Romane/Serien · Fantastisches

Von:    Conva      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 11. Juli 2004
Bei Webstories eingestellt: 11. Juli 2004
Anzahl gesehen: 1344
Seiten: 10

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


A/n: Also schön, ich habe mich bequatschen lassen und veröffentliche doch weiterhin diese Story auf webstories.cc.

Ich würde mich aber nach wie vor über Kommentare freuen!!



Mein herzlicher Dank geht an AVES für die beiden lieben Kommentare - ich hoffe, weiterhin von dir zu hören!



~Ab aufs Land~



Cára erwachte erst abends wieder, als sie hinter der Mündung des Thisá anlegten. Sie verbarg sich still wie ein Mäuschen hinter den Fässern während weitere Kisten, Fässer und Säcke im Laderaum verstaut wurde. Zu ihrer großen Erleichterung fand sie niemand und nach einigen Stunde wurde Cára klar, dass sie die Nacht wohl hier verbringen würden, ohne weiterzufahren. Sie schaute sich um, wagte aber nicht, eines der Fässer oder Kisten zu öffnen und so verzehrte sie etwas von ihrem mitgenommenen Fleisch und machte es sich dann wieder, so gut es auf dem harten Boden ging, hinter den Fässern gemütlich. Sie zog die Kette unter ihrem Hemd hervor und betrachtete die feine Arbeit. Doch als sie versuchte, das Medaillon zu öffnen, wurde sie enttäuscht. Sie konnte einfach nicht herausfinden, wie und wo man es aufbekam, also steckte sie die Kette wieder unter ihr Hemd zurück, wo niemand sie sehen würde.

Am nächsten Morgen erwachte sie von dem etwas stärkeren Schaukeln, als sie die Untiefen von Bruir neben dem Fuka von Thetsa passierten. Gebannt schaute Cára auf den gewaltigen Turm, der sich auf der kleinen Insel in der Mitte des Fukasá erhob. Sie hatte gehört, dass dort magiebegabte Kinder der Thetsa unterrichtet wurden und die Insel niemals wieder verlassen durften. Der schneeweiße Bau sah aber viel freundlicher als in ihrer Vorstellung aus und plötzlich konnte sie diese Geschichten nicht mehr glauben. Es sah dort so – friedlich aus! Bestimmt konnte an so einem Ort keinerlei Gewalt ausgeübt werden!

Als Cára schätzte, dass es ungefähr Mittag war, erreichten sie die Mündung des Edasá.

Die dortige Stadt Miuk war der Haupthandelsort mit Produkten der Edaín, die über den Edasá von der Hauptstadt der Edaín, Edaná, herangeschafft wurden.

All dies wusste Cára zu dieser Zeit natürlich nicht, doch hier war es, das ihre Glückssträhne vorerst ein Ende hatte.
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Die Fässer, hinter denen sie sich verbarg, waren für das Schiff eines Edaín bestimmt und als dieser sie holen wollte, entdeckte er Cára.

Einen Moment sahen die beiden sich verdutzt an, dann sprang Cára auf und lief an ihm vorbei zu der offenen Luke. Wie eine Katze kletterte sie die Leiter hinauf und sprang schnell die Laufplanke hinunter an Land. Die Matrosen, die sie sahen, waren viel zu erstaunt, um sie aufzuhalten und so konnte sie ungeschoren im Labyrinth der Lagerhäuser untertauchen. Den Rest des Tages verbarg sie sich dort, stets bereit, weiter zu rennen. Doch niemand schenkte ihr mehr Beachtung.

Abend verzehrte sie wieder etwas Fleisch. Betrübt sah sie, dass es nicht mehr als noch zwei Tage reichen würde.

Unsicher strich sie durch die Gassen und fragte sich, was sie nun tun sollte. Irgendwie war es in ihren Träumen von Flucht viel einfacher gewesen, aber Tatsache war, dass sie nicht wusste, wie und wo sich eine Arbeit finden konnte. Aus einigen Wirtshäusern erklang lautes Stimmengewirr und sie dachte an die Schenke der Groots zurück. Es tat ihr ein wenig leid, dass sie sich nicht von der Diza hatte verabschieden können doch war sie sich sicher, dass diese es verstehen würde. Ob der Giz sie wohl lang suchen würde? Würde er erraten, was geschehen war, und das Schiff, auf dem sie gereist war, verfolgen?

