Holidays in Kampodia Kap.VII – Teil 1 MAX und die WAHRHEIT   97

Romane/Serien · Spannendes

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 8. September 2010
Bei Webstories eingestellt: 8. September 2010
Anzahl gesehen: 2051
Seiten: 9

Diese Story ist Teil einer Reihe.

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   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Zirza fühlte eine ohnmächtige Wut in sich.

Sie hatte Daniel und Rebekka gesehen – die Überwachungskamera funktionierte ausgezeichnet – und die beiden glühten geradezu vor Liebe. Das war echt zum Kotzen! Sie würde die beiden zerstö...

„Du hast es getan, nicht wahr“, eine dunkle männliche Stimme unterbrach ihre Rachegedanken.

Sie wandte sich langsam um und sah doch tatsächlich ihren Cousin Max an der Tür stehen.

Ach, du?“ Ihre Stimme klang verächtlich. „Hallo Farmerboy, was führt dich zu mir? Sind dir vielleicht deine geliebten Misthaufen ausgegangen?“

„Ich will eigentlich nur, dass du dir diese Unterlagen anschaust.“ Mit diesen Worten warf Max ihr einen großen Briefumschlag zu, er wollte es nämlich vermeiden, näher an sie heranzugehen

Zirza fing den Umschlag geschickt auf und schaute Max fragend an.

„Na los, mach’ ihn schon auf. Es ist eine Überraschung.“

„Ich liebe Überraschungen nicht besonders“, sagte Zirza unwillig. Sie nestelte aber trotzdem an dem Umschlag herum, legte den Inhalt auf das Tischchen neben ihr, griff sich das erste Stück Papier, entfaltete es und überflog es flüchtig.

„Was zum Teufel...“

„Lies es durch. Lies am besten alles durch“, sagte Max und lächelte sarkastisch. Allerdings fühlte er sich bei weitem nicht so sicher, wie er vorgab zu sein.

„Du glaubst doch wohl nicht, dass die alte Schachtel Mansell mir irgendwas in die Schuhe schieben kann. Dafür ist sie doch viel zu beknackt!“ Zirzas Stimme war etwas lauter geworden.

„Die alte Schachtel Mansell, wie du sie nennst, vielleicht nicht, aber vielleicht dein Exverlobter, den ich in Berlin besucht habe. Er hat mir ziemlich interessante Sachen über dich erzählt...“

„So ein Blödsinn!“ Sie fügte giftig hinzu: „Der Mann ist doch nur eifersüchtig auf Archie!“

„Wie auch immer. Tatsache ist, du hast Mansell ein gewisses Mittel gegeben. Sie hatte damals furchtbare Alpträume – sie träumte, dass ihre Schwägerin bei der Geburt ihres Kindes sterben würde. Und das Mittel sollte die Geburt erleichtern.“

„Das war doch vollkommen harmlos!“ Zirzas Stimme hörte sich nach gespielter Empörung an.
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„Die geistesgestörte Nuss hat mich eben falsch verstanden und ihrer geliebten Kassiopeia zuviel davon gegeben. Was kann ICH dafür?“

„Es war mit Sicherheit kein Mittelchen, und es war mit Sicherheit auch nicht harmlos.“ Max schaute sie eisig an. „Es war ein Stoff, der die Blutgerinnung stark herabsetzt. Und bei einer Geburt können dann Mutter und auch das Kind an der kleinsten Wunde sterben.“

„Das ist doch absoluter Schwachsinn!“ In Zirzas Stimme schien ein wenig Angst aufzuglühen, aber dennoch hatte sie sich immer noch meisterhaft unter Kontrolle.

„Das zweite Dokument. Lies es!“

Zirza lachte grell auf und griff nach dem zweiten Dokument, aber im Gegensatz zum ersten las sie dieses peinlich genau durch.

