Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten · Herbst/Halloween

Von:    doska      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 9. Oktober 2017
Bei Webstories eingestellt: 9. Oktober 2017
Anzahl gesehen: 229
Seiten: 3

„Mann, das ist ja was. Die ganze Nacht wachen. Klar fallen mir die Augen manchmal zu, aber ich habe ja noch meine Ohren. Die hören alles. Jedenfalls das meiste. Aber es ist schon ein verdammt harter Job, immer nachts auf Wache zu sein! Okay, am Tage schlafe ich dafür viel. Aber das ist eher ein Dämmerschlaf. Schon bei dem kleinsten Geräusch von draußen oder im Hausflur, werde ich wach und horche aufmerksam. Meistens naht niemand Gefährliches, aber heutzutage ist das nie so sicher. Sieht man denn jemandem an, ob der gute oder böse Absichten hegt? Ich habe schon viel Lob von meiner Chefin für meine Wachsamkeit eingeheimst.

Leider bin ich ein wenig in die Jahre gekommen, man sieht es, meine Barthaare sind ein wenig ergraut- steht mir aber- doch das Schlimmste ist, ich komme nicht mehr so richtig hinten hoch. Mein Kreuz, wissen Sie. Das schmerzt manchmal. Auch ansonsten wollen die alten Glieder nicht so recht.

Deshalb hat meine Chefin den Johann Erikson zu meiner Unterstützung eingestellt. Naja Erikson, ist ein ehemaliger Häftling, aber meine Chefin meint, er wäre zu Unrecht in Haft gewesen und selbst, wenn das nicht der Fall wäre, hätte er jetzt eine Chance, zu zeigen, dass er auf der Seite der Guten steht.

Manchmal frage ich mich, ob Erikson überhaupt für dieses Amt geeignet ist, denn er ist nicht so muskulös gebaut wie ich. Ich habe einen prächtigen Brustkorb, er nur schmale Schultern und lädt eher um die Hüften etwas aus. Auch ist er nicht so groß, wie ich, eigentlich mickrig. Sollte mich nicht wundern, wenn er eine Schwuchtel wäre. Ich meine, ich habe nichts gegen Schwuchteln, aber er kleidet sich immer derart albern, dass es mir manchmal richtig peinlich ist. Wissen Sie, er trägt immer ein grau- gelbliches Jackett mit einem goldgelben Hemd, passend zu seinem strohblonden Haar. So etwas Eitles! Und dann macht der immer ein Theater, wenn er jemanden Fremdes herannahen hört. Tja, er muss noch viel lernen, der Erikson. Aber neulich, das muss ich schon sagen, hat er mich positiv überrascht.

Also ich, naja, ich bin ein wenig eingedämmert, in einem Moment, wo ich eigentlich nicht hätte eindämmern sollen. Ich träumte gerade so schön, wissen Sie, von meiner Jugendliebe und sah mich im Traum, wie ich gerade Hanna über einer schönen Wiese hinterherjagte. Leider stolperte ich und fiel hin. Hanna war überhaupt nicht höhnisch. Sie blieb nur zunächst stehen, machte dann kehrt und beugte sich schließlich über mich.
Seite 1 von 3       
Sie kam mir immer näher mit ihrem hübschen Gesicht und genau in diesem Moment zwickte mich doch der freche Erikson einfach ins Ohr. Übrigens eine sehr unangenehme Art, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber das macht der immer. Schon rein aus Gewohnheit. Jaja, sowas entsteht, wenn man zu seinen Leuten zu nett ist, dann werden sie frech.

Das sagte ich ihm auch und gähnte und streckte mich, nur so ein bisschen, wegen der alten Knochen, aber Erikson hüpfte wild hin und her – Ach, er ist leider immer so kindisch! - und wies zur Tür. Wir schlichen uns Beide hin und was sahen wir da?

Zwei Männer mit schwarzen Masken vor dem Gesicht. Sie befanden sich gerade im Wohnzimmer unserer Chefin, die heute mal länger weggeblieben war und nahmen sich aus einem Schubfach, lauter unwichtiges Zeug, irgendwie Glitzersteine und blöde Glitzerketten und mehrere Bündel Papierscheine in blauer und hellbrauner Farbe und sie stopften all dies in einen Sack. Warum sie dabei so aufgeregt waren, war mir schleierhaft, denn das wirklich Wertvollste, die Büchsen mit dem schönen Hundefutter in der Küche interessierte sie nicht.

