Holidays in Kampodia Kap. V – Teil 5 NOTWENDIGKEITEN...   74

Romane/Serien · Romantisches

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 24. Juni 2010
Bei Webstories eingestellt: 24. Juni 2010
Anzahl gesehen: 2116
Seiten: 8

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Zwei Stunden später hörte Rebekka langsam auf zu weinen. Die Tränen waren über sie gekommen wie ein unaufhaltsamer Sturzbach, sie weinte über Morgaines Verschwinden und über ihre Wiederkehr, sie weinte über ihre eigene Kindheit, über ihre Eltern, über ihre Beziehungen, sie weinte über all das, worüber sie ihr ganzes Leben lang noch nicht geweint hatte.

Und nun fühlte sie sich wie eine Landschaft, über der ein riesiger Gletscher gelegen hatte, doch der Gletscher war weitergewandert, und die Landschaft richtete sich allmählich wieder auf, kehrte zu ihrem ursprünglichen Zustand zurück. Irgendetwas war geschehen, sie wusste nicht was, sie wusste nur, etwas in ihrem Wesen hatte sich verändert, nein, das stimmte nicht, es war etwas hinzu gekommen. Und das war das Wesentliche, es versöhnte und vereinte sie. Es war, als wäre sie heute zum ersten Mal in ihrem Leben richtig vollständig, so wie sie eigentlich sein sollte – und nicht mehr so zerrissen und unglücklich, wie sie sich immer gefühlt hatte.

Gab es das Gegenteil von Schizophrenie, und wie hieß das wohl? Egal, sie wusste jetzt, dass sie es schaffen konnte, aus dem Teufelskreis ihrer Angst und ihrer Komplexe auszubrechen. Sie trug nicht die Schuld am Verhalten ihres Vaters, und der Hass ihrer Mutter auf sie war grundlos. Sie durfte sich dadurch nicht ihr Leben versauen lassen. Fast meinte sie, eine Stimme in ihrem Kopf gehört zu haben, die ihr erklärte: ‚Das Wichtigste im Leben ist die Liebe, natürlich ist sie ein Wagnis, doch wenn du dich ihr verweigerst, dann steigert sich deine Verzweiflung.’ Seltsam altertümlich hatten diese Worte geklungen.



Sie war im Moment so froh über jede körperliche Nähe. Vorhin hatte sie Claudia leise gedankt und sich an ihr festgehalten. Claudia hatte an Morgaines Rückkehr geglaubt, als Rebekka selber schon schwach gewesen war.

Oder Archie, er war gekommen und hatte sie umarmt, er war ja selber Vater und wusste auch, wie es ist, wenn man ein Kind... Auch Tante Bernadette war da gewesen. Die arme Tante Bernadette, die ihre Tochter und gleichzeitig ihre Enkelin verlor vor fünfzehn Jahren, auch sie hatte Rebekka an sich gedrückt, und Rebekka musste wieder weinen ...



Und jetzt saß Daniel neben ihr auf dem Sofa, und er streichelte geistesabwesend ihre Hand.
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Rebekka genoss es, sie hatte Morgaine ins Bett gebracht, damit sie sich richtig ausschlafen konnte. Sie hatte die Nacht in der Krypta gut überstanden, und auch die eisige Kälte darin hatte ihr nicht geschadet. Wieder kamen Rebekka die Tränen. Daniel hatte Morgaine gefunden und zurückgebracht. Allerdings schien er nicht ganz bei der Sache zu sein, denn er guckte streng an die Wand, als ob er über irgendetwas nachgrübeln musste. Aber das war egal, sie strahlte ihn durch die versiegenden Tränen hindurch an und sagte: „Wie hast du das nur geschafft, Daniel?“

Er sagte nichts, sondern schaute sie nur prüfend an. Und allmählich wurde ihr ein wenig beklommen zumute. Was hatte er?

„Kannst du es jetzt wenigstens zugeben?“, sagte Daniel schließlich und ließ ihre Hand los.

„Was denn? Was soll ich zugeben?“ Rebekka hatte absolut keine Ahnung, was sie zugeben sollte. Und ihre Hand kam ihr auf einmal nutzlos und verlassen vor.