„Du hast eine blühende Fantasie“, sagte sie unruhig, nachdem sie sich auch dieses Schriftstück zu Gemüte geführt hatte. „Keiner würde so etwas glauben!“

„Wer weiß.... Das Unfassbare an der ganzen Sache ist, dass Tante Bernadette lange gedacht hat, sie selber wäre schuld am Tode ihrer Tochter und ihres Enkelkindes.“

„Es gibt keinerlei Beweise!“

Max lachte. „Du hast deinem Exverlobten erzählt, nichts würde so gut wirken wie Pilzgift. Er fühlte sich in seiner Ehre gekitzelt und hat tatsächlich noch etwas ‚Besseres’ hergestellt. Ein Gift, das sogar die Muttermilch vergiftet. Er wusste nicht, dass du versuchen würdest, Andromeda damit zu töten. Bei ihr hast du es nicht geschafft, bei dem anderen Kind schon...“ Max musste tief Luft holen, bevor er weitersprach „Bernadette brachte das Pilzgericht selber zu ihrer Tochter, das war der Gipfel deiner Infamie! Aber sie hatte dich kurz vorher in der Küche gesehen...“

Zirza schaute ihn mit ihren schwarzen Alienaugen ausdruckslos an. „Also was willst du von mir?“, sagte sie schließlich.

„Ich will, dass du weggehst von hier und niemals wiederkommst! Ich will, dass du die Scheidung von Archie einreichst! Und lass’ am besten auch Morgaine in Ruhe!“ Das war zwar ein Schuss ins Blaue, aber es konnte nicht schaden, falls sie damit zu tun hatte.

„Ach ja?“ Zirza ging auf seine letzten Worte nicht ein. „Und wieso sollte ich mich darauf einlassen?“

„Lies das nächste Dokument. Es ist eine Erklärung an Eides statt, unterschrieben von Claudia, Bernadette und deinem Exverlobten.
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Der Junge hat bestimmt ein schlechtes Gewissen, weil du mit seinen Sachen so böse Dinge angestellt hast... Ach ja, diese Erklärung an Eides statt liegt bei mehreren Anwälten in Brunswick und in Berlin.“

Zirza blickte ihn hasserfüllt an.

Max machte eine kleine Pause, bevor er fortfuhr: „Falls du auf die Idee kommen solltest, diese Anwälte zu eliminieren, gib es auf, es sind zu viele, also gib es auf und verschwinde endlich!“

„WARUM HAST DU MEINE MUTTER GETÖTET?“

Beide drehten sich um, und Max stöhnte auf, als er sie sah.



Zirza starrte eine Weile mit ihren schwarzen Augen in Andromedas Gesicht, bevor sie schließlich sagte: „Warum wohl? Kassiopeia hat die Götter beleidigt...“

„WARUM?“, fragte Andromedas unerbittlich. „Werde ein bisschen deutlicher!“

„Deine Mutter hat mir Archibald weggenommen. Er war fast schon dabei, mir einen Antrag zu machen. Aber nein, er musste sich ja in diese...“, Zirza spuckte die Worte förmlich aus, „ach so gute Frau verlieben. Und das habe ich ihr nicht verziehen.“

„Das ist krank“, Andromedas Stimme zitterte.

„Nein, mein Kind, krank ist das, was dein Perseus dir angetan hat!“ Zirzas Augen funkelten triumphierend. Sie hatte zwar verloren, aber die Rache war ihr sicher.

„Wieso Perseus? Was meinst du?“

„Nun, er war es doch, der dich entführt hat. Er war der Jäger, der Schneewittchen töten sollte. Und er war auch das Ungeheuer, das auf Andromeda angesetzt war...“

„Nein“, sagte Andromeda leise.

„Oh doch. Frag’ ihn!“

„Nein“, sagte Andromeda angstvoll – und schien nicht fähig zu sein, dorthin zu blicken, wo Max stand.

„Warum, glaubst du wohl, hat er dich gefunden? Warum wohl? Natürlich nur, weil er wusste, wo du warst. Ist doch sonnenklar! Aber ist es nicht herrlich, dass Max, dein Farmerboy und Geliebter gleichzeitig Perseus und das Ungeheuer ist? Ich muss zugeben, dass ich das seinem eher schlichten und stereotypen Charakter gar nicht zugetraut hätte...“

„Das ist nicht wahr“, sagte Andy mit tonloser Stimme. Sie wandte sich langsam Max zu und sah ihm in die Augen. In diese grauen Augen, die sie so liebte.
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„Sag’ mir, dass es nicht wahr ist!“

Max’ Gesicht war bleich geworden, er bekam kein Wort heraus, schüttelte hilflos den Kopf – und taumelte aus dem Zimmer.



Andromeda schaute ihm fassungslos hinterher. Ihr ganzes Leben wurde in diesem kurzen Augenblick in Stücke zertrümmert. Und sie krümmte sie sich wie unter einem heftigen Schlag zusammen.

Nichts von dem war wahr, was sie jemals für wahr gehalten hatte.

