With or without you - Kapitel 17 Hochzeit   247

Romane/Serien · Romantisches

Von:    Conva      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 23. Februar 2006
Bei Webstories eingestellt: 23. Februar 2006
Anzahl gesehen: 2008
Seiten: 12

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


AN: Hallo Ihr Lieben (damit meine ich natürlich Doska und ISA, die meiner Story so treu sind)! Ich habe mich wie immer sehr über eure Kommentare gefreut!!! Und darum gibt es auch "schon" ein neues Kapitel.

Bis zum nächsten Kapitel wird aber noch einige Zeit vergehen, fürchte ich, da noch zwei sehr sehr wichtige Prüfungen anstehen (für die ich eigentlich gerade lernen sollte...) und ich danach erst einmal "extrem-ferien-faulenzen" mache! Ihr seid also gewarnt!

LG

Conva



~Hochzeit~



Ich wurde von hektischer Betriebsamkeit in meinem Zimmer geweckt. „Was ist denn hier los?“ murmelte ich schlaftrunken.

„Steh auf, Núphar!“ befahl die Stimme meiner Mutter. „Heute ist deine Hochzeit und wir haben noch jede Menge zu tun, um dich präsentabel zu machen!“

Eine Dienerin brachte mir ein Tablett mit meinem Frühstück, doch meine Mutter beorderte mich in die Badewanne. Es gelang mir, wenigstens ein Brötchen zu essen und meine übliche Schokolade zu trinken, während ich geschrubbt wurde und dann mit wohlriechenden Ölen eingerieben wurde. Ich hätte mich ja lieber selbst gebadet, irgendwie war es mir peinlich mich derart bedienen zu lassen, doch meine Mutter bestand darauf. Ich hingegen bestand darauf, dass Linária mir Gesellschaft leistete, während meine Zofe mit meinen Haaren hantierte.

Es dauerte nicht lange, bis sie erschien. Offenbar hatte sie bereits gefrühstückt und nun trug sie ein zauberhaftes Kleid von blaßblauer Farbe. „Und, aufgeregt?“ fragte sie mich.

„Und wie. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich heute heiraten soll. Ich starrte mißmutig in den Spiegel. Seit unserem letzten Streit hatte ich Senécio nicht wiedergesehen, und heute sollte ich ihm mein Jawort geben? Denk an die beiden Könige! ermahnte ich mich. Sie hatten bestimmt, dass wir heiraten sollten, und ich mußte meine Pflicht erfüllen.

„Es wird ein wunderbares Fest werden,“ versuchte Linária mich aufzumuntern. „Und du wirst deinen Vater und deine Schwestern wiedersehen!“

Ein merkwürdiges „Hrmpf“ erklang hinter uns und ich sah im Spiegel, wie meine Mutter mißbilligend das Gesicht verzog und dann das Dienstmädchen anfuhr, das gerade mein Hochzeitskleid anbrachte.
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„Sei vorsichtig damit! Wehe dir, das Kleid bekommt Falten!“

„Ich glaube, mir wird schlecht.“ klagte ich.

„Unsinn! Das sind nur die Nerven, das geht jeder Braut so. Atme tief durch und iß ein Stück Schokolade!“

„Schokolade ist auch keine Lösung.“ stöhnte ich.

„Sei ruhig und iß. Du wirst sehen, es geht dir dann viel besser!“

Ich tat, wie Linária mir befahl. „Du hast Recht, mit Schokolade ist das Leben einfacher.“ erklärte ich genießerisch. „Aber mir ist noch immer flau im Magen.“

„Das wird schon. Denk einfach daran, dass du den Mann heiratest, den du liebst.“ flüsterte sie mir zu.

„Aber er liebt mich nicht!“

„Das mußt du heute vergessen. Denk nicht weiter darüber nach, sondern erinnere dich daran, wie hervorragend ihr miteinander klarkommt.“

„Wenn wir nicht gerade streiten!“

„Aber wäre es nicht langweilig, wenn ihr euch nie streiten würdet?“

„Du hast Recht. Ich darf einfach nicht über seine Gefühle nachdenken.“ Wieder und wieder wiederholte ich den Satz in meinem Geiste, während der ganzen nächsten Stunde.

