TOPP, die Wette... Teil 1-8   67

Romane/Serien · Romantisches

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 16. September 2009
Bei Webstories eingestellt: 16. September 2009
Anzahl gesehen: 2203
Seiten: 23

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Samstagmorgen – die Wette:



Das Frühstückscafé war nett, der Kaffee roch aromatisch, und die Brötchen schmeckten außen knackig und innen zart.

Ihr Kühlschrank zuhause gähnte vor Leere. Sie hatte nämlich extra nichts eingekauft, sonst hätte Chris vielleicht gedacht, er sollte zum Frühstück bleiben. Nein, vielen Dank, das brauchte sie nicht! Sie würden ja sowieso nach der gemeinsam verbrachten Nacht getrennte Wege gehen. Wie immer...



„Aber Sex ist doch nicht so wichtig.“ Die Frau am Nachbartisch, die das von sich gab, sah recht mürrisch aus. Sie hielt sich auffällig fern von ihrem Freund. Und der Freund sah auch nicht gerade aus, als ob er Sex so wichtig fände. Zumindest nicht Sex mit dieser Freundin...

„Was meinst du dazu, Irma?“ Christopher rückte näher an sie heran und spielte mit ihrer zierlichen Halskette.

Irma war sich seiner Gegenwart so bewusst, dass sie die Frage zuerst gar nicht richtig hörte. Aber dann beschloss sie spontan, ein wenig patzig zu sein. Das könnte ihm so passen. Der Typ dachte doch wirklich, er hätte sie total im Sack. Ha! Von wegen!

„Ich finde auch, dass Sex nicht so wichtig in einer Beziehung ist.“ Sie sah Chris dabei voll in die Augen, und wie es schien, schaute er ein wenig fassungslos zurück.

„Ach findest du?“ Seine wunderbare Stimme klang samtweich.

„Absolut! Eigentlich ist Sex total unwichtig.“ Irma fragte sich noch während sie diese Worte aussprach, was sie da überhaupt von sich gab. Aber, so dachte sie, er hatte sie provoziert. Und er war so eingebildet, da konnte er ruhig mal einen Dämpfer kriegen.

„Ach! Wenn Sex so unwichtig ist...“, Christopher schaute ihr immer noch in die Augen, und das machte sie ziemlich nervös, „was hältst du dann von einer kleinen Wette?“

„Wette? Was denn für eine Wette?“ Irma war sich peinlich bewusst, dass das Pärchen, welches ihnen gegenüber saß, auf einmal ganz große Ohren bekam.

„Wenn du, sagen wir mal zwei Tage ohne Sex auskommen kannst, dann hast du gewonnen.“

Irma überlegte ein bisschen und fragte dann ganz unschuldig: „Wie meinst du das, zwei Tage ohne Sex? Egal mit wem?“ Oh, er sollte nicht denken, dass sie so auf ihn fixiert war, dass sie Sex nur mit IHM haben wollte.
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„Nein, mit mir natürlich“, sagte Chris nach einer kurzen Pause und schaute ein wenig finster drein. Das hatte er wohl nicht erwartet.

„Das dürfte kein Problem sein.“ Irma lächelte ihn triumphierend an, und während sie lächelte, überlegte sie: Was fand sie nur an diesem Typen? Nun ja, er war wirklich gut im Bett, aber ansonsten war er eingebildet, arrogant und überheblich. Was in etwa alles dasselbe bedeutete. Aber in den letzten Wochen hatte sie mit ihm ein wirklich erfülltes, einmaliges und sagenhaftes Sexleben gehabt. Was hatte sie vorher gehabt? Nicht viel. Diese elenden Stümper! Sie hielten keinen Vergleich mit ihm aus, weder im Aussehen noch im Bett – geschweige denn danach. Ganz im Gegenteil, einer wollte sich danach tatsächlich über Transzendentale Meditation unterhalten. Heiliger Strohsack! Aber mit Chris konnte man sich gut unterhalten. Sie lachten tatsächlich über die gleichen Dinge. Und er sah einfach hinreißend aus, seine Größe, seine Figur, sein Gesicht, seine Augen, und die Härte seines Körpers, der so gut zu ihrem passte. Und dennoch fühlten sich seine Hände so zart an, und seine Lippen waren so weich. Und vor allem fühlten sich seine Hände und seine Lippen so zart und weich auf ihrem Körper an. Und auch so verlangend und...



„Wenn das kein Problem für dich ist, dann ist es ja gut.“ Sein Gesicht blieb unbewegt, er hatte anscheinend nicht die leiseste Angst, zu verlieren, und das machte sie ein bisschen zornig.

„Wenn du verlierst, dann wirst du eine Woche lang jeden Abend bei mir antreten und meinen Haushalt machen.“ sagte sie.

„Und wenn ich gewinne“, er sprach so selbstsicher, dass sie noch ein bisschen zorniger wurde, „dann machst du deine berühmte Pizza, von der du immer erzählst und servierst sie mir ans Bett...“

„Na und? Was ist schon dabei?“

„Du servierst sie mir ans Bett. Aber nur mit einem kleinen schwarzen Schürzchen angetan...“

„Angetan? Wie redest du denn überhaupt?“ Wie pathetisch sich das anhörte: Angetan! Chris grinste sie daraufhin unverschämt an, und seltsamerweise wurde ihr etwas heiß bei dem Gedanken an dieses Schürzchen. Woher sollte man übrigens so ein Schürzchen bekommen, und dann noch ein schwarzes.
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.. Aber was zum Teufel dachte sie da, sie würde nicht verlieren, nein, sie würde ihn zur Hausarbeit zwingen. Zum Spülen, zum Staubsaugen und so weiter. Hmmm, vielleicht könnte man auch diese Strafe ein wenig ausbauen, wenn er zum Beispiel nackt... Aber jetzt war es natürlich schon zu spät dazu. So ein Mist!

„Wir werden natürlich während dieser Zeit zusammen wohnen, sonst wäre es ja zu einfach“, sagte Christopher grinsend. „Was meinst du, bei mir oder bei dir?“

Das leuchtete Irma ein. Lieber Himmel, ein ganzes Wochenende mit ihm! Würde sie das aushalten können? Bis jetzt hatten sie sich nur Freitags getroffen, meistens in seiner Wohnung, und sie war immer über Nacht geblieben, um mit ihm zu... Über Gefühle wurde dabei nicht gesprochen, und eigentlich wunderte sie sich darüber, dass er sich überhaupt mit ihr abgab. Er konnte doch jede Frau haben...

„Zu mir“, sagte sie ohne zu zögern, denn in ihrer eigenen Wohnung hatte sie vielleicht einen gewissen Heimvorteil, wie auch immer der aussehen mochte.

„Einverstanden“, sagte Christopher. „Die Wette gilt! Ich komme dann also am Freitag. So um sieben...“

Irma nickte und bemerkte nur am Rande, dass das Pärchen ihnen gegenüber sich vielsagende Blicke zuwarf.

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Gedanken und Vorbereitungen…



Kurz darauf trennte man sich, um wie immer eigene Wege zu gehen. Wieso eigentlich? Warum konnten sie sich nicht so verhalten wie ein normales Liebespaar? Blöde Frage! Weil sie kein normales Liebespaar waren. Schon die Umstände, unter denen sie sich kennen gelernt hatten, waren nicht berauschend. Anscheinend hatte er es nur drauf angelegt, mit ihr zu schlafen. Und das hatte sie so wütend gemacht, wie sie es gar nicht von sich kannte. Daraufhin wurden böse Worte gewechselt, Türen zugeknallt und Verwünschungen ausgesprochen.

Durch einen grandiosen Zufall traf man sich wieder – Wochen später bei einer Party – und diesmal landete man wirklich im Bett! Einfach so. Diesmal hatte Irma keine Lust, herumzuzicken, sie ergab sich in ihr Schicksal – und außerdem war sie neugierig, wie er im Bett so war. Er war fantastisch!

Man schloss einen wackeligen Waffenstillstand.
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Das bedeutete, dass man cool war und nicht viel Zeit miteinander verbrachte, höchstens mal einen Abend und eine Nacht am Wochenende. Und dass man sich gegenseitig belauerte, um beim anderen eine gefühlsmäßige Blöße zu entdecken...

