Holidays in Kampodia Kap. V – Teil 3 NACHT der TOTEN   133

Romane/Serien · Fantastisches

Von:    Ingrid Alias I      Mehr vom Autor?

Erstveröffentlichung: 7. Juni 2010
Bei Webstories eingestellt: 7. Juni 2010
Anzahl gesehen: 2381
Seiten: 5

Diese Story ist Teil einer Reihe.

Verfügbarkeit:    Die Einzelteile der Reihe werden nach und nach bei Webstories veröffentlicht.

   Teil einer Reihe


Ein "Klappentext", ein Inhaltsverzeichnis mit Verknüpfungen zu allen Einzelteilen, sowie weitere interessante Informationen zur Reihe befinden sich in der "Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht":

  Inhaltsangabe / Kapitel-Übersicht      Was ist das?


Morgaine wird wach, und sie weiß nicht, wo sie ist. Es ist dunkel und kalt hier.

Sie hat geträumt, und die Träume haben ihr nicht gefallen, da war ein weißer Raum wie beim Kinderarzt, aber viel größer, und er hat ihr Angst gemacht. Und dann träumte sie von den Leuten, die sie aus Mammis Kopf kannte, und bei denen gefiel es ihr auch nicht. Aber jetzt ist sie wach, es ist ein seltsamer Ort ohne Licht, und sie ist noch nie vorher hier gewesen. Normale kleine Mädchen hätten vielleicht Angst vor ihm, aber Morgaine ist kein normales kleines Mädchen.



Morgaine überlegt, wie sie hierhin gekommen ist. Gerade noch ist sie mit Tante Claudi im Stall gewesen, aber eigentlich will sie zu Mammi. Mammi ist vom Pferd gefallen, und es geht ihr schlecht. Wie auf Stichwort taucht das Gesicht ihrer Mutter vor ihr auf, es sieht zerquält aus, Mammis Augen sind fast nass, aber nicht richtig, sie öffnet den Mund und ruft etwas in die Dunkelheit. Ist es denn schon Nacht? Morgaine strengt sich an, um Mammis Worte zu verstehen, und tatsächlich hört sie es nach einer Weile: Morgaine, wo bist du?

Ich bin doch hier, Mammi, sagt sie erstaunt, und dann fällt ihr ein, dass Mammi gar nicht wissen kann, dass sie hier ist. Sie versucht, sich zu erinnern, was ist passiert? Sie ist mit Tante Claudi bei den Fohlen gewesen, und sie will zu Kalybos gehen. Tante Claudi kommt nicht mit, sie ist zu langsam. Und dann ist da auf einmal dieser neue Mann, er arbeitet im Stall, und er sagt zu ihr: Kalybos ist gerade nicht hier, er ist hinter der Kirche. Und ein kleines Kätzchen ist auch da. Soll ich mit dir hingehen? Eigentlich will Morgaine nicht mit ihm gehen, denn er ist so wie diese Zirza, so schwarz im Kopf, und das ist nicht gut.



Aber da soll ein Kätzchen sein, sie liebt Kätzchen über alles, vielleicht ist das Kätzchen in Gefahr. Vielleicht wird das gleiche mit ihm passieren wie mit Alfonso. Alfonso liegt tot auf der Straße, er bewegt sich nicht, er ist so entsetzlich steif. Der arme Alfonso! Wie kann man es verhindern? Morgan hat gesagt, dass solche Träume nur Möglichkeiten sind, hat es erklärt mit Kreuzungen, von denen verschiedene Straßen abgehen, man muss nur den richtigen Weg suchen und finden, dann kann man manchmal vielleicht das Ende beeinflussen. Nicht immer natürlich, aber manchmal.
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Bis jetzt hat sie Morgan nicht ernstgenommen, sie war zuerst nur eine Stimme in ihrem Kopf und später ein Bild an der Wand. Sie haben sich zwar unterhalten, aber Morgan redete über komische Sachen und gab ihr komische Tipps. Wollte sie ihr was beibringen? Bis jetzt hat sie noch nie über ihre Fähigkeiten nachgedacht, bis jetzt war alles nur Spaß, manchmal geht es ganz leicht, vor allem mit Daniel, den sie sehr lieb hat, und manchmal träumt sie auch nur seltsame Sachen. Manchmal träumt sie sogar mehrmals von der gleichen Sache, es ist so, als ob sie einen Film sieht, der jedes Mal anders ausgeht. Und es ist so, als könne sie beeinflussen, wie das Ende wird. Nicht immer geht das, manchmal gibt es nur den einen Weg, wie Morgan es ihr gesagt hat. Morgaine schüttelt den Kopf und überlegt weiter, wie sie hierhin gekommen ist. Also:



