Gone with the death? – Teil 21 HINTER DEN GITTERN   101

Romane/Serien · Nachdenkliches · Fan-Fiction/Rollenspiele

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 29. November 2011
Bei Webstories eingestellt: 29. November 2011
Anzahl gesehen: 1547
Seiten: 9

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Buffy saß in ihrer Zelle und grübelte krampfhaft darüber nach, was eigentlich passiert war. Aber sie konnte sich einfach an nichts mehr erinnern.



Diese verdammten zehn Minuten, vielleicht die wichtigsten zehn Minuten ihres Lebens waren aus ihrem Gedächtnis getilgt, als hätte man ein Videoband geschnitten und den Abfall weggeschmissen. Nein, das war so nicht richtig, ihr Gedächtnisverlust war eher wie eine nicht aufgenommene Filmszene. Nur dass in ihrem Fall der Abfall oder die nicht aufgenommene Szene alles enthielt, was für ihr Weiterleben wichtig war. Möglicherweise sogar für ihr Überleben. Sie wollte diesen Gedanken nicht weiterverfolgen, er war zu entsetzlich. Als Jägerin zu sterben, das konnte immer passieren, und das war okay, – aber nicht durch den elektrischen Stuhl, davor hatte sie natürlich Angst, denn der Stuhl war ein wahres Folterinstrument, manchmal dauerte es minutenlang, bis der Verurteilte...

Aber das war nicht das Schlimmste, sie ächzte auf, denn sie empfand zum erstenmal in ihrem Leben richtige Furcht. Diese Furcht hatte nichts mit dem Stuhl zu tun, nichts mit den Qualen, die er einem vielleicht verschaffte, nichts mit dem Todeskampf. Nein, ihre Furcht bezog sich auf etwas anderes. Was würde mit ihrer kleinen Tochter geschehen, wenn sie, Buffy nicht mehr da war? Sie hatte doch niemanden mehr, ihren Vater hatte sie seit Jahren nicht mehr gesehen, sonst gab es keine anderen Verwandten außer Dawn, und die war zu jung. Was würde mit Morgan geschehen? Sie blickte wie versteinert vor sich hin.

In diesem Augenblick betrat die Wärterin ihre enge Zelle. „Sie haben Besuch“, sagte sie aufmunternd, und Buffy folgte ihr in den Besucherraum. Welch schöne Bezeichnung: Besucherraum... Das klang so heimelig, so vertraut, aber in Wirklichkeit handelte es sich nur um eine weitere kleine Zelle mit einem Gitter, hinter dem sich Hoffnung und Freiheit befanden. Und neben ihr würden andere Gefangene sitzen und durch das Gitter starren und auf bestimmte Menschen warten, die hinter dem Gitter erscheinen würden. Geliebte Menschen, vertraute Menschen...

Buffy wunderte sich, wer sie wohl besuchen kam. Alle, die sie mochten, waren doch schon da gewesen, Dawn, Willow, Xander, der extra aus Chicago gekommen war – und sogar Faith und Robin. Aber mittlerweile hatten sie wohl die Hoffnung auf Rettung aufgegeben, denn seit ein paar Tagen war keiner von ihnen hier erschienen.
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Nur Dawn kam noch, sie fuhr die zehn Meilen von Woodcape nach Cleveland mit dem Bus.



Einen winzigen Augenblick lang hegte sie den irrwitzigen Wunsch, es wäre Spike. Quatsch! vollkommener Quatsch! Ausgerechnet Spike, der sie unbedingt loswerden wollte nach der Nacht im Hotel. Welch eine Nacht, sie biss sich auf die Lippen und trottete langsam und in Gedanken versunken hinter der Wärterin her.

Aber vielleicht war er ja doch gekommen. Zögernd betrat sie die Besucherzelle, um vor dem Gitter Platz zu nehmen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, so sagte man ja...



Eine hohe Gestalt erschien hinter dem Gitter. Das war doch nicht... Doch, es war Angel! Ach Angel, ihre große Liebe Angel! Wenigstens er hatte an sie gedacht.

