Spannendes · Romane/Serien

Von:    Homo Faber      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 6. Juli 2014
Bei Webstories eingestellt: 6. Juli 2014
Anzahl gesehen: 1121
Kapitel: 0, Seiten: 0

Diese Story ist die Beschreibung und Inhaltsverzeichnis einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

Der Vorfall ließ Jan zwar nicht kalt, aber er hatte ihn auch nicht um den Schlaf gebracht. Bis halb zehn lag er morgens im Bett und stand schließlich auf, um zu duschen. Nachdem er sich für den Tag fertig gemacht hatte, beschloss er Daniela anzurufen und zu fragen, wie es ihr ging. Erst da bemerkte er, dass sowohl sein Handy und sein Festnetztelefon aus waren, in beiden Geräten waren die Akkus leer. Wahrscheinlich hatte Daniela ihn schon längst versucht anzurufen, sie stand meistens früher auf als er.

Während er die beiden Telefone aufladen ließ, ging er zum Bäcker, um sich etwas zum Frühstück zu holen. Als er zurückkam, sah er zwei Männer vor dem Haus, in dem er wohnte stehen. Einer von ihnen war etwa in seinem Alter und der andere war schon älter, Mitte 50 etwa. Sie klingelten gerade irgendwo und es sah sogar danach aus, als hätten sie seinen Klingelton betätigt. Wer waren diese Männer und was wollten sie von ihm? Wahrscheinlich irgendwelche Vertreter. Er ging langsamer. Aber irgendwie sahen sie nicht wie Vertreter aus, der Ältere, der einen Anzug trug vielleicht, aber der Jüngere, der Jeans, Turnschuhe und einen Kapuzenpulli unter seiner Jacke trug, absolut nicht. Nun sahen sie auch ihn und hielten ihre Blicke in seine Richtung. Sie schienen etwas von ihm zu wollen, aber was? Und woher wussten sie, dass er ER war. War das etwa die Polizei wegen gestern? Aber wie kamen sie auf ihm? Er überlegte, ob er die Straßenseite wechseln und so tun sollte, als wollte er woanders hin. Aber das würde ihm auch keine Ruhe lassen. Mit unbehaglichem Gefühl ging er auf die beiden zu, die sich ihm zuwandten. Der Ältere kam auf ihn zu.

„Guten Morgen“, sprach er. „Wohnen Sie hier?“

Jan bejahte.

„Wie ist ihr Name?“

„Jan Schulz.“

„Sehr gut, genau zu Ihnen wollen wir. Ich bin Hauptkommissar Manfred Burscheid von der Kriminalpolizei, Mordkommission.“ Der Mann zeigte seinen Ausweis und reichte Jan die Hand. „Das ist mein Assistent Kommissar Stemmer.“ Erschrocken erwiderte Jan den Handgruß. Tatsächlich. Aber wieso wollten sie zu ihm? Er war doch schon gar nicht mehr da gewesen, als die Polizei verständigt wurde. Wurde er etwa verdächtigt?

„Liegt gegen mich etwa was vor?“, fragte er.

„Es geht um den Mordfall von gestern Nacht, Ihre Bekannte Frau Schwarz hat Sie ja darüber schon informiert.
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Wir möchten Ihnen nur ein paar Fragen stellen. Reine Routine. Aber alles Weitere würden wir lieber mit Ihnen in unseren Räumlichkeiten besprechen. Macht es Ihnen etwas aus, mit uns zu kommen?“

„Nein, kein Problem“, antworte Jan, der sich aber alles andere als wohl dabei fühlte, als er schließlich mit den Herren in den Wagen stieg. Wenigstens war es ein ziviles Auto, es hätte noch gefehlt, wenn er mit einem Streifenwagen abgeholt worden wäre und seine Nachbarn es noch mitbekommen hätten.



