Von Florenz ins Herz der Toskana (Sommerliebe Teil 11)   335

Romane/Serien · Sommer/Urlaub/Reise · Erinnerungen

Von:    Wolfgang scrittore      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 7. August 2009
Bei Webstories eingestellt: 7. August 2009
Anzahl gesehen: 2436
Seiten: 10

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Wir fuhren zum Abschied noch einmal hoch auf die Piazza Michelangelo und warfen letzte, bewundernde Blicke auf die malerisch daliegende Silhouette von Florenz. Was für eine wunderschöne Stadt, dachte ich und nahm Eva in meine Arme. Eva hatte heute ein lachsfarbenes Top zu ihrer weißen Bermuda gewählt. Ihre sonnengebräunte Haut gab einen wunderbaren Kontrast dazu.

„Lass uns weiter fahren Peterl, sonst zerre ich dich noch in die Büsche“ murmelte sie und knabberte dabei mein Ohrläppchen an.

„Ihr gebt ein schönes Bild ab“ lachte Maria und knipste ein weiteres Mal. Dann drückte sie mir den Apparat in die Hand und fiel Hannes um den Hals. Die Zwei stellten sich an der Brüstung in Positur und ich bannte sie mit der im Sonnenlicht leuchtenden roten Kuppel des Doms im Hintergrund auf die Platte.



Gleich außerhalb von Florenz nahmen uns die Farben der toskanischen Landschaft gefangen. Die rotbraunen Hügel, das sanfte grün der Büsche und die fast schwarzen Zypressen boten ein beeindruckendes Bild. Wir fuhren auf die Seite und nahmen die Eindrücke mit allen Sinnen in uns auf. Der Duft war schwer und aromatisch. Wir verliebten uns auf der Stelle in diese bezaubernde Landschaft. Die Toskana zog uns mehr und mehr in ihren Bann. Eva nahm meine Hand und gab mir einen Kuss, dann angelte sie den Autoschlüssel aus meiner Gesäßtasche und lief grinsend zur Fahrerseite.



Unterhalb von San Gimignano stellten wir unser Auto auf dem Parkplatz ab. Hannes und Maria lehnten an ihrem Käfer und hatten auf uns gewartet.



„Was ist, wollen wir erst ins Quartier, uns frisch machen, oder klettern wir den Hügel hoch in die Altstadt?“ Wollte Maria wissen.

„Lass uns die paar Minuten noch fahren. Die Fattoria von Mario und Benedetta liegt nur fünf Kilometer entfernt. Außerdem klebt mir die Hose am Körper. Ich brauche dringend eine Dusche“ bat ich.

Eva schnupperte an mir und kicherte „Hmm, das riecht verlockend nach Mann. Lass uns gemeinsam hinterher duschen.“ Dann schob sie ihre Hände in meine Gesäßtaschen und drückte sich eng an mich.

„Das hört sich gut an. Erst vernaschen wir unsere Männer, dann sehen wir weiter.“ Maria lachte und die beiden schauten sich verschwörerisch an.

Hannes Protest verstummte bei dieser Alternative im Keim.
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„Du kannst hinterher essen. Oder schwächelst du etwa? Außerdem verhungerst du nicht gleich.“ Maria boxte ihn grinsend in die Seite.

Damit war es einstimmig beschlossen. Wir setzten uns in unsere Autos und fuhren unserem Quartier entgegen.

Marios Fattoria lag malerisch auf einem Hügel. Ein uraltes geducktes Haupthaus und ein paar Nebengebäude bildeten seinen Hof.

Mario und Benedetta bauten ein wenig Wein an, dazu hatten sie größere Olivenbaumbestände und viele Obstbäume.

Mit knirschenden Reifen fuhren wir auf der kiesbestreuten Auffahrt vors Haus, da eilten Benedetta und Mario uns schon entgegen.