Meine Zofe war endlich mit meinem Haar zufrieden und ich mußte zugeben, dass sie ihre Sache sehr gut gemacht hatte. Irgendwie war es ihr gelungen, meine Locken zu glätten und sie waren zu einem eleganten Knoten hochgesteckt worden, in den lauter kleine weiße Perlen eingeflochten waren. Einigen Strähnen war erlaubt worden, lose auf meine Schultern zu fallen und auch sie waren mit Perlen verflochten. Sogar meine Mutter äußerte ein Wort des Lobes.

Als nächstes wurde mir mein Kleid angezogen. Es war aus weißer Seide und war ebenfalls mit kleinen Perlen verziert. Der Rock bauschte sich dank eines Dutzend Unterröcke und schwang bei jedem Schritt hin und her. Am Ausschnitt und an den Handgelenken wich die Seide feiner Spitze. Als Huldigung an mein Volk trug ich entgegen der Proteste meiner Mutter eine silbriggrüne Schärpe über dem Kleid, in welche meine Clanabzeichen genauso wie die Zeichen meiner Zugehörigkeit zur Königsfamilie der Gypsóphila eingestickt waren.

„Du siehst fantastisch aus!“ erklärte Linária mit Tränen in den Augen.
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„Ganz unglaublich, dem Comte werden die Augen ausfallen!“

„Übertreibe nicht.“ murmelte ich verlegen.

„Linária hat Recht,“ mischte meine Mutter sich nachdrücklich ein, „du siehst ganz bezaubernd aus. Aber nun ist es höchste Zeit, die Gäste zu empfangen! Ich hoffe, es ist keiner auf die Idee gekommen, pünktlich zu sein.“

Vor meiner Mutter und Linária stieg ich langsam und vorsichtig die Treppe hinab, in der ständigen Angst, durch eine hastige Bewegung meine Frisur zu lösen.

Im Salon, der für den Empfang gedacht war, saß nur Ráphanus und blätterte gelangweilt in der Zeitung. Als wir erschienen, sprang er sogleich auf. „Du siehst bezaubernd aus, Núphar!“

„Vielen Dank. Ich hoffe nur, es wird nicht regnen.“ Besorgt schaute ich durch die Fenster nach draußen. Während der vier Tage, die wir bereits in Cer waren, schien der Sommer zurückgekehrt zu sein. Die Temperaturen schossen wieder in die Höhe und die Sonne schien unerbittlich von einem makellos blauen Himmel. Am Vorabend hatte man jedoch in der Ferne leichtes Donnergrollen hören können und die schwüle Hitze kündete von einem Gewitter. Meine Großtante, in deren Haus wir wohnten, war eine elegante Dame, welche mit der Geschwätzigkeit alter Leute verkündet hatte, sie glaube bestimmt, dass es bald regnen würde. „Ich erinnere mich an einen Abend, an dem man genau wie jetzt in der Ferne Donnergrollen hören konnte. Mein lieber Mann – selig sei er im Himmel – ermahnte sofort alle Dienstboten, die Fenster gut zu verschließen, obwohl niemand glaubte, das Gewitter würde uns treffen. Es war ja so weit weg und über uns war noch wolkenloser Himmel. Doch bereits zwei Stunden später war das Unwetter über uns.“ Dies war uns zwar bisher erspart geblieben, doch auch heute schien ein schwüler Tag zu werden, und es erschienen bereits erste Wolken am Himmel.



Die ersten Gäste auf dem Empfang waren Mrs. und Mr Najás mit ihrem ältesten Sohn. „Du siehst fabelhaft aus!“ zwinkerte Maiánthemum mir zu.

Die nächsten Gäste, Bekannte meiner Mutter, erschienen. Weitere Verwandte und Bekannte mußten begrüßt werden und endlich erschien auch mein Vater mit allen vier meiner Halbschwestern – mein Vater hatte sich damit abfinden müssen, nur weibliche Nachkommen zeugen zu können – deren Mutter und mehreren wichtigen Angehörigen unseres Volkes.
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Mein Vater gratulierte mir ebenfalls zu meinem Aussehen und dann umarmte Ámmi, meine älteste Halbschwester mich. „Du hast mir seit Ewigkeiten nicht mehr geschrieben!“ beschwerte sie sich.