Aber warum fühlte sie nicht so glücklich, wie sie es hätte sein müssen? Es war doch Angel, der hinter dem Gitter saß. Sein geliebtes Gesicht beruhigte sie, und ihre Stimmung hob sich ein wenig. Dennoch fehlte ihr etwas. Und wieder musste sie an Spike denken. Warum kam er nicht? Sie brauchte ihn, er fehlte ihr so sehr, dass es förmlich schmerzte.

Angel also. Wer hätte jemals gedacht, dass er eines Tages nur die zweite Wahl für sie sein würde. Natürlich freute sie sich unheimlich über sein Kommen. Er schien ihr so vertraut, aber ihr Verhältnis hatte sich geändert - wie sie bei sich feststellte - mittlerweile war er nur noch der Vertraute ihrer Vergangenheit, ihrer Kindheit. Ein Mädchen, sechzehn Jahre alt, fast noch ein Kind, und dann überstürmt von der ersten großen Liebe. Einer überwältigend großen ersten Liebe, die lange Zeit überdauert hatte. Jede noch so schlimme Krise wurde irgendwie gemeistert, jede noch so grausame Tat des Geliebten hatte sie ihm verziehen. Ach Angel...



Blöderweise braucht auch eine so überwältigend große Liebe einen Nährboden, braucht die körperliche Nähe der Liebenden, sonst trocknet sie einfach aus. Vielleicht war die Entfernung von Sunnydale zu Los Angeles zu groß, sie führten beide ein neues Leben, in dem der andere keinen Platz mehr hatte.

Aber dennoch liebten sie sich lange Zeit, es war eine süße, qualvolle und vor allem unerfüllbare Liebe.
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Doch irgendwann hatte sie aufgehört wehzutun. Wann war das? Als sie mit Spike die Affäre begann?

Vorher hatte Angel sie nie richtig losgelassen, immer war er in ihren Gedanken, beeinflusste sogar ihre Beziehungen, zum Beispiel bei Riley, dem er viel Abneigung entgegenbrachte. Und irgendwie hatte seine Abneigung sie dazu bewogen, Riley fortzuschicken. Das wurde ihr in diesem Augenblick klar. Angel hielt Riley für unwürdig, Angel hielt natürlich auch Spike für unwürdig, der war ihm im Vergleich zu Riley bestimmt noch viel unwürdiger erschienen...

Ach Angel... Wäre es anders gekommen, wenn du geblieben wärst, auf die keusche Art, die dein Fluch nun mal einforderte? Ja, könnte sein... Aber es lief eben anders, es verlief im Sande, nein, in einem Treibsand, in dem sie versank und in dem sie unfähig verharrte, unfähig Liebe zu schätzen, die ihr entgegengebracht wurde, unfähig Liebe zu erkennen, die sie selber empfand.

Blablabala... Buffys Gedanken verschwammen, sie war noch nie ein großer Theoretiker gewesen. Das hatte sie mit Spike gemeinsam. Ach Spike, warum musste sie nur immer an ihn denken? An einen, der sie nicht wollte. Ob er sich wohl um seine Tochter kümmern würde, wenn sie nicht mehr da war? Quatsch, er wusste ja gar nichts von Morgan... War es ein Fehler gewesen, ihm nichts von ihr zu sagen? Sie hatte sich so furchtbar gefühlt, als die hochschwangere Lilah ihr die Tür öffnete. Und sie war sofort abgehauen, ohne Spike die Chance zu geben, je von seiner Tochter zu erfahren. Fehler, großer Fehler! Tja, im nachhinein ist man immer schlauer...

Automatisch nahm sie vor dem Gitter Platz.

„Wie geht es dir?“, Angel riss sie aus ihren Gedanken.

„Den Umständen entsprechend“, sagte sie und guckte an ihm vorbei, weil hinter ihm noch jemand den Raum betreten hatte.