Wir umarmten uns herzlich, bis Eva plötzlich stutzte, Benedetta genauer musterte, ihr prüfend in die Augen sah und nur meinte „Wann?“

Mario nahm seine Benedetta in den Arm, beide strahlten um die Wette „Wir haben es auch erst letzte Woche erfahren. Stellt euch vor, es werden Zwillinge. Wir sind schon ganz aus dem Häuschen. Stellt euch vor, man kann im Ultraschall die beiden Knirpse schon ahnen. Ein Mädchen und beim anderen wissen wir noch nicht genau.“

„So, jetzt werdet ihr euch sicher frisch machen wollen. Ich zeige euch die Zimmer. Dann lassen wir euch bis um fünf Siesta machen, und fahren anschließend nach San Gimignano zum Stadtbummel. Giancarlo, mein Bruder, hat eine kleine Trattoria an der Hauptstrasse. Dort können wir auf der Terrasse zu Abend essen. Bruno, Benedettas kleiner Bruder, hat ein Großraumtaxi. Er fährt uns auch wieder heim.

Wir schnappten uns die Koffer, die Mario übergelassen hatte und folgten ihm die steile Treppe zu unseren Zimmern im Obergeschoss.

Klein, aber urgemütlich dachte ich.

„Ich habe euch ein paar Antipasti vorbereitet.“ Mario verabschiedete sich mit einem Augenzwinkern, „Fare l`amore“ flüsterte er mir zu, dann überließ er uns das Feld.

Kaum war die Tür hinter ihm zugefallen, hatten wir schon unsere Kleidungsstücke abgelegt und hüpften unter die Decke. Wir liebten uns hungrig, dann überließen wir uns langsam unserem Rhythmus.

„Ich liebe dich Peterl. Ist das nicht wunderbar, dass Benedetta schwanger ist. Ich werde richtig neidisch. Meinst du, wir könnten hier ein Baby machen? Seit ich bei Josefa die Kleinen gehütet habe, muss ich immer öfter daran denken.
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Ich war ganz überwältigt und schaute meiner Süßen tief in die Augen.

„Meinst du, ich könnte das kleine Raubtier noch einmal zum Leben erwecken?“ Eva zauberte mit ihren Händen und regenerierte meine Lebensgeister umgehend.

Wir versanken wieder ineinander und kamen gemeinsam zum Höhepunkt. Dann schliefen wir erschöpft und erhitzt ein.



Ein leichtes pochen an der Tür weckte mich. Ich hörte Maria flüstern „In einer Stunde wollen wir fahren.“

Ich löste mich vorsichtig aus Evas Umarmung und ging leise ins Bad. Dann stellte ich die Dusche auf eiskalt und ließ das Wasser auf mich herabprasseln. Bibbernd verharrte ich, gönnte mir zum Abschluss noch einen heißen Strahl. Nach dem ich mich abgetrocknet hatte, schlich ich mich zurück ins Zimmer, beugte mich über eine Reisetasche um mir einen frischen Slip herauszunehmen.

„Hmm, welch leckerer, knuspriger Anblick“ hörte ich Eva sagen. Dann gab sie mir einen Klaps auf den Hintern und sauste ins Bad. Ich zog mich an, einen knappen Slip, weiße, dünne Bermudas, ein olivgrünes Shirt mit kleinem Ärmelansatz und meine Sandalen.

Eva sang lauthals unter der Dusche.

Wieder klopfte es. Ich öffnete die Tür, Maria und Hannes waren schon fertig.

„Geht schon mal nach unten“ lachte ich „Eva wird auch bald fertig sein.“

„Ich bin fertig, na beinahe jedenfalls“ protestierte Eva beim hereinkommen. Sie hatte sich ein Badetuch umgeschlungen. Dann sagte sie zu mir

„Geht doch schon mal gemeinsam nach unten. Wenn du mir die ganze Zeit zusiehst, werden wir niemals fertig.“

Sie schob uns aus dem Zimmer und wir stiegen die steile Treppe hinunter.