Max, ihr Beschützer, ihr Held, ihr Retter und ihr über alles Geliebter... Was war er in Wirklichkeit? Max hatte ein hilfloses Kind im Wald ausgesetzt und es fast sterben lassen. Und sie war das Kind gewesen.

Aber das konnte doch nicht sein. Der Max, den sie kannte, hätte das niemals getan.

Und dennoch... Warum war er aus dem Zimmer geflohen? Warum hatte er es nicht abgestritten? Warum, warum, warum...

Was hatte er mit Zirza zu tun. Warum wusste Zirza es?

Sie wollte nicht daran denken, weil sie es nicht glauben wollte. Sie wollte nicht daran denken, weil es so wehtat.

Sie sank in sich zusammen, und ihr Körper schaltete sich wie von alleine aus, er schaltete für fast zwei Tage ihr Denken aus, um sie vor der brutalen Wahrheit zu schützen, und während dieser Zeit lag sie von Fieberkrämpfen geschüttelt in ihrem Bett.



~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~



Sein Körper fühlte sich vollkommen empfindungslos an, so musste es sein, wenn man tot war.

Und er war tot.

Er hatte diesen Tag erwartet seit langer Zeit, ihn immer wieder aufgeschoben, verdrängt, gefürchtet. Denn bis vor ein paar Tagen hatte er zwar geahnt, aber nicht richtig gewusst, was damals mit ihm passiert war.

Der Besuch bei Zirzas Exverlobten brachte etwas Licht in die Sache. Er suchte dort keine Entschuldigung für sich, er wollte es nur verstehen. Jetzt verstand er es zwar ein bisschen, aber dadurch änderte sich nichts. Normalerweise wäre Andromeda durch ihn gestorben, nur ihre unglaubliche Zähigkeit ließ sie die Entführung überleben.

Er hatte Glück gehabt, und sie hatte auch Glück gehabt. Es war nicht sein Verdienst, dass sie am Leben blieb, sondern es war purer Zufall.

Warum hatte er keinem etwas gesagt und sie alleine gesucht? Die Frage quälte ihn immer noch.
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Aus Angst vielleicht, oder aus Scham? Er wusste es nicht. Es schien eine große geistige Entfernung zwischen dem Jungen Max und dem Mann Max zu liegen. Dem Mann Max war alles unverständlich, was der Junge Max damals gedacht und getan hatte. Hatte der Junge überhaupt gedacht? Wohl kaum.

Allmählich ließ seine Empfindungslosigkeit nach. Sie machte einem dumpf pochenden Schmerz Platz. Es war Schmerz gepaart mit einer tiefen Traurigkeit. Aber trotz seiner Traurigkeit war Max froh, dass er die Medusa am Ende doch besiegt und vertrieben hatte. Sie würde Kampodia verlassen und sich nie wieder dort blicken lassen.

Alles war vorbei. Nein, nicht alles. Der Schmerz würde Max von nun an treu begleiten und ihn nie mehr verlassen.

Doch vorher musste er noch etwas erledigen...



Max suchte Archie und fand ihn schließlich in den Ställen.

Er überreichte seinem Arbeitgeber und Gönner den Brief, das letzte Dokument, das noch übrig war und wartete – nach außen hin ruhig, im Innersten aber aufgewühlt – bis Archie es gelesen hatte.

„Du kannst mich und sie auch anzeigen, wenn du möchtest“, sagte er zu dem fassungslosen Archie. „Es ist mir egal. Die Tanten möchten aber nicht, dass etwas von dieser widerlichen Sache nach außen dringt. Bei Zirza bin ich mir nicht sicher, ob die Beweislage ausreicht, um sie zu verurteilen. Aber Kassiopeia war deine Frau, Andromeda ist deine Tochter, und du musst wissen, was du tust...“

„Verdammt noch mal, Max, du musst nicht von hier fort“, erwiderte Archie nach einer Weile, in der er schwer nachgegrübelt hatte. Der Junge tat ihm leid. Und alles war doch gut ausgegangen.

„Ich muss gehen“, Max senkte den Kopf. „Du hast ihren Blick nicht gesehen. Sie wird es mir nie verzeihen.“

„Ach was! Meine Tochter wird sich schon wieder einkriegen“, sagte Archie aufmunternd und hoffnungsvoll, denn er verlor gerade einen Freund, seinen Wunschschwiegersohn und den besten Verwalter, den er je gehabt hatte.