Er war es! Er stand hinten an der Tür und schaute sie verlegen an. Seine jetzt dunkleren Haare waren zerzaust, er trug eine dicke Jacke und einen schwarzen Rollkragenpullover, er sah älter aus als früher, aber es stand ihm. Wie ihm alles stand...

Sie spürte, wie ihr Röte ins Gesicht schoss. „Spike“, murmelte sie vor sich hin.

Angel guckte ein wenig betreten. Er hatte sich einen netteren Empfang für sich vorgestellt, nun denn, er war wohl abgemeldet.
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Aber das hielt er für zweitrangig, denn sie waren schließlich da, um sie hier rauszuholen.



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Spike hatte Angel gebeten mitzukommen – und bei dem natürlich offene Türen eingerannt. Sie konnten vorher schwer einschätzen, wie lange die Fahrt nach Cleveland dauern würde. Angel hatte eine Aversion gegen Flugreisen und Flughäfen. Schlechtes Wetter und Streiks konnten möglich sein und ihn im ungünstigsten Fall zu Asche verbrennen. Als Alternative bot sich nur an, mit dem Van zu fahren.



Aber das war nicht das einzige Problem. Spike entschloss sich nach langem Nachdenken, seinen Sohn Gwydion mitzunehmen, er wagte es nicht, ihn in L.A. zu lassen, obwohl er im Hotel Hyperion relativ sicher war bei Gunn, Cordelia und Wesley. Spike musste das wissen, denn er hatte die letzten drei Wochen dort gewohnt. Aber es war nur eine relative Sicherheit. Falls irgend etwas von W&H überlebt hatte, wäre es zu gefährlich, Gwydion hier zurückzulassen.

Gwydion war jetzt fast ein halbes Jahr alt, er war trotz seiner Zartheit ein zähes Kerlchen und würde die zweitagelange Fahrt durch die Vereinigten Staaten aushalten. Es handelte sich ja nur um schlappe zweitausend Meilen... Um ganz sicher zu gehen, bat Spike seinen Freund Snikkers, mitzufahren, denn drei Männer waren besser als zwei. Snikkers sagte natürlich zu, er freute sich, Spike diesen Gefallen tun zu können.

Ab und zu mussten sie natürlich Pausen einlegen, nicht um auszuruhen, nein, schlafen konnte man während einer der anderen fuhr – Angel fuhr natürlich in der Nacht, dem Himmel sei Dank waren die Dezembernächte lang – aber Gwydion musste alle paar Stunden versorgt werden mit warmer Nahrung und frischen Windeln. So gesehen waren drei Leute optimal. Einer konnte sich immer mit dem Baby beschäftigen, wenn das Baby Langeweile hatte, und der Van, dessen Scheiben hinten verdunkelt waren, bot in dieser Situation Platz und Schutz für alle, sei es für Baby Gwydion, für seine jeweiligen Sitter, für schlafende Vampire oder für schlafende Menschen.



Sie brauchten vierundvierzig Stunden, also keine zwei Tage, um Woodcape zu erreichten.



Willow, die allein im Haus war, zeigte sich ziemlich verwundert.
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Vermutlich war es der ungewohnte Anblick von Angel und Spike zusammen, der sie etwas zusammenzucken ließ. Die beiden galten ja eigentlich als Erzfeinde... Der nette Snikkers, den sie nicht kannte, schien aber mit beiden gut klarzukommen und wurde freundlich von ihr aufgenommen.

Willow bot sich an, Gwydion zu füttern, zu baden und danach mit einer neuen Windel zu versehen. Baby Gwydion war wie immer unwiderstehlich.

Spike warf Willow einen skeptischen Blick zu, denn woher sollte die sich mit Babys auskennen. Aber dann nahm er ihr Angebot doch dankend an, denn Angel und er hatten es eilig, Buffy zu besuchen.