„Es tut mir Leid. Ich war so beschäftigt und außerdem...“

„Außerdem warst du gegen die Heirat. Vater hat es mir erzählt. Ach Núphar! Ich wünschte, ich könnte dir helfen.“

„Das ist lieb von dir.“ Ich drückte ihr dankbar die Hand, bevor ich mich dem nächsten Gast zuwenden mußte. Insgeheim dachte ich daran, wie ich dem Comte einmal gesagt hatte, er hätte lieber meine Schwester heiraten sollen.

Endlich waren alle Hochzeitsgäste inklusive der Königsfamilie anwesend, nur die Familie des Bräutigams fehlte selbstverständlich. Diese richtete den Empfang nach der Zeremonie aus und da der Bräutigam seine Braut vor der Zeremonie nicht sehen durfte, war es üblich, dass er und seine Familie dem vorhergehenden Empfang fernblieben.

Diener eilten mit Tabletts voller Gläser umher und boten den Gästen Champagner, Wein und Saft. Auf anderen Tabletts waren kleine Appetithäppchen zurecht gemacht.

Keiner der Gäste wagte es, unhöflich zu meinem Vater und seinen Leuten zu sein, doch sie ernteten manch verstohlen-abfälligen Blick wegen ihres überschäumend fröhlichen Verhaltens und ihrer ungewohnt bunten Kleidung. „Núphar, meine Liebe. Noch ein Toast auf dich und deinen Zukünftigen!“ rief mein Vater mit dröhnender Stimme und drückte mir ein Glas in die Hand. Ich hatte mittlerweile den Überblick darüber verloren, wieviel Gläser ich schon geleert hatte, doch eine innere Stimme sagte mir, dass es wohl schon einige gewesen waren. „Auf meinen Vater, der mich kaltblütig verkauft!“ erwiderte ich mit deutlich leiserer Stimme und trank mein Glas mit einem Zug aus. „Saft?“ fragte ich dann ungläubig.

Mein Vater zuckte die Achseln. „Ich war der Ansicht, du hast genug getrunken. Du solltest besser noch etwas essen.“

„Aber ich habe keinen Hunger. Ich möchte lieber noch etwas Champagner.
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„Willst du in der Kirche vor all den Zuschauern torkeln und womöglich stolpern?“

„Nein“ gab ich zu.

„Dann vertrau mir und iß noch etwas!“

Seufzend machte ich mich auf die Suche nach einem Diener, der ein Tablett mit Essen trug. Wo steckten die nur, wenn man sie mal brauchte?

„He Núphar, trinkst du dir Mut an?“ fragte Linária und legte ihre Hand auf meinen Arm.

Ich hätte vor Schreck fast einen Hüpfer gemacht, wie war es ihr gelungen, so plötzlich neben mir aufzutauchen? „So ähnlich, ja“ gab ich zurück. „Mir bleibt ja auch keine andere Wahl, bei den vielen Trinksprüchen!“

„Nun, du könntest ja auch einfach langsamer trinken.“ Linária klang amüsiert.

„Langsamer? Wenn ich bei dieser Hitze fast am Verdursten bin?“ Mir demonstrativ übertrieben Luft zufächelnd begab ich mich wieder auf die Suche nach etwas zu Essen. Zu meinem Pech rief jedoch in diesem Moment meine Mutter zum Aufbruch.

Es dauerte eine ganze Weile, bis alle Gäste sicher in ihren Kutschen saßen und sich auf den Weg zur Kirche machten.

Meine Mutter, mein Vater und ich waren die letzten und es gelang mir, doch noch ein kleines Brotstück mit Pastete zu ergattern.

Der Weg zur Kirche war nicht weit und viel zu früh schon waren wir dort. Während der Fahrt hatte meine Mutter die Nase gerümpft und gemeint: „Du stinkst nach Alkohol, Núphar. Wenn wir angekommen sind mußt du erst einmal mit meinem Lavendelwasser gurgeln, was soll der Comte sonst von dir denken?“

„Das ist mir ganz egal!“ hatte ich trotzig erwidert und einen Schluckauf bekommen.