Danach ging man seine eigenen Wege. Wobei Irma sich nicht sonderlich dafür interessierte, wie SEINE Wege so aussahen. Andere Frauen vermutlich, so wie letztens diese junge Kusine von ihm, aber es war besser, nichts davon zu wissen und nicht daran zu denken. Sie wollte ja nichts von ihm, bis auf die Bettsache, und die war ohne Verpflichtungen. Genau!

Und sie selber war ja auch kein Kind von Traurigkeit. Allerdings hatte sie festgestellt, dass sie in Wirklichkeit sehr monogam war und dass sie, wenn sie denn mal mit einem anderen Mann rummachte, es immer dann tat, wenn sie von Chris etwas Schlimmes dachte. Und manchmal tat sie es auch vorbeugend, denn sie traute ihm nicht. Allerdings war sie nie so weit gegangen, dass es wirklich Ernst wurde. Eine seltsame innerliche Barriere hinderte sie daran, oder die Typen waren einfach nicht attraktiv genug.



Irma hatte also eine ganze Woche Zeit, um drüber nachzugrübeln, wie sie Chris dazu bringen konnte, sie so sehr zu begehren, dass er alles darüber vergaß. Aber eine richtig durchschlagende Idee fiel ihr nicht ein. Sie entschied: Es sollte am besten spontan geschehen. Zwei Nächte und zwei Tage, in dieser Zeit konnte viel passieren. Oh Gott, zwei volle Tage! Es würde bestimmt stressig werden, denn so lang waren sie noch nie zusammengewesen...

Es wäre nicht schlecht, ihn eifersüchtig zu machen. Das würde ihn bestimmt wahnsinnig irritieren. Denn in seiner Gegenwart hatte sie bisher keinen anderen auch nur mit dem Hintern angeguckt. Warum auch, keiner war so interessant und so gut aussehend wie er...

Vielleicht ergab sich ja was. Aber wie und wo? Wo konnte man ihn eifersüchtig machen? Im E-body, ihrer Stammkneipe? Witz lass nach! Da liefen eh nur Säufer rum, die immer hackevoll waren und an Erotik kein Interesse hatten. Außerdem war sie tabu für die, denn sie und Chris galten dort tatsächlich als Paar. Schon wieder Witz lass nach! Nein, sie musste sich auf ihre natürlichen Reize verlassen, und wenn das nicht klappte, würde sie zu Plan B übergehen. Knifflig war er, aber er konnte funktionieren.
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..

Irma entwarf das Outfit für den ersten Abend: Zur Zeit herrschte eine richtig sommerliche Hitze, obwohl es schon fast Ende September war. Da konnte man sich schon ein bisschen entblößen, ohne dass es auffiel. Hosen waren zwar gut, aber Röcke machten Männer aus unbekannten Gründen viel mehr an als Hosen. Weil sie dann leichter Zugriff auf die Frau hatten? Möglich... Also musste ein Rock her, am besten ein kurzer enger Rock. So einen hatte sie noch, er war schwarz und eng und stammte aus dem Sommerschlussverkauf vom letzten Jahr. Für diese blöde Wette würde sie sich keine neuen Klamotten kaufen. Weiter: Es fehlte aber noch ein richtiger Scharfmacher... Mist, also doch was kaufen! Irma ging shoppen und erwarb ein geiles helles Spitzenoberteil, das ihre Taille sehen ließ. Es war ärmellos, tief ausgeschnitten, und sie wusste nur noch nicht, ob mit oder ohne BH... Vielleicht doch mit BH, sonst würde es sie mehr entblößen als verhüllen. Denn der etwas kratzige Spitzenstoff hatte es an sich, die Spitzen ihrer Brüste auf eine geradezu unanständige Art zu reizen, so dass sie keck durch den Stoff hervorstachen. Das war zuviel des Guten und sah so richtig nach Schlampe aus. Also BH, den konnte man ja im strategischen Augenblick entfernen. Irma musste kichern bei diesem Gedanken. Und ein wenig ächzen musste sie auch, weil schon die Vorstellung, sich zart mit diesem Spitzenteil an Chris zu schmiegen, einfach überwältigend war. Er würde es bestimmt mögen. Und wenn nicht, dann fand sich vielleicht trotz der Männerflaute im E-body jemand, der ihre Reize zu würdigen wusste.

Schuhe, das war auch ein Problem, ohne Strümpfe waren die High-Heels einfach zu unbequem, und es würde bestimmt nicht sehr sexy aussehen, wenn sie nach einer Weile anfing, zu humpeln. Obwohl es vielleicht ein gewisses Gefühl nach Hilfe signalisierte. Der Mitleidsfaktor? Nein danke, zu unberechenbar! Irma entschied sich schließlich für elegante Sandalen mit einem halbhohen bequemen Absatz, die Sandalen machten ihre Beine noch länger, als sie schon waren. Gut, Spitzenoberteil, kurzer eng anliegender Rock – es war perfekt. Er würde ihr nicht widerstehen können, dafür war er sowieso viel zu scharf auf sie.

Das war für Plan A, der auf ziemlich wackeligen Beinen stand.
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Für Plan B setzte sie sich an ihre vorsintflutliche Nähmaschine, um aus einem alten Stück Leinen ein simples, aber überaus extravagantes Kleid zu nähen, das vorne voll durchgeknöpft und somit leicht an- oder auszuziehen war. Es sah ein bisschen aus wie das von Julia Roberts in ’Pretty Woman’, nachdem sie ihre nuttigen Klamotten abgelegt hatte und ein schlichtes Kleid aus einer teuren Boutique trug. Irma hatte das Kleid vage in Erinnerung, aber vielleicht sah es ganz anders aus. Machte nix, das Kleid gefiel ihr. Es war so damenhaft und dezent. Und sie würde sich die halblangen dunklen Haare aufstecken, wenn sie es trug. Männer standen auf so was...

Plan B hatte übrigens etwas mit der Porno-Bar zu tun, in der ihr schwuler Freund Yogi als Türsteher arbeitete. Aber vielleicht würde es ja schon vorher klappen...

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Freitagabend - Long Island Ice Tea:



Irma konnte nicht eindeutig erkennen, ob Chris die Luft anhielt, als er sie in ihrem Mini-Outfit erblickte. Er war überhaupt schwer zu durchschauen – und außerdem war er ein unglaublich zäher Brocken, der sich kaum manipulieren ließ. Seltsamerweise mochte sie das an ihm. Denn dann ließ er sich von anderen Frauen auch nicht manipulieren. Vielleicht… Aber wen juckte das? Es war auf jeden Fall besser, nichts über seine anderen Frauen zu wissen. Irma prustete verächtlich in sich hinein.

Er war später erschienen, als sie erwartet hatte, und tatsächlich schlug er vor, ins E-body zu gehen. Er wollte lieber den Abend in der neutralen Zone ihrer Stammkneipe verbringen, als hier allein mit ihr zu sein. Oder er langweilte sich mit ihr. Ohne Sex...

Das hatte sie sich etwas anders vorgestellt, aber dann riss sie sich zusammen. E-body war gar nicht so schlecht, sie wusste nämlich, dass heute dort eine Band spielte. Und vielleicht würde sich eine Gelegenheit ergeben, um mit Chris zu tanzen. Ihm nahe zu kommen, sich an ihn zu schmiegen. Sie konnte sie fast schon spüren, diese Nähe. Er würde einiges von ihr fühlen können. Vielleicht ihre Brüste oder zumindest die Spitzen ihrer Brüste unter dem Top... Ihr wurde mächtig warm bei diesem Gedanken. Oh nein, falsche Reaktion! Besser nicht denken…

Sie schlenderten locker nebeneinander her.
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„Du siehst geil aus“, meinte Chris nach einer Weile.

„Findest du?“ Irma frohlockte innerlich, was sie sich natürlich nicht anmerken ließ.

„Ooh ja!“ Chris lächelte, schob sich ein wenig näher an sie heran und fasste sie kurz um die Taille, und das ließ sie ein wenig erbeben. Instinktiv wollte sie sich an ihn drücken, Quatsch, es war nicht instinktiv, sie wollte ihn nur fühlen lassen, wie fantastisch ihr Körper gebaut war, wie herrlich ihre Brüste waren und ihre schmale Taille auch...