Willow zeigte ihnen also kurz das Gästezimmer, das sich im Keller befand. Danach führte sie beide in Buffys Zimmer, das zur Zeit natürlich unbewohnt war. Nach kurzem Zögern fragte sie Angel, ob er dort wohnen wolle.

Nach unmerklichem Zögern verneinte Angel, er behauptete, er wolle lieber in den Keller ziehen, das Sonnenlicht wäre manchmal zu grell für ihn.



Also brachte Spike seine Tasche in das Zimmer – mit einem seltsamen Gefühl, denn das war das erste Mal, dass er in Buffys Zimmer schlief, wenn auch aus anderen Gründen, als er sich das jemals gewünscht hatte.

Das Zimmer sah etwas steril aus, es war kein Kleinmädchenzimmer mehr, aber es hatte noch keinen eigenen Stil.

Sie muss noch viel lernen, dachte Spike.

Das Bett duftete nach ihr, aber er konnte nicht mehr so gut riechen wie früher, und deswegen war der Duft stark abgeschwächt.

An der Wand hingen Bilder von Dawn und einem Kleinkind, es sah aus wie ein Mädchen. Niedliches Ding!

Auf einem Sessel lag, das wunderte ihn am meisten, die DVD von THE BIG BAD THING. Wieder musste er an die Nacht denken, als sie zu ihm ins Hotel gekommen war. Es hätte nicht sein dürfen...



Aber das war nun egal, Angel und er wurden sie aus dem Gefängnis holen, koste es was es wolle!



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„Du bist gekommen“, sagte Buffy leise, als er näher kam. Spike fühlte sich ein wenig verlegen, aber das kriegte er schnell in den Griff.

„Kein Problem“, sagte er und lächelte bei diesen Worten.
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Sie trug eine graublaue Jacke – wahrscheinlich Gefängniskleidung – die ihr absolut nicht stand. Ihre frühere Kindlichkeit war ganz verschwunden. diese Süße, mit der sie Männern und Vampiren, wie Spike mit leichter Verbitterung dachte, den Kopf verdreht hatte, war einem neuen Aussehen gewichen. Sie sah, automatisch kam es ihm in den Sinn ... mütterlich aus? Quatsch, das war blödes Zeug, sie sah nur weicher aus als früher.

„Buffy, du musst uns genau erzählen, was passiert ist“, unterbrach Angel diese ‚innige’ Begrüßung zwischen den beiden. Angel fühlte sich ziemlich an den Rand des Geschehens gedrängt, ein bisher unbekanntes Gefühl für ihn.

Buffy riss sich von Spikes Anblick los. „Ich kann euch wirklich nichts sagen. Der Polizeibericht ist aufschlussreicher als alles, was ich weiß. Ich kann mich an nichts mehr erinnern. Es ist alles weg, nein, es war ja nie da...“

„Das ist schlecht“, meinte Spike.

„Ich weiß nicht, ob ich ihn getötet habe. Möglich wäre es ja...“

„Buffy, du kannst doch keinen Menschen töten“, versuchte Angel sie zu überzeugen.

„Ich weiß nicht“, Buffy starrte vor sich hin. „Ich weiß nicht, Angel.“

„Wenn du es nicht warst, dann werden wir das herausbekommen“, sagte Spike mit fester Stimme. „Ach was, du warst es nicht! So was kannst du doch gar nicht, du bist doch eine Gute!“



Buffy lächelte ihn erleichtert an. Er war da, er war gekommen, und er würde sie hier herausholen. Und das Beste an der Sache war: Er würde seine Tochter endlich kennen lernen. Hoffentlich kriegte er nicht den Schock seines Lebens... Nein, er war hart im Nehmen, er würde Morgan lieben, so wie er Gwydion liebte, und vielleicht würde von dieser Liebe etwas für sie selber abfallen.



Wie bescheiden sie doch geworden war.