Nach einer Weile hörte Cára auf, über die Antworten auf diese Fragen zu spekulieren und wandte sich ihrem momentan dringlichsten Problem zu: Wo sollte sie diese Nacht schlafen?

Sie schlenderte wieder zurück in Richtung des Hafens und stellte dabei zu ihrer Freude fest, dass sie offenbar einen guten Orientierungssinn besaß, da sie den Weg trotz des schwachen Mondlichtes sofort fand. Da es eine warme Nacht war beschloss sie schließlich, sich einfach unter einem zum trocknen ausgelegten Leinensegel zu verbergen. Und so schlummerte sie friedlich ihre zweite Nacht in der Freiheit und diesmal war sie ein Pferd, dass über endlose Weiten galoppierte, ohne jemals zu ermüden.



Am nächsten Morgen erwachte sie von lauten Stimmen. Sie öffnete die Augen und erblickte die Gesichter mehrerer Männer, die um sie herumstanden. Erschrocken sprang sie auf und überlegte fieberhaft nach einem Ausweg aus dieser Situation.
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„Na, wen haben wir denn da?“ sagte eine tiefe Stimme und Cára erblickte einen mittelgroßen Mann mit langem Bart und kahlem Schädel.

„Bitte, ich habe nichts Böses gewollt.“ sagte sie schüchtern und versuchte, ihre Stimme so tief wie möglich klingen zu lassen.

„Dann hau lieber ab, Junge! Siehst aus, als wenn du von zu Hause fortgelaufen wärst und wir wollen hier keinen Ärger haben.“

Dankbar kam Cára diesem Befehl nach. Wieder wanderte sie durch die Gassen und gelangte, abgelockt von dem Stimmengewirr, zu dem Marktplatz. Der Markt war viel kleiner als der in Thetsa, den sie gesehen hatte. Dennoch war sie überwältigt von der Vielfalt des Angebots. Es gab alle Arten von Früchten und Gemüse, darunter auch einiges, was ihr unbekannt war und von den Feldern der Edaín stammte. Dazu kamen Stoffe und bereits fertig geschneiderte Kleider, verschiedene Kleinigkeiten wie Tabak, Pfeifen, Figuren aus Stein oder Holz, Schalen, Töpfe, Pfannen, Schmuck aus Gold und Silber aber auch aus einfacheren Legierungen, mit oder ohne Schmucksteine, Messer, Salben, Kräuter, ...

Cára wanderte wohl eine Stunde über den Platz und betrachtete gerade den einzigen Stand, der auch Waffen anbot, als sie auf das Gespräch der zwei Frauen neben ihr aufmerksam wurde.

„Meinst du nicht, dass es für Corin zu früh ist, den Umgang mit einer Waffe zu erlernen?“

„Ach Lu, ich halte es ja auch zu früh aber er ist fest entschlossen, den Platz seines Vaters einzunehmen und mich zu beschützen. Und ich muss gestehen, dass es mich tatsächlich beruhigen würde wenn ich wüsste, dass er sich selbst verteidigen kann!“

Die Frau, die zuletzt gesprochen hatte, war offensichtlich in Trauer, denn sie trug schwarze Kleider. Ihr Gesicht sah blass und traurig aus. Die Frau neben ihr trug ebenfalls Trauer, doch sie war der anderen Frau so unähnlich wie nur möglich. Wo die eine Frau klein und beinahe plump war, war die mit Lu angeredete groß und elegant. Nun sprach sie wieder.

„Hast du denn jemanden, der ihm Unterricht geben kann?“

„Ja, ein alter Wanderer. Er kommt von den Diazínja und hat sich bereit erklärt, eine Zeitlang bei uns zu bleiben, sobald wir seine Dienste in Anspruch nehmen wollen.
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„Kann er dir auch auf dem Hof helfen? Ich weiß, dass du es alleine nicht schaffen kannst, nicht ohne...“ Sie stockte und das Gesicht der anderen Frau wurde noch trauriger.