Da ich diese alberne Packerei der Beiden schrecklich langweilig fand, wäre ich beinahe wieder eingedämmert, aber Erikson flatterte zu mir hoch und zwickte mich abermals ins Ohr. Das fand ich nun wirklich zu ärgerlich. Ich bellte ihn zornig an. Irgendwann muss man sich einfach Respekt verschaffen, doch dieses plötzliche scharfe Bellen einer Riesendogge, veranlasste die beiden Männer dazu, lieber alles stehen und liegen zu lassen - zumal ich die Tür mit meiner Schnauze etwas weiter aufstieß, sodass sie mich in voller Größe sehen konnten. Sie nahmen schleunigst Reißaus und wieder den Weg durchs Fenster. Wobei sich der eine seine Hosen zerriss und der andere den Finger verletzte. Als unsere Chefin nach Hause kam, sah sie all die ausgekramten Sachen.

„Ach Arko“, meinte sie später und kraulte mich am Hals. „Ich bin ja so stolz, dass trotz deines beträchtlichen Alters verlass auf dich ist. Ich hoffe Erikson war dir dabei nicht zu lästig?“ Ich schüttelte den Kopf, eigentlich nur eine Fliege von meiner Schulter weg. „Wusste ich`s doch,“ erwiderte sie. „…dass du antworten kannst, du kluges Hundchen!“

Ich bekam eine Extraportion Fressen aus den wertvollen Büchsen und Erikson nicht nur den obligatorischen Hirsekolben in seinem Vogelkäfig.
Seite 2 von 3       
Er durfte zur Feier des Tages die Körner aus meinem Fressen herauspicken, nebenbei: die esse ich sowieso nicht so gerne. Bin ich denn ein Wellensittich?



Ende
Seite 3 von 3       
Punktestand der Geschichte:   115
Dir hat die Geschichte gefallen? Unterstütze diese Story auf Webstories:      Wozu?
  Weitere Optionen stehen dir hier als angemeldeter Benutzer zur Verfügung.
Ich möchte diese Geschichte auf anderen Netzwerken bekannt machen (Social Bookmark's):
      Was ist das alles?

Kommentare zur Story:

  Hallo ihr Beiden, vielen Dank für eure Kommentare.
Evi Apfel: Danke für Lob. Schön, dass sich diese kleine Geschichte zum vorlesen eignet.
Thomas Schwarz: Es freut mich sehr, dass ich dich überraschen konnte. Meine Tochter hat selbst einen Hund. Daher die Idee.  
   doska  -  17.10.17 12:58

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Völlig unerwartetes Ende deiner Geschichte -
Super Einfall!!!!!!!!!!  
   Thomas Schwarz  -  13.10.17 23:55

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

  Eine süße kleine Geschichte, die mich am Ende überrascht und mit einem Schmunzeln zurück gelassen hat. Rundum gelungen und sehr geeignet für große und kleine Leute zum Vorlesen!  
   Evi Apfel  -  10.10.17 12:32

   Zustimmungen: 0     Zustimmen

Stories finden

   Hörbücher  

   Stichworte suchen:

Freunde Online

Leider noch in Arbeit.

Hier siehst du demnächst, wenn Freunde von dir Online sind.

Interessante Kommentare

Kommentar von "Sim1" zu "Nach Hause kommen"

Darum geht es wohl, ums "nach Hause kommen", diese Sehnsucht, die uns unser ganzes Leben begleiten wird und die Frage, ob wir jemals zu Hause ankommen werden.

Zur Story  

Aktuell gelesen

  In Arbeit

Funktion zur Zeit noch inaktiv. Über ein Konzept zur sicheren und möglichst Bandbreite schonenden Speicherung von aktuell gelesenen Geschichten und Bewertungen, etc. machen die Entwickler sich zur Zeit noch Gedanken.

Tag Cloud

  In Arbeit

Funktion zur Zeit noch inaktiv. In der Tag Cloud wollen wir verschiedene Suchbegriffe, Kategorien und ähnliches vereinen, die euch dann direkt auf eine Geschichte Rubrik, etc. von Webstories weiterleiten.

Dein Webstories

Noch nicht registriert?

Jetzt Registrieren  

Webstories zu Gast

Du kannst unsere Profile bei Google+ und Facebook bewerten:

Letzte Kommentare

Kommentar von "Frank Bao Carter" zu "Einfach nur Gedanken"

Deine Art zu denken gefällt mir sehr.

Zur Story  

Letzte Forenbeiträge

Beitrag von "Redaktion" im Thread "Immer nur Weibel???"

auch wir machen diese ganze Sache, ohne dass wir irgendwie einen Nutzen davon haben. Genauso geht es den Schreibern hier. Sie haben einfach nur Spaß daran, anderen etwas mitzuteilen und da gibt ...

Zum Beitrag