Benedetta und Mario saßen auf einer rustikalen Holzbank unter einem großen Sonnenschirm und schauten uns strahlend an.

Eine Viertelstunde später kam Eva auch mit einem Lächeln aus dem Haus und warf einen fragenden Blick zu Benedetta.

Benedetta stand auf, nahm Eva beim Arm und schlenderte mit ihr ins Haus. Ich hätte zu gerne gewusst, was die Beiden miteinander zu tuscheln haben.



Mario zwinkerte mir zu und grinste bis über beide Ohren.
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„Na Peter, soll ich dir noch ein paar Geheimnisse von Mann zu Mann verraten? Unsere Nonna, die Oma, kennt da ein paar unfehlbare Rezepte.“ Er schien uns durchschaut zu haben.

„Ich möchte euch bitten, für unsere Zwillinge Paten zu werden. Wollt ihr? Wenn ihr zwei auch ein Baby bekommt, werden Benedetta und ich aber auch Paten, abgemacht?“

„Aber gerne.“ Ich freute mich besonders über Marios Angebot.

„Habe ich was verpasst?“ Maria schaute uns mit offenem Munde an. Dann stupste sie Hannes an „Sag doch auch mal was“ lachte sie, als sie Hannes ungläubiges Gesicht sah.

„Nein, nein“ wehrte ich ab, „Wir arbeiten noch dran.“ Dann grinste ich und zuckte mit den Achseln.

Ich war wirklich neugierig, was die beiden Frauen miteinander zu beratschlagen hatten.

„Frauenthemen“ grinste Eva und wechselte einen Blick mit Benedetta. Die beiden waren wieder herausgekommen, setzten sich auf die Bank und tuschelten miteinander.

Hupend fuhr ein Taxi auf den Hof. Ein junger Mann mit schwarzen, wuscheligen Haaren stieg aus, er war wirklich Benedetta wie aus dem Gesicht geschnitten.

Dann kam er zu uns und begrüßte uns überschwänglich und herzlich. Benedetta bekam eine liebevolle Umarmung.

„Pass mir auf meine Schwester auf Mario“ sagte er mit leisem Lächeln zu Mario. Dann umarmte er ungestüm Maria und Eva, zum Schluss boxte er Hannes und mich leicht gegen die Schultern.

„Que belle ragazze“ seufzte er dabei.

„Du bist doch nicht etwa neidisch Schwagerherz?“ Lachte Mario „was wird Gianna sagen, wenn sie das erfährt?“

„Gianna ist seine Frau“ lachte er dann „sie wird ihm gründlich den Kopf waschen. So sagt man doch in deutsch?“

Galant half Bruno erst seiner Schwester, dann Eva und Maria ins Auto. Wir kletterten auch hinein.

Bruno startete den Wagen und fuhr eine aufstiebende Kiesfahne hinter sich lassend vom Hof.

„Wir können bei Giancarlo den Wagen abstellen, dann braucht ihr nicht den Hügel hochzusteigen.“

Vorsichtig und langsam schlich das Taxi die Steigung empor. Wir fuhren durch die enge Porta San Giovanni. Es waren viele Touristen unterwegs, die durch die Gassen San Gimignanos bummelten, aus den kleinen Geschäften herein- und herausliefen, ohne sich um die Autos zu kümmern.
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Dann bogen wir in einen engen Hof ein und stiegen aus. Mario deutete auf eine schmale Pforte zum Nebengrundstück.



„Tres Archi, Giancarlos Ristorante. Er hat uns draußen auf der Terrasse einen Tisch reserviert, gleich neben dem Brunnen. Von dort habt ihr einen fantastischen Blick über die Landschaft.

