Gedanken kurz vor Mitternacht - Automatisches Schreiben   28

Nachdenkliches · Kurzgeschichten

Von:    darkangel      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 14. April 2008
Bei Webstories eingestellt: 14. April 2008
Anzahl gesehen: 1662
Seiten: 2

Kennt ihr das? Da ist etwas in mir, das mich verstopft wie ein Korken. Ein Korken auf einer Weinflasche. Man ist sich nicht einmal sicher, ob sich darunter ein guter oder ein schlechter Wein verbirgt. Höchstens sieht man die Farbe, die einem einen etwaigen Geschmack versprechen kann. Der Korken sitzt fest und schützt die Flüssigkeit vor Luft und Licht. Und die Flüssigkeit schwappt, plätschert, träge, einschläfernd, aufgeregt, sanft oder spottend.



„Die Zeit zerrinnt mir zwischen den Fingern“ – dieser Satz ist weithin bekannt und benutzt. Ich finde ihn nicht ganz zutreffend. Das Gefühl des Verlusts stimmt. Doch ist es weniger etwas, was wir festhalten wollen, als etwas, was uns forttreibt. Man könnte sich eine Küste vorstellen, an der eine starke Strömung herrscht. Man will auf einen Punkt an der Küste zu schwimmen, entfernt sich jedoch, obwohl man sich mit jedem Schwimmzug der Küste nähert, mehr von dem anvisierten Punkt. So zieht die Zeit uns unerbittlich mit sich. Missgeschicke passieren, und das einzige, was wir tun können, ist, zu versuchen, mit uns und unserer Vergangenheit ins Reine zu kommen.



Was wird sein? Es gibt Augenblicke, da sehe ich mich um und möchte schreien. Der Zeit ihr wohlgeformtes Glas zerbrechen, ungeschehen machen, was sie mit sich bringt. Das Alter aufhalten… was für eine irdische Idee. Nein, zu altern ist nicht schlimm. Doch wenn die Seele zu schnell altert, wenn sie dem Tod entgegenstrebt, obwohl der Körper noch lange nicht bereit ist, dann muss es doch eine Möglichkeit geben, die Notbremse zu ziehen, bevor sie sich aus dem fahrenden Zug stürzt.

Das Wort „irdisch“ mag euch wundern. Irdisch, was ist das? Für mich ist es die unselige Tatsache, in einem Körper gefangen zu sein, der mich angreifbar und verletzlich macht. Was nützt der stärkste Wille, wenn er unter einer Lawine begraben liegt? Irdisch ist die Vorstellung eines alten Mannes mit Rauschebart, der auf einer Wolke sitzt und über Gut und Böse entscheidet. Irdisch ist dieser Hang und Zwang zur allzu schnellen Veränderung. Irdisch ist die Angewohnheit, diese vorschnellen Änderungen bald zu bereuen und zu bedauern. Sollte man nicht wieder die Vorstellung des starken Alphatieres und der Zerfleischung der Schwachen aufleben lassen? Was für eine irdische Vorstellung, das lässt mich nur den Kopf schütteln.
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Vielleicht ist der Korken in der Weinflasche die Vernunft?



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Entstanden als kleine Momentaufnahme nach einer viel zu langen Schreibpause ... Der Sinn des automatischen Schreibens ist, ohne großes Nachdenken einen möglichst flüssigen Text zu Papier zu bringen, inspiriert durch Bilder, Musik, aktuelle Gefühle o. ä..

(Hoffentlich) viel Spaß beim Lesen!
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Punktestand der Geschichte:   28
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Kommentare zur Story:

  Hallo Darkangel!
Deine Gedanken so kurz vor Mitternacht. Schön, dass du sie schriftlich hier festgehalten hast. Der Text hat mir sehr gut gefallen,grün.  
   Profil gelöscht  -  10.11.09 12:26

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  na, danke für den ausführlichen kommentar!;)
jajaaaa, die nacht ist inspirierend...
der alte mann mit rauschebart:) ich will auf keinen fall irgendwelche religionen kritisieren, nur eben die übertrieben menschlichen deutungsweisen;)
ich glaube, ich erinnere mich an deine lebensreise:) die zeit ist wirklich interessant! etwas, das man nie zu fassen kriegt, man erkennt nur, wie sie sich auswirkt...
lg darkangel  
   darkangel  -  23.05.08 18:15

