Holidays in Kampodia Kap.VI – Teil 1 HEUTE – und DAMALS...   77

Romane/Serien · Romantisches

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 13. Juli 2010
Bei Webstories eingestellt: 13. Juli 2010
Anzahl gesehen: 2132
Seiten: 8

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Der Bürgermeister von Kampodia hockte massiv selbstsicher hinter seinem riesigen Schreibtisch, er wirkte bedrohlich, und der Eindruck täuschte nicht. Dieser Herr war überaus geldgierig und dementsprechend bestechlich, wie Archibald von Kampe wusste. Archie hatte sich schnell von Daniel überzeugen lassen, dass diese Hochzeit das Beste für Morgaine wäre. Archie war nämlich immer noch entsetzt über die Tatsache, dass die kleine Morgy auf seinem Gut entführt worden war. Und natürlich hatte er sich an damals erinnert, an Andys schreckliches Verschwinden.

Was brauchte man für eine Eheschließung? Eine Geburtsurkunde. Gut, das war ein Knackpunkt, aber eine Kopie würde reichen. Ferner brauchte man ein polizeiliches Führungszeugnis. Das sollte der Bürgermeister beschaffen, er hatte den Draht dazu. Was noch? Das Aufgebot, das vier Wochen vor der Hochzeit ausgehängt wurde. Wen juckte das? Auch das konnte man umgehen...

Was der Herr des Gutes dem Bürgermeister für seine nicht unbeträchtliche Mithilfe versprach, ist nicht bekannt, Vielleicht hatte es mit wundergeilen Nutten und einem Stück Land zu tun, das Archie gehörte und das der Bürgermeister lange schon als Bauland ins Auge gefasst hatte. Aber das ist reine Spekulation.



Und so kam es, dass Daniel und Rebekka sich schon am nächsten Morgen wiederfanden im Büro des Bürgermeisters von Kampodia, der gleichzeitig auch der einzige Standesbeamte von Kampodia war.

Ihre Trauzeugen waren Claudia Mansell und Archibald von Kampe. Beide Trauzeugen saßen neben ihnen. Und hinter ihnen saß das Kind der Braut, ein wunderschönes kleines blondes Mädchen mit leicht lockigem Haar und hellbraunen Augen.

Rebekka, die Braut und Mutter des kleinen Mädchens trug eine schwarze Hose, ein schwarzes Shirt und darüber eine naturfarbene Leinenjacke. Das war das Beste, was sie an Kleidung nach Kampodia mitgebracht hatte. Aber wer hätte auch ahnen können, dass und überhaupt... Außerdem hatte sie ihr Haar von Claudia zu einem so genannten Bauernzopf flechten lassen, und sie sah sehr gut damit aus, wie sie fand.

Daniel, der Bräutigam trug Jeans, dazu ein weißes T-Shirt und darüber eine schwarze locker sitzende Jacke, die elegant aussah und ihm ungemein gut stand, wie Rebekka nach einem unauffälligen Blick auf ihn festgestellt hatte.
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Die Zeremonie lief ab wie geschmiert. „Sie, Rebekka Steiner und Sie, Daniel Burkhardt sind hier auf diesem Standesamt erschienen, um den Bund der Ehe einzugehen.“

Rebekka nickte zögernd, Daniel sagte schlicht und einfach: „Ja.“

„Das Gesetz erlaubt neuerdings kombinierte Nachnamen. Der Mann kann zum Beispiel den Namen der Frau annehmen, oder die Frau kann zum Beispiel einen Doppelnamen tragen.“

Rebekka hatte sich noch keine großen Gedanken darüber gemacht, welchen Namen sie ab heute tragen würde. Eigentlich war es ihr egal, denn der Name ‚Steiner’ hatte ihr bisher nur Übles gebracht, also hieß sie ab jetzt Burkhardt. Aber irgendwie fühlte sie sich verloren, jetzt hatte sie gar keine eigene Identität mehr. Jetzt war sie nur noch Frau Rebekka Burkhardt. Aber in den USA wäre es noch schlimmer, da würde sie nämlich Missis Daniel Burkhardt heißen...

