half beim Hissen des Segels als hätte ich nie etwas anderes getan. Ich war froh, dass der Kapitän nicht auf seine Leute gehört hatte als sie behaupteten ein Dämon wäre an Bord, dessen Gebrüll man bei Sonnenuntergang aus dem unteren Lagerraum hören könnte. Viele hatten an ein schlechtes Omen geglaubt und zurück nach Balrob segeln wollen. Aber da das Wetter gut und die Winde günstig blieben, störte sich bald keiner mehr an dem anscheinend wohlgesinnten Dämon.

Ich versuchte ja auch wirklich leise bei meinen Transformationen zu sein, aber jedes Mal, wenn ich wieder in meinen Drachenkörper zurückkehrte, überwältigte mich die ungeheure Energie. Orin hatte sogar versucht mir das Maul zuzubinden, aber auch das war natürlich keine Lösung gewesen und so hielten sich die neugierigen Seeleute wenigstens nachts von den Laderäumen fern.

Mir gefielen die raubeinigen Matrosen sehr, denn sie behandelten Orin und mich kameradschaftlich und ich staunte über ihre Geschichten aus der ganzen Welt, wobei mich besonders ihre Berichte aus Xian faszinierten. Ich konnte es nicht erwarten die goldenen Dächer und Tempel aus Jade zu sehen und natürlich drängte mich auch mein Wunsch zum Kaiser zu gelangen.

Leider legte das Schiff einige Zwischenstopps ein, so dass wir weit mehr als die zwei Tage brauchen würden, von denen Orin gesprochen hatte. Der Kapitän rechnete mit einer Woche, aber mir war es recht.

Am vierten Tag unserer Reise war ich damit beschäftigt einen Riss im Hauptsegel zu flicken, als es über mir plötzlich krachte. Etwas brach, jemand schrie und bevor ich darüber nachdenken konnte, hatte ich mich bereits blitzschnell bewegt und jemanden aufgefangen, der sonst haltlos auf das Deck gestürzt wäre.

Es war Jiell, ein schmaler, stiller Junge, mit dem ich bisher kaum ein Wort gewechselt hatte.
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Trotz der Hitze trug er ein dickes Hemd und eine breite Mütze, aus der jetzt einige braune Strähnen hervorschauten, die er hastig wieder unter die Mütze schob, kaum das ich ihn abgestellt hatte.

„Die Takelage ist gerissen“, erklärte er verdattert.

„Das war ja unglaublich“, staunte Pien, ein rundlicher Matrose, der nicht weit von mir gearbeitet und deshalb natürlich alles gesehen hatte.

„Der Junge hat Reflexe wie eine Eidechse“, erklärte Orin schnell bevor jemand etwas Besonderes an meiner Tat finden konnte. Mir wäre nie so schnell etwas eingefallen.

„Das kannst du aber laut sagen“, bestätigte Pien und machte sich wieder an seine Arbeit, nachdem er mir einen kräftigen Klaps auf die Schulter verabreicht hatte. Auch Jiell bekam eine ähnliche Anerkennung, wäre aber unter der wuchtigen Pranke des Seemanns beinah gestürzt.

Immer noch leichenblass sah er zur Takelage empor und dann wieder auf mich. „Danke.“

„Gern geschehen“, brachte ich nur hervor und war froh, dass er es dabei beließ und eilig unter Deck verschwand.



Im ersten Moment glaubte ich, das immer heftiger werdende Schlingern und Schaukeln des Schiffes hätte mich geweckt. Gegen Abend war ein Sturm aufgekommen und hatte begonnen die Drachenherz hin und her zu treiben. Eigentlich war in einer solchen Nacht der Platz aller zupackenden Hände an Bord, aber ich hatte mich in die Ausrede Seekrankheit geflüchtet und war in den Laderaum verschwunden. Leider war es nicht mal eine Lüge gewesen, denn mein Magen rebellierte tatsächlich. Trotzdem war ich auf meinem Strohlager etwas eingedöst.

Da ich zur Untätigkeit verdammt war, wollte ich mich gerade wieder zusammenrollen, als ich glaubte, eine Stimme zu hören. Sie gehörte nicht den Männern an Deck, sondern sie schien direkt in meinem Kopf zu sein. Ich bildete mir ein lockende Worte zu hören.

„Komm hervor!“

Ein mulmiges Gefühl breitete sich in meinem Magen aus, aber so sehr ich es auch wollte, ich konnte der lockenden Stimme kaum widerstehen. So leise ich nur konnte schob ich mich die schmale Stiege hinauf, die in den Lagerraum führte und kletterte an Deck.