„Nein, das kann sie nicht. Sie ist so gut, und ich bin so...“ Max’ Augen wurden feucht, und er drehte Archie den Rücken zu.

„Was sind das für Namen auf dieser Liste?“ Archie wechselte das Thema, um Max die Möglichkeit zu geben, sich wieder zu fangen.
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„Es ist eine Liste von Kandidaten, die vielleicht in Frage kommen, das Gut weiterzuführen. Sie sind im Augenblick alle frei.“ Max sagte nicht, dass auf der Liste auch eine ehemalige Freundin von ihm stand, mit der er immerhin drei Monate zusammen gewesen war. Er wusste, dass Andy sich dadurch gedemütigt fühlen würde, aber dann konnte sie ihn vielleicht hassen. Und Hass war bestimmt leichter zu ertragen als die fehlgeleitete Liebe zu einem Unwürdigen...

„Du hast alles schon lange geplant“, sagte Archie endlich zu ihm.

„Es hing wie dieses Schwert des Damokles über mir. All die Jahre. Ich hoffe, du verzeihst mir irgendwann.“

„Ich habe dir eigentlich schon verziehen. Das warst nicht du, Max“, Archie wollte versuchen, Max zu halten. Aber er fühlte, dass es zwecklos war. Und sein Gefühl täuschte ihn nicht, Max war gerade dabei, alle Brücken in Kampodia abzubrechen.



>>> Max, fünfzehn Jahre alt und schwer mit den Hormonen der Pubertät vollgepumpt. Seine erste sexuelle Erfahrung macht er auf dem Heuboden über den Ställen, bevor ein Reiterstübchen daraus wird...

Max, der diesen Akt so enttäuschend findet, als ob er sein Ding in ein Waschbecken mit lauwarmem Wasser gehalten hat...

Max, der anfängt, nach etwas zu suchen, das besser ist als der lauwarme Akt auf dem Heuboden über den Stallungen...

Max’ ältere Cousine Zirza – frisch mit dem Witwer Archibald von Kampe verheiratet – wird auf das Hormonbündel aufmerksam, sie beschließt, es für ihre eigenen bösartigen Zwecke zu benutzen. Die Mittel dazu hat sie: Gewisse Chemikalien, die ihr Exverlobter ihr verschafft, obwohl sie ihn wegen Archie fallen ließ. Und dass sie das Leben des Jungen zerstört, ist ihr sowieso egal.

Denn sie muss das Kind der Kassiopeia loswerden! Es wird Archies Vermögen erben, und ihr eigenes Kind wird mit ihm teilen müssen. Zirza kommt auf eine geniale Idee.

Warum soll sie nicht ihren beknackten halbwüchsigen Cousin durch Pheromone bezirzen, ihn sich gefügig zu machen, ihm dann ein paar Mittelchen einflößen – natürlich in Kombination mit einer kleinen Gehirnwäsche – und ihm schließlich den Rest geben mit der Substanz ‚Lysergsäuredimethylamid’.
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Im Volksmund wird es als LSD bezeichnet, ist ein bisschen aus der Mode gekommen, verdrängt durch fesche Designerdrogen, aber es wirkt immer noch sehr gut und effektiv, vor allem in bestimmten psychischen Bereichen...

Zirza tut es. Zirza hat keine Skrupel. Erst ein paar Pheromone, die sie unwiderstehlich begehrenswert machen, ein paar Halluzigene aus dem Privatlabor ihres Exverlobten, ein paar suggestive Gehirnwäschen mit massiven Andeutungen über den Feind, der die Menschheit vernichten wird... Über das absolut böse Wesen, das unerkannt im Herrenhaus lebt und das unbedingt getötet werden muss.



Laute Musik ertönt von unten aus dem Park. Zirza gibt an diesem Abend ein rauschendes Fest, sie liebt Feste, sie liebt es, die Hausherrin zu sein, und es ist außerdem ein gutes Alibi, falls jemand auf die Idee kommen sollte, sie mit der Entführung ihrer Stieftochter in Verbindung zu bringen...

Max steht im Schutze der Dunkelheit auf der Galerie. Er muss nach unten auf die Backsteinmauer, er hat keine Angst abzustürzen, so vollgepumpt ist er mit Drogen, Giften und Halluzigenen.

Er ist davon besessen, dieses Wesen zu töten. Um die Menschheit zu retten. Und um sich selber zu retten, wie es ihm eine innere Stimme befiehlt.