Aber Chris schien das Interesse an ihr verloren zu haben, er ließ sie schnell los und warf ihr einen undefinierbaren Blick zu. Na super!

Das E-body war nicht weit entfernt, und es war noch nicht besonders voll dort. Irma sah sofort, dass ihr Lieblingsplatz frei war. Es handelte sich um eine gepolsterte Bank an der langen Theke. Auf diese Bank passten höchstens zwei Personen, und sie war nur von einer Seite aus erreichbar. Wie oft hatte sie schon mit Chris auf dieser Bank gesessen, eng aneinander gedrängt, weil die Bank so schmal war. Sie galten hier tatsächlich als Paar – und das, obwohl sie gar nicht zärtlich zueinander waren. Vielleicht hatte sie jemand draußen auf der versteckten Parkbank beobachtet, als sie... Das war irre gewesen. Nicht abschweifen, Irma!

Jedenfalls war sie in diesem Minirock einfach berückend. Und wenn sie ihre Beine nicht eng zusammenpressen, sondern ein wenig auseinander fallen lassen würde... ganz dezent natürlich, dann wäre das bestimmt eine unwiderstehliche Einladung. Sie hatten sich ja schon berührt auf dieser Bank, er hatte sie vor neugierigen Blicken abgeschirmt, und dann hatte er... Oh Gott, besser nicht dran denken, denn Irma fühlte sich schwach und willig werden, und das wollte sie auf keinen Fall. Jedenfalls hatte er gesagt, sie hätte an der Innenseite ihrer Schenkel die weichste Haut der Welt. Und sie wurde im nachhinein etwas rot bei dem Gedanken an das, was daraufhin folgte.

Aber Chris machte keinerlei Anstalten, sich neben sie zu setzen, sondern stellte sich an die Theke. War ihre Ausstrahlung etwa flöten gegangen? Klar, mit fünfundzwanzig befand man sich schon auf dem absteigenden Ast... Irma fühlte sich ein bisschen einsam, sie liebte es nämlich, neben ihm zu sitzen und sich auf die Nacht zu freuen, die dem Abend unweigerlich folgen würde.
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Normalerweise folgen würde...

Die Band fing an zu spielen. Wunderbare Musik, Blues vom Feinsten, sehr romantisch. Aber davon zu träumen, mit Chris zu tanzen - reine Wunschvorstellung! Er hatte noch nie mit ihr getanzt, und warum sollte er es gerade jetzt tun?

Irma spürte, wie ihre Laune immer schlechter wurde und wie sie diese blöde Wette verfluchte. Was sollte das alles? Es war doch sinnlos. Aber jetzt hatte sie damit angefangen, und sie wollte es auch zu Ende bringen. Fragte sich nur wie...

Zur Ablenkung unterhielt Irma sich mit der Wirtin Maja, mit der sie befreundet war. Und die erzählte, wie schrecklich sich ihr versoffener Mann im Urlaub aufgeführt hatte. Wie gut, dass ich keine feste Beziehung habe, dachte Irma daraufhin erleichtert.

Na ja, irgendwie verging die Zeit, erst minutenweise, und dann war schon eine Stunde vorbei - eine vollkommen sinnlose Stunde. Chris knobelte mit irgendwelchen Leuten, und das E-body war voller geworden. Irma wurde immer frustrierter, und das in ihrem sexy Outfit, welches aber niemand wahrnahm, vor allem nicht diese abgestumpften Biersäufer im E-body. Sie überlegte, ob sie mitknobeln sollte, aber dann kam sie zu dem Schluss: Nichts macht eine Frau unattraktiver, als wenn sie beim Knobeln gewinnt. Also besser sein lassen.

Dann auf einmal spürte sie von hinten den Hauch einer Berührung auf ihrer Schulter. Na also! Chris...

Oh! Es war aber nicht Chris, sondern ein anderer Mann, und zwar ein richtig gut aussehender Mann. Er war dunkelhaarig, sah ein bisschen aus wie Bruce Willis, als er noch jünger war, und er hatte eine ansprechende Größe. Irma stand auf große Männer. Christopher war auch groß. Sehr groß.

„Hast du Lust, zu tanzen?“

Wow! Sie wurde gerade zum Tanzen aufgefordert. Das war gut! Das war nicht nur gut, das war ausgezeichnet. Ob Chris wohl was dagegen hatte? Was für ein blöder Gedanke! Er musste etwas dagegen haben, Nicht etwa, weil er verliebt in sie war. Neeeiin, verliebt, was für eine kranke Idee! Aber sein Ego würde es kratzen.

„Na klar habe ich Lust!“ Mit diesen Worten zwängte Irma sich elegant aus der Polsterbank heraus, lächelte den großen gutaussehenden Fremden an – und warf Chris einen kurzen prüfenden Blick zu, ob er es auch bemerkte, dass sie gerade.
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.. Aber Chris war anscheinend so mit dem Knobeln beschäftigt, dass er ihr keinen Blick gönnte.

Also blickte sie ihren neuen Begleiter charmant an und betrat mit ihm die winzige Tanzfläche.

Er zog sie an sich, sie legte die Arme um seinen Hals, und sie fingen an, sich langsam zu den wunderbaren Bluesklängen zu bewegen. Gar nicht so schlecht, dachte Irma. Jedenfalls gab es Schlimmeres.

Ab und zu, wenn die Drehung es erlaubte, schaute sie zur Theke, um zu sehen, was Chris so machte. Er schien immer noch zu knobeln und würdigte sie keines Blickes. Das war mal wieder typisch! Er tat so, als hätte er nichts mit ihr zu schaffen. Oder er hatte sie vergessen. Wirklich toll!



„Du bist wirklich faszinierend“, sagte der große fremde Mann zu ihr, während seine Hände ihren Rücken streichelten. Dummerweise befand sich ein Stück nackte Haut zwischen ihrem Top und dem Rock.

Irma fühlte sich ein wenig unbehaglich. „Äääh ja wirklich?“ sagte sie zerstreut und versuchte gleichzeitig, Christopher im Auge zu behalten – und vor allem um zu sehen, ob er sie auch sie im Auge behielt.

„Und du bist unwahrscheinlich sexy.“ Eine Hand des Fremden war auf einmal nicht mehr auf ihrem Rücken, sondern näherte sich auf bedrohliche Art ihrem Hintern. Irma wich nach hinten aus, aber die Hände des Fremden blieben dort, wo sie wohl sein wollten.

Oh Gott! Irma geriet ein wenig in Panik, diese Hände... nein, sie wollte es nicht, aber wenn sie jetzt sagte, nimm die Flossen weg, dann war der Typ bestimmt auch weg. Also erst einmal gefallen lassen... Instinktiv suchten ihre Blicke wieder Christopher. Aber der war nicht mehr an dem Platz, an dem er zu sein hatte. Er war weg!

Was zum Geier... Irma ließ ihre Blicke im ganzen E-body herumwandern, aber er war nicht mehr da. Ließ sie sich hier etwa umsonst den Hintern abgrabbeln? Wo steckte der Kerl?

Dann auf einmal sah sie ihn, er stand an der Eingangstüre und war mit einer Frau in ein Gespräch vertieft. Mit einer FRAU? So eine Unverschämtheit! Er hatte sich nicht mit anderen Frauen zu unterhalten, vor allem nicht mit solchen Frauen, nicht mit solchen Tittenmonstern!

Aber es kam noch schlimmer. Fassungslos sah sie, wie er mit diesem aufgeblasenen.
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.. Gummitier hinausging aus dem E-body. Was hatte er vor?

Irma wurde unruhig, sie konnte sich nicht mehr auf den Tanz mit dem gutaussehenden Fremden konzentrieren. Aber sie versuchte es. Mindestens drei Minuten lang versuchte sie es, bis sie schließlich gepeinigt aufgab.

„Ich möchte nicht mehr tanzen“, sagte sie.

„Das ist schon okay“, sagte ihr Tanzpartner. „Möchtest du, dass wir hinausgehen?“

Hinausgehen? Keine schlechte Idee. Hinausgehen, um zu sehen, was Christopher dort draußen trieb? Gerne.

„Warum nicht“, sagte sie leichthin.