Sie will alleine zum Kätzchen gehen, aber der Mann nimmt sie fest bei der Hand, sie laufen schnell an der Kirche vorbei – und sie will schreien, aber bevor sie schreien kann, hat er ihr etwas ins Gesicht gedrückt. Ihr wird schwindelig, und dann ist da nichts mehr, bis sie hier im Dunklen aufwacht. Es ist sehr dunkel hier und sehr kalt.

Aber sie ist nicht allein. Mehrere Stimmen sind zu hören, manche kann sie verstehen, und manche sind so leise, dass sie nur ein Murmeln vernimmt:



Es war lange keiner mehr hier...



Wozu auch, man hat uns vergessen...



Wir sind tot, und das ist ganz normal...



Aber ein bisschen könnten sie uns doch...



Da bist du ja, Morgaine.



Ja, da bin ich, Morgaine kennt die Frauenstimme, es ist Morgan, sie kam einst aus Britannien und heiratete hier einen von Kampe, und sie ist ganz alt, so alt, dass sie lange schon tot ist. Sie hat sich schon mit Morgan unterhalten, als sie Kampodia noch gar nicht kannte. Zuerst hat sie gedacht, Morgan wäre ein Engel, der sie beschützt, aber darüber hat Morgan gelacht. Sie heißt so ähnlich wie sie selber, und sie sieht ihr auch ein bisschen ähnlich. Das Bild an der Treppe, sie hat es gleich gesehen, das ist Morgan. Und sie ist mit ihr verwandt, das versteht Morgaine zwar nicht, denn dann wäre sie ja eine Ur-Ur-Ur-Enkelin von ihr. Und wieso weiß Mammi nichts davon?



Sie versucht sich umzublicken in der Finsternis, und nach einer Weile sieht sie tatsächlich etwas, nicht durch ihre Augen, sondern durch ihren Kopf.
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Sie erkennt große steinerne Kisten, aus denen kommen die Stimmen und das Gemurmel. Aber sie hat keine Angst, denn sie ist nicht alleine.

Morgan sagt: Du solltest nicht hier sein Morgaine.

Ich weiß ich weiß, ich möchte lieber bei Mammi sein, sagt Morgaine, und bei Daniel und bei Tante Claudi.

Dann versuche, sie zu erreichen, sagt die Frauenstimme, es wird Zeit. Er wird zurückkommen und dich holen wollen.

Ich habe aber kein Telefon hier, sagt Morgaine.

Was ist ein Telefon?

Das ist so ein Ding, mit dem man andere Leute anrufen kann.

Ach so... Brauchen die heutzutage so ein Ding? Die Frauenstimme scheint sich zu amüsieren, bevor sie weiterspricht: Aber du brauchst das nicht. Ich weiß es.

Aber ich weiß doch gar nicht, wo ich bin. Ich war noch nie hier.

Ich werde es dir erklären... Und während wir warten, können wir uns unterhalten, wir sind uns ja sehr ähnlich.

Wieso hat Mammi mir nicht erzählt, dass wir verwandt sind? Und da sind noch die anderen, aber sie will nicht, dass ich sie sehe.

Zu deiner ersten Frage, deine Mutter weiß es nicht. Und zu deiner zweiten Frage, deine Mutter wird wohl ihre Gründe haben.

Über diese Antworten ist Morgaine sehr erstaunt. Doch dann reißt sie sich zusammen und denkt ganz angestrengt an Daniel. Hoffentlich kriegt er es mit: Ich bin hier, Daniel! Hörst du mich?



