Mein Weg zum akademischen Versager - Teil 7   47

Erinnerungen · Romane/Serien

Von:    Homo Faber      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 16. Februar 2013
Bei Webstories eingestellt: 16. Februar 2013
Anzahl gesehen: 1132
Seiten: 3

Diesmal störte es mich auch nicht, dass ich dort wieder für eine längere Zeit aushelfen musste. Ganz im Gegenteil, ich hoffte, dass ich dort so lange bleiben musste, dass ich nicht mehr zurück in den Vertrieb musste. Aber leider reichte mein Glück nicht ganz. Etwas über zwei Wochen, bevor meine vorgesehene Zeit dort änderte, klingelte das Telefon in der Postabteilung. Mein Kollege ging dran. Ich dachte an nichts Böses.

„Okay, sag ich ihm“, hörte ich ihn noch sagen. Ich konnte mir zwar denken, dass es um mich ging, aber ich rechnete eher damit, dass ich irgendwo etwas abholen sollte.

„Du möchtest wieder zurück in deine Abteilung gehen“, sagte er dann stattdessen zu mir. Ich spürte, wie ich vor Schreck plötzlich kreidebleich wurde, das konnte doch nur ein Albtraum sein.

„Das ist doch jetzt ein Scherz?“, fragte ich nach, obwohl ich nicht glaubte, dass es tatsächlich einer war.

„Nein, Herr Rahneberg hat gerade angerufen und gesagt, dass ich es dir ausrichten soll. Er hat einen anderen Kollegen gefunden, der hier aushelfen wird.“

„Ach Mensch, ich hab keinen Bock, da wieder hin zu gehen.“ Das konnte echt nicht wahr sein, auch wenn es sich nur noch um zwei Wochen und eineinhalb Tage handelte, die ich dann dort bleiben musste, war es für mich ein echter Horror. Bei der Braun war jede einzelne Stunde eine Strafe.



„Ach schön, dass Sie wieder hier sind“, meinte sie zu mir, als ich das Büro betrat. „Hier sind ein paar Bestellungen, da können Sie gleich die Auftragsbestätigungen zu erstellen.“

Mürrisch setzte ich mich an meinen Rechner, der sich zum Glück nicht in ihrem Büro befand. Der Vorteil war, dass sie mir einen ganzen Stapel mitgegeben hatte, so dass ich damit den ganzen Tag über beschäftigt war und sie mich hoffentlich in Ruhe lassen würde. Dummerweise konnte ich mich nur nicht mehr genau daran erinnern, wie eine Auftragsbestätigung im System erstellt wurde, da ich ja nun drei Wochen gefehlt hatte. Natürlich hatte ich mir die einzelnen Arbeitsschritte notiert, allerdings befanden sich meine Mitschriften zu Hause, ich wusste ja nicht, dass ich heute wieder hier arbeitete. Die Braun wollte ich nicht fragen, die würde mich nur wieder mit dummen Sprüchen fertig machen. So wandte ich mich an Herrn Baum, einem Mitarbeiter aus der anderen Vertriebsabteilung, die ich vorher schon durchlaufen war.
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Der Vertrieb in unserer Firma war in zwei Abteilungen aufgeteilt.

„Warum wenden Sie sich denn damit an mich?“, fragte Herr Baum. Ich gab offen zu, dass ich keine Lust hatte, mir dumme Sprüche von der Braun anzuhören.

„Eigentlich müsste ich Ihnen das ja nicht mehr erklären“, meinte er dann. „Aber bleiben Sie hier, ich mache es Ihnen noch mal vor.“ So zeigte er es mir noch einmal und ich notierte es mir. Ich bedankte mich und bat ihm, es für sich zu behalten, dass ich ihn gefragt hatte. Er sagte, dass er es tun werde.

Tat er aber nicht, am nächsten Tag fragte mich die Braun, warum ich sie denn nicht gefragt hätte, wenn ich Probleme hatte.

„Wie gut, dass hier alles gepetzt wird. Es ist tatsächlich wie die Bildzeitung hier“, reagierte ich verärgert.

„Ja, aber wieso sind Sie nicht zu uns gekommen?“

„Weil ich keine Lust hatte, mir wieder irgendwelche Kommentare anzuhören, die ich mir schon, seit ich hier bin, anhöre“.

„Sagen Sie mal, was denken Sie sich eigentlich dabei, sich so aufzuführen?“

„Die Frage ist, was Sie sich denken. Ich werde mich auch bei meinem Ausbilder und beim Betriebsrat beschweren. Normalerweise hätte ich es schon getan, aber es hatte dummerweise keiner Zeit. Ich werde es aber noch nachholen.“

„Na, dann tun Sie es, wenn Sie meinen, dass es Ihnen weiter hilft“, meinte sie nur und ging. Ob ich sie verunsichert hatte oder ob sie immer noch überzeugt war, dass sie alles richtig machte, konnte ich nicht erkennen. Es war mir aber auch egal, Hauptsache, ich hatte meine Ruhe vor ihr.



Am Morgen meines letzten Tages in dieser Abteilung traf ich morgens Monika, meine Azubikollegin.

„Bringst du dort keinen Kuchen mit?“, fragte sie.

„Kuchen? Ich bringe denen doch keinen Kuchen mit.“

„Warum denn das nicht? Die sind doch supernett da in der Abteilung.“

„Vielleicht zu dir, zu mir nicht. Und ich bin froh, dass dort heute mein letzter Tag ist.“

Monika war richtig begeistert von den Leuten dort, sie war mit der Braun sogar per Du.



Ich freute mich immer mehr auf das Ende der Ausbildung. Ich fühlte mich in der Firma einfach nicht mehr wohl, außerdem hatte ich auch keine Lust mehr, auf dieses nervige Berichtsheft schreiben, von dem ich schon langsam nicht mehr wusste, was ich dort herein schreiben sollte, zumal unser Ausbildungsleiter mit nichts zufrieden war, was wir dort eintrugen.
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Wenn ich darüber nachdachte, dass ich die ganze Zeit darauf wartete, dass ich die Ausbildung endlich hinter mir hatte, so war es doch die reinste Lebensverschwendung. Ich konnte die Zeit nicht genießen, weil ich nur darauf wartete, dass sie vorüber ging. Sollte das der Sinn des Lebens sein? Das Leben konnte doch nicht nur aus Warten bestehen. Und das Problem, das blieb, war die Abschlussprüfung. Diese konnte ich nicht durch Warten hinter mich bringen, sondern ich musste sie erst einmal bestehen. Und davor graute es mir, ich war kein Prüfungsmensch, ich war es noch nie gewesen, seit der Schulzeit litt ich unter einer Prüfungsangst. Das Schwierige an der Sache war, dass die schriftliche Prüfung nicht aus offenen Fragen bestand, sondern aus Multiple Choice Aufgaben. Wir übten in der Berufsschule regelmäßig Aufgaben aus vergangenen Prüfungen und bei manchen Fragen passten auf dem ersten Blick mehrere Lösungen, obwohl nur eine richtig war. Man musste also auf winzige Details in den Fragen achten, oft war es gar nicht so einfach, diese zu finden.
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