Mit einem Arm hält er das widerliche Ding weit weg von sich, mit dem anderen Arm hält er sich am Regenrohr fest und rutscht an ihm hinab. Mühelos gelangt er auf die Mauer, die den Park des Herrenhauses umschließt, er springt auf der anderen Seite hinunter, läuft von keinem gesehen an der Kirche vorbei und verschwindet schließlich in Richtung Wald.

Das Ding ist entsetzlich, es verbreitet einen bestialischen Gestank, seine schleimigen mit Widerhaken bestückten Tentakel versuchen Max zu umfangen und zu ersticken. Es hat keinen Mund, nur eine grässliche rote Öffnung, aus der giftiger Schleim tropft. Es ist hässlich, es ist monströs! Er muss es töten. Die Stimme in seinem Kopf sagt: TÖTE ES!

Er rennt ziellos durch den Wald, bis er schließlich eine geeignete Stelle findet, um es hinzurichten. Er legt das Ekel einflößende, widerwärtige Bündel Unrat auf den Waldboden und holt das Messer aus seinem Gürtel.

Die Schneide des Messers leuchtet im Mondlicht auf.
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Er will schon zustechen, aber in diesem Moment gibt das Ding ein Geräusch von sich. Es klingt irgendwie hilfeheischend.

Max ist mit einem Mal verunsichert. Eigentlich hat das Ding ihm nichts getan. Und bei näherer Betrachtung sieht es gar nicht mehr so schreckeinflößend aus.

Max hält inne. Das Ding hat grüne Augen, schleimige Augen, die böse funkeln, aber Max kann es nicht tun. Er kann es nicht töten. Stattdessen schleudert er es weg von sich und stolpert davon. Sollen die wilden Tiere es doch töten!

Er findet schließlich den Weg nach Hause, wo er achtzehn Stunden lang wie bewusstlos im Bett liegt. Als würde er einen gewaltigen Rausch ausschlafen, und etwas Ähnliches ist es ja auch.

Als er erwacht, ist sein erster Gedanke: Grüne Augen... Durch Max’ kräftige Konstitution sind die Gifte und Rauschmittel, die Zirza ihm verpasst hat, schon zum größten Teil wirkungslos geworden. Max glaubt, einen richtig schlimmen Alptraum gehabt zu haben. Aber die Erinnerung daran hat einem seltsam beängstigenden Beigeschmack.

Grüne Augen...

Verdammt! Da stimmt doch was nicht. Aber was? Er hat nicht den blassesten Schimmer.



Im Laufe des späten Nachmittags, während Max sich wie meistens in den Ställen des Gutshofes herumtreibt, erfährt er, dass die kleine Andromeda verschwunden ist. Aber das geht ihn nichts an. Davon weiß er nichts.

Sein Gehirn arbeitet immer noch nicht richtig, und er sieht alles wie durch eine dünne Nebelschicht hindurch.

In der Nacht wacht er schweißgebadet auf, und es trifft es ihn wie ein Dolchstoß. Grüne Augen! Hat das Baby Andromeda nicht grüne Augen gehabt? Kann da ein Zusammenhang sein? Nein, nein... Um Himmels Willen nein!

Nach einer entsetzlichen durchwachten Nacht, kommt Max zu der Erkenntnis: Das Ding, das er fast getötet und im Wald ausgesetzt hat, dieses Ding kann vielleicht die kleine Andy gewesen sein. Dann war dieser schlimme Alptraum vielleicht gar kein Traum, sondern Wirklichkeit? Nein, ganz bestimmt nicht, denn das wäre ja…

Aber diese grünen Augen!

Als es hell wird, macht Max sich auf die Suche nach dem Ding. das vielleicht die kleine Andy war. Er tut es, obwohl er sich nicht sicher ist. Blöderweise hat er nicht die geringste Ahnung, wo er mit dem Ding gewesen ist.
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Es gibt so viele Plätze, und er muss jeden einzeln absuchen. Der Wald ist riesengroß...



Max, mittlerweile von Panik befallen, gönnt sich kaum eine Minute Ruhe bei seiner Suche, die er teilweise systematisch, teilweise chaotisch betreibt. Die Zeit rennt ihm davon, es ist Ende September, also Tag- und Nachtgleiche, er hat immer nur zwölf Stunden, um nach Andromeda zu suchen.

Am Ende des dritten Tages, als die Abenddämmerung schon anbricht und er immer noch verzweifelt durch den Wald irrt, hört er auf einmal ein leises Wimmern.