„Dass ich Morgaines Vater bin! Und rede dich nicht wieder mit damit heraus, dass sie keinen Vater braucht!“

„Aber ...“ Rebekka wurde still. Seine Stimme hatte so eindringlich und kalt geklungen, dass sie wirklich versuchte, in die Vergangenheit hineinzuschauen und sie zu ordnen. Eigentlich war es das erste Mal, dass sie es tat. Sie überlegte angestrengt, aber es kam nichts dabei heraus, bis dann auf einmal ...

„Ich hab’ doch die Pille genommen“, meinte sie schließlich kläglich, aber in einem Winkel ihres Hinterstübchens war ihr dazu eingefallen: Sie hatte zwar die Pille genommen, aber sie hatte diese Darmgrippe gehabt. „Verdammt!“, entfuhr es ihr entgeistert.

„Ich will gar nicht wissen, warum und wieso, es ist eben so.“ Daniels Stimme klang ein wenig zärtlicher als zuvor, was soviel hieß, sie klang wie die Stimme eines Eisbergs.

„Und woher nimmst du diese Gewissheit?“ Rebekka war trotz ihres wiedererlangten Erinnerungsvermögens immer noch skeptisch.

„Herrgott, Mädel! Ich habe eine Verbindung zu Morgaine, nur dadurch habe ich es geschafft, sie da raus zu kriegen.“

„Eine Verbindung? Was soll denn das für eine Verbindung sein?“, fragte Rebekka ungläubig.

„Irgendwas mit Telepathie, ich glaube, ich kannte sie schon, als sie noch in deinem Bauch war .
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..“

„WAS? Das gefällt mir jetzt aber gar nicht“, Rebekka schaute ihn empört an, sie hatte es nicht gerne, wenn jemand in ihr spionierte, sei es in ihrem Bauch oder sei es in ihrem Gehirn.

„Es war warm und dunkel und schaukelig.“

„Quatsch! Das war nur eine Einbildung pränataler Art!“

„Nein, das war es mit Sicherheit nicht. Später habe ich dann auch andere Sachen gesehen.“

„Und welche bitte?“

„Einmal habe ich mich selber gesehen, das war einwandfrei aus deinem Kopf heraus. Wie auch immer, jedenfalls kannte ich Morgaine schon aus Träumen, da wusste ich noch gar nicht, dass sie existiert.“

„Du spinnst ja wohl“, ereiferte sich Rebekka, die krampfhaft darüber nachgrübelte, warum er sich selber hatte sehen können. Von IHREM Kopf aus? So ein Quatsch! Und dann fiel ihr siedendheiß ein, dass sie wohl öfter an ihn gedacht hatte, und zwar wenn sie sich ähem ... selber befriedigt hatte. Und dieser Gedanke brachte sie dermaßen aus dem Konzept, dass sie das andere, nämlich dass er Morgaine schon kannte, bevor er sie äääh ... Das war zu verwirrend, jedenfalls hoffte sie, dass Morgaine nicht allzu viel davon mitgekriegt hatte, vor allem nichts von Daniels Körper...

„Ich glaube, dass Morgaine in Gefahr ist. Jemand versucht, sie in seinen Besitz zu bekommen.“

„Aber warum denn?“, fragte sie, obwohl ein Teil von ihr die Antwort bereits wusste.

„Sie kann Bilder in unseren Köpfen sehen, sie kann Bilder schicken und andere lesen, und wer weiß, was sie noch alles kann.“

„Ja, sie ist außergewöhnlich.“ gab Rebekka zu, und ihre Augen füllten sich wieder mit Tränen. „Sie ist so lieb und so gut, und sie weiß so viel. Aber was können wir tun?“

„Wir sollten heiraten!“, sagte Daniel nach einer kurzen Pause, und er wirkte vollkommen unbewegt bei diesen Worten.