Der Sturm war schlimmer geworden und nur Blitze erhellten neben den schwankenden Sturmleuchten immer wieder das Deck.
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Ich sah Orin, der mit den anderen damit beschäftigt war das Segel einzuholen, während drei Mann das Ruder festhielten. Hohe Wellen peitschten das Schiff.

Aber so waren wenigstens alle zu beschäftigt als dass sie auf mich geachtet hätten, wie ich mich von der Reling aus in die Luft schwang.

Rasch wurde das Schiff unter mir kleiner, aber dafür hörte ich nun die lockende Stimme immer deutlicher.

„Komm hervor!“

Nun, ich war aus dem Schiff hervorgekommen, was wollte die Stimme noch von mir?

Die Antwort bekam ich auf der Stelle, denn in diesem Moment begann im Wasser unter mir Leben aufzublitzen. Erst dachte ich an einen Wal, doch das Wesen im Wasser musste viel größer und gewaltiger sein. Nun erkannte ich auch, dass es mit dem Ruf gemeint gewesen war, denn das nächste „Komm hervor!“ lockte es aus dem Wasser.

Wie ein Dämon brach es hervor und ich konnte sehen, wie riesig das Seeungeheuer war. Von seinem Maul mit den scharfen, von Schleim triefenden Zähnen bis zu seiner Schwanzspitze war der schlanke, muskulöse Körper mindestens doppelt so lang wie die Drachenherz. Schon eine seiner Flossen hatte allein meine Größe und das allein hätte gereicht um die Drachenherz kentern zu lassen. Aber diese Tatsache reichte jemandem anscheinend nicht aus, denn er gab in diesem Moment einen neuen Befehl: „Töte!“

Der Gedanke begann mir zu gefallen und eine nie gekannte Mordlust wallte in mir auf. Ich würde das Wesen töten, bevor es meine Freunde auf dem Schiff vernichten konnte.

Wie ein Adler auf der Jagd stieß ich auf meinen Feind nieder und überraschte ihn so, dass ich meine Krallen tief in seine feuchtkalte Haut schlagen konnte. Das Monster brüllte vor Schmerzen und warf sich herum. Hätte ich in diesem Moment nicht losgelassen, es hätte mich mit sich unter Wasser gezogen und ich muss zugeben, dass ich nicht wusste, wie gut Drachen schwimmen können.

Eilig bemühte ich mich wieder an Höhe zu gewinnen und hörte vom Schiff her aufgeregte Stimmen. Wir waren bemerkt worden und Panik kam unter den Seeleuten auf. Die einzige ruhige Stimme gehörte Orin.

„Los, unter Deck, da seid ihr sicher“, befahl er den Männern und in ihrer Hilflosigkeit folgten sie.
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Ich konnte mich nicht weiter mit den Menschen beschäftigen, denn in diesem Moment kam das Seeungeheuer wieder hoch.

„Töte!“

Jetzt schien ich das Ziel dieses Befehls zu sein, denn es schlug so mit dem Schwanz, dass eine riesige Welle entstand, die mich beinah vom Himmel geholt hätte. Die Drachenherz neigte sich gefährlich zur Seite, kam dann aber wieder in die Senkrechte.

Ich schwang mich eilig weiter empor und nun war ich wirklich entschlossen das Monstrum zu töten. Meine Wut und mein Hass schürten das Feuer in meinem Inneren und ich stieß eine gewaltige Feuerlanze auf meinen Feind hinab. Das Wasser um es herum begann beinahe zu kochen und auf der Haut des Ungeheuers bildeten sich Blasen. Es zuckte und wand sich unter Schmerzen und stieß dabei schreckliche Schreie aus. Normalerweise hätte mir das gereicht und ich hätte es nun entkommen lassen, aber mir gefiel der Gedanke, meinen hilflosen Feind nun endgültig den Rest zu geben. Mit gezückten Krallen stürzte ich auf ihn nieder, bereit ihm die Organe herauszureißen.

Aber wieder einmal bewahrte mich Orin, denn ich hörte plötzlich seine Rufe.

„Okuon, hilf mir!“ schrie er mit angestrengter Stimme.

Töte! Hilf mir! Töte! Hilf mir! Töte! Hilf mir!

Orin gewann den Kampf in meinem Inneren. So schnell ich konnte drehte ich ab und sah, wie sich das Ungeheuer in die Tiefe sinken ließ. Ich wusste, dass es nicht wiederkommen würde.