Sie machten sich also auf den Weg nach draußen, und der fremde Mann öffnete ihr fürsorglich die Tür. Die frische Luft kühlte ihre heiß gewordene Stirn ab, und sie ließ ihre Blicke schweifen. Wo war er?

Aha, er stand mit dem Tittenmonster vor einem Porsche, die Motorhaube war geöffnet, und sie sah, wie Chris in den Motorraum schaute. Er machte da irgend etwas und wandte sich danach lächelnd dieser blonden Barbie-Titten-Gummi-Monster-Puppe zu. Und diese Kuh schmachtete ihn an!

Irma verspürte einen unverständlichen Stich in ihrem Herzen, den sie aber ignorierte. Sie wandte sich ab. Chris wollte sie wohl eifersüchtig machen. Da war er aber an die Falsche gekommen! Aber was konnte sie tun? Genau! Ihm zeigen, dass es ihr piepegal war.

„Ich glaube, ich hab’ mich jetzt abgekühlt“, sagte sie verführerisch zu ihrem Begleiter, obwohl sie innerlich kochte. „Lass uns wieder hineingehen und was trinken.“

„Wie du willst.“ Er legte besitzergreifend seinen Arm um ihre Schulter – hoffentlich kriegte Chris das mit – und sie gingen einträchtig wieder zurück ins E-body.

Sie ließ sich von ihm an einen Tisch führen, von dem aus man die Theke nicht sehen konnte. Sie war sauer! Diese blöde Wette hatte ihr jetzt schon den Abend versaut. Irgendwie ging alles schief, und vielleicht hatte sie sich ein bisschen übernommen. Chris interessierte sich anscheinend einen Dreck um das, was sie so trieb. Okay, wenn das so war, dann konnte sie es ja auch treiben...

Sie studierte die Getränkekarte und würde schnell fündig. Ein Cocktail namens Long Island Ice Tea war heute im Angebot, und der Name hörte sich relativ harmlos an.
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„So einen möchte ich!“ Sie deutete auf die Getränkekarte.

Natürlich bekam sie ihn, während der Typ sie weiterhin anstrahlte.

Der Long Island Ice Tea sah wirklich aus wie Tee. Er war ein bisschen bräunlich und befand sich in einem eimergroßen Gefäß aus Glas. Und er schmeckte gut! Man konnte nicht anders, als ihn langsam aber permanent zu schlürfen. Er passte irgendwie gut zu der Hitze im E-body, und man fühlte sich nach einer Weile richtig fantastisch leicht im Kopf. Musste an dem Tee darin liegen. Wunderbares Zeug! Denn Chris und sein Tittenmonster wurden dadurch an den äußeren Rand ihres Bewusstseins vertrieben. Dorthin, wo sie nicht weiter störten.

Volker, so hieß der Typ, saß ihr auf einmal nicht mehr gegenüber, sondern dicht neben ihr. Er sagte nette Sachen. So was ähnliches wie: Deine Beine sind geil, dein Busen auch und dein Bo sowieso.

Das reimte sich tatsächlich. Dein Bo sowieso. Irma musste kichern. War der etwa ein Bo-Fetischischt? Quatsch, Bo-Fetichist... DJ Bobo... Ach Quatsch, egal!

Der Tee war alle, und sie hatte Durst auf einen neuen Eimer.

„Holger, kann ich noch einen haben?“

„Ja natürlich, aber ich heiße Volker.“

„Auch recht, Holger! Du bist so süß zu mir.“ Er wurde ihr immer sympathischer. Warum? Passierte jetzt das, was man unter Schönsaufen verstand? Irma musste kichern. Da war bestimmt Alkohol im Tee!

Nach dem zweiten Long Island Ice Tea verwischten sich langsam aber sicher die Konturen der Umgebung, und Irma meinte, ein permanentes Rauschen in den Ohren zu haben. Und entweder war sie unendlich langsam geworden, oder die Zeit verging unendlich schnell, denn als sie auf die große Uhr im E-body sah, stellte sie fest, dass es schon halb eins war. Der Typ neben ihr quasselte immer noch, aber sie bekam nicht mehr viel davon mit. Er hatte auch besitzergreifend irgendeinen Tentakel um sie gelegt, der sich langsam an ihren Busen schlängelte. Ein anderer von seinen vielen Tentakeln lag auf ihrem rechten Bein und wollte sich wohl unter ihren Rock drängen. Irma presste die Beine zusammen. Sie war ein bisschen wie gelähmt, aber sie hatte jetzt die Nase voll.

„Ich geh jezz nach Hause“, sagte sie mit einer Stimme, die sich komisch anhörte.
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Sie erhob sich, aber irgendwie rutschte ihr ein Bein weg und sie musste sich an einem Pfosten festhalten. Du bist aber ein netter Pfosten, dachte sie dankbar. Aber sie traute sich nicht, ihn loszulassen, den netten Pfosten.

Dann auf einmal spürte sie, wie jemand sie festhielt, und es handelte sich nicht um den Pfosten, sondern um...

Sie kannte ihn. Es war Chris. Er war noch da. War nicht mit dem Tittenmonster abgehauen. Das war gut.

Oh Chris, du hast mich gerettet! Das sagte sie natürlich nicht laut, sondern dachte es nur. Aber dafür hörte sie, wie ER laut sagte: „Das war jetzt genug! Du kannst abhauen!“ Und Irma war sich sicher, dass er nicht sie damit meinte.

„Ssssüss Holger“, sagte sie fröhlich. „Mach’s gut und dange für den Tee!“

„Du warst doch wohl nicht eifersüchtig?“ hörte sie verschwommen Chris’ Stimme, während er sie wohl nach Hause schleifte.

„Wer, ich?“ Sie versuchte, ihre Stimme ein bisschen deutlicher klingen zu lassen. „Ddu schpinnst doch wohl! Ich und eifersüschtisch? Nich auf eine auss Sssilicon-Valley!“ Sie prustete verächtlich – und verwünschte ihre Stimmbänder, die anscheinend mit der Sprache nicht mehr zurechtkamen.

„Bist du besoffen oder was?“

„Nö, ich hab nur so’n Tee gedrungen.“ Irma hörte ihn lachen, und das war das letzte, was sie in dieser Nacht hörte.

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Samstag am späten Morgen - Der Ex:



Sie hat geträumt. Sie kann sich zwar nicht mehr genau an den Traum erinnern, aber er war furchtbar. Sie wacht verstört auf und findet sich in Christophers Armen wieder. Es ist ein gutes Gefühl. Sie spürt hinter sich seinen vertrauten Körper, und er gibt ihr das Gefühl der Sicherheit, als wäre sie nach einem schlimmen Unwetter in einem sicheren Hafen gelandet. Das erschreckt sie, es darf nicht sein. Was soll er von ihr denken? Es gibt so etwas nicht zwischen ihnen, und sie hat sich bestimmt nur an ihn geschmiegt, weil sie schlecht geträumt hat. So muss es gewesen sein. Ganz langsam, während sie versucht, ihr laut klopfendes Herz stillstehen zu lassen, entfernt sie sich vorsichtig aus seinen Armen und legt sich auf ihre Seite des Bettes. Alleine, wie es sich gehört.



Ein paar Stunden später wachte sie auf.
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Ihr Wecker zeigte elf Uhr an. Chris war nicht da, aber sie hörte, wie jemand in der Küche herumhantierte, und es roch nach Kaffee und nach frischen Brötchen.

Sie bewegte vorsichtig den Kopf, er tat nicht weh, dem Himmel sei Dank! So ein richtiger Kater hätte ihr gerade noch gefehlt.

Kurz darauf kam Chris ins Schlafzimmer. Schade, er war voll angezogen. Normalerweise würde er nackt herumlaufen, und sie würde anfangen zu sabbern vor Verlangen. Er sah ja aus wie ein Gott, wie Apollo, so golden und so männlich.

Er hatte ihr eine Tasse Kaffee mitgebracht mit Milch darin. Wie süß von ihm, er hatte sich gemerkt, dass sie Kaffee nur mit Milch trank. Dann stutzte sie. Das war doch nicht normal! Die meisten Männer wussten auch nach Jahrzehnten nicht, wie ihre Frau den Kaffee trank. Das war eine Finte von ihm, also aufpassen... Sie richtete sich auf und stellte fest, dass sie ihr Top noch anhatte, den Rock aber nicht. Hatte sie ihn selber ausgezogen? Oder hatte Chris etwa? Keine Ahnung. War aber auf jeden Fall besser, als im Rock zu schlafen.