Während der Fahrt äußerten die beiden Beamten sich nicht zu dem Mordfall, sondern unterhielten sich privat. Der Hauptkommissar erzählte dem anderen von einem Nobelrestaurant, das er besucht hatte. Der andere erzählte darauf immer, dass er dort auch unbedingt mal hingehen müsse. Jan ging davon aus, dass sie ihm auch erst in ihren Räumlichkeiten Näheres sagen wollten und sparte sich zu fragen, was sie von ihm wissen wollten. Vermutlich war es auch eine Taktik der Polizei, ihn auf die Folter zu spannen, weshalb sie dieses Privatgespräch führten. Die Unterhaltung über dieses 4 oder 5-Sterne-Restaurant wirkte jedenfalls sehr künstlich, vor allem das Interesse des jüngeren Beamten. Der Ältere war schon der Typ, der in solche Arts von Restaurants ging, aber der Jüngere sah absolut nicht danach aus. Das war eher so einer, der in Pizzerias ging und zu Hause aus der Tiefkühltruhe lebte. Als wenn der irgendetwas von Essen verstand. Jan war sich sicher, die Unterhaltung war abgesprochen, um ihn schmoren zu lassen. So etwas kannte er schon aus Fernsehkrimis.



„Setzen Sie sich“, forderte ihn der Assistent auf und deutete auf einen Stuhl. Jan nahm dort Platz, der Kommissar setzte sich gegenüber hin. Der Hauptkommissar blieb stehen.

„Wir wissen von Ihrer Bekannten, Daniela Schwarz, dass Sie gestern mit ihr im Zakk waren. Sie hat Sie gestern kurz nach der Tat angerufen und Sie waren schon weg. Wo waren Sie zur Tatzeit?“, begann Maurice mit dem Verhör.

„Da mich Frau Schwarz kurz danach angerufen hat und ich da schon in der Straßenbahn saß, stand ich wahrscheinlich gerade an der Straßenbahnhaltestelle.“

„Oder vielleicht doch noch in der Disco?“

„Wohl kaum, dann hätte ich ja was mitbekommen.
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„Und haben Sie?“

„Nein, was soll diese Frage denn jetzt?“

„Warum sind Sie eigentlich schon eher gegangen?“

„Ist das verboten?“

„Warum, habe ich gefragt?“

„Weil ich mich gelangweilt habe.“

„Weil sie sich gelangweilt haben. Sagen Sie, wie ist eigentlich ihr Verhältnis zu Frau Schwarz?“

„Sehr gut. Wir sind gute Freunde und wir sehen uns mehrmals in der Woche und unternehmen viel miteinander.“

„Gute Freunde also, man könnte sagen, sie ist Ihre beste Freundin?“

„Ja, ganz genau.“

„Lief schon mal was zwischen Ihnen?“

„Nein!“

„Schon mal das Verlangen gehabt?“

„Nein!“, antwortete Jan noch bestimmter.

„Also nur ganz normale Freunde. Und es kann also nicht sein, dass Sie sich heimlich wünschen, dass doch mal mehr daraus wird?“

„Nein, das kann nicht sein. Vielleicht will sie ja mehr, aber ich definitiv nicht!“

„Immerhin scheint sie ja sehr gut bei Männern anzukommen, was Sie wohl, wie sie uns erzählt hat, oft mitbekommen haben.“

„Ja und? Deshalb muss ich ja nicht eifersüchtig sein.“

„Und warum sind Sie dann gegangen?“

„Ich bin halt gegangen, ist doch meine Sache“, rief Jan nun etwas lauter aus.

„Jetzt hör mal zu, du Arschloch“, sprach der Ermittler, der inzwischen aufgestanden war, aggressiv auf ihn ein und kam auf ihn zu. „Versuch nicht uns für dumm zu verkaufen. Du hast die Schnauze voll gehabt, dass du niemals bei ihr zum Zug kommst, aber jeder andere ran darf.“

„Maurice, beherrsch dich“, mischte Hauptkommissar Burscheidt sich ein.