„Aber zuerst laufen wir noch ein wenig, ich zeige euch meinen Heimatort, das wunderschöne San Gimignano.“

Bruno verabschiedete sich von uns und wir traten auf die schmale Strasse, die Via San Giovanni, heraus. Es war immer noch sehr warm. Hand in Hand schlenderten wir die Straße entlang. Eine Anreihung von pittoresken Läden, malerischen alten Häusern und kleinen gemütlichen Ristorantes. Wir konnten uns gar nicht satt sehen, die Eindrücke waren überwältigend. Vor einer kleinen Trattoria blieb Mario stehen. Wir setzten uns an zwei kleine Tische, die gerade frei wurden.

„Hier gibt es den besten Vernaccia di San Gimignano zu trinken, ein wunderbarer Tropfen. Kommt, wir trinken ein Gläschen und laufen dann weiter. Enrico ist ein Cousin Benedettas. Er ist aber heute auf Einkaufstour.“

Der Kellner war ein schnauzbärtiger älterer Mann. Er grinste uns an und zeigte Mario die Flasche.

„Das ist der Richtige, ein Borghetto. Wenn ihr Lust habt, fahren wir die Tage einmal zur Fattoria Pietrafitta, eine richtige alte Fattoria auf der Landstrasse nach Poggibonsi, in der man noch Handarbeit schätzt. Der Wein wird nach alter überlieferter Methode gezogen und verarbeitet. Dort könnt ihr euch eindecken.“ Nickte Mario, und der Kellner schenkte uns die Gläser voll.

Strohgelb funkelte der Wein im Glas, er hatte ein blumiges Aroma, schmeckte nach Mandeln mit einer herben Fruchtnote. Wir probierten, der Wein war angenehm kühl im Munde und ausgesprochen trocken.

„Davon holen wir uns auch eine Kiste.“ Hannes stieß Maria an und war ganz begeistert. Dann schnappte er sich ein Stück Weißbrot.

Wir genossen den herrlichen Wein, dann zogen wir weiter. Die Auslagen der Läden zogen uns magisch an. Unsere Frauen staunten über die zierlichen Schuhe, die große Auswahl an Lederwaren und vor allem Alabaster in allen Formen.
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San Gimignano war auch die Stadt des Alabasters.

„So, jetzt holen wir uns ein Eis. In der Gelateria di Piazza soll es das beste Eis der Welt geben. Ich sage euch, es ist einfach köstlich.“ Mario steuerte auf einen kleinen, düsteren Laden direkt an der Piazza zu. Die Leute standen in einer Schlange davor. Wir stellten uns ebenfalls an.



Und er hatte Recht, dass Eis war fantastisch. Es hatte die richtige Balance zwischen kalt und schmelzig zart.

„Wir haben noch ein wenig Zeit. Schafft ihr es noch bis zum Castello hinauf?“

Na klar, dachten wir und bogen in eine schmale, steile Gasse ein. Wir hatten alle unsere Turnschuhe an und daher keine Schwierigkeiten mit dem Kopfsteinpflaster. Die Aussicht vom Turm des Castello war atemberaubend. Am Horizont verschwand die Landschaft im Dunst.

„Kann man eigentlich auch die Türme besteigen?“ Ich deutete auf einen der vielen Geschlechtertürme, die San Gimignano den Namen Manhattan des Mittelalters verdankte.

„Ja, aber nur noch ein Turm ist zum besteigen freigegeben. Das machen wir aber ein anderes Mal. Jetzt sollten wir langsam zum Ristorante laufen. Es wird schon dunkel.“



Quirliges Leben erfüllte die Terrasse, während wir uns zu unserem Tisch durchschlängelten.

Mario hatte nicht zu viel versprochen, der Platz war fantastisch.

„Ich geh mal kurz hinein und kündige uns an“ sagte Mario und verschwand im Restaurant.

Hannes schnappte sich sofort ein Stück Weißbrot, beträufelte es mit Olivenöl und streute Salz darüber und knabberte genüsslich daran.

„Stopf dich nicht gleich mit den Vorspeisen voll“ lachte Benedetta, „es gibt noch einige Gänge. Mario und Giancarlo haben das Menü schon ausgesucht. Lasst euch einfach verwöhnen und esst, was euch schmeckt. Übrigens ihr seid eingeladen. Wir feiern unser Glück.“

Sie strich sich über ihren Bauch. Eva schaute mich mit einem sehnsuchtsvollen Lächeln an und seufzte.