„Wie geht’s dir?“ fragte Chris und grinste sie dabei unverschämt an.

„Gar nicht so schlecht“, Irma fühlte sich etwas verlegen und nippte am Kaffee, den ihr Körper anscheinend wie ein Schwamm aufsaugte. „Hab’ ich was angestellt?“ Fragen konnte nicht schaden.

„Na, ich hoffe doch nicht...“ meinte Chris spöttisch.

„Dann dusche ich jetzt.“ Irma fühlte sich erleichtert. Sie erhob sich und meinte, seine Augen auf ihren Beinen zu fühlen, aber das konnte auch nur Einbildung sein.

Als sie nach einer halben Stunde einigermaßen fertig war, sah sie, dass er im Wohnzimmer die Tageszeitung las. Er schaute sie kurz an und wandte dann den Blick ab.

Gelle, das kannst du nicht ertragen, dass ich so herumlaufe, dachte sie. Sie trug nämlich nur ein hauchzartes weißes indisches Batistshirt, es sah aus wie ein Minikleid, war aber fast durchsichtig, und normalerweise benutzte sie es als Nachthemd. Hatte sie es nicht in ihrer ersten Nacht mit ihm getragen? Ja...

Es schellte. Ach du lieber Himmel, sie hatte ganz vergessen, dass ihre Freundin vorbeikommen wollte, um ihr Krabben aus Holland mitzubringen. Anscheinend war Jessi erfolgreich gewesen, denn sie drückte Irma eine mittelschwere Plastiktüte in die Hand.
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„Toll! Danke Jessi.“ Man begrüßte sich mit Küsschen und ging in die Küche.

„Hast du Besuch?“ fragte Jessi neugierig. Sie hatte wohl irgendwas im Wohnzimmer gesehen.

„Na ja, so kann man’s nennen. Chris ist hier...“ sagte Irma leise.

„Wow, dann werd’ ich deinen Stecher ja endlich mal kennen lernen“, meinte Jessi begeistert, und bevor Irma sie aufhalten konnte, marschierte sie ins Wohnzimmer, wo Chris immer noch mit seiner Zeitung beschäftigt war. Irma lief ihr hinterher, um Schlimmeres zu verhindern. Stecher! Oh Gott, wenn er das gehört hatte! Obwohl, es stimmte ja, mehr war er nicht.

Christopher war sehr charmant zu Jessi. Seltsam, zu ihr war er nie so charmant, der Blödmann..

„Nicht schlecht!“ meinte Jessi anerkennend, als sie sich zehn Minuten später von Irma verabschiedete.

„Pssst, nicht so laut! Und was kriegst du für die Krabben?“

„Das machen wir nächste Woche. Aber jetzt will ich dich nicht weiter stören...“ Jessie grinste anzüglich.

Von wegen nicht weiter stören. Wobei denn, fragte sich Irma. Jessi war wirklich ein Witzbold!

Irma blieb zurück mit zwei Kilo Krabben, die natürlich noch in ihrer Schale steckten. Sie fing sofort mit dem Pulen an, denn ihr schwebte ein leckerer Krabbensalat zum Frühstück vor. Sie wollte Chris beeindrucken, denn Sex ging auch durch den Magen. Oder war es Liebe? Wie auch immer, es konnte nicht schaden.

Es schellte wieder. Das war bestimmt noch mal Jessi, die irgendwas vergessen hatte.

Es war aber nicht Jessi, sondern Irmas Exfreund Oliver, der sie begehrlich anschaute. Kein Wunder bei diesem dünnen Hemdchen. Und kein Wunder bei Oliver...

„Was willst du?“ fragte sie unfreundlich. Der hatte ihr gerade noch gefehlt! Ihre Trennung fand vor neun Monaten statt. Er hatte sich in eine andere verliebt, und Irma war heilfroh, dass sie ihn auf diese Weise loswerden konnte. Es kriselte schon lange bei ihnen, vielleicht weil sie ihn nicht wirklich liebte und er schlau genug war, das zu erkennen... In der ersten Zeit nach der Trennung trafen sie sich noch oft – sie wollte ihn ganz langsam von sich abnabeln, ohne seinen Hass auf sich zu ziehen, denn er war ein Scheißkerl! Das hatte anscheinend geklappt, und jetzt kam er nur noch vorbei, wenn seine Neue wieder mal ausgezogen war.
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„Es ist alles so ungewohnt“, jammerte Oliver. Er hatte sich neben sie an den Küchentisch gesetzt und schaute ihr beim Krabbenpulen zu.

„Was ist ungewohnt?“ fragte Irma genervt. Himmeldonnerwetter, sie waren jetzt schon neun Monate auseinander, und er hatte sich immer noch nicht an sein neues Leben gewöhnt. Das erzählte er ihr jedenfalls andauernd. Am Anfang hatte sie sich ja noch geschmeichelt gefühlt durch dieses blöde Gewäsch, aber mittlerweile war es einfach nur peinlich.

„Mit dir war es anders...“

„Glaub’ ich dir gerne“, erwiderte Irma ein wenig säuerlich. „Ich hab’ mir ja alles gefallen lassen.“

„Weißt du, dass ich am liebsten alles rückgängig machen würde?“ Oliver rückte ein Stückchen näher an sie heran und wollte doch tatsächlich ihre Hand ergreifen, die gerade eine Krabbe hielt.

„Das geht nicht“, sagte Irma ärgerlich und wischte seine Hand ohne weiteres beiseite.

„Alles geht, wenn man es will. Wir könnten heiraten, und diesmal wird es klappen.“ Oliver gab nicht auf.

„Du hast wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank!“ Irma war empört. Was dachte sich dieser Typ eigentlich? Er hatte ihr schon vor neun Monaten einen Heiratsantrag gemacht, kurz bevor sie sich trennten. Sie hatte dankend abgelehnt und die Trennung gewählt, und sie war immer noch froh darüber.



Sie hörte ein Geräusch und blickte hoch. Chris war in die Küche gekommen und baute sich gerade bedrohlich vor dem Küchentisch auf. Wie viel hatte er von dem Gespräch wohl mitbekommen? Vielleicht das mit dem komischen Heiratsantrag? Das wäre ausgezeichnet! Andere Männer wussten sie nämlich zu schätzen, hahaha…

„Hallo meine Haselmaus“, sagte er scheinbar zärtlich zu ihr. Er beugte sich zu ihr hinunter, küsste sie auf die Wange und fragte mit sanfter Stimme: „Willst du mir deinen Besuch nicht vorstellen?“

Irma war baff. Haselmaus? Was für eine niedliche Bezeichnung! Chris’ Stimme klang allerdings nicht wirklich niedlich, sondern hinterhältig gefährlich, und wenn sie diese Stimmlage hatte, dann war nicht gut Kirschen mit ihm essen.
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Aber eigentlich war sie froh drüber, dass er sich einmischte. Es wäre nicht schlecht, wenn ihr Ex endlich mit eigenen Augen sah, dass sie tatsächlich was mit einem anderen Mann hatte. Und mit was für einem...

„Hi Schatzilein!" Klar würde sie mitspielen, allein das Gesicht von ihrem Ex war es wert. Sie sah Chris zärtlich an, und sie fand, dass sie es irre gut hinkriegte. „Das ist Oliver, mein Ex“, sagte sie leichthin. „Er wollte mir endlich die Wohnungsschlüssel geben.“ Was für ein genialer Geistesblitz von ihr!

Exfreund Oliver sah sie zuerst erstaunt und dann empört an.

Irma beobachtete ihn misstrauisch. Mein Gott, der Typ war gefährlich, das fiel ihr gerade ein, dieses Wissen hatte sie wohl verdrängt. Oliver legte sich mit jedem an, und er hatte ziemlich widerliche Überraschungsangriffe auf Lager. Ohgottogott! Sie blickte unauffällig zum Küchenschrank und überlegte in Blitzesschnelle, ob sie noch rechtzeitig an die Bratpfanne kommen würde, falls er Chris... Sie würde nicht zulassen, dass er Chris etwas antat.