~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~



Mit Gwydion auf dem Arm ging Spike in den Wohnraum des Hauses. Er sah ein kleines Mädchen mit dunkelblonden lockigen Haaren - irgendwie wusste er, dass es ein Mädchen war - es saß in einem Laufstall, und schaute ihn prüfend an, wie er meinte. Seltsam, es war doch nur ein Baby... Das Baby richtete sich auf, stellte sich auf die Beine, lief schwankend auf ihn zu, hielt sich am Gitter des Laufstalls fest und streckte ihm auffordernd ein Ärmchen entgegen.
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„Haben sie dich auch in den Knast gesteckt?“, fragte er. Das kleine Mädchen kam ihm irgendwie vertraut vor, bis ihm einfiel, dass er ein Bild von der Kleinen in Buffys Zimmer gesehen hatte. Außerdem erinnerte sie ihn an die kleine Maggie von den Simpsons.

Einem Impuls folgend legte er Gwydion vorsichtig in den Laufstall und bettete ihn dort auf ein flaches Kissen.

„Du bist ja so klein und zierlich wie eine Fee“, wandte er sich dann wieder dem kleinen Mädchen zu, hob es aus dem Laufstall und nahm es auf den Arm. „Sag’ mal, kennen wir uns irgendwoher?“



Ein undeutliches Bild erschien in seinem Kopf, und er sah sich selber, wie er vor einiger Zeit in Sunnydale ausgesehen hatte. Blond und bleich und gekleidet in seinen schwarzen Ledermantel. Das Bild gewann an Schärfe.

Unwillkürlich zuckte er zusammen.

Ein weiteres Bild tauchte auf. Er, Spike, nackt mit einem lüsternem Gesichtsausdruck...

So etwas sollte ein kleines Mädchen eigentlich nicht wissen. Aber sie konnte es sicher nicht verstehen. Oder etwa doch? Er fühlte sich total verunsichert. Nein, nein, es war ja nur ein Baby, allerdings ein ziemlich ungewöhnliches...

„Wir kennen uns also wirklich“, murmelte er und drehte sich zu Dawn hin, die gerade den Raum betreten hatte und ihn begrüßte mit: „Ach! DU hier?“

Was sollte das? Spike fragte sich, wo das gute Verhältnis geblieben war, das sie einmal miteinander hatten. Damals war er fast wie ein älterer Bruder für sie gewesen. Damals als Buffy tot war und er für ihre jüngere Schwester sorgte.

„Na ja, besser spät als nie“, Dawns Stimme hörte sich irgendwie tadelnd an

„Hallo Dawn“, sagte Spike ein wenig ratlos. Was wollte sie von ihm, was konnte sie ihm vorwerfen?

„Der ist aber süß!“, rief Dawn begeistert aus und beugte sich über den Laufstall, um Gwydion näher in Augenschein zu nehmen.



Dawn schien nichts von dem zu bemerken, was zwischen ihm und dem kleinen Mädchen vorging. Vielleicht konnte nur er selber es empfinden. Seltsam...



„Hast du dich schon mit Morgan angefreundet?“, fragte Dawn ihn nun.
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„Das ist seltsam, mit Parkinson kam sie gar nicht zurecht. Das ist der Drecksack, der jetzt tot ist! Darf ich den Kleinen mal nehmen?“

„Klar! Aber wieso Drecksack?“

„Ich weiß nicht, vielleicht Intuition... Wow, sie sehen sich wirklich ähnlich!“, behauptete Dawn, nachdem sie Gwydion eine Weile im Arm gehalten hatte. Gwydion verhielt sich vorbildlich. Er lächelte Dawn an, und sie war sichtlich bezaubert von seinen strahlend blauen Augen, die er natürlich von seinem Vater geerbt hatte.

„Äääh, wie bitte?“ Was zum Teufel konnte sie meinen?

