Poetisches · Amüsantes/Satirisches

Von:    Wolfgang Reuter      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 25. Mai 2007
Bei Webstories eingestellt: 25. Mai 2007
Anzahl gesehen: 2001
Seiten: < 1

Die Kamera-Augen der Stasi

warn kaum überall demontiert,

da hat der Verfassungsschutz quasi

schon tausendfach neue platziert.

Es kommt eben alles mal wieder.

Was gestern noch „unmenschlich“ war,

(man machte es schonungslos nieder)

das gilt heute als wunderbar.



Wie war einst das Ostgeld verschrien

als Geld ohne Wert und Gewicht.

Der Lohn, den wir heute beziehen,

der reicht kaum für Miete und Licht.

Es kommt eben alles mal wieder.

Was gestern noch „unmenschlich“ war,

(man machte es schonungslos nieder)

das gilt heute als wunderbar.



Man kreischte: „Ihr quält eure Kinder,

sie werden in Krippen verbracht!“

Heut lobt man die Krippen-Erfinder.

Wer hätte das jemals gedacht?

Es kommt eben alles mal wieder.

Was gestern noch „unmenschlich“ war,

(man machte es schonungslos nieder)

das gilt heute als wunderbar.



Wer scharf war auf Ost-Karrieren,

der musste ein Blauhemd anziehn.

Auch heut kann man sich nicht beschweren:

Man merkelts beim Blick nach Berlin.

Es kommt eben alles mal wieder.

Was gestern noch „unmenschlich“ war,

(man machte es schonungslos nieder)

das gilt heute als wunderbar.



Die Westsportler wurden als sauber

und drogenfrei ständig gelobt.

Vorbei ist der Ehrenmann-Zauber.

Jetzt wird auch im Westen gedopt.

Es kommt eben alles mal wieder.

Was gestern noch „unmenschlich“ war,

(man machte es schonungslos nieder)

das gilt heute als wunderbar.



Wie ängstlich saß einst die Regierung

im Wandlitzer Edelknast fest.

Kommt’s heut zur G-8-Einquartierung,

wird Heiligendamm „Wandlitz-West“.

Es kommt eben alles mal wieder.

Was gestern noch „unmenschlich“ war,

(man machte es schonungslos nieder)

das gilt heute als wunderbar.



Wie war ich schockiert nach der „Wende“!

Ich dachte: Jetzt ist alles aus.
Seite 1 von 2       


Nichts bleibt, wie es war. Basta! Ende!

Heut fühl ich mich wieder zu Haus.

Es kommt eben alles mal wieder.

Was gestern noch „unmenschlich“ war,

(man machte es schonungslos nieder)

das gilt heute als wunderbar.



http://www.wolfgang-reuter.com/, 25. 05. 2007
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Punktestand der Geschichte:   52
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Kommentare zur Story:

  Hallo Wolfgang,
der Staatssicherheitsdienst der DDR hätte sich die Finger geleckt, hätte er über die technischen Mittel verfügt, die die weit über 15 heutigen deutschen Geheimdienste einsetzen. Jedes deutsche Bundesland hat neben dem BND seinen eigenen Landes-Geheimdienst; hinzu kommen noch die Auslandsgeheimdienste, der Verfassungsschutz und die Dienste der militärischen Sektionen sowie die Landeskriminalämter (die alle bei den Nazi-Morden der NSU versagt haben). Was waren das noch für elende Geheimdienstzeiten, als Spione ihre Beobachtungen noch mit der Hand aufzeichnen mussten. Was da jahrelang in Stasi-Akten zusammengetragen und gehortet wurde, das erledigt PRISM und die NSA jetzt in Sekunden. Angesichts dieser Spitzel-Volumen sind die Heucheleien und die Krokodilstränen über die böse Stasi lächerlich. Zugegeben: Geheimdienstarbeit hat immer den Geruch des "Bösen" und Verruchten, aber wir sollen doch bitte nicht so tun, als hätte nur die DDR Spione gehabt. Nicht nur die Zeit des "Kalten Krieges" war von Spionen geprägt; heute ist der so genannte Kalte Krieg längst vorbei, aber die westlichen Geheimdienste - einschließlich Amiland und Deutschesland - haben uns subtil aber effizient mit einem noch nie erlebten Geheimdienstnetzt umgeben. Wir werden jede Sekunde ausspioniert, manipuliert und verarscht! Aber wir merkeln's nicht, weil man uns gleichzeitig Brot und Spiele und miese Fernsehprogramme zur Betäubung gibt.

Oder nehmen wir mal die "komfortablen Villen" der DDR-Oberen in Wandlitz: Ich habe mir diese Bruchbuden mal angsehen. Nicht mal ein kleiner westdeutscher Handwerker würde in eine Wandlitzer "Villa" einziehen. Das waren nichts anderes als bescheidene Einfamilienhäuser mit Vorgärtchen. Da von "Prachtbauten" zu sprechen, besonders angesichts der aktuellen Limburger katholen Geschichte, ist peinlich und lächerlich.