Aber Oliver guckte nur blöd, anscheinend fielen ihm auf Anhieb keine Gegenargumente ein. Es war unglaublich, Chris’ selbstsichere Erscheinung hatte ihn tatsächlich eingeschüchtert. Er stand widerwillig langsam auf, kramte erst in seiner Hosentasche und dann an seinem Schlüsselbund herum und warf schließlich die Schlüssel auf den Küchentisch, wo sie fast in den ungepulten Krabben landeten. Dann drehte er sich um und ging hinaus, wobei er kräftig die Tür zuknallte.



„Gott sei Dank“, stöhnte Irma erleichtert. „Aber Haselmaus? Ich kann nicht mehr...“ Sie bekam einen Lachanfall, in den sie sich immer mehr hineinsteigerte.

Aber Chris lachte nicht mit, sondern betrachtete sie nur skeptisch, während sie sich immer noch vor Lachen kringelte. „Sag’ mal Irma, was treibst du da eigentlich?“ Seine Stimme hörte sich irgendwie aufgebracht an.

„Wer ich? Wie meinst du das?“ Na klar, sein Ego war anscheinend mal wieder angekratzt...

„Und wieso steht der Name von diesem Arsch immer noch auf dem Türschild?“

„Ich hatte einfach keine Zeit dafür“, versuchte Irma zu erklären, sie hatte immer noch Tränen in den Augen vor Lachen, und sie konnte sich einfach nicht beruhigen.
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Himmel, das mit dem Schild war ihr einfach egal gewesen. Und jetzt fiel ihr auch ein, dass Chris in der Nacht, als sie sich kennen lernten, das Türschild irgendwie blöd fixiert hatte. Na ja, danach war sowieso alles schiefgelaufen, und sie hatte ihn aus ihrer Wohnung rausgeschmissen mit den Worten: Hau bloß ab und lass dich nie wieder hier blicken!

„Hast du einen Schraubenzieher?“ fragte Chris grimmig.

„Da in der Schublade!“ Irma deutete auf ihren rot gestrichenen alten Holzschrank.

Tatsächlich ging Chris mit dem Schraubenzieher hinaus, montierte das Türschild ab, schnippelte aus einem Stück Papier ein neues, schrieb ihren Namen darauf – und montierte es wieder an.

„Toll!“ Irma hatte ihm fassungslos zugeschaut. „Aber ich werde trotzdem ausziehen müssen, der hat bestimmt noch ein paar Schlüssel in Reserve.“

Chris sah sie an, als wäre sie nicht ganz gescheit. „Schon mal was von einem neuen Schloss gehört?“ fragte er schließlich unfreundlich.

„Das war ein Witz“, sagte sie lahm. Allmählich wurde er ja richtig pampig. Und was ging es ihn überhaupt an?

„Oder willst du etwa, dass er dich weiterhin anmacht?“

„Nein, natürlich nicht! Aber so einfach ist das nicht...“ Irma wollte nicht mit ihm über ihren Ex sprechen. Sie hatte genug Mist mit dem erlebt, und diesen Mist würde sie einem Mann namens Chris niemals erzählen, er würde es ja sowieso nicht verstehen.

Außerdem waren mittlerweile genug Krabben gepult, um für einen Salat zu reichen. „Wir sollten jetzt endlich frühstücken“, sagte sie, um ihn von ihrem Ex abzulenken. „Sonst werden die Brötchen noch hart. Und wie kommst du überhaupt auf Haselmaus?“

„Weil du so große braune Augen hast und überhaupt – du bist eben ein braunes Mädchen...“

„Aber doch nicht überall“, Irma schaute ihn verheißungsvoll an. Vielleicht war das ja die Gelegenheit, um…

Aber Chris, dieser zähe Brocken ignorierte die Anspielung. Na gut, dann eben nicht, lieber Onkel! Aber die Bezeichnung Haselmaus war trotzdem spitzenmäßig...

„Du hättest ja auch Haselnuss sagen können.“ Irma fing wieder an zu kichern.
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„Nein, die ist doch schwarzbraun“, sagte Chris und fing endlich auch an zu lachen.





Nach dem sehr späten Frühstück – eigentlich handelte es sich ja um einen wirklich hervorragenden Brunch – zog man sich zurück. Chris ging ins Wohnzimmer und Irma ins Schlafzimmer. Sie wunderte sich ein wenig darüber, wieso er keinen Versuch machte, ihr an die Wäsche zu gehen. Aber vielleicht war es besser so, Anmachen war risikoreich, und man konnte leicht zum Verlierer werden...

Es war überhaupt seltsam, ihn so lange in ihrer Wohnung zu haben. Bis jetzt waren sie meistens in seiner Wohnung gewesen, irgendwie hatte sie es vermieden, ihn hier zu treffen. Möglicherweise wegen Exfreund Oliver. Denn wenn der einfach hier hereinplatzen würde, mit seinem Wohnungsschlüssel und seinem ekligen Besitzdenken in Bezug auf sie, nicht auszudenken... Jedenfalls fand sie es mit Chris nicht unangenehm und auch nicht peinlich. Eigentlich war es richtig nett.

Die Ruhepause dauerte nicht lange, denn Chris kam energiegeladen ins Schlafzimmer und schlug vor, ein bisschen spazieren zu gehen. Darauf hatte Irma nur gewartet. Chris liebte es, hinaus in die Natur zu gehen, das wusste sie aus seinen Erzählungen – und nach ihrer ersten gemeinsamen Nacht hatte er sie ja auch ganz schön in der Gegend herumgeschleift... Wie auch immer, jedenfalls war das die Gelegenheit, um Plan B zu starten.

Sie regte also an, in den Städtischen Garten zu gehen. Dort kannte sie sich aus, und es würde ihr sogar Freude bereiten, Chris all die Plätze zu zeigen, an denen sie sich gerne aufhielt. Und natürlich war er damit einverstanden.

„Ich zieh’ mich nur schnell an“, meinte Irma und verschwand im Badezimmer. Sie schlüpfte in die aufregenden Dessous, die sie noch nie getragen hatte und streifte sich das selbst genähte elegante Kleid über. Es saß wie angegossen, betonte alle guten Seiten ihres Körpers, es war hell, bequem, passte gut zu dem mittlerweile sehr schwülen Wetter – und es war leicht aufzuknöpfen… Sie widerstand der Versuchung, Turnschuhe dazu anzuziehen und trug stattdessen die halbhohen Sandalen von gestern. Sie steckte sich das glatte dunkelbraune Haar lässig hoch, so dass ihr einige Strähnen in die Stirn und auf die Schulter fielen, und sie sah fast so aus wie Julia Roberts in Pretty Woman.
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Nicht so hübsch natürlich, aber doch recht anziehend, wie sie aus Erfahrung wusste. Und ihr Mund war schöner als der von Julia, wie sie fand.

Sie ging mit dem Telefon hinaus auf den Balkon, wo keiner sie hören konnte, wählte eine Nummer – und als jemand abnahm, sagte sie: „Okay, wir gehen jetzt los. Ich schätzte mal, in zwei bis drei Stunden kommen wir vorbei. Du wirst doch da sein?“ Sie lauschte in den Hörer, und die Antwort schien ihr zu gefallen. „Dann bis später, Süßer!“ sagte sie und konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.



Der Städtische Garten war das Überbleibsel einer ehemaligen Bundesgartenschau, er war teils total verwildert, teils recht gepflegt, und er bot viele lauschige Ecken zum Träumen und vielleicht zum... Na ja, Chris schien nicht sehr in Stimmung zu sein, er machte so einen abwesenden Eindruck. Was sollte man davon halten? Keine Ahnung, aber sie würde trotzdem den Tag genießen.

Irma stellte fest, dass die Leute sie anschauten. Die Frauen starrten natürlich Chris an. Ob er es wohl mitkriegte? Wenn ja, dann ließ er sich nichts anmerken, der arrogante Kerl!

Wo war sie? Ach ja, die Männer schauten sie heute ganz besonders intensiv und bewundernd an. Normalerweise fühlte sie sich wie eine unscheinbare Maus, wie eine Haselmaus – das Kichern steckte ihr immer noch in der Kehle – aber das neue Outfit machte unheimlich was her. Und sie fühlte sich heute zum erstenmal Chris ebenbürtig, was das Aussehen betraf.