„Ich muss Sie davon in Kenntnis setzen, dass das Kind Morgaine“, der Bürgermeister sprach den Namen Morgaine wie Morga-ine aus, „den neuen Namen der Mutter annehmen kann. Es kann aber auch den alten Namen der Mutter behalten, oder es kann den Namen des Vaters annehmen.“

Sie spürte, dass Daniel sie leicht anschubste und sie kurz ansah. Sie schubste Daniel dezent zurück, sah ihn dabei aber nicht an, sondern betrachtete wieder den feisten Bürgermeister. Feister Bürgermeister, das war zum Piepen. Und das mit den Namen auch. Natürlich musste Morgaine das entscheiden.

„Versprechen Sie, Rebekka, diesen Mann zu lieben, ihn zu achten und ihn zu ehren, bis dass der Tod Euch scheidet?“

Wollte sie das? Rebekka biss sich auf die Lippen. „Ja, ich will!“, sagte sie schließlich leise und zögernd, denn so gehörte es sich wohl. Obwohl das mit dem leise und zögernd vielleicht nicht...

„Versprechen Sie, Daniel, diese Frau zu lieben, sie zu achten und sie zu ehren, bis dass der Tod Euch scheidet?“

„Ja, das will ich!“, sagte Daniel ohne zu zögern.

Und was war mit Treue? War die mittlerweile nicht mehr wichtig? Das missfiel ihr sehr. Aber vielleicht hatte der Bürgermeister, der sehr triebhaft aussah, die Formel einfach abgewandelt...

„Dann erkläre ich Euch hiermit zu Mann und Frau.
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Geben Sie, Daniel, nun der Braut den Ring, der Euer Ehegelübde bestätigen soll.“

Oh je, Rebekka schaute Daniel schnell von der Seite her an. Ohne Ringe würde es nicht gehen, und er hatte bestimmt nicht an Ringe gedacht. Alles andere war manipulierbar, die Geburtsurkunde, das Aufgebot, das polizeiliche Führungszeugnis, aber die Ringe nicht...

Daniel griff in seine Jackentasche und förderte ein Kästchen zu Tage. Rebekka sah ihm mit großen Augen fasziniert zu. Er öffnete das Kästchen, und da lagen sie. Sie hatten nicht die übliche gelbe Goldfarbe, sondern schimmerten etwas rötlich, und sie waren schön.

Er steckte ihr den kleineren Ring an den Finger, und er passte wie angegossen. Dann gab er ihr den größeren, und sie verstand. Den musste sie ihm an den Finger stecken. Sie tat es, und ihre Hände zitterten dabei etwas.

„Und küssen dürfen sie die Braut nun auch“, sagte der feiste Bürgermeister mit einem leicht lüsternen Grinsen.

Daniel küsste sie auf den Mund, nicht so richtig, wie Rebekka fand. Aber da es sich ja nur um eine Vernunftehe handelte...



Und das war’s dann schon.

Claudia hatte einen Fotoapparat in der Hand und knipste mit Blitzlicht. Rebekka war ein wenig geblendet und hielt ihre Hand beschützend vor die Augen. Daniel machte das Licht anscheinend nichts aus.

Als sie hinausgingen aus dem Gemeindesaal, blickten sie sich nicht an. Rebekka fühlte sich verlegen und sie hätte gerne gewusst, wie er sich wohl fühlte. Sie schritten schweigsam nebeneinander her. Es war ein wundervoller Tag mit einem herrlichen tiefblauen Himmel, an dem nur ein paar winzige Wölkchen zu sehen waren.

Morgaine hüpfte um sie herum wie ein kleiner Hütehund, der seine Schäflein bewacht. Sie freute sich wohl sehr über diese Hochzeit.

Rebekka schaute zurück auf das alte Fachwerkhaus, in dem sie gerade getraut worden war. Hatte Trauung was mit Trauen zu tun? Hinter sich sah sie Archie und Claudia, und beide waren festlicher gekleidet als Daniel und sie. Sie tuschelten miteinander, und Claudia schaute sie so seltsam an, aber die ganze Situation war ja auch seltsam.

Verheiratet! Wie konnte das geschehen? Gibt es einen Ablauf der Dinge, der sich nicht beeinflussen lässt? Womit hat dieser Ablauf angefangen? Vor fast fünf Jahren, als Sabine ihr erzählte, dass sie Daniel am Sonntag im Café Klonk getroffen hatte? Ohne Marissa.
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Die geizige Kuh war von einer Tante nach Mallorca eingeladen worden. Und er hatte Sabine nach ihr, Rebekka, ausgefragt...