„Absoluter Blödsinn. Ich lass mich doch nicht von so einem wie Sie beschuldigen und nicht so mit mir reden. Gewöhnen Sie sich mal einen anderen Ton an, ich bin kein Vollidiot“, wehrte Mark sich wutentbrannt. „Da müssen Sie schon früher aufstehen, wenn Sie mich schon für blöd verkaufen wollen.“

Das reichte Maurice Stemmer wohl. Mit einer Blitzbewegung ging er auf Jan zu und packte ihn am Jackenkragen. Es sah so aus, als wollte er ihn eine knallen.

„Heyheyheyhey. Das geht jetzt aber so weit“, schaltete der Chef sich wieder ein.
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Doch der Assistent reagierte nicht.

„Lass dich nicht aufhalten“, sagte Jan zu ihm. „Arschloch!“

Das brachte das Fass zum Überlaufen. Maurice Stemmer riss ihn schließlich vom Stuhl hoch.

„Also Maurice“, ging Manfred Burscheid dazwischen. „Nun ist aber endgültig Schluss. Lass ihn los. Wir sind doch nicht mehr in der Grundschule.“

Maurice sah Jan noch einen Augenblick in die Augen. Jan blieb ruhig.

„MAURICE“, Burscheid wieder. Schließlich ließ Maurice los.

„Ich glaub, ich mach hier erst mal weiter“, kündigte Burscheid an. „Trink dir mal einen Melissentee, damit du mal ruhiger wirst.“

Schweigend setzte sich Maurice wieder hin.

„Du kannst den Raum verlassen, der Tee wird nicht zu dir kommen.“

Maurice zuckte mit den Schultern und verließ schweigend den Raum.

„Sie haben ja echt nette Kollegen“, meinte Jan zu Burscheid, als Maurice das Zimmer verlassen hatte.

„Da kann ich mich nur entschuldigen. Eigentlich ist er nicht so, aber seit gestern ist er ziemlich übel gelaunt. Möchten Sie vielleicht einen Kaffee?“

„Wenn schon welcher gekocht ist, gerne, ansonsten muss für mich nicht extra einer aufgesetzt werden.“

„Hier gibt es immer frisch gekochten Kaffee. Ich hole uns einen.“ Burscheid verließ das Zimmer und kam eine Minute später mit zwei Tassen zurück. Jan bedankte sich.

„Keine Ursache. Kommen wir zurück auf gestern Abend zu sprechen. Erzählen Sie am besten einfach mal, wie es genau abgelaufen ist, bis Sie gegangen sind.“

„Nun, Daniela, also Frau Schwarz wollte unbedingt, dass ich mit zur 90er Party komme. Ich hatte keine Lust, weil sie oft jemand kennen lernt und dann den ganzen Abend mit ihm beschäftigt ist und ich dumm rum stehe. Ich frage mich dann jedes Mal, warum ich überhaupt mitkommen soll. Das habe ich ihr auch gesagt. Aber sie wollte mich trotzdem dabei haben, da ich viel öfter mal ausgehen solle. Ich solle dann selbst einfach mal eine Frau ansprechen. Ich habe ihr gesagt, dass sie weiß, dass ich nicht so gut auf Menschen zugehen kann wie sie. Dann hat sie von der Musik so geschwärmt, dass ich mich schließlich doch überreden lassen habe.
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Um kurz nach 22 Uhr habe ich dann die Bahn genommen, wo ich mich mit ihr getroffen habe. Kurz nachdem wir dort ankamen, wollte sie sich eine Cola holen. Irgendwie kam sie nicht zurück, zehn Minuten habe ich etwa gewartet, dann habe ich mal nachgesehen, wo sie bleibt. Und da stand sie mit einem Mann. Ich war natürlich sauer, nicht weil ich eifersüchtig war, sondern einfach deshalb, weil ich wusste, dass ich nun wieder überflüssig war. Ich wollte mir dann an einer anderen Theke ein Bier holen, in dem Moment kam Daniela zurück zu mir und hat mir von dem Typ erzählt, worauf ich ihr gesagt habe, dass ich es schon mitbekommen habe. Sie fragte, ob ich sauer sei, ich sagte dann wieder, dass ich nicht weiß, warum ich mit sollte. Sie zeigte mir dann eine hübsche Frau, die ich einfach mal ansprechen soll, da sie dort alleine stand. Ich erklärte dann, dass sie mit ihrem Freund hier war, der aber gerade nur nicht bei ihr stand. Da sagte sie, ich soll einfach ein wenig die Musik genießen und dass sie immer zwischendurch mal nach mir sehen wolle.