In der großen Fensterscheibe eines Restaurants konnte man ihre Spiegelbilder sehen: Chris groß und sehnig mit seinem dunklen, etwas zu langen leicht gelockten Haar und der affigen weißen Strähne darin – und sie mit ihrer elegant wirkenden Hochsteckfrisur und ihrer guten Figur. Sie wirkte neben Chris fast wie ein Schulkind, obwohl sie immerhin stolze 172 Zentimeter groß war. Schulkind war gut... Chris machte gerade auf Referendar im Goethe-Gymnasium, er hatte Biologe und Chemie studiert, wollte aber nicht in der Wirtschaft arbeiten, und er war tatsächlich Lehrer, oder würde zumindest einer werden. Außerdem war er sechs Jahre älter als sie, hatte mit absoluter Sicherheit wahnsinnig viel Erfahrung mit Frauen – und war bestimmt ein Schweinehund.
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Sie zeigte ihm alles:

Das Kaninchengehege mit den Hoppelhasen, wie sie die Kaninchen bezeichnete. Und Chris musste über diesen Namen lachen.

Den Froschteich, der zur Zeit aussah wie die Ursuppe des Lebens, er quoll fast über von Froschlaich, und die Frösche quuaaarzten so laut, dass es eine helle Freude war.

Die Vogelkäfige an einer dunklen Stelle des Parks. Große unglücklich aussehende Eulen und Käuze hockten darin „Ich hab’ schon mal überlegt, sie zu befreien“, sagte Irma bedrückt. „Aber wo sollen sie hin? Sie sind doch schon hier geboren. Oder geschlüpft oder so...“ „Das ist eine Schweinerei“, meinte Chris dazu.

Die Sonnenterrasse, die überwuchert von duftendem Lavendel war und auf der sich hohe Gräser im Wind wiegten. Man hatte die Illusion, sich auf dem freien Lande zu befinden, und nur die in die Luft ragende Wand einer Messehalle zerstörte diesen Eindruck. „Manchmal sitze ich abends hier und mache mir Notizen für...“ Irma hörte auf zu reden, denn das war schon viel zu persönlich und hatte ihn auch gar nicht zu interessieren.

Chris sagte nichts, aber er fotografierte sie, als sie auf einer alten Holzbank saß und irgendwie verträumt in die Gegend guckte. „Nicht fotografieren!“ Sie wedelte mit der Hand vor seiner Digi herum. Aber er versuchte es trotzdem.

„Haselmäuse gibt es hier leider nicht“, sagte Irma schließlich, als sie alles durch hatte. „Und Haselmäuse sind gar keine Mäuse, ich glaube, sie gehören zu den Bilchen.“

„Da hast du recht, aber nur fast. Eine gibt es hier...“ sagte der Biologe Chris spöttisch lächelnd. Irma liebte dieses Lächeln, es war üblicherweise immer der Auftakt zu Intimitäten, aber im Moment lief überhaupt nix in der Art. Er verhielt sich irgendwie seltsam, fast so, als wollte er die Wette gar nicht gewinnen. Oder war das nur eine Finte von ihm? Vorsicht war geboten...

„Die größten Kritiker der Bilche sind selber wilche…“ fiel ihr ein.

Darüber musste Chris lachen, und er gab noch einen drauf: „Die größten Kritiker der Bilche sind selber Knilche.“

„Die sind nachtaktiv“, wusste Irma zu berichten.

„Wer, die Knilche?“

„Nein, die Bilche!“

Und daraufhin mussten sie beide lachen.
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Irma war aber nicht so richtig bei der Sache - obwohl sie normalerweise die Wortspielereien zwischen ihr und Chris liebte – denn sie musste an Plan B denken.



Plan B war unheimlich gut. Irma pflegte viele Freundschaften, und eine dieser Freundschaften war ein schwuler Typ, der in einem dieser Läden arbeitet, in denen gutgebaute Girls sich an gutgebauten stählernen Stangen vergnügten, um damit ein fast ausschließlich männliches Publikum zu vergnügen. Irma hatte sich mit ihrem schwulen Freund kurzgeschlossen und eine kleine Aufführung geplant. Und sie musste jetzt schon kichern, wenn sie nur dran dachte.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~



Samstag am späten Nachmittag – Plan B



Sie machten sich langsam auf den Heimweg. Der Himmel hatte sich mittlerweile gelblich verfärbt. Die Luft war unheimlich schwül, und es würde bestimmt ein Gewitter geben.

„Was meinst du, sollen wir essen gehen?“ fragte Chris sie. „Ich lade dich ein.“

Das wundert Irma sehr, denn normalerweise zahlten sie streng getrennt. „Ich wollte eigentlich Pizza machen“, sagte sie.

„Pizza ist auch gut“, meinte Chris anzüglich lächelnd. „Aber die machst du doch sowieso demnächst. Weil ich gewinnen werde.“

„Bilde dir ja nichts ein!“ Irma wollte schon aufbrausen, aber sie beherrschte sich und sagte lässig: „Oh, da fällt mir gerade ein, lass uns die Hauptstraße nehmen. Ich hab’ da was gesehen.“

„Was denn?“ Christopher blickte sie fragend an.

„Einen Job! Ich verdiene einfach zu wenig.“ Irma schaute absichtlich ein wenig traurig drein, bevor sie fortfuhr: „Weißt du, so ein Zweidritteltagsjob ist ja ganz toll und verschafft einem viel Freizeit, aber so geldmäßig...“ Sie schwieg vielsagend.



Natürlich log sie ein bisschen, sie verdiente recht gut – andererseits war die Wohnung, dieses Erbteil von Exfreund Oliver auch ziemlich teuer...

„Hmmm...“ Chris schien nachzudenken.

„Da ist es! Schau’ mal, die suchen eine Angestellte!“ Irma triumphierte innerlich. Sie hatte es geschafft, ihn gerade im entscheidenden Augenblick vor den Pornoladen zu locken, der ‚SEX 4 YOU’ hieß.
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Im Schaufenster prangte neben Bildern von halbnackten Frauen ein großes Schild, das verkündete:

WIR SUCHEN DRINGEND FREIZÜGIGE MITARBEITERINNEN!!! Und eine Telefonnummer stand auch dabei.

„Ich könnte doch hier arbeiten.“ Irmas Stimme klang begeistert.

„HIER?“ Christopher schaute ziemlich verwirrt aus der Wäsche.

„Da steht eine Handynummer. Weißt du was? Ich ruf’ da gleich mal an.“ Mit diesen Worten zückte Irma ihr Handy und wählte flugs die Nummer, bevor Christopher auch nur Piep sagen konnte.



Natürlich ging sofort jemand ans Telefon, und dieser jemand sagte ihr, sie könne sofort vorbeikommen.

Also klingelte sie an, und ihr alter schwuler Freund Yogy öffnete die schwere vergitterte Eingangstür.

„Hallihallöle, du bist wegen dem Job da?“ fragte er. „Das ging aber echt schnell!“

Sie blinzelte ihm zu, denn Chris stand hinter ihr und konnte sie nicht sehen. „Klar doch, genau! Wegen dem Job.“

„Okay“, sagte Yogi. „Dann kommt mal mit!“

Irma ging hinter ihm her. Sie warf kurz einen Blick über die Schulter und sah befriedigt, dass Chris ihr folgte.

Im Hintergrund hörte man irgendeinen Soul-Song.

Der Laden war gar nicht so dunkel, wie sie vermutete hatte. Es lag wahrscheinlich daran, dass er noch geschlossen war. Natürlich, sonst hätte sie diese Nummer gar nicht durchziehen können.

„Da ist der Tisch, und da ist die Stange!“ sagte Yogi.

„Was für eine Stange? fragte Irma verdattert. Jedenfalls hoffte sie, dass es sich verdattert anhören würde.

„Na die zum Tanzen!“ Yogis Stimme klang, als würde er einer blöden Tussi etwas ganz Einfaches erklären.

„Ach so!“ sagte Irma erstaunt. „Und dazu muss man wohl auf den Tisch klettern?“

„Du bist ja echt auf Scheibe“, meinte Yogi herablassend.

„Und wie ist die Bezahlung?“ Irma frohlockte innerlich, weil Yogi seine Rolle so gut spielte.