„Ich weiß. Der Alte kann mir wohl nicht helfen. Ich habe daran gedacht, einen Jungen als Lehrling zu mir zu nehmen, denn auch Berns wird langsam zu alt für die Arbeit.“

„Einen Lehrling? Aber macht das denn nicht noch mehr Arbeit? Denke bitte nicht, ich bin gefühllos, wenn ich das jetzt sage, immerhin war er mein Bruder. Aber ich denke, das beste für dich wäre, dir einen neuen Mann zu suchen.“

Doch die andere schüttelte nur den Kopf. „Das könnte ich nicht. Lucan kommt auch wieder nach Hause, um mir zu helfen. Aber ein anderer Mann auf dem Hof? Du weißt doch, was die Leute sagen würden.“

„Ja, ich weiß es.“ murmelte Lu bitter. „Ich wünschte, ich könnte dir helfen!“

„Das ist lieb von dir! Aber du hast mir schon soviel geholfen. Schon das du dafür gesorgt hast, dass mein Mann bei seiner Familie begraben werden konnte... Und ohne dich hätte ich die Zeit hier bestimmt nicht überstanden.“

„Ja, meine Familie kann manchmal recht störrisch und nachtragend sein.“

„Und wie du dich um Corin gekümmert hast...“

„Das war doch selbstverständlich! Aber lass uns nicht weiter darüber reden, sondern lieber ein schönes Schwert für Corin aussuchen.“ Und die zwei Frauen wandten sich wieder der Auslage auf dem Tisch zu.

Cáras Gedanken rasten. Die Frau suchte einen Lehrling für ihren Hof! Sollte sie es wagen, sie anzusprechen? Die Frau hatte unter ihrer Traurigkeit so freundlich gewirkt...

Noch während sie so mit sich rang kaufte die Frau ein kleineres Schwert und ging dann weiter. Schnell lief Cára hinterher und versuchte, sie in der Menge nicht aus den Augen zu verlieren. Dies war nicht schwer, da die Frauen sehr langsam gingen und immer wieder stehen blieben, um Waren zu begutachten. Langsam näherten sie sich dem Ende des Marktplatzes, bogen dann in eine breite Strasse ein und winkten dort einer eleganten Kutsche, die offensichtlich zu ihnen gehörte. Panik erfasste Cára, denn waren sie erst einmal mit der Kutsche unterwegs würde sie die Frauen nicht mehr einholen.
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So fasste sie sich ein Herz und lief schnell zu der Kutsche hin.

„Entschuldigen Sie.“ keuchte sie.

Die Frauen wandten sich zu ihr um. Die größere musterte sie misstrauisch, während die kleinere sie nur fragend anschaute.

„Ich habe... ich habe gehört Sie wollen vielleicht einen Lehrling auf ihren Hof aufnehmen. Ich würde sehr gerne... das heißt, wenn Sie wollen... Also ich würde sehr gerne für Sie arbeiten.“ stammelte Cára.

Die kleine Frau musterte sie neugierig. „Wie heißt du?“ wollte sie dann wissen.

Cára schluckte. Ein Name! Sie brauchte einen Namen! „Cáron“ murmelte sie.

„Und dein Familienname?“

„Ich komme aus dem Waisenhaus.“ Wenigstens das wahr nicht gelogen.

„Wie alt bist du?“ fragte die Frau. Wäre sie nicht so freundlich gewesen, hätte Cára sich wie bei einem Verhör gefühlt. So jedoch war sie in der Lage, wahrheitsgemäß zu antworten, sie sei ihres Wissens nach 13 Jahre alt sei. Die Frau nickte und Cára fragte sich, was das wohl bedeuten mochte. Die nächste Frage kam für sie völlig überraschend.

„Du bist weggelaufen, nicht? Keine Angst, ich kann dir das nicht verdenken.“ Sie lächelte leicht und meinte dann zu der anderen Frau: „Wenn du nichts dagegen hast, würde ich ihn gerne mitnehmen.“

„Wie du möchtest.“ nickte die andere und stieg in die Kutsche. Die freundliche Frau winkte Cára, ebenfalls einzusteigen.

Das Innere der Kutsche war luxuriös mit weichen Polstern ausgelegt und Cára dachte bei sich, dass die Besitzer bestimmt mindestens Min waren.

Als alle in der Kutsche saßen, fuhr diese los.