„Also wirklich Spike“, Dawns Stimme klang verärgert, „es ist unter Geschwistern ab und zu der Fall, dass sie sich ähnlich sehen.“



Unter Geschwistern? Spike fühlte sich allmählich, als würde das Zimmer um ihn herum verschwimmen, dazu sah er ein weiteres Bild aus der Vergangenheit, den Kellerraum im Summers-Haus am Abend vor der großen Schlacht, als er und Buffy sich gegenüber standen und dann... Er sah sich selbst und wie verlegen er gewesen war. Genauso wie sie. Sie hatten sich gegenseitig so viele Dinge angetan und so viele Gemeinheiten an den Kopf geworfen, dass keiner sich traute, seiner Leidenschaft freien Lauf zu lassen. Sie hatten wirklich Angst. Und diese Begegnung war ein reiner Eiertanz, Spike musste unwillkürlich lächeln, Eiertanz im wahrsten Sinne des Wortes. Er hatte daraus geschlossen, dass sie ihn nicht liebte. Da war nichts mehr von der Leidenschaft, die sie einmal geteilt hatten. Da war nur noch Rücksichtnahme und Vorsicht – und das meiste davon war bestimmt Mitleid für ihn, denn sie wusste, dass er am nächsten Tag sterben würde...

Das Bild verblasste, Spike kam zurück aus der Vergangenheit und schüttelte sich unmerklich.

„Dieses Kind...“, er schaute Dawn fragend an.

„Ist deine Tochter, du Blödmann! Hat Buffy es dir nicht gesagt, als sie in L.A. war?“

„Sie war in L.A? Aber sie war nicht bei mir. Was soll der Scheiß? Warum hat sie es mir nicht gesagt?“

„Vermutlich, weil du nichts mit ihr zu tun haben wolltest“, sagte Dawn anklagend, „sonst hättest du dich ja vielleicht hier gemeldet. Oder bist du jetzt zu berühmt, um dich an sie zu erinnern?“

„Bin ich nicht!“ Spike war geschockt, er hatte eine Tochter! Völlig unerwartet, völlig unverständlich.
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Noch dazu eine, die eine telepathische Verbindung mit ihm herstellen konnte. Ob es auch umgekehrt funktionieren würde?

Heiliger Strohsack! Dem Himmel sei Dank war es in dem Hotelzimmer vor ein paar Wochen relativ dunkel gewesen, er atmete erleichtert auf und dachte vorerst nicht drüber nach, was sein Töchterchen für Fähigkeiten hatte.



Doch dann auf einmal kam ein gewaltiges Gefühl der Freude in ihm hoch. Er hatte eine Tochter, dieses süße kleine Ding, dem er sich so vertraut fühlte! Und Gwydion hatte eine Schwester! Beide waren ungewöhnliche Kinder, Gwydion mit seiner Fähigkeit, das Gute in den Menschen hervorzubringen – und Morgan, tja, die Kleine hatte es drauf, seine Gedanken lesen zu können. Was konnte sie sonst noch? Er lächelte leise vor sich hin, bis ihm dann abrupt zu Bewusstsein kam, dass die beiden zusammen wohl ungeheure Fähigkeiten hatten. W & H... Verdammt, verdammt! Sie wussten es, und sie wollten die Kinder, wollten deren Potential benutzen oder erforschen oder sonst was Widerliches mit ihnen tun.

Lilah hatte bestimmt die Wahrheit herausgefunden, aber nicht mehr die Zeit gehabt, ihn zu informieren. Stattdessen war sie tot. Wieder überkam ihn der Schmerz. Er hatte ihn während der langen Fahrt nach Woodcape verdrängen können, aber jetzt war er wieder da. Lilah, seine Liebste hatte auch Geheimnisse gehabt, vielleicht wusste sie sogar von Buffys Kind. Warum sie ihm nichts davon gesagt hatte, das war ihm egal, sie hatte bestimmt Gründe dafür gehabt.

Er biss sich auf die Lippen und dachte an sie, so intensiv, als wäre sie bei ihm. Du musst deine Kinder beschützen, sagte sie, und er spürte ihre Lippen auf seinem Mund. Oh Lilah, bitte geh’ nicht weg, sagte er verzweifelt zu ihr, aber er spürte unaufhaltsam, wie sie ihm entglitt. Du wirst schon wissen, was zu tun ist, hörte er nur noch ganz schwach.