>>> Seitdem ist Rebekka, welche seit einer Woche übel von einer Darmgrippe geplagt wird, besessen von der Vorstellung, am nächsten Sonntag ins Café Klonk zu gehen. Vielleicht er ja da, vielleicht findet er sie ja anziehend. Wahrscheinlich wird er gar nicht kommen...

Die Darmgrippe ist am Sonntag vorbei, und sie fährt um zehn Uhr abends mit dem Fahrrad ins Klonk. Eine halbe Stunde später erscheint Daniel mit seinem Freund Lukas. Sie geht an die Theke, wo die beiden sitzen. Sie unterhält sich blendend mit ihnen, und Daniel schaut sie immer wieder so seltsam an. Sie sprechen über französische Katzen, und ob die Franzosen ihre Katzen siezen, und überhaupt über blödes Zeug. Das kommt von dem Sambucca, den Daniel reichlich ausgibt. Will er sie besoffen machen? Okay, kann er haben...

Später schlägt sie den beiden vor, zu ihr zu gehen. Daniel muss aber seinen Hund versorgen, er ist den ganzen Abend allein zu Hause gewesen. Also zu Daniel. Sie nehmen den schwer angeschlagenen Lukas in die Mitte. Er ist so betrunken, dass er kaum noch laufen kann. Daniel ergreift hinter Lukas’ Rücken ihre Hand – zärtlich, wie sie meint – und sie schleifen den Lukas gemeinsam zu Daniels Wohnung, die gleichzeitig auch Marissas Wohnung ist. Aber Marissa ist ja nicht da...

Sie setzen den Lukas auf das Sofa, und Rebekka muss lachen, denn zu ihrer Belustigung ist es das gleiche Sofa, auf dem Daniel und Marissa vor fast einem Jahr so einträchtig zusammensaßen und über selbstgebackenes Brot faselten.

Sie selber setzt sich auf den Boden zu Daniels Füßen und streichelt den Hund, obwohl sie viel lieber Daniel gestreichelt hätte. Bis sie spürt, Daniel streichelt die Hand, mit der sie den Hund streichelt. Der Hund ist groß, aber sie hat keine Angst vor ihm.

Daniel lacht. Er legt eine CD auf, die er gerade gekauft hat – es handelt sich um einen Sampler aus den 80ern mit verschiedenen Gruppen, zum Beispiel den Talking Heads, oder Jimmy Somerville, Alison Moyet und und und.
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.. Rebekka ist begeistert und gerührt, es handelt sich um die Musik ihrer Jugend.

Daniel streichelt nun ihr Knie, und sie streichelt sein Knie. Der gute Lukas ist so besoffen, dass er überhaupt nichts davon mitkriegt – das hofft sie jedenfalls.

Daniel lächelt hilflos. Was denkt er sich wohl? Da sitzt sein bester Freund, gleichzeitig auch der beste Freund seiner Freundin Das ist zu köstlich. Aber im Moment ist es Daniel wohl schnurzegal, was Lukas über ihn denkt – der Verstand setzt aus, das ist es. Wieso kommt sie darauf? Stimmt, sie hatten einmal darüber gesprochen, als sie sich bei ihm über Michaels Untreue beklagte. Aber wer ist Michael? Eine Randfigur ihres Lebens und total unwichtig.

Denn sie und Daniel sind sich einig.

„Küss mich, Rebekka!“ kräht Lukas und richtet sich zum Schlafen auf dem Sofa ein. Sie küsst ihn sanft auf die Stirn und breitet eine Wolldecke über ihn.

Kurz darauf gehen Daniel und sie Hand in Hand ins Schlafzimmer.

Vor über einem Jahr war sie schon einmal in diesem Schlafzimmer, damals fand sie es gar nicht lustig. Aber heute ist alles anders.

Sie knöpft langsam sein Hemd auf, während er sie anstarrt. Und dann fängt er selber an, ihre Bluse zu öffnen, er schiebt seine Hand in ihren BH, hebt ihre Brüste hoch und küsst sie. Jetzt starrt sie ihn an und stöhnt leise auf. Sie drängt ihren Mund an seinen Oberkörper und saugt sich mit ihren Lippen dort fest, während sie gleichzeitig versucht, ihre Hose auszuziehen. Auch er hat es sehr eilig, seine Hose auszuziehen, aber beide halten trotzdem Körperkontakt bei ihren Bemühungen, ihre Kleider loszuwerden, und es geht, es geht, obwohl es eigentlich unmöglich ist.