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  Auch von mir nochmal Lob. Ich kenne das mit der Inspiration und den Gedanken kurz vor (oder nach) Mitternacht. Es ist gerade 0:07 Uhr und ich bin fleißig am Texte lesen und Kommentare schreiben. Die meisten meiner Texte habe ich mitten in der Nacht verfasst oder zumindest erste Gedanken dazu aufgeschrieben.
Ich liebe philosophische Texte und habe öfters auch mal ähnliche Gedanken, auch wenn ich mir meistens nicht die Mühe gebe, sie in eine so ordentliche Form zu bringen. Allerdings unterscheidet sich meine Vorstellung vom "alten Mann mit Rauschebart", da ich Christin bin. Komischer Weise weiß aber bei diesem Bild jeder, wer gemeint ist^^ In Märchen und als Sinnbild ist das schon ok, solang es nicht als Spott gemeint ist.
Schön sind deine Gedanken zur Zeit. Die Zeit ist auch ein sehr faszinierendes Thema, das mich immer wieder beschäftigt - wenn ich meinen philosophischen Gedanken nachhänge. (Siehe meine Story "Lebensreise")
Jup, ich denke, das waren für's erste MEINE Gedanken kurz NACH Mitternacht^^
Bis denne, das Kleckschen  
   Tintenkleckschen  -  23.05.08 00:21

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  jo wenn ich mich beeile winken mir bei einem schreibwettbewerb sogar fröhlöiche 250 euro:D das spornt an!

darf ich fragen, was shaka bedeutet?;)
lg darkangel  
   darkangel  -  26.04.08 20:51

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  Shaka, du schaffst es ;)  
   Middel  -  26.04.08 10:46

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  danke für die aufbauenden worte... ich will jetzt in nächster zeit wieder richtig schreiben:D ICH SCHAFFS!;)  
   darkangel  -  26.04.08 00:03

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  Hallo Darkangel!
Wunderbare Gedanken so kurz vor Mitternacht. Gut, dass du sie schriftlich festgehalten hast. Haben mir sehr gefallen.
Die besten Grüße von Doska und natürlich "grün"  
   doska  -  23.04.08 21:42

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  ich stell mir diese "fehlschaltung" eher so vor, als wollte man etwas schreiben, aus versehen tinte verspritzen und in den spritzern schöne formen entdecken...:P

ui das finde ich toll:) ich versinke auch manchmal im mittelalter oder in germanischen/griechischen mythen...
naja nun kenne ich auch die formulierung...;)

danke für den kleinen gedankenaustausch;) ich finde das auch immer eine interessante sache:D
ich habe mich übrigens nie als aprilscherz gefühlt;) eher wie ein kleines reiskorn, das in einen großen pott geworfen wird und da so durchtrullert ohne wirklich einfluss auf die richtung zu nehmenXD du bist vielleicht mal als kleines kind unfreiwillig mit dem hintern die treppe runtergepoltert:D ungefähr so;)

lg darkangel  
   darkangel  -  19.04.08 21:02

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  Hallo darkangel,

es nähme der Blumenwiese allerdings einen gewissen Reiz, wenn man sie sich als eine Art Fehlschaltung vorstellte... ich nehme ihren Duft und ihre Schönheit jedesmal mit großer Freude wahr, genau wie den frischgewaschenen Frühlingshimmel oder warme Sommernächte voller Glühwürmchen, aber ich frage mich eigentlich nie "wie kommen die eigentlich hierher? Und wer hat sie für uns gemacht?". Was den Aprilscherz betrifft: Ich habe sowohl mich als auch manch andere Person bereits für einen solchen gehalten... das kommt vor. ;-)

Aber es ist immer wieder schön, sich mit den Leuten über die verschiedenen Ansichten zu diesem Thema unterhalten zu können. Deshalb danke auch für deine Antwort.

Gruß
Kaya

PS: Es nimmt mich übrigens nicht wunder, daß du besagte Formulierung nicht kennst... sie ist schon ziemlich alt und wird heutezutage kaum noch verwendet. Gedanklich befinde ich mich manchmal im Hochmittelalter.  
anonym  -  19.04.08 13:23

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  danke für die ausführliche antwort!

ich glaube, dass beides, unwissen und wissen seinen reiz hat. aber da wir es uns eh nicht aussuchen können, bleiben wir doch einfach unwissend und richten uns damit ein, oder?;)

ja, warum ich es "irdisch" genannt habe statt "menschlich", weiß ich auch nicht so recht. ich hatte schon überlegt, das zu ändern... jetzt, wo du das ansprichst, werde ich mir das noch mal durch den kopf gehen lassen... vllt ändere ich es jetzt doch.