Na super! Er hatte nicht den blassesten Schimmer, was Lilah von ihm wollte.



Geht weiter...
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Kommentare zur Story:

  Hmmmmm mysteriös das Ganze. Bei so vielen Charakteren aus dem Buffy-Universum musste ich beinahe genausoviel auf Wikipedia lesen wie hier um mich zurechtzufinden.  
   Jingizu  -  11.02.12 18:34

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  @ petra und dieter, ja stimmt, es ist gut dass angel und spike jetzt zusammenarbeiten. aber ob sie es schaffen werden, buffy aus ihrer zelle zu holen? ich glaube, das kriegen sie schon hin - mit ein bisschen hilfe von einer anderen person... ;-)
danke schön fürs lesen und kommentieren, ihr lieben!  
   Ingrid Alias I  -  04.12.11 18:14

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  Buffy in der Gefängniszelle. Wer hätte das gedacht. Ich hoffe nur, dass es Spike und Angel gelingt, sie da rauszuholen. Auch wird es mit den Kindern ziemlich schwierig. Bin gespannt wie du das alles hinkriegen willst.  
   Dieter Halle  -  03.12.11 15:01

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  Das ist aber schön, dass Lilah wenigstens in Spikes Gedankenwelt eindringen kann. Hoffentlich passiert den Kindern nichts Schlimmes. Ob Buffy wohl wirklich ein Werkzeug von W & H gewesen ist? Toll das Spike und Angel sie retten wollen. Auf alle Fälle ist alles sehr spannend.  
   Petra  -  02.12.11 21:52

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  @ michael, yep! du bist nahe dran, aber glaubst du wirklich, dass buffy eine mörderin sein könnte?
@ doska, ich wünschte, ich hätte es besser hingekriegt, dieses hinter gittern sein, aber es ist sehr schwer, sich da hineinzuversetzen - für mich jedenfalls. ;-)
@ jochen, stimmt, spike begreift allmählich, dass die kinder in gefahr sind. was aber könnte er tun? viel möglichkeiten gibt es ja nicht.

ach leute, ich freu mich wie immer sehr sehr, dass ihr das lest und kommentiert und so. der roman hat nämlich schwächen, vor allem am ende. aber sind ja nur noch 3 teile...
lieben gruß an euch!  
   Ingrid Alias I  -  01.12.11 20:21

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  Buffy hatte ein Blackout. Da sie nicht wusste, wie der Mord an Liliah durch sie geschehen konnte, dürfte W&H ihr einige geheimnisumwobene Pillen verabreicht haben, damit sie zu dieser Tat überhaupt fähig sein konnte. Gleichzeitig sollten diese Pillen bewusst ihr Erinnerungsvermögen auslöschen. Diese Vermutungen sind allerdings nur meinem Fantasiegebilde entsprungen. Sicher wirst du in einer deiner nächsten Folgen dieses Geheimnis lüften.
LG. Michael  
   Michael Brushwood  -  30.11.11 14:50

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  Man bekommt sehr gut einen Teil der düsteren Atmosphäre hinter den Gefängnismauern mit. Buffy kann einem wirklich leid tun. Und sie weiß nicht, wie der Mord durch sie geschehen sein soll. Sie hatte sozusagen zu diesem Zeitpunkt ein Blackout. Schön das Spike nun weiß, was W & H eigentlich wollten. Gut auch, dass Spike und Angel zusammenhalten. Wie sie wohl Buffy helfen wollen?  
   doska  -  29.11.11 21:49

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  Aha, über Morgans telepathische Fähigkeiten gelingt es Spike, vieles besser zu verstehen. Er begreift auch, dass dein Sohn ebenfalls große Begabungen hat und was W & H wollten. Nun bin ich mal gespannt, ob es ihm und Angel gelingt Buffy gefahrlos zu befreien.  
   Jochen  -  29.11.11 18:35

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