Die alte Morgan schweigt, nur noch das Gemurmel der anderen Leute erfüllt den kalten dunklen Raum.

Dann ertönt eine leise Stimme, sie kommt von oben, nicht von hier: Ich kenne euch nicht, ihr seid nicht meine...

Ach halt die Klappe, sagt eine andere Stimme, geh’ doch weg, wenn du dich hier nicht wohl fühlst!

Ich kann doch nicht, sagt die erste Stimme.



Und Morgaine sieht, wie ein Kind aus der Mutter kommt, es ist tot. Es wird in eine Tasche gepackt, ins Herrenhaus geschleppt, später in eine steinerne Kiste gelegt und dort oben im Mausoleum eingesperrt. Es ist unglücklich, weil es nicht hierhin gehört.
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Sie sind vertauscht worden, erklärt die alte Morgan ihr.

Man kann doch nur Karten vertauschen, sagt Morgaine, die den Hang zum Kartenspiel wohl von ihrem Vater geerbt hat, denn ihre Mutter interessiert sich überhaupt nicht dafür.

Doch das kann man. Und es sind böse Menschen, die so etwas tun. Aber das arme Kind da oben kann nichts dafür.

Das ist traurig, Morgaine schüttelt betrübt den Kopf.

Es ist sehr traurig, sagt die tote Morgan, doch nun ist es bald soweit, Daniel wird kommen und dich holen. Und wir bleiben in Verbindung.

Morgaine fängt an zu kichern: Kannst mich ja anrufen.



~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~



Daniel hat alles Mögliche abgesucht, alle Ställe, alle Schuppen, aber er hat nichts gefunden. Er scheut davor zurück, die anderen zu treffen, sein Entsetzen ist zu groß, und er hat Angst, er könne es auf Rebekka übertragen. Sie ist bestimmt schon geschockt genug.

Also besinnt er sich und denkt nach. Wenn niemand eine Spur von Morgaine gefunden hat, dann ist sie gut versteckt. Oder sie ist mittlerweile weit weg von hier. Das ist schlimm, aber... Er denkt an seine Fähigkeiten. Nein, er hat mittlerweile erkannt, dass es nicht seine Fähigkeiten sind. Morgaine lässt ihn nur daran teilhaben, vielleicht bewusst, vielleicht auch unbewusst, doch immerhin ist es eine Möglichkeit. Aber wie funktioniert es? In der Kneipe hat er direkte Bilder von ihr empfangen, aber das kann Zufall gewesen sein. Warum kommt jetzt nichts bei ihm an? Sollte er dazu schlafen? Dazu hat er eigentlich nicht die Ruhe, aber er muss es probieren, auch wenn es vielleicht vergeudete Zeit ist, die er nutzen sollte, um sie zu suchen. Oder ist sie etwa... Es kommt nichts bei ihm an, das könnte bedeuten... Sein Gesicht wird bleich. Nein, nein, nein, das ist sie nicht! Niemals!



Also schlafen, vielleicht auch träumen... Hamlets Monolog voller Zaudern. Wieso hat man immer so beknackte Gedanken! Daniel stöhnt auf und fasst sich an den Kopf. Irgendwie muss er sich dazu zwingen, einzuschlafen. Muss es versuchen, auch wenn es falsch ist. Und warum hat er sich nicht um Morgaine gekümmert, auf sie geachtet? Rebekkas Sturz hat ihn davon abgelenkt. Ob das Absicht war? Aber trotzdem, man muss immer auf sein Kind achten.
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Er hat sich einlullen lassen von Kampodia, Kampodia ist anscheinend nicht so friedlich wie es scheint. Irgendjemand treibt hier sein Unwesen...



Er sieht Rebekka an der Terrassentür stehen, und sie blickt hinaus in die Dunkelheit. Alles in ihm drängt zu ihr, aber er widersteht diesem Drängen und geht von allen unbeachtet die Treppe hoch. Er kann ihr jetzt nicht helfen, er muss träumen. Oder auch nicht. Was, verdammt noch mal könnte richtig sein?