Eine Liebesnacht beginnt, die voller Zärtlichkeit ist. Rebekka denkt verschwommen, das ist, weil es nur einmal und nie wieder ist, aber dann hört sie auf zu denken. Sie spürt seine Hände auf ihrem Körper, auf ihren Brüsten, auf ihrem Bauch, sie dringen überall ein und sie genießt es stöhnend. Seine Lippen folgen seinen Händen. Und sie stöhnt es noch mehr. Sie glaubt es nicht ertragen zu können, aber er will nicht in sie eindringen, nicht sofort, bis sie anfängt zu wimmern, ihn mit ihren Beinen umfängt und er nicht mehr anders kann.
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danach liegen sie eine Weile stöhnend da, er noch auf ihr, noch in ihr – und sein Mund hat ihren Mund geöffnet.. Sie können nicht nah genug beieinander sein, es ist, als hätten sie ihr Leben lang darauf gewartet, es hier in diesen Ehebetten zu treiben.

In den Pausen, die sie im Liebesspiel machen, unterhalten sie sich. Über nichts Wichtiges, sie unterhalten sich über ihre Körperteile und Daniel sagt, dass sie eine überaus süße, na ja, er spinnt...

Sie treiben es erst in dem einen Bett und danach in dem anderen, ab und zu auch am Kleiderschrank, und sie lassen nichts aus, flüstern sich Schweinereien zu. Und immer noch hören sie den Sampler der 80er Jahre aus dem Nebenraum, Billy Idol mit seinem Flesh for Fantasy... Manchmal singt Rebekka mit, aber sie singt es anders als Billy, nämlich: Face to face and fact to fact, you see and feel my sex-attack… Und Daniel lacht dann und bringt sie zum Singen, seltsam, vorher hat sie noch nie gesungen beim Akt. Es war immer krampfhaft gewesen, nie richtig erfüllt – und vor allem immer schnell vorbei. Aber am schönsten ist das Stück von Jimmy Somerville: It ain't necessarily so. Dieses Klavier, dieser Chor am Ende, dieses kühle Saxophon, so wahnsinnig gut geblasen. So sanft geblasen... Und wie es sich dann in die Höhe schwingt. Oh Gott! Oh Daniel! Später singt Rebekka: Is necessarily so… Is necessarily so…

Als es draußen heller wird, werden sie ruhiger. Trotzdem küssen sie sich immer noch, ihre Zungen versuchen, sich zu vereinen, und sie halten sich fest. Rebekka hat ihren Kopf an Daniel Brust gelegt, und er streichelt ihr gedankenverloren übers Haar. Dann wendet sie sich tiefer, und Daniel fängt an, lauter zu atmen, trotzdem streichelt er immer noch ihr Haar, obwohl es nun tiefer ist...

Als es nicht nur draußen, sondern auch im Zimmer heller wird, kommt Rebekka allmählich zur Besinnung. Was ist los mit ihm? Tut er das mit jeder? Und was ist los mit ihr? Sie hat nie so empfunden, körperlich befriedigt, trotzdem noch hungrig – und gleichzeitig seelisch nicht angekotzt. Aber es ist vorbei. Hat sie etwa ein schlechtes Gewissen? Ja, doch, ein wenig. Marissa war eine Freundin irgendwie, hat zwar nicht lange gehalten, aber trotzdem. Solidarität unter Frauen? Kommt drauf an, wie sie sind. Aber Marissa hat Daniel nicht verdient, die geizige Kuh, und sie hat ihn ja auch allein gelassen.
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Trotzdem ist es unrecht. Und von Daniel erst recht unrecht! SIE ist schließlich nicht gebunden, aber er wohnt mit Marissa zusammen, und trotzdem betrügt er sie. Die Männer sind alle Schweine, sie hat’s doch gewusst! Andererseits, wie kann man so einen Mann so oft alleine lassen, so einen Supertypen? Nur um sich den Hintern und die Titten an irgendeinem Strand umsonst bräunen zu lassen. Was will diese Frau eigentlich? Ach was, es soll ihr egal sein. aber wieso fühlt sie sich wie eine Ehebrecherin?

„Du bist so süß“, sagt Daniel, während er sich anzieht. Er muss zur Arbeit. Er hat das Eye-Q zwar noch, aber er arbeitet nebenbei noch woanders. Wahrscheinlich auf Marissa Wunsch...

„Bin ich das?“ Rebekka schaut ihn ungläubig an.