Ich habe mir dann ein Bier geholt, auch versucht, ein wenig zu tanzen, aber es war mir einfach zu langweilig. Da bin ich einfach gegangen. Als ich dann in der Straßenbahn saß, rief Daniela mich an und fragte, wo ich sei, worauf ich erklärt habe, dass ich gegangen sei, ihr eigentlich bescheid sagen wollte, sie aber nicht mehr gesehen hätte. Ich gebe zu, das war gelogen, ich habe in Wirklichkeit nicht mehr nach ihr gesucht. Dann hat sie mir erzählt, was passiert ist. Ich bat sie daraufhin, einmal durchklingeln zu lassen, wenn sie zu Hause ist. Als ich zu Hause war und geduscht hatte, sah ich, dass sie angerufen hatte und war beruhigt, dass sie zu Hause war. Ich habe dann noch etwas Musik über Kopfhörer gehört, später sah ich, dass sie noch mal angerufen hatte, ich habe aber nicht noch einmal zurück gerufen, weil ich nicht wusste, ob sie inzwischen schon im Bett lag. Und heute morgen sah ich, dass der Akku des Handys und der meines Festnetzes leer waren. Ich habe beides angeschlossen und bin erst mal zum Bäcker gegangen, als ich zurückkam standen Sie und ihr Kollege dann vor meiner Tür.“

„Ihre Freundin hat uns erzählt, dass sie Sie nicht erreichen konnte, sie wollte Sie anrufen und Ihnen ausrichten, dass Sie bitte hier erscheinen sollen.“

„Glaubt Sie, dass ich es war? Hat sie etwas gesagt?“

„Sie ist davon überzeugt, dass sie unschuldig sind und traut Ihnen diese Tat nicht zu.
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„Ich war es wirklich nicht, das müssen Sie mir glauben.“

„Das mag sein, aber wir müssen es trotzdem überprüfen. Hat Sie irgendjemand gesehen, als sie raus gegangen sind, der sich vielleicht noch erinnern kann? Haben Sie vielleicht mit jemand gesprochen?“

„Nein, leider nicht. Der Türsteher war gerade nicht da, als ich ging. Die Kassiererin war zwar da, als ich ging, sie hat aber nicht in meine Richtung geguckt.“

„Woher kennen Sie Frau Schwarz?“

„Wir haben uns vor einigen Jahren in einem Spanischkurs kennen gelernt.“

„Was machen Sie beruflich?“

„Ich bin Berufsschullehrer und unterrichte BWL und Rechnungswesen.“ Jan gab Hauptkommissar Burscheid Name und Adresse der Schule.

„Waren Sie eigentlich bei der Bundeswehr?“, fragte Burscheid.

„Nein, ich habe Zivildienst gemacht. Beim DRK. Ich könnte überhaupt gar nicht mit einer Waffe umgehen.“

„Ok, das war es erstmal. Sie können nach Hause gehen. Wenn Ihnen noch irgendetwas einfallen sollte, melden Sie sich bitte.“

Jan nahm die Karte, die Burscheid ihm gab und verabschiedete sich.
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