Die freundliche Frau lächelte wieder, diesmal jedoch etwas bitter, und meinte: „Vielleicht sollte ich mich erst einmal vorstellen und dir erzählen, wie deine Lehrlingsstelle aussehen wird, bevor du dich zu etwas entscheidest, was du später bereust.

Mein Name ist Kata Ryann te Miu, aber ich bin eine geborene ed Ssa.“

Eine ed! Dies stand für die Abstammung von den Edaín. Dies erklärte ihre kleine, gedrungene Gestalt, dachte Cára bei sich. Die Edaín waren aller eher klein und stämmig, ganz im Gegensatz zu den Diazínja, die groß und schlank waren.
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Die Thetsa dagegen waren meist weder groß noch klein, nicht gedrungen, höchstens durch ungesunden Lebenswandel verfettet, aber selten schlank.

Die Kata redete weiter. „Ich habe einen Adeligen der dritten Kaste geheiratet, was mich bei vielen Thetsa unbeliebt gemacht hat“

„Unter anderem sogar bei der Familie besagten Adeligen.“ warf die andere Frau ein.

„Außer bei seiner Schwester natürlich. Entschuldige, dass ich so unhöflich war! Cáron, dies ist Kata Lusar te Miu.“

Cára neigte höflich den Kopf, da sie sich in der Kutsche schlecht verbeugen konnte.

„Mein Mann,“ sie schluckte kurz, „war nicht interessiert am Leben in der Stadt und so kaufte er einen Hof weit draußen auf dem Land, an der Grenze zu Edaná und nur zwei Tagesritte entfernt vom Wald von Kudur. Wir empfingen zwei Söhne. Der Ältere heißt Lucan und ist zur Zeit noch in einer Schule, der jüngere heißt Corin. Vor etwa zwei Wochen verunglückte mein Mann bei einem Ritt zu einem anderen Hof. Wir haben ihn hier in Miuk bei seiner Familie beerdigt, darum bin ich mit Corin bei Lusar zu Besuch. Gerüchte besagen, mein Mann hätte mit den Krotu Handel getrieben, sie betrogen und wäre darum von ihnen getötet worden. Diese Gerüchte sind nicht wahr. Des weiteren sagen die Gerüchte, er hätte mich nur geheiratet, weil ich bereits schwanger war und mit einem Skandal drohte. Auch diese Gerüchte sind nicht wahr. Ich erzähle dir das, weil ich will, dass du genau weißt, was auf dich zukommt.“ All dies hatte sie mit einer Stimme bar jeglicher Emotion gesagt, doch Cára erkannte den unterdrückten Schmerz dahinter und spontan fasste sie nach der Hand der Frau.

„Ich gebe nichts auf Gerüchte, denn meist stecken Neid und Missgunst dahinter.“ erklärte sie. „Auch ich will ehrlich sein. Ich wurde aus dem Waisenhaus ausgelöst von einem Wirt aus Tium. Ein Jahr lang musste ich dort hart arbeiten, woran ich also nun gewöhnt bin. Ich lief weg, weil ich die Grausamkeit der Wirtsfamilie nicht ausgehalten habe. Doch ich möchte etwas aus meinem Leben machen und ein anständiges Handwerk erlernen. Darum wäre ich froh, wenn ich bei Ihnen auf dem Hof arbeiten dürfte.
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Kata Ryann te Miu blickte auf die schmale, große Hand in ihrer eigenen kleinen, kräftigen und schaute dann in Cáras Augen.

„Also gut. Auch bei mir musst du hart arbeiten und ich werde keine Unzuverlässigkeit und Faulheit dulden. Dafür verspreche ich die, dich alles über die Hofwirtschaft zu lehren, was ich selbst von meinen Eltern gelernt habe.“

Cáras Mund war so trocken, dass sie nur nicken konnte.

In diesem Moment hielt die Kutsche vor einem prächtigen, zweistöckigen Steinhaus, das hinter einigen Bäumen und einer langen, geschwungenen Auffahrt gut von der Straße abgeschirmt war.

Sie stiegen aus und schon öffnete sich die Haustür und ein grauhaariger Mann verbeugte sich ehrfurchtsvoll.