Als wir bei der Kirche ankamen, drängte meine Mutter mich erst einmal in einen Nebenraum, der dazu gedacht war, dass sich die Braut noch einmal frisch machen konnte. Wie befohlen gurgelte ich mit dem widerlichen Lavendelwasser meiner Mutter, während die Gäste ihre Plätze einnahmen. Viele kamen erst jetzt, da sie nicht zum Empfang geladen worden waren, neugierige Leute und sicher auch die Klatschpresse drängten sich in den hinteren Reihen, die noch frei waren. Mein Vater drückte mir einen Kuß auf die Wange. „Ich bin stolz auf dich!“ sagte er. Meine Mutter zog mir den Schleier über mein Gesicht und betrachtete mich einen Augenblick.
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„Vergiß nicht zu lächeln!“ befahl sie mir dann nicht ohne Wärme in der Stimme. Ein schneller Druck meiner Hand, dann verließ sie uns schnell, um ihren Platz in der ersten Reihe einzunehmen.

Musik ertönte und am Arm meines Vaters schritt ich den Gang hinunter zum Altar, wo Senécio auf mich wartete.

Die Kirche der Heiligen von Galánthus war ungemein prachtvoll in Gold und Weiß gehalten. Nur wenige Bilder waren zu sehen, doch eine Fülle von Blumenarrangements milderte die Strenge des Gebäudes. Der Blütenduft war betäubend stark und während ich vor dem Altar kniete, wurde mir fast schwindelig davon.

Als ich am Arm meines Vaters auf Senécio zukam, drehte er sich um. Sein Gesicht war eine Maske, das Lächeln, mit dem er mich begrüßte, nur gespielt. Für die meisten Leute mochte es wohl echt wirken, doch ich kannte ihn inzwischen gut genug, um nicht darauf hereinzufallen. Während ich nun neben seiner reglosen Gestalt kniete, konnte ich seine Unruhe spüren, die mich nur noch nervöser machte.

Von den Worten des Priesters und seiner scheinbar ewigen Predigt bekam ich kaum etwas mit. Meine Knie fingen langsam an, zu schmerzen, obwohl sie auf einem weichen weißem Kissen mit goldenen Stickereien ruhten.

Als der Priester in der Zeremonie endlich zu der Stelle kam, wo er nach meiner Zustimmung zu der Heirat fragte, hatte ich für einen Moment das verrückte Verlangen „Nein!“ zu schreien. Dann antwortete ich jedoch das vorgegebene „Ja, ich will“. Als der Priester nun Senécio fragte hielt ich die Luft an, von der plötzlichen Angst erfaßt, er könnte mit „Nein“ antworten. Doch auch Senécio antwortete mit ruhiger Stimme „Ja, ich will“. Erleichtert atmete ich auf. Senécio nahm mir nun den Verlobungsring ab und streifte mir den Ehering über den Finger. Wie betäubt betrachtete ich den funkelnden Stein an meiner Hand. Nach einer weiteren Rede des Priester sprach er zu guter Letzt gewichtig: „Ich erkläre euch hiermit kraft des mir verliehenen Amtes zu Mann und Frau! Besiegelt euer Eheversprechen mit einem Kuß und erinnert euch stets an euer Versprechen, die Heiligkeit des Ehebundes zu ehren!“

Senécio stand auf und half mir hoch. Von dem langen Knien waren meine Beine ganz steif geworden, doch achtete ich kaum darauf: Senécio – mein Ehemann! – schlug nun den Schleier zurück.
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Seine grünen Augen blickten mich unverwandt an, als er sich langsam vorbeugte und mir schließlich einen leichten Kuß auf meine Lippen drückte. Ich erbebte und wurde zur Abwechslung einmal blaß statt rot. Mein erster Kuß!

Unter dem Jubel der Anwesenden schritten wir dann Arm in Arm den Kirchgang hinunter. Vor der Tür empfingen uns Kinder jeglichen Alters, die Blüten streuten. Senécio warf ihnen einige Goldmünzen zu, dann stiegen wir in die prachtvolle offene Kutsche und fuhren im flotten Trab davon. Auch die Kutsche und das Geschirr der Pferde war mit Blumen geschmückt.