Wieder kommt er zu ihr hin, umarmt sie und küsst sie. Sie wehrt ihn nicht ab, sie schlingt ihre Arme um ihn und küsst ihn ein letztes Mal. Ihre Zungen dringen tief in den Mund des anderen ein, und sie bleiben dort, still und innig... Bis Rebekka sich losreißt. „Ich werd’ jetzt mein Fahrrad abholen.“

„Ich fahre dich hin!“

„Wozu?“, sie schüttelt den Kopf, doch er wischt ihre Einwände mit einer kurzen Handbewegung beiseite.

Lukas liegt immer noch schlafend auf dem Sofa, und der große Hund schlummert neben ihm. Draußen regnet es sanft. Rebekka liebt den sanften Regen. Er wird sie immer an diese Nacht erinnern. Daniel drängt sie zu seinem Auto, es ist so eine Art Pick-Up mit einer Ladefläche hinten drauf, er hält ihr die Tür auf, und sie steigt ein.

Rebekka sieht nach rechts aus dem Fenster, um ihn nicht anschauen zu müssen.



„Soll ich sie rausschmeißen?“

„Was, wie? Was meinst du?“

„Na, Marissa natürlich.“

„Du Idiot! Was soll das? Bist du total übergeschnappt?“ Männer sind wirklich irre. Kaum schlafen sie mit einer anderen Frau, denken sie, sie müssten die alte wegwerfen. Das ist nicht nett, nicht nett...

Er sagt nichts mehr, sondern schaut nur irgendwie traurig. Und er tut ihr tatsächlich leid.

Mittlerweile sind sie beim Café Klonk angelangt, sie steigt schnell aus, schließt das Fahrradschloss auf, will sich schon auf ihr Rad schwingen, aber er nimmt es einfach und legt es auf die Ladefläche des Autos.
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„Das ist wirklich nicht nötig“, sagt sie gereizt. Warum zögert er den Abschied hinaus, warum lässt er sie nicht allein? Dann könnte sie von ihm träumen. Nicht sehr lange natürlich. Sie ist eine realistische Person und weiß, dass es nichts bringt, ihm hinterher zu träumen. Und außerdem mag sie den Regen, diesen sanften weichen Regen.

„Ich möchte es aber“, sagt er. Nun gut, wenn er unbedingt darauf besteht. Sie steigt wieder ein, denn ihr Fahrrad ist ja schon okkupiert.

Das Schweigen zwischen ihnen wird langsam richtig unangenehm, und sie ist froh, als sie endlich vor ihrem Haus ankommen. Er lädt ihr Fahrrad ab und setzt sich wieder ans Steuer.

„Mach’s gut Daniel“, sie spürt das fast unwiderstehliche Verlangen, ihn zu küssen, aber er schaut sie nicht an, sondern starrt vor sich hin. Also greift sie sich das Fahrrad und trägt es ohne zurückzublicken in den Keller des Hauses.

Kaum ist sie oben in ihrer Wohnung, da fühlt sie sich seltsam einsam, aber sie will nicht leiden. Es regnet gerade so sanft, sie ist so müde, so befriedigt, so erschöpft... Und die Männer sind Schweine. Obwohl, ein bisschen netter hätte sie zu ihm sein können. Aber wozu? Er ist quasi verheiratet, seine quasi Frau kommt bald zurück. Aber es tut weh, und das will sie nicht. Außerdem ist diese Nacht sowieso aus dem Ruder gelaufen, sie hat sich tatsächlich fallen lassen, ganz tief fallen lassen. Bisher hat sie immer alles unter Kontrolle gehabt, die Lust, die meistens schal und nicht der Rede wert war und die Liebe sowieso, die war nie vorhanden. Aber jetzt ist es anders, was als Rache an Marissa und Daniel gedacht war, die Verhöhnung der beiden als Liebespaar, das hat sich gegen sie gekehrt und lässt sie nun selber leiden.



Ein paar Tage später lernt sie durch Zufall jemanden kennen. Er hat fast die gleichen Haare wie Daniel und ähnliche Augen, er bleibt über Nacht da, und er ist fürchterlich scharf auf sie. Fast so wie... Aber der ist untreu und wankelmütig, und jetzt hat sie jemanden, der treu und beständig ist. Wenn er nur nicht so viel quatschen würde!