was dich "ein wenig wunder nimmt" (lustige formulierung, habe ich noch nie gehört!:P), hast du wohl anders interpretiert als ich beim schreiben. ich meinte körper nicht wie MEINEN körper, sondern überhaupt einen körper,die tatsche, aus irgendeinem material zu bestehen...^^

in der tat, wir sind fürs "ganze" erschreckend unwichtig:D
bestimmt ist unsere erde nur eins von vielen sandkörnchen in einer gigantischen sanduhr;)

da ist die frage, warum ist etwas so unwichtiges mit so vielen schönen details ausgestattet? sind wir vielleicht ein aprilscherz? die bunten blümchenwiesen eine falsch gesetzte null?:) was steckt dahinter? ich bin strenge atheistin, aber an dem punkt komme ich immer ins grübeln...;)

schön, dass ich dich ein bisschen zum philosophieren bringen konnte;) hat mir spaß gemacht, das fortzusetzen!
lg darkangel  
   darkangel  -  18.04.08 16:46

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  Was wird sein? Das weiß niemand, aber willst du es
denn überhaupt wissen? Wie würdest du damit
umgehen, wenn du es wüßtest? Daß du vielleicht krank
wirst, ein Kind verlierst oder die beste Freundin, daß du
Schönheitskönigin wirst und danach ein Autounfall dein
Gesicht zerstört? Höchstes Glück, tiefstes Leid, reine
Lust, entsetzlicher Schmerz... Es gibt soviele
Möglichkeiten, und nicht alle bergen Hoffnungen und
Freude in sich. Da ist das Nichtwissen doch wohltuender,
oder?

Aber es nimmt mich ein wenig wunder, daß von einer
"Gefangenschaft" in deinem Körper sprichst... welches
Vehikel, um diese Welt und dieses Leben zu erkunden,
würdest du dir denn aussuchen, wenn du wählen
könntest? Den Begriff "irdisch", von dem du sprichst,
würde ich eher "menschlich" nennen. Das Bild von einer
Gottheit als Mann mit Rauschebart, der gütig über eine
Wolke lächelt, ist uns nur von anderen Menschen in den
Kopf gepflanzt worden: den Eltern, Großeltern,
Mitgliedern der Kirche... es liegt nicht in unseren Genen.
Und ja, die Zeit geht vorbei, manchmal langsam,
manchmal schnell, je nachdem was wir tun und ob wir
Freude oder eher Last mit dem Tag haben. Wir sind
dabei ziemlich unwichtig, denn in all der Zeit, die vor
uns vergangen ist und nach uns vergehen wird, spielen
wir keine Rolle.

Die "Stilsprünge" stören mich nicht; da es sich um lose
Gedankenstränge handelt, die hier präsentiert werden
und die keine bestimmte Absicht verfolgen, außer und
daran teilhaben zu lassen, benötigt das nicht unbedingt
durchgängigen Stil.

Gruß
Kaya  
anonym  -  18.04.08 11:26

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  danke fürs feedback und eine frage an die weiteren leser... stören die leichten stilsprünge in den absätzen? oder passt das?
lg darkangel  
   darkangel  -  18.04.08 10:37

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  Hallo darkangel, mir gefallen deine Gedankengänge, vor allem die Bilder und der Stil. Mehr davon! Lg Sabine  
   Sommertänzerin  -  16.04.08 15:16

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  Bei diesem Text stehen für mich die Bilder sehr im Vordergrund. Und an denen muss man garantiert nichts ändern. Ansonsten hast du natürlich recht.  
   Middel  -  16.04.08 00:40

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  da hast du wohl recht, aber man kann ja auch seinen spontanen stil schulen, nicht wahr? überarbeitung der alten texte ist vielleicht ein schritt dahin...:)
lg darkangel  
   darkangel  -  15.04.08 23:31

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  "Der Sinn des automatischen Schreibens ist, ohne großes Nachdenken einen möglichst flüssigen Text zu Papier zu bringen ..." Da wäre jede Veränderung ja Verrat an der Prämisse. ;)  
   Middel  -  15.04.08 23:26

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  nichts besser zu machen? naja, das hör ich auch gerne, also vielen dank:)  
   darkangel  -  15.04.08 23:23

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  "Das Wort „irdisch“ mag euch wundern. Irdisch, was ist das? Für mich ist es die unselige Tatsache, in einem Körper gefangen zu sein, der mich angreifbar und verletzlich macht."

Sehr schön ausgedrückt. Auch die Sätze danach. Macht nachdenklich, regt an ... schön!  
   Middel  -  15.04.08 21:59

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  danke für das lob^^  
   darkangel  -  15.04.08 21:22

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  ich finds toll geschrieben.. anders kann ich es nicht ausdrücken.
irgendwie... zieht es einen einfach mit.  
   Laura Blubb  -  15.04.08 21:18

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