„All diese Blumen...“ murmelte ich. Ich versuchte, mein Unbehagen zu unterdrücken, doch es wollte mir nicht gelingen. Senécio hatte noch kein einziges Wort zu mir gesagt und ich vermutete, dass ihm ebenso deutlich wie mir unsere letzte Begegnung vor Augen stand.

Hinter uns hörte ich das Klappern und Rumpeln der Kutschen, die uns zum Stadtpalais von Senécios Familie folgten. Der Lärm einer Großstadt umwogte uns und doch fühlte ich eine schwere Stille auf mir lasten. Warum sagte er nichts?

Gerade wollte ich, nur um endlich das bedrückende Schweigen zu brechen, ihm für den schönen Ehering danken, den er ausgewählt hatte, da kam die Kutsche zum Stehen.

„Wir sind da.“ bemerkte Senécio überflüssigerweise und half mir beim Aussteigen. In der Halle des einzelstehenden Hauses erwarteten uns die Dienstboten, denen ich als neue Comtesse di Drýas vorgestellt wurde. Sie alle gratulierten mir herzlich während ich nach außen lächelnd mich insgeheim fragte, wie lange es wohl dauern würde, bis ich mich an meinen neuen Namen gewöhnt hatte. Meine Zofe war ebenfalls schon angekommen und führte mich nun in mein Schlafzimmer, um mir den Schleier abzunehmen. Ich sah ihr an, dass sie gerne alle Einzelheiten der Hochzeit erfahren wollte, und so erzählte ich ihr von der Zeremonie, während sie mir einige widerspenstige Haarsträhnen wieder am Kopf befestigte und die Falten aus meinem Kleid zu schütteln versuchte.

Ein Klopfen an der Tür ertönte. „Bist du fertig, Núphar?“ rief Senécio.
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„Ja, ich komme, nur einen Moment noch!“ rief ich zurück. Mußte ich wirklich schon den Gästen entgegentreten? Um mir Mut zu machen öffnete ich das kleine Täschchen an meinem Handgelenk und nahm die Schokolade heraus, die Linária mir zugesteckt hatte.

Meine Zofe verschwand knicksend und kichernd, offensichtlich wollte sie uns ‚Liebende’ nicht stören.

„Núphar?“ Mein frischangetrauter Ehemann klopfte wieder an die Tür und öffnete sie dann. Als er mich mit der Schokolade sah grinste er kurz. „Nervös?“

Ich nickte und aus einem Impuls heraus hielt ich ihm die Schokolade hin. „Du auch?“

„Danke, das ist genau das, was ich brauche!“ Er nahm sich ein Stück und lutschte es genießerisch, bevor er fortfuhr. „Ich weiß nicht, wie viel Leute meine Mutter zur Hochzeit eingeladen hat, aber mir kommt es vor, als sei die ganze Stadt unten versammelt. Ich weiß, dass du am Liebsten hier oben bleiben würdest, wo du nicht von allen angestarrt wirst und nett zu wildfremden nervigen Menschen sein mußt, dennoch sollten wir nun runtergehen und den Hochzeitstanz tanzen. Ich habe meine Kutsche für den Nachmittag bestellt, dann können wir wieder nach Caldésia fahren, wo wir hoffentlich einige Zeit ungestört sind.“ Er schien noch etwas sagen zu wollen, doch ich unterbrach ihn. „Wir werden also wirklich unsere Flitterwochen allein in Caldésia verbringen?“

„Ja. Wir können später immer noch auf Reisen gehen, wenn du das möchtest. Und nun komm!“

Folgsam ließ ich mich von ihm nach unten in den Ballsaal führen, während ich überlegte, dass ich dann wenigstens endlich wieder Massai sehen würde – ich vermißte ihn schon!