Zwei Monate später muss sie morgens öfter kotzen.
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Wieso? Kommt es vom Saufen? Oder weil er neben ihr im Bett liegt? Nein, es ist etwas anderes, etwas Biologisches. Aber er als Vater? NIEMALS!

Sie wirft ihn aus ihrem Leben hinaus. Sie zieht in eine andere Wohnung mit einer anderen geheimen Telefonnummer. Und sie hat noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen deswegen <<<



Tbc..
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Punktestand der Geschichte:   77
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Kommentare zur Story:

  @ jochen
da hast du recht, ich glaube auch, dass ihr diese heirat irgendwie gefällt, ohne dass sie sich den wahren grund eingestehen will.
und das kommende unglück? es gibt verschiedene wege, um damit fertig zu werden, und morgaines fähigkeiten sind dazu wie geschaffen... ;))
lieben gruß an dich  
   Ingrid Alias I  -  16.07.10 20:14

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  Endlich hat die scheue Rebekka einen Grund ihren heißgeliebten Daniel zu heiraten. Morgy ist glücklich und eigentlich sind es alle, aber wie ich dich kenne, wartet das Unglück nicht lange.  
   Jochen  -  16.07.10 16:33

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  @ rosmarin
könnte zwar von dem rausgeworfenen sein, ist es aber nicht, das hat die FIRMA ja schon festgestellt, und den beiden ist es wohl egal.
und stimmt, die nacht vor jahren war sehr viel schöner als die hochzeit jetzt, zumal es auch keine hochzeitsnacht geben wird... ;))
liebsten gruß an dich  
   Ingrid Alias I  -  15.07.10 13:14

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  @ doska
ich glaube, dass diese... 'eltern' viel an ihr verkorkst haben, und dabei ist ihr der glaube an liebe irgendwie abhanden gekommen. die suche danach wohl nicht, das erklärt vielleicht die spontanität ihrer aktionen. aber in den letzten jahren ist sie zumindest ruhiger geworden, dank morgaine natürlich. und vielleicht wird's ja noch was mit dem gatten... ;))
lieben gruß von mir  
   Ingrid Alias I  -  15.07.10 13:05

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  hallo, ingrid, na, sowas, sie könnte ja jetzt auch von dem rausgeworfenen schwanger sein. ich bin ja mal gespannt. aber nein, morgaine ist von daniel, das spürt man. aber romantisch war die hochzeit in meinen augen nicht. aber die liebesnacht in der rückblende. jepp, und schön, dass der billy idol eine rolle spielt. ich habe seine beiden konzerte hier in berlin miterlebt, einfach toll.
grüß dich  
   rosmarin  -  15.07.10 09:42

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  Schön, haben sie sich also gefunden die Zwei- jedenfalls vorläufig. Und auf welche Kleinigkeiten man in seiner Aufregung achtet- sehr typisch. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Rebekka eigentlich schon immer recht spontan war. Außerdem konnte sie wohl nie so recht an das Glück in der Liebe glauben. Kein Wunder bei dieser Vergangenheit. Denn richtig liebevoll sind ihre Eltern wohl nie mit ihr umgegangen.  
   doska  -  14.07.10 21:54

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  und dabei ist es doch eine richtig unromantische hochzeit, nur so angedeutet, und man braucht viel fantasie, um eine zukunft drin zu erkennen. ich wollte auch noch schreiben, dass es um 2000 spielt, da brauchte man das ganze zeug noch, heute nicht mehr, keine trauzeugen, kein aushängen, keine ringe... irgendwie ernüchternd, gelle? ;)
freut mich, dass es dir gefallen hat und wolle mer mal schaue, was noch kommet...
lieben gruß von mir  
   Ingrid Alias I  -  14.07.10 12:59

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  Ich bin ja so eine olle Romantikerin. Da gefällt mir das Thema "heiraten" natürlich ganz besonders. Du hast das Ganze so schön plastisch beschrieben, dass man richtig dabei sein konnte. Es war alles so typisch und so echt. Ich war kurz davor ein Rührungstränchen zu verdrücken. Kein Wunder, dass sich Morgaine riesig gefreut hat. Endlich kriegt sie ihren Papi. Schön ist auch der Rückblick, damit man verstehen kann, weshalb sich Rebekka zunächst geweigert hat, ihre große Liebe anzunehmen. Aber ich schätze mal, ganz so paradiesisch wird alles nicht bleiben. Zirza und ihre Kumpane werden bestimmt bald wieder tätig werden.  
   Petra  -  13.07.10 18:33

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