Ich brauchte einen Moment um meinen Freund zu entdecken. Als das Monster die Welle gemacht hatte, war er anscheinend über die Reling gerutscht und hielt sich nun verzweifelt daran fest. Unter ihm brodelte noch immer das Wasser von meinem Feuerstoß.

Vorsichtig packte ich ihn an den Schultern, zog ihn in die Luft und setzte ihn nach einer kurzen Flugrunde behutsam an Deck ab. Keuchend sank er auf die Knie.

„Du machst es spannend, mein Freund“, sagte er um Atem ringend.

„Und du tust anscheinend alles, damit du mal mit mir fliegen darfst“, entgegnete ich und bemerkte erleichtert, dass Orin schon wieder lächelte. Seine Lebensenergie pulsierte kräftig.

„Ist das Monster fort?“ fragte er als er wieder etwas ruhiger geworden war.

Witternd prüfte ich die Luft.
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„Ja, es ist fort, aber wir sind nicht allein.“ Ich hatte einen anderen Geruch wahrgenommen, der ganz aus unserer Nähe kam und den ich schon einmal gerochen hatte.

„Wer ist da? Komm hervor!“ forderte Orin.

Mit großen Augen kam Jiell hinter ein paar Fässern hervor.

„Du bist es. Ich erkenne dich“, sagte er.

Immer noch versuchte ich mich zu erinnern, wo ich seinen Geruch schon einmal gerochen hatte. Er war süß und mir unheimlich vertraut.

„Woher kennt ihr euch?“ wunderte sich Orin.

In diesem Augenblick traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz, aber antworten konnte ich meinem Freund nicht mehr, denn ich wusste, dass es Zeit für mich wurde. Die dicken, dunklen Sturmwolken versperrten zwar dem Licht den Weg, aber dennoch war es Morgen. Und so kam es, dass ein zweiter Mensch Zeuge meiner Transformation wurde.

Jiells Augen weiteten sich noch etwas mehr, genau wie sie es schon einmal getan hatten, als sie mich gesehen hatten.

„Das darfst du niemals jemandem sagen, Jiell“, forderte Orin.

„Niemals. Ich werde doch nicht meinen Drachenretter verraten.“

Mir meiner Nacktheit schrecklich bewusst und mein menschliches Schamgefühl verfluchend, zog ich Orin seine Jacke aus und legte mir das feuchte Kleidungsstück um die Hüften. „Dann bist du es also wirklich?“ fragte ich.

„Du hast mir mein Leben gerettet, als du mich von meinem Vater befreit hast. Eher hätte ich mich erschlagen lassen als diesen Mann zu heiraten.“

„Mann?“ wunderte sich Orin.

Sie nahm die Mütze ab und nun sah auch mein Freund, dass Jiell alles andere als ein junger Mann war. Einige Strähnen ihres braunen Haares fielen feucht in ihr Gesicht, das ohne die Hochzeitsschminke viel jünger aussah als an dem Abend, an dem ich sie das erste Mal gesehen hatte. Auch die schwarze Perücke hatte sie damals älter gemacht, aber eigentlich hätte ich auch schon an jenem Abend sehen müssen, wie schön sie war.

„Du bist eine Frau?“ staunte Orin.

„Und damit hast du mich in der Hand“, erklärte sie und neigte den Kopf vor uns. „Mein Name ist Jianne.“

„Hestrons Tochter“, erkannte Orin. „Ich hörte er wollte dich mit dem alten Bresbal verheiraten, obwohl der schon an die siebzig Lenze zählt.
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„Verkaufen wollte er mich“, sagte sie bitter, „aber dein Freund hat mich vor diesem Schicksal schlimmer als der Tod bewahrt.“ Langsam kam sie auf mich zu. „Dann hast du mir ja sogar zweimal das Leben gerettet, mein Drachenretter.“

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte und hasste mich dafür, dass ich nur verlegen den Blick senken konnte.

„Aber bist du nun ein Drache oder ein Zauberer?“ fragte sie.

„Hilfe! Die Tür ist verschlossen“, unterbrachen uns Stimmen aus dem Laderaum und nun erinnerte sich auch Orin, dass er die Mannschaft dort zu ihrer eigenen Sicherheit eingesperrt hatte. Eilig räumte er die Fässer von der Tür weg und befreite die Männer, während ich Jianne wieder in ihr Versteck zog, wo sie ihre Haare wieder unter ihrer Mütze verbarg.