Als wir den Saal betraten, begrüßte uns lauter Jubel. „Der Braut und die Bräutigam! Sie leben hoch!“ rief mein Vater und alle wiederholten den Toast: „Sie leben hoch!“ erschall es im Chor. Eine menge Leute drängten sich um uns, um uns zu gratulieren. Ámmi umarmte mich und flüsterte mir zu: „Dein Bräutigam sieht fabelhaft aus! Wenn du ihn nicht willst, warum hast du ihn nicht mir überlassen?“

Linária drückte mich ebenfalls an sich und meinte ernst: „Ich hoffe, ihr findet zueinander, damit ihr beide glücklich werdet!“

Auch meine anderen Halbschwestern und meine quasi-Stiefmutter drückten ihre herzlichsten Glückwünsche aus, sowie Hunderte von Leuten, die ich überhaupt nicht kannte.
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Das große Orchester – die Duchess hatte keine Kosten gescheut - fing nun an zu spielen. Es war ein langsamer Walzer, der, wie man mir erklärt hatte, als Hochzeitstanz immer mehr in Mode kam. Ich spürte, wie mir mal wieder unter den Blicken der vielen Leuten das Blut in den Kopf stieg. Jetzt bloß keinen falschen Schritt machen! Doch da ich gern und oft tanzte, wußten die Füße ganz automatisch, was sie zu tun hatten. Dafür schienen meine Wangenmuskeln allmählich von dem vielen Lächeln zu verkrampfen. Mein Vater führte nun die Duchess auf die Tanzfläche und überraschte alle damit, dass er sich als gewandter Tänzer erwies. Der Duke hingegen tanzte mit meiner Mutter. Der König und die Königin saßen auf Ehrenplätzen und schauten zu. Dem König war nach einer leichten Erkältung verboten worden, sich in irgend einer Form körperlich anzustrengen, damit er sich möglichst rasch erholen möge. Nach dem Tanz klatschten ihre Hoheiten jedoch huldvoll Beifall und verabschiedeten sich dann. Ich machte meinen tiefsten Hofknicks und wagte es, dem Prinzen meine besten Genesungswünsche zu senden. Möge er nur lange leben und doch noch etliche Nachkommen zeugen! betete ich im Stillen. Nachdem ihre Majestäten gegangen waren, wurde die Atmosphäre deutlich ungezwungener.

Mein Vater zerrte mich zum nächsten Tanz und wirbelte mich fröhlich umher. „Mein kleines Mädchen!“ sagte er dabei gerührt. „Jetzt bist du schon verheiratet und bald werde ich Großvater sein!“

Ich errötete. „Aber Vater! Das hat doch noch Zeit!“

„Als deine Mutter in deinem Alter war...“

„Bitte, Vater, können wir nicht das Thema wechseln? Wie geht es Vítis?“ Vítis war die Mutter meiner Halbschwestern.

„Ich glaube, sie amüsiert sich gerade über die Blicke deiner Mutter.“

In der Tat, wenn Blicke morden könnten, wäre Vítis wohl schon längst tot umgefallen.

Einige Zeit später traf ich meine Mutter am Buffet, wo ich mir ein neues Glas Champagner holte.
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„Ich weiß nicht, was er sich dabei gedacht hat!“ zischte sie mir zu und schielte über die Schulter nach meinem Vater, der gerade ein Menuett mit Vítis tanzte. „Wie kann er es nur wagen, sie mitzubringen! Und seine ganzen unehelichen Töchter!“

„Ich freue mich, dass sie hier sind!“ entgegnete ich und trank durstig mein Glas aus. „Immerhin sind es meine Schwestern.“

„Halbschwestern!“

„Wie auch immer.“ Ich drehte mich um und sah Maiánthemum. „Núphar, darf ich um einen Tanz mit der glücklichen Braut bitten?“

„Aber gerne doch! Ich hatte zwar eigentlich so einem langweiligen Kerl zugesagt, der irgendein wichtiger Minister ist, aber was soll’s!“

„Núphar!“ rügte meine Mutter mich.

„Oh, wenn du den Tanz bereits vergeben hast...“ beeilte sich Maiánthemum unter dem strengen Blick meiner Mutter zu sagen.

„Aber nein!“ rief ich fröhlich. „Ich kann mich sowieso nicht mehr an den Kerl erinnern. Also komm!“ Ein Hoch auf den Champagner, der mir half, das allmählich wieder schmerzende Bein zu vergessen!