„Tété, dies ist Cáron. Gib ihm ein Zimmer und etwas zu essen. Sorge außerdem dafür, dass er sich hier zurecht findet.“ befahl Kata Lusar te Miu. Und an Cára gewandt fügte sie hinzu: „Dies ist Diz te Tété. Wenn du Fragen hast, kannst du dich an ihn wenden.“

Cára nickte dankbar und lächelte Tété zaghaft an. Zu ihrer großen Erleichterung erwiderte er das Lächeln.

Tété rief einen weiteren Diz, der sich um die Einkäufe der Frauen kümmern sollte, dann führte er Cára in ihr Zimmer unter dem Dach. Obwohl es nur das Zimmer eines Dienstboten war, schien es ihr doch luxuriöser als alles andere, das sie bisher gesehen hatte. Sie legte ihr kleines Bündel mit ihrem restlichen Fleisch und dem Geld auf einen Tisch am Fenster und folgte dem Diz dann wieder hinunter in die Küche. Dort wurde ihr ein großer Teller mit Suppe, Brot, Käse und Wasser vorgesetzt. Unter dem wohlwollenden Blick der Köchin schlang sie alles hungrig wie ein Wolf hinunter und freute sich, dass sie endlich wieder etwas anderes als getrocknetes Fleisch bekam.

„Da ist aber jemand hungrig!“ meinte die Köchin gutmütig. Cára nickte nur mit vollem Mund. Den Rest des Tages hatte sie zur freien Verfügung und so spazierte sie durch den Garten, der hinter dem Haus lag. Sie staunte über die Vielfalt an Blumen, die auf so einem kleinen Ort wuchs.

Als sie dann abends in Bett fiel, dauerte es lange, bis sie einschlief. Zu voll war ihr Geist mit den Eindrücken des Tages.
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Am nächsten Morgen schon, so war ihr gesagt worden, würden sie sich auf dem Weg zum Hof machen.



Der nächste Morgen fand das ganze Haus in hektischer Aufbruchstimmung. Cára lernte Corin kennen, der drei Jahre jünger als sie war. Er war ein ernster, verschlossener Junge, grüßte sie jedoch sehr freundlich und ohne eine Spur von Arroganz.

Nachdem sie eine Kutsche mit Einkäufen und Geschenken aller Art beladen hatten, setzten sie sich zu dritt in eine zweite Kutsche. Cára war sehr beeindruckt von diesem deutlichen Hinweis auf Luxus, doch nach einer Weile wünschte sie, sie wären in einem offenen Karren unterwegs. Im Inneren der Kutsche staute sich die Luft und es wurde immer heißer. Auch die geöffneten Fenster halfen nicht viel. Sie bewunderte, mit welcher Gelassenheit die Kata in ihren zahllosen Unterröcken die Hitze ertrug.

Um sich abzulenken schaute sie aus dem Fenster auf die wechselnde Landschaft, die jedoch dank der ungewöhnlichen Hitze weitestgehend aus toten Büschen und welkem Gras zu bestehen schien.

Als sie sich nach einer Weile wieder den Insassen der Kutsch zuwandte, war Corin eingeschlafen und die Kata in ein Buch vertieft. So wandte sie sich wieder der Landschaft zu und verfiel auch bald in einen dämmrigen Zustand.

Gegen Mittag hielten sie kurz am Wegrand an. Dankbar streckte Cára ihre steifen Glieder und half dann dem Kutscher dabei, einen kleinen Imbiss zu reichen. Und schon ging es weiter auf der staubigen Straße.

Erst gegen späten Abend erreichten sie ihr Nachtquartier in einer kleinen Stadt namens Losu. Nach einem kräftigen Abendessen, erlaubte die Kata ihr, noch ein wenig spazieren zu gehen. Und so genoss Cára ihre neue Freiheit und schlenderte durch die kleinen Gässchen. Die angenehm kühle Nachtluft erfrischte sie und sie sprach ein kurzes Dankgebet zu den Drachengöttern, allen voran Fridiana.

Nach einem guten Frühstück setzten sie sich wieder in die Kutsche und weiter ging die Fahrt an das andere Ende von Thetsa.