„Du schuldest mir Antworten, mein Retter“, sagte sie. „Aber ich will dir Zeit dafür lassen. Bleib hier, ich bringe dir deine Kleider.“

Sie hauchte mir einen Kuss auf die Wange und verschwand. Der erste Kuss meiner beiden Leben.



Sehr ausführlich erzählte ich Jianne in den nächsten Tagen meine Lebensgeschichte und sie bestand darauf am Abend erneut Zeuge meine Transformation zu werden. Zärtlich strich sie über meine Schuppen und Flügel und ich merkte ein warmes Prickeln, was von dieser Berührung ausging. Ich fühlte mich wohl in ihrer Gesellschaft.

Auch sie erzählte mir von ihrem Leben unter dem Joch ihres herrischen Vaters. Immer wieder hatte er sie gezüchtigt und arbeiten lassen wie eine Sklavin, weil sie nicht der Sohn geworden war, den er sich gewünscht hatte. Am liebsten wäre es mir gewesen, ich hätte ihm eine schmerzhaftere Lektion erteilt.

„Der Verlust des Geldes wird ihn deutlich schmerzen, mein Drachenretter“, erklärte sie mir vergnügt und lächelte. Sie nannte mich fast nur noch bei diesem Namen.

Noch nie hatte ein Lächeln so viel Wärme in mir erzeugt, gegen die sogar mein Drachenfeuer nur ein schwaches Glimmen war.

„Ich wollte so schnell weg von ihm wie es nur ging“, sprach sie weiter. „Hätte er mich gefunden, er hätte mich gesteinigt. Also wollte ich mir mit dem Geld eine Passage auf einem Schiff kaufen, aber es gab zu viele Fragen, also kaufte ich einem Fleischerjungen seine Kleider ab und heuerte auf dem erstbesten Schiff an, das den Hafen hinter sich ließ.
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Was für ein Glück, dass mein Drachenretter auch an Bord war.“

Was für ein Glück? Endlich bekam ich wieder eine Vorstellung davon, was den Menschen das Glück bedeutete, denn ich fühlte mich wohl und gleichzeitig so unwohl, dass ich beinah geflohen wäre. Aber in diesem Moment bemerkte ich, dass wir die ganze Nacht geredet hatten. Fasziniert beobachtete sie, wie ich wieder meine menschliche Form annahm und schließlich nackt vor ihr stand.

„Ich bin froh, dass du dich wieder verwandelt hast“, sagte sie.

„Wieso? Gefalle ich dir als Drache nicht?“

„Oh doch, aber ich wollte dir lieber als Mensch noch einmal meine Dankbarkeit zeigen.“ Damit zog sie mich an sich heran und ich spürte die Wärme ihrer Haut durch den Stoff ihres Hemdes. Alles in mir sehnte sich nach ihr und in diesem Moment drückte sie ihre weichen Lippen auf meinen Mund und küsste mich zärtlich und verlangend. Ich spürte sie mit jeder Faser meines Körpers und schmeckte ihre Süße auf meinen Lippen.

Auch ich war in diesem Augenblick froh ein Mensch zu sein, denn da mein Drachenkörper noch sehr jung war, würde diese Hälfte von mir die Geschlechtsreife erst in einigen Jahren erreichen.



Xian bot einen großartigen Anblick, wenn man sich der Stadt von der Seeseite her näherte. Die alte Kaiserstadt protzte mit Wohlstand. Überall blitzten goldene und bronzene Dächer, marmorne Tempel und schlanke Türme. Inmitten all dieses Reichtums erkannte man den Kaiserpalast. Die gewaltige Anlage erhob sich hoch über der Stadt. Es gab dort so viel Gold, dass die Gebäude wie die Sonne leuchteten.

Jianne, Orin und ich standen abseits der anderen Matrosen an der Reling und beobachteten wie die Kaiserstadt schnell näher kam. Ich war so froh, dass ich mein Ziel endlich erreicht hatte, obwohl ein kleiner Wehmutstropfen auch dabei war: meine gemeinsame Zeit mit Jianne würde enden. In den letzten zwei Wochen hatten wir beinah jede freie Minute miteinander verbracht. Nachts hatten wir uns unterhalten und abends und morgens uns geliebt. Gemeinsam hatten wir diese neuen Erfahrungen genossen und fühlten uns so frei wie noch nie.
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Kurz war ich versucht meine Mission aufzugeben und mit ihr ein neues Leben zu beginnen, aber nachdem ich ihr alles erzählt hatte, verstand sie, dass ich es tun musste. Und tief in mir wusste ich es auch.