„Heiraten?“ Rebekka starrte ihn an. Ihn heiraten? Obwohl sie eine sehr realistische Person war – das dachte sie jedenfalls von sich – war der Gedanke verlockend. Vielleicht hatte sie im tiefsten Inneren das Verlangen gehabt, es irgendwann zu tun, das mit dem Heiraten. Aber so? Das war nicht gerade die Hochzeit, die ein Mädchen sich wünschte.
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Andererseits war das alles vollkommen egal, denn jetzt ging es um Morgaines Sicherheit. Aber wieso heiraten?

„Warum?“, fragte sie ratlos.

„Sie wäre dann weniger gefährdet“, Daniels Stimme klang seltsam tonlos. „Du hattest doch gestern diesen Unfall. Und du reitest doch immer um die gleiche Zeit?“

Rebekka nickte und bewegte unbehaglich ihre verletzte Schulter, denn jetzt fühlte sie ihn wieder, den Schmerz, den sie gestern Nacht wohl verdrängt hatte.

„Der Sattelgurt kam mir vor, als hätte ihn jemand angeschnitten.“

„Oh Gott!“

„Und dieser neue Stallbursche, er ist einfach verschwunden. Keiner hat ihn mehr gesehen, keiner weiß, wer ihn eingestellt hat und ob er überhaupt eingestellt wurde. Max ist ja nicht da ...“

Rebekka starrte ihn an. „Das ist wirklich seltsam“, flüsterte sie in sich hinein.

„Sehr seltsam. Wirklich! Aber falls er etwas damit zu tun hat, dann war er nur ein Handlanger für irgendjemand anders. Vielleicht für eine Organisation, die so etwas erforscht. Ich habe von einem weißen Operationsraum geträumt.“ Daniel schüttelte sich leicht.

„Du hast davon geträumt? Aber wieso...“ Rebekka verstummte. Sie konnte sich nur langsam mit Morgaines Fähigkeiten abfinden.

„Es kam mit Sicherheit von Morgaine, sie kann wahrscheinlich auch in die Zukunft sehen, vielleicht träumt sie von Dingen, die eventuell passieren können unter bestimmten Umständen. Und ich kriege sie manchmal mit.“

„Ein Operationssaal?“ Rebekka wurde blass, sie hatte erst jetzt dieses Wort realisiert.

„Ein Operationssaal! Und wenn das kein Zufall ist? Was passiert, wenn du stirbst?“ Daniel schaute sie eindringlich an. „Würden deine Eltern für Morgaine sorgen können? Von denen habe ich übrigens auch geträumt.“

Rebekkas Gesicht wurde noch blasser. Ihre Eltern? Nein, nein, nein, um Himmels Willen! Nicht ihre Eltern. Nicht ihre Mutter, und erst recht nicht ihr Vater!

„Nein, das will ich nicht!“, sagte sie hart. „Da heirate ich doch lieber dich!“ Auch das konnte nicht sein. Warum hatten diese Worte ihren Mund verlassen, sie war ja total verrückt im Moment, vollkommen außer sich vor Glück, dass Morgaine wieder da war und auch total außer sich, weil sie sich Sorgen machte.
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Es stimmte, Morgy war etwas Besonderes, und das mit dem Hineinblicken in anderer Leute Köpfe hörte sich zwar unwahrscheinlich an, aber wie sonst hätte Daniel Morgaine finden können in diesem Loch, in dieser Krypta, umgeben von Toten – und das alles nur erreichbar durch einen Geheimgang, von dem niemand etwas mehr wusste. Rebekka erschauerte, Tote, Skelette und ihr kleines Mädchen allein in dieser Dunkelheit ... Dann fiel ihr schlagartig ein, dass doch noch jemand davon wusste, nämlich der Entführer. Sie fing an zu zittern.

„Aber ich habe keine Papiere“, sagte sie hilflos.

„Das ist kein Problem. Wir brauchen nur deine Geburtsurkunde. Es muss aber schnell gehen.“

„Die habe ich zu Hause“, murmelte Rebekka. Tatsächlich hatte sie bei ihrem Auszug aus dem Elternhaus alle wichtigen Urkunden und Unterlagen mitgenommen.