Giancarlo war im Gegensatz zu Mario kräftig und untersetzt, dazu hatte er seine pechschwarzen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden. Er zog sich einen Stuhl heran, doch bevor er sich setzte, begrüßte er seine Schwägerin, sowie Eva und Maria mit Küsschen.
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Für uns Männer hatte er eine herzliche Umarmung parat.

„Ich hoffe, ihr seid mit meiner Wahl einverstanden.“

Ein Kellner stand schon mit einer großen Platte Antipasti bereit, die er nach einem Wink Giancarlos kredenzte. Dann brachte ein anderer dienstbarer Geist einen Sektkühler mit zwei Flaschen Vernaccia.

Giancarlo schenkte höchstpersönlich aus, dann verabschiedete er sich mit einem „Bon appetito“ von uns.

Die Antipasti waren köstlich und der Wein einfach delikat. Ich fütterte Eva mit Artischockenherzen und gegrillter Zucchini. Mir schmeckten am besten die ebenfalls gegrillten Auberginen und die mit Käse gefüllten Peperoni. Giancarlo hatte nicht am Knoblauch gespart.

Maria war begeistert von den Austernpilzen, die mit Paprika und Knoblauch angegrillt waren, während Hannes mit Behagen die mit Mandeln und Knoblauch gefüllten Oliven verputzte.

Schon standen wieder zwei Kellner mit großen Pastaschüsseln vor uns, die Antipasteplatte verschwand zu Hannes Leidwesen, doch der Anblick der Pasta versöhnte ihn schnell wieder.

Giancarlo hatte eine köstliche Soße komponiert. Ich roch Rosmarin und Thymian heraus, dazu eine dezente Knoblauchnote und natürlich das volle Aroma sonnenreifer Tomaten. Mario warnte uns „Die Soße ist scharf, L`arrabiata ist gar nichts dagegen. Seid vorsichtig, sonst verbrennt ihr euch die Kehlen.“

Er füllte unsere Teller und mischte die Pasta mit der Soße. „Bon appetito, lasst es euch schmecken.“

Die Kellner hatten uns unterdessen einen Rotwein gebracht, einen Col d`Orcia Rosso di Montalcino.

„Der wird euch schmecken. Wir kennen den Erzeuger. Leider darf ich nicht mit euch trinken. Das fällt mir schon schwer, dürft ihr mir glauben. Aber ich will die Kleinen keinem Risiko aussetzen.“ Bedauernd lächelte Benedetta und trank einen kleinen Schluck Mineralwasser.



Benedetta hatte Recht. Ein schöner Rosso mit guter Frucht und vom Eichenholz geprägtem Bukett. Feine Vanillearomen und saftige Frucht nach roten Früchten verwöhnten unsere Gaumen. Der Col d`Orcia war wirklich phänomenal.

Ich hatte, außer vielleicht in Marios Restaurant in Wien, noch nie eine so hervorragende Pasta gegessen. Zugegeben, die Soße war recht scharf, aber köstlich in ihrem ausgeprägten Aromen.
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Und Mario sagte feierlich „Als der liebe Gott die Welt erschaffen hat, hat er den Menschen mit der toskanischen Küche ein großes Geschenk gemacht.“



Hannes wollte sich schon Nachschlag holen, aber Mario hielt ihn am Arm.

„Warte Hannes, es wäre schade, wenn du den Hauptgang nicht mehr schaffen würdest. Es geht gleich weiter.“ Maria stieß Hannes an und tippte lachend auf seinen Bauch. Schuldbewusst senkte er den Kopf, dann grinste er aber und gab seiner Maria einen Kuss.