Nach dem Tanz mit Maiánthemum tauchte Senécio wieder neben mir auf, den ich seit der Verabschiedung Ihrer Majestäten nicht mehr gesehen hatte. „Na, genießt du die Feier?“ fragte er lächelnd, doch Maiánthemum mit einem scharfen Blick musternd.

„Und wie!“ erklärte ich enthusiastisch. „Vor allem, wenn ich mit guten Freunden tanzen kann und nicht mit langweiligen alten Ministern!“ Ich sah ihn herausfordernd an, mich gut an seine beleidigende Anschuldigung erinnernd.

„Ich glaube, du solltest etwas essen.“

„Das hat mein Vater auch schon gesagt. Dabei habe ich schon so viel Schokolade gegessen...“

„Aber Schokolade ist keine gute Grundlage für all den Champagner und Wein, den du in dich hinein schüttest.“

„Und wieder klingst du nach meinem Vater! Außerdem schütte ich den Champagner oder Wein nicht in mich hinein, das wäre undamenhaft!“

„Hast du Hunger?“

„Ja, etwas.“ gab ich kleinlaut zu.

„Ich sehe gerade Lord und Lady Órchis auf dich zukommen. Während du dich mit ihnen unterhältst, werde ich dir etwas zu essen holen.“

Ich nickte gönnerhaft, insgeheim froh darüber, dass Senécio mich nicht länger ignorierte.
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Als Linária auf mich zukam, faßte ich sie freudestrahlend bei den Händen. „Ist das nicht ein herrlicher Ball?“ rief ich. „Man müßte nur die ganzen alten vertrockneten Minister rauswerfen, sowie die ganzen gezierten Dämchen und schon könnte man sich richtig amüsieren!“

„Wieviel hast du getrunken?“ fragte Linária mich amüsiert.

„Warum sagt mir heute jeder, ich wäre betrunken? Vielleicht ein kleiner Schwips – das muss doch erlaubt sein, wenn man in wenigen Stunden ganz allein mit dem Gatten in die Flitterwochen fährt.“

„Apropos Flitterwochen, wo soll es denn hingehen?“

„Nur nach Caldésia. Dann sehe ich Massai endlich wieder.“

Da ich sah, daß Maiánthemum sich inzwischen einer jungen Dame zugewandt hatte sagte ich gönnerhaft zu Ráphanus: „Du kannst dir irgendeine ältere alleinstehende Dame suchen und sie zum Tanz führen. Tu mal ein gutes Werk!“ Dann zog ich Linária beiseite. „Ich habe Angst vor den Flitterwochen.“ gestand ich. „Senécio deutete an, daß wir ganz allein sein würden. Wenn überhaupt, wird nur die allernotwendigste Dienerschaft anwesend sein. Sogar Túlipa, meine Zofe, hat Urlaub bekommen. So bleibt zwar vor der Welt der Schein gewahrt – als ob das überhaupt jemanden kümmern würde, ob sich ein frisch verheiratetes Ehepaar auch liebt oder nicht – aber ich weiß nicht, was ich die ganze Zeit tun soll. Ich kann doch nicht immer den ganzen Tag mit Massai unterwegs sein, aber bei dem momentanen wankelhaften Verhalten Senécios weiß ich auch nicht, wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll.“

„Mach dir keine Sorgen, dir wird schon was einfallen. Und wer weiß, vielleicht will dein Gatte ja doch ‚richtige’ Flitterwochen...“ Sie blinzelte mir zu.

„Oder er verbringst seine Zeit mit dieser Mrs. Siléne.“ überlegte ich laut. „Oder – oder er will mich schnell schwängern,“ ich wurde hochrot, „damit er einen Erben hat, ich beschäftigt bin und er wieder tun kann, was er will.“

„Ach Núphar, das hatten wir doch schon. Ich glaube immer noch fest daran, dass er treu ist.
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Genau in diesem Moment kam Senécio zurück und brachte mir einen Teller voller Leckerein. Mir war jedoch der Hunger vergangen. Ich dankte ihm dennoch und versuchte, einige Bissen runterzuwürgen. Da sich der Maestro der Küche jedoch bei der Zubereitung des Essens selbst überboten hatte, kam der Appetit bald zurück. Senécio saß schweigend neben mir auf dem Sofa, auf das ich mich gesetzt hatte. Offenbar amüsierte er sich über meinen Heißhunger. „Ich habe noch nicht einmal richtig frühstücken können!“ erklärte ich zu meiner Verteidigung. „Und dieses Hühnchen ist wirklich köstlich, hast du es schon probiert?“