Er entdeckt sie im Unterholz, wohin sie sich verkrochen hat. Wie gut, dass sie gewimmert hat, sonst hätte er sie niemals gefunden.

Sie lebt noch! Dem Himmel sei Dank!

In diesem Augenblick beschließt der Junge Max, sein Leben in den Griff zu kriegen. <<<



Ab hier ist die Geschichte bekannt. Fast jeder weiß etwas darüber zu berichten, nur der ‚Retter’ wollte nie darüber reden. Er fühlte eine tiefe Scham: Er hatte ein Kind erst fast umgebracht und dann durch seine Blödheit und Angst die Rettung dieses Kindes verzögert.

Seit diesem Zeitpunkt hielt Max sich fern von seiner Cousine Zirza. Er fürchtete und verabscheute sie, obwohl er nicht genau wusste, was sie mit ihm angestellt hatte.

Seit diesem Zeitpunkt fühlte er sich für Andromeda verantwortlich, sie wurde das Wichtigste in seinem Leben.

Und so war es auch kein Wunder, dass er anfing, sie zu lieben, zuerst wie ein Kind und später dann wie eine Frau. Denn all seine Gedanken hatten sich seit Jahren nur mit ihr beschäftigt.

Sie war seine Seele, sein Grund zum Weiterleben. Aber es war besser für sie, wenn er nicht mehr da war.



Fortsetzung...
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Punktestand der Geschichte:   97
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Kommentare zur Story:

  @ doska, jochen und petra
danke fürs lesen und kommentieren ;) - und tja, das rettet zirza zwar den kopf, aber alles andere wird sie wohl verlieren, mann, besitz, ansehen sowieso... und max hat damit gerechnet, dass er selber mit untergeht, er kennt die gute frau ja schließlich.
ich hoffe, dass andy eines tages einsehen wird, was er für sie getan hat, auch wenn seine vergangenheit übel war.
lieben gruß an euch und danke!  
   Ingrid Alias I  -  12.09.10 10:55

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  Ach, der arme Max. Er hatte es doch so gut gemeint, aber damit wohl gar nicht mehr gerechnet, dass Zirza noch alte Erlebnisse hervorkramt. Sie versetzen Andromeda einen Schock. Sie ist tief enttäuscht von Max und in Max werden uralte Wunden aufgerissen. Ob die wohl noch heilen werden?  
   Petra  -  11.09.10 22:33

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  Zirza lässt sich selbst in scheinbar aussichtsloser Situation noch etwas einfallen, um so boshaft wie nur irgendmöglich zu sein. Aber es ist wohl die Wahrheit und die rettet Zirza den Kopf. Der arme Max ist jetzt der Gelackmeierte, obwohl er soviel geforscht hatte, um endlich die Wahrheit an Licht zu bringen und Zirza einer gerechten Strafe zuzuführen, muss er selbst die Konsequenzen ziehen. Ein äußerst spannender Teil.  
   Jochen  -  11.09.10 20:06

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  Du hast so schön Zirzas Wut geschildert, dass man sich richtig darüber freuen konnte. Doch nicht für lange. Zirza hält sich wacker und obwohl des Mordes bezichtigt, gelingt es ihr listenreich die letzte Trumpfkarte auszuspielen. Überraschung !!! Andromenda zeigt sich daraufhin tief enttäuscht von Max und dieser will das Gut sofort und für immer verlassen. Und da muss ich Jingizus Worten zustimmen. Es erscheint eigentlich kaum möglich, dass sich Max und Andromeda wieder aussöhnen. Jedenfalls ein sehr gelungenes Kapitel.  
   doska  -  10.09.10 22:40

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  freut mich, danke schön, jingizu!
ich hoffe aber trotzdem auf ein glückliches ende, denn gewisse dinge sind ja schon lange verjährt - und ich will diesen verdammten roman endlich zu ende bringen... ;))  
   Ingrid Alias I  -  10.09.10 20:15

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  Tiefe Abgründe wohin man auch blickt, ein Strudel aus Ereignissen der jeden mit sich hinabzieht und ein glückliches Ende schier unmöglich scheinen lässt.

Die Dialoge sind wie immer lebensecht, die Charaktere besitzen Tiefgang und man kann sich in sie hineinversetzen - was kann man mehr von einer Geschichte erwarten.  
   Jingizu  -  08.09.10 21:46

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