„Du schmeckst schon ganz schön nach Knoblauch mein Lieber. Sei froh, dass ich auch eine volle Ladung davon erwischt habe.“

Prüfend schnupperte ich jetzt an Eva, sie gab mir dafür einen leichten Nasenstüber.

Schon wieder kamen die Kellner um die Schüsseln und Teller abzuräumen.

„So lasst euch überraschen. Es gibt toskanische Spezialitäten, die Bistecca Inglese, das ist ein Steak von Maremmarindern, welches mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft gewürzt und auf dem Holzkohlegrill gegrillt wird. Dann gibt es Involtini, leckere Kalbfleischröllchen. Ihr müsst auch mal die Kaninchenrückenfilets probieren und den Wildschweinbraten. Lecker sind auch die Involtino di Pollo al Miele e Balsamico (Gefüllte Hähnchenbrust mit einer Honig-Balsamico-Soße). Aber lasst euch noch Platz im Magen für die Nachspeisen und das Dessert.“

„Ich denke das Dessert gibt es erst zuhause?“ Dabei lächelte sie mich an. Ich legte meine Hand auf ihren Schenkel und streichelte Eva ganz sachte.

Als die Kellner mit dem auftragen fertig waren, bog sich die Tischplatte beinahe unter den Köstlichkeiten. Ob dafür noch Platz in unseren Mägen war?

Tapfer genossen wir die Köstlichkeiten. Wir gaben uns den Genüssen der toskanischen Küche voller Wonne hin. Es war ein beinahe erotisches Gefühl dabei.

Mario hatte neuen Wein geordert.

„Das ist ein Tenuta Belguardo. Die Tenuta Belguardo liegt in Montebottigli in der Gemeinde Grosseto und stammt aus Reben, die in eindeutigen Süd- und Südwestlagen immens der heißen Sonne der Küstentoskana ausgesetzt sind. Sie werden ausschließlich von Hand gelesen. Ihr werdet sehen, so ein Juwel habt ihr noch nicht getrunken.
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Wir konnten ihm nur zustimmen, nachdem wir den Wein gekostet hatten.

„Mag einer von euch noch Dolce?“ Wollte Benedetta wissen. Wir schüttelten einhellig unsere Köpfe.

„Dann gibt es zum Abschluss noch eine Käseplatte“ lachte sie.

Ein Kellner brachte uns zum Käse kleine Gläser und stellte eine Flasche Vin Santo, einen gehaltvollen Dessertwein auf den Tisch.

Der Wein glitt wie Öl die Kehle herunter. Wir waren überaus gut gesättigt, einfach satt, mit einem wohligen Gefühl im Bauch. Der Wein hatte uns die Zungen gelöst und wir alberten ein wenig herum.

„Wie sollen die Kleinen den heißen?“ Wollte Eva wissen. Benedetta und Mario lächelten sich an.

„Da haben wir Glück, die Kinder bekommen bei uns meistens drei Paten. Wenn ihr das wirklich machen wollt, soll das Mädchen Giulia und Tadea nach den Nonnas heißen und natürlich Eva. Und ein Junge Tommaso und Luca, du verstehst die beiden Opas sind schon ganz stolz, und Pietro, wie du mein Freund.“

Gerührt umarmten wir uns, auch Maria und Hannes strahlten um die Wette.

Benedetta und Eva flüsterten wieder miteinander.

„Was tuschelt ihr denn da?“ Wollte ich wissen.

„Ich drücke euch die Daumen“, lachte Benedetta. „Ich habe noch ein Rezept von meiner Nonna. Es soll die Manneskraft stärken. Es müssen ja nicht gleich zwei werden.“ Sie zwinkerte mir verschwörerisch zu. „Es hilft wirklich. Ihr seht es ja.“ Mario grinste verlegen und zuckte mit den Achseln.

Zum Schluss kam Giancarlo noch mal an unseren Tisch, brachte Espresso und einen Kräuterlikör mit.