„Wir brauchen jemanden, der die Urkunde hierhin faxen könnte. Und er sollte sie auch mit der Post schicken. Per Einschreiben mit Rückschein natürlich. Ich habe schon mit Archie gesprochen, er wird den Bürgermeister überreden, die Kopie anzuerkennen. Das Original werden wir dann später nachreichen.“

„Meinst du, das geht?“ Rebekka schaute ihn zweifelnd an.

„Ich hoffe es!“

„Dann rufe ich Sabine an, die hat einen Schlüssel.“

„Sehr gut, also morgen dann?“ Daniel lächelte sie an, aber es sah aus, als wäre er mit seinen Gedanken ganz woanders.

„Wo sind die Blumen, und solltest du nicht vor mir niederknien?“, sagte Rebekka in einem Anfall von Sarkasmus.“

„Es ist ja nur pro Forma.“

„Du bist echt lustig! Meine Hochzeit hab’ ich mir etwas anders vorgestellt, vor allem nicht so überstürzt.“ Rebekka schüttelte den Kopf. Dann aber dachte sie an ihre Tochter, sie konnte es immer noch nicht fassen, dass Morgaine wieder da war. Sie musste geschützt werden. Und auf keinen Fall sollte sie in die schmierigen Hände ihrer so genannten Großeltern geraten.

„Du hast von meinen ...“, sie machte eine winzige Pause, bevor sie fortfuhr, „Eltern geträumt?“

„Ich denke schon. Morgaine war etwas älter als jetzt und nannte den Mann Opa. Er war blond und sah irgendwie“, Daniel redete nicht weiter, denn gerade kam ihm zum Bewusstsein, dass er wohl über seine zukünftigen Schwiegereltern sprach.
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Seltsamer Gedanke.

„Du wirst nichts mit ihnen zu tun haben!“, sagte Rebekka wütend. „Ich war seit Jahren nicht mehr bei ihnen, und sie wissen nichts von Morgaine.“

„Wieso Rebekka? Was haben sie dir angetan?“

Rebekka sah aus, als würde sie gleich wieder anfangen zu weinen, und er wechselte das Thema und meinte: „Ich lass’ mir dann auch mal mein Stammbuch reinreichen.“

„Wie haben sie gewohnt?“, fragte Rebekka.

„Was, wer?“

„Na, meine Eltern…“

„Es war alles ziemlich abgewetzt und eng. Wie in einer sehr billigen Mietwohnung.“

„Dann haben sie das Haus verkauft und das Geld meinem Bruder in den Hintern gesteckt.“ Rebekka lachte auf, aber es war ein bitteres Lachen. „Oder sollte ich besser sagen, dass sie es in ein paar Jahren tun werden?“



Sie schien ihre Eltern nicht besonders zu mögen. Was hatten sie ihr angetan, und warum sprach sie nicht darüber? Daniel war auf einmal selber voller Zweifel. Empfand sie überhaupt etwas für ihn? Nichts deutete darauf hin. Und was trieb sie mit Archie? Die Beiden schlossen manchmal die Tür der Bibliothek von innen ab, man hörte nur gedämpfte Musik und ab und zu leises Lachen. Man konnte sich alles mögliche darunter vorstellen, und Daniel hatte viel Phantasie... Aber trotz aller Zweifel wollte er diese Heirat, erstens weil er Rebekka liebte – ja das tat er – und zweitens, weil er diesen Traum mit dem Kamin und dem Klavier in die Wirklichkeit bringen wollte. Es wäre gut für alle, besonders für Morgaine. Und für ihn sowieso.



„Okay“, sagte Rebekka so locker wie sie konnte. „Ich rufe Sabine gleich an.“ Sie erhob sich vom Sofa, konnte ein leichtes Stöhnen nicht unterdrücken und griff sich an die Schulter.

Daniel schaute besorgt drein, und seltsamerweise freute sie das. „Bleibst du hier bei Morgaine?“, fragte sie ihn.

„Sicher“, Daniel nickte.

„Aber bevor das alles über die Bühne geht, sollten wir sie fragen, ob sie es erlaubt.“ Das war Rebekka gerade eingefallen. Wenn Morgaine es nicht wollte, dann würde sie es auch nicht tun.