„Der Stundenlohn ist gering. Nur zehn Euro. Aber wenn du gut tanzt, dann stecken sie dir genug Kohle ins Höschen. Abgesehen von den anderen privateren Möglichkeiten...“

„Das ist ja irre! Und ich kann gut tanzen, nicht wahr Christopher?“ Irma wartete Christophers Antwort nicht ab, sie knöpfte in Windeseile ihr Kleid auf, ließ es auf den Boden fallen – und stand in einem verführerischen roten BH und einem Nichts von einem ebenso roten Höschen da.
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Geschickt kletterte sie auf den Tisch. Sie griff nach der Stange und fing an, sich langsam und einschmeichelnd um sie zu drehen. Sie hatte das vorsichtshalber an einer Straßenlaterne geübt. Sie schmiegte sich verführerisch an die Stange, ließ sich zurückfallen, hielt sich mit einer Hand elegant daran fest und warf die Haare gekonnt in den Nacken – ihre Aufsteckfrisur war mittlerweile hin, bei glattem Haar hält ja nix lange... Sie schlang wollüstig ein Bein um die Stange und tat so, als wäre die Stange ihr Liebhaber, wobei die Vorstellung, die Stange wäre Chris, sie zusätzlich beflügelte. Und dadurch wurde sie angeregt, ihre Hüften ein wenig aufreizend kreisen zu lassen, während sie sich vorstellte, wie sie es mit Chris... nein natürlich mit der Stange trieb. Wow, das machte echt Spaß!



Aus den Augenwinkeln sah sie, dass Chris sie fasziniert anstarrte. Er war bestimmt unheimlich scharf auf sie, er musste es sein...

„Du bist ja echt ein Naturtalent, Schätzelein.“ Yogi pfiff anerkennend. „Wann kannste denn anfangen?“

„Weiß nicht. Nächste Woche?“

„Ist gebongt!“ Yogi wandte sich nun Chris zu. Er sah ihn irgendwie verlangend an, und Irma ahnte Schlimmes.

„Christopher, was für ein schöner Name, mein Freund...“ Yogi sang das förmlich. Hilfe! Wenn Chris jetzt merkte, dass Yogi abgrundtief schwul war, dann würde er Verdacht schöpfen. Hatte sie ihm nicht irgendwann mal von einem schwulen Freund erzählt, der in einer Porno-Bar arbeitete? Hoffentlich brachte Chris das nicht in einen Zusammenhang, er war ja clever...

„Erstens“, fuhr Chris den armen Yogi an, „bin ich nicht dein Freund. Zweitens tanzt das Mädel nur für mich. Und drittens“, fügte er hinzu, legte seine Hand auf Yogis Brust und schob ihn einen Meter zurück, „habe ich jetzt genug!“

„Du bist aber stark!“ stammelte Yogi verliebt. Und deine Hände sind so schön und so kräftig. Wirst du beim Christopher Street Day dabei sein? Du weißt ja, Nomen est Omen.
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..“



Oh nein! Schwuli… äääh Yogi hat wohl vergessen, wen er darstellen soll. Er ist jetzt wieder normal und spielt nicht mehr den harten Porno-Bar-Türsteher. Und er ist auf Chris scharf. Das darf nicht wahr sein! Aber der scheint es nicht zu merken, Gott sei Dank!

Chris schnappt sich Irmas Kleid, das auf dem Boden herumlag und wirft es ihr zu. Irma fängt es geschickt auf und beeilt sich, vom Tisch herunter zu hüpfen, denn Chris’ Augen sehen echt gefährlich aus. Und wieso hat sie eigentlich soviel Respekt vor ihm? Er ist doch nur ein furchtbar eingebildeter Typ. Und Plan B ist Müll! Er zeigt zwar Wirkung, aber eine andere, als sie erwartet hat. Denn wie es scheint, ist Chris nur furchtbar sauer, und er ist gar nicht begierig auf ihren Körper. Das hat sie sich etwas anders vorgestellt. Schade, es fing so gut an, mit Exfreund Oliver und einem Heiratsantrag, aber jetzt... Nichts klappt, alles geht schief. Sie zieht das Kleid an und knöpft es hastig zu.



Chris nimmt sie bei der Hand und zerrt sie ohne weiteres aus dem ‚SEX 4 YOU’. Er sieht so wütend und finster aus, wie Irma ihn noch nie erlebt hat.

„Was ist denn los?“ fragt sie, als sie schon ein gutes Stück von der Porno-Bar weg sind.

„Ach nichts...“ Chris hat sich anscheinend beruhigt, und er scheint nachzugrübeln, während er immer noch ihre Hand festhält. So fest, dass es wehtut.

Irma grübelt auch nach. Was sollte dieser Auftritt? Unwissende Gemüter würden vielleicht denken, er wäre eifersüchtig, aber das ist vollkommen unmöglich. Warum also verhält er sich so? Genau, er hat Angst davor, dass seine Freunde sie in diesem Pornoladen sehen könnten. Sie kennt zwar nicht viele Freunde von ihm, eigentlich nur einen, nämlich diesen Sigi, der vor vierzehn Tagen einfach bei Chris hereinspazierte und sie anglotzte wie ein seltenes Insekt. Er schaute ihr auf den Busen und auf die Beine, dieser Idiot – und außerdem fragte er Chris nach seiner beknackten Kusine aus... Alles klar, es ist ihm peinlich! Der große Chris schläft mit einer Frau, die im ‚SEX 4 YOU’ auftritt. Welche Schande!



Sie befreit ihre Hand aus seinem eisernen Griff und ist irgendwie sauer. Nichts läuft so, wie sie es geplant hat.

Ein entgegenkommender Mann starrt Irma an und fängt heftig an zu grinsen.
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Was zum Geier??? Irma blickt an sich herunter. Oh nein, auch das noch! Das Kleid ist nur halb zugeknöpft, und es lässt tolle Einblicke in sie zu...

„Oh Gott! Daran bist nur DU schuld“, sagt sie genervt zu Chris und bleibt stehen, um sich wieder respektabel zu machen. „Und den Job kann ich wohl auch vergessen!“

Chris würdigt sie aber keiner Antwort, sondern schnaubt nur verächtlich vor sich hin.



Fortsetzung folgt
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Kommentare zur Story:

  Äääh? Was habe ich denn jetzt gemacht? Dieser Kommentar sollte doch unter deinem neuen Kapitel stehen? Na, sause ich gleich zu diesem hin---- Husch!  
   doska  -  05.10.09 22:12

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  Tja, nicht selten macht man sich vor , alles leicht und locker zu nehmen, doch tief im Inneren trägt man daran schwer. Schönes gefühlvolles Kapitel.  
   doska  -  05.10.09 22:10

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  danke, fan-tasia ,
ich hoffe, es bleibt auch weiterhin interessant, vielleicht weniger lustig, dafür umso mehr dramatisch, aber trotzdem mit vielen gedanken...
lieben gruß  
   Ingrid Alias I  -  29.09.09 12:38

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  Tolle Geschichte bis jetzt. Die Idee gefällt mir auch. sie liest sich wirklich sehr gut und erfrischend, schöner Schreibstil und sie lädt so zum Schmunzeln ein, mit viel Frauenwitz und Gedanken ;-) Anfangs denkt man, den weiteren Verlauf schon zu wissen, aber dann wiederum zerläuft sich das dann auch wieder, weils es doch erstmal unberechenbar weiter geht. Mal sehen, wer da wem nicht widerstehen kann und zuerst schwach wird. Ich bin gespaannt.  
   Profil gelöscht  -  28.09.09 21:40

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  mach ich! als ich damals die story einstellte, gab es kaum resonanz, und deswegen habe ich aufgehört damit.
mal schauen, ob es jetzt besser läuft, denn irgendwie liegt mir die geschichte am herzen...  
   Ingrid Alias I  -  19.09.09 19:41

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  Dein Schreibstil ist lebhaft und leicht. Hat sich alles sehr gut gelesen. Und nun verstehe ich auch erst die alten Fortsetzungen so richtig. Eine kleine Liebeskomödie für Leute, die zum Schmunzeln bereit sind. Her mit den neuen Fortsetzungen!!!  
   doska  -  18.09.09 13:50

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