„Das ist ein Rovo chinato, ein sehr guter Kräuterlikör, eine Rarität aus unserer Toskana, aus Montescudaio. Er wird euch schmecken und ihr werdet heute nacht schlafen, wie in Abrahams Schoß. Wenn ihr euren Caffé als caffé corretto haben wollt, hole ich noch einen Grappa.“

„Caffé corretto, was ist denn das?“ Wollte Hannes wissen.

Mario klärte ihn auf. „Wir trinken unseren Caffé gerne mit einem Schuss Grappa. Probiert einfach.“



„Ach Peterl, wie ich Benedetta beneide.“ Eva seufzte, als wir ineinander versunken in unserem Bett lagen und ließ sich von mir sanft streicheln.
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Während die Frauen in knappsten Bikinis am Pool lagen und sich sonnten, waren Hannes und ich zusammen mit Mario und seinem Verwalter im Weinberg. Mario war regelmäßig den Sommer über auf seiner Fattoria, währenddessen sein Ristorante in Wien von einem Geschäftsführer geleitet wurde.



Die beiden schienen mit dem Zustand der Reben zufrieden zu sein. Der Verwalter machte sich regelmäßig Notizen, während Mario uns von seinen Vorstellungen erzählte.

„Wir versuchen dieses Jahr einen Roten zu produzieren. Schließlich liegen wir mitten im Chiantigebiet. Es ist ein Experiment, aber Bodenqualität und Wetter sind optimal. Ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingt. Salvio, mein Verwalter, war lange Jahre bei Antinori und hat sich dort ein profundes Wissen angeeignet. Wir bauen hier Sangiovese und Merlottrauben nach streng biologischen Regeln an. Heraus kommt, so hoffen wir, ein excellenter Rosso Toscano.“

„Bringst du welchen mit nach Wien, oder verkaufst du ihn hier direkt?“ wollte ich wissen.

„Ein paar Kisten nehme ich schon mit, oder wollt ihr ihn nicht kosten? Den Rest verkaufe ich Giancarlo“ lachte Mario.

Als nächstes schauten wir uns die Olivenbäume an. Mich faszinierte immer wieder der Wuchs dieser Bäume, die allen Schicksalsschlägen trotzten und in den abenteuerlichsten Variationen aufwuchsen. Bei einem verlief ein dicker Ast parallel zum Boden nur ein paar Zentimeter über der Wiese.

„Die Oliven bringen wir nach der Ernte zur Cooperative und lassen sie dort verarbeiten. Früher, als mein Großvater noch lebte, hat die Familie das selbst gemacht. Drüben, der Schuppen dort, da steht noch die alte Ölmühle. Und das Obst geht in eine benachbarte Kelterei, da lassen wir es auch brennen. Probiert heute Abend mal davon.“
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Kommentare zur Story:

  Tolle Landschaftsbeschreibungen und eine schöne heitere Stimmung. Das war wieder ein sehr schönes Kapitel.  
   Petra  -  09.08.09 20:59

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Morgen erscheit die vorerst letzte Episode.
Siena ist wirklich eine Reise wert und auf Peter wartet eine große Überraschung.

Momentan muß ich eine andere Geschichte fertigbringen, aber die Vier sind ja noch einige Wochen in der Toskana  
   Wolfgang scrittore  -  09.08.09 20:07

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Da fallen einem all die herrlichen Urlaubstage, die man so erlebt hat, auch plötzlich ein. Schön, dass du uns so mit deinen Texten ins Reisefieber bringen kannst.  
   Jochen  -  08.08.09 19:58

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  Wirklich, ein gelungener Sommerreisetext. Du lädtst uns ja regelrecht ein, in die herrliche Toskana. Schöne beschwingte Zeilen. Man fühlt sich frei und heiter und kommt so richtig in Urlaubsstimmung.  
   doska  -  08.08.09 12:13

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  Unsere Vier machen ein paar Wochen Urlaub in der Toscana. Was sie dabei alles erleben, hier und in weiteren Folgen  
   Wolfgang scrittore  -  08.08.09 10:32

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