„Sie weiß es schon, und sie ist begeistert.
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„Oh!“ Rebekka schaute ziemlich erstaunt drein.



~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~



Claudia, die im Souterrain des Herrenhauses wohnte, dort wo es im heißen Sommer kühl und im kalten Winter warm war, öffnete Rebekka die Tür.

Rebekka trat ein und setzte sich sofort auf das große gemütliche Sofa, das über sich ein Fenster hatte, durch das man auf den Hof des Herrenhauses gucken konnte. Rebekka war oft Gast bei Claudia, sie fühlte sich hier wie zuhause, und sie hatte Claudia Sachen anvertraut, die sie noch keinem anderen erzählt hatte.



„Ich werde also heiraten“, sagte sie und nippte vorsichtig an dem heißen Kaffee, den Claudia ihr gebracht hatte.

„Und wie fühlst du dich dabei?“ Claudia hatte sich neben sie gesetzt und blickte sie aufmerksam an.

„Ich weiß nicht, es ist alles so plötzlich gekommen“, Rebekka schaute unsicher in die Kaffeetasse, als ob sie in ihr lesen könnte.

„Und du hattest wirklich keine Ahnung, dass er der Vater von Morgaine ist?“

„Nein! Nicht im geringsten.“ Rebekka wirkte nachdenklich, bevor sie fortfuhr: „Kann es sein, dass ich’s verdrängt habe? Aber so blöd kann man doch gar nicht sein...“

„Man kann ziemlich blöd sein“, sagte Claudia. „Aber gerade du, du bist nicht blöd.“

„Danke Claudia“, Rebekka musste lachen. „Aber in gewisser Hinsicht bin ich doch sehr blöd. Warum habe ich den Typen, den ich für den Vater hielt, nicht als Vater angegeben. Es ist doch viel besser, wenn das Kind weiß, wer sein Vater ist, als wenn im Ausweis steht: Vater unbekannt...“

„Du warst dir also sicher, dass er der Vater ist?“

„Na klar, denn es war anscheinend die bequemste und die beste Lösung für mich. Und leider auch die teuerste...“ Rebekka grübelte immer noch darüber nach, wie es passieren konnte, dass sie Daniel nicht als Vater in Betracht gezogen hatte.

„Es war bestimmt nicht leicht für dich“, sagte Claudia mitfühlend.

„Ich wollte das Kind. Seltsam, ich wollte es. Vorher wollte ich nie eins haben. Ich hatte immer Angst, dass ich...“ Rebekka brach ab und schüttelte den Kopf.

„Dass du damit nicht fertig wirst?“

„Natürlich“, sagte Rebekka.
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„Ich hatte Angst, wie meine Mutter zu sein. Jedenfalls habe ich im ersten Moment sogar an Abtreibung gedacht.“ Sie schaute Claudia wie um Verzeihung bittend an.

„Ich kann dich verstehen. Aber du hast es dann doch nicht getan.“

„Ich wollte es, seitdem ich es gespürt hatte.“ Rebekka lächelte. „Und außerdem hatte ich die Nase voll davon, durch die Kneipen zu ziehen und jemanden aufzureißen. Auf Dauer wäre ich dabei vor die Hunde gegangen. Ich wusste nur nicht, wie ich es finanzieren sollte, ich hatte zwar einiges gespart, aber nicht genug. Und dann rief mein Vater an und machte mir das Angebot, mir mein Erbe vorzeitig auszuzahlen. Es war recht wenig, aber sechstausend Mark haben oder nicht haben... Damit ging es dann so.“

„Er hat dich bestimmt übers Ohr gehauen“, meinte Claudia.

„Das ist normal bei ihm.“ Rebekkas Mund zitterte ein wenig.

„Ach Gott!“ sagte Claudia mitleidig und schloss sie in ihre Arme. Rebekka lehnte sich an sie und musste wieder weinen. Es war wie verhext, vorher hatte sie nie richtig weinen können, aber seit sie hier in Kampodia war, hatte sie sich echt zur Heulsuse entwickelt.