„Ja, ich hatte schon davon. Hast du den nächsten Tanz schon vergeben?“

„Irgendeiner der Minister hatte ihn glaube ich für sich beansprucht.“

„Wer immer er auch ist, er wird dir bestimmt verzeihen, wenn du statt dessen mit deinem Ehemann tanzt, oder?“

Bei dem Wort „Ehemann“ zuckte ich leicht zusammen. Ich konnte mich einfach nicht daran gewöhnen! Senécio hatte mein Zusammenzucken natürlich gemerkt und fragte: „Oder willst du lieber mit dem Minister tanzen? Ich meine, mich erinnern zu können, dass du sie alle als alt und langweilig abgetan hast, aber ich kann mich auch irren.“

„Nein, ich tanze natürlich gern mit dir.“ erklärte ich. Warum hatte er nur so ein gutes Gedächtnis, dass er nun meine eigenen Worte gegen mich verwenden konnte?

Mein Glück wollte es, dass der nächste Tanz wieder ein Walzer war. Senécio zog mich eng an sich und wirbelte mich über die Tanzfläche, bis mir ganz schwindelig war. Dennoch hätte ich am Liebsten ewig weitergetanzt, aber nein, es sollte nicht sein! Die letzten Takte verklangen und Senécio führte mich von der Tanzfläche hinunter.





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Ámmi – Knorpelmöhre

Vítis – Weinrebe, Weinstock
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Kommentare zur Story:

  Wuhi, alles gelesen und für toll befunden.
Ok, die Geschichte ist nichts zuu Originelles, dafür aber sehr, sehr süß und mitreißend und für abends und zwischendurch einfach klasse. Deshalb von mir 5 Punkte. Btw finde ich die Namensgebung durch ein Blumenbuch sehr kreativ. :>  
Juria  -  23.10.06 20:14

   Zustimmungen: 5     Zustimmen

  Hallo conva, bin leider aus Zeitmangel jetzt erst dazu gekommen, das neue Kapitel intensiv zu lesen.
Die Hochzeit war schön und lebhaft beschrieben. Inzwischen hat die Geschichte für mich so eine ähnliche Atmosphäre wie in den Stories von Jane Austen, irgendwie fühle ich mich trotz der botanischen Namen an England erinnert.
Soso, die beiden Sturköpfe verbringen die Flitterwochen so gut wie alleine miteinander? Conva, da geht doch garantiert etwas, hehe :)))  
ISA  -  05.04.06 22:54

   Zustimmungen: 5     Zustimmen

  Von wegen nur Doska und ISA, die dir treu geblieben sind.Da gibt es doch bestimmt auch noch etliche Zugriffe, woran du sehen kannst, dass außer uns noch weitere Leseratten existieren, oder? Das ist ja das tolle an Webstories, - davon mal abgesehen dass diese Seite ohnehin in vielen Dingen schlichtweg super ist - dass hier jeder seine Zugriffe sehen kann.
Sehr schön romantisch übrigens auch dieses Kapitel. Wirklich eine wunderbare Hochzeit *verträumt dreinschaut *Habe alles wie in einem Film vor mir gesehen.
Dennoch ein kleiner Kritikpunkt, welche Kleidung trägt eigentlich Senecio? Nachdem du so bombastisch Nuphars Hochzeitskleid beschrieben hast, bin ich richtig neugierig auf seinen Anzug oder Uniform geworden.Oder sollte ich Schussel, das irgendwie überlesen haben?
So, nun drücke ich dir noch die Daumen für deine zwei Arbeiten.Naja, dass du so lange ausruhen willst schmerzt zwar ein bisschen, aber es ist dir sehr zu gönnen. Genieße diese Zeit, wir haben Geduld mit dem nächsten Kapitel*Seufz*  
doska  -  26.02.06 19:32

   Zustimmungen: 5     Zustimmen

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