Jianne selbst hatte noch nicht entschieden, wie ihr neues Leben aussehen sollte. Orin versprach mir gut auf sie aufzupassen und sie in seinem Haus unterzubringen bis ich vom Kaiser zurückkehrte.

„Wirst du auf mich warten?“ fragte ich sie.

„Ja, das werde ich“, versprach sie. „Komm schnell zu mir zurück.“

Kaum hatten wir angelegt, verließ ich meine Freunde. Ich wusste, dass ich nicht gehen würde, wenn ich nur noch einen Moment zögerte. Ein Wort von Jianne hätte gereicht und ich wäre geblieben.

Der Hafen von Xian lag schnell hinter mir und ich musste bald einsehen, dass die Kaiserstadt sogar noch voller mit Menschen war als Balrob. Man sah Leute aus allen Teilen des riesigen Reiches, Männer und Frauen meines Volks mit dunkler, wettergegerbter Haut, Wüstenleute in bodenlangen Gewändern und Waldleute, die an ihren hellgrünen Augen leicht zu erkennen waren. Daher erschallte die Stadt von allen möglichen Stimmen, Sprachen und Akzenten. Aber etwas war ganz anders als in Balrob, überall gab es Wachen. In beinah jeder Straße patrouillierten Wächter in blauen, kaiserlichen Uniformen und sie waren keineswegs freundlich.

Einmal ließ ich mich von ihnen überprüfen und nur dank Orins Hilfe hatte ich einen Schein dabei, der mich als Lieferant eines Tuchhändlers auswies. Sowohl ich als auch meine Papiere wurden auf das genaueste überprüft und ich dann unter wachsamen Blicken weitergeschickt. Ich beschloss den Wachen aus dem Weg zu gehen.

So war es beinah schon Abend als ich endlich das äußere Tor des Palastes erreichte. Bezeichnenderweise wurde es von den marmornen Körpern zweier Drachen gebildet. Ich staunte über die Genauigkeit und Kunstfertigkeit, mit denen man ihnen beinah Leben eingehaucht hatte.

Mein Passierschein öffnete mir auch dieses Tor und so betrat ich die weiträumige Palastanlage. Überall sah ich Drachen. Sie bildeten Brunnen, waren aus Büschen und Beeten herausgearbeitet, auf Hauswände gemalt, in Balken geschnitzt oder als Statuen aufgestellt worden. Irgendwie fühlte ich mich beobachtet von all diesen toten Augen.
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Sie erinnerten mich an mein Versprechen, ich würde dafür sorgen, dass sie alle bald frei sein würden.

Mit neuer Sicherheit ging ich auf das Haupttor des Palastes zu. Eine letzte Schwierigkeit stand vor mir: wie sollte ich den Kaiser finden und mit ihm sprechen? Ich war mir sicher, er würde mich und die Sorgen der Drachen verstehen, aber erst musste er mich anhören.
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Punktestand der Geschichte:   362
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Kommentare zur Story:

  In den ersten Teilen dachte ich, der Drache sei sehr viel größer als ein Mensch, aber jetzt sehe ich ihn als "kleinen Drachen" vor mir, wenn ich die Geschichte lese. Und das Ambiente ist eine schöne Mischung aus Mittelalter, Fernost und Orient. Wirklich gelungen.
Ein weiteres GRÜN von mir.
Liebe Grüße Dubliner Tinte  
   Pia Dublin  -  11.11.09 19:40

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  Ich finde beinahe nichts mehr, was ich noch zu Doskas oder Petras Kommentaren hinzu fügen könnte, außer vielleicht: Sehr beindruckend wie du immer wieder die Verwandlung Okuons darstellst. Man fühlt förmlich mit ihm mit. Ganz besonders bezaubernd, wie ihm Jianne über die Flügel streicht.  
   Jochen  -  03.11.09 17:23

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  Na, mein Misstrauen gegenüber Orin war wohl doch nicht berechtigt. Der Tuchhändler scheint sich als ein wirklich treuer Freund Okuons zu entpuppen. Ganz süß von ihm finde ich auch, dass er sich um Jianne kümmern will, so lange Okuon weg ist. Ganz goße Klasse war der Kampf mit dem Seeungeheuer  
   Petra  -  03.11.09 17:00

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  Und nun hat sich auch Okuon zum ersten Mal verliebt. Sehr spannend und in tollen Bildern hast du den Drachenkampf beschrieben. Doch wer war dieser geheimnisvolle "Flüsterer" der sowohl Macht über Okuon aber auch über das Meeresungeheuer haben konnte? Ganz tolle Story.  
   doska  -  02.11.09 22:19

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