Es war sicher nicht alles Gold in der DDR und es gab berechtigte Kritik. Aber es wird jetzt langsam auch mal Zeit, ein paar Vorurteile gerade zu rücken, wie du das in deinem Gedicht getan hast. Und gleichzeitig sollten wir an Mini-Jobs, an Hartz 4, an Aufstocker und Arbeitslosigkeit, an Kriege und Flüchtlinge im Nahen Osten und den Zusammenhang von Waffenlieferungen und Erdöl, an Bankenrettungen mit Steuergeld vom Volk, an die Tea-Party der USA und deren verhängnisvolle Auswirkung auf die Gesellschaft, an Abzocker und an Uli Hoeness erinnern, und an Hellersdorf und den Berliner Oranienplatz, an teuere Mieten und Miet-Kündigungen und Wohnraumspekulationen, und an Obdachlose auf der Straße, oder an die Zusammenarbeit von Nazis und Geheimdiensten.

Aber in der DDR war ja alles sooo schlecht und sooo böse! Da lach' ich mich sogar als WESSI schlapp!  
   Michael Kuss  -  18.10.13 20:17

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  hallo, wolfgang. ist doch klar.
ich wünsche dir einen sonnigen tag.
gruß von rosmarin  
rosmarin  -  31.05.07 08:16

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  Hallo RosMarin,

Du sprichst mir wirklich aus dem Herzen.  
Wolfgang Reuter  -  29.05.07 18:33

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  das ddr-schulsystem hatten die finnen dann übernommen
seitdem sind sie platz eins in den pisa-listen
und das soziale system der ehemaligen brd hatten die schweden übernommen
seitdem geht es ihnen am besten
nun sind unsere höchstintelligenten politiker dabei alles wieder "zurückzukaufen"
gib ihnen also noch 100 bis 200 jahre zeit  
cronos  -  29.05.07 18:32

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  hallo, wolfgang, ich hatte mir immer gewünscht, von beiden seiten das gute mit in die neue zeit zu nehmen. von der ddr zum beispiel das soziale netz(absicherung vom baby - bis zum rentenalter, weiter das wirklich gute bildungssystem für jedermann und besonders arbeit für alle. ich denke noch immer, dass die alternative zum kapitalismus der marxismus ist und eines tages, vielleicht in hundert jahren, in neuer form wieder auferstehen wird.
gruß von rosmarin  
rosmarin  -  29.05.07 18:29

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  Hallo Nicolas,

(mit nicht deutlich besserem Gewissen:) Das landläufige "Es war nicht alles schlecht im Osten." ist eine oft gebrauchte, aber beileibe nicht immer ernst gemeinte Floskel. Das sagen viele so dahin ... Schade, schade - denn wir Ossis hatten so manches im Alltag, was leider mit der "Wende" den Bach runter ging. Wie schön wäre es, wenn nach nun bald zwei Jahrzehnten endlich damit begonnen würde, das wirklich Aufhebenswerte (im Hegelschen Sinne) beider deutscher Staaten auf Tauglichkeit zu überprüfen und nur das Beste in die Gesamt-BRD zu übernehmen. Ich denke da beispielsweise noch an das Schulsystem, die Lehrausbildung (garantiert für jeden) ...

Und interessant wäre natürlich, was alles nach einem (von mir gegenwärtig nicht gewünschten!) Ende der BRD so ans Tageslicht käme - in Sachen Verfassungsschutz, Korruption usw. Die Ex-DDR hat jedenfalls ihren Kehraus schon hinter sich. Vielleicht schieße ich aber mit diesen Überlegungen über das Ziel hinaus? fragt sich nachdenklich ...  
Wolfgang Reuter  -  29.05.07 18:08

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  Hallo Wolfgang,

(mit schlechtem Gewissen) fünf Punkte aus dem westlichen Westfalen.
Ja, unsere Vorurteile in Bezug auf die "Ostzone" waren grenzenlos. Was hat die Bonner Republik nicht alles über Kinderkrippen geschrieben...

lg
Nicolas  
Nicolas van Bruenen  -  29.05.07 17:10

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  Hallo Wolfgang,

ja, du sagst es....

Lg, Mike  
weltuntergang  -  28.05.07 14:41

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  Hallo cronos, Danke für den Willkommensgruß! Schade, dass ausgerechnet Dinge wie Doping und Stacheldraht an "alte Zeiten" erinnern.

Hallo RosMarin, Du kannst Gedanken lesen! Genau diese Melodie (einschließlich Text-Idee) schoss mir angesichts dieser Déjà-vu-Ereignisse durchs Hirn. Und der Grundgedanke, dass auf jeden September auch wieder ein Mai folgt, ist doch irgendwie tröstlich - oder?  
Wolfgang Reuter  -  27.05.07 17:03

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  hallo, wolfgang. wie wahr, darüber habe ich auch schon oft nachgedacht. aber es ist wohl so im leben. alles muss vernichtet werden, um es dann neu erfinden zu können. das gleiche gilt für die gleichberechtigung. bei deinem gedicht hatte ich von anfang an die melodie von - es geht alles vorüber - im kopf.
gruß von rosmarin
p.s.: hab nochmals lieben dank für dein - high-matt-land.  
rosmarin  -  27.05.07 08:36

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  tadellos
für das ding sind fünf punkte deutlich zu wenig
herzlich willkommen in der alten heimat
auf ein neues
es kann nur besser werden  
cronos  -  26.05.07 19:25

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