Daniel lässt sich auf sein Bett fallen und versucht einzuschlafen. Er hat sich dazu entschlossen, obwohl es falsch sein könnte. Vielleicht sollte er etwas Alkoholisches trinken? Aber es darf nicht zuviel sein, sonst wird er zu fest schlafen und nicht träumen. Also besser nicht. Oder doch? Was ist richtig, was ist falsch, was soll er tun? Er geht an den Kühlschrank, greift sich die angebrochene Flasche Weißwein und trinkt mehrere Schlucke direkt aus der Flasche.



Er legt sich wieder auf das Bett. Er wälzt sich hin und her, durch die nicht zugezogenen Vorhänge fällt ab und zu das Licht des Vollmonds, wenn er gerade nicht von Wolken verdeckt wird.

Daniel weiß nicht, ob er schläft, und falls er schläft, dann ist es ein unruhiger nervöser Schlaf, mehr Wachsein als Schlaf, aber es scheint zu klappen, denn er träumt wirklich...



Fortsetzung kommt
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Punktestand der Geschichte:   133
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Kommentare zur Story:

  @ petra
ja, die kleene ist ganz schön gut drauf. wenn die mal älter ist... ;))
das mit dem vertauschten baby wird im nächsten teil aufgeklärt, und ich hoffe, es ist - ohne Namen zu nennen - eindeutig zu verstehen. ;)

@ doska
danke doska! isch freu misch!

lieben gruß von mir  
   Ingrid Alias I  -  10.06.10 15:00

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  Ein spannender fantastischer Teil, der dir sehr gut gelungen ist. Morgaine ist ja richtig süß. Sie gefällt mir in ihrer Furchtlosigkeit und ich glaube, gerade weil sie so ist, erscheinen einem die Verstorbenen umso unheimlicher, die mit ihr in diesem Mausoleum sprechen. Man möchte Morgi am liebsten beschützen. Aber ich glaube die Kleine weiß sich sehr gut selbst zu helfen und sie hat ja zur Not noch ihre Ur-Ur- undwerweißnichtwas- Großmutter Morgan, die sie berät. Bin richtig neugierig, wie sich das noch klären wird.  
   doska  -  09.06.10 21:53

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  Obwohl es gruselig ist, wie die Toten in diesem Mausoleum reden, nimmt Morgane das ganz gelassen. Man merkt sie ist das gewohnt. Es gefällt ihr nur nicht, dass sie ohne, dass sie es wollte, dorthin verschleppt worden ist. Und dabei wird ein Teil von einem Geheimnis gelüftet, aber nicht ganz und gar, denn noch weiß man nicht welches lebende Baby von welcher Mutter mit einem toten vertauscht worden ist und wer das getan hatte. Sehr spannend. Ich hoffe Daniel nimmt recht bald Morganes Hilferufe war.  
   Petra  -  09.06.10 21:28

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  @ jochen
puh, ich bin erleichtert, ich bin ja fantastisch nicht so bewandert, dachte es wäre zu unglaubwürdig, aber... danke! ;)  
   Ingrid Alias I  -  09.06.10 17:20

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  @ rosmarin
und ich finde es schön, dass du es verstehen kannst, ich weiß ja selber nicht, wie es funktioniert, ob es funktioniert... es ist so außerhalb meiner vorstellungskraft, aber ich habe fantasie, ein bisschen jedenfalls. ;))
lieben gruß  
   Ingrid Alias I  -  09.06.10 13:19

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  Du hast dich ganz hervorragend in die Lage und auch in die Gedankenwelt der kleinen Morgane hinein versetzt. Auch das Fantastische kam glaubhaft herüber. Es war daher ein wahrer Genuss dieses Kapitel zu lesen. Natürlich bin ich gespannt wie ein Flitzbogen, wie denn alles weitergehen wird.  
   Jochen  -  08.06.10 17:52

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  hallo, ingrid, schön, wie du diese gedankenübertragungen und verbindungen beschreibst. es wird klappen. ich kenne das. daniel findet morgaine.
grüß dich  
   rosmarin  -  07.06.10 17:08

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