„Du solltest ein wenig mehr Vertrauen in Daniel haben“, sagte Claudia schließlich. „Ich glaube, er liebt dich.“

Rebekka befreite sich aus Claudias Umarmung, nahm eine Serviette vom Tisch und wischte sich damit die Tränen ab. „Aber er ist untreu und unzuverlässig, er hat mit mir geschlafen, obwohl er noch mit einer anderen fest zusammen war.

„Ach Kind, solche Dinge passieren. Aber jetzt ist er hier, er sorgt sich um dich und um Morgaine, obwohl es ja wohl schon lange her ist, seitdem ihr...“

„Mehr als fünf Jahre ist es her.“

„Er hat dich also nicht vergessen. Und Morgaine hat eine Verbindung zu ihm.“ Claudia fügte nachdenklich hinzu: „Bei uns in der Familie gibt es auch solche unerklärlichen Dinge...“

„Ich fühle mich nur so überwältigt, und ich habe Angst davor.“

„Manchmal ist Nachgeben das Vernünftigste. Und wenn man kein Risiko eingeht, dann ist das ganze Leben sinnlos.“

Dieser Satz setzte sich in Rebekkas Hirn fest. Allerdings auf englisch, nämlich: No risk, no sense, no fun…

„Und die Hauptsache ist doch wohl, was du für ihn fühlst.
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„Das weiß ich nicht“, gab Rebekka zu. „Er ist fantastisch im...“ Sie verstummte, weil sie sich verlegen fühlte, doch dann fuhr sie schnell fort: „Er ist Morgaines Vater. Er ist in meinen Gedanken, ich weiß nicht, ob ich ihm trauen kann, er verunsichert mich. Und er will noch nicht mal einen Vaterschaftstest machen lassen...“

„Das sollte wohl reichen!“, sagte Claudia und fing an zu lachen



Fortsetzung...
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Kommentare zur Story:

  @ petra
stimmt, sie kommt allmählich zu sich, zumindest vom verstand her, war ein heilsamer schock, hoffen wir, dass die wirkung anhält - und hoffen wir, dass es dir weiterhin gefällt. ;))

@ rosmarin
danke schön! was zusammen gehört, findet sich wohl immer... tja, zumindest im roman, und das ist auch gut so. ;)
ps: ist ein wirklich heißer sonnentag, es wird zusehends schwüler, ist aber immer noch hundertmal besser als der elende winter. *g*
lieben gruß an euch!  
   Ingrid Alias I  -  28.06.10 16:08

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  was zusammen gehört, findet sich wohl immer, ganz gleich, wie verschlungen die wege sind. wieder ein tolles kapitel, das neue geheimnisse andeutet.
hab einen wunderschönen sonnentag.  
   rosmarin  -  28.06.10 10:34

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  Wie immer beschreibst du die Charaktere sehr lebensecht. Ich kann mir richtig vorstellen, wie es einem Zumute ist, wenn man das, was man verloren geglaubt hat, doch wieder erhalten hat. Rebekka kommt zu sich und Daniel weiß es. Toll, wie er Morgy und ihr zur Seite stehen will.  
   Petra  -  27.06.10 20:46

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  @ jochen
ich weiß auch nicht, ob die kleine morgy nachhaltig dadurch geschützt wird, aber es ist ein anfang. und es ist ja auch nur pro forma... *gg*

@ doska
da hast du recht, rebekka weiß es im grunde, aber kann sie es auch akzeptieren? ich hoffe es. ;)
bei diesem schönen wetter sitzt bestimmt nicht jeder am computer, deshalb noch mehr danke fürs lesen und einen lieben gruß an euch!  
   Ingrid Alias I  -  26.06.10 18:48

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  Tja, so ein Schock kann manchmal recht heilsam sein. Verdrängtes bricht sich Bahn, und eigentlich weiß Rebekka ja ganz genau, was sie an Daniel hat.  
   doska  -  26.06.10 13:28

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  Na, wenn das keine Liebe ist, dann weiß ich nicht. Daniel weiß sehr genau, was er will-von dem sollte ich mir mal eine Scheibe abschneiden- und will Rebekka heiraten. Ein günstiger Moment, aber wird das die kleine Morgy schützen?  
   Jochen  -  25.06.10 22:05

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