An diesem Tag unterhielten sie sich über Cáras bevorstehenden Aufgaben auf dem Hof und Ryann fragte sie vorsichtig nach ihrem bisherigen Leben aus. Es fiel Cára nicht weiter schwer, der freundlichen Frau zu vertrauen, dennoch erzählte sie ihr nur ausschnittsweise aus ihrem Leben, um sie nicht zu bekümmern.
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Einiges konnte sie auch nicht erzählen, ohne zu verraten, dass sie eigentlich ein Mädchen war, und das wagte sie dann doch nicht.

Corin hörte ihr schweigend zu und meinte dann: „An deiner Stelle wäre ich auch weggelaufen. Hattest du keine Angst?“

„Nunja, meine größte Angst war, die Wirtsleute könnten mich finden. Aber da der Mann eine große Angst vor Wasser hat, wusste ich, dass er viel langsamer wäre. Und Angst vor der Zukunft hatte ich kaum, denn schlimmer hätte es kaum werden können.“

„Meriana hält seine Flügel über die, die handeln.“ murmelte Corin darauf. Traurig blickte Ryann ihren Sohn an, der vor dem Tod seines Vaters meistens zu Fridiana und Lisiana gebetet hatte. Dass er nun zu Meriana betete, war ein Zeichen dafür, dass er vor seiner Zeit erwachsen geworden war. Seit dem Tod seines Vaters hatte er nicht mehr gelacht, dabei war er früher der denkbar fröhlichste und unbekümmertste Junge gewesen.



Diese Nacht verbrachten sie in einem einfachen Gasthaus des Dorfes Nadín. Wieder spazierte Cára abends durch die Straßen, diesmal aber begleitet von Corin.

“Nachdem wir den ganzen Tag in der Kutsche waren, tut es richtig gut wider zu laufen, nicht wahr?“ meinte er.

Cára stimmte ihm zu.

„Aber zum Glück wird es bald Regen geben. Das ist für die Felder auch dringend nötig, sonst wäre unsere ganze Ernte vertrocknet.“

„Woher weißt du, dass es bald regnet?“ fragte sie überrascht.

„Ich kann es riechen. Mutter und Lucan können es auch.“ Seinen Vater erwähnte er nicht.

„Und wie riecht der Regen?“

„Wie Regen eben. Man kann das nicht erklären. Aber die Luft verändert sich. Wenn es ein Gewitter wird, spürt man die drückende Stimmung der Natur und wenn es nur regnet, ist die Stimmung eher erwartungsvoll. Du wirst das sicher auch noch merken.“

„Ich hoffe es.“ murmelte Cára und sog prüfend und schnaubend die Luft ein, was Corin veranlasste, laut los zu lachen. Seine Mutter hätte sich über diesen Laut mehr als nur gefreut, hätte sie es mitbekommen!

Von ihm angesteckt, stimmte Cára in das Lachen ein und fragte sich dabei, wann sie zum letzten mal so glücklich gewesen war.
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Corin war für sie bereits jetzt wie ein Bruder und die Kata war so freundlich zu ihr, als würde sie tatsächlich zur Familie gehören.

Umso mehr schmerzte es sie, nicht die Wahrheit über ihr Geschlecht sagen zu können. Doch als Mädchen wäre sie auf dem Hof keinen Hilfe und noch immer war in ihrem Hinterkopf die Furcht, wieder fort zu müssen.



Der dritte Tag ihrer Reise begann wieder mit strahlendem Sonnenschein, doch gegen Mittag verdunkelte sich der Himmel und auf einmal prasselte der Regen auf die Kutsche hinab. Jetzt war Cára doch ganz froh, nicht in einem offenen Wagen unterwegs zu sein und sie beneidete keineswegs den Kutscher.

Die Landschaft konnte man hinter dem dichten, grauen Regenschleier nicht mehr erkennen, doch waren alle dankbar für die lebensbringende Feuchtigkeit. Nach der langen Hitzeperiode waren bereits viele Ernten eingegangen und die Farmer hatten befürchtet, auch die restlichen Ernten zu verlieren, wenn die Trockenheit noch länger andauerte.

Corin und seine Mutter unterhielten sich darüber und Cára hörte aufmerksam zu, begierig, alles zu lernen, was für ihr zukünftiges Leben auf dem Hof von Bedeutung wäre.
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Kommentare zur Story:

  Sehr tolle Geschichte, ich bin gespannt, wies weitergeht. :>  
Juria